Ärger im Gazastreifen Februar 19, 2012, 1:59
Posted by Lila in Presseschau.trackback
Nein, diesmal haben wir da gar nichts mit zu tun.
Nicht nur wir merken an steil steigenden Strompreisen die Probleme der Ägypter mit den Pipelines. Da kokeln ja immer wieder Leute dran rum, die es stört, daß Ägypten Israel Brennstoff verkauft. Auch für die Bewohner des Gazastreifens wird der Strom teuer und knapp. Laut Ynet hat Israel den Palästinensern zwar angeboten, ihnen genügend Diesel zu verkaufen, um ihr Kraftwerk zu betreiben – das haben diese aber (jetzt kommt das Wort) – abgelehnt.
Der Hintergrund der Krise:
Until 2010, the Palestinian Authority purchased diesel oil from Israel through a deal with Dor Alon paid for by the European Union. Ramallah and Gaza began fighting on energy supply after Europe stopped its funding of the deal.
Palestinian sources are pointing to three explanations for the cessation of fuel supply: Recent attacks by Bedouin tribes and terror cells against Egyptian elements; Egypt’s desire to increase profits on fuel; and an attempt by Cairo to signal to Hamas to accept Mahmoud Abbas as head of the provisional Palestinian government. They explained that Cairo knew what points in Gaza to pressure when dissatisfied with Hamas’ conduct.
Bei den wirklich kühlen Temperaturen der letzten Tage tun mir die Leute wirklich leid, die in der Dunkelheit und Kälte sitzen. Wir haben auch dauernd Stromausfälle, die dauern aber höchstens zehn, fünfzehn Minuten und nicht zwölf Stunden.
Ich frage mich allerdings, wann wir wieder Bilder wie vor nunmehr vier Jahren sehen werden – ergriffene Gesichter der leidenden Bevölkerung, die fromm ihre Kerzen mit den frierenden Händen schützen und hilfsuchend in die Kameras blicken. Ach, damals wollte noch alle Welt diese Kerzen-Demos sehen, weil es doch die bösen Israelis waren, die den armen Gaza-Bewohnern den Strom abdrehten! Nur peinlich, daß man auf den Bildern deutlich Straßenbeleuchtung im Hintergrund erkennen konnte, oder aber Sonnenlicht, das durch Vorhangspalte fiel.
Ich muß zugeben, daß diese Bilderserie nicht nur einer der ganz großen Erfolge meines Blogs war – da hatte ich tatsächlich mal mehr Leser als immer nur meine treuen paar Männeken, die sich meiner Weltabgeschiedenheit erbarmen und ein bißchen bei mir quasseln wollen. Und noch viel wichtiger ist, daß diese Bilder für mich persönlich einen wirklichen Wendepunkt bedeuteten. Weichherzig und altlink sozialisiert wie ich nun mal bin, haben auch auf mich Bilder von treuherzig präsentiertem, unverschuldetem Leid doch immer irgendwie Eindruck auf mich gemacht. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß man mich dermaßen frech anschwindelt, dermaßen schamlos meine Instinkte für sich nutzen will.
Seit ich diese Bilder genau angesehen habe, sie in mich aufgenommen habe, so daß ich sie nachzeichnen könnte, wenn ich wollte – seitdem glaube ich den Palästinensern, aber auch anderen professionellen Opfern wesentlich weniger rasch. Ich habe mein Herz gewappnet, weil ich nicht glaube, daß mit Leichtgläubigkeit und Ausnutzbarkeit irgend jemandem gedient ist – weder im Nahen Osten noch sonstwo. Die Bilder waren eine Lüge, aber die Gesichter der Menschen auf den Bildern zeigen, wie ich meine, daß es ihnen sehr, sehr leicht fällt, sich in die Pose der Opfer zu stilisieren. Ob sie selbst die Lüge als solche erkennen und innerlich lachen oder ob sie in diesem Moment des Photographiertwerdens selbst an ihr Leid glauben – wer kann das entscheiden.
