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Haikus for Jews Februar 3, 2011, 16:38

Posted by Lila in Land und Leute, Uncategorized.
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Für amerikanische Juden, wohlgemerkt, von David Bader.

Beyond Valium,
the peace of knowing one’s child
is an internist.

In a stage whisper
a yenta confides the name
of her friend’s disease.

Left the door open.
for the Prophet Elijah.
Now our cat is gone.

The shivah visit-
So sorry for your loss. Now
back to my problems.

Is one Nobel Prize
so much to ask from a child
after all I’ve done?

Haikus für Israelis müßten anders aussehen, gibt es sie schon? Na ja, in etwa – englische Haikus über Israel gibt es hier.

Fallen mir etwa welche ein? Ein dichterisches Genie bin ich nicht, aber so aus der Lamäng und für die Jeckerei….

_

lange Schlange  steht

Autos hupen wie verrückt

Fahrer zeigt Finger

_

Pita, Falafel,

Humus mit Pinienkernen

Salat kleingehackt

_

die volle Stunde

Radionachrichten – seid still

Sprecher, Erbarmen

_

Schulzeugnis heute

alle Fächer und Noten

sind mir unbekannt

_

Mein Kräutergarten

nur Steine, kaum Wasser

Basilikum, Salbeiduft

_

Himmel,  die Wolken

sie werden zu Dunst und Staub

pausenlos Sommer

_

Auto voll Kinder

keins von ihnen angeschnallt

bestimmt Haredim

_

Auto voll Kinder

keins von ihnen angeschnallt

bestimmt Aravim

_

Auto voll Kinder

keins von ihnen angeschnallt

bestimmt nicht wie wir

_

Katzen auf Müllberg

mit verwilderten Augen

alte Frau füttert

_

Ampel, VW Bus

Arbeiter lachen mir zu

aus den Gebieten

_

Fuchtelnde Hände

Tanzende Augenbrauen

und immer Shalom

_

Eisenbahn zu spät

Sammeltaxi rauscht vorbei

Letzte Hoffnung – Tramp

_

Lacht über Deutsche

wie sie über euch lachen

mit R und mit Ch

_

Schauspiel für Kinder

das Publikum reißt sich um

Tüten voll Bamba

_

Hochzeit in Halle

automatische Chuppa

DJ und Rabbi

_

Zum Frühstück Salat

wer ißt bei der Hitze was

auch  abends nur Obst

_

von schwarz aufgehelllt

der Ansatz deutlich sichtbar

Metallisch im Licht

_

Im Einkaufszentrum

ein Stand, der mich anlächelt

Acryl auch für dich

_

Mor Dor Gal  Inbar

und niemand kann erraten

Ob Mädchen, ob Bub

_

Ich kenne sie lange

als Kinder,  auf der Schule

jetzt in Uniform

_

Kein Durchgang, muß warten

Polizeiroboter kommt

Verdächtiges Bumm

_

Kellnerin schnippisch

Kichererbsensuppe fad

Rechnung nicht zu knapp

_

Zum  Kinderwagen

herabgebeugt, fremde Frau

er braucht einen Hut

_

Sitzen im Kreise

auf Stroh und mit Gitarre

die alten Lieder

_

Abends im Fernsehen

nach Tag voller Furcht und Leid

kommt die Kritik an

_

Na, ich bleib lieber bei der Prosa…

Kommentare

1. Malte S. Sembten - Februar 3, 2011, 17:02

Na, ich bleib lieber bei der Prosa…

Einige waren richtig gut.

2. jakobostar - Februar 3, 2011, 18:13

Naja.. Lila ich versteh diese art von lirik nicht ;-) aber wie wäre es damit:

Jerushalaim mit sonnenhut,
Kamara in der hand, stadtplan in der anderen.
werde gefragt: Eifo Rejof….. ;-)

3. Lila - Februar 3, 2011, 18:23

Zu viele Silben. 5, 7, 5 Silben :-)

4. Roithamer - Februar 3, 2011, 18:38

Lila schreibt Haiku
ihr Blog wird immer besser
ich bin begeistert

5. jakobostar - Februar 3, 2011, 18:53

ahhh….. ok….

zwei frauen im bus
am handy, schauen sich an
und geben sich recht

besser? ;-)
aber ich weis nicth ob das so bildlich ist…..

6. D. - Februar 3, 2011, 18:58

Lila from Rungholt
jeden Tag auf dem Bildschirm
bringt Israel nah

7. hans - Februar 3, 2011, 21:43

haikus als es israel noch nicht gab!

geschlagene juden fliehen

warum so weit uruguay

weit von wo

mensch hat kinder heimat

aber überall der jude

heimat wo seine toten

8. Silke - Februar 3, 2011, 21:44

ich habe mal ne Sendung über britische Lyriker gehört. Danach waren die, als sie Haikus & Co. entdeckten wild begeistert, doch anders als wir interessierten sie sich wenigst fürs Silbenzählen sondern gingen damit äußerst frei um. Ich kann mich aber leider an sonst nix mehr erinnern nur an die Freude, die ich empfand als ich hörte, daß man in Nicht-Deutschland auch frei darf und das in angesagten Kreisen immer noch als Haiku-gerecht gilt.

9. Marlin - Februar 3, 2011, 21:51

Klasse Lila. :)

Ich habs noch nie probiert, aber einige sind echt toll. Daumen hoch.

10. Silke - Februar 3, 2011, 22:28

danke hans
für das gedicht sowieso

und ganz ganz nebenbei auch für den beweis, daß auch ein deutschsprachiger echte haikus unter missachtung der silbenzählerei schreiben kann.

diese sendung damals über britische lyrik im geiste des haiku hat mir nämlich irre imponiert

11. Silke - Februar 3, 2011, 22:55

als ich noch dachte ich würde in der örtlichen Schreibwerkstatt glücklich, habe ich auch mal eins geschrieben, aber das gehört in ne Geschichte und die geht so.
Eine Frau spült am 2 Feiertag Geschirr während die Familie abhängt und sieht dabei, daß die Wäscheleine noch nicht abgenommen ist. Örtliche Folklore behauptet nämlich, daß man die zwischen den Jahren abnehmen muß, damit sich keiner aufhängt. Also mit den Händen in der Suddelbrühe dichtet sie, streng nach Silbenzahl:

Wäscheleine ab
keiner soll sich aufhängen
aber schön wär’s doch …

und nach diesem Ausflug zu schwarzen Gedanken werde ich bestimmt rausgeschmissen werden … ;-)

12. Heimo - Februar 5, 2011, 1:04

mir ist noch aus den 70er Jahren ein Haiku – übersetzt aus dem japanischen – in Erinnerung, wobei in der Übersetzung natürlich kein Versmaß à la 5-7-5 (klingt wie ein fashion-Maß) zustandekam – voilá: “Einer muß die Reinheit des frischgefallenen Schnees als erster betreten – unselig aber wer es tut” – mir schien das Wesen des Haikus eine Aussage in wohl 2 Zeilen & dann eine pointierter Kontradiktion in der letzen Zeile, ein oft überraschendes Résumé, das letztlich den gelungenen Haiku ausmacht. – So zumindest schien es mir aus der ersten Analyse dieser übersetzten Haikus – ist wohl nicht immer so, meist ein mehr oder weniger pointierter Dreizeiler, oft einfach nur ein Stimmungsbild, manchmal gar eingegrenzt durch die Regel 5-7-5 :) – Meine erste Beobachtung bekräftigender Haiku von Leonard Cohen:

“I brought a man his dinner
He did not wish to look into my eyes
He ate in peace”

oder

“Silence
and a deeper silence
when the crickets hesitate”

oder auch was ich als Haiku empfunden vor Jahren mal schrieb:

“Den Todesschrei eines Vogels
hörte ich früh am Morgen -
umsonst war der Tag angebrochen”

13. Heimo - Februar 5, 2011, 1:49

ich konnte es nicht lassen – habe mich jetzt in einem regelgerechten Haiku versucht, aktuellen Anlaß aufgegriffen:
“Aufbruch Ägypten (5)
Zusammenbruch des Regimes (7 gimes ist 1 Silbe)
wer kittet den Bruch? (5)”

“was entwächst dem Bruch? (5)”
oder
“Bruchstück zum Neubau (5)”

wären weitere Möglichkeiten der Endzeile – naja – ich bin wohl nicht der geborene Haikunist, zumindest nicht nach einengendem Versmaß..

14. Heimo - Februar 5, 2011, 2:18

sorry – mein letztes heute:
“Lautsprechender Mann
trifft auf schweigende Dame
sie stellt den Ton ab”

bei deinen Haikus oben gefallen mir am besten
4) Schulzeugnis..
6) Himmel…
7) Auto…
12) Fuchtelnde Hände ..
xx) Zum Kinderwagen..
xxx das letzte) Abends ..

15. Yoav Sapir - Februar 5, 2011, 3:47

Also ich bin mir ziemlich sicher, dass es nach wie vor keine Knaben gibt, die Inbar oder Mor heißen…

16. Lila - Februar 5, 2011, 9:18

Ich kenne jeweils einen Knaben namens Mor und Inbar. Ich kenne auch mehrere Knaben, die Noga und Netta heißen. Ganz zu schweigen von all den Mädchen mit Jungensnamen – Doron, Tom…

Ich warte auf das erste Mädchen, das Ben genannt wird.

17. Jan Gedsudski - Februar 7, 2011, 9:27

Einige gefallen mir sehr!

18. Paul - Februar 7, 2011, 13:33

Lila bisher wusste ich nicht, dass es sowas gibt.

Noch nie was gehört,
von Haikus. Das sehr beschwört
der törichte Paul.

Habe mal ein bischen bei @12 Heimo gestohlen:

Frischen Schnee so rein,
zu betreten ist nicht fein.
Einer muss es sein!

19. Wolfram - Februar 7, 2011, 15:50

Ich warte auf das erste Mädchen, das Ben genannt wird.
Na, “Bat” Spencer gibt es ja schon…


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