Der Fachmann staunt… Dezember 1, 2010, 19:59
Posted by Lila in Presseschau.trackback
… der Laie wundert sich.
Was haben wir von Wulffs, Merkels und Westerwelles bewegten Worten in Yad vaShem oder der Knesset zu halten?
Der außen- und sicherheitspolitische Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Christoph Heusgen, soll vergangenes Jahr hochrangige US-Diplomaten dazu gedrängt haben, Israel die Unterstützung im UN-Sicherheitsrat zu entziehen, falls es einem Siedlungsstopp nicht zustimme.
Und natürlich nur zustimmendes Klatschen in den Kommentaren. Bravo, Deutschland. Ich kann mich nicht an ähnlichen Druck erinnern, der auf die Palästinenser ausgeübt wurde, damit sie aufhören, israelische Bürger beim Falafelessen zu ermorden. Und das bei der Abstimmung über den völlig verlogenen Goldstone-Bericht. Wenn Richter Goldstone auf Deutschlands Vorgehen in Afghanistan angesetzt würde, wie sähen dann die Deutschen aus?
Ich kann mich auch irgendwie nicht erinnern, je ähnlich harte Worte aus Deutschland zum Thema Terror gehört zu haben, geschweige denn Erpressungsversuche. Schließlich ist es ja viel schlimmer, wenn eine jüdische Familie in Jerusalem baut, als wenn eine jüdische Familie in Jerusalem in die Luft gesprengt wird.
Ganz egal, was man von der Siedlerbewegung hält, und ich bin weiß Gott kein großer Fan, das ist eine eindeutige Stellungnahme. Spart euch die Worte, deutsche Politiker, und das betroffene verlogene Gelaber, wir wissen, wo ihr steht. Fest an der Seite der deutschen Bevölkerung.
Diese Wikileaks, obwohl solche Dokumente eigentlich nicht an die Öffentlichkeit gehören, sind doch auf verquere Art und Weise ein Segen. Man weiß, woran man ist, beidseitig.
Und noch etwas zu einer Bemerkung der Tagesschau:
Weitaus weniger erfreut dürfte die Regierung Netanjahu über die Veröffentlichung der geheimen Rüstungsgespräche sein, die Israel mit der US-Regierung führt. So zeigte sich das israelische Militär sowohl mit dem gemeinsamen Raketenabwehr-Manöver “Juniper-Cobra 10″ vom vergangenen Herbst zufrieden als auch mit den Zusagen Washingtons, Israel bei allen Waffenlieferungen in der Region stets den rüstungstechnologisch “qualitativen Vorsprung” einzuräumen.
Da sieht man mal wieder, wie wenig sich so ein deutscher Redakteur in uns hineindenken kann. Ich bin heilfroh, daß das veröffentlicht wird – vielleicht erreicht so eine Aussage doch eine kleine Abschreckung und zögert den Angriff auf uns noch ein bißchen hinaus. Obwohl ich ehrlich sagen muß, daß ich ihn näherkommen fühle. Die globale Wut auf Israel, sorgsam seit Jahrzehnten von den Palästinensern geschürt, erreicht langsam eine solche Hitze, daß auch in Deutschland ein paar Leute auf der Straße tanzen werden, wenn es hier endlich, endlich losgeht und den bösen Juden auf die Finger geklopft wird. Die Kölner Domplatte wäre ein passender Ort für ein Stadtfest…
Kommentare
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Nicht nur die Redakteure. Ich war letztens bei einem Vortrag von Eldad Beck (http://www.jvhs.de/index.php?option=com_content&view=article&id=14:frieden-im-nahen-osten-eine-vision-&catid=8:geschichte-und-kultur&Itemid=20).
Da kam der übliche Vergleich von Nichtjuden mit der Berliner Mauer, und auch immer wieder ein Vorschlag, sich doch an einen runden Tisch wie damals zu setzen und Lösungen zu finden. Da fragt man sich nur noch: Wo lassen Sie denken? In welcher Welt leben die eigentlich? Haben die immer noch nicht mitbekommen, dass dort der Nahe Osten ist und nicht die schöne Zone und die tolle Bundespepublik, es sich nicht um ein Volk handelt, sondern um zwei und die eine ganz andere Voraussetzung haben, als damals die Ossis und Wessis?
Ich glaube, ich sollte nicht so viele dieser Nachrichten der deutschen Michels lesen, denn sonst wird mir das Leben hier noch unerträglicher.
ja Lila
leider scheinst Du recht zu haben, der Gaber läuft immer heftiger (Hessisch für “they” are salivating)
Heusgen hat die Diplomaten vielleicht gedrängt, “dazu gedrängt” hat er sie sicherlich nicht, denn offenbar hatte er ja keinen Erfolg.
Nun, Drängen fände ich unangemessen, aber davon abgesehen, warum soll er diesen Vorschlag nicht machen? Gefährdet es die Existenz Israels, wenn der Siedlungsbau gestoppt wird? Oder ist es unsittlich, wenn der Sicherheitsrat sich mit dem Goldstone-Bericht befaßt? Es ging nicht um die Resolution des Menschenrechtsrats zu dem Bericht, die ja u. a. von Deutschland (und von Goldstone selbst)im Monat zuvor abgelehnt worden war. Sondern es ging um den Bericht selbst. Wenn man Goldstones Äußerungen gegenüber dem Forverts zur Kenntnis nimmt, der Bericht biete keine gerichtsverwertbaren Erkenntnisse, keine Beweise, jedoch habe ihm als Ankläger des Jugoslawientribunals ein ähnlicher Bericht des Sicherheitsrates gute Dienste dabei geleistet, “to decide where we should investigate. And that’s the purpose of this sort of report”, dann bin ich nicht sicher, daß Israel sich einen Gefallen damit getan hat, den Bericht nicht in diesem Sinne als Ausgangspunkt unabhängiger Untersuchungen zu nehmen. Von daher verstehe ich die Vorwürfe nicht, die Du der Bundesregierung hier machen willst. Ich verstehe, daß der Bericht dafür kritisiert wird, daß Aussagen apodiktisch daher kommen, die nach Goldstone konditional zu verstehen sind. Aber das ist eher ein redaktionelles Problem als ein unüberwindbares Hindernis.
“Was haben wir von Wulffs, Merkels und Westerwelles bewegten Worten in Yad vaShem oder der Knesset zu halten?”
Lila, ich finde nicht, dass die Forderung nach einem Baustopp im Widerspruch zur grundsätzlichen Haltung zu Israel steht. Ob die Verquickung mit einer Abstimmung in der UN sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt. Es könnte allerdings ein damals gerade gelegenes Drohmittel gewesen sein, um der Forderung nachdruck zu verleihen.
Israels Weigerung, einen Baustopp während Verhandlungen einzuhalten, verärgert sehr viele, die eigentlich auf Israels Seite stehen. Und die Hartnäckigkeit, mit der sich Netanyahu und seine Regierung dagegen sträuben, zeigt m.E. wie wenig sie überhaupt noch bereit sind auf andere zuzugehen. Dass die Fortsetzung des Siedlungsbaus die Probleme, insbesondere für Israel, nur vergrössern kann und ziemlich sicher keine gute Vertrauens- und Verhandlungsbasis schafft, das scheint man sich in Israel irgendwie überhaupt nicht vorstellen zu können.
Netanyahus Forderung, die Palästinenser sollten keine Vorbedingungen stellen, einerseits und die Fortsetzung des Siedlungsbaus in den besetzten Gebieten passen nicht zusammen. Das Geplänkel um die Anerkennung Israels als jüdischem Staat hatte er womöglich nur in die Diskussion gebracht, um von der Widersprüchlichkeit seiner eigenen Vorbedingungen abzulenken.
Hab’s schon ein paar Mal gesagt, es gibt bestimmt größere Fans von Fr.Merkel und Co. wie mich. Aber was den Baustopp angeht, ich muss es zugeben, bin ich auf ihrer Seite.
Netanyahu wollte diese Regierung; die Probleme, die sich inzwischen daraus ergeben, waren schon bei der Regierungsbildung erkennbar, leider.
Was die Bemerkung des Tagesschauredakteurs angeht: die Sache kann die USA in Verlegenheiten bei künftigen Waffengeschäften und Rüstungsverhandlungen bringen; es ist möglicherweise ein bisschen kurz gedacht, darin nur wieder einen Sticheln gegen Israel zu sehen.
