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Eine Leerstelle Februar 3, 2013, 1:53

Posted by Lila in Persönliches, Uncategorized.
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Als Kind wurde ich von meiner progressiven Tante mit einem stetigen Strom progressiver Kinderbuecher versorgt, viele davon aus dem Haus Beltz&Gelberg. Manche fand ich interessant, manche nicht, wie das eben so ist.

Ein Buch, das ich wirklich mochte, war “Maikaefer flieg” von Christine Noestlinger, obwohl ich das Ende sehr bedrueckend fand – das Verschwinden des Kochs Cohn, dessen Schicksal offenbleibt. Aus irgendwelchen Gruenden fiel mir das Buch gerade wieder ein, und auch, dass ich als Kind tatsaechlich keine Ahnung hatte, was der Name Cohn bedeutet. Im Buch wird Cohn als Russe bezeichnet, und obwohl Cohn der juedischste aller Namen ist, habe ich ihn nicht als solchen erkannt. Es gab ja gar keine Juden in meiner Kindheit. Davon habe ich bereits berichtet, ich weiss. Aber diesmal wollte ich ein bisschen weitergraben.

Dabei glaube ich, dass die Figur des Cohn viel besser verstaendlich ist in ihrem Aussenseitertum, wenn man begreift, dass der Schneider aus Leningrad Jude ist. Er ist geradezu der stereotype, wehrlose, von anderen angefeindete Jude. Dass die Erzaehlerin das nicht erwaehnt, bedeutet ja noch nicht, dass man als erwachsener Leser nicht aufmerkt und sagt: oh, unter den Siegern, die nach Wien einmarschieren, ist ein Jude.

Nun dachte ich mir, schau ich doch mal nach, ob andere Leser schlauer sind als ich.

Das Buch hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag.

Christine freundet sich derweil mit dem russischen Feldkoch Cohn an, einem Schneider aus Leningrad. Als dieser ihr hilft, von zu Hause davonzulaufen, damit sie ihre in Wien zurückgebliebenen Großeltern besuchen kann, kommt es zu seiner Enttarnung und Gefangennahme als deutscher Deserteur.

Eine Besprechung unter dem Gesichtspunkt Friedenspaedagogik:

Christel lernt den Koch des russischen Truppenteils näher kennen. „Sie setzt sich oft zu ihm. Mir gefiel es beim Koch. Auch wenn mich die anderen deswegen für blöd hielten. Ich liebte den Koch, weil er kein Krieg war. Nichts an ihm war Krieg, gar nichts. Er war ein Soldat und hatte kein Gewehr und keine Pistole. Er hatte eine Uniform, aber die war ein Lumpensammlergewand. Er war ein Russe und konnte deutsch reden. Er war ein Feind und hatte eine sanfte, tiefe Schlafliedstimme.“ Cohn erzählt ihr viel von seiner Heimatstadt Leningrad und dem Leben dort vor dem Krieg.

Kaum zu glauben, aber diese gaenzlich naive Besprechung hat wohl eine Studentin geschrieben, sie taucht jedenfalls als Buchanalyse in einem Seminar auf:

Das neunjährige Mädchen der Familie freundet sich mit dem sowjetischen Koch Cohn an, der in das Gartenhäuschen der Familie einzieht, um die sowjetischen Besatzungssoldaten zu verpflegen. Doch diese Freundschaft hält nicht ewig…

Eine Geschichte voller Tragik und Komik!

….

Die Hauptdarstellerin freundet sich mit dem Koch Cohn an, der die Besatzungssoldaten verpflegt. Sie erleben viele aufregende Sachen miteinander.

Das Leben in der Nachkriegszeit wird beschönigt. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass die Familie in einem Adelsviertel lebt, und dort die Belastungsfaktoren wie Hunger und Tod nicht zu spüren waren.

Die positiven Faktoren überwiegen die negativen.

Hauptdarstellerin – sagt man das ueber Literatur? Hunger und Tod sind nicht zu spueren? Die Studentin muss ein anderes Buch gelesen haben. Hunger und Tod stehen praktisch staendig auf der Schwelle. Ich fand das Buch, wie gesagt, als Kind sehr bedrueckend und traurig.

LÜCKEN UND TABUS:

Wovon wird in diesem Buch nicht berichtet? Was wird ausgelassen?

Welche Tatsachen werden verschwiegen? Warum?

Das Thema der zerrütteten Familienverhältnisse wird nicht erwähnt. Die junge Frau Braun hat zwar keinen Mann mehr, aber dies wird nicht weiter erwähnt. Sie verliebt sich in einen Besatzungssoldaten.

Der Tod wird auch nicht angesprochen. Ganz zu Beginn des Romans wird zwar eine Frau, die auf der Strasse herumrennt durch eine Bombe getötet. Sie wird aber im weiteren Geschehen als “Verrückte” betitelt und erweckt so keinerlei Mitleid.

Des weiteren sind kaum Elemente von Angst in die Geschichte eingebaut.

Man erfährt recht wenig über das Leben in der Nachkriegszeit ausserhalb des Adelsviertels.

Sie muss wirklich ein anderes Buch gelesen haben. Der vermutliche Tod des Herrn von Braun wird thematisiert, die Hannitante und die Grossmutter sind vollkommen verstoert… aber dass das Judentum Cohns verschwiegen wird, vielleicht, weil es dem Maedchen Christel nicht auffaellt, das verschweigt auch die Studentin. Nun, vielleicht ist es auch ihr nicht aufgefallen?

Eine kurze Zusammenfassung des Buchs, auch dabei bleibt Cohns Identitaet unerwaehnt:

Christel lernt den Koch des russischen Truppenteils näher kennen. Er heißt Cohn und sie beginnt sich mit ihm anzufreunden. Christel liebt den hässlichen, kleinen Koch mit der dicken Brille. Sie wird für ihre Freundschaft gehänselt, aber sie liebt ihn auf ihre Art, weil er ein Soldat ohne Gewehr und Pistole ist. Seine Uniform besteht nur noch aus Lumpen und er hat so gar nichts an sich, was mit dem Krieg zu tun hat.

Nun, die Autorin ist Schuelerin – sie hat das Buch gut erfasst, aber auch sie hat Cohn nicht als Juden erkannt.

Na ja, das waren alles Amateure, die nur kurze Texte verfasst haben. Ich haette darueber gar nicht erst gebloggt. Aber dann habe ich eine Anleitung fuer Lehrer ausfindig gemacht, wie man Maikaefer flieg im Unterricht behandeln kann. Auch dort bleibt Cohn der russische Koch. Obwohl auf Seite 5 ueber das unmenschliche Regime des Nationalsozialismus geredet wird, wo sich doch angeboten haette, zu erwaehnen, dass Cohn doppelt Zielscheibe dieser Ideologie war…. und ihr Gegenbild. Kein Wort.

Und zum Schluss, als ganz kurz zeitgeschichtliche Zusammenhaenge angerissen werden, wird zum Judentum nur gestammelt. “Mitbuerger juedischen Glaubens” haetten die Nationalsozialisten ermordet – als waeren nur deutsche “Mitbuerger” umgekommen, und als waeren sie ihres Glaubens wegen ermordet worden. Auch getaufte oder unglaeubige Juden wurden ermordet. Das scheinen sich die feinsinnigen Paedagogen nicht klargemacht zu haben. Sie bringen das Kunststueck fertig, ueber den zweiten Weltkrieg zu reden, ohne den Holocaust zu erwaehnen.

Auf Seite 17 dann erfahren wir zu unserem Erstaunen, dass Hitler und seine Nationalsozialisten “Juden schlecht behandelten und mit ihnen nichts zu tun haben wollten”. So watteweich verpackt habe ich den Nationalsozialisms selten gesehen. Wieso soll man denn ein Buch wie Maikaefer flieg mit den Kindern lesen, wenn man nicht bereit ist, mehr als “schlechte Behandlung” der Juden als Zeithintergrund zuzulassen? Klar, die Russen in Oesterreich spielen eine Rolle, aber die Bedrohung durch die Deutschen ist deutlich zu spueren, und wenn eine der Hauptfiguren doch Jude ist, koennte man wenigstens erwaehnen, dass es auch einen Holocaust gab…? von dem die Figuren im Buch, damals Kinder, nicht wussten? und der einem heute beim Lesen einen duesteren Hintergrund mitgibt?

Nun nun. Die Leseliste ist gut. Aber die auf der Rueckklappe angekuendigte “Erweiterung des Weltwissens” halte ich fuer uebertrieben.

Wundert es mich, dass auch die Amazon-Leser Cohn nicht als Juden erkennen? Nein. Und dass eine tschechische Studentin, die ihre Magisterarbeit ueber Kriegserinnerungen als Kinderbuecher schrieb, Cohn folgendermassen erwaehnt:

Nach dem Einmarsch der russischen Soldaten wohnen hier auch diese Russen. In dem Lusthaus im Garten machen sie die Küche und sie hatten auch einen eigenen Koch. Dieser Koch ist sehr unschön, aber Christel verliebt sich in ihn. Sie verbringt mit ihrem treuen Freund hier sehr viel Zeit. Sie erzählt viele abenteurliche Geschichte, die sie nicht nur mit Cohn erlebte, sondern auch mit anderen Menschen- z.B. mit den Nachbarn (Engel, Wawra, ..)- in dieser chaotischen Zeit. Auch ihr Vater unterhält sich mit den Russen. Meistens trinken sie Schnaps. Nachdem die Russen wegkamen, zieht auch Christel mit ihre Familie aus der Villa wieder in die Stadt zurück. 

Welche Erleichterung, dass zumindest die Autorin des Buchs “Familienkonflikt in der Kinder- und Jugendliteratur” einen Juden erkennt, wenn sie ihn sieht  - sie heisst uebrigens Mei-Chi Lin. Man koennte fast auf die Idee kommen, dass ein Abstand zu Europa einen klareren Blick schenkt. 

Was ich damit sagen will? Entweder Juden sind wirklich unsichtbar und keinem faellt auf, dass ein Mann namens Cohn Jude ist und dass sein Judentum in der Geschichte eine Rolle spielen koennte – gerade fuer uns, die Nachwelt. Oder das Wort “Jude” ist so fuerchterlich tabubeladen, dass man es am besten gar nicht erst ausspricht. Diese Leerstelle erschreckt mich.

Und ich wuesste bis heute gern, was aus dem Cohn geworden ist.

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Kommentare

1. Silke - Februar 3, 2013, 2:32

M. Cohn ist meine beste Erinnerung an die gräßlichen 6 Monate in Paris – ich wußte, daß er Jude ist, weil er eines Tages bleich aus dem Büro des Chefs zu mir kam und fragte, ob alle Deutschen so dächten, nämlich daß nicht alles schlecht war unter Hitler und noch einiges dazu.

Aber daß Cohn ein besonderer Name ist, habe ich erst viel viel viel später erfahren.

Ich hoffe, das Glück war Deinem M. Cohn hold – doch eins verstehe ich nicht, wird es im Buch nicht erwähnt? und wenn nein, warum nicht.

Ich finde es schwer zu glauben, daß keineR je in Christel’s Gegenwart gesagt haben soll “Oh watt’n Judd” – in meiner Kindheit war das jedenfalls noch gang und gäbe, wann immer einer ne große Nase hatte und zumindest die Erwachsenen müssen doch gewußt haben ….

Also irgendwas stimmt da nicht …

2. Monika - Februar 3, 2013, 10:22

Cohn kannte ich auch nicht als jüdischen Namen.

3. Ima - Februar 3, 2013, 16:56

Die Kinderbuchautorin Christine Nöstlingers scheint im Moment ein aktuelles Thema zu sein:
denn nicht nur in ihrem Buch “Maikäfer flieg” gibt es den Cohn, sondern auch der Gurkenkönig in dem Kinderbuch „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig” trägt einen hebräischen Namen

http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article113141209/Noestlinger-findet-Vorwurf-gegen-Kumi-Ori-absurd.html

http://www.tagesspiegel.de/kultur/diskussion-um-kinderbuecher-ein-gemuesediktator-namens-jerusalem/7684294.html

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/die_wuerdige_greisin_von_jerusalem/

4. Sophist X - Februar 4, 2013, 10:39

Was es mit dem Namen Cohn (Kohn) auf sich hat, dürfte sehr wenigen geläufig sein, die sich nicht aus eigenem Antrieb damit befassten. Jüdische Kultur und Geschichte, sofern es nichts mit Hitler zu tun hat, ist eine Nullnummer im deutschen Bildungskanon.
Ich selbst habe es auch eher zufällig mal bei Wiki gefunden.

5. j5727 - Februar 4, 2013, 19:51

Es ist bedauerlich aber wahr. Nur die Allerwenigsten können mit so alltäglichen Dingen wie den wichtigen Feiertagen oder den allerbasalsten Alltagsdingen was anfangen.

Ob das Methode hat? Ich denke schon, es betrifft aber auch andere Religionen, wenn ich irgendwelche Deutsche frage, was denn das Zuckerfest (am Ramadanende) sei oder an was denn die Hindus glauben, sehe ich in planlose Gesichter…. Es sei denn sie haben in der Schule x-mal die fünf Säulen des Islams durchgekaut, dann kennen sie zwar den Ramadan, aber sonst nichts…

Es ist wohl auch so dass alles was viele Leute nicht unmittelbar selber betrifft sie auch nicht interessiert. Ist schade, aber Fakt.

6. j5727 - Februar 4, 2013, 19:52

Man sollte versuchen es bei den eigenen Kindern anders zu machen…

7. Lila - Februar 4, 2013, 20:04

Dass nicht jeder den Namen Katz als Variation von Cohen erkennt, ist klar. Aber Cohen nicht als juedischen Namen erkennen? Das ist doch ein Stueck Allgemeinbildung, Namen identifizieren zu koennen. MacTavish, O’Connor, Singh…. auch Cohen ist einfach so ein typischer Name. Und es gibt auch gar nicht so wenige beruehmte Cohen.

Und kennen wirklich so wenige Fontanes ambivalentes Gedicht ueber seine juedischen Bewunderer? Da steht Cohn fuer alle Juden.

Jedem bin ich was gewesen,
Alle haben sie mich gelesen,
Alle kannten mich lange schon,
Und das ist die Hauptsache …, „kommen Sie, Cohn“.

http://de.wikisource.org/wiki/An_meinem_F%C3%BCnfundsiebzigsten_(Fontane)

Ich muss sagen, ich finde das befremdlich. Auch wer sich nicht fuer Fremde interessiert, kriegt doch ohne es zu merken ein bisschen was mit.