Aber als ich von der Elektrizitätskrise las, wurde ich wieder daran erinnert, wie empört auch viele deutsche Leser und Schreiber waren, und wie die getürkten Demos doch Eindruck machten. Und ich frage mich, ob sich das wiederholen wird, ob derselbe Zorn sich jetzt gegen Ägypten richten wird, ob sich auch Ägypten internationale Mahnungen einfangen wird.
Von Rechts wegen sollte der Zorn sich gegen die Beduinen richten, die tatsächlich Pipelines abfackeln und es allen Beteiligten so schwer wie möglich machen, ihr normales Leben zu führen.
Also, warten wir mal ab, ob ihr davon was in der Zeitung lesen werdet. Es ist zwar auch im Gazastreifen umstritten, ob diese Energiekrise echt ist oder nicht, aber nach der Erfahrung von vor vier Jahren müßte sie eigentlich in den nächsten Tage in aller Munde bzw Zeitung sein.
Kommentare
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Liebe Lila,
danke für den Hinweis auf die “alten” Fotos!
Aber um diese Zeit solltest Du trotz allen Ungemachs besser schlafen!
Gute Nacht.
Du zuerst
Lila,
ich hoffe, du erlaubst, dass ich aus einem anderen israelischen Blog zitiere (vielleicht hilft es Zahal ja bei der Recherche zum Mittelstaedt-Artikel weiter) …
Zur Energiekrise in Gaza:
Der israelische Blog “Esther aus ZichronYaacov” schreibt heute, dass Mittelstaedts Artikel wahrscheinlich bewusst im Spon erschien – um nämlich von der durch die Hamas selbstverschuldeten Energiekrise im Gazastreifen abzulenken, denn darüber wurde in deutschen Medien ja nicht berichtet. Schließlich kann man das Israel nicht in die Schuhe schieben.
Esther verlinkt als Erstes einen Artkel (13.02.2012) bei YNET. Der4 Text berichtet, “dass seitens der für die Stromversorgung zuständigen Behörde die Bewilligung für den Ausbau einer Solaranlage erteilt wurde, die im Endausbau 31 Megawatt produzieren soll. Die Anlage, die vom israelisch-amerikanischen Unternehmen AravaPower errichtet wird, steht auf zu 100% im Privatbesitz des Tarabin Stammes befindlichem Land.
Die Kosten von ca. 30 Millionen $ werden zu 80% mit Geldern aus den USA bezahlt. Mit der Inbetriebnahme der Anlage wird sich die wirtschaftliche Situation der Beduinen in dieser Region deutlich verbessern. Der GEO von AravaPower sieht es als Ziel seines Unternehmens an, langfristig 10% der Stromversorgung für Kibbuzim, weitere Beduinen Stämme und private Landeigentümer, vor allem im Süden abdecken zu wollen.”
Dann schreibt Esther weiter zum SPON-Artkel von Mittelstaedt:
Zitat: “Die Bilder in ihrem Artikel vermitteln ein verzerrtes Bild. Die arabischen Beduinen, die sich selber übrigens nicht zu den Palästinensern zählen, stellen in den C-Gebieten südlich von Hebron eine Minderheit von ca. 1500 Menschen dar, die traditionell in Zelten, resp. Wohnhöhlen leben. Eine Baubewilligung brauchen sie für ihre seit Urzeiten selbstgewählten Behausungen nicht. Wohl aber für Solaranlagen, die gutmenschige israelische Aktivisten dort installiert haben. …
Ja, es gibt sie leider, die Bestrebungen, die illegal errichteten Solaranlagen wieder abreißen zu lassen, ein ähnliches Schicksal drohte schon einmal einer von Spanien finanzierten und errichteten Anlage. Sie steht jedoch noch immer und liefert weiterhin Strom.
Es ist doch zu passend, genau an dem Tag, als in Gaza die Stromversorgung zusammenbrach, nachdem Ägypten die Lieferungen dorthin eingestellt hatte – und man schon von einem Missmanagement der Hamas flüsterte, war es einigen online Medien kein einziges Wort wert, darüber zu berichten. Die Schuldigen konnten für einmal nicht in Israel gefunden werden, schade!
