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Secundus erzählt Dezember 31, 2011, 23:11

Posted by Lila in Kinder.
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War das schön, als er nach drei Wochen zur Tür reinkam! Mager wie ein Straßenkater, braungebrannt, und sogar die Stoppeln auf dem Kopf mehr strubbelig als struppig, mit einem riesigen Seemannssack voll dreckiger Klamotten und erwartungsvollem Grinsen. Er hat einen ganzen Adventskalender-Nikolaus voll Süßigkeiten gekriegt, Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke und den schokoladigsten Kuchen aller Zeiten und sein Lieblingsessen.

Heute abend feiert er im Kibbuz, morgen früh muß er wieder zurück.

Beim Packen, heute abend, sang er Nathan Goshens Lied vor sich hin, “ich fühle mich schuldig, wenn ich mich zudecke, weil mir kalt ist”, und ich verbesserte ihn. “Du sollst singen: mir ist nie kalt, mir ist jede Nacht schön warm, weil meine Eltern mir ne dicke Decke geschenkt haben, und meine Mutter kann ruhig schlafen!” Er feixte und sagte, “ach Mama, da fällt mir was ein, was ich dir noch nicht erzählt habe. Hör mal gut zu.

Wir waren doch die ganzen letzten Wochen immer im Gelände, und da haben wir nicht so schöne, solide Zelte wie in der Basis. Sondern so enge, ömmelige, zugige Dinger. Na, wir haben in jedes Zelt neun Soldaten gepackt, in ein Zelt die ganze Ausrüstung, und eines wir zehn Commander. Tagsüber konnten wir sehen, daß unser Zelt ganz viele kleine Löcher hat, da kam die Sonne so durch, aber wir haben uns gedacht, na gut, es wird schon nicht regnen, und Hauptsache, die anderen Zelte sind dicht. Ich hab das Bett neben dem Eingang gekriegt, wir lagen eng an eng, das Zelt war so klein, und ich dachte, toll, ich hab den besten Platz. Und dann hab ich über mir die Zeltdecke angeguckt, und da war ein faustgroßes Loch (er zeigt mir begeistert seine Faust). Genau über mir.

Irgendwann in der Nacht bin ich aufgewacht, weil ich patschnaß war. Aber alles war naß, Mama, einfach alles, der Schlafsack, meine Klamotten, die Waffe, die Stiefel. Alles total naß. Ich hab erstmal die Ausrüstung gerettet und ins Zelt mit den anderen Sachen getan. Es muß schon ganz schön lange auf mich drauf geregnet haben, aber ich war so müde, daß ich es nicht gemerkt habe. Es war auch kalt, in der Wüste wird es ganz schön kalt nachts. Na ja, ich hatte keine Wahl, ich habe einfach naß weitergeschlafen. Morgens hab ich eine trockene Uniform angezogen, aber die Stiefel waren naß. Seitdem schlaf ich im Zelt mit der Ausrüstung. He he, ich bin der einzige, der ein Zelt für sich hat, wie cool ist das?”

Er meint auch, die frischen Soldaten haben es schwerer als er mit seinen wahnsinnig langen anderthalb Jahren Erfahrung. An Schmerzen bei den langen Märschen gewöhnt man sich, ihm tut ein Muskel seit Monaten weh, “also man gewöhnt sich nicht richtig dran, aber man lernt, auch mit Schmerzen 40 km zu laufen, und an die Kälte gewöhnt man sich auch”.

Ist es ein Wunder, daß ich ihn, wenn ich ihn hier habe, nach Strich und Faden verwöhne und verhätschele?

Kommentare

1. Marlin - Januar 1, 2012, 14:18

Tja, der Secundus ist ein harter Hund geworden. Aber warum haben die so olle Zelte? Das ist nicht besonders lustig.

Hoffe, es bleibt nur bei solchen rel. kleinen Problemen, aber bei Schmerzen sollte man mal draufschauen, nicht dass sich das chronisch entwickelt.

Der Ärmste. Aber er macht das gut. :)

2. willow - Januar 1, 2012, 16:45

Dem schließe ich mich an, besonders auch dem “draufschauen, wenn Schmerzen nach ein, zwei Wochen nicht weggehen”

l

3. Carina - Januar 3, 2012, 5:38

Liebe Lila,
ich muß Dir wirklich ein großes Lob aussprechen!! Es ist schön zu lesen wie Du uns Einblicke in Deine Familie gewährst. Es ist schon Bemerkenswert wie schnell Secundus ein Mann geworden ist. Und ja Du darfst Deine Kinder verwöhnen!! Liebe Grüße Carina


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