“Spart euch die Worte, deutsche Politiker, und das betroffene verlogene Gelaber, wir wissen, wo ihr steht. Fest an der Seite der deutschen Bevölkerung”
An welcher Seite sollen sie denn sonst stehen,die deutschen Politiker?
Mibu: Nur kurz (ich steck gerade auf einer anderen Baustelle) – ich habe die letzte Bemerkung aus der Tagesschau nicht als Sticheln aufgefaßt, überhaupt nicht. Da muß ich mich falsch ausgedrückt haben.
Ich meinte: für einen grundsätzlich pazifistelnden Deutschen ist klar, daß das Bekanntwerden eines militärischen Vorsprungs eine Peinlichkeit wäre. Für eine ebenfalls grundsätzlich pazifistelnde Deutsche, die aber gleichzeitig 7km von der libanesischen Grenze lebt und manchmal kleine Anfälle von Zukunftsängsten erlebt, ist das Bekanntwerden eines militärischen Vorsprungs eine Beruhigung.
Der Unterschied der Wahrnehmung ist einfach so groß…
Und die USA sind im Moment in so großer Verlegenheit, daß ein paar Cobras für uns den Kohl wohl nicht mehr fettmachen ….
Peter: ich hätte dazuschreiben sollen: an der Seite einer überwiegend mit Ressentiments gegen Juden behafteten Bevölkerung. Wenn deutsche Politiker nach Israel kommen, tun sie so, als wären sie objektiv und würden die Vorurteile der deutschen Bevölkerung nicht teilen. Es wird Dich beruhigen, daß dem nicht so ist.
Ich muß wohl heute wirklich unklaren Nebel von mir geben, daß mich irgendwie niiiiemand versteht
“Ich meinte: …” – wohl nicht mich – “… für einen grundsätzlich pazifistelnden Deutschen ist klar, daß das Bekanntwerden eines militärischen Vorsprungs eine Peinlichkeit wäre.”
In Wirklichkeit ist hier jeder froh, dass die BW eine einigermassen vernünftige Ausrüstung und in manchen Bereichen tatsächlich modernste Waffensysteme hat – man mag’s bloss nicht so gerne zugeben. Aber vor die Wahl gestellt, ob wir oder beispielsweise der Iran die besseren Waffen haben sollen, wäre den allermeisten wohl ziemlich schnell klar, was sie auf keinen Fall wollen. Die Medien berichten und diskutieren bei uns fast nur über das iranische Atomprogramm. Dass die iranischen Revolutionsgarden eine ganze Reihe von Rüstungsprojekten, z.B. zu langreichweitigen Trägerraketen, laufen haben, nimmt man bei uns kaum zur Kenntnis. Ein Iran mit Raketen, die bis Berlin reichen können, ist eine sehr ernste Gefahr. Und zwar weniger wegen Berlin als wegen anderer möglicher Ziele.
Jetzt doch noch einmal. Vorhin war das Wikileaksdokument nicht zu erreichen. Dort heißt es: “He suggested pressuring Netanyahu …” Kein Drängen also seitens der Bundesregierung, ein Vorschlag.
Und im Goldstone-Bericht, S. 9: “The findings do not … pretend to reach the standard of proof applicable in criminal trials.” In Übereinstimmung mit Richard Goldstone.
Das ist vielleicht eine der Überraschungen für manche Pazifisten in Deutschland: dass sich arabische Staaten im Zweifelsfall mit den Atomwaffen eines berechenbaren Israels eher abfinden können als mit solchen eines unberechenbaren Regimes von religiösen Fanatikern. Wobei sie sich diese Erkenntnis wahrscheinlich ganz schnell wieder im Sinn ihrer Imperialismustheorie wegargumentieren, indem sie die arabischen Staaten zu Opfern amerikanischer Machtpolitik umstricken.
Mibu, der Grund ist doch ganz einfach zu verstehen. Jeder hier in der Gegend weiß, daß Israel sich die Waffen (welche Waffen übrigens….????) nur zur Abschreckung hält und sie niemals einsetzen würde. Das wäre Selbstmord, und Juden neigen nicht dazu, auch Israelis nicht. Israel will überleben, und wenn es die Atombombe wirft, stirbt es.
Wenn die Araber eines wissen, dann, daß Israel überleben will. Wir sind berechenbar. Wir werden keine Atombombe einsetzen, sie ist nur die Majnun-Verzweiflungs-Hinterhand-Waffe. Schon gar nicht würden wir sie offensiv einsetzen.
Und unsere Nachbarn wissen das.
Darum auch, was Europäer nie verstehen, dürfen wir nicht offen zugeben, daß wir sie haben. Das würde es unseren arabischen Gesprächspartnern unmöglich machen, ihren double speak durchzuhalten und weiter mit Israel zu kooperieren.
Sie können sich jetzt bei Protesten in Presse und Bevölkerung taub stellen und so tun, als gäbe es hier keine Breitmaulfrösche.
Deswegen war es so unerwartet dusselig von Netanyahu, offen auf die Existenz dieser Waffen anzuspielen. Solange wir offiziell so tun, als hätten wir sie nicht, ist es viel einfacher für die arabischen Nachbarn, mit uns zu kooperieren.
Ich verzweifle manchmal, daß diese einfache Tatsache so vielen ausländischen Kommentatoren vollkommen unbekannt zu sein scheint….
… und sie glauben, Israel hat finstere Motive beim Totschweigen dieser Waffen. Als Abschreckung wäre es doch viel wirksamer, damit zu strunzen. Das tun wir aber nicht.
Dazu bei Wikipedia:
Ebenfalls interessant: Option Samson.
Mad dog ist Majnun, das Wort, das ich oben benutzt habe.
Also, für die Jeckerei wird Israel diese Waffen nie einsetzen. Die Tatsache, daß wir es in keinem der Kriege getan habe, sollte eigentlich schon deutlicher Hinweis darauf sein.
Ich meine, für ein akut, von Anfang an und jahrzehntelang von der Auslöschung bedrohtes Volk, das mehreren Versuchen der Vernichtung entronnen ist, eine relativ besonnene Haltung – Majnun hin oder her.
@Lila
Was weißt Du was mich beruhigt?Und was weißt Du über die deutsche Bevölkerung?Ich bin seit 30 Jahren hier aber ich würde nicht behaupten zu wissen was alle Deutschen oder wie Du sagtest “einer überwiegend mit Ressentiments gegen Juden behafteten Bevölkerung” denken.Sind das nicht die Pauschalurteile und Allgemeinplätze die sonst Dich auf die Palme bringen wenn es umgekehrt ist?
Ausserdem denke ich dass worüber Du Dich so aufregst ist gewöhnliche Arbeit der Diplomaten.Denkst Du nicht dass die israelische Regierung nicht 100 mal das gleiche getan hat? Irgendeine Regierung gebeten Druck bei einer anderen zu machen um dies oder jenes zu erreichen oder zu verhindern!
Oh ja, und zwar mit allerfiesesten Tricks, kein Zweifel! Glaub nicht, daß ich in der Illusion lebe, unsere Politiker wären reine Toren wie Parsifal.
Ich sehe doch, was hier innenpolitisch abgeht. Kein Zweifel.
Mich stört nur der doppelte Zungenschlag.
Und mein Pauschalurteil (wobei “überwiegend mit Ressentiments gegen Juden behafteten” noch extra zahm gewählt war – ich nehme das A-Wort ungern in den Mund, weil es sehr hart ist, und mit überwiegend meinte ich: eben nicht alle) gründete sich auf den erschreckenden Schwall von Kommentaren, die bei der Achse des Guten zitiert sind.
Mir wurde beim Lesen schwummerig, and not in a good way. Es kam mir vor wie ein Dammbruch.
Meine armen Leser wissen schon, daß sie alle paar Wochen mein Händchen halten müssen und sagen müssen: Lila, das sind die Verrückten, vergiß sie, sie repräsentieren niemand als sich selbst und ihre Verdrängungen.
Denn ich kann Dir nicht schildern, wie bedrückend es ist, dieses Gefühl, das sich in ganz Israel verbreitet – so müssen sich die Hasen fühlen, wenn die Meute näher und näher jifft und jafft. Nenn es irrational, sag mir, daß wir nicht bedroht sind.
Aber sag mir nicht: Deutschland wird euch beistehen, wenn es das nächste Mal kracht.