Wie schön, dass sich stattdessen die anrührenden Bilder und Worte fanden, mit dem Finger auf einen – zugegebenermaßen äußerst ungeschickten Vorfall zu zeigen: Israel beim gescheiterten Versuch, die geltende Rechtsordnung wieder herzustellen, der Unmenschlichkeit anzuklagen.” (Zitatende)
http://estherstagebuchauszichronyaacov.blogspot.com/2012/02/zweierlei-zum-thema-solarstrom-oder.html
den Zusammenhang zwischen beiden Themen sehe ich nicht so. Einfaches Googeln zeigt, daß Dutzende von englischen Artikeln sich mit dem Thema Solaranlagen in Area C beschäftigen, und noch dazu einige mit anderen Problemen in dem Gebiet. Ich habe keine Zeit, den Hintergrund zu recherchieren, und will mal davon ausgehen, daß es irgendeinen Grund gibt für diese Drohungen, aber ich habe keinen gefunden. Es ist auch schwierig, sich einen vorzustellen, außer fehlende Genehmigungen o.ä. Selbst dann wäre es wohl sinnvoller, den Palästinensern zu helfen, die Genehmigungen zu bekommen, statt solche Anlagen abzureißen.
Es ist absolut denkbar, daß irgendwo in der Bürokratie dieser oft kritisierten und oft kritikwürdigen Civil Administration so ein Beschluß gefällt wurde.
Daß Mittelstaedts Beitrage durch besonders giftige Rhetorik gegen Israel und Zeitmaschinen-Sprüge auszeichnen (die Schlagzeile suggeriert, daß bereits stattgefunden hat, was nur angedroht ist), ist nichts neues. Daß die Frau sich noch nicht beim Schlucken der eigenen Spucke vergiftet hat, muß als medizinisches Wunder gelten.
Ich habe mich oft genug an ihren Artikeln abgearbeitet, aber nicht diesmal. Es ist möglich, daß sie mal wirklich eine Entscheidung aufgestöbert hat, die vollkommen daneben ist. Warum sollten ausgerechnet israelische Verwaltungsstrukturen davon ausgenommen sein?
Die israelischen Medien, die solchen Klöpsen gegenüber normalerweise sehr schnell auf die Spur kommen und deren Berichterstattung kritisch, aber normalerweise nicht giftig ist, haben davon jedenfalls noch nichts gemeldet.
Ich glaube aber incht, daß das Timing mit der Energiekrise zu tun hat. Jeder Tag ist für Mittelstaedt ein guter Tag, um mal wieder auf Israel einzuprügeln und Schlagzeilen zu servieren, die jeden Israel-Kritiker im Nu zum Höhepunkt führen. Daß ihre Berichte stets einseitig sind – wen stört´s, wenn der Lustgewinn stimmt.
Das ist, nach Überfliegen eines guten Dutzend ählich gelagerter Berichte in anderen Medien, meine unmaßgebliche Meinung.
Lila, die eingeschaltete Strassenbeleuchtung im Hintergrund wäre prinzipiell auch dadurch erklärbar, dass solche öffentlichen bzw. kommunalen Versorgungssysteme über separate Leitungen oder Verteilstationen laufen.
In Naomis Beitrag werden die Beduinen erwähnt. Generell besteht bei vielen in Deutschland das Bild, in Israel und der Westbank lebten nur Juden und palästinensische Araber. Dass es auf beiden Seiten viele Untergruppen gibt und darüberhinaus auch noch weitere wie eben die erwähnten Beduinen, wird fast immer ausgeblendet. Das dies – zumal beim Einsatz neuer Technologien – zu Problemen führt, für die Zivilverwaltungen nicht immer gewappnet sind, wäre eigentlich eher zu erwarten – wenn man nicht gerade irgendsoein preussischer vollverspiegelter Schlickplantscher ist.