8. avra - Februar 4, 2013, 21:13

im artikel der “welt” welcher oben verlinkt ist, ist erstmals zu lesen:”Der ist eine Gurke, bitte!” Antisemitismus liege ihr fern, wie ihr Buch “Maikäfer, flieg” zeige. Dort sei der einzig sympathische Soldat ein russischer Jude.”
ansonsten habe ich auch nirgends einen hinweis gefunden.
das nöstlinger es im buch nicht erwähnt, finde ich jetzt gar nicht so befremdlich, da sie, so glaube ich, damit ausdrücken will dass kinder bis zu einem bestimmten alter keine vorurteile pflegen-vorausgesetzt ihre umwelt, das elternhaus, tun das auch nicht: “Christel liebt den hässlichen, kleinen Koch mit der dicken Brille. Sie wird für ihre Freundschaft gehänselt, aber sie liebt ihn auf ihre Art, weil er ein Soldat ohne Gewehr und Pistole ist.”
das sie ihn cohn nennt ist (für mich) vielmehr ein hinweis an die erwachsennenwelt.
hier noch ein interview mit der autorin, welche ich sehr schätze:

http://www.zeit.de/2013/05/Kinderbuecher-Sprache-Political-Correctness-Christine-Noestlinger?commentstart=9#cid-2563155

und was allgemeinbildung bzw. auseinandersetzung mit der vergangenheit anbelangt, darf man die latte nicht zu hoch anlegen u. das obwohl wir im informationszeitalter leben. wer zeit u. interesse hat, möge sich diesen beitrag ansehen. allgemeinbildung u. vergangenheitsbewältigung in europa. das nennt man wohl selektive wahrnehmung:

http://videos.arte.tv/de/videos/yourope–7285656.html

9. Lila - Februar 4, 2013, 22:03

Nein, ich habe mich anscheinend sehr missverstaendlich ausgedrueckt. Noestlinger erwaehnt nicht, dass Cohn Jude ist – weil sie selbst es als Kind nicht wusste und es auch fuer Kinder nicht wichtig ist.

Was mich befremdet, ist die Tatsache, dass so viele erwachsene Leser, ja professionelle Kinderbuch-Ausleger, das nicht bemerken. Es beruehrt mich, dass sie mit grosser Liebe ueber Cohn schreiben, der eine unvergessliche Figur ist (und dessen Verschwinden mich wirklich bis heute beunruhigt – als Kind habe ich das Buch deswegen ungern gelesen – das Buch endet, ohne dass wir erfahren, was aus Cohn wird, und auch die Kind-Erzaehlerin weiss es nicht und kann es nicht mehr in Erfahrung bringen). Aber dass der Name Cohn so vielen nichts sagt?

Der Kumi Ori ist was ganz anderes und m.E. ist es laecherlich, irgendeinen Zusammenhang zwischen ihm und Juden zustandezubringen. Kumi Ori heisst ungefaehr “steh auf, mein Licht” und ist ein weiblicher Imperativ. Da Ori meist ein Maennername ist, passt “kumi Ori” nicht mal auf Hebraeisch zusammen. Es ist einfach ein erfundener Name, der zufaellig auf Hebraeisch eine Bedeutung hat. Daraus irgendwas ableiten zu wollen, das ist in meinen Augen einfach was aus den Pfoten gesogen. Ich kenn den Gurkenkoenig gut, es ist ein viel “leichteres” Buch als “Maikaefer flieg”, und es ist fuer meinen erwachsenen Geschmack viel zu ideologisch – der boese Koenig gegen die ehrlichen Arbeiter, alle in Gurken- bzw Kartoffelform.

Der Oberlehrer Haslinger ist mir in staerkster Erinnerung, auch die hilflos-niedliche Mutter und der kalte Vater. Auch der fiese Kumi Ori steht mir noch lebendig vor Augen mit seinen Zwirnhandschuhen. Waere mir nie eingefallen, daraus nun einen Antisemitismus-Vorwurf abzuleiten.

Ich habe in Noestlingers Werken, die ich ganz gut kenne (dank der Tante…), nie eine Spur von Fremdenhass oder Antisemitismus gefunden, im Gegenteil. Takis und Christos, die “Tschuschen”kinder, zaehlen zu ihren nettesten Kreationen, und ich glaube, die Lele war auch verliebt in einen von ihnen….

Und oh weh, sie ist schon 76? Ich seh noch ihr Jugendbild vor mir, auf der Rueckseite von “Die Kinder aus dem Kinderkeller”…

Hier mehr zum Kumi Ori: http://de.wikipedia.org/wiki/Wir_pfeifen_auf_den_Gurkenk%C3%B6nig

Wusst ich nicht, aber ich haette sie niemals verdaechtigt, antijuedische Stereotypen zu bedienen. Ausserdem – welche? Passt vorne und hinten nicht.

10. willow - Februar 4, 2013, 22:44

“Ich muss sagen, ich finde das befremdlich. Auch wer sich nicht fuer Fremde interessiert, kriegt doch ohne es zu merken ein bisschen was mit.”

Oder auch nicht … gelegentlich verschlägt es mich in einem Supermarkt mit, naja, sprechen wir es offen aus, nem auffälligen Anteil Nazis unter den Kunden – putzigerweise tragen viele von denen Levi´s Jeans ;-) (ansonsten Thor Steinar Klamotten und so, versteht sich)

11. Silke - Februar 5, 2013, 1:49

Lila
ich stimme Dir zu, daß Jude oder nicht für Kinder nicht wichtig ist und auch, daß Nöstlinger es im strengen Sinne nicht wußte, doch daß niemand in ihrem Umfeld “komische” (verwirrende rätselhafte) Bemerkungen gemacht haben soll, glaube ich nicht,

Das widerspricht einfach meiner Erfahrung.

Ob allerdings der Name Cohn damals ähnlich automatisch jüdisch assoziiert war wie meinetwegen Rosenzweig o.ä. weiß ich nicht. Da müßte man Wissenschaftler fragen. Ich wußte jedenfalls 1962 ganz sicher noch nicht, daß Cohn = jüdisch ist.

Falls ich Meyer’s Kleines Lexikon von 1933 im Keller finde, werde ich mal schauen, ob da was zu Cohn drin steht. Daß Juden rote Haare und Plattfüße haben, steht jedenfalls drin.

12. Chajm - Februar 5, 2013, 14:15

Große Verzeihung, aber bei Kommentaren wie »Cohn kannte ich auch nicht als jüdischen Namen.« tut mein Zwerchfell zu sehr weh! Ganz großartig!

Ein Satzteil wie

“Juden schlecht behandelten und mit ihnen nichts zu tun haben wollten”

ist eine empörende Schönrederei. Vor allem impliziert es (rein semantisch), dass Juden der aktive Part waren…

13. Lila - Februar 5, 2013, 14:35

Ist Chajm etwa auch ein jüdischer Name…?

Hast Du Dir dieses Lehrerheftchen angeguckt? Es ist wirklich der Hammer. Und hinterher beschweren sich die erwachsen gewordenen Schüler, warum man den Deutschen immer noch das bißchen Muffeligkeit den Juden gegenüber vowirft, wo die doch selbst viel schlimmere Dinge tun…

14. Silke - Februar 5, 2013, 16:07

wie groß und wie umfassend ist meine Verpflichtung, Jüdisches als jüdisch identifizieren zu können?

Warum darf ich mich nicht ganz einfach dafür so interessieren, wie’s mir am besten passt? So wie ich es mit allem anderen auch halte?

Ich nehme Info-Bits staunend zur Kenntnis, wundere mich gelegentlich über Wissenslücken, die ich habe, und freue mich oft daran, etwas Neues gelernt zu haben.

Ja, ich würde vermuten, daß Chajm ein jüdischer Name ist, aber wie soll ich’s dann mit Sarah und David halten? Und wo ist die Grenze und muß ich mir Expertentum für’s Ziehen dieser Grenze aneignen, wenn ich weiterhin ernst genommen werden will?

Oder darf ich weiterhin meine Unwissenheit, wenn’s ums Allgemeine geht, verteidigen? ebenso wie ich die Wichtigkeit persönlicher Erlebnisse verteidige?

15. willow - Februar 5, 2013, 16:24

wie groß und wie umfassend ist meine Verpflichtung, Jüdisches als jüdisch identifizieren zu können?

Naja, Verpflichtung würde ich es nicht nennen, aber es schadet auch nicht … ;-)

Nebenher schützt es auch vor Überraschungen – wir hatten das ja schonmal beim Thema “interessante” Vornamen. Ich grinse immer noch, wenn ich an ein anti-religiöses Paar in der entfernten Familie denke, für die es gaaaanz wichtig war, dem Kind einen modernen, vor allem aber “nichtbiblischen” Namen zu geben … das Kind wurde “Tim” genannt ;-)

16. Lila - Februar 5, 2013, 16:28

Keine Verpflichtung. Es ist auch keine Beschwerde gegen diesen oder jenen, der nicht mehr weiß, wer Yom Kippur eigentlich war :-) Sondern mehr ein Erschreckend darüber, wie vollständig die Spuren jüdischen Lebens in Deutschland verschwunden sein müssen, wenn Cohen oder Cohn nicht mehr als jüdisch empfunden werden. Auch ich wußte als Kind überhaupt nicht, ob es überhaupt noch Juden gibt und ob man die so nennen darf.

Meine Mutter berichtet manchmal kleine Geschichten. Wie sie mit Freundinnen Alles auf Zucker gucken ging und die Freundinnen erschrocken sagten: ja, aber das sind doch JUDEN (ganz verstohlen gesagt), da kann man doch nicht drüber LACHEN….

Manche fragen mich ganz verstört, als würden sie ein Schimpfwort benutzen, ob denn mein Mann auch JUDE ist…. weil sie einfach keine Juden kennen, nie welche getroffen haben und sich vielleicht fragen, ob Juden sich dafür schämen, Juden zu sein. Ob man das überhaupt ansprechen darf.

Gern kommen dann auch die Fragen zu Israel, wie ich denn als Frau in einem Land leben kann, wo ich im Bus hinten sitzen muß und Nichtjuden Menschen zweiter Klasse sind etc. Unverdautes aus den Nachrichten.

Neulich waren Freunde meiner Mutter in Israel und kamen ganz verstört wieder. Mein Gott, es war ja ganz anders, als sie gedacht hatten. Wohlgemerkt, lauthals Meinungen zum Besten geben, das tun sie seit Jahren. Aber sie waren betreten, wie anders das Land ist, als sie gedacht hatten.

17. willow - Februar 5, 2013, 16:28

PS: Daneben ist es aber auch so, daß es seit neutestamentarischen Zeiten eine (wie ich finde) bedenkliche Bestrebung zur entjudifizierung gibt -gern genommen: ein blonder & blauäugiger Jesus / ersatzweise auch der “palästinensische” Jesus- muß man ja nicht unbedingt mitmachen ;-)

18. Lila - Februar 5, 2013, 16:30

Tim kommt aber von Thimoteus, soweit ich weiß – das ist griechisch, also Neues Testament. Also nicht ganz so schlimm :-)

Aber nicht jeder kennt sich mit Vornamen aus. Wer würde Johanna nicht für einen guten deutschen Vornamen halten?

19. willow - Februar 5, 2013, 16:31

Noch Schlimmer : Joachim …

20. willow - Februar 5, 2013, 16:34

“Interessant” finde ich ja auch, wie unbekannt selbt für fromme Christen die “jüdischen Verstrickungen” ihrer Religion sind … letztens wollte mir z.B. eine eigentlich ganz nette Pastorin erklären, daß zur Zeit des Osterfestes die Juden das Laubhüttenfest feiern würden ;-)

21. willow - Februar 5, 2013, 16:39

Gern genommen auch die Behauptung, das Gebot der Nächstenliebe würde Christen gegenüber den Juden auszeichnen …

22. Silke - Februar 5, 2013, 17:10

ich kenn mich mit Christen genauso wenig oder so viel aus wie mit Juden, Buddhisten, Hindus, Scientologen und was sonst noch alles.

Griechische Götter sagen mir hingegen ziemlich viel.

Was Katz anlangt, so habe ich es von einem New Yorker Ehepaar, daß das von dem Ort Katzenellnbogen kommt.

Und hätte ich bei Lehman zuerst an Jude oder an Lehmann denken sollen?

Gab es auf Alt-Alt-Griechisch keinen Thimoteus oder Timotheos?

Irrt Schiller also bei “sieh da, sieh da, Timoteus, die Kraniche des Ibykus?”

willow

Wissen schadet selten, doch muß es auch erlaubt sein, Interessen zu haben.

23. Lila - Februar 5, 2013, 17:23

Ich krieg es nicht erklärt und gebe auf.

Es geht mir nicht um Allgemeinbildung und Wissen zum Judentum, die man aktiv erwirbt. (Doch, im Falle der Pädagogen, die den Holocaust weg-erklären, schon. Aber nicht bei anderen, die keinerlei Ansprüche erheben, jemanden erziehen oder belehren zu wollen.)

Sondern es geht mir einfach darum, daß die Juden aus Deutschland so gründlich entfernt worden sind, daß ein so schlichtes Kennzeichen wie der Name Cohen nicht mehr als Kennzeichen erkannt wird.

Ich rede nicht von Juden als Religionsgemeinschaft, sondern als Mitbürger. Und die gibt es wirklich nicht mehr. Die meisten Cohens gibt es vermutlich auf Stolpersteinen.

Zur Verteilung des Namens Cohen:

In Deutschland gibt es 102 Telefonbucheinträge zum Namen Cohen und damit ca. 272 Personen mit diesem Namen.
Diese leben in 48 Städten und Landkreisen. Die meisten Anschlüsse sind in München gemeldet, nämlich 10.

Cohn:

In Deutschland gibt es 186 Telefonbucheinträge zum Namen Cohn und damit ca. 496 Personen mit diesem Namen.
Diese leben in 65 Städten und Landkreisen. Die meisten Anschlüsse sind in Berlin gemeldet, nämlich 33.

Digitale Jüdische Gemeinschaft in den Niederlanden:

4472 volgende

Stolpersteine in Berlin allein 133 Cohn, 9 Cohen.

Jetzt klarer?

24. willow - Februar 5, 2013, 17:28

Du vergisst Leonard Cohen …

25. Lila - Februar 5, 2013, 17:39

Ich würde vieles vergessen, bevor ich Leonard Cohen vergesse…. im ersten Eintrag zum Thema kommt er vor.

Stell Dir vor, meine Mutter hat ihre Examensarbeit über Beautiful Losers geschrieben, und ich bin mit seiner Musik aufgewachsen. Ich weiß nicht mehr, wann mir klar wurde, wie jüdisch geprägt sein Werk ist.

Vielleicht erst, als er in Tel Aviv den Priester-Segen gegeben hat, den nur Cohanim geben dürfen. Und die Zuschauer rufen Amen.

Ja, der Segen, den jeder Pfarrer am Abschluß des Gottesdiensts sagt. Der ist eigentlich ein Vorrecht derer, die Cohen heißen.

http://en.wikipedia.org/wiki/Priestly_Blessing

Weswegen auf ihren Grabsteinen oft segnende Hände abgebildet sind.

http://wp.ge-mittelkreis.de/webfrie05/webinsch/pages/friedinfo.htm

Einfach schade, daß das alles aus dem Alltagswissen verschwunden ist.

