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Eretz Israel-Lieder Mai 8, 2011, 15:50

Posted by Lila in Muzika israelit.
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Passend zu den anstehenden Feiertagen können wir ja wieder eine kleine Liedersammlung brauchen, nicht wahr? Die beliebten Themen geshem und ahava (Regen und Liebe)  habe ich ja schon vorgestellt. Zwei Lieder zum tembel waren ebenfalls schon dran.

Meine Sammlungen zu milchama (Krieg) und shalom (Frieden) habe ich noch nicht veröffentlicht, weil ich noch dran bastle, aber eretz, das Land, ist so ein klassisches Thema, daß ich es einfach vorher drannehme. Das sind die Lieder, die um den Gedenktag herum viel im Radio laufen (wie gesagt, Lieder, die sich spezifisch mit dem Krieg als Thema beschäftigen, kommen getrennt dran).

Israel –  das ist am Yisrael, das Volk Israel, also die Nachkommen Jakobs – Volk und Glaubensgemeinschaft zusammen, in eretz Yisrael, also dem Land Israel, dem gelobten Land. Die moderne Ausprägung ist dann  medinat Yisrael, der Staat Israel. Eretz und medina sind nicht deckungsgleich, und um beide Begriffe und ihre Beziehung zueinander kann man wunderbar streiten.

Das Motiv des Lands, der Erde, ist auch in der “klassischen Moderne” der israelischen bildenden Kunst sehr wichtig. Ich muß da mal was drüber schreiben, das kann man ja nicht alles in einen Eintrag pferchen. (Nur als Hinweis: Mensch heißt auf Hebräisch adam , wie wir ihn aus der Schöpfungsgeschichte kennen,  und Erde heißt adama. Für den Hebräisch-Sprachler ist also die Verbindung von Mensch und Erde ganz deutlich und stark. Adam und adama gehören zusammen, ebenso wie eretz Yisrael und Am Yisrael.)

Das ganze Genre patriotisch-kritisch-sentimentaler Lieder auf Hebräisch heißt muzika eretz-israelit – Musik des Lands Israel, oder shirey eretz Yisrael, Lieder des Lands Israel. Manche Lieder preisen das Land, andere sehen es liebevoll oder leicht ironisch an. Manche sind von bekannten Dichtern geschrieben, andere greifen Motive oder Verse aus der Bibel auf.

Y. ist mit diesen Liedern aufgewachsen, wie die meisten ashkenasischen Israelis und auch ein großer Teil der orientalischen.  Y.s Eltern und seine Tanten sagen im Chor des Kibbuz mit, und er hat viele der Lieder in Konzerten gehört. Zur Kibbuz-Kultur gehören diese Lieder also auf jeden Fall, obwohl der Kibbuz als säkulare Bewegung dem medina im Zweifelsfall vor dem eretz Vorrang geben würde. Aber eretz Yisrael bedeutet auch Land als Natur, in ihrer Schönheit und dem jahreszeitlichen Wandel, und die Kibbuz-Kultur hat ja eigentlich Gott durch die Natur ersetzt (also Pessach als Frühlingsfest und Fest der Freiheit – alle Feste werden agrarisch-humanistisch gefeiert).

Obwohl Kibbuz-Kultur im Verschwinden begriffen ist, hat sie großen Einfluß auf die israelische Alltagskultur und säkulare Kultur gehabt, und ein Teil der Lieder wurden im Umkreis der Kibbuzbewegung geschrieben.

Viele dieser Lieder kann jeder Israeli mitsingen, was man bei Sing-alongs merkt. Andere sind fast vergessen. Also los.

Yardena Arazi, Ata li eretz (Du bist für mich das Land)

Yardena war die große Konkurrentin von Ofra Haza, zumindest in Israel. International hat sie nie den Sprung geschafft, und sie war auch weniger vielseitig als Ofra. Ich finde auch, ihre Stimme hatte längst nicht die Sprengkraft von Ofra Haza. Ata li eretz ist, glaube ich, ihr bekanntestes Lied.

Gali Atari, Ein li eretz acheret (Ich habe kein anderes Land)

Auch Gali Atari kommt, wie Arazi und Haza, aus einer jemenitischen Familie. Ein li eretz acheret ist zu einer Art Hymne für alle geworden, die sich über Israel grämen, das Land aber trotzdem lieben. Zuerst war es wohl mehr ein Lied der Linken und Friedenstauben, zur Zeit der Räumung des Gazastreifens ist es aber auch von Gegnern dieser Räumung gesungen worden. Liebe zu einem Land, an dem man manchmal verzweifeln möchte…

Die Truppe des nördlichen Kommandos, Kum ve tehalech ba-aretz (Steh auf und wandere im Land)

Eine ziemlich alte Aufnahme von einer der Unterhaltungstruppen. Aus dem Leadsänger ist kein berühmter Sänger geworden. Manchmal guckt man ja auf so alten Aufnahmen hin und erkennt in den jungen Leuten in Uniform große Stars zu Beginn ihrer Karriere….

Ruhama Raz, Be-eretz ahavati (Im Land, das ich liebe)

Ruhama Raz ist heute fast vergessen… zumindest Jüngere kennen sie nicht.

Ilanit, Eretz eretz eretz (Land, Land, Land)

Ilanit hatte eine Zeitlang auch in Deutschland Erfolg, erinnert sich noch jemand? Ilan und Ilanit. Eigentlich heißt sie gar nicht Ilanit, sondern bekam diese weibliche Form von Ilan nur verpaßt, damit sie zu Ilan paßte. Ilan heißt der Laubbaum, und Ilanit ist eigentlich der Laubfrosch. Sie singt immer noch und hat sich im Laufe der Jahre oft gewandelt.

Die Truppe des südlichen Kommandos, Eretz Yisrael yafa (Schönes Land Israel)

Noch so eine Truppe – eine uralte Aufnahme.

Arik Einstein, Eretz Yisrael

Naomi Shemer, Omrim yeshna eretz (Man sagt, es gibt ein Land…)

Shemer hat viele der Lieder geschrieben, die zum Kernbestand des Eretz-Israel-Lieds gehören.

Kaveret, Medina ktana (Kleiner Staat)

Das wäre auch eine passende Hymne… es ist die beste Beschreibung der israelischen Mentalität in Liedform, die ich kenne. Leben wir erstmal, sterben wir erstmal, und sehen wir dann. Obwohl hier medina und nicht eretz besungen wird, paßt es gut in die Sammlung, denn es geht auch um die Schwierigkeit, aus dem einen das andere zu machen.

Corinne Alal, Eretz ktana im safam (Ein kleines Land mit Schnurrbart)

Ein liebevoll ironisches Lied – ich sehe dabei immer den Schnurrbart von Shamir vor mir. Genau wie Kaveret betont auch Alal, wie klein das Land ist. “Das kleine Land” ist ein Motiv, das sich durch sehr viele israelische Lieder und Geschichten zieht. Es ist ja wirklich so klein. Man staunt immer wieder, wie klein. Und rundherum Meer und mehr oder weniger entschlossene Feinde. “Klein” heißt immer auch “bedroht”, aber auch “schützenswert”.

Shlomo Artzi und Gidi Gov, Shiur moledet (Heimatunterricht)

Die Begleitung ist nicht optimal, aber die Stimmen sind schön. Artzi und Gov, die grübelnden Giganten :-) Es fällt ein bißchen aus dem Rahmen hier, weil es um das Heimatland geht (moledet leitet sich aus derselben Wurzel her wie Kind, Kindheit, Geburt – es ist das Geburtsland).

Subliminal mit Shlomi Shabat, Eretz ahuva (Geliebtes Land)

Eine etwas seltsame Kombination, die patriotischen Rapper mit dem orientalischen Sänger von Liebesliedern… aber das gehört alles dazu.

Natürlich paßt auch die Nationalhymne, Ha-Tikva (die Hoffnung) dazu. Die Aufnahme ist von einer Feier an der Westmauer, am Vorabend des Gedenktags – und so werden heute abend wieder in ganz Israel die Feiern aussehen. Wir werden in den Kibbuz fahren.

Später: mein Mann ist nach Hause gekommen und hat gemeint, da fehlen aber noch ein paar Lieder (obwohl ich natürlich finde, er könnte mich dafür loben, wie ich mich auskenne – auch Quarta erkannte alle Lieder und konnte einen Großteil mitsingen).

Y. fügt also hinzu:

Shlomo Artzi, Eretz chadasha (Neues Land)

Uzi Chitman, Baaretz ha-zot (In diesem Land)

Wie traurig waren wir, als er starb. Das war eines seiner letzten Lieder.

Kommentare

1. Hans - Mai 8, 2011, 17:09

Danke Dir Lila für die links. Sie bringen auch denen diese schönen Tage näher, die nicht dort sein können.

2. aristobulus - Mai 8, 2011, 20:05

Danke, Lila – eine Stunde des Eintauchens, hab ich gebraucht

Uzi Chitman s”l

und Ruhama Raz ist groß.

3. grenzgaenge - Mai 8, 2011, 20:34

Danke für den tollen Beitrag, Lila !

4. grenzgaenge - Mai 8, 2011, 20:39

P.S. Ich schaue gerade Internet Fernsehen aus Israel. Wie traurig, Tränen, Tränen …

5. Andreas Moser - Mai 8, 2011, 22:00

Sehr schön!

6. grenzgaenge - Mai 8, 2011, 23:22

Gilad Shalit ist immer noch in Haft. Seit 1778 Tagen. Mir ist eben, beim Bloggen eines Beitrages über Gilad Shalit, meine Hilflosigkeit bewusst geworden. Wir können nur erinnern und beten. Gilad darf nicht vergessen werden. Wenigstens das …

http://giladshalit.blogspot.com/

7. Israel-Nachrichten vom 14.05.11 Reise-Hinweis.de - Mai 14, 2011, 18:52

[...] rungholt.wordpress.com fanden wir diesen Post lesenwert: Eretz Israel-Lieder « Letters from Rungholt Im Beitrag heisst es: Israel ? das ist am Yisrael, das Volk Israel, also die Nachkommen Jakobs ? [...]


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