Zu 5. Ja, schon richtig, aber die gemeinsame Präsentation mit angeblich sterbenden Frühchen und den vorgezogenen Vorhängen im Parlament machen doch ziemlich klar, daß diese ganze Kerzenspielerei eine reine Show ist.
Und jetzt warte ich eben auf deren Wiederholung, da es doch jetzt tatsächlich zu langen Stromausfällen kommt. Nur eben leider, leider nicht von Israel verursacht.
Elder of Zion kommt zu einem noch schärferen Schluß:
Thanks to Hamas, we now know that they consider their people’s lived less important than making a symbolic statement against Israel.
http://elderofziyon.blogspot.com/2012/02/hamas-endangers-gazans-rather-than.html
” irgendsoein preussischer vollverspiegelter Schlickplantscher”. Oha. Rieche ich da ein Ressentiment, das südlich der Mainlinie beheimatet ist?
Wo gibts denn in Preußen Schlick? Ich versteh ehrlich gesagt nicht genau, ob Du einen Menschen oder ein Auto meinst.
Das stellt sich mal wieder die Frage, nach welchen Kriterien unsere ach so schlauen Journalisten befinden, ob und in welchem Ausmass eine “humanitäre Katastrophe” droht. Die nächste Frage besteht darin, wer dafür Verantwortung trägt und warum.
Für solche Fragen halten sich unsere Journalisten immer gerne für superkompetent, während mir an ihrer Kompetenz für eine umfassende und neutrale Berichterstattung inzwischen erhebliche Zweifel aufkommen, da sie fast immer ihre politischen Sichtweise mehr in den Vordergrund rücken als die Tatsachen, die zur vollständigen Beschreibung der Situation notwendig wären.
Diese Sache macht mal wieder sehr deutlich, dass irgendeine Friedenslösung und eine Verbesserung der Lebensverhältnisse für die Bevölkerung des Gaza-Streifens mit Sicherheit nicht die höchste Priorität für deren politische Führung hat. Hamas hat sich als Machtfaktor in der Dauerhaftigkeit dieser Krisensituation eingerichtet. Die Krise zu lösen, kann gar nicht in ihrem Interesse liegen, weil sie ihre zuverlässigste Machtbasis ist. Genau so, wie die Krise ja auch die Grundlage der Medienunternehmen ist, die seit jahren aus dem nahen Osten berichten (es geht um aufregende Inhalte – … um dazwischen Werbung schalten zu können. Dabei zur Schau gestellte Gefühle, Betroffenheit und Mitgefühl, sind zumindest von den Medienunternehmen einkalkulierte absatzsteigernde Appetitanreger und Beilagen).
Das beste, was man Leuten wie Frau Mittelstaedt noch vorwerfen kann, ist, dass sie sich bewusst zur Erzielung ihres Einkommens für solchen Zirkus selbst verkaufen. Dafür müssen sie eben mit dem Vorwurf leben, dass sie auf ihre Weise den Krisenstatus in Nahost ebenso am laufen halten, wie es Hamas und andere am Bestand der Zustände Interessierte tun.
Wobei ich schon auch der Meinung bin, dass es solche Interessierte auch in Israel gibt. Die Quasi-Anarchie, die ein solcher Krisenzustand bietet, ermöglicht eben auch die Errichtung von Outposts und die Erweiterung von Siedlungen, weil man sich wenigstens vordergründig und vorläufig darauf zurückziehen kann, dass es ja keine Vereinbarungen gäbe, die dies eindeutig verbieten.
Ganz generell habe ich inzwischen den Eindruck, das Debatten um die Verantwortung von Journalisten und Medien entweder noch völlig in den Kinderschuhen stecken oder inzwischen wieder einiges verschütt gegangen ist. Da dürften sogar die Naturwissenschaften und die Technik inzwischen weiter sein als die Zunft der professionellen Labertaschen.