Jetzt klarer?

26. caramba - Februar 5, 2013, 19:46

katz ist die Abkürzung für Kohen zedek, k”z, ausgesprochen Katz…

27. caramba - Februar 5, 2013, 19:50

“letztens wollte mir z.B. eine eigentlich ganz nette Pastorin erklären, daß zur Zeit des Osterfestes die Juden das Laubhüttenfest feiern würden”

Da hat sie vielleicht nicht ganz Unrecht, nur halt umgekehrt: “Palmsonntag” bezieht sich wahrscheinlich tatsächlich auf das Palmen wedeln vom Laubhüttenfest, wie das in die Woche vor Ostern gerät ist mir etwas schleierhaft.

Also hätte die Pfarrerin nicht ganz Unrecht, wenn sie behaupten würde, dass die ereignisse von ostern sich um das laubhüttenfest abgespielt haben… Aber vielleicht gibt es da auch christliche Gegenbeweise, aufgrund derer man festhält, dass es um pessach war, daher die terminierung des Festes am ersten Frühlingsvollmond…

28. caramba - Februar 5, 2013, 19:52

die Pseudo-birkat Kohanim von Lenny kohen finde ich etwas peinlich… mir gefällt es nicht besonders, wenn leute sich in der Mottenkiste der Religion bedienen und einfach versatzstücke rausnehmen, ohne den Kontext, etc. richtig zu beachten…

29. caramba - Februar 5, 2013, 19:56

PS: ich finde es nicht unbedingt negativ, dass junge Deutsch von heute “cohn” nicht mit “jüdisch” identifizieren. Als in deutsch “cohn” mit “jüdisch” identifiziert wurde, war es nicht unbedingt positiv, sondern es diente sehr oft als Vorlage für antisemitische Witze oder sonstige antisemtische Klischees. Da ist mir die aktuelle Indifferenz schon wesentlich lieber… In meinen Augen ist das geradezu ein Fortschritt. Obwohl ich, ehrlich gesagt, den Deutschen bis heute nicht recht über den Weg traue…

30. Lila - Februar 5, 2013, 19:59

Ich hab´s mehr als Rückkehr Cohens zu seinen Wurzeln gesehen und als eine Art, mit seinem Publikum in Verbindung zu treten. Er hatte sich ja zwischendurch weit von seiner jüdischen Herkunft entfernt. Und wieder angenähert.

31. caramba - Februar 5, 2013, 20:04

Ehrlich gesagt, ich kenne Leonard Cohen, sein Leben und seine Musik nicht besonders gut…

Aber wenn die Kohanim in der Synagoge Birkat kohanim machen, dann decken sie sich mit dme Tallit zu, und das hat einen Grund: es geht nicht um sie als Person, (sie sollen währenddessen nicht erkennbar sein), sondern darum, dass sie etwas “vermitteln”, sie sind nur ein Verbindungsglied, sie stehen selber nicht im vordergrund.

Ausserdem zieht man sich dafür die Schuhe aus (ich kann auf dem Film nicht sehen, ob er das gemacht hat). Ausserdem waschen sie sich davor die Hände (sieht man auch nicht, ob er das gemacht hat).

Ich finde: wenn schon, denn schon. wenn er so was macht, dann soll er es richtig machen, nicht so halbe Sachen, um in seinem Konzert auch noch etwas religiöses “feel good” reinzubringen und “wir haben uns ja alle so lieb”. Meiner Meinung nach ist das eine respektlosigkeit gegenüber den religiösen Traditionen.

32. Lila - Februar 5, 2013, 20:08

Caramba, da mag was dran sein. Auch bei Fontane ist es ja etwas salopp gemeint, um es nicht kräftiger auszudrücken.

Jedoch: ob die Einstellung Juden gegenüber wirklich positiver geworden ist, nur weil man keine kennt oder keine erkennt?

Ich weiß nicht, wie zuverlässig die Umfrage der Ebert-Stiftung ist, aber auch wenn ein paar Prozentpunkte Luft drin sind, ist der Befund nicht ermutigend.

http://library.fes.de/pdf-files/akademie/berlin/05053.pdf

Ich bin kein großer Fan von Wolfgang Benz, und eine Studie allein reicht sowieso nicht. Aber von der Hand zu weisen ist es nicht.

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2011-03/vorurteile-europa

33. caramba - Februar 5, 2013, 20:09

Wie gesagt: ich traue den deutschen bis heute nicht über den Weg. Mein Meinung ist: man muss nur ein bisschen daran kratzen, und schon kommt der Nazi zum Vorschein…

Aber trotzdem bedaure ich es überhaupt nicht, dass die Zeiten von “der Cohn” hier und “der Cohn” dort vorbei sind.

34. Lila - Februar 5, 2013, 20:11

Ich weiß nicht, wie traditionell er aufgewachsen ist, er ist ja kanadischer Jude. Ich bin normalerweise auch nicht für solche Gesten zu haben, aber Leonard Cohen… das ist dann doch was anderes…. ööööh….

35. caramba - Februar 5, 2013, 20:13

…erst heute hat mir ein tschechischer Freund gesagt, der ausgezeichnet deutsch spricht: “irgendwie kann ich bei den Deutschen nie abschätzen, ob sie etwas freundlich meinen oder ob sie verärgert sind. Ich sehe diese Grenzlinie bei den deutschen nicht”.

Das hat mich sehr amüsiert… Jon stewart gefällt mir auch sehr, wenn er deutsche im Kasernenhofton parodiert. Ich denke, da ist viel Wahres dran…

Nur dürfte man das auf einem deutschen Blog eigentlich nicht schreiben. Ich bin sicher, die ungehaltenen Reaktionen der Leser werden nicht auf sich warten lassen. Selbstbild und Fremdbild der deutschen stimmen nur sehr, sehr beschränkt überein…

36. Jakobo - Februar 5, 2013, 20:43

Hallo an alle, hallo Lila

“Ich hab´s mehr als Rückkehr Cohens zu seinen Wurzeln gesehen und als eine Art, mit seinem Publikum in Verbindung zu treten.”

ja, das sehe ich genauso. eine geste und eine sehr schoene noch
dazu. cohen ist einer von den ganz grossen fuer mich.

ausserdem kann man nicht einfach so als jude durch israel
laufen ohne auf irgendeine weise zu zeigen dass man jude ist.
das gibt es einfach nicht.

aus tora sicht kann man sich fragen ob er den namen gttes
um sonst ausgesprochen hat. (was keine kleine sache waere)

J

37. Jakobo - Februar 5, 2013, 20:47

Lila.. extra fuer dich…

“Leonard Cohen – Bird on a Wire” / Dokumentation der Welttournee 1972″

38. Lila - Februar 5, 2013, 21:03

Meine Mutter hat ihn damals gesehen, als er in Deutschland war. Seither war sie noch zweimal in Cohen-Konzerten.

39. Jakobo - Februar 5, 2013, 21:13

Ich hab ihn leider noch nicht live gesehen aber er ist wirklich eine
sehr beeindruckende persoenlichkeit in jeder lebenshoehe und
sogar unabhaengig davon ob man seine musik mag oder nicht.

Leonard Nimoy ist von einem aehnlichen menschenschlag finde ich.
und auch unabhaengig ob man spok mag oder nicht

die bescheidenheit und der respekt anderen gegenueber den die beiden ausstrahlen beruehren wirklich das herz

und sie machen wirklcih nicht den eindruck als ob ihnen das schwer
fallen wuerde, es liegt einfch in ihrer natur wenn du so willst

J

40. willow - Februar 5, 2013, 21:29

Auch wenn wir jetzt ein wenig abgleiten, auch Spok´s Ard, die Finger zum vulkanischen Gruß zu spreizen, könnten empfindliche Gemüter als Herabsetzung des priesterölichen Segens interpretieren … aber um wieder zum Ursprungsthema zurückzukehren – wer von den
Startrek-Fans ist sich denn bewußt, daß er es mit einer durch und durch jüdisch geprägten Serie zu tun hat?

41. Jakobo - Februar 5, 2013, 21:53

“Auch wenn wir jetzt ein wenig abgleiten, auch Spok´s Ard, die Finger zum vulkanischen Gruß zu spreizen, könnten empfindliche Gemüter als Herabsetzung des priesterölichen Segens interpretieren …”

ich denke das problem ist eher ob er den namen gttes ausspricht
und das macht er ja nicht. (oder auch dass manche juden
fuehlen, dass nimoy etwas ueber sie preis geibt was sie lieber fuer
sich behalten, aber das ist eher eine persoenliche sache)

“wer von den
Startrek-Fans ist sich denn bewußt, daß er es mit einer durch und durch jüdisch geprägten Serie zu tun hat?”

Nimoy hat nie ein geheimniss daraus gemacht und erzaehlt sehr
gerne die anekdote wie er auf die idee mit dem gruss gekommen ist
und er wird einfach aus neugier oft darueber befragt. und er betont
immer dass spok ein durch und durch diaspora charakter ist.

teilweise ist er sogar mit dem talit zu star trek conventions gegangen
um es zu zeigen. das natuerlich eher in den usa.
der umgang dort ist einfach doch ein anderer

(was auch sein gutes und schlechtes hat.)

J

42. Jakobo - Februar 5, 2013, 22:00

schaut mal auf dem video bei minute 29 ungefaehr rein… unglaubich
was esther ofarim fuer eine schoene frau war.. und der idiot von
leonard cohen gibt ihr eine riesen abfuhr…

J

43. Lila - Februar 5, 2013, 22:10

Star Trek kenn ich gar nicht. Ist das nicht so eine SF-Serie? Hab ich keinen Zugang zu und keine Ahnung. Mut zur Lücke :-D

44. Jakobo - Februar 5, 2013, 22:15

in deutschland hiess das raumschiff enterprise und nimoy war
spok mit den langen ohren.

Und Nimoy ist auch so einer.. der stellt sich vor manager oder
vor arbeiter, oder vor intelektuelle oder vor wenig gebildete, oder
vor juden, oder nicht-juden und schafft es einfach dass sich alle
in seiner anwesenheit gut, und repsektiert fuehlen. was wirklich
eine besondere gabe ist finde ich.

hier redet er von dem beruehmten spok gruss, das sieht aber nicht
nach star trek convention aus:

Leonard Nimoy: The Origin of Spock’s Greeting

45. willow - Februar 5, 2013, 22:16

Ja Lila, eine SF-Serie … Raumschiff Enterprise und so – live long and prosper ;-)

46. Jakobo - Februar 5, 2013, 22:21

PS.:

“schaut mal auf dem video bei minute 29 ungefaehr rein… unglaubich
was esther ofarim fuer eine schoene frau war.. und der idiot von
leonard cohen gibt ihr eine riesen abfuhr…”

hast du dir das angeschaut? ich wette mit dir nach der begegnung
hat er sich so in den arsch gebissen und sich geaergert, dass er
danach auf ein buddistischens kloster ist und moench geworden ist. ;-)

J

47. Jakobo - Februar 5, 2013, 22:46

Hier ist er:

Spock – best salute

J

PS.: Lila, du sagst bescheid wenn ich deinen blog zu sehr vollmuelle ;-)

48. Lila - Februar 5, 2013, 22:52

Ihr erweitert meine Allgemeinbildung. Das ist doch sehr verdienstreich von Euch.

49. grenzgaenge - Februar 5, 2013, 22:53

Mensch, ich bin gar nicht mehr auf dem Laufenden. Schon alleine die Kommentare zu lesen ist eine zu grosse Aufgabe. Ich bin sehr wenig Online zur Zeit. Ehrenamtliche Fortbildungen. Heute habe ich das Wunder schätzen gelernt, zwei Beine zu haben und damit Laufen zu können. Das Wunder wird einem wohl erst bewusst, wenn ein Bein oder beide Beine oder auch ein Stück Bein nicht mehr da sind oder aber wenn beide Beine da sind, aber nicht mehr laufen können. Solche Eindrücke machen mich unendlich denkbar für mein Leben, das ja nicht ohne Krankheit ist. Aber das Lächeln eines Menschen ist ein so grosses Geschenk. Auch das Weinen kann übrigens ein Geschenk sein. Nun, Slicha, ich höre ja schon auf. Jedenfalls ganz liebe Grüsse nach Rungholt und Laila Tov !

50. Jakobo - Februar 5, 2013, 22:54

Du kanntest das wirklich nicht?

Nimoy hat uebrigens auch seine stimme auch fuer einen trickfilm ueber das leben von Rashi hergegeben.

J

51. Lila - Februar 5, 2013, 23:02

Nein, ich war noch nie eine Serien-Guckerin. Und selbst Serien, die ich gucke, sehe ich nicht bei ihrer Ausstrahlung, sondern auf DVD oder aufgenommen, wie Bleak House.

Ich sage ja immer, ich bin die einzige Frau meiner Generation, die nie auch nur eine Minute Dallas, Dynasty, Allie McBeal oder Sex in the City gesehen hat. Alle um mich herum haben darüber gesprochen, aber ich hab das Zeug nie gesehen.

Und SF? Ich habe eine dumpfe Erinnerung, daß wir als Kinder mal irgendwas mit einer Raumpatrouille gesehen habe, gab es sowas?

Hab ich als Kind Serien gesehen? Wir haben sehr wenig ferngesehen. Vieles habe ich erst später kennengelernt, mit meinen eigenen Kindern. Die einzige Serie, die wir als Kinder der Reihe nach gesehen haben, war wohl Robby, Tobby und das Fliewatüüt. An was anderes kann ich mich nicht erinnern.

Also, belehrt mich, ich bin peinlich unwissend. Ich habe schon gehört, daß solche Serien sehr obsessive Fans haben.

