Wie man Regen macht Dezember 21, 2012, 0:56
Posted by Lila in Persönliches.trackback
Gestern nacht habe ich in einer Mail eine Israel-Reisende, die gerade beim Kofferpacken war, beruhigt – nein, es regnet gar nicht, hoechstens ein paar Troepfchen. Bestimmt wird es eine fruehlingshafte Woche. Sprach’s und ging in den Garten, den Himmel bestaunen. Da waren die Wolken schon dick und grau, und die Troepfchen wurden Tropfen, und ueber dem Libanon blitzte es noch viel mehr als vorher.
Seitdem hat es ununterbrochen geregnet, ach was geregnet – geschuettet. In Eilon, ganz in der Naehe, sind heute 120 mm Regen gefallen. Doch es regnet nicht nur. Der Wind ist so kraeftig, dass er das Wasser durch alle Ritzen dieses alten Hauses draengt. Mehrere Fenster sind nicht ganz dicht, das wussten wir schon, aber wir haben noch nie vorher das Wasser in wilden Baechen die Wand runterkommen gesehen. Neben Tertias Tuer ist ein dicker Riss in der Wand, wo sich der neue Anbau mit dem alten Gebaeude wohl eher schlecht als recht zusammenrauft. Aus diesem Riss lief heute das Wasser, dass es nur so plaetscherte und ich dreimal wischen gehen musste.
Leo war in Panik und versteckte sich unter der Decke, die ueber die alte Couch auf dem Balkon gehoert. Eine Zeitlang blieb er da wohl trocken, aber Wind, Donner und allgemeines wildes Rauschen verstoerten ihn vollkommen. Mit Pupillen in Suppenteller-Format und wild gestraeubtem Pelz sass er dort und zitterte. Ich musste ihn gegen seinen Willen retten. Er war so durcheinander, dass er unbedingt wieder raus wollte. Erst als wir ihm eine Decke ueber die Wohnzimmercouch legten, unter die er kriechen konnte, beruhigte er sich langsam. Dabei war er nicht mal sehr nass.
Das Ende der Welt jedenfalls faengt in meinem Kraeutergarten schon mal an. Nachdem die Katzim uns Basilikum und Salbei, die sonst so Unverwuestlichen, kaputtgebuddelt und -gekackt hatten, man muss es so unumwunden sagen, hatten wir gerade bei unserem Stamm-Gartencenter in Kfar Yasif neue Pflaenzchen gekauft. Och, meinte der Gartenmann, so’n bisschen Regen macht denen nichts aus, die koennt ihr unbesorgt einpflanzen. Gesagt, getan. Jetzt schwimmen sie im Wasser. Der ganze Garten steht voll Wasser. Unter der Erde ist ja Fels, da sickert nichts ein, das muss jetzt erstmal den Weg den Berg hinab finden, katapper katapper.
Vor Secundus’ kleiner Terrassentuer werden die Mandarinchen schon richtig orange.
Der Garten verwandelt sich in Pamperlacke. Ein kleines Vordach ist zusammengebrochen – war nicht schad drum.
Wer klopfet, dem wird auch aufgetan – dieses Fenster hat dem wuesten Ansturm nicht standhalten koennen. Unter dem Fensterrahmen floss es munter direkt ins Arbeitszimmer.
Schlammbaeche.
In den Kraeuterbeeten links ist das Wasser in den Stunden, die seit dem Bild vergangen sind, handbreithoch gestiegen.
Der See Genezareth hat angeblich wieder gut Wasser. Natuerlich hilft ihm auch, dass inzwischen die Entsalzung von Meerwasser ordentlich angelaufen ist.
An diesen Tag werde ich mich mit Freuden erinnern, wenn es wieder so trocken und duerr ist, dass die Erde rissig und knochentrocken wird, und dass ich die Buesche waessern kann, so viel ich will – sie wollen nicht gruen bleiben. Ein Solanum hatten wir schon verloren gegeben. Es scheint zu spueren, was echter Regen ist und was nur ein schnoeder Gartenschlauch bzw das Gemuese-Waschwasser, das ich immer dem Garten spende. Nach dem ersten Regen ist er wieder auferstanden und blueht.
Alles blueht und gruent und plaetschert. Auch das Fenster zu unseren Haeupten hat eine feuchte Ecke. Y. schuettelt den Kopf, wenn er die stummen Zeugen von Pfuscharbeit sieht. Ich hoffe, dass meine Kraeuterchen ueberleben. Und morgen will ich den Gaaton angucken.
Kommentare
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fast 1,5 Meter höher als vor einem Jahr!
https://twitter.com/kinbot
…. wenn schon, denn schon, sagt ein Sprichwort. Also richtig trocken oder richtig nass.
Zur Jahrhundertflut vor 10 Jahren hat es bei uns an drei Tagen insgesamt 312mm geregnet, das genügte für etliche Todesopfer und Milliarden-Schäden.
Wir kommen am liebsten im Oktober oder im März/April nach Israel, da hält sich der Regen zurück.
Was schreibst Du nun der hoffnungsfrohen Urlauberin?
Lila, Lila, als heute in den 6-Uhr-Nachrichten die Meldung über die 120mm Regen in deiner Gegend kam, dachte ich gleich: Da hat man´s wieder mal, die Lila! Einen Sommer lang jammert sie über Hitze und Trockenheit, aber sobald richtiger Regen kommt, angeblich nach ihrem Herzen, entschwindet sie in Deutschlands wohlgeheizte Häuser! Und jetzt hast du´s doch noch erleben dürfen vor deiner Abfahrt. Wow, das war heftig! Gut, dass Y daheimbleibt und zum Rechten sieht. Du aber geniesse Weihnachten, Schnee und Spekulatius und was das Rheinland um diese Zeit sonst noch zu biieten hat und komm gesund wieder zu uns zurück!
Die Dame von diesem Blog, die in Georgia auch mit Dürre zu kämpfen hat, schreibt immer wieder dass sie ihre Beete mit Laub und Sägespänen und Kompost aufbessert, damit sie das Wasser besser zurückhalten…
Sie schreibt immer wieder, dass sie vor Freude fast ausflippt wenn Leute ihr erlauben, die Laubsäcke, die sie wegwerfen wollten, abzutransportieren und auf ihren Beeten auszubringen…
http://thebodiebunch.blogspot.ch/search?q=leaves
Danke fuer den Tip, ich werd’s mal nachlesen. Kompost machen wir natuerlich auch. Ich glaube aber, dass die Zypressen, die um unser Haus herum stehen und wahnsinnig viel Blaetter verlieren, irgendwie nicht gut sind fuer das Wachstum anderer Pflanzen.
Ich hab auch schlicht nicht genug Zeit, viel im Garten zu tun. Meine Kraeuterbeete halte ich unkrautfrei, im Sommer giesse ich, die Oliven ernten wir. Damit hat es sich fast schon.
Wir pflanzen nur, was ohne uns gut zurechtkommt. Die neuen Zitrusbaeumchen, die wir vor einem Jahr gepflanzt haben, wachsen gut.
Ich bewundere Leute, die gute Gartenfinger haben und bei denen alles gedeiht……
Lila
habe ich auch gehört, daß es Blätter geben soll, mit denen man lieber nicht mulchen sollte, Eichen auch Eichenspäne gehören glaube ich dazu.
Ansonsten was die Schlammfluten anlangt, habe ich beide sowohl im Rheingau als auch im südlichen Vogelsberg erlebt.
und Regen aufwischen, bah, wenn es auf Patmos im Winter so richtig meine Zisterne auffüllte, verbrachte ich den Tag damit, stündlich das Wasser aus meiner Küche zu kehren und zu schippen.
Für Pflanzen ist ein sanfter Landregen natürlich besser, aber Zisternen und Euer See wohl auch mögen’s nun mal gern kübelweise.
Schön, daß Du/Ihr eine Sorge leichter hast/habt.
PS: Yaacov hat sich auf seinem alten Blog mit ziemlich Klugem zur Wohnungsbauerei gemeldet und mich dabei mit ein paar neuen Argumenten versorgt und in ein paar alten verstärkt – kannst Du vielleicht in Deutschland gebrauchen. (ziemlich klug ist auf Norddeutsch höchstmögliches Lob)
http://yaacovlozowick.blogspot.de/2012/12/settlements-in-jerusalem-listing-myths.html
Das Abdecken der Erd-Oberfläche nennt man (in Deutschland) “mulchen” und hat sich seit Jahrmillionen bewährt… man braucht ja nur mal in einen Wald zu gehen, um die federnde, elastische, feuchte Bodenqualität zu spüren.
Richtig ist, daß man Eichenlaub und Eichensägespäne NICHT aufbringen soll, weil diese Gerbsäure enthalten.
Ebenso sollte man die Schalen der Citrusfrüchte jedweder Art nicht in den Kompost tun, weil diese sich nur sehr langsam -über Jahre!- zersetzen.
Das Wichtigste sind die “Freunde des Gärtners”, die Regenwürmer!!! Insbesondere die Sorte mit dem schönen Namen “Eisenia fetida”
Wikipedia: “Der Kompostwurm (Eisenia fetida), auch Mistwurm oder Stinkwurm (= f(o)etida, lat. „stinkend“) genannt, ist eine der in Europa verbreitetsten Arten der Regenwürmer (Lumbricidae). Er wird bis zu 9 Zentimeter lang, hat 105 Segmente, sein Körper ist fleischfarben, in jedem Segment hat er einen purpurnen Ring. Der Kompostwurm ist im Vergleich zu anderen Regenwürmern sehr beweglich und flüchtet bei Störung sofort.”
Wenn man -vielleicht vom Nachbarn- Pferdeäpfel bekommen kann, ist man schon auf der allerbesten Spur! Es können aber auch Esel- oder Maultieräpfel sein
Weiter Fragen beantworte ich gerne, als “Homo humusinus” (oder ähnlich)
Scheiß Regen! Wenn ich nach Israel komm und es regnet, will ich mein Geld zurück. Kann ich auch hier bleiben.
Dir und den Deinen, Frohe Weihnachten, Angenehme Tage und einen Guten Rutsch. @Lila!
Jack und der Regen
ich möchte um nix in der Welt die Erfahrung griechischen Winterregens missen – Wie ärmlich war meine Kenntnis von Regen bis dahin gewesen.
Tja, nur nicht verreisen, um was zu sehen, zu erleben, was es zu Hause nicht gibt, es sei denn, man ist prospektmäßig darauf eingestimmt.
Ich hoffe, es hat euch nicht weggespühlt … in einigen Malls wurden angeblich schon Haie gesichtet