Deutschland wird uns nicht beistehen. Die deutschen Zeitungsleser werden, wie letztes Mal, den Kopf über unsere Angriffslust schütteln, während bei uns die Raketen fallen, mit der Aufschrift made in Germany. Und die Amerikaner werden uns beknien, nicht zurückzuschießen, wegen ihrer kostbaren Koalition, wie anno 1991 (und auch da stand die Koalation vermutlich schon). Und die UNO wird uns zu einem Waffenstillstand zwingen, weil durch die Taktik unserer Gegner die Kollateralschäden sonst zu groß sind (wie Barak per Wikileaks ja schon bemerkt hat).
Also, redet mir gut zu. Aber mir graut, graut, graut vor der Zukunft.
Y. übrigens läßt das alles kalt. Er fürchtet sich nur vor einem: hier. Nein, es ist kein Wolpertinger.
Y. sagt, der Tag, an dem die Araber uns in eine liebende Umarmung nehmen, ist unser letzter Tag. Solange sie uns hassen, überleben wir, sagt er, aber wenn sie uns liebend umarmen, dann sterben wir. Bisher hat das außer Ghadafi niemand erkannt.
Y. beobachtet Ghadafi seit Jahren und sagt, er ist der einzige arabische Politiker, der uns wirklich gefährlich werden kann.
Also hat auch mein kaltblütiger, mutiger Mann seine Sorgen.
Was die Deutschen tun und treiben, amüsiert ihn hingegen. Wenn ich ihm davon erzähle, lacht er jedesmal furchtbar. Er kann auch nicht verstehen, wieso ich mich darüber errege. Es kommt ihm vor wie ein Kindergarten. Und wenn ich ihn an Antisemitismus und Judenhaß erinnere, kann ihn das nicht ernüchtern. Er sagt dann nur: ich kann diese Juden doch auch nicht ausstehen, warum sollte es andere tun?
Und dann zitiere ich ihm Einstein:
Seh ich mir die Juden an,
hab ich keine Freude dran.
Fallen mir die Anderen ein,
bin ich froh, ein Jud zu sein.
Und dann meint er, er würde den Vers umkehren (um mich zu trösten).
Und dann erzähle ich ihm von dem Irren im alten Griechenland, der sich einbildete, alle Schiffe im Hafen gehörten ihm. Und der geheilt wurde. Und der von der Heilung melancholisch wurde, am Hafen saß und sagte: ach, wie glücklich war ich doch, als mir alle Schiffe gehörten!
Ach, wie glücklich war ich doch, als ich noch glaubte, meine geliebten Deutschen wären immun gegen Antisemitimus und würden Lügengeschichten über Israel nie glauben!
Lila – 6
ich verstehe Dich vollkommen und Du hast Dich vollkommen richtig und unmißverständlich ausgedrückt, vorausgesetzt man will Dich verstehen.
ich habe den stets milden und gegenüber Deutschen allgemein absolut fairen Yaacov Lozowick zu Heusgen gelesen, es ist mehr als eine monumentale Katastrophe, genau wie die Schönrednerei von dem Goldstone Report. Das kann nur machen, der über die Quellen, die Goldstone benutzt hat, nix weiß.
Hast Du beim Elder of Ziyon das Post über den Einsatz von weißen Phosphor durch die Gazaner gelesen?
Falls ja, kannst Du Dich an den immer und überall wieder auftauchenden Bohai wegen des total regelkonformen Einsatzes von weißem Phosphor der Israelis erinnern? Wo ist der Bohai um den total regelwidrigen Einsatz von weißem Phosphor durch die Gazaner?
Vermutlich wird man sagen, sie können nich anders die Armen, es iss halt ihre Kultur
Lila – 10
daß Ihr Atombomben habt, hat meiner Erinnerung nach Olmert bekannt gegeben. Seitdem ist die Katze aus dem Sack – ich glaube, das war als er in Deutschland war.
——
Ralf
mir ist es vollkommen schnurz, wie Du Sätze interpretierst. Mich interessiert es, wie Leute, die mir wichtig sind, denen ich dank intensiver Lektüre vertraue, die Nachrichten lesen.
Yaacov hat nicht nur in Deutschland gelebt, er hatte auch seine PhD thesis übers Reichssicherheitshauptamt geschrieben (gibt es als Buch). Mit anderen Worten, wenn er eine Meinung hat, dann beruht die auf Bergen und Bergen von Wissen. So ganz nebenbei war er, bevor er sich selbständig machte, der Archivleiter bei Yad Vashem. Sein Vater war wer in ner israelischen Behörde. Er ist stets sehr gerecht in allem, was er über Deutschland und Deutsche sagt. Außerdem ist das Heusgen-Gebrabbel ja nicht das Einzige. Da gab es die einstimmige Bundestagsresolution nach der Flotille, wo Deutschland den Israelis sagte, wo’s langzugehen hätte, als seien sie ne Kolonie. Da war Niebel’s 5-vor-12 Bohai. Da war Westerwelle’s Getöse zu übertriebenen israelischem Sicherheitsbedürfnis und das ist alles nur von diesem Jahr. “Es” hat den Rand verlassen, “es” ist wieder gesellschaftsfähig und Ignaz Bubis hatte recht, daß er nicht bei uns begraben werden wollte.
More from Wikileaks, via Haaretz: In November 2009 German diplomats were asking of the Americans for greater pressure on the Israelis to halt settlement activity in Jerusalem so as to bribe the Palestinians to negotiate a state for themselves (well, that’s my way of putting it).
The German official is quoted in the telegram as saying that Germany believes that Netanyahu needed “to do more” to bring the Palestinians to the negotiating table. “With Palestinians in East Jerusalem getting notices from Israeli authorities that their houses will be destroyed, it would be ‘suicide’ for President Abbas to move under the current circumstances. Heusgen said he could not fathom why Netanyahu did not understand this,” according to the telegram. (my emphasis).
Nice, isn’t it. The man can’t fathom, so he insists it’s unfathomable, irrational, wrong, and dangerous. How typically arrogant. If the Israelis don’t see the world the way we see it, they must be idiots, or worse. Never: If the Israelis see things differently from us, perhaps it might do us good to understand their perspective. Or, for that matter, the perspective of the Palestinians. Or the Iranians, North Koreans, Chinese, Salvadorians, or just about anyone in the world who may sooner or later see things differently than the way it’s seen by the faraway observers who anyway have no skin in the game.
In the case of the Germans, I’ve been encountering this type of thought for decades: Can’t you Jews see that our lessons from Nazism are that nationalism is dangerous, war is always evil and never justifiable, international law and human rights are the only tools for organizing international relations? Why don’t you agree with us, you of all people? These are our lessons from the what our fathers did to yours; now that we’ve learned the lesson you’re arguing with us about them? How can that be? What’s wrong with you people?
I love it when Germans admit they can’t figure us out, and then blame us for it. Though, truth be told, the Germans are not the only folks with the arrogance of ignorance syndrome.
http://yaacovlozowick.blogspot.com/2010/12/arrogance-of-ignorance.html?showComment=1291230743743#c2088080955701269751
Es war die Nachtigall und nicht der Bibi… richtig, Olmert hat getrapst und nicht Netanyahu. Ich korrigiere meinen Freudschen nicht nachträglich, denn er zeigt, daß auch ich ungerecht urteile – über Netanyahu zB. Obwohl der arme Mann auch seine Probleme hat…
@ Silke (#13): «Vermutlich wird man sagen, sie können nich anders die Armen, es iss halt ihre Kultur.»
Nö. Denn das wäre ja eine „rassistische Argumentation“ gegenüber den Palästinensern. Aber folgende Reaktion ist typisch, und die habe ich in einigen linken Zirkeln leider auch oft gelesen: Der Einsatz von weißem Phosphor, ein Kriegsverbrechen in dem völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Palästinenser, hätte diese erst in die Lage versetzt, den Dreck quasi („Annahme verweigert“) zurückzuschicken. Nicht schön, nicht nett, aber letztlich durch die Israelis selbst verschuldet.
Du weißt doch, Schuld ist immer der… (der aus dem Holocaust nichts lernte).
Piet
bitte bitte sag, daß das nicht Dein Ernst ist, daß Du das erfunden hast.
Ich habe ein bißchen weißen Phosphor gegoogelt und habe seitdem den Verdacht, daß man das Zeugs aus Dünger in der Gartenhütte kochen kann. Du weißt doch, Dünger das Zeugs, das die Israelis den Gazanern angeblich nur so widerwillig zur Verfügung stellen.
—–
Lila
ich habe ne Schwäche für Netanyahu seit seinem gerechte Empörung Auftritt mit den Auschwitz Plänen vor der UNO im letzten Jahr. Der Mann mag nicht perfekt sein und nicht über alle wünschenswerten Talente verfügen (wer tut das schon), aber da war er ganz große einsame Spitzenklasse und ich bin immer mehr dafür, Leute für das zu loben, was sie können, als für das zu tadeln, wo sie’s nicht ganz so bringen.
