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Ein Pseudo-Anglizismus April 29, 2011, 7:40

Posted by Lila in Presseschau.
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Seit wann, bitte, ist das Wort “royal” so überaus üblich geworden? Royale Hochzeit, royale Beobachter, royale Hüte, Schuhe und Handtaschen. Das fällt mir unangenehm auf.

An die letzte richtig große Brautkleid-Hysterie erinnere ich mich noch, da war ich so alt wie Tertia und habe mich mit Mutter, Bruder und einer Ladung echt britischen Weingummis vor dem Fernseher gelümmelt. Ich erinnere mich noch an die Enttäuschung, als die Braut aus der Kutsche stieg und so ein furchtbar zerknittertes, aufgeplustertes Brautkleid hatte. Und dann diese Fönfrisur, die ich nie schön fand (gar nicht prinzessinnenhaft). Damals war aber, wenn ich mich recht erinnere, immer nur die Rede von einer königlichen Hochzeit.

Das Tagebuch meiner Oma, das sie 1965 schrieb, als sie mit mir einen Monat allein war, enthält Erinnerungen an einen königlichen Besuch, keinen royalen Besuch. Damals hat sie die Übertragung im Radio angehört, während ich wohl auf noch unsicheren Beinchen begeistert vor dem Radio zur Marschmusik gewippt habe.

Die nächste königliche Erinnerung hängt mit einer großen, sehr bewunderten und selten gesehenen Cousine zusammen. Auf einer Familienfeier belehrte sie mich, daß demnächst eine Prinzessin Ähn heiratet und ich war beschämt, daß ich diese Prinzessin nicht kannte und von der Hochzeit nichts wußte. Erst Jahre später habe ich erkannt, welche Ähn das war. Auch das wurde nur königliche Hochzeit genannt, aber doch nicht royal.

Im Sommer 1981, fällt mir gerade ein, war ich in London, mit meinem Bruder und einem Freund. Ich erinnere mich noch, wie wir über die Menschenschlangen gestaunt haben, die sich vor einer Ausstellung der Hochzeitsgeschenke hinzog. Wer stellt sich Stunden in die Schlange, um Hochzeitsgeschenke anderer Leute anzugucken?

Weitere Erinnerungen tauchen auf – der Besuch bei einem Studienfreund, dessen Mutter gerade eine weitere königliche Hochzeit im Fernsehen sah. Ich selbst besaß keinen Fernseher und las außer der ZEIT auch keine Zeitung, so daß ich wieder einmal ahnungslos war, wer da heiratete. Die Braut hatte schöne rote Locken, und die Mutter des Freundes meinte, “das geht nicht lange gut, die hat Haare auf den Zähnen”. So bildete sich in meinem Kopf eine merkwürdige Assoziation von roten Locken auf Zähnen, die zum Zusammenbruch einer Ehe führen. Hat damals jemand das Wort royal benutzt? Ich bin ziemlich sicher – nein.

Die Allgegenwart dieser alles andere verschattenden Nachricht ohne Nachrichtenwert erkläre ich mir damit, daß sie eine Erinnerungs-Kerbe schlägt. Meine Mutter hat mir das bei unserer Weingummi-Orgie erklärt. Sie ist ein paar Jahre jünger als Grace Kelly, aber ihre Generation, und ist mit ihr älter geworden. Von der Rolle der Naiven über die junge Braut in die der jungen Mutter umgestiegen, dann Mutter heranwachsender Kinder – die Kleider immer vernünftiger, das Scheinwerferlicht ging von der Mutter irgendwann auf die Töchter über. Eine bebilderte Anleitung zum Älterwerden gewissermaßen.

Meine Mutter hat mir prophezeit, daß es mir mit Diana ähnlich gehen wird, auch wenn ich die Nachrichten nicht verfolge (Israel ist erfreulicherweise relativ desinteressiert an Nachrichten aus der “royalen” Sphäre).

Meine Generation konnte wirklich an der Berichterstattung über Diana die zentralen Themen des weiblichen Daseins ablesen – Ehekrisen, Figur, Sorge für die Kinder, innere Unausgefülltheit. Auch modisch zeigt sie in britisch-extravaganter Überspitzung die wichtigsten Motive: Schulterpolster, starke Farben, knöchellange Hosen, big hair.

Den Übergang zur Rolle der Schwieger-und Großmutter, zur älteren und alten Frau, deren Attraktivität schwindet und die als Frau abtritt, haben weder Grace noch Diana mitgemacht, das müssen wir schon ohne sie erledigen (geht auch irgendwie).