52. Jakobo - Februar 5, 2013, 23:15

naja.. aber dalles und denver weist du ja was das ist auch ohne es
gesehen zu haben.. und bei star treck dachte ich ist es vielleicht aehnlich.

star trek ist so eine serie mit so vielen fanatikern die nur noch daran
denken und sonst nichts anderes mehr machen.. sehr verruekt
irgendwie…

aber ich finde auch dass die ganzen charaktere sehr gut dargestellt
werden.. da ist eben der spok der immer alles nur mit logik loesen
will und dann ist zum beispiel der arzt pille der sich staendig ueber
spok aufregt weil er fuer so viel logik und so wenig gefuehl keine
geduld hat, oder scotti der gerne bei schlaegereien dabei ist und
immer sagt der andre hat angefangen.

einmal sind sie in eine art zeitreise gegangen und in den usa aus
den 80 jahren gelandet.. um wieder rauszukommen brauchten sie
atomenergie oder sowas… dann war da pavlov der in den usa aus
den 80 jahren mit russischem akzent alle leute auf der strasse gefragt hat: ” entschuldigen sie, wo sind bitte die atomgetriebenen
u-bote”. die sind dann natuerlcih deshalb irgendwann im knast
gelandet.

der grosse feind waren immer die klingonen irgendwelche
aliens die staendig aerger gemacht haben. und dann gab es aber
mal friedensverhandlungen mit denen. und kirk, der kapitaen der
enterprise, war sehr misstrauisch und eine art hardliner. aber es
war immer auch klar das er so misstrauisch war, weil er seinen
sohn durch klingonen verlohren hatte und das wurde dann auch
auf eine sehr menschliche art dargestellt

ich mag die serie einfach

J

53. Jakobo - Februar 5, 2013, 23:21

“Sex in the City…. ”

mir graust es.. ich glaube sex in the city wird sich nie im leben ein
mann anschauen koennen. es klingt gelogen, ist aber so.. ich kenne
niemanden.. das gibts auch noch trotz der ganzen empanzipation und so weiter….

genauso wie richard gere… er ist kein schlechter schauspieler aber
maenner koennen ihn meistens nicth leiden frauen dafuer um so
mehr…

bei dallas gab es wenigstens noch den boesewicht JR der die serie
noch halbwegs fuer maenner ertraeglich gemacht hat.. und ich bin
mir sicher dass die den nur deshalb in die serie gebracht haben,
einfach nur damit wir unsere klappe halten und nciht auf die nerven
gehen ;-)

J

54. Lila - Februar 5, 2013, 23:27

Ich versteh auch nicht, wie Frauen sich sowas angucken können :-( mir hat das Gerede schon gereicht, aber jedem Tierchen sein Pläsierchen. Richard Gere ist auch nicht mein Typ. Immerhin hat er es geschafft, Hanan Ashrawi ein echtes Lächeln zu entlocken.

55. Jakobo - Februar 5, 2013, 23:35

“Ich versteh auch nicht, wie Frauen sich sowas angucken können”
hehe.. du bist ja eine emanze ;-)

das schlimmste war er hat mal einen film mit der… die schauspielerin
aus schweigen der laemmer.. gedreht… eine schlimmere schnulze
gibt es nicht.. glaub mir… ich musste ihn mit meiner damaligen
freundin ansehen und du kannst dir gar nicht vorstellen wie ich
gelitten habe… mein letzer fluchtversuch war an der kinokasse und
er ist schief gegangen und so blieb mir nichts anderes uebrig..

mmm.. jetzt bist du drann mit erklaeren und allgemeinbildung usw…
wer ist Hanan Ashrawi?

J

56. Lila - Februar 5, 2013, 23:48

Mein armer Primus ist mal mit einem Date in einen Film mit so ner Prinzessin geraten, die irgendwie ins moderne Amerika gefallen war, oder war es ein Prinz? Jedenfalls war er entsetzt.

Ich gucke gern historische Serien der BBC. Downton Abbey allerdings hat nach einem relativ interessanten Anfang den Abstieg in die soap so schnell vollbracht, daß ich die zweite Staffel nicht zu Ende geguckt hab. Bleak House, North and South, Cranford, Little Dorrit. Ich kenne auch Männer, die das gern gucken, aber der Großteil sind wohl doch Frauen. So viel Weiblichkeit habe ich mir also doch bewahrt.

57. Jakobo - Februar 5, 2013, 23:56

“Jedenfalls war er entsetzt. ”

ja.. ich kann ihn wirklich sehr gut mitfuehlen… vor allem.. wenn er
glaubt der film war schon schlimm… oftmals redet man dann danach
noch ueber den film und dann wird es richtig grausam.. und bei
einem date kann man nicht einfach so abhauen.. naja und wenns
die freundin ist eigentlich auch nicht…

von den serien die du aufzaehlst kenn ich glaube ich keine einzige..

ich schau mir schon auch serien an warum nicht? aber sex in the
city ist wirklich zu tough fuer mich…

J

58. Lila - Februar 6, 2013, 0:07

Na ja, das sind britische Serien, die auf Literatur basieren, die ich mag. Nicht alle sind gut. Aber sehr viele sind´s. Sehr gute Schauspieler. Ich frage mich immer, warum vermurksen deutsche Regisseure gute Stoffe? Die Buddenbrooks-Verfilmung war gräßlich, trotz einiger guter Darsteller. Und warum immer nur Effi Briest? Warum nicht L´Adultera oder Vor dem Sturm oder die Poggenpuhls, liebevoll und intelligent in eine Serie übersetzt, die den Vorlagen neue Leser gewinnt? Wie reich ist die Literatur des 19. Jahrhunderts. Wenn man Middlemarch adäquat verfilmen kann, warum nicht Gottfried Keller?

Serien sind ideal für Literaturverfilmungen, wegen des Zeitrahmens.

Also, solche Serien sehe ich gern, aber eben nicht als Serie, sondern in meiner eigenen Zeit.

Oh, durch die Umstände wurde ich auch Serien wie Song of Ice and Fire und Mad Men in die Arme getrieben :-) Aber da komm ich viel schwieriger “rein”.

59. Jakobo - Februar 6, 2013, 0:23

ah… lach…

was mich sehr beindruckt hat wie sehr suedamerikanitsche
soaps in israel beliebt sind… es kennen wirklich alle alle schau
spieler alle wissen was wann wie und wer mit wem und in tel aviv hab ich einmal mit einem maedchen unterhalten, die durch die soaps spanisch gelernt hatte und das sogar sehr gut…

diese budenbrooks habe ich nicht gesehen…. aber ich finde die
deutschen haben in der letzten zeit einiges an guter filme gemacht.
vor allem die die sich irgendwie mit der ddr beschaeftigt haben,
so good bye lenin, oder sonnenalle, oder ‘irgendwie und was weis ich’
(so aehnlich hiess der film aber ich weis es nicht mehr genau) aber
auch der eine lola rennt super filme finde ich.. klar und dann haben
sie auch viel muell und patetische
filme gemacht….

J

60. Lila - Februar 6, 2013, 0:26

Oh ja, ich glaube auch, die filmische DDR-Aufarbeitung ist sehr gut gelungen, soweit ich sie kenne. Aber das sind Kinofilme – keine Serien auf literarischer Basis.

61. Jakobo - Februar 6, 2013, 0:34

ja, das stimmt.. mit serien auf literarischer muss ich leider absolut
passen auch mit historischen serien. vielleicht kannst du mir eine
interessante empfehlen?

aber was mir gerade auffaellt.. das waere eine interessante frage.
warum glaubst du, ist die deutsche film aufarbeitung ueber die ddr
so gut autentisch und menschlich gelungen und die restlichen filme mit nationalen themen so schlecht und aufgeblasen? die filme sind
ja im besten fall einfach nur kitschig

sogar dieser beruehmte film ueber die letzten tage von hitler den
alle moegen auch international war das ja ein voller erfolg, ich hab
es noch nie geschaft da laenger als 5 minuten reinzuschauen.

J

62. Jakobo - Februar 6, 2013, 0:37

“Oh ja, ich glaube auch, die filmische DDR-Aufarbeitung ist sehr gut gelungen”

vielleicht war der kommunismus dann ja doch fuer etwas gut ;-)

63. Lila - Februar 6, 2013, 0:38

Vielleicht, weil es möglich war, mit einem gewissen schrägen Humor auf die absurden Seiten der Geschichte einzugehen, und damit verträgt sich auch ein sehr trockener Blick auf die ernsten Seiten.

Den Bruno-Ganz-Film habe ich nicht gesehen. Ich schätze Ganz, seit ich ihn vor Jahren mal habe Hölderlin lesen gehört und gesehen habe. Das war zwar sehr hart und scharf, aber ich habe seine Interpretation immer noch im Ohr, fast 30 Jahre später.

64. Jakobo - Februar 6, 2013, 0:44

bruno ganz ist auch ein guter schauspieler finde ich er hat so dieses
armin mueller stahl format….

was den film betrifft.. naja… von mir brauchst du keine werbung
dafuer erwarten… eher fuer die tausenden parodien von hilters
wutanfall die du bei youtube sehen kannst… einmal regt er sich
ueber das iphone5 auf, dann regt er sich ueber den neuesten
dicaprio film auf… manches davon ist wirklcih sehr lustig

J

65. Jakobo - Februar 6, 2013, 0:47

“Vielleicht, weil es möglich war, mit einem gewissen schrägen Humor auf die absurden Seiten der Geschichte einzugehen,”

ja.. das ist ein guter punkt

66. Lila - Februar 6, 2013, 0:47

Ehrlich? Na prima. Da hab ich ja Ablenkung. Ich sitze noch und arbeite, während Primus neben mir einen Film namens Final Destination 5 guckt. Ein Film, wie ich ihn mir hätte ausdenken können – Mutters Hirn sieht ja überall nur Gefahren und Fallen. Ich versuche, das Ding nach Kräften zu ignorieren. Ganz hilft dabei bestimmt besser als meine Arbeit :-)

Oh, aber Youtube hat ja die Hölderlin-Lesungen von Ganz. Was für eine wunderbare Wiederentdeckung.

67. Jakobo - Februar 6, 2013, 0:55

“Film namens Final Destination 5 guckt. Ein Film, wie ich ihn mir hätte ausdenken können – Mutters Hirn sieht ja überall nur Gefahren und Fallen.”

bei dem koennten die auch die handlung weglassen und einfach nur
eine handvoll grausamer todesarten zeigen und keiner wuerde es
merken…

hoelderlin.. hmm.. mal ausprobieren…

J

68. Lila - Februar 6, 2013, 1:02

Ja, da waren die Dummy-Bauer schwer beschäftigt.

69. Rosa Grün - Februar 6, 2013, 2:22

Jetzt seid Ihr zwar schon bei ganz anderen Themen…; ich musste heute viel nachlesen, und weil es mich so überrascht hat (da sieht man, was der Altersunterschied ausmacht!), möchte ich doch noch einmal kurz auf das Eingangsthema zurückkommen:
Cohen und Levi sind wohl die international „jüdischsten“ Namen (weil abgeleitet von Cohanim bzw. Leviten); während Namen wie Goldstein, Sternberg etc. z.B. in Frankreich gar nicht als jüdisch erkannt werden; während z.B. ein aus Russland immigrierter Jude sich wunderte, dass man hier seinen Namen Alper nicht als jüdisch empfand. Aber „Levi“ und „Cohen“, die kennt man überall (Selbstverständlich betrachten sich alle Cohen und Leviten als direkte Nachkommen von Aaron, dem Bruder Moses, ;) !)
Dass dies heutzutage nicht mehr so selbstverständlich ist, wie es dies in meiner Jugend war, ist wohl auf die geringe Anzahl der verbliebenen Juden und das Verblassen der Hitler-Ära und damit der negativen Konnotation dieser Namen zurück zu führen (und ist vielleicht ganz gut so, wie Caramba 29 schreibt).
Noch in den 70er Jahren (!) wurde mir eine ca. 65-Jährige vorgestellt, die sich beeilte, mit einem vielsagenden Lächeln zu betonen:
– „Kohn, aber bitte mit K!“.
Worauf ich fragte, warum, sie denn soviel Wert darauf legte (obwohl ich es ja wusste):
- „Na, mit C wäre es doch jüdisch“ tuschelte sie mir verlegen ins Ohr.
- „Und Sie meinen, mit K nicht?!“
- „Auf keinen Fall, mit K ist es rein deutsch, sonst hätten wir doch auch Schwierigkeiten gekriegt“.
- „Vermutlich sind Ihre Vorfahren nur schon vor mehreren Generationen zum Christentum konvertiert, so dass es für den Arier-Nachweis gereicht hat.“
Vornamen aus dem Alten Testament, wie Sarah, David, Esther … sind eindeutig jüdischen Ursprungs, werden aber auch gern von Christen (bes. im angelsächsischen Raum) gewählt, die eine besondere Wertschätzung des Alten Testaments hegen, wie das z.B. bei den Evangelikalen in den USA und den hiesigen Freikirchen der Fall ist, jedoch nicht bei den Europäischen Christen (z.B. Katholiken und Lutheranern) – woraus sich auch die sehr verschiedene Einstellung zu Israel erklärt! (Als kürzlich Nachbarn ihr Neugeborenes „Nathan“ nannten, meinte ein erschrockener katholischer Priester sofort: „Das arme Kind, die Eltern wussten sicher nicht…, na ja, er kann ja mit 14 seinen Namen wechseln“).

70. Genau genommen - Februar 6, 2013, 10:37

“Selbstverständlich betrachten sich alle Cohen und Leviten als direkte Nachkommen von Aaron, dem Bruder Moses”

Nur die Kohanim betrachten sich als Nachkommen Arons, die Leviten betrachten sich als Nachkommen von Levi, dem Sohn Jakobs, das ist ein breiterer Personenkreis…

71. avra - Februar 6, 2013, 14:49

vielleicht ist es auch an der zeit, dass wir menschen uns nicht mehr über nationalität, religion, hautfarbe, etc. definieren. das wäre globalisierung im besten sinne.
aber das wird so schnell nicht eintrete. menschen brauchen/wollen dieses zugehörigkeitsgefühl…grenzen u. abgrenzung.

“Ich will nicht, dass mich jemand nur liebt, weil ich Jude bin; ich will auch nicht besonders geschont werden, weil meine Eltern und alle ihre Vorfahren Juden waren, und lehne auch jedweden “Naturschutz” ab, an deren Pforte “Juden – bitte vorsichtig umgehen” prangt.”
(Peter Stiegnitz)

http://derstandard.at/1358304734914/Warum-immer-die-Juden

ich weiss, das beantwortet noch immer nicht die frage, weshalb in keiner buchbesprechunng erwähnt wird, dass der koch cohn ein jude war. in diesem kontext wäre es schon von bedeutung u. deshalb verstehe ich es auch nicht.

72. Silke - Februar 6, 2013, 18:27

Lila – 23

… und mir geht es nicht aus’m Kopf, daß wenn der Name Cohn 1945 für Erwachsene noch bekannt gewesen sein sollte (nach nur 12 Jahren eigentlich zu vermuten), daß niemand gegenüber Christel “komische” rätselhafte Bemerkungen gemacht haben soll. Von einem Buch, das 1973 erschienen ist, würde ich erwarten, daß, so es nicht die eigentliche Erzählung passt, diese zumindest in nem Rückblicks-Nachwort vorkommen.

Ich habe mal ein Buch mit Schulerinnerungen von Joachim Fest über Helmut Schmidt bis Günter Kunert gelesen – keiner, außer Kunert natürlich, hatte etwas gemerkt. Es geht nicht ums Gleiche, wie in Nöstlinger’s Buch, das ist mir klar. Doch beide Bücher sind zur gleichen Zeit veröffentlicht worden und die Autoren gehören zur gleichen Generation.