“Ganz generell habe ich inzwischen den Eindruck, das Debatten um die Verantwortung von Journalisten und Medien entweder noch völlig in den Kinderschuhen stecken oder inzwischen wieder einiges verschütt gegangen ist.”
es gab ja immer schluessel momente in der berichterstattung. der vietnam krieg war einer, der zweite golfkrieg ein anderer. paliwood koennte und sollte auch einer sein aber entweder das interesse ist nicht gross genug oder es passt den menschen einfach nicht ins bild dass auch edele freiheitskaempfer die kraft der bilder fuer ihre interessen manipulieren koennen.
J
Dieser „Solar-Konflikt“ im Area C scheint mir eine Art Vorgeplänkel zum EU-Israel Assoziationsrat, der kommende Woche stattfindet. Die EU befürchtet, dass sich im Area C die Tür für die Zweistaatenlösung langsam schließt und Juliane von Mittelstaedt hat dazu eine rührende Geschichte gefunden. Im Hintergrund streiten anscheinend europäische Entwicklungshelfer in der Westbank mit den israelischen Behörden. Sei es, dass jemand sein gefährdetes Projekt schnell noch auf die Agenda des Gipfeltreffens setzen will oder dass die israelische Seite für das Ministertreffen Verhandlungsmasse aufbaut. Mal sehen, ob über die Fortsetzung berichtet wird.
Oops, kann sein, dass dies doppelt ankommt, sorry!
Hi Lila
ich hab deinen Blog heute auf dem “Umweg” über meine Zugriffsquellen entdeckt. Toller blog, gefällt mir sehr gut. Wenn es ok für dich ist, verlinke ich ihn bei mir.
Gruss aus Zichron Yaacov in den Norden
esther
Danke für die Hilfe bezüglich des Spon Artikels der Mittelstedt – nun wäre vielleicht als Anregung bezüglich der Baugenehmigungen noch anzumerken. Wäre es nicht gut, wenn die zuständigen Behörden einen jährlichen Bericht herausgeben würden wie zum Beispiel: 2011 erteilte Baugenehmigungen für: israelische Juden, israelische Araber, Drusen, Beduinen, Palästinenser – die auch wikklich welche sind – so könnte man sehr leicht den Lügen und Verdrehungen entgegentreten – Danny Ayalon hat mit seinen Videos zu den geschichtlichen Vorgängen ja schon einiges erreicht, die Wahrheit des Friedensprozesse, das Flüchtlingsproblem, die Wahrheit über die sogenannte Westbank, diese Videos werden angeschaut und sind einfach weiterzuleiten, so könnte das sogenannte Wasserproblem und die Stromzuteilungen, die angebliche Judaisierung, sowie die Baugenehmigungen gut eingebracht werden. Sehe ich das falsch? LG
Nein E. , sicher nicht … aber ob Lila da die richtige Adresse ist … ?
Sorry, OT, aber geteilter Zorn ist halbierter Blutdruck …
(Falls Du das hier nicht haben willst, Lila, kann ich das gut verstehen und wäre Dir wegen einer Löschung überhaupt nicht gram.)
Jüdischer Name, aber durchschnittsdeutsche Denke … Ach ja: Den Deutschen droht der Holocaust durch die Juden! (Hervorhebung von mir) …
(Quelle für diesen Leser-Kommentar: http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2010/08/08/kein-jude-ohne-krummnase/?replytocom=10541 )
Malte, weißt Du was? Sowas ärgert mich nicht. Das ist ein geschlossenes antisemitisches Weltbild. So Leute hören Stimmen im Kopf. Das ist ein medizinisches Problem, kein politisches, kein soziales.
Obwohl ich ja meinen Bewährungshelfern versprochen habe, es nicht wieder zu tun
, bin ich doch mal in verschiedene Diskssuions-Stränge zum Thema Deutschland sucht den Super-Präsident reingeschlichen und habe so geguckt, was abgeht. Ohne ein Wort zu sagen oder im Gebüsch zu rascheln, selbstverständlich.