Jetzt ist also die nächste Generation dran und versorgt sich mit einem kollektiven Hochzeitstag.  Es wäre alles leichter zu ertragen, wenn diese Wort ROYAL wieder verschwände.

Kommentare

1. Noga - April 29, 2011, 8:57

Da hat mir der Spiegel-Titel von vorletzter Woche zur königlichen Hochzeit auch besser gefallen: “Circus Krone”. Das trifft es ganz gut.

2. Silke - April 29, 2011, 10:08

sind die der Niederländer auch Royals oder noch Könige und was ist mit denen von Schweden?

mir klingt Royals nach Schicki-Micki-Talk. Man gibt sozusagen bekannt, daß man in englischen Sitten und Gebräuchen zu Hause ist.

generell scheine ich wahrzunehmen, daß unsere Sprechköpfe (talking heads) sehr erpicht darauf sind, ihre Weltläufigkeit sicht- und hörbar zu machen.

Und noch ne Frage: aller Lektüre zum Trotz verstehe ich immer noch nicht, wie das mit dem König- und/oder Kaiserwerden so ging, wie, wo und wer das jeweils beschloss. Und wo sind all die Kaiser hin? gibt es überhaupt noch welche? und wenn nein, warum nicht?

Kaiserin der Herzen hätte doch Möglichkeiten, oder?

3. mibu - April 29, 2011, 11:01

Silke, ja, gibt’s, z.B. den japanischen Kaiser, den Tenno.

Der deutsche Kaiser war mit der Auflösung des hl.römischen Reichs deutscher Nation bereits zum zweiten mal passe (nach Karl dem Großen gabs bereits die erste Unterbrechung) – als Folge der napoleonischen Kriege und des Wiener Kongresses. Diese früheren dt.Kaiser wurden gewählt, spätestens, wenn kein direkter Nachkomme zur Übernahme vorhanden war. Die Krönung zum Kaiser erfolgte durch den Pabst, für den das alte dt.Kaiserreich die Funktion einer weltlichen Schutzmacht erfüllte. Die österreichischen Habsburger behielten zwar nach dem Wiener Kongress den Kaisertitel (und die Reichsinsignien) bei, jedoch nur für Österreich.

Dann wurde erst 1871 in Versailles der nächste deutsche Kaiser gekrönt. Weil dieses sich jedoch nicht mehr in der Kontinuität des hl.römischen Reiches stand, wurde es das als zweite Reich nummeriert. Nach dem 1. Weltkrieg war’s dann mit dt.Kaisern endgültig zu Ende.

Das dritte Reich war kein Kaiserreich; kein deutscher Kaiser hatte je so viel Macht wie Hitler; die Bezeichnung 3.Reich war m.W.n. auch nie eine offizielle Bezeichnung.

Von späteren Erhebungen in den Adelsstand abgesehen, gehen viele Herzogs-, Grafen- und Markgrafen-Titel im deutschsprachigen Raum ursprünglich auf die Erschliessung des Machtbereichs der Merowinger und Karolinger zurück, die das Konzept vererbbarer Herrschaft über ein vom Kaiser zugewiesenes Gebiet, das Lehenswesen, eingeführt haben. Könige konnten selbst Adelstitel verleihen und gehen vermutlich auf das germanische Stammeswesen zurück. Die Nachfolger Karls d.Gr. wurden z.B. Könige von Frankreich(Neustrien), Lothringen und Germanien(Austrien).

Die bezeichnung Kaiser ist eine eindeutschung des lateinischen Titels Caesar. Zar entsprechend im russischen.

4. Silke - April 29, 2011, 11:03

Nachtrag zu 2:

es gab doch mal im Fernsehen (ARD?) ne vielgelobte Riesen-HomeStory-Serie von einem Eggebrecht? über die “Herrscher”häuser Europas. Ich meine, die hieß die “Royals” oder so ähnlich. Ach ja, Rolf Seelmann-Eggebrecht hieß der Mann und die Serie anscheinend Royalty und Google deutet an, er ist auch heute wieder aktiv dabei.

5. mibu - April 29, 2011, 11:12

Nachtrag: der dt.Kaiser des hl.römischen Reichs dt.Nation wurde vom Reichstag, speziell den Elektoren gewählt. Bestimmte Markgrafen und Fürstbischöfe hatten das Recht, den Kaiser zu wählen. Also nicht einmal alle Adligen. Die Erhebung zum Kaiser wurde jedoch vom Papst vorgenommen, der diesen Titel auch aberkennen konnte – s. Gang nach Canossa von Heinrich IV..

Wegen der besonderen Beziehung zw. dem dt.Reich und dem Papst war in Europa die Bezeichnung Kaiser deutschen Herrschern vorbehalten.