Ich verstehe den Zeitgeist, der aus dem “Schul”-buch spricht bis heute nicht, so kurz nach 1968 – und drum erfüllen mich die Zusammenfassungen von dem Buch, die ich gesehen habe, mit Fragezeichen.

73. Silke - Februar 6, 2013, 19:07

Lila – ich hab’s nachgeschlagen

Meyers Kleines Lexikon in 4 Bänden von 1933 erzählt mir in einem 2 Seiten Beitrag vieles über Juden u.a. wieviele Theaterregisseure jüdisch sind, doch nix zu Namen. Bei den Quellen zum Judeneintrag gibt es einen Autor namens Kahn.

Unter Kohen nichts – unter Cohen gibt es einen Emil, Geologe, und einen Hermann, Philosoph. Unter Cohn gibt es einen Fritz, Astronom, und einen Jonas, Philosoph.

Kann es sein, daß das Allgemeinwissen darum, wofür Cohen steht, schon lange vor dem 3. Reich speziell geworden war? Und daß das eventuell sogar von Deutschlands Juden so gewünscht war?

PS: ansonsten läßt die Einleitung zum Judeneintrag vieles von dem, was Eure Nachbarn absondern vergleichsweise schwach erscheinen.

74. Silke - Februar 6, 2013, 19:18

caramba 29

könntest Du bitte ein paar Beispiele bringen, wann diese Assoziiererei gang und gäbe war?

Die Einträge in meinem Meyers Kleines Lexikon scheinen eher dagegen zu sprechen.

Rosenzweig u.ä. vermutlich ja, doch bei Cohn habe ich wachsende Zweifel, daß das im 20. Jahrhundert überhaupt noch in war.

75. Silke - Februar 6, 2013, 19:33

caramba 35

ich brauchte bei Angehörigen anderer Nationen auch immer geraume Zeit, bevor ich ihre Reaktionen lesen konnte. Wenn sie gelernt hatten, sich international zu benehmen, ging amerikanische Freundlichkeit am besten, wenn nicht, mußten man Geduld miteinander haben und viel benefit of the doubt aufbringen.

Das gilt sogar innerhalb Deutschlands – in meinem Fall vom Mittelgebirge in den Norden oder liegt’s daran, daß die einen amerikanisch re-educated wurden und die anderen britisch.

Fremdwahrnehmungen von mir als Deutscher finde ich oft ungeheuer amüsant in ihrer herbeiphantasierten Wissenschaftlichkeit und wie sie dazu benutzt wird, einen Punkt, den der Experte machen will, als gewichtig erscheinen zu lassen und zu wenig selbstbewußt ist um zu sagen, “ich fühle” “mir scheint”.

Und Jon Stewart hat bei mir seit Mavi Marmara seligen Angedenkens versch… und dabei bleibt’s auch. Seitdem kann ich den Mann nicht mehr ernst nehmen und ohne das kann ich nicht über ihn und mit ihm lachen. Danach war mir alles nur noch schal.

Wenn Du echt leckere und wohl begründete Deutschenschelte hören willst, empfehle ich Dir die Interviews mit Mark Blyth – aber Achtung, er benennt – quelle horreur – ein paar Sachen, die wir gut machen und bei denen ich teilweise – huch nein aber auch – ganz anderer Meinung bin als er. Vermutlich war’s hauptsächlich in diesem Teil der Serie:
http://www.radioopensource.org/mark-blyth-8-how-germany-gets-to-eat-our-lunch/

76. Silke - Februar 6, 2013, 19:49

avra 71

… aber es wird doch im Buch selber anscheinend auch überhaupt nicht erwähnt …

und das interessiert mich …

77. Silke - Februar 6, 2013, 19:54

Kann es sein, daß das Wissen um Cohn und Levi unter praktizierender Christen Allgemeinwissen ist?

Es gab übrigens auch mindestens einen Jahrgang in Deutschland, in dem Sarah sehr beliebt gewesen sein muß – ca. in den 90ern.

tja und wieder einmal hat mein Gedächtnis mich nicht getrogen

http://www.beliebte-vornamen.de/4819-sarah.htm

78. Rosa Grün - Februar 6, 2013, 22:07

Zu 70 „Genau genommen“ dürften Sie recht haben, danke für die präzisierende Ergänzung! Habe mir nochmals den biblischen Stammbaum angesehen, z.B. in:
http://www.thomashieke.de/schemata.pdf
Wenn der gesamte Stamm der Levi-Nachkommen mit all seinen Seitenlinien für die Leviten zuständig ist (und so war es ja wohl), und nicht nur die direkte Linie, die über Aaron (>Kohanin) führt, (Kehat, Amram…Perez, Hezron…Ram, Isai bis zu David), dann ist es ein wesentlich größerer Personenkreis (und es müsste heute viel mehr Levis als Cohen geben :) !

79. Ima - Februar 7, 2013, 11:11

@Silke
“… aber es wird doch im Buch selber anscheinend auch überhaupt nicht erwähnt …

und das interessiert mich …”

Ihre Frage kann ich gut verstehen, geht mir genauso.
Aber hierzu muss man sich klarmachen, dass nach Kriegsende in Deutschland angeblich niemand etwas von der Judenvernichtung mitbekommen hat (was natürlich verlogen war).
Erst Ende der 70iger. Jahre, nachdem der aufwühlende Fernsehfilm Holocaust im deutschen Fernsehen gezeigt wurde, kam erstmals eine Diskussion in Deutschland auf
http://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust_%E2%80%93_Die_Geschichte_der_Familie_Weiss
Zitat
„…Die Serie wurde auch in Deutschland gesehen und führte zu vielen Diskussionen über die nationalsozialistische Vergangenheit……“

Hierzu noch ein Beispiel aus der Kleinstadt in der ich lebe, hier wurde Jahrzehnte abgestritten, dass die Nazis ein Folterkeller hatten, erst als durch Zufall hierzu im Staatsarchiv Dokumente auftauchten, half alles abstreiten nicht mehr.

80. Ach wirklich? - Februar 7, 2013, 11:17

Caramba 33:
“Wie gesagt: ich traue den deutschen bis heute nicht über den Weg.”
Mir geht es genauso…

“Mein Meinung ist: man muss nur ein bisschen daran kratzen, und schon kommt der Nazi zum Vorschein…”

Na ja, das ist schon starker Tobak. Wundert mich, dass dieser Spruch auf diesem Blog durch die Zensur gekommen ist. Aber ich fühle, ehrlich gesagt ganz ähnlich. Sogar die deutschsprachigen Nachbarn bleiben den Deutschen gegenüber sehr misstrauisch, nicht nur wegen der Übermacht, die im 1. und 2. weltkrieg so deutlich zu spüren war, sondern weil man auch bei heutigen deutschen oft das Gefühl hat, sie benehmen sich so, als gehörte ihnen die Welt. “z’êtes pas en territoire conquis” möchte man ihnen gerne zurufen, wie es in Asterix so schön heisst.

81. Ach wirklich? - Februar 7, 2013, 11:33

@rosa grün 78
“Isai bis zu David”
Nein, David war keine Levite, david war aus dem Stamm Yehuda, das war der nächst jüngere Bruder von Levi…

“und es müsste heute viel mehr Levis als Cohen geben”

In biblischen Zeiten war es tatsächlich so. Da waren ja auch die Abgaben gestaffelt: Maasser, der Zehnte, musste an die Leviten abgeführt werden, und die wiederum gaben ihren Zehnten (trumat maasser) an die Kohanim. Da gibt es eine bekannte Gemara dazu, dass drei grosse Rabbiner auf einem Schiff reisten, und einer war Israel und hatte vergessen, sein Maasser abzuführen, aber zum Glück waren die zwei anderen ein Levi und ein Kohen, und dann konnte er es gleich machen… (weiss nicht mehr genau, wo die steht).

Ob es heute noch so ist, weiss ich nicht. Bevölkerungsentwicklung ist manchmal ziemlich erratisch, und ich frage mich, ob es da tatsächlich so einen grossen Unterschied macht, wenn man 3-4 Generationen vorher anfängt (Laut der Genealogie in Shemot ist Levi der urgrossvater von Aharon).

82. Silke - Februar 7, 2013, 14:28

Ima – 79

daß bis zur Holocaust-Serie keineR was wußte, ist lt. einigen Historikern, die über die 50er gearbeitet haben, so nicht richtig.

Es ist jedenfalls nicht meine persönliche Erfahrung. Meine Kopie von Anne Frank, die ich gekauft habe, nachdem oder weil wir es in der Schule gelesen haben, ist von 1955.

Wie und woran man Juden erkennt, ist das Volkswissen, mit dem ich aufgewachsen bin – bis zur Aufklärung durch die Schule war das höchst verwirrend, weil keineR erklärte, warum dieses Erkennenkönnen so wichtig war.

Darum frage ich so hartnäckig, ob der Name, der einzige Hinweis war, den Nöstlinger gegeben hat.

(Nick Cohen ist ein von mir sehr geschätzter Autor und KEIN Jude, sein Großvater war schon keiner mehr, bevor er von Polen nach England kam.
http://nickcohen.net/2009/02/12/jesus-im-turning-into-a-jew/)

Und der Aufruhr, den Holocaust auslöste, hat mich mehr als verblüfft, doch vermutlich muß jede Generation “es” neu für sich entdecken, wobei, was die Nachkriegszeit anlangt, Generationenwechsel alle 5 Jahre stattzufinden scheinen und außerdem, was im Ort X war, kann im Ort Y ganz anders gewesen sein.

Und ja, wenn man einen richtig lieben Opa hat, will man natürlich nicht erfahren, ob er nicht vielleicht?

Ich habe ein Foto von meinem Onkel, der der einzige war, der auf meine Kinderängste liebevoll einging, und da steht Smolensk drunter. Möchte ich mehr wissen? Würde ich es schaffen, beide Bilder gleichzeitig nebeneinander zu fühlen? Das Entsetzen ( so da “was” wäre) und das Sehnen?

83. Silke - Februar 7, 2013, 14:34

Ach wirklich? – 80

Wundert mich, dass dieser Spruch auf diesem Blog durch die Zensur gekommen ist.

Es erfreut mich immer zutiefst, wenn Leute rum-polemisieren und dadurch klar und deutlich kund tun, daß ihre Kenntnis der Usancen mit “dürftig” sehr wohlwollend kategorisiert sind.

84. Yael - Februar 7, 2013, 16:53

Nun Cohn ist ein jüdischer Name, aber nicht jeder der den Namen trägt, ist Jude.

85. Ima - Februar 7, 2013, 17:34

@Silke
„…daß bis zur Holocaust-Serie keineR was wußte, ist lt. einigen Historikern, die über die 50er gearbeitet haben, so nicht richtig….“

So habe ich es auch nicht geschrieben!!!
Aber in den Jahren nach dem Krieg wurde die Geschichtsaufarbeitung verdrängt. Es wurde gelogen und verbogen, weil angeblich sich niemand an den Verbrechen sich mitschuldig gemacht hat, sei es durch aktive Handlungen oder durch Wegschauen.
Es wusste fast jeder in Deutschland Bescheid, was während der Nazizeit mit den Juden schreckliches geschah

86. Jakobo - Februar 7, 2013, 21:47

“daß bis zur Holocaust-Serie keineR was wußte, ist lt. einigen Historikern, die über die 50er gearbeitet haben, so nicht richtig. ”

diese diskussion wird doch sehr stark auf die deutschen fixiert
durchgefuehrt.

unter juden gibt es tatschaechlich sehr viele familien in denen die kinder erst durch diesen film ueberhaupt das erste mal gehoert haben was mit ihren eltern geschehen ist und wo sie
durch mussten.

in vielen familien hat es sich sogar noch eine generation weiter
gezogen und so sind dann die enkel in der schule gesessen und
haben von enem deutschen lehrer der natuerlich ueber alles
bescheid wusste, (oder es zumindest vorgab) erfahren muessen
was so alles passiert ist.

ich glaube manchmal das problem ist nicht nur das die meisten
deutschen sagen sie wussten nichts, sondern eben auch dass es
den meisten nicht im geringsten interessiert hat wie die juedischen
familien damit umgegangen sind und das ist anscheinend bis
heute noch so.

J

87. Silke - Februar 7, 2013, 22:56

Ima
die Eltern unseres derzeitigen Bundespräsidenten haben lt. seiner eigenen Aussage “natürlich nichts gewußt”. (keine Ironie im Tonfall)

Das Netteste, was ich über meine Vorfahren sagen kann, ist, daß sie wußten, wann sie wegzuschauen hatten.
——-
Jakobo

in Deutschland?

Der Zentralrat wurde 1950 gegründet.

Anne Frank war ein Bestseller mit Auflage nach Auflage.

Wir hatten ab Ende 1953 einen Fernseher und ich erinnere mich deutlich, daß mir sowohl Eugen Kogon als auch Sebastian Haffner heftig auf den Geist gingen (letzteren verehre ich mittlerweile)

Sowohl Martha Gellhorn’s als auch Hannah Arendt’s Berichte über ihre Besuche in Deutschland scheinen mir fremd und unvertraut.

Hannah Arendt’s großes Interview mit Günther Gaus war 1964. Mein Gemeinschaftskundelehrer ca. 1955 brachte seinen HJ-Ausweis mit in die Schule und zwar um über die schreckliche alte Zeit zu reden. Unser Erdkundelehrer hatte 13 Jahre in Südamerika gelebt. Unsere Zeichenlehrerin hieß Slevogt und war Max’s Nichte.

Nein es gab keinen medialen Dauerbeschuss, aber es gab auch nicht das große Schweigen.

Ich vermute das mit dem großen Schweigen war eine Erfindung der 68er und vermutlich eine sehr nützliche, aber die wahre Geschichte ist wohl weniger eindeutig.

88. Culatello - Februar 8, 2013, 11:04

@Rosa Grün # 69

****** ” Vornamen aus dem Alten Testament, wie Sarah, David, Esther … sind eindeutig jüdischen Ursprungs, werden aber auch gern von Christen (bes. im angelsächsischen Raum) gewählt, die eine besondere Wertschätzung des Alten Testaments hegen, wie das z.B. bei den Evangelikalen in den USA und den hiesigen Freikirchen der Fall ist, jedoch nicht bei den Europäischen Christen (z.B. Katholiken und Lutheranern) – woraus sich auch die sehr verschiedene Einstellung zu Israel erklärt! ” *********

Das stimmt ja gar nicht.

Auch im Jahr 2012 belegt der Name Ben wieder den Platz 1 in der Liste der beliebtesten Vornamen in Deutschland (Jonas, Noah, Elias, Jakob, David zählen alle zu den beliebtesten Vornamen).

Deiner Logik zufolge müsste die Einstellung der Deutschen zu Israel also sehr gut sein.

http://www.beliebte-vornamen.de/jahrgang/j2012

89. Culatello - Februar 8, 2013, 11:43

@avra # 71

*********** ” “Ich will nicht, dass mich jemand nur liebt, weil ich Jude bin; ich will auch nicht besonders geschont werden, weil meine Eltern und alle ihre Vorfahren Juden waren, und lehne auch jedweden “Naturschutz” ab, an deren Pforte “Juden – bitte vorsichtig umgehen” prangt.” (Peter Stiegnitz) ” ***********

So habe ich auch immer gedacht.
Peter Stiegnitz mag es gar nicht, wenn jedesmal explizit erwähnt wird, dass er Jude ist, wie z.B. *der jüdische Komponist*, *der jüdische Schriftsteller*.

Andere regen sich im Gegenteil wieder auf, wenn ihre Zugehörigkeit zum Judentum NICHT erwähnt wird.
In einem Fall hat sich sogar mal einer – ich glaube, es war Henryk M. Broder – über die Tatsache aufgeregt, dass wörtlich geschrieben wurde, jemand sei *jüdischer Abstammung*. Es solle gefälligst geschrieben werden jemand sei *Jude*. (Beides ist tatsächlich nicht identisch, denn ein Konvertit kann Jude sein ohne jüdischer Abstammung zu sein, aber muss man deshalb eine dermassene Wortklauberei betreiben und die beleidigte Leberwurst geben?)

Also: der eine Jude will es so, der andere will das genaue Gegenteil; eine gewisse Verunsicherung im Umgang mit Juden ist da eigentlich nicht verwunderlich.

90. avra - Februar 8, 2013, 14:22

” Also: der eine Jude will es so, der andere will das genaue Gegenteil; eine gewisse Verunsicherung im Umgang mit Juden ist da eigentlich nicht verwunderlich.”

dem stimme ich zu.

91. Silke - Februar 8, 2013, 15:30

Culatello

es iss ganz einfach – stell Dir vor, grosse Teile Deiner Familie seien ermordet worden, weil sie ein Etikett bekommen haben und dann stell Dir vor, wie Dein Gefühlshaushalt reagieren würdest, wenn Dir jemand, daß Etikett verpassen würde.

Mitfühlend wird vieles ganz einfach. Und ich finde Dein Bedürfnis, zwischen abstammenden und nicht-abstammenden Juden zu unterscheiden ziemlich befremdlich.

Doch da fällt mir ein, daß ich gar nicht weiß, wie Konvertiten mit “rein-arischen” Großeltern klassifiziert wurden?

Ich meine, was stand in den Etikettierungsrichtlinien dazu? Wie ich Vorschriftenverfasser kenne, haben die sich da durchaus Gedanken zu gemacht und da Du, Culatello, Dich da ja gut auszukennen scheinst, wirst Du’s mir sicher sagen können.

92. jakobo - Februar 8, 2013, 17:39

“Ich vermute das mit dem großen Schweigen war eine Erfindung der 68er und vermutlich eine sehr nützliche, aber die wahre Geschichte ist wohl weniger eindeutig.”

ich rede nicth von dem was die nichtjuedische mehrheit in deutschland irgendwann erfunden hat oder auch nicht.
das ist auch zweitrangig fuer mich.

es ging nur darum was sich intern in einigen juedischen familien
abgespielt hat.

aber auch da bin ich gerne bereit noch dazuzulernen

J

93. Silke - Februar 8, 2013, 19:37

jakobo

heute vermute ich, daß einige meiner Lehrer Verfolgte waren, doch damals war’s kein Thema

- ab 1966 hatte ich aber einen Freundeskreis deutsch-südamerikanischer Juden und deren Mütter. Da wurde vorausgesetzt, daß das 3. Reich und seine Verfolgungen zumindest in groben Zügen Teil der Allgemeinbildung war, will sagen man machte hie und da Bemerkungen und erwartete, daß der Kontext zu deren Verständnis bekannt war.

Die eine Mutter war aus Berlin und erzählte z.B. von dem Polizisten, bei dem sie ihren Pass abholte und der sie drängte, sofort abzufahren und nicht bis zum geplanten Termin zu warten und der ihr damit vermutlich das Leben gerettet hat.

(Die Mütter waren wegen der besseren Krankenversicherung wieder hier, die Söhne wegen Praktika in der chemischen Industrie und oh Schrecken oh Horror nach heutigen Vorstellungen – sie waren in Gastarbeiter-Wohnheimen untergebracht und fanden nix dabei.)

Einer aus der Clique war geblieben und schaute ausgerechnet am Abend des München-Massakers bei mir vorbei. Wir und mein Freund, ein amerikanischer Jude aus Texas, saßen zu dritt vorm Fernseher und froren. Doch so wie man heute “drüber reden” würde, das haben wir nicht getan – dieses alles Besprechen müssen/wollen kam, meiner Erinnerung nach, damals erst ganz langsam in Mode zusammen mit all den amerikanischen Psychobüchern wie Urschrei und so und der Angst, daß man der Verdrängung beschuldigt werden könnte.

94. Jakobo - Februar 8, 2013, 22:57

Silke:

ich glaube du hast nicht wirklich verstanden worauf ich hinauswollte
und ich versteh auch nciht was du sagen willst aber gut.

J

95. Silke - Februar 9, 2013, 12:27

Jakobo

um Dein Unverständnis zu verstärken, erzähle ich Dir noch, daß mich der Horror aus dieser fiktiven Darstellung viel unmittelbarer und stärker ansprang als es je bei Autobiographischem der Fall war.

Meine Vermutung ist, daß es Erlebnisse gibt, die so furchtbar sind, daß man, um sich seine “sanity” zu erhalten, über sie nur in “Schutzanzüge” gekleidet berichten kann.

96. felika - Februar 9, 2013, 20:09

liebe lila,
da habe ich vor einiger zeit begonnen, meine alten kinder- und jugendromane noch einmal zu lesen, und dabei christine nöstlinger vergessen! wie konnte mir das nur passieren.. maikäfer flieg, der gurkenkönig, namen aus ganz anderen zeiten, über die sich ein erinnerungsschleier gelegt hat.. den werde ich demnächst lüften. danke für die inspiration!

97. Lila - Februar 9, 2013, 21:19

Was ich besonders schön fand als Kind, das waren die Worterklärungen. Im Herrn Vranek lag ein Lesezeichen dabei, wenn ich mich recht erinnere, mit Erklärungen. Plafond, Erdäpfel, Pracker, Paradeiser, Fisolen, Karfiol, Trafikant, die fallen mir noch ein. Das fand ich faszinierend und eine riesige Bereicherung. Einerseits war es eben durch das Deutsche eine vertraute Welt, andererseits waren diese Wörter ein eindeutiger Hinweis auf die Fremdheit. Eben ein anderes Land, in das ich mich reinlesen konnte.

Das war eigentlich noch schöner als übersetzte Bücher, eben wegen dieser doppelten Wahrnehmung. Ich fand die österreichischen Wörter viel schöner als die deutschen. Wie froh bin ich, daß kein Herausgeber gemeint hat, er muß die Bücher eindeutschen.

98. Kleiner Bruder - Februar 10, 2013, 18:24

Was für die Germanen (Fachausdruck: Piefke) exotisch ist oder “progressive Kinderliteratur” war für uns eigentlich Mainstream. In den 70er Jahren waren Buchhandlungen und Leihbibliotheken in Wien voll von Nöstlinger (und Mira Lobe), im Radio kam jeden Morgen Dschi-Dschai-Wischer-Dschunior, auch von Nöstlinger…. Sie war omnipräsent…

99. Lila - Februar 10, 2013, 18:57

Nöstlinger war bei uns auch omnipräsent, soweit ich mich erinnere. Daß Österreich in den 70er Jahren kulturell so viel progressiver war als Deutschland, ist mir allerdings neu. Welche Kinderbuchschriftsteller vom Schlage Nöstlingers gab es vor ihr?

Ich weiß von Deutschland, daß es der Oetinger-Verlag mit Übersetzungen skandinavischer Kinderliteratur war, insbesondere natürlich Lindgren, der Bewegung in die vorher arg didaktische Kinderliteratur gebracht hat. Daß daraus schließlich eine ganze Welle progressiv-didaktischer Kinderliteratur entstand, ist mir noch sehr gut erinnerlich.

Richtig gute Kinderliteratur, die aus Liebe zur Sprache und zur Geschichte geschrieben ist, und nicht um die Kinder zu belehren oder zu formen oder sie zu “gutem Benehmen” anzuhalten, ist nicht sehr häufig.

Es ist immer wieder gar erbaulich zu sehen, wie Österreicher und Schweizer “ironisch” ihre Vorurteile gegen Deutsche ausleben. Ich nehme das als unbewußtes Kompliment, das davon ausgeht, daß wir sowas nicht übelnehmen :D .

100. Silke - Februar 10, 2013, 21:18

wann war denn diese didaktische Phase?

Außer Pucki, die ich vermutlich nur bekam, um mich ruhig zu stellen und die ich las, wie ich heute noch alles lese, was gedruckt ist, waren meine Kinderbücher, ausdrücklich als solche angeschafft und vermutlich von Buchgemeinschaften empfohlen, Schwabs Sagen des Klassischen Altertums, Ich, Claudius, Kaiser und Gott (2 Bände in einen zusammengekürzt) und Erich Kästner und da hatte es mir besonders die verschwundene Miniatur angetan.

Astrid Lindgren habe ich als Erwachsene mal versucht und war ziemlich geschockt, wenn man den Kästner’s 35. Mai liebt, kommt einem das doch sehr müde vor.

Ich bekenne allerdings, daß ich auf niedlich gemachte oder einen auf niedlich machende KInder in Büchern nicht verknusen kann.

Vermutlich hatte ich auch so Geschichtenbücher mit Melusine und ähnlichem drin.

Abgesehen von Harry Potter, würde ich heute, hätte ich Kinder wohl das Gleiche schenken. In die Tribute von Panem habe ich einen Blick geworfen, nachdem Lila davon erzählt hat, also das war mir zu synthetisch, zu sehr creative writing mäßig und die Metaphern taten förmlich weh.

101. Lila - Februar 10, 2013, 22:28

Kästner ist in meiner gänzlich unwissenschaftlichen Einteilung ein didaktischer Autor, mit Augenzwinkern wendet er sich an die Erwachsenen, über die Köpfe der Kinder hinweg. Seine Musterknaben hab ich nie gemocht. Die Guten werden belohnt, die Bösen bestraft, und Onkel Erich hat immer was dazu zu kamellen. Nee, ist nicht mein Fall, obwohl ich ihn als Kind auch gelesen habe. Aber diese Justus-Heldenverehrung und immer sein gutes Muttchen und die kecken jungen Mädchen, die nach einer halben Stunde Bekanntschaft schon verlobt sind. Ach nein.

Astrid Lindgren hat nicht nur liebliche Idyllen für sehr junge Kinder geschrieben, sondern auch ein paar schwierigere Sachen mit ungelösten Konflikten. Meist in kürzeren Geschichten, wie im Sammelaugust, die bösen Tanten… und auch in den Madita-Büchern, die vermutlich meine liebsten waren, als ich klein war, lugen Probleme zwischen den Eltern und die Familie Nilsson ganz eindrucksvoll hervor. Auch die Probleme von Matti und Mia, denen Madita letztendlich nicht helfen kann.

Britische Kinderbücher wie von Edith Nesbit habe ich gern gelesen und lese sie gerade wieder – danke, Kindle! Sie sind zum großen Teil erfreulich frei vom Ordnungsfanatismus, der in deutschen Kinderbüchern zu Nesbits Zeit jede Ecke mit dem pädagogischen Besen auskehrt.

Michael Ende finde ich ziemlich unerträglich in seinem Welterlösungsdrang (und daß er Lummerland zum Festland gemacht hat, werde ich nie verwinden). Selbst Otfried Preußler, der sich so schön liest, läßt von Zeit zu Zeit den “ich hab es doch gleich gesagt”-Onkel rausgucken.

Die Mädchenliteratur, von der Pucki ja nur das bekannteste Relikt ist, erzieht per Lungenentzündung – jedes Fehlverhalten wird damit geahndet, entweder der Übeltäter oder das Kind der Rabenmutter siechen dahin und werden ganz knapp errettet. Das war seit dem 19. Jahrhundert bis in die 50er Jahre hinweg ein ganz umfangreiches Genre.

Da ist mir eine amerikanische Serie wie Sue Barton (Susanne Barden), die in etwa zeitgleich mit diesen Blüten der Erbaulichkeit geschrieben wurde, viel, viel lieber.

Ich bin natürlich auch mit Schwab und Claudius und vielen Märchen aufgewachsen. Primus erzählte mir neulich von einem Treffen mit Freunden, wo eine sich beschwerte, daß sie für eine Prüfung griechische Mythologie lernen muß, wie langweilig! Primus hat versucht, sie zu begeistern, aber der Zug war wohl schon abgefahren. Dank Schwab und ein paar spezielleren Büchern weiß ich immer noch alle verschiedenen Nymphen auseinanderzuhalten, die Hamadryaden und Oreaden…

http://i.ebayimg.com/t/Mythologisches-Lexikon-Hermann-Jens-/14/!BuP3hgQ!Wk~$(KGrHqEOKnIEvyFrw6PUBL+igfWvkg~~_35.JPG

Ich habe mir aus der Bücherei sehr viele Bücher ausgeliehen und habe auch Bücher gesammelt, aber in Erinnerung geblieben sind mir eher ausländische Autoren als deutsche.

Die damals zeitgenössische Literatur für Jugendliche, die mir manchmal Wohlmeinende schenkten, war meist bevölkert von sozialen Problemen aller Art, Ausländer, Drogen, Außenseiter. In der Schule haben wir Rolltreppe abwärts gelesen, viele dieser Bücher waren schul-geeignet. Sie wollten die Jugendlichen bestimmt “dort abholen, wo sie waren”, aber daraus wird noch keine gute Geschichte. Von Rolltreppe abwärts jedenfalls und seinen Zeitgenossen ist mir nichts im Gedächtnis geblieben.

Das war aber später, so Mitte bis Ende der 70er.

Ach ja, ich habe von meiner Tante damals die gesamte Rotfuchs-Serie geschenkt gekriegt, Heinrich Hannover, Hans-Jürgen Martin, da fallen mir noch welche ein, das Getüm, da waren gute Bücher dabei, aber auch etwas seltsame. Und sie waren eben antiautoritär erzieherisch. Genauso wie Beltz&Gelberg. Ich muß von denen so ziemlich alles haben, was die zwischen 1970 und 1980 rausgegeben haben. :-)

Ravensburger Bücher hatten einen weniger hohen literarisch-pädagogischen Anspruch, da erinnere ich mich an ein paar starke Figuren, aber auch an ein paar recht dünne Geschichten.

Daß Otfried Preußler den Hotzenplotz bekehrt hat – das ist doch wirklich schlimm. Immerhin, beim Müller im Koselbruch hat er drauf verzichtet….

102. Kleiner Bruder - Februar 10, 2013, 23:53

“Daß Österreich in den 70er Jahren kulturell so viel progressiver war als Deutschland, ist mir allerdings neu.”

Das behaupte ich nicht. Es befremdet mich nur etwas, dass Nöstlinger als besonders “progressiv” eingestuft wird…

Zitat:
“Als Kind wurde ich von meiner progressiven Tante mit einem stetigen Strom progressiver Kinderbuecher versorgt, viele davon aus dem Haus Beltz&Gelberg. Manche fand ich interessant, manche nicht, wie das eben so ist.

Ein Buch, das ich wirklich mochte, war “Maikaefer flieg” von Christine Noestlinger,”

Oder muss dieser Text so gelesen werden, dass zwischen Einleitung und folgendem Absatz keinerlei zusammenhang besteht..?

103. Silke - Februar 11, 2013, 0:36

eine ganze Kultur, die mir total unbekannt ist, ebenso wie Comics (Micky Maus ist Schund ;-)

insgesamt habe ich wohl sehr wenig Kinderbücher gelesen, sondern mich mit dem Bücherschrank der Eltern über Wasser gehalten. Es gab damals noch private Leihbüchereien, aber die hatten im wesentlichen nur so Cora-Zeugs und das turnte mich dann auch im Teenager-Alter nicht so an, denn vorher hatte ich die Griechischen Liebessagen schon inhaliert …

und Kästner’s der 35. Mai ist ein schönes Buch und wenn das didaktisch ist, dann liebe ich didaktische Literatur – die anderen sind bis auf die Miniatur eher an mir vorbeigerauscht. Meine Schwierigkeiten irgendwie das Leben zu verstehen, kamen da drin wohl nicht vor.

und meine Versuche mit Astrid Lindgren Bekanntschaft zu schließen, waren nicht erfolgreich, nicht zuletzt deswegen, weil ich Pippi Langstrumpf nicht nur mager erfunden fand, sondern auch diese Masche, das gruselige Verlassensein dieses Kindes als was Hippes darzustellen, mich abstieß.

Claudius iss ja nu eigentlich das Letzte, was kindgeeignet ist – ich meine, sie hätten sogar die Stelle mit dem Hummer drin gelassen gehabt (den, den Tiberius? dem Fischer ins Gesicht reibt, weil der ihn erschreckt hat), dennoch galt das bei Euch noch als Kinderbuch?

104. Lila - Februar 11, 2013, 9:26

Ich habe mir aus den Regalen meiner Eltern geholt, was mir vielversprechend aussah. Den Claudius muß ich so mit 13, 14 gelesen haben,an einen Hummer erinnere ich mich nicht mehr…

35. Mai muß ich noch mal lesen. Ist auch eine Frage, womit man persönlich warm wird.

Was das “Progressive” angeht – Nöstlinger galt, wenn ich mich nicht ganz und gar falsch erinnere, als frischer Wind in der Kinderliteratur. Ich hatte Dich so verstanden, als wäre das in Österreich anders gewesen, und als hätte es dort eine lange Tradition von Kinderliteratur gegeben, die die Autorität der Eltern in Frage stellt, Kinder Erwachsenen gegenüber bestärkt etc. Das ist ja das “Progressive” daran. Meine Tante war eine sehr typische Vertreterin der 68er, hat in Berlin Soziologie studiert und war bei allen Demos dabei :-) Sie hat in Jürgens Buchladen eingekauft, und der hatte immer die neusten Bücher, und ich habe sie praktisch druckfrisch gekriegt.

Vorher war Kinderliteratur eigentlich eher dazu gedacht, die Kinder zur Einsicht in die Überlegenheit der Autoritätsfiguren zu bewegen. Auch bei Kästner ist das letztendlich so, allerdings lernen die Erwachsenen auch von den Kindern. Bei Lindgren gibt es keinen großen Konflikt zwischen Erwachsenen und Kindern.

Aber selbst bei den liebevollen und menschlich gezeichneten Pfäfflings muß das Kind sich der Autorität unterordnen und wird “gebrochen”. Liebevoll und mit Humor, aber es muß sich einordnen.

Ich weiß nicht, ob es Nöstlinger war, die dieses “Grundgesetz” der Kinderliteratur als Erste gebrochen hat. Und das nicht nur in einer phantastischen Welt wie Pippi Langstrumpf, gegen die Erwachsene ja gar keine Chance hatten. Sie hat auf jeden Fall großen Einfluß ausgeübt.

Ja, ich fand es auch schrecklich, daß Pippis Mutter ein Engel ist, und ich finde bis heute, daß Thomas und Annika es viel besser hatten als die Pippi.

Herrje, leider muß ich arbeiten, aber ich denk mal weiter drüber nach.

105. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 11:22

Ich hatte die Aussage so verstanden, dass Nöstlinger in deutschland als exotisch empfunden wurde (was ja dann in einem späteren Kommentar wieder zurückgezogen wurde) und wollte einfach darauf hinweise, dass Nöstlinger in österreich in den 70ern weder als besonders exotisch noch als besonders progressiv galt. Sie lag einfach im Geist der Zeit. Mira Lobe schrieb damals schon die ersten Umweltschutz-Bücher (“Städtchen drumherum”), ohne übertrieben belehrend zu wirken…

Ich fand Nöstlinger mässig gut. manche bücher gefielen mir besser, andere weniger…

106. Lila - Februar 11, 2013, 11:35

In meinem Bücherregal war die Ankunft von Pia Maria und der feuerroten Friederike, später auch dem Gurkenkönig und der Lele, überhaupt den ganzen Beltz&Gelbergs ziemlich deutlich spürbar. Und zwar nicht wegen ihrer Themen (hat sie je über Umweltschutz geschrieben…?), sondern wegen ihres Stils und ihrer Haltung.

Soweit ich das als Laiin beurteilen kann, hat Nöstlingers Stil einen Neuanfang bedeutet, auch die un-niedlichen Illustrationen, die sie zu Anfang ja noch teilweise selbst gemacht hat.

Wenn Du daraus Rückschlüsse auf ganz Deutschland ziehen möchtest, um zum Schluß zu gelangen, daß Piefkes nun mal total spießig sind und kulturell den progressiven Österreichern immer hinterhergewackelt sind, nur zu. Aber das wußtest Du doch schon vorher, oder? :-D

107. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 11:47

Ich glaube, die Verständigung wird schwierig, wenn in Kommentare ständig sachen reingelesen werden, die nicht drinnen stehen, auch nach expliziter Klarstellung.

Ich habe nie behauptet, die Piefke (ohne s im Plural) seien spiessig. Abgesehen davon ist spiessig für mich nicht unbedingt ein Schimpfwort und “progressiv” ist für mich nicht unbedingt positiv konnotiert.

108. Lila - Februar 11, 2013, 12:07

Der Ton macht die Musik. Weil von Nöstlinger die Rede war, fühltest Du Dich wohl berufen, eine kleine Spitze gegen die wie-auch-immer-Du-sie-nennst loszulassen.

Auch ich habe meine Vorbehalte gegen die Progressivität der späten 60er und frühen 70er Jahre. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Manche Früchte sind gut gut, manche schmecken im Nachhinein sehr bitter. Übrigens auch in der Kinderliteratur. Ich habe gedacht, wenn ich zweimal im Absatz “progressiv” schreibe, ist ein gewisser zart angedeuteter inner Abstand erkennbar.

Darf ich noch einmal Deinen ersten Eintrag zitieren:

Was für die Germanen (Fachausdruck: Piefke) exotisch ist oder “progressive Kinderliteratur” war für uns eigentlich Mainstream.

Immer diese schönen Wir-Ihr-Schemata. Unhöflich formuliert auch. Und was in meinem Kinderzimmer “progressiv” war, war es vielleicht für andere Deutsche nicht.

Na, jetzt hab ich sogar bei Wikipedia nachgeschlagen, ob ich mich so täusche in meiner Erinnerung.

Ganz im Zeichen der in den 70er Jahren aufkommenden „realistischen Kinder- und Jugendliteratur“ stellt sie in ihren Familiengeschichten unter anderem immer wieder Eheprobleme der Eltern dar – für die damalige Zeit ein umstrittenes Novum in der Kinder- und Jugendliteratur.

Generell sind ihre Texte – Romane, Essays, Zeitungskolumnen und Lyrik – sowohl von der Wiener Alltagssprache als auch von Worterfindungen und lustvoll komponierter Kunstsprache gefärbt („Dschi-Dsche-i-Dschunior“, „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“). Dies brachte ihr anfangs Unverständnis und Kritik ein, wird seit langem aber als ihr spezifischer Sprachduktus anerkannt und geschätzt. Auch in dieser Hinsicht wirkte ihr Schaffen sowohl polarisierend als auch prägend auf die Entwicklung der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur.

Mainstream also war sie wohl kaum, auch wenn sie sehr populär war und ist.

109. willow - Februar 11, 2013, 12:43

Was mich wirklich überrascht, ist ja eher, daß Lila sogar Schwarzkollm kennt, den Koselbruch und so … *räusper* in der Gegend kenne ich mich ziemlich gut aus ;-)

110. Lila - Februar 11, 2013, 12:55

In der Gegend war ich noch nie. Vielleicht wäre ich ja enttäuscht von der Realität, verglichen mit dem Lese-Erlebnis? Vergiß auch nicht, daß in meiner Jugendzeit im äußersten Westen Schwarzkollm so weit weg war wie der Mond. Schlimm, schlimm. Muß alles nachgeholt werden.

111. Silke - Februar 11, 2013, 13:37

Was Umweltschutz anlangt, ca. 1973 habe ich die erste Kündigungswelle verursacht durch Umweltschützer bearbeiten müssen. Um die zu Kündigenden auszusortieren, lautete der Slogan “call a spade a spade”. Diese Nicht-Verdruckstheit hat mir Ami-Chefs auf ewig lieb gemacht.

und das war die meines Wissens erste erfolgreiche Umweltschutzkampagne in Deutschland – gegründet 1958, weil, so meinte man im Volke, M&M seine Villa am Rheinufer nicht verhunzt haben wollte.

Ich liebe diese Geschichte, weil sie zeigt, daß die besten Erfinder von Volksaufständen bei den “besseren” Leuten zu finden sind, wie auch Orwell mir irgendwo ausführlich ausklamüsert hat.

http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Kapitzke

Schön, daß da Kinderbücher schon so “früh” mitmischten …

112. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 13:53

Ich nehme schon an, dass die Rezeption von Christine Nöstlinger in österreich anders war als in Deutschland. Zum Beispiel das, was in Kommentar 97 so ausgiebig beschrieben wurde, fiel in Österreich völlig weg:

“Was ich besonders schön fand als Kind, das waren die Worterklärungen. Im Herrn Vranek lag ein Lesezeichen dabei, wenn ich mich recht erinnere, mit Erklärungen. Plafond, Erdäpfel, Pracker, Paradeiser, Fisolen, Karfiol, Trafikant, die fallen mir noch ein. Das fand ich faszinierend und eine riesige Bereicherung. Einerseits war es eben durch das Deutsche eine vertraute Welt, andererseits waren diese Wörter ein eindeutiger Hinweis auf die Fremdheit. Eben ein anderes Land, in das ich mich reinlesen konnte.”

Wir brauchten keine Worterklärungen, im Gegenteil, für uns waren das besonders vertraute Ausdrücke, kein “Hinweis auf Fremdheit”. Deshalb betone ich, dass Nöstlinger für uns nicht exotisch war. Das waren einfach die Kinderbücher, die man in 70er jahren mehrheitlich gelesen hat.

Was das Wir-Ihr Schema betrifft: Ich bin sehr misstrauisch gegenüber Deutschen, die finden “Österreich, das gehört ja zu uns” und auch gegenüber Österreichern, die finden, dass Österreich eigentlich zu Deutschland gehört. Bei uns ist das die ganz Rechte Ecke, direkt neben den Neonazis anzusiedeln (siehe Schlagende Studentenverbindungen und so). Österreicher von heute haben ein gesundes Misstrauen gegenüber Deutschland. Und dass auch ein gesundes Misstrauen gegenüber Deutschen besteht, liegt vielleicht unter anderem auch daran, dass die Deutschen sich in ihrem Alltag nicht unbedingt bewusst sind, dass es auch andere Deutsch-sprachige Länder gibt als Germania.

113. Silke - Februar 11, 2013, 13:58

nur erinnere ich mich doch noch an ein Buch, das ich als Teenager gelesen habe und das mich als Zielgruppe hatte, es war eine Art DDR-Winnetou und es war so super, daß ich’s mit der Taschenlampe unter der Bettdecke las.

Vermutlich war es die Lektüre, die mich fürs Leben “sozialistisch” i.e. im Zweifel für die “Kleinen” (in meinem Leben Co-Arbeitnehmer, Co-Sozialversicherte) infiziert hat.

Weiß eineR, was das für ein Buch war? Irgendwo vor Jahrzehnten habe ich mal gelesen, daß es da ein Berühmtes gab und heiße-Backen-Page-Turner sind ja eher selten.

PS:
Ich lese gerade Thea von Harbou “Der Krieg und die Frauen” (1915) – die Sprache ist mir vermutlich vom ersten je gelesenen Buch an vertraut. Da findet sich “bedingungslose Inbrunst” neben so genauen Beobachtungen wie “Ob es möglich ist, daß ein Menschengehirn sich heißlaufen kann wie eine Maschine und dann plötzlich versagen, rettungslos versagen …” (rettungslos ist hoffe ich daneben, doch heißlaufen finde ich auf’m Punkt) – als Propaganda sind die Stories übrigens furchteinflößend gut.

114. Lila - Februar 11, 2013, 14:15

Meinst Du, mir war nicht klar, daß österreichische Leser keine Erklärung brauchen, was Karfiol ist? Ich sag es ungern, aber Du unterschätzt mich. Mir war schon als Kind klar, daß Österreicher das auch ohne Erklärung verstanden. Und ich fand und finde es richtig, daß dieser sprachliche Unterschied nicht eingeebnet wurde. Eben weil Österreich und Deutschland vollkommen verschiedene Länder sind – Mark Twain würde sagen, sie haben außer der Sprache alles gemeinsam :-D

Niemand bestreitet auch die Verdienste der österreichischen Kultur und Literatur, und ihre Eigenständigkeit. Oder habe ich was nicht mitgekriegt?

Wer will Österreich Deutschland denn anschließen? Ist das was Neues? Triffst Du oft auf solche Deutschen und wirfst sie darum alle in einen Topf? Machst Du das auch mit anderen Völkern so, oder haben die Deutschen da ein Privileg bei Dir?

Ich kenne nur Leute, die eher Bayern abtrennen als Österreich anschließen würden, oder einfach die Mainlinie entlang einen Schutzwall —- Spaß, Spaß, wir sind doch alle Europäer.

Im gesamten deutschsprachigen Raum, auch innerhalb Deutschlands, ist der Einfluß der lokalen Sprache deutlich spürbar. Thomas Mann klingt anders als Alfred Döblin.

Jedoch, diese Fragen haben mit der Sache, um die es mir geht, gar nichts zu tun. Also zurück zum Thema.

Wann war Dir klar, daß Cohn Jude gewesen sein muß? Hat sich Dir jemals die innere Frage gestellt, ob vielleicht sein unsoldatischer Habitus und sein Außenseitertum damit zusammenhängen können?

115. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 15:06

“Mark Twain würde sagen, sie haben außer der Sprache alles gemeinsam”

Du meinst wohl dieses Zitat:
“The United States and Great Britain are two countries separated by a common language”, laut wiki von Geoge Bernard Shaw, ich habe auch schon gelesen, dass es Churchill zugeschrieben wurde.

Nein, Deutschland und Österreich, Deutsche und Österreicher, haben nicht allzu viel gemeinsam, das ist genau mein Punkt.

Ja, ich treffe oft auf relativ unsympathische Deutsche. Vor allem bin ich aber jedes Mal ziemlich befremdet, wenn die Deutschen in trauter Runde ihren Nationalstolz so richtig rauslassen. Jedes mal, wenn ich das erlebe, geschieht es eher unvermittelt, und es schüttelt mich einmal ordentlich durch.

Ich würde es so formulieren. So lange die Deutschen sich als Individuen, als Mitglieder ihrer Familie oder auch als Bürger eines Dorfes, einer Stadt, einer Region, eines Bundeslandes definieren, habe ich kein Problem. Sobald aber “die Deutschen” sich als “wir Deutsche” outen, kommen mir starke Ekel-Gefühle. Vermutlich liegt das an der Geschichte, vielleicht ist es auch ein Komplex der kleineren Nachbarstaaten, die sich vor diesem Riesen und seinen eroberungswütigen Bewohnern fürchten.

116. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 15:39

Ein Beispiel für so einen “Wir-Deutschen”-Spruch, bei dem es mich geschüttelt hat, war damals die Schlagzeile “Wir sind Papst” als ratzinger gewählt wurde. Das fällt mir jetzt gerade wieder ein, wo ich lese, dass er zurücktritt…

117. Silke - Februar 11, 2013, 15:50

und zum x-ten Mal – wird im Buch selber erwähnt, daß Cohn Jude ist? Murmelt irgendein Erwachsener irgendetwas?

Wenn Nick Cohen’s Vater zu der Zeit schon kein Jude mehr war (weil sein Großvater zum Einwanderungszeitpunkt schon keiner mehr war), wieso muß Nöstlinger’s Cohn dann zwingend einer gewesen sein. Woraus ergibt sich das in dem Buch?

Falls österreichische Cohns schon vor dem Krieg, wie mein Meyer’s nahe legt, Hermann und Fritz hießen, wieso sollen sie dann nach dem Krieg eindeutig als Juden identifizierbar sein.

Und ja mit den Schlangenlinien, in den von Dir aufgespießten Arbeiten zu dem Buch, stimmt definitiv was nicht. Doch ich möchte wissen, ob vielleicht mit dem Buch selber was nach dem Zeitgeist von 1973 nicht stimmt und daß das möglich ist, legt mir meine Erfahrung mit der Lektüre von Schulerinnerungen publiziert zur gleichen Zeit nahe. Da wunderte sich keineR, ob er damals wirklich nix mitgekriegt hatte oder ob er wußte, wo er wegschauen mußte.

118. willow - Februar 11, 2013, 16:06

@113. Silke – vielleicht “Die Söhne der Großen Bärin” ?

119. Silke - Februar 11, 2013, 16:16

Lila 114

es kann natürlich auch sein, daß “die Österreicher” ganz was anderes zwickt ;-)

ist mir gerade besonders präsent, weil der ja als solcher mit Katharina der Großen gemenkenkelt hat. (Google kennt das Wort nicht, war aber in meiner Familie gebräuchlich für sich irgendwie off-the-radar einigen – in meinem Gefühl schwacher als mauscheln)

http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_II.#Als_r.C3.B6misch-deutscher_Kaiser

Am 27. März 1764 wurde er in Frankfurt am Main als Joseph II. zum römisch-deutschen König gewählt und am 3. April 1764 ebenda als solcher gekrönt.

120. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 16:38

Um auf die Frage zu antworten: mir war sofort klar, das “Cohn” jüdisch ist, aber vielleicht bin ich nicht ganz repräsentativ, weil ich selber jüdisch bin…

121. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 16:44

@silke 117
“falls österreichische Cohns schon vor dem Krieg, wie mein Meyer’s nahe legt, Hermann und Fritz hießen,…”

Hermann ist deutsch für herschel – zwi und Fritz ist deutsch für Sholem-Shalom.

In Österreich gab es bis in die 30er Jahre eine abschliessende liste der zulässigen Vornamen. Jiddische namen wie berel oder leibi oder gitel oder sheindel waren nicht auf dieser Liste. Deshalb mussten die Eltern, die ihre Kinder leibi oder berel nennen wollten, für den Pass einen anderen Namen aussuchen. Meistens nahm man einen, der so ähnlich klang. So wurde Breindel Bertha und Dobbe Antonia, und Herschel eben herman, manchmal auch Heinrich oder Harry.

122. Lila - Februar 11, 2013, 16:47

Ja, die gemeinsame Geschichte von Deutschland und Österreich ist gar nicht SO lange her. Es hätte ja auch eine großdeutsche Lösung geben können, wie schrecklich wäre das gewesen :-)

Die Österreicher jedenfalls sind bis gar nicht vor langer Zeit nicht der kleine, sondern der große Nachbar gewesen. Allerdings kann es sein, daß sie den Verlust der Habsburgerreichs nicht verwunden haben. Ich kann mir gut vorstellen, daß Böhmen oder Ungarn oder Kroaten genau das, was Kleiner Bruder den Deutschen vorwirft, den deutschsprachigen Österreichern vorgeworfen haben.

Kommt immer drauf an, aus welcher historischen Perspektive man das sieht.

Daß die Schlagzeile “wir sind Papst” so dämlich war, daß sie schon Kult wurde, bestreitet auch keiner. Aber präventiv schon mal unhöflich zu sein, nur für den Fall, daß ich auch so Bild-Zeitungs-mäßig und nationaldeutsch drauf bin… hm….

Ich weiß auch nicht, wieso ich meinen Punkt zu Cohn hier irgendwie nicht rüberkriege.

Also. Ein letztes Mal.

Der Mann heißt Cohn. Er ist Außenseiter. Er ist ein Schneider aus Rußland. Er ist un-soldatisches Mitglied einer Armee. Er leidet darunter, Soldat zu sein. Die anderen Soldaten akzeptieren ihn nicht. Viel erfahren wir nicht über ihn, aber er ist eine sehr wichtige Person im Buch. Die Erzählerin liebt ihn. Er rettet ihr das Leben. Und dann verschwindet er – er gerät in Schwierigkeiten, die auch mit ihr zu tun haben. Wir erfahren nicht, was mit ihm passiert. Auch die Erzählerin nicht. Darum ist das Ende sehr tragisch – das Mädchen kehrt in ihre alte Wohnung zurück, Cohn bleibt verschwunden, die Geschichte ist zu Ende.

Als Erwachsene lese ich das und das Wissen, daß Cohn auf jeden Fall aus einer jüdischen Familie stammen muß (auch wenn in der Sowjetunion natürlich sehr viele Juden nicht mehr jüdisch lebten), stellt sich bei mir automatisch ein und färbt Cohns Figur. Ich lese ihn anders als als Kind. Er hat für mich einen Kontext, der Name Cohn ist für mich eine Spur, eine unscharfe, aber der Name sagt mir was.

Und dann bemerke ich, daß ich anscheinend fast die Einzige bin. Und daß kein Mensch in Deutschland mehr zu wissen scheint, daß Cohn ein jüdischer Name ist.

Das ist alles.

Es ist für mich ein Zeichen dafür, wie gründlich Juden aus dem alltäglichen Bewußtsein geschwunden sind.

Ginge das mit einem Verschwinden des Antisemitismus einher, wäre ich bereit, es zu akzeptieren. Aber wenn man Umfragen trauen darf, besteht nach wie vor ein starker Bodensatz des Antisemitismus.

Und das, obwohl das Alltagswissen über Juden gleich Null ist und man einen Cohn nicht mehr als Juden erkennen würde.

Das erschreckt mich.

123. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 17:00

“Ich kann mir gut vorstellen, daß Böhmen oder Ungarn oder Kroaten genau das, was Kleiner Bruder den Deutschen vorwirft, den deutschsprachigen Österreichern vorgeworfen haben.”

Das ist durchaus so. Bei den Ungarn, die ich getroffen habe, bin ich eher auf augenzwinkernde Sympathie gestossen, bei den Tschechen eher auf “Wir sind aber froh, dass wir Euch Österreicher los sind”.

Ich habe damit überhaupt kein Problem: als angehöriger eines Staates, einer nation, eines volkes ist man bis zu einem gewissen Grad auch Träger der Geschichte dieser Nation. Deshalb wundere ich mich immer wieder, wenn Deutsche sich darüber wundern, dass nicht alle besonders auf sie stehen. Ich kann ganz gut damit leben, dass die Tschechen die Österreicher nicht in ihrem Herzen tragen…

124. Lila - Februar 11, 2013, 17:16

Selbstverständlich tragen wir alle die Assoziationen mit uns, die unsere jeweiligen Kollektive im Laufe der Jahrhunderte so erworben haben – nicht nur was die Nationalität angeht. Daß man sich dessen bewußt ist, solle selbstverständlich sein. Überall, wo ich hingehe, trage ich die deutsche Geschichte mit mir rum, und das ist meist nicht angenehm.

Daraus aber eine Legitimation für Vorurteile anderen gegenüber abzuleiten, ist problematisch. Jeder Mensch hat das Recht, als Individuum wahrgenommen zu werden, und nicht nur als Vertreter einer Gruppe. Und wenn es die Radfahrer sind :-)

Ich persönlich versuche zu vermeiden, so aufzutreten wie Du hier. Vor allem wenn man unliebenswürdige Ausdrücke nicht ironisch benutzt, sondern, wie Du mich überzeugen konntest, in vollem Ernst.

Und es interessiert mich wirklich, ob Du auch anderen Völkerschaften gegenüber gleich mit solchen Worten hantierst, oder nur Deutschen gegenüber.

Oh, oder Du bist Dir dessen gar nicht bewußt, wie peinlich unhöflich Dein erster Beitrag war.

125. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 17:21

Die Deutschen sind tatsächlich die einzigen, denen gegenüber ich mich als Kollektiv negativ äussern würde, und ich finde: mit gutem Grund.

bei allen anderen würde ich es nicht machen, zumindest nicht in dieser form.

Dass das unhöflich scheint, besonders wenn man selber Deutsche ist, kann ich gut verstehen. auf der anderen Seite ist auch eine gewisse Offenheit dabei. Vielleicht tut es den Deutschen gut, mal zu hören, wie sie im Ausland wahrgenommen werden. Andere würden das vielleicht nur hinter ihrem rücken sagen.

126. Lila - Februar 11, 2013, 17:25

Du scherzest, kleiner Bruder. Dir kann doch wohl nicht im Ernst unklar sein, daß ich jeden einzelnen Tag meiner nunmehr 25 Jahre in Israel damit konfrontiert werde, was über Deutsche gedacht wird.

Daß Du meinst, es den Deutschen zeigen zu müssen, und wenn es nur eine unbekannte Bloggerin ist, finde ich nach wie vor unangemessen und peinlich.

127. Silke - Februar 11, 2013, 17:31

willow 118

Danke!!!

der Titel klingt vertraut, also muß es das gewesen sein, andererseits klingelt bei Harka gar nix.

aber auweia, da gibt es ja 6 Bände und “mein” Büchereiverbund hat es nicht. – jetzt muß ich mich entscheiden, will ich es zuerst mit Band 1 probieren oder gleich den Schuber investieren – 300 Seiten hat der, meins war nur 1 Buch und ein richtiger Schinken. Mal sehen, ob es da ne Zusammenfassung für Wessis gab.

erst einmal jedenfalls vielen Dank – das passt genau in mein “Forschungsprojekt” Zeitgeiste im Wandel.

128. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 17:32

“Dir kann doch wohl nicht im Ernst unklar sein, daß ich jeden einzelnen Tag meiner nunmehr 25 Jahre in Israel damit konfrontiert werde, was über Deutsche gedacht wird.”

Ich weiss es nicht. Ich habe diesen blog ab und an verfolgt und glaube mich erinnern zu können, dass du in Kommentaren auch schon gesagt hast, dass du “nie auf ablehnende Reaktionen gestossen bist, weil du deutsche warst”. vielleicht täuscht mich da meine Erinnerung, vielleicht war es damals zu allgemein formuliert.

Du scheinst da auch eine eher zweischneidige Position zu haben. Auf der einen Seite ist dieser Blog voll mit gespielter oder echter Empörung darüber, was deutsche Zeitungen oder deutsche Politiker so zum thema Israel von sich geben, auf der anderen Seite bist du verletzt, wenn jemand aus Nöstlinger-Land dir verrät, dass die Deutschen dort “Piefke” genannt werden. Was ist es nun?

129. Lila - Februar 11, 2013, 17:42

Zu mir persönlich sind alle sehr nett, und ich bin nie diskriminiert oder mit Ausdrücken bedacht worden. Aber was über Deutsche im Allgemeinen gedacht wird, kriege ich selbstverständlich mit – ich bin doch nicht blind und taub. Ich bewundere immer die Großzügigkeit, mit der Israelis bereit sind, heutigen Deutschen die Geschichte nicht in die Schuhe zu schieben.

Und bevor Du nun mir den Schwarzen Peter zuspielst und meinst, andeuten zu müssen, als würde ich nur so tun, als wäre ich entsetzt darüber, wie oft ich ziemlich heftigen Haß gegen Israel in deutschen Medien finde —

es ist schlechte Kinderstube, schon im ersten Satz ein Wort wie Piefke zu erwähnen, wenn man dieses Wort ernst meint.

Und ich habe die Nase voll von arroganten Schweizern, Österreichern und anderen Nachbarn, die meinen, Deutsche müssen sich gefallen lassen, was sich niemand mehr gefallen läßt. Wenn Du nicht ernsthaft Kümmeltürke, Arabusch, Iwan, Neger oder Spaghettifresser sagst, dann verkneif Dir auch Piefke und Germanen.

Zumindest in meiner Gegenwart.

Und damit schließe ich diesen Thread, der ohnehin schon lang und öde ist.


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