Ich will´s versuchen. Er ist jahrelang von seinen Fans zum “Zauberer” hochgejubelt worden, auch aufgrund seiner guten Arbeit in der UNO, und die Erwartungen waren sehr hoch. In seiner 1. Legislaturperiode ist er dann sehr tief gefallen. Er hatte kaum ein erkennbares Profil.
Er kann sehr gut erklären und überzeugen, und er ist auch intelligent. Aber manchmal kommt ihm die Körpersprache in die Quere und vor lauter Überzeugungskraft wirkt er unecht.
Ich fand seinen Auftritt mit der kugelsicheren Weste peinlich
ist aber schon lange her. Und dann immer das amerikanische Getue mit seinem Eheweibe, der verhaßten Sarah. Ob zu Recht oder Unrecht verhaßt, weiß ich nicht.
Er macht es diesmal besser, das gebe ich zu. Ich sehe auch keinen anderen Politiker seines Formats am Horizont.
Aber sein Bruder ist mir wesentlich lieber… und Bibi steht für den Rest seines Lebens in seinem Schatten. Er ist ein Mythos. Der neue Mossad-Chef hat seinen Sohn Yoni genannt, denn er hat unter Yoni bei der Armee gedient.
Nicht einfach, der kleine Bruder eines nationalen Mythos zu sein und sich mit alltäglicher Politik die Hände schmutzig zu machen. Er hat die Neigung, unter Druck nachzugeben, und zwar nicht im positiven Sinne nachzugeben.
Nein, mir ist er zu geschmeidig. Wo sind die kantigen, grantigen Politiker?
Lila
glaubst Du im Ernst, daß heute noch ein kantiger grantiger Politiker gewählt werden könnte? Ich würde auch gern Erwachsene an der Spitze sehen, doch als wir die noch hatten, da haben wir auch gemeckert, verkalkt, unbeweglich usw. usw. Heute müssen sie sich alle auf berufsjugendlich stylen, auch nicht das Wahre. Andererseits kommt Churchill in seinem Geschreibe bei mir auch als ganz schön dauerjugendlich an …
außerdem ist es ja nicht nur sein Bruder, da ist auch noch sein Vater, der wohl DIE Autorität zu Juden in Spanien vor und während der Reconquista ist und wohl auch ne ziemlich heroische Vergangenheit hat. Daß Netanyahu überhaupt ne Frau hat, ist nie zu mir durchgedrungen, aber es gibt da diesen saublöden Starfotografen, der hat für den New Yorker Politikerfotos gemacht und dann hat der New Yorker Netanyahu neben Ahmadinematsch gepflanzt oder war’s Chavez – gruselig – und es gab ein Video, da hat Netanyahu mit diesem Eumel “geschäkert”, der hatte vorher schon mal abtörnende Fotos von Soldaten oder so gemacht. Ein paar kluge wohl richtig erwachsene Politiker haben sich dem Blödsinn verweigert, aber nicht viele.
Und dennoch der erste Teil seines UNO-Auftritts kam bei mir als echt an. Seitdem habe ich ne Schwäche für ihn, genauso wie ich mir ne Schwäche für Sharon geholt habe, als er dieses lange Interview mit MIchel Friedman hatte und plötzlich glaubhaft zu ihm sagte, daß für ihn Israel immer zuoberst stehen würde und er nie etwas tun würde, was Israel schade. Ob ihm das in Wirklichkeit gelungen ist, ist ne andere Baustelle, die wohl am besten von Leuten zu beackern ist, die hinterher immer wissen, wie’s besser gewesen wäre.
Für mich ist richtige Heimatliebe so ein unbekanntes Gefühl (ich bin ihm das erste mal bei deutsch-südamerikanischen Juden begegnet), daß wenn ich ihr bei jemandem begegne sofort voreingenommen bin.
Bei Yaacov habe ich gelernt, daß man N. wohl wegen eines Auftritts gegen Rabin grollt, kurz bevor der erschossen wurde. Kann sein, aber insgesamt bin ich froh, für jeden Israeli, der der Welt unter die Nase reibt, daß er ne Ehre hat und nich großzügig drüber hinwegsieht, wenn man ihn anpinkelt.
“Obwohl ich ehrlich sagen muß, daß ich ihn näherkommen fühle. Die globale Wut auf Israel, sorgsam seit Jahrzehnten von den Palästinensern geschürt, erreicht langsam eine solche Hitze, daß auch in Deutschland ein paar Leute auf der Straße tanzen werden, wenn es hier endlich, endlich losgeht und den bösen Juden auf die Finger geklopft wird.”
Auch wenn es viele in Deutschland nicht verstehen koennen und sogar einige Israelis sorglos vor sich hinleben, ich sehe das sehr aehnlich, auch wenn ich schon seit mehr als einem Jahr vor dem kommenden Krieg warne, aber er schleicht sich immernoch heran und kann ganz ploetzlich aus dem Gebuesch springen.
“Deutschland wird uns nicht beistehen. Die deutschen Zeitungsleser werden, wie letztes Mal, den Kopf über unsere Angriffslust schütteln, während bei uns die Raketen fallen, mit der Aufschrift made in Germany.”
Ich kann dir leider nicht gut zureden, denn ich sehe es genauso wie du. Es ist auch nicht wichtig, ob es die überwiegende Mehrheit in Dtl. mit “überwiegend mit Ressentiments gegen Juden behafteten Bevölkerung“ denken, denn es sind verdammt viele, und das reicht schon aus. Auch Umfragen bestätigen das immer wieder.
Ich befürchte, dass viele von denen nicht unbedingt Antisemiten sind, sondern es vielen in diesem Land schlicht an Empathie gegenüber Juden fehlt, was sie den Paläst gegenüber im Übermaß haben, das denken sie zumindest, denn andere Moslems, die durch Moslems sterben, interessieren die keine Bohne. Beim nächsten Mal wird es genauso sein, wie du es beschreibst. Nicht nur deshalb habe ich das Gefühl, dieses Land irgendwann verlassen zu müssen und zu wollen.
Silke, ich wollte neulich schon sagen, daß es für mich völlig okay ist, wenn Du Deinen Standards treu bist. Von meinen habe ich auch gesprochen. Im übrigen machst Du aus Deinen Loyalitäten so wenig einen Hehl wie ich aus der Unabhängigkeit, die mir wichtig ist. Ich kann mit den Unterschieden leben.
Ich habe da mal eine Frage:
Der Sechstagekrieg brach doch aus, weil die umliegenden arabischen Staaten Israel von der Landkarte wischen wollten. Daß Israel seinen Gegnern in einer Art Vorwärtsverteidigung ein wenig zuvorgekommen war, spielt keine Rolle.
Am Ende waren die Aggressoren besiegt, und Israel hatte einige arabische Gebiete besetzt. Das ist kriegsrechtskonform und nicht zu beanstanden.
Die Sowjetarmee hat ja auch Königsberg besetzt und völlig legal seinem Gebiet einverleibt, nicht zu sprechen von irgendwelchen deutschen Ostgebieten.
Das Kriegsrecht beinhaltet kein Verfallsdatum für solche eroberten Gebiete. Somit wären die im Sechstagekrieg eroberten Gebiete völlig legal Teile Israels (zumindest in meiner naiven Meinung).
Ich gebe zu, daß mich einigen Siedlern gegenüber etwas skeptisch bin, aber solange unbewohntes Gebiet besiedelt wird, ist es doch nach all dem oben gesagten nicht illegal.
zu Nr.19:
“da haben wir auch gemeckert, verkalkt, unbeweglich usw. usw. Heute müssen sie sich alle auf berufsjugendlich stylen, auch nicht das Wahre.”
Silke, wer wir ? Nach welchen Kriterien kann die Öffentlichkeit überhaupt noch entscheiden, wenn
a) die politischen, insbesondere großen Parteien zu Sachfragen immer seltener konktrete sachbezogene Positionen einnehmen,
b) Politikern willkürlich Übereinstimmungen mit politischen Konkurrenten als Einknicken verübelt wird,
c) wenn es nahezu grundsätzlich wichtiger ist wie “modisch zeitgemäß”, “zeitgeistig”, “hipp”, etc. ein Politiker auftritt, als darauf zu achten, was er vertritt und wie er es begründet,
d) beliebig vieles mehr, dass sich darauf zurückführen lässt, …
… wie uns politische Auseinandersetzungen und Konflikte durch die Medien und das ganze PR- und Marketinggetue vermittelt wird.