6. boxi - April 29, 2011, 12:56

es wäre noch leichter zu ertragen, die medien würden eine entsprechende hochzeit maximal unter den randmeldungen abhandeln.

@silke.. das ist wirklich eine interessante frage. vielleicht lag es ja an dem beim kaisertum verbundenen machtansprüchen (auch geistlichen), die zu hoch waren, dass sie über ihre eigenen machtansprüche “gestolpert” sind. die heutigen monarchien in europa haben sich derartige fehler einfach nicht geleistet.
-der deutsche kaiser ist nach dem 1. weltkrieg gestürzt.
-der kaiser von österreich verzichtete nach der novemberrevolution in D selber auf sein amt.
-bei den franzosen gab es eh eigentlich nur napoleon und napoleon III als kaiser. beide wurden abgesetzt, die franz. republik folgte
-der russische kaiser ist mit der oktoberrevolution 1917 gegangen.

und heute gibt es ja nunr noch den in japan. ein glück.

7. Aristobulus - April 29, 2011, 13:47

Ach, das waren doch alles einst Raubritter, etwa auch diese Battenbergs, die auf einem Berg hausten und sich batteten, die sich dann eine Generation später parfümierten, nein parfümieren ließen, weil die beiden vorausfahrenden Generationen die Bauern nie in Ruh lassen konnten und also langte das Geld. Dann gab einer den Dux, der vor dem Heer voranzog, auch irgendwie mal “Duce” genannt, aber Herzog zu sein wurde erst etwas später vornehm, und wie, es war glatt nicht mehr zum Abgewöhnen, na bis heute nicht.
Wie sich “König” sprachlich herleitet weiß ich gar nicht. Althochdt. Kunic, aber was heißt das? Das kühne Ich? Irgend ein Kuno halt, wie bei den Merowingern, gräulich.

À propos, das Wort “royal” wird sicher wieder bald verschwunden sein, das ist doch nur aufgesetzt, so Tun als ob, Pose usf. – obgleich, die Anziehungskraft dessen auf all die gelangweilten Boulevardleser und Fernseher sollte man auch nicht unterschätzen leider…

Grüße aus dem antiroyalen Lager :)

8. Fischkopp - April 29, 2011, 14:18

Grace Kelly? Die hat sich doch mit diesem Bundeswehr-Admiral erschossen… :-P

9. Piet - April 29, 2011, 18:12

Ich weiß nicht warum, aber ich muss bei “royal“ immer an ‘Kir Royal’ denken. Damals hatte ich mich in Billie Zöckler verliebt. :)

Ansonsten soll Herr Lagerfeld von Brautkleid und Frisur heute wohl sehr angetan gewesen sein. #Nachrichtenlage

10. Silke - April 29, 2011, 19:46

also ich habe beide Bände über die unglaubliche Geschichte gelesen, wie ein paar Söldner (swords for hire) binnen kürzester Frist zum Herrscher über Sizilien wurden (und dort für kurze Zeit unter einem no-nonsense Herrscher ein Multikultidingens blühte) – besonders der erste Band, den ich zum Schnäppchenpreis bei abebooks gekriegt habe, ist atemberaubend

doch wieso die plötzlich König waren, die dahinterliegende Bürokratie, Rechtslage, legitimität ist mir schleierhaft geblieben, ebenso ab wann und wieso ein König zum Kaiser beförderbar wird.

http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&url=search-alias%3Daps&field-keywords=norwich+sun&x=0&y=0

11. Heimo - April 29, 2011, 20:27

wobei das englische Königshaus Windsor eigentlich ‘Sachsen-Coburg-Gotha’ hieß & deutsche Wurzeln hat (“Aufgrund der antideutschen Stimmung während des ersten Weltkriegs (1914–1918) wurde 1917 der Name der königlichen Dynastie in Haus Windsor geändert. “)
& da wir schon beim englischen Königshaus sind – habe letztes Jahr so ein Sortierspiel programmiert, mit der Aufgabenstellung, die englischen Monarchen chronologisch in die richtige Reihenfolge zu sortieren: http://www.sort-the-jumble.de/britkings/e-roi2scramble.html
- Die Beschreibungen bislang nur in english, aber werd’s wohl demnächst mal ins deutsche übersetzen..

12. Silke - April 29, 2011, 20:43

tatsächlich König iss was Germanisches ;D

http://www.heinrich-tischner.de/22-sp/2wo/wort/idg/deutsch/0kurz/k/koenig.htm

und hier das
*kuninga = „Mann aus vornehmem Geschlecht”

aber genau das waren die überzähligen Söhne aus Normannien, der Normandie ja nu gerade nich, es sei denn jeder hergelaufene Kleinadelige ist aus “vornehmem” Geschlecht.