Zwei Dinge sind mir besonders aufgefallen, nein, vielleicht drei: Gauck polarisiert, viel mehr als vor anderthalb Jahren. Manche Leuten finden ihn sehr toll, andere Leute sehr doof. Kaum jemand ist so na ja, ey. Zumindest in der Internet-Schwatz-Population.
Vielen Leuten in dieser Population ist unbehaglich beim dicken Gewolle von Beffchen. Käßmann, Gauck, Göring-Eckardt, Huber – das befft wirklich ganz schön, da wird´s Katholiken unbehaglich und überzeugten Laizisten erst recht. Ich persönlich mit meiner Schwäche für Klerus aller Art
finde es eher einheimelnd, eine Kanzel im Schloß Bellevue zu sehen, wo uns dann sonntags der Präsident die Schrift auslegt. Aber ich sehe, daß ich damit nicht repräsentativ bin, und die Naivität, mit der ich auf Redlichkeit bei Geistlichen setze, vom Isis-Priester bis zum Rabbi Lau, die sollte ich vielleicht mal absetzen. Danke, Laizisten.
Mein dritter Befund: eine kleine, grummelige Minderheit legt die Causa Wulff folgendermaßen aus: wie andere vor ihm, hat Wulff sich mit dem internationalen Finanz… dingens… tum angelegt. Er hat dem Islam den Teppich ausgerollt. Dafür zahlt er jetzt. Das internationale Finanz… dingens… ihr wißt schon… tum, das zieht die Strippen in den Medien, weltweit, und wie es Barscheln beseitigt, Köhler eliminiert und Möllemann hat fallen lassen, so hat es jetzt auch Wulffen den Garaus gemacht.
Die sagen das mehr oder weniger deutlich. Banken, Medien, Stolperfalle Pro-Islam-Äußerungen, mißliebig, weg vom Fenster. Sie theoretisieren, daß diese finsteren Mächte eine Schublade voll schädlicher Materialien über jeden Politiker hat, über manche gewiß ein Aktenschränkchen. Sobald es jemand wagt, Banken, Medien oder Anti-Islam-Mächten gegenüber das Rückgrat durchzustrecken – bums, is er weg.
Und so richtig auf Widerspruch treffen sie eigentlich nicht. Manchmal auf Spott, meist auf Ignorieren.
Ich glaube, das ist weise. Geschlossene antisemitische Weltbilder sind nicht korrigierbar. Sie sind immun gegen störende Einflüsse aus dem wirklichen Leben.
Da kann man nichts machen. Diese Ruth leidet bestimmt unter ihrem Namen, ich würde ihr zum schönen teutschen Namen Rohtraud raten (nichts gegen meine alte Schulfreundin Rotraut! das h ist mit Absicht dabei! alte Rechtschreibung und so), damit keiner sie für eine abgewiesene Konvertitin hält. Und ihr im übrigen raten, immer hübsch ihre Medikamente zu nehmen, wenn sie wieder hört, wie über sie gemauschelt wird.
Und weißt Du was, Malte? Sie muß ja “die Juden” nicht mögen. Wenn sie in einer Welt lebt, in der sie ganze Gruppen von Menschen beurteilt und verurteilt und dementsprechend “mag” oder “nicht mag”, dann ist ihr nicht zu helfen. Dann ist sie kognitiv auf einer Stufe, auf der Kinder die längere Rolle für Knete für die “meistere” halten. Also nach dem Anschein urteilen. Und der täuscht. Das kapiert nicht jeder.
Ich hab bestimmte Dinge auch nie kapiert. Es tat mir sogar gut, in manchen Vorlesungen zu sitzen und ncihts zu verstehen. Hat mich auf Taschenformat gebracht. War gut so.
Diese Ruth wird nie kapieren, was sie nicht kapiert. “Die Juden” sind doof, “die Zigeuner” sind kriminell, “die Franzosen” oder besser noch “der Franzose” ist ein feiger Sack, “der Holländer”… und “Frauen sollten” und “Kinder müssen” und so weiter….
Traurig, traurig. Aber da geht mein Blutdruck nicht von hoch.
Der geht hoch, wenn intelligente, freundliche Leute dumme Schlagworte benutzen.
Volle Übereinstimmung, Lila. Das ist was für sowas.
Wobei … ich habe schon beunruhigende Fälle von Leuten erlebt, in sehr vielem recht rational, überlegt, freundlich, mitfühlend, vorsichtig, zweifelnd, um Klarheit bemüht waren. Wirklich sympathische Leute. Aber ausgerechnet bei solchem Stuss wie UFOs, 9/11-Verschwörungen, Lady Di lebt-wurdeumgebracht-vonAusserirdischenentführt, etc. schwach wurden.
Es ist ein bisschen so, als gäb’s in der Konstruktion mancher Gehirne ein Überlaufbecken, in dem bevorzugt so Zeugs gespeichert wird. Das Becken ist im Normalfall eigentlich gar nicht dazu vorgesehen, einen nennenswerten Füllstand zu erreichen – der Abfluss Richtung Vergessen ist im Normalfall immer offen. Wenn der Normalfall aber blockiert ist, füllt es sich langsam mit Gerümpel an, das nie zur Speicherung vorgesehen war und beschäftigt bei geistigem Leerlauf gelegentlich die kleinen grauen Zellen.
Das ist auf jeden Fall gesünder …
Ich bin einfach nicht abgehärtet genug. Das liegt daran, dass ich 1.) Online-Terrain, wo ich auf solche Transpirationen stoßen könnte, so gut es geht meide (der Blutdruck!) und 2.) kein Blog betreibe, wo mir solche Ausschwitzungen gratis und frei Haus geliefert werden.
Deinen obigen Worten kann ich nur zustimmen.
Aufschlussreich ist auch, dass diese “Ruth” ihren Kommentar so schreibt, als redete sie Juden an. Sie wittert “den Juden” überall und glaubt natürlich, nur Juden seien israelfreundlich (da ja ihrer Ansicht nach die übrige Welt alle Juden seit Anbeginn der Zeiten aus gutem Grund hasst). Aber Gerd Buurmann ist kein Jude. Keiner der mir bekannten deutschen Pro-Israel-Blogs — Rungholt, Spirit of Entebbe, Lizas Welt, PI und Tapfer im Nirgendwo — wird von Juden betrieben.
Hi willow, warum nicht?????
Also Lila….
“….und Möllemann hat fallen lassen…”
So viel schwarzen Humor haette ich dir nicht zugetraut
J
@Malte
das steht dort nicht mehr, hattest du das kopiert?
@malte
es gibt auch Juden, die solche Blogs betreiben, nur werden die weniger zur Kenntnis genommen, was mich immer wieder wundert.
@20. esther
Entschuldigung, ein Mißverständniss … meine Antwort Nr. 15 war an Nr. 14. Zahal gerichtet – hat auch nen Vornamen mit “E” …
Die Sache mit den Solarkollektoren ist nun auch bei der ARD angelangt.
Ja, und es sind fehlende Baugenehmigungen. Ich versteh nicht genug von solchen Vorgängen, um beurteilen zu können, ob es nicht eine bessere Lösung gibt als Abreißen. Ich kann mir schlecht vorstellen, daß das wirklich die einzige Option ist.
Ich frage mich aber auch,w as wohl in Deutschland in so einem Fall gemacht würde. Darf man in Deutschland ohne Baugenehmigung eine Schrebergartenhütte bauen? Was passiert, wenn jemand ohne Genehmigung eine Solaranlage installiert?
Ich habe wirklich keine Ahnung.
In einem Artikel in Haaretz vergleicht Akiva Eldar das Verhalten der Zivilverwaltung gegenüber Palästinsern in Area C mit jenem gegenüber Outposts in Area B.
Sofern vertretbar und es keine Einsprüche gibt können in Einzelfällen auch nachträglich Genehmigungen erteilt werden. Endlose Rechtsstreitereien zu Großprojekten wie Autobahnen, Flughäfen, Schienenschnellstrecken, etc. hängen nicht selten an Abweichungen von genehmigten Planungen oder unterschlagenen Informationen zu entscheidungsrelevanten Sachverhalten. Prinzipiell kann und wird gegebenenfalls die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands (eventuell mit Abriss) angeordnet.
Ein Vergleich ist allerdings problematisch, da es sich nicht um israelisches Staatsgebiet handelt und die Frage besteht, ob seitens der israelischen Zivilverwaltung die Interessen und Belange der ansässigen palästinensischen Bevölkerung hinreichend berücksichtigt werden.
Mehr über Havat Gilad (Gilad Farm) auch in der JPost.
http://www.jpost.com/DiplomacyAndPolitics/Article.aspx?id=258516
Es ist manchmal schwierig nachzuweisen, wem das Land wann gehörte. Aber wenn der Besitzer nicht unstreitig feststeht, sollte man darauf nicht bauen dürfen.
Es werden auch immer wieder illegale Siedlungen abgerissen, aber deutlich seltener als palästinensische ohne Genehmigung erbaute Häuser. Manche Siedler des fanatischen “fringe” meinen, sie können das Gesetz in die eigenen Hände nehmen. Die Armee räumt, sie bauen wieder. Sie fühlen sich dem Gesetz nicht verpflichtet, wenn der Rav was anderes sagt. Da sollte viel härter durchgegriffen werden.
Und im Falle einer teuren und nötigen Sonnenkollektorenlage würde ich auf jeden Fall für eine nachträgliche Genehmigung stimmen. Das muß doch möglich sein. Es ist kein Luxus, sondern lebensnotwendig und in jeder Hinsicht sinnvoll.
nun, es handelt sich aber auch nicht um “palästinensisches” Land, das ist ja die Besonderheit … diese Aufteilung in “Zonen” ist ja entstanden, weil damals (Oslo, Gaza-Jericho-Abkommen) vereinbart wurde, die Detais der Aufteilung von Zone C einvernehmlich und abschließend in Verhandlungen zu klären.
Inzwischen versucht aber die Autonomieregierung (intensiv unterstützt von der EU) Tatsachen zu schaffen – zunehmend scheint die palästinensische Führung darauf zu setzen, daß die “internationale Gemeinschaft” ihre Forderungen zu 100% anerkennt und damit Verhandlungen mit Israel, die Anerkennung des Judenstaates in Friedensverhandlungen nicht mehr notwendig sind.
Dann sollte man aber nicht warten, bis die Solaranlage steht, sondern von Anfang an mit den EU-Geldgebern und den palästinensischen Behörden auf eine einvernehmliche Einigung hinarbeiten. Schließlich ist die Zivilverwaltung für das Wohlergehen der Zivilbevölkerung verantwortlich.
In einem Artikel über Dan Meridor, den ich gerade gelesen habe (und der sich mit dem Thema Ägypten befaßt), stimme ich gänzlich mit Meridors Schlußsatz überein:
Auch wir sollten nicht auf Erfüllung der Maximalforderung pokern, sondern eine Kompromißlösung ansteuern.
Lila, da bin ich 100%ig bei dir, keine Frage.
Ich vermute ja, daß die angedrohte Zerstörung der Windkraft- und Solaranlagen letztlich nicht durchgeführt wird, aber bei den aktuellen Verhandlungen mit der EU als eine Art Druckmittel benutzt wird, um (wie es 12. Ludwig sagte) die Verhandlungen etwas “ergebnissoffener” zu gestalten… so nach dem Motto “wenn ihr uns unter Druck setzen wollt, haben auch wir Möglichkeiten” – natürlich angesichts der israelfeindlichen Medien mal wieder ein PR-Eigentor, aber irgendwie muß Israel ja reagieren.
Ja, aber was für ein Trottel setzt denn so ein idiotisches Druckmittel ein? Cut off your nose to spite your face nennt man sowas.