Um Stuttgart 21 als Beispiel aufzugreifen: welche Fehler die Projektbefürworter und die Projektgegner hinsichtlich des Timings und der Kommunikation auch immer gemacht haben, nicht einmal während der Schlichtung waren die Medien in der Lage, das Diskutierte verständlih zu vermitteln, obwohl sogar viele Fachvorträge zumindest aus meiner Sicht relativ einfach waren. Kommunikation, die Vermittlung von Nachrichteninhalten, ist die Kernaufgabe des Pressewesens, zu dem aber offenbar einem erheblichen Teil der Journalisten die bildungsmäßigen und geistigen Voraussetzungen fehlen (oder sie sie nicht zeigen wollen, warum auch immer).
Das kann nicht die Erklärung für alle Probleme in der Politik sein, aber es spielt zumindest in einer Demokratie, deren Souverän ein Volk mündiger Bürger ist, eine wesentliche Rolle.
Wenn eine Fr.v.Mittelstaedt glaubt, dass sie einfach einen Teil der Fakten, Informationen und Hintergründe weglassen kann ohne die Wahrheitstreue ihres Berichtes zu kompromittieren, dann liefert das genau den Hinweis für geistige Unfähigkeit, die ich oben angesprochen habe. Henri Nannen hin oder her.
Ich muss gestehen, dass ich mich inzwischen über die Jammerei der Medienverlage kaputtlache:
das Internet würde den Qualitätsjournalismus zerstören.
Welchen Qualitätsjournalismus, bitte ? In Wirklichkeit liefern sie schon lange nicht mehr das, was sie versprechen. Das Internet hat diese Mängel blossgelegt und die Verlage sehen ihre Felle davon schwimmen – weil sie es plötzlich mit einem zeitgemäßen demokratischen Medium zu tun bekommen, auf das sie bestenfalls in ungenügender Weise vorbereitet sind.
So etwas les’ ich kaum noch, weil sich dann in meine Deutschlandliebe ein schitzrophrener Hass mischt. Und doch kann man es den meisten Kommentatoren nicht übelnehmen, denn sie vertrauen der Integrität der sog. “Qualitätsjournalisten” – vor allem, wenn diese für den “Spiegel” schreiben oder ihre “Nachrichten” über die “Tagesschau” unters Volk bringen. Zugegeben, viele meiner Landsleute pflegen fas Bild vom bösen Judenstaat recht gern (wegen des “Schulddrucks”, sagt Broder), was auch ein Grund dafür ist, dass die Journaille das Bild so artig zeichnet – aber wo bleibt denn in Sachen Israel der krampfhafte Volkserziehungswille der Journaille, den sie so gerne beweist, wenn es darum geht, den Islam schönzumalen?
Western-Saloons hatten einen wunderbaren Service. Nein, ich meine nicht die doppelläufige Flinte mit den Schrotladungen, die der Wirt unter dem Tresen stets in Griffweite hielt, und auch nicht die gunstwilligen Damen aus dem Obergeschoss, sondern die Spucknäpfe für die Gäste.
Wenn sie das mal wären. Aber in Bezug auf Israel ist es nur eine zufällige Übereinstimmung.
Auch ich bin hin- und hergerissen.
Irrtum. Solche Sätze schreiben oder sprechen die, weil es ihnen und dem Publikum wohltut, sich vorzustellen, Israel oder seine politischen Vertreter ärgerten sich.
“Die deutschen Zeitungsleser werden, wie letztes Mal, den Kopf über unsere Angriffslust schütteln, während bei uns die Raketen fallen, mit der Aufschrift made in Germany.”
… wann sind das letzte Mal Raketen mit der Aufschrift Made in Germany in Israel gelandet ? War das nicht beim ersten Irak-Krieg, als Deutschland zur Wiedergutmachung, dass es auf das Exportgebahren bestimmter Unternehmen, Israel U-Boote bauen ließ ? Mal davon abgesehen davon, dass Waffenhandel in vielen Fällen derart obskur abläuft, dass der endgültige Empfänger schwer zu ermitteln ist. Wodurch ja auch israelische Waffen in verschiedenen Ecken der Welt angetroffn werden können.
Hinsichtlich Raketen, von denen ich weiss, dass sie in Deutschland hergestellt werden (z.B. IRIS-T), hoffe ich sehr, dass sie nur unseren engen Verbündeten zur Verfügung stehen. Von diesen sind allerhöchster Wahrscheinlichkeit nach noch nie welche nach Israel abgefeuert worden.
Was das Kopfschütteln betrifft, kann ich aus meiner Beobachtung nur berichten, dass es zu Anfang der Gaza-Aktion hier durchaus großes Verständnis für Israels Vorgehen gab. Erst als durch Verlautbarung recht unterschiedlicher Ziele der Aktion der Eindruck entstand, man hätte einfach mal drauflosgeschlagen ohne sich über die Erreichbarkeit der Ziele und des dafür erforderlichen Vorgehens hinreichend Gedanken zu machen, zugleich aber auch zunehmend die Zivilbevölkerung von Kampfhandlungen betroffen war, da erst ist die Meinung gekippt. Und zwar niht nur hier, sondern – soweit ich mich erinnern kann – auch in Israel. Ein ähnliches Bild gab die militärische Operation im Libanon ab.
Dass die Gefahr eines Krieges zur Zeit eher wächst, sehe ich leider auch so. Dass sich Europa viel zu wenig Gedanken darüber macht, sehe ich ebenfalls so. Es wird kaum öffentlich diskutiert. M.E. achtens fehlt unseren Journalisten dazu mehrheitlich das Rüstzeug in Form von Wissen und Verständnis, so dass eine öffentliche Auseinandersetzung im wesentlichen auf die Darstellung durch pazifistisch orientierte Gruppierungen und Personen beschränkt bleibt. Das Stichwort Rüstung wird in der Öffentlichkeit gerne nur in Zusammenhang mit Nuklearrüstung wirklich ernst genommen. Das auch konventionelle Rüstung eine Lage verschärfen kann, vielleicht sogar mehr als die nukleare, wird dabei gerne etwas vernachlässigt oder verdrängt.
Auch Israel rüstet auf. Zudem, dass es ohnehin eine der stärksten, wenn nicht DIE stärkste Streitmacht in der Region unterhält. Aus guten Gründen, aber auch mit entsprechend bedrohlicher Wirkung auf seine Nachbarn. Auch das trägt insbesondere bei den weniger stabilen unter ihnen neben den Bestrebungen des Iran, in der Region eine stärkere Rolle zu spielen, dazu bei, Probleme und weitere Ängste zu schüren. Es sieht nach einem Teufelskreis aus, der hier in Gang gekommen ist oder sich schneller dreht. Mehr oder bessere Waffen, egal auf welcher Seite, werden diese Entwicklung m.E. kaum bremsen können. Man wird sich vertrauensbildende und Sicherheit gewährleistende Massnahmen ausdenken müssen, die die Option einer militärischen Auseinandersetzung für alle Seiten möglichst unattraktiv erscheinen lässt.
Es sieht so aus, wie wenn mehrere Nachbarn ihre Häuser auf wenigen senkrecht stehenden Balken aus Holz oder Stahl errichtet hätten. Um ihre Balken vor Sabotage durch die Nachbarn zu schützen, werden auf die Balken immer mehr Stockwerke getürmt, um beobachten zu können, was der missgünstige Nachbar treibt. Das geht so lange gut, bis alle eine Höhe erreicht haben, bei der die Wahrscheinlichkeit, dass die Balken brechen sehr hoch und zugleich die Wahrscheinlichkeit, das ein einstürzendes Haus auch ein Nachbarhaus in die Tiefe reisst, ebenfalls sehr hoch ist. Dies Situation scheint hinsichtlich des Misstauens und der Aufrüstung manche Ähnlichkeiten mit der Situation Europas vor dem ersten Weltkrieg zu haben, allerdings unter völlig anderen Rahmenbedingungen.
“Die deutschen Zeitungsleser werden, wie letztes Mal, den Kopf über unsere Angriffslust schütteln, während bei uns die Raketen fallen, mit der Aufschrift made in Germany.“
Die Köpfe haben sie letztes Mal geschüttelt, und ich werde die Mengen von Gift und Galle nie vergessen, die mir auch Leser hier im Blog entgegenspien, während ich nicht wußte, wo ich mit den Kindern hin soll, wenn der Alarm bei uns losgeht.