13. Smilla - April 29, 2011, 22:47

Das “Royale” soll wohl besonders weltläufig, gewandt und “foin” klingen. Lustig fand ich spiegel online, der sich tagelang in streng republikanischer Manier über die unnötige Hochzeitsberichterstattung ausließ, aber dann heute den ganzen Tag wunderhübsche bunte Bilder davon und ständige Live-updates schaltete. Naja. Nicht sehr konsequent.

14. Aristobulus - April 30, 2011, 0:07

Silke, ja, der König wurde gesalbt und zum Anführer gemacht, dazu gehört lt. Hack und Heeresordnung ein schroffer Titel. Und ich mach hier jetzt mal den Mibu: Der Kaiser des ersten Reichs war kein deutscher sondern nur ein römischer Kaiser. Dieser Titel leitete sich von Caesar Augustus ab, der seierzeit die Republik zu Grabe getragen hat (es war Caesars Beiname [der mit Vornamen Gaius geheißen und aus der Familie der Iulier gewesen war, Gaius Iulis Caesar halt nu] zu seinem Herrschertitel gemacht hat (neben Imperator, Befehlshaber). Also der deutsche König, als solcher von den sieben Kurfüsten (von küren=wählen) “gewählt” (will sagen, durch Nepotismus, Bestechung usf. bestimmt) wurde dann in Rom vom Papste vollends zum römischen Kaiser gekrönt. Wenn denn. Karl der Große soll der Erste gewesen sein nach dem Ende der Antike. Wobei diese Sache wahrscheinlich im elften Jahrhundert rückwirkend gefälscht worden ist, dieser päpstliche Weihrauch um diese Herrschergestalt drumrum und dieses Herrscherideal um Kaisers Bart und die Ermordung tausender sächsischer Kriegsgefangener usf., glorreich naturgemäß.

Übrigens gab’s auch mal einen jüdischen König in Polen, also der war polnischer König da, so richtig König von Polen!, wenngleich ungesalbt, und zwar war er’s nur eine Nacht lang, also König, nicht Jude, das war er länger.
Aber das ist eine andere Geschichte.

15. Silke - April 30, 2011, 0:24

danke Aristobulus

aber ich war nun mal von Beruf Sesselfurzerin und vor diesem Hintergrund ist mir das Verfahren nach wie vor nebulös. Welche Kriterien mußten in der Job Application erfüllt sein?

Was Charlemagne anlangt, ich erinnere mich das so dunkel, daß der Papst da ein Hühnchen mit den Byzantinern zu rupfen hatte und dafür brauchte er so ne Art Gegen- und/oder Westkaiser. Das war natürllich nicht der einzige Grund, monokausal ist so’n Zeugs ja nie.

16. Paul - April 30, 2011, 8:56

Lila, vielen Dank für Deinen erfrischend erheiternden Beitrag. Bin sehr ‘amused’ um es royal auszudrücken. :lol:

Auf der Suche nach einer ‘wissentschaftlichen’ Fundierung Deiner Abneigung gegen “Royal” bin ich leider negativ fündig geworden.

Bei Wiki fand ich zu meinem Entsetzen:
“Die Royal Academy of Music wurde 1822 von Lord Burghersh und dem Harfenisten Nicolas Bochsa gegründet und erhielt 1830 einen offiziellen Rechtsstatus (Royal Charter) durch den König Georg IV.”

Also leider wohl doch kein Pseudo-Anglizismus, sondern sogar die Beschreibung eines Rechtsstatus?

Weiteres googlen bescherte die nächste Enttäuschung:
“Das Royalsegel (dt. Königssegel) ist ein an der Royalrah angeschlagenes (befestigtes) Rahsegel, das über dem Bramsegel gefahren wird.”

Ich weigere mich weiter zu ‘forschen’, weil ich weitere Misserfolge nicht ertragen würde.

Bisher brachte ich ‘Royal’ immer mit ‘Kaffee Royal’ in Verbindung und war der Meinung die haben das Ganze gesponsert und deshalb einen Anspruch auf ein bischen Reklame. :wink:

17. Lila - April 30, 2011, 9:17

Ich habe mich ungenau ausgedrückt. Selbstverständlich existiert das Wort royal im Englischen. Aber soweit ich weiß nicht im Deutschen. Und wenn es anstelle von “königlich” benutzt wird, als wäre es ein deutsches Wort, nur weil jeder es versteht, dann ist das eigentlich kein Pseudo-Anglizismus, sondern ein echter. Und ein abscheulicher noch dazu.

Warum habe ich aber Pseudo dazu gesagt? Weil ich den Verdacht habe, daß es deutsch betont wird, also royaaaaal. Als käme es aus dem Französischen. Dabei betont man es im Englischen natürlich auf der ersten Silbe.

Zweifellos gibt es im Englischen, wie in jeder Sprache, wunderbare Worte, die sich nicht adäquat übersetzen lassen: dainty, quirky, wacky, wonky, naff come to mind. Aber royal??? Stimmt was nicht mit königlich??

18. mibu - April 30, 2011, 9:30

“Und ich mach hier jetzt mal den Mibu: …” … find’ ich prima :-D ! Auch wenn ich den leisen Verdacht hege, dass Du mich damit etwas auf den Arm nehmen willst … ;-)

Silke, Karls Ärger mit Byzanz war eher eine Folge der Kaiserkrönung als eine Ursache. Das oströmische Reich verstand sich als einzig legitimer Nachfolger der römischen Reichs. Ich hatte gedacht, Karl hätte den Pabst mal wieder vor den Langobarden in Schutz genommen, aber ich kann den Wikipedia-Artikel zu Karl dem Großen nur empfehlen: Leo III. hatte sogar innenpolitische Probleme mit den Römern. Angeblich wollte Karl gar nicht zum Kaiser erhoben werden. Sein Chronikschreiber Einhart behauptet jedenfalls, dass er die Weihnachtsmesse des Pabstes in Rom nicht besucht hätte, wenn er gewusst hätte, dass dieser ihn zum Kaiser ernennen wollte.

Die Rolle der Kirche in dieser Zeit ist aus heutiger Sicht womöglich nur schwer zu verstehen. Nachdem die Republik zunächst in ein Kaisertum übergegangen war, folgte in späterer Zeit durch die schwieriger werdende Lage an den Reichsgrenzen ein Militärputsch durch Soldatenkaiser auf den nächsten. Rom gelang es immer weniger alle Grenzen unter Kontrolle zu halten und wurde im Zuge der Völkerwanderungen in einigen Grenzregionen stark unter Druck gesetzt. Das bot an weniger umkämpften Grenzabschnitten lokalen Anführern, z.B. germanischen Fürsten (Stammeshäuptern), zunehmend selbstherrlicher zu regieren, wobei sie sich teilweise gegenseitig bekriegten. Ähnliches passierte in Rom von verschiedenen Patrizierfamilien angezettelt in ähnlicher Weise, so dass die staatliche Ordnung immer mehr zerfiel. Was zunächst nur eine Rückzugsmöglichkeit aus der Gefahrenzone weltlicher Auseinandersetzungen war, entwickelte sich in der Kirche mit ersten Einsiedler und Klosterbewegungen zu einer parallelen Ordnung, die durch eine zunehmend bessere innere Organisation mehr halt und sogar Schutz bot.

Es gibt ein sehr gutes Buch in der Reihe Fischer Weltgeschichte von Franz Georg Maier, “Die Verwandlung der Mittelmeerwelt”. Es befasst sich mit der Zeit vor Karl d.Gr., also einer Zeit, die gerne als dunkle Phase des Zusammenbruchs bzw. als weisser Fleck in der Geschichte behandelt wird. Dies ist jedoch genau die Zeit, in der sich Christentum und Kirche als ordnende und identitätsstiftende Institutionen im spätrömischen Europa herausbilden.

19. mibu - April 30, 2011, 9:48

zu Nr.17: Ba ! Meme le mot royal ils ont le barboté, les rosbifs :-)

20. Lila - April 30, 2011, 10:06

Les rosbifs? :-P

Darf ich mit korassonim, kwaker und korenfleks dagegenhalten? oder suetsherim und tishertim?

21. mibu - April 30, 2011, 10:24

Well, rather the frogs brought that word to us with their norman conquest in a.d. 1066 …

Wobei es im Englischen auch den Begriff kingly gibt, was ja wieder dem niederländischen koninklijk und unserem königlich näher kommt.

22. mibu - April 30, 2011, 10:30

zu Nr.20: ich glaube, ich konnte alle enträtseln (suetshertim ?), bis auf korassonim …

23. Lila - April 30, 2011, 10:38

Sweatshirts – und Croissants…

Korasson shokolad :shock:

Ich hatte mal ne ganze Sammlung solcher verhunzter Lebensmittel. Allerdings erinnere ich auch daran, daß im Rheinland Baguette Päng-Brot genannt wird. Warum Päng? Na das heißt doch Brot auf Französisch…. :-)

24. Silke - April 30, 2011, 10:53

danke mibu
ich bleibe bei meinen Anglo-Geschichtslehrern aus adligem Hause mit jahrhundertelanger Erfahrung in Diplomatie, vermutlich von der Mutter- und/oder Ammenmilch an.

http://en.wikipedia.org/wiki/John_Julius_Norwich
und wenn ich mit dem (und Churchill) durch bin, dann findet sich sicher noch einer – ich lese die Leute nämlich nicht um des Lernens sondern in erster Linie um des Genusses willen.

Norwich ist übrigens sympathischerweise der Sohn jenes Duff Cooper, der lt. Churchill Chamberlain’s Regierung aus Protest verließ. Und Norwich über diplomatisches Geschacher ist wundervoll, besser als jede Liebesintrige. Und ich würde für mein Leben gern erzählt bekommen, was so im Haus seines Vaters in Paris geplappert wurde. Er hat, soweit ich mich erinnere eine Biografie zu Duff Cooper geschrieben, so viel zu lesen und so wenig Zeit.

25. Silke - April 30, 2011, 10:54

mibu
Du hast auch schon Tom Segev empfohlen …

26. mibu - April 30, 2011, 10:54

Mit korasson hast Du mich mehr in diese Ecke gelotst.

27. Lila - April 30, 2011, 10:55

Oh, Duff Cooper ist mir ein Begriff. Er war mit der bezaubernden Lady Diana Cooper verheiratet, einer der besten Freundinnen von Vivien Leigh. Sie soll eine sehr witzige Frau gewesen sein.

28. mibu - April 30, 2011, 11:08

Willy DeVille hat auch eines der schärfsten Covers eines Bob Dylan Titels geschafft: Hey Joe

Leider kann ich es nicht hören ohne an das üble Gemetzel mexikanische Drogenkartelle denken zu müssen …

29. Silke - April 30, 2011, 11:54

auch bei Churchili, meine ich, findet sich Schmeichelhaftes zu Duff Cooper. Doch daß er während WW2 Botschafter in Paris war, macht mich wirklich an.

He subsequently became the British ambassador to France in 1944 and was a great success in Paris.
http://en.wikipedia.org/wiki/Duff_Cooper

irgendwo habe ich übrigens mal mit einem Auge gesehen, daß Sohn John Vater einer Tochter des Regisseurs John Houston ist – diese Leute übertrumpfen im richtigen Leben locker jede chick-lit Phantasie und er kann schreiben und er liebt das, worüber er schreibt. Aber neben der Affärerei hat zumindest Cooper auch mal im richtigen Leben seine Haut hingehalten gehabt.

Mein nächstes Buch wird übrigens eins mit dem Titel “Desire” von ner englischen Chick-Lit Autorin, die jetzt MP ist und sich als pro-Israel geoutet hat. Ich bin neugierig, wie die Frau tickt. Nebenbei interessiert mich das, was in dem Genre abgeht sowieso und ein Vergnügen zu lesen ist es für mich allemal. Ich mag schließlich auch Courths-Mahler.

Ansonsten sind derzeit die Krimis von Michael Innes, die im Vorkriegs-England spielen, angesagt. Die drei, die ich durch habe, spielen alle im Uni-Milieu und der neue Krieg taucht bis jetzt noch nicht auf. Der alte ist dagegen in Randbemerkungen präsent.

30. mibu - April 30, 2011, 12:13

Die Regierung des letzten Ostblocklands – aus baden-württembergischer Sicht – dreht ab … Leonid Bayernlbeowitsch Seehofer poltert und bringt schon mal seine Propagandakompanien in Stellung … ;-)

31. arboretum - April 30, 2011, 16:44

@ Heimo: Die englischen Könige von 1066-2011 gingen ja noch, aber mit denen von 774-1066 war ich ganz schön beschäftigt. Vor allen an denen in den oberen zwei Querreihen habe ich mir ganz schön die Zähne ausgebissen. Die Jahreszahlen stimmen da übrigens nicht, da stehen die späterer Könige, wenn man es dann endlich gelöst hat. Bei Offa, Offa Rex Anglorum ist 1952 – … angegeben. ;-)

32. Heimo - April 30, 2011, 17:20

@ arboretum – “Die Jahreszahlen stimmen da übrigens nicht, da stehen die späterer Könige,” – danke für den Hinweis – werde ich gleich überprüfen & ggf korrigieren..

33. Heimo - April 30, 2011, 18:23

@ arboretum – der Fehler ist behoben – übrigens falls Du Dir weitere Zähne ausbeissen willst, da gibt es auch noch die französichen Könige in 2 Teilen, die amerikanischen Präsidenten etc. zu lösen – & arbeite gerade an den römischen Kaisern, die wohl in einer Woche fertig sein werden..
@ mibu – die Version von ‘Hey Joe’ gefällt mir.. – ich kenn ja die Version von Jimy Hendrix, aber von Bob Dylan? – ich war überrascht & habe gerade gegoogelt:
“While claimed by some to be a traditional song, or often erroneously attributed to the pen of American musician Dino Valente (who also went by the names Chester or Chet Powers, and Jesse Farrow), “Hey Joe” was registered for copyright in the US in 1962 by Billy Roberts.. Roberts is the author, and the song may have been written by him earlier. One source (singer Pat Craig), claims that Roberts assigned the rights to the song to his friend Valente while Valente was in jail, in order to give him some income upon release.”

34. mibu - April 30, 2011, 20:32

Heimo, sorry, frag’ mich bloss nicht wie ich auf Bob Dylan kam.

Versuch einer hohlen Ausrede: es gibt von Dylan einen Song “Joey” auf dem Album “Desire” und der Song “Romance in Durango” geht vom musikalischen Stil her in eine ähnliche Richtung wie Willy DeVilles Interpretation von “Hey Joe”.

35. Heimo - April 30, 2011, 22:32

mibu – ach ja ‘Desire’ ist eines meiner Lieblingsalben von Bob Dylan. – Als weitere Assoziation zu Bob Dylan hätte auch verführen können, daß Jimy Hendrix, durch den ‘Hey Joe’ bekannt wurde, auch das ‘All along the Watchtower’ gecovert hatte, diesmal wirklich von Bob Dylan..

36. kaltmamsell - Mai 1, 2011, 14:47

Ach papperlapapp: Bei MacDonalds wird schließlich auch Hamburger Royal verkauft und nicht Hamburger Königlich. Gib uns noch fünf Jahre, und royaaal wird ein Synonym für klasse und super.

37. mibu - Mai 1, 2011, 15:57

Stimmt, kaltmamsell, den Hamburger Royal gibt’s sogar schon eine ziemliche Weile … muss aber aus einem ziemlich lottrigen Königreich stammen, mehr kulinarische Krise royal, majestätisch dermatscht sozusagen

38. Aristobulus - Mai 1, 2011, 17:49

Oh ja, selbst diese Befürchtung erscheint mir realistisch, sie werdens sagen und ich werde mich so grausen!, weil sie naturgemäß rojaaal! sagen werden und eben nicht roá-jáll!, diese zwei kurzen fast gleich betonten Silben schnell hintereinander wie sich das gehört, doch nein denn sie werden rojaaal sagen, ich weiß es!, man wird es ihnen nicht mehr austreiben können und es wird schlimm werden.

39. Lila - Mai 1, 2011, 18:17

Und die Himmel werden aufreißen und Hamburger auf die Erde stürzen wie Steine, und keiner wird mehr sagen “ich bitte um Verzeihung”, sondern nur noch “sorry”, und Halloween wird St. Martin ersetzen und Stag night den Polterabend, und es wird ein Grausen sein und Wehklagen unter dem Volk.

Oh yeah.

40. Paul - Mai 1, 2011, 18:30

Auf dem besten Weg dahin sind wir schon.

Wir sind nicht mehr kühl, gelassen oder kalt sondern nur noch cool.

Auch Kinder gibt es schon nicht mehr, sondern nur noch Kids.

Aber auch Alte gibt es schon lange nicht mehr, sondern nur noch Senioren.

Fahrkartenschalter mutieren zu Ticketpoinds.

Die Bedürfnisanstalt mutierte schon vor langer Zeit zum WC.

Die Beispiele der jüngeren Zeit lassen sich beliebig erweitern.

Die deutsche Sprache wird abgeschafft oder sie schafft sich ab.

In Frankreich hat man ganz entschieden darauf reagiert und den Gebrauch von Fremdwörtern im öffentlichen und medialen Bereich grundsätzlich verboten.

Das wäre in Deutschland undenkbar.
Mindestens die Türken würden dagegen erfolgreich protestieren. :lol:

41. Lila - Mai 1, 2011, 18:35

Ganz schlimm: Teenies. Da zuck ich zusammen.

Cool sag ich selbst, leider, aber ich bilde mir ein, nur ironisch.

Man muß ja nicht so weit gehen wie die Israelis, die die Beatles als “chipushiot” (Käfer) bezeichnet haben (und wer das Wortspiel erkannt hat, nannte sie gar “chipushiot ha kezef”, Rhythmus-Käfer :roll) oder die Rolling Stones “avanim mitgalgelot” und die Doors “hadlatot”. Man kann es auch zu weit treiben.

Aber warum ein Servicepoint irgendwie kühler oder heißer ist als als ein Schalter, tja, no idea…

42. mibu - Mai 1, 2011, 19:02

Man könnte es allerdings auch so sehen: als Re-import. Nachdem sich die Angeln und die Sachsen vor ein paar Jährchen dort breit gemacht (honi soit …) haben, schwappt das Urniederdeutsche qua hanseatischer Propagandazentrale (Medienhauptstadt Hamburg, zumindest wären sie’s gern) nun wieder retour.

43. mibu - Mai 1, 2011, 19:03

… ich meine natürlich back.

44. Silke - Mai 1, 2011, 19:25

der Servicepoint mußte so heißen, weil man nur so dem Volk die Verinnerlichung der Dienstleistungswilligkeit einbleuen konnte, denn wenn die Branche schon einkommensmäßig nich das Gelbe vom Ei ist, dann muß es so ein Hauch von Weltläufigkeit bringen. In fremden Landen war ich allerdings immer ganz dankbar, wenn ich ne Übersetzung fand ;o)

aber ährlisch, isch hab gegen die rischtische Fremdwörter eher nix, ich sach ja auch Trottoir und Trotteur und Parfum und etepetete und Tschüs und Fenster und und und

Was mich viel mehr ärger sind die Plapperheinis und -liesen, die ständig lateinische Wörter statt deutscher benutzen, klingt so schön geleert (kein Typo) und in Wirklichkeit sind sie nur zu faul vom Englischen zu übersetzen. Achtet mal drauf – guckt Euch mal Transkripte bei dradio an – es iss eine Schweinerei und zwar ganz besonders deswegen, weil ich von meiner Zeit im Dorf weiß, daß meine hochintelligenten nein klugen bäuerlichen Nachbarn schon das Vokabular nein den Wortschatz der Tagesschau nicht mehr drauf hatten. Die sind also nur noch über Bilder erreichbar – gruselig und es werden immer mehr der unverständlichen Wörter.

Vor ein paar Jahren habe ich mal grün und blau geärgert, da war dialektisch modern, ich habe gerätselt und gerätselt, aber nix von These, Antithese, Synthese entdecken können, schließlich hatte ichs raus, es bedeutete schlicht zwiespältig und alle seine möglichen Brüder und Schwestern. Eigentlich praktisch, gelle? man nehme was Lateinisches und hat ab sofort einen viel kleineren Wortschatz, der gepflegt werden will, echt effizient, da wird sich Google Translate bestimmt freuen.

45. arboretum - Mai 3, 2011, 11:30

@ heimo: Lieber nicht, sonst bekomme ich gar nichts mehr geschafft. Mit französischen Königen kenne ich mich ebenso schlecht aus wie mit Päpsten. Die fehlen übrigens noch in dem Spiel. ;-)

46. Wolfram - Mai 5, 2011, 22:55

Päpste (übrigens mit p, nicht mit b in der Mitte) sind auch schwierig: anders als bei Königen kommen da schon mal zwei bis drei gleichzeitig vor. Das Konstanzer Konzil hat drei auf einmal abgesetzt (darunter den, der ebendies Konzil einberufen hat, womit es seinen Konzilsstatus eigentlich verloren hat) und einen neuen eingesetzt: Martin V. Der aber kein Papst ist, weil weder von einem Konklave noch von einem ordentlichen, sprich von einem gültigen Papst einberufenen, Konzil gewählt… weshalb alle von ihm berufenen Kardinäle auch keine sind, und damit ist der Papstberuf seiner Legitimation in gewisser Weise verlustig gegangen… :D Ich ziehe die Bemerkung zurück. Aber die Historiker und Kirchenrechtler haben schon hörbar geseufzt, als Angelo Roncalli den Papstnamen Johannes XXIII annahm – eben jenes Papstes, der in Konstanz abgesetzt wurde. Übrigens wurde in Konstanz auch Jan Hus geröstet, trotz eines feierlichen Freibriefs, der ihm freien Ein- und Abzug gewähren sollte.

Um noch eine Silbe zum Thema zu sagen: natürlich kommt “royal” von frz. roi, König. Die Mehrzahl bildet sich “royaux”, ausgesprochen etwa “roayô”, mit sehr kurzen Vokalen vor dem j-ähnlich ausgesprochenen y, wohingegen die Schlußsilbe lang und geschlossen ist. Die weibliche Mehrzahl dagegen… heißt “royales” und spricht sich wie die Einzahl. “Les royals” geht also im Französischen nicht. Uff, Glück gehabt!


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