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Er rückt näher… Februar 24, 2012, 1:14

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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… der Tag im März, an dem meine Tertia eingezogen wird. Ich habe ja schon öfter von dem Prozeß der Vorbereitung berichtet, und wie verschieden er ist von denen, die die Jungens durchlaufen sind. Was auch daran liegt, daß Tertia von Anfang an gesagt hat: kämpfende Einheit, das will sie nicht. Mädchen, die diesen Ehrgeiz haben, und davon gibt es einige, machen wohl ähnliche Erfahrungen wie die Jungens, aber meine Tochter hat sich von Anfang an auf die professionellen Möglichkeiten gestürzt, die die Armee bietet. Sie war auf x Auswahltagen, und am Ende hat sie ja wirklich die SMS gekriegt, daß sie zu einer ganz besonderen Funktion ausgebildet wird. Die ist so besonders, daß ich sie nicht mal übersetzen kann! Hier steht ein bißchen mehr drüber, natürlich auf Hebräisch – aber Google translate, diese geniale Erfindung, hilft ein bißchen weiter.

Die Funktion gehört zum psychologischen Dienst, und die Mädchen durchlaufen eine Ausbildung. Dabei lernen sie, die Soldaten, deren Einheit sie zugeteilt werden, zu testen – sie machen Eignungsprüfungen für verschiedene Funktionen und Aufstieg, Einlaßprüfungen für bestimmte Einheiten, allgemeine und spezielle Einstufungen, überprüfen auch seelischen Zustand, zB vor und nach Einsätzen… Dabei benutzen sie sowohl Instrumente (psychologische Tests), die von den Psychologen der Armee entwickelt wurden, als auch im Laufe der Zeit selbst entwickelte. Natürlich müssen sie dafür lernen, wie man Test statistisch auswertet, und welche verschiedenen Arten von Tests es gibt.

Tertia, die an ihrer alten Schule mit Begeisterung im Leistungskurs Sozialwissenschaften war, hat von so einer Zusage geträumt. Heute also war das Vorbereitungstreffen. Sie ist voller Spannung heute früh losgefahren nach Tel Aviv, und kam gegen Abend strahlend wieder. (Ach, und wie hübsch sieht sie aus! ich kann kaum glauben, daß ich so eine hübsche Tochter habe!!! ich darf das natürlich nicht sagen, ich sage statt dessen: schicke Jacke, oder: hübsche Handtasche. Das darf ich. Sobald ich sage: hübsches Mädchen, da krieg ich aber einen strafenden Blick zugeworfen… doch zurück zum Thema).

Also, aus ihrem ganzen Jahrgang sind überhaupt nur 27 Mädchen für diesen Kurs ausgewählt worden. Die Offizierin hat gesagt: “ihr seid mit der Pinzette ausgewählt worden, aus Hunderten von Bewerbungen – ihr müßt euch bewähren. Wer nicht gut ist und sich anstrengt und die Arbeit ernstnimmt, den sortieren wir aus.” Tertia meinte, das könne ja wohl nicht ernstgemeint sein, aber Primus und Vater versicherten ihr sofort, daß sie da aber Gift drauf nehmen kann.

Die Armee kann sich nicht leisten, auf so einem Posten (in jeder Brigade gibt es nur eine davon) eine Soldatin zu belassen, die ihre Arbeit nicht tut, die ungeeignete Leute auf Posten losläßt oder geeignete fernhält. Das kann fatale Folgen haben. Jede Entscheidung betrifft ja nicht nur die Laufbahn des Soldaten, den sie beurteilt, sondern auch das Schicksal der anderen Soldaten und letztendlich auch das der Menschen auf der anderen Seite.

Da nach wie vor die am meisten vorkommende Todesursache israelischer Soldaten der Selbstmord ist (zumindest in “Friedens”zeiten), verwendet die Armee große Sorgfalt darauf, für jeden Soldaten den passenden Posten zu finden, sie weder zu über- noch zu unterfordern. Ich habe ja nicht nur an meinen eigenen Kindern gesehen, wie viel Mühe darauf verwandt wird, schon vor der Einberufung zu klären, wo ein Soldat mit seiner spezifischen Begabung und seinem Charakterprofil am besten hinpaßt. Wo er sich weder überflüssig und gelangweilt noch überfordert und unter Druck fühlt. Die Funktion, die Tertia übernehmen wird, ist ein Teil des Versuchs, diesen Prozeß der Einteilung zu optimieren.

Natürlich spart es der Armee auch Mühe und Geld, wenn eben nicht am Ende eines teuren Kursus sich herausstellt, daß zwei Drittel der Ausgebildeten überhaupt nicht fähig sind, die Aufgaben auch zu erfüllen, für die man sie ausgebildet hat.

Außerdem bedeutet so ein Posten auch einen Blick hinter die Kulissen der Armee. Der Schulfreund, der aus dem prestigeträchtigen Pilotenkurs ausgesiebt wurde – der Nachbarssohn, der aus dem fast ebenso begehrten Kommandokurs der Marine ausscheiden mußte – sie wissen nicht warum. Die Soldatin aber, die ihn getestet hat und zum Auswahlkomittee gehört – die weiß es.

Tertia war auch beeindruckt von den Soldatinnen, die eingeladen waren, um von ihrem Alltag, ihrer Ausbildung, den Fortbildungsmöglichkeiten (in der Armee und im zivilen Leben) zu erzählen. Sie war, wie sie es nun mal meist ist, auch ein bißchen skeptisch. “Kann es denn sein, daß die uns diese Arbeit nur schönreden, und sie in Wirklichkeit gar nicht so zufrieden sind? ich muß da auch im Büro sitzen… einen Bürojob wollte ich ja eigentlich nie…”

Wir haben ihr dann mit vereinten Kräften klargemacht, daß es ein Riesen-Unterschied ist, ob sie in einem Büro sitzt, um für andere Leute Papiere zu kopieren oder Vorgänge abzulegen – oder ob sie im Büro sitzt, um dort ihre eigenen Entscheidungen zu fällen, zu dokumentieren und mit anderen abzugleichen. Und daß ein Posten mit so viel Verantwortung, von der es in der ganzen Armee nur wenige gibt, ein Posten mit so vielen Möglichkeiten für Aufstieg, Weiterbildung und persönliche Entwicklung, den Mädchen auch Spaß macht und daß sie da stolz drauf sind – das kann man sich schon vorstellen.

Die Ausbildung wird in einer der Ausbildungsbasen in Zrifin stattfinden, wo die Jungens ja ihre Sani-Kurse gemacht haben. Zrifin ist eine richtige Soldatenstadt, in der sehr viele Ausbildungsbasen sind. Die Grundausbildung wird von allen Varianten, die die Armee anbietet, die leichteste – nicht mal Wache schieben müssen diese Mädchen, so gesehen ist es Armee light. Von der Verantwortung und Professionalität her natürlich nicht. Die Soldatinnen werden nach der Ausbildung einer Einheit zugeteilt, wo sie ein halbes Jahr lang eingearbeitet werden, und diese Einheit begleiten sie auch überallhin – ins Feld auch, wenn´s sein muß.

Tertia meinte auch, alle anderen Mädchen machten einen sehr, sehr netten Eindruck, obwohl sie alle ernsthaft und brav wirkten (wie Tertia selbst ja auch). Als die Offizierin dicke Notizblöcke austeilte, guckte das Mädchen neben Tertia entsetzt und flüsterte dann: “die meint doch hoffentlich nicht, daß wir diesen ganzen Block vollkriegen?”, und Tertia meinte, “zumindest nicht gleich heute”, und beide kicherten.

Ich glaube, Tertia freut sich fast ein bißchen auf diese neue Welt. Hoffen wir, daß sie nicht enttäuscht wird. Ich drück ihr so feste die Daumen – ich weiß nicht, was ich fühlen werde, wenn ich mein Frühchen, mein so oft schwer krankes Sorgenkind in Uniform sehe. Das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Aber es ist schon ganz nah.

Kommentare

1. Yael - Februar 24, 2012, 1:31

Ich kenne mich nicht mit den Abteilungen in der IDF aus, aber das klingt irgendwie interessant und es hört sich an, als wenn das deine Tochter auch allgemein für Ihr Leben nutzen kann.
Ich drücke ihr die Daumen.

2. Paul - Februar 24, 2012, 1:42

Langsam bekomme ich den Schimmer einer Ahnung davon, warum die israelische Armee so gut ist.
Die Motivation und das Bewußtsein wofür man kämpft sind ein wesentlicher Faktor aber nicht alles.
Das hohe Niveau der Ausbildung sind sicherlich genauso wichtig.

Für Tertia Gottes Segen für diesen wesentlichen Lebensabschnitt. Mit Sicherheit sind es keine verlorenen Jahre. Die hohen Anforderungen werden sie frühzeitig reifen lassen. Das ist ein großer Vorteil für ihr weiteres Leben.

3. Jakobo - Februar 24, 2012, 1:55

Wieso sollte es nicht gut laufen? Es ist ein sehr spannender moment fuer sie. viel glueck dabei :)

4. Carina - Februar 24, 2012, 9:33

Liebe Lila,
ich glaube wir sind dann auch alle ganz neugierig wie es weiter geht (ich zumindest). Ist doch schön wenn sich Tertia schon so freut und es kaum erwarten kann. Es gibt nichts schlimmeres als mit Magenkrämpfen zur Arbeit zu gehen weil Sie keinen Spaß macht. Das kennt bestimmt jeder von uns. Ich hoffe Du stellst uns dann Tertia in Uniform mal vor, Man wäre ich stolz! Schön das Deine Kinder alle mit Freude ihren Weg gehen, ist wirklich immer toll zu lesen was bei euch so passiert.
Gruß Carina

5. Malte S. Sembten - Februar 24, 2012, 10:16

Good luck! :)

6. kaltmamsell - Februar 24, 2012, 18:47

Oh, das schafft sie schon – und wird es auch verkraften, wenn sie merkt, dass es dann doch nicht das Richtige für sie ist. Und du, du schaffst das auch.

7. Marlin - Februar 24, 2012, 20:01

Toller Eintrag, Lila, das klingt wirklich wichtig, zumal es sowas ja kaum im Ansatz bei der BW gab. Jetzt achten sie vielleicht etwas mehr drauf, nicht nur Einschleimer in die wichtigen Positionen zu setzen, obwohl bei den ernsthaften Einheiten funktioniert das wohl auch nicht ganz.

Ich wünsche Euch dafür auf jeden Fall schon mal alles Gute. Klingt echt nach einem sehr wichtigen Job. Und das mit so jungen Jahren.


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