Und nächstes Mal werden die Raketen aus dem Iran die Aufschrift made in Germany tragen.
Jetzt klar? Ich hätte DIESMAL dazu schreiben sollen. Das wieder mal bezog sich auf das Kopfschütteln.
Zum Thema betroffene Zivilbevölkerung: da niemand die Hisbollah und die Hamas daran hindert, sich weiter hinter der Bevölkerung zu verschanzen, werden wir nächstes Mal in genau dasselbe Dilemma schlittern. Nächstes Mal wird aber auch bei uns die Zivilbevölkerung wesentlich stärker betroffen sein, obwohl Zahal, im Gegensatz zu den Obengenannten, Zivilisten schützen will. Das wird in der nächsten Runde nicht möglich sein.
Ich werde versuchen, Quarta zu meiner Mutter zu schicken. Hoffentlich wird nicht auch Tertia schon bei der Armee sein, so daß ich auch sie wegschicken kann. Mein Albtraum ist ein Kriegsausbruch, wenn ich drei Kinder in der Armee habe. Zwei werden es auf jeden Fall sein, wenn der Krieg vor 2014 ausbricht.
Hoffen wir, daß es gutgeht.
Übrigens hat sich hinterher herausgestellt (was natürlich in deutschen Medien ebenfalls nur mit der Lupe zu entdecken war), daß der Anteil der Hamas-Kämpfer bei den Toten doch hoch war. So zynisch und gemein es ist, Opferzahlen zu vergleichen – aber im Vergleich mit den edlen Kämpen in Afghanistan liegt Zahal noch gut im Rennen. Die Söhne bestätigen mir, daß in der Ausbildung höchstes Gewicht auf die Schonung von Zivilisten gelegt wird, und selbstverständlich sind sie darauf vorbereitet, auch durch ihren Schwur, auch verletzten Palästinensern sofort Hilfe zu leisten. Wie ja auch geschehen ist.
Während die Hamas eben ihre Kämpfer als Kinder oder Zivilisten veröffentlicht hat. Eine Lüge, die alle glatt geschluckt haben, und die erst hinterher durch genauen Vergleich der Verlustlisten ans Licht gekommen ist. Daß das bei Euch keine Schlagzeilen gemacht hat… Ich möchte eine Armee sehen, die unter ähnlich vertrackten Umständen die Zahl der zivilen Opfer so niedrig hält. Wie gesagt, jeder tote Zivilist ist einer zuviel. Ich erinnere daran, daß auch friendly fire vorgekommen ist. Im Krieg passieren Fehler. Darum muß man ihn vermeiden.
Daß in Deutschland niemand unser Bemühen differenziert zu beurteilen imstande ist und uns trotzdem das Image vom Berserker anhängt, damit werden wir wohl leben müssen…
Mibu, ich erlaube mir, Deinen Text durch Absätze etwas lesbarer zu machen.
mibu – 25
was Qualitätsjournalismus anlangt:
als ich privat ins Netz ging (irgendwann 2000) führte mich der Perlentaucher schnurstracks zum The Atlantic und ich entdeckte die Wunder des LongJournalism. Mein Abo vom Atlantic habe ich mittlerweile gekündigt und was bei Long Form und Longreads an Neuem reinkommt, reißt mich auch nicht vom Hocker. Nicht zuletzt scheint es daran zu liegen, daß die Häuser die Kosten (Reise und Gehalt) für diese Art Berichte nicht mehr aufbringen können. OK Michael Lewis war in Griechenland und hat diese heiße Anekdote vom Berg Athos mitgebracht, aber selbst dem scheinen sie keine ausreichend lange Reise bewilligt zu haben, so daß das Stück irgendwie gestoppelt wirkt.
Meine letzte interessante Nachricht zu nem Trend in der Nachrichtenbranche ist, daß in den USA wohl 3 große Medienhäuser überleben werden und sich eine journalistische Klassengesellschaft entwickeln wird. Einerseits Abonnenten von High-Class-Zeugs, das bis zu 5.700 $ pro Jahr kostet und auf der anderen Seite Blogger, die selbst wenn sie derartig hoch rangieren wie mein geschätzter Elder of Ziyon nahe Null Einkommen erzielen. Diese Entwicklung scheint Deutschland bisher sanfter getroffen zu haben oder deutsche Journalisten schreiben nicht so offen über ihre veränderten Arbeitsbedingungen.
Nebenbei auch Book Tours scheinen seltener geworden zu sein …
Übrigens habe ich meinem Englisch mit der gleichen Methode lang lang lang vor Erfindung des Kassettenrecorders mit Hilfe einer einzigen Single The Platters’ Only You/The Great Pretender auf die Sprünge geholfen (Schreibblock und Wörterbuch so lange bis ichs hatte). Der Rest kam vom AFN und später nachdem Französisch trotz Paris mich kalt gelassen hatte, von nem Band amerikanischer Short Stories
Silke, also wenn Du mal Deine Autobiographie schreibst – ich lese sie bestimmt!
Lila – 30
ich werde keine Memoiren schreiben, Fortlaufendes, Kohärentes (bedeutet das auf Deutsch das Gleiche?) läßt mich leider viel zu schnell in nem Horrortrip versinken. Du wirst also weiter von meiner Häppchenkost geplagt werden, es sei denn Du verbannst mich.
(Paris war ein Horrortrip, da saß Abend für Abend ein fetter deutscher Nazi an der Hotelbar, der meinte, da er ein Freund von meinem Boss, noch nem Nazi, sei und mir im von pieds noirs überfüllten Paris ein Hotelzimmer verschafft hatte, könne er gewisse Gegenleistungen erwarten. Für ne gerade 20-jährige und damals noch ziemlich liebe eine arge Herausforderung. Am Ende hatte ich aber gelernt, wie frau unmißverständlich NEIN sagt i.e. ohne entschuldigendes Lächeln und dennoch seine Beziehungen zur Patronne so weit ausgebeutet, daß ich ein Zimmer kriegte, indem ich nicht erst den Stuhl aufs Bett stellen mußte, wenn ich zur Tür rauswollte. In dem kleinen Kabuff hat er mich übrigens mal überfallen und ich lag platt auf’m Bett mit der Kugel auf mir. Zum Glück war’s ne hellhörige Bude, so daß die Drohung zu schreien, wirksam war. 1962 war aber in Paris donnerstags und sonntags Eintritt in die Museen kostenlos und ich war in jeder Mittagspause im Jeu de Paume, damals Heimstätte der Impressionisten, und ließ mich von Monet trösten.)
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Yaacov Lozowick und andere hatten vor kurzem ne Untersuchung gepostet, daß die IDF in der Ratio von Kämpfern zu Zivilisten weltweit einsame unerreichte Spitze ist, erwähnen das die über Israel “ausgewogen” berichtenden MSM irgendwann einmal, wenigstens in nem halben Nebensätzchen? (wer in nem Krieg auf’m Zaun sitzen bleibt, gibt den bad guys Spielraum, also kann er/sie sich auch genauso gut für eine Seite entscheiden und sich damit als nicht risikoscheu entlarven)
Was Kinder in Gaza anlangt, so bleiben die Gaza-Kinder lt. nem Slate Explainer bis zum Alter von 18 während international rund um 15 diskutiert wird, wann das Alter ist, wann ein Kindersoldat aufhört, ein Kind zu sein. Aber natürlich kann für einen Araber nicht diskutiert werden, was für einen Afrikaner selbstverständlich ist oder bin ich da etwas harsch?
Mark A. Drumbl heißt der Mann, den ich mal zu der Debatte gehört habe.
Seitdem verlange ich von jedem, der “Kinder” im Zusammenhang mit kriegerischen Handlungen erwähnt, er möge Kinder definieren, hat noch keiner getan. Insgesamt habe ich den Eingriff, daß von Israelis getroffene Kinder ihren Kinderstatus ziemlich lange behalten.
Yaacov Lozowick hat einen neuen Must Read u.a. zu “Collateral Damage”.
http://yaacovlozowick.blogspot.com/2010/12/terrorism-glenn-greenwald-vs-michael.html
und ich habe im Comment Thread Links zu ner Lecture von Michael Walzer gepostet.
“Dumping” schöner Ausdruck, mir bisher bekannt als blog whoring.
Hnryk M. Broder
Jetzt passen die Kinder der Täter auf, dass die Kinder der Opfer nicht rückfällig werden.
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/menage_a_trois/
ich habe übrigens Streit mit Broder, aber wenn er über Judenhass schreibt, bin und bleibe ich ein Fan.
Daphne Anson hat übrigens einen nicht im Netz verfügbaren Text von Broder von 1981 ausgegraben – sehr empfehlenswert
daphneanson.blogspot.com/2010/11/sounds-familiar-on-hypocrisy-ignorance.html
Ja, aber wo wäre die schöne, tröstliche gerechte Empörung über Israel, das in einem aufgezwungenen Krieg Zivilisten effektiver schont als die Briten, Amerikaner und Deutschen selbst in einem Krieg, den sie auch hätten sein lassen können?
(Oder wann ist in Deutschland das letzte Mal eine afghanische Rakete niedergegangen?)
Es ist hoffnungslos. Die Horrorstories bleiben im Gedächtnis haften, Richtigstellungen werden unterschlagen. Im Privatleben nennt man sowas Rufmord. Die Frage cui bono…? drängt sich förmlich auf.
Gegossenes Blei war, bis auf wenige unrühmliche Ausnahmen, eine exzellente Operation der Armee und zeigt, dass die IDF in puncto Fähigkeit und Professionalität vielleicht die beste Armee der Welt ist. (Die im Einsatz steht)
Dass der Feind danach auch noch durchgefüttert wird ist wohl einmalig in der Geschichte, obwohl er sich weder ergeben hat noch seine Niederlage eingesteht.
Cui Bono …
tja, manchmal wenn ich welche zu Provenienzfragen von Gemälden etc. rumsülzen höre, frage ich mich schon, ob die, wäre das Großklima anders, sich nicht doch etwas anders ausdrücken würden.
Stell Dir doch vor, da haben vor ein paar Jahren irgendwelche Erben unser öffentliches Museumswesen um ein Kulturgut (Ernst Ludwig Kirchner) gebracht, um es bei Sotheby’s zu verscherbeln, wo es möglicherweise in die Hände irgendwelcher Privatpersonen gelangt und diese unsozial denkenden Erben haben natürlich Kohle dafür eingestrichen.
Gern gebraucht wird auch das SammlungsBeschädigungsArgument – kann sein daß es gültig ist, aber es wird auch dazu benutzt, ganz erheblichen moralischen Druck auszuüben, damit sich die Erben mit weniger Kohle als auf’m freien Markt zufrieden geben.
An einen Fall, wo ein Erbe beabsichtigt, sich das strittige Teil ganz privat in die eigene Hütte zu hängen, kann ich mich nicht erinnern, es könnte aber reizvoll sein, sich die Argumente dagegen auszumalen.
Nicht nur nach Israel, ich erinnere daran, dass im Irak gegen die Kurden und auch gegen den Iran Giftgas eingesetzt wurde, an dessen Entwicklung und Produktion deutsche Unternehmen beteiligt waren und das nicht im geringen Ausmaß und das dadurch mehrere Tausend Menschen starben.
Und Sadam drohte, dass die Raketen, die nach Israel vom Irak abgefeuert wurden mit Giftgas bestückt sein würden.
http://www.nahost-politik.de/irak/giftgas.htm
Die Ängste der Israelis höre ich heute noch, gerade Gas aus Deutschland erweckt Assoziationen, die auch heute noch jedem Deutschen und vor allem die sog. Israelkritiker die Schamröte ins Gesicht treiben müssen.
Und wie es sieht es heute mit der Allianz deutscher Waffenfirmen mit dem Iran aus:
Wolfgang Schmitz,
Zollkriminalamt:
„Wir stellen hier seit einiger Zeit auch fest, dass der Iran offensichtlich versucht, für ein
Drohnenprogramm Motoren zu beschaffen. Da gibt es Beschaffungsbemühungen bei
mehreren Herstellern. Es gibt auch einige Ermittlungsverfahren, die wir im Auftrag der
Staatsanwaltschaft oder auch des Generalbundesanwalts führen.“
Im Fokus der Ermittlungen steht ein Flugmotorenbauer bei Bonn. Er soll Motoren für
iranische Kriegsdrohnen geliefert haben. Gegen ihn ermittelt die Bundesanwaltschaft.
Auf seiner Webseite bewirbt der Hersteller die Motoren als „intelligente Kraftpakete“, die
sich auch trefflich für den Einbau in unbemannte Flugzeuge eignen.
http://daserste.ndr.de/panorama/pdfiran106.pdf
Daher hat Lila recht, wenn sie sagt, dass aus dem Iran militärische Angriffe kommen werden, in denen deutsche Waffenfirmen ihre dreckigen Hände im Spiel haben.
“Mibu, ich erlaube mir, Deinen Text durch Absätze etwas lesbarer zu machen.”
Vielen Dank ! Ich bemühe mich zwar darum, mit einfachen Zeilenenden neue Absätze anzufangen, kann aber nicht erkennen, wie das schliesslich aussieht. Ich sollte wohl doppelte Zeilenenden einfügen.
Hier geht es zwar hauptsächlich um den Islam, aber in Sachen Antisemitismus sind erreichen wir Spitzenwerte in Europa. Noch Fragen?
Gegenüber Hinduisten, Buddhisten und Juden hat die Mehrheit eine zwar eine positive Haltung, ablehnende Haltungen sind aber in Deutschland deutlich verbreiteter als in den anderen Ländern. Knapp 30 Prozent der Deutschen erklärten, Juden gegenüber negativ eingestellt zu sein. In den Niederlanden liegt der Vergleichswert bei 10,1, in Dänemark bei 12,2, in Portugal bei 20,9 und in Frankreich bei 20,8
http://www.welt.de/politik/deutschland/article11347194/Deutsche-sind-intolerant-gegen-Muslime-und-Juden.html
“Und nächstes Mal werden die Raketen aus dem Iran die Aufschrift made in Germany tragen.”
Lila, das Made in Germany wäre nicht einmal bei Saddams Raketen gerechtfertigt. Da bin und bleibe ich pingelig: es sind Teile und offenbar auch einiges Knowhow dazu geliefert worden.
Hier muss man auch einmal den Spiegel loben, der einen Bericht über Eine fast deutsche Rakete aus 1991 online verfügbar hält. Soweit ich weiss sind aus der Sache Konsequenzen gezogen worden. Aber ich weiss auch, wie schwer solche Dinge zu kontrollieren sind. Es ist ein brandheisses Thema, auch heute noch. Und es ist ein Thema, bei dem kein einziges Land mit entsprechendem technologischem Niveau sicher sein kann, dass nicht doch das ein oder andere Teil bei einem unerwünschten Empfänger landet (was man bei der damaligen Geschichte nur mit Einschränkungen sagen kann; man darf nicht vergessen, dass der Westen zuvor einiges dafür tat, zu verhindern, dass der Irak den iranischen Streitkräften unterlag).
Aber der oben implizierte Vorwurf, Deutschland hätte keinerlei Skrupel, potentielle militärischen Gegner Israels mit beliebigen Technologien zu versorgen, halte ich für wild überzogen.
Zu oben gesagtem ist übigens auch zu anzumerken, dass auch Israel aus Intransparenz und schwieriger Überwachbarkeit von Rüstungsexporten Nutzen gezogen hat, womöglich sogar weitaus mehr als dessen Gegner.
Nu, da erdreist sich einer von den Kommentatoren den um sich immer stärker greifenden Antisemitismus unter den Detuschen in Frage zu stellen? Ich lebe hier seit 22 Jahren und seit 22 Jahren spüre ich förmlich die immer stärker werdende Antipathie gegen den Juden und Israel. Nach 22 Jahren habe ich feststellen müssen, dass die Deutschen mehrheitlich ein ziemlich beklopptes und bescheuertes Volk sind. Das einzige Grund, dass ich in Deutschland noch lebe ist meine deutsche Frau, die ihrer Familie wegen nicht wegziehen will. Sonst würde ich kein einziger Tag länger in Deutschland bleiben. Nun aber ist mir meine Frau wichtiger als mein Wohlbefinden in dem antisemitischen deutschen Umfeld. Und mein Konzertflügel. Wohin damit? Wo kriege ich eine so größe Wohnung? Für den Ernstfall habe ich immerhin noch zwei Pässe parat. Und ich kann hoffen, dass ich sie nicht zu brauchen muss. Ich habe mir für Deutschland eine überlebens Strategie aufgebaut. Ich habe alle Menschen, die jeweils ein antisemitisches Gedankengut (aus Dummheit oder aus aus der Überzeugung) geäußert haben, aus meinen Bekanntenkreis ausgeschlossen (mein Schwager war auch dabei). Somit muss ich von Idioten nicht mehr überrascht werden. Zugegeben ist mein Umfled auf weniger Personen geschrumpft worden, aber dank der Skype befinde ich mich nicht in einer sozialen Isolation. Nur die Menschen “da draußen” interessieren mich kaum. Und beruflich habe ich mit denen – dank Internet – nicht mehr zu tun. Ich will von Detuschland nichts mehr, und ich will nicht dass die Deutschen was von mir wollen. Ich habe nur noch fiskalische Beziehung mit Deutschland. Der Steuer muss ich leider hier entrichten. Es ist mir allerdings schlecht, wenn ich denke, wass man mit meinem Geld veranstaltet.
Wenn 7 von 10 Deutschen mehr oder weniger antisemitisch sind, dann was kann ich mit denen noch anfangen?
Und das der Antisemitismus aus Deutschland nicht wegzudenken ist, bestätigt diese Untersuchung:
http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/antisemitismus_in_deutschland.pdf
“Die Köpfe haben sie letztes Mal geschüttelt, und ich werde die Mengen von Gift und Galle nie vergessen, die mir auch Leser hier im Blog entgegenspien, während ich nicht wußte, wo ich mit den Kindern hin soll, wenn der Alarm bei uns losgeht.”
Lila, ich hoffe inständig, dass Du nie wieder in eine solche oder ähnliche Situation kommst. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es viele Menschen hier in Deutschland gibt, mit denen ich die Hoffnung teile, dass Israel in Zukunft sicherer bestehen und sich entwickeln kann.
Ich kenne aber auch aus eigenen Diskussionen mit rechten Säcken und linken Pseudopazifisten das Gefühl im falschen Film gelandet zu sein. Auch das Gefühl, warum halten immer die das Maul, die sich vernünftigere Gedanken dazu machen. Und ich fürchte, dass das noch um einiges schlimmer wird, wenn man sich solche Mühe mit einem guten Blog macht, wie Du es tust, und dann das ganze high-speed-internet dir den ganzen Dreck solcher verspulten Egomanen in die Speicher spült. Neoteutonen und Postrevolutionäre, Betroffenheitsromantiker und ultracoole iKnow-Yuppies, … eine Menagerie, die schon beim Revue-passieren-lassen nahezu alles von Geisterbahn bis Splatter-Horrorthriller lockerlässig schlägt, fühlt sich dann regelmässig dazu bemüssigt, die Welt an ihrer Weisheit, Weltsicht und transzendenten Wahrnehmungen teilhaben zu lassen.
Ein anderes Phänomen, fällt mir übrigens ebenso häufig auf: der Drang, auch in Dingen Partei zu ergreifen, mit denen man sich eigentlich gar nicht wirklich auseinadnergesetzt geschweige denn hinreichend gründlich informiert hat. Als ob dies grundsätzlich erforderlich wäre. Und natürlich in der Folge bei widersprechender Sachlage die eigene Meinung zu hinterfragen und zu überdenken. Von da weg neigen Diskussionen gern ins quasi-religiöse: wie können Sie es wagen, meine Dogmen in Frage zustellen, selbst wenn ich sie mir erst vor fünf Minuten ausgedacht habe (naja, da war doch irgendwo auch meine Nase, gelegentlich, ganz ganz selten, …
).
Es ist enttäuschend, dass es in unserem Land kein besser erkennbares wohlwollendes Interesse an Israel gibt. Aber das Problem besteht z.T. sogar bei Interessengebieten, von denen viele Menschen erheblich unmittelbarer betroffen sind.
Zitat Joram:
„Nach 22 Jahren habe ich feststellen müssen, dass die Deutschen mehrheitlich ein ziemlich beklopptes und bescheuertes Volk sind.“
Unterschreib’ ich sofort. „… und versoffenes Volk sind.“, sollte man auch noch anführen. Das muß ein Grund haben … vielleicht mangelnde Kreativität … wird offensichtlich kaschiert mit Primitivität! Und das ’ne Leistung (für viele). Tja …
Zitat Joram:
„Wenn 7 von 10 Deutschen mehr oder weniger antisemitisch sind, dann was kann ich mit denen noch anfangen?“
Joram,
ich würde es anders, weniger „schrecklich“ formulieren: 7 von 10 Deutschen sind generell gegen alles, vor allen Dingen gegen jegliche Veränderung (obwohl das die einzig wirkliche Konstante ist).
Das relativiert schon mal ein wenig, man kann’s dann weniger persönlich nehmen.
“Nach 22 Jahren habe ich feststellen müssen, dass die Deutschen mehrheitlich ein ziemlich beklopptes und bescheuertes Volk sind.” … oh je, welches Volk ist das nicht (bei Anwendung entsprechender Massstäbe).
Und das auf die Befragung von 3000 Personen eines 80 mio.Volks (0,038 Promille !!! Sowas können wirklich nur Sozialwissenschaftler und BWLer ernst nehmen. Vernünftige Wissenschaftler und Ingenieure würden das als Philosophieren übers weisse Rauschen bezeichnen.), wobei noch nicht einmal klar ist, was diese Heinis unter repräsentativ verstehen. Repräsentativ in welcher Hinsicht ? Für welche Region ? Für welches Alter ?
Sorry, wegen so einem Schmarr’n sich sozial zu isolieren und abzuschotten … ich glaube nicht, Joram, dass Du Dir damit einen Gefallen tust.
Ich denke nicht, dass die Deutschen in der Mehrheit ein beklopptes oder bescheuertes Volk sind. Okay, Deutsche jammern sehr gern und spielen gern den Moralapostel, aber Bekloppte gibt es nun überall.
Antisemitisch sind sicher sehr viele, wie der Artikel in der Welt schon schrieb, sind wir darin Spitzenreiter in Europa.
Nicht nur in der Welt oder im Forum des Spiegels spiegeln sich solche Idioten wieder, sondern z.B. auch eines, welches nur über antisemitische und rechtsextreme Straftaten in Deutschland berichtet. Dort liest man unter anderem solche Sätze:
“Juden nehmen sich sehr viel raus ,vor allem in Deutschland . Immer Mitleid erzeugen . Wofür das alles ?
Um die Weltherrschaft zu erlangen.
Unter Menschen stelle ich mir etwas anderes vor !
Wenn Hitler sauber gearbeitet hätte,hätten wir nicht so viel Unrecht im Nahen Osten und anderswo.
Hinzu kommt das Gefühl vor allem bei der deutschen jugend,,daß wir jetzt von Juden abgezockt werden,die alle nach 1945 geboren wurden und mit dem dritten Reich überhaupt nichts zu tun hatten!
Schon in den heiligen Schriften steht: Wer Haß sät wird Haß ernten. Zur Zeit säen die Israelis nur Haß…was sollten sie also ernten?”
Und weiter:
“Ich persöhnlich gebe
den Richtigen Deutschen den vorrang sich schützend vor
Deutschland zu stellen.Juden allsamt nach Israel
In diesem Fall habe ich die Frage gestellt wie es sein kann das aus Deutscher Hand angeblich 6 Millionen Juden ermordet wurden wir aber heute nicht einmal in der Lage sind nur allein Berlin von den ausländischen kriminellen Völkermassen zu säubern ganz zu schweigen vom ganzen Land.
Es gibt doch gegen jedes lästige Mittel eine Lösung.
Wir sollten die Lösung mal wieder selbst in die Hand nehmen.Unsere Marionettenregierung ist einfach unfähig das geldgierige Pack im Zaum zu halten
Ich könnte mir gut vorstellen das viele Juden über das was damals geschehen sein soll gar nicht mal traurig sind,denn wenn es nicht passiert wäre dann müßten Sie selber für ihren Unterhalt sorgen und nicht wir Deutschen. Es liegt bei uns ob wir mit diesem Schult-kult wahn entlich Schluß machen oder noch 100 Jahre weiter zahlen denn bald ist Wahltag.”
Tut mir leid, wenn jemanden schlecht wird, aber dem müssen wir uns leider endlich ernsthafter stellen.
yael1, diese Zitate sind abscheulich und ich kann dir versichern, dass ich aus meinem ganzen Bekanntenkreis niemanden kenne, dem dabei nicht spätestens dann der Kragen platzen würde, wenn auch nur zwei dieser Zitate geäussert würden.
Ich kenne Leute aus Bayern, Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz. Habe dort zeitweise gearbeitet. Mit solchem Stuss ist man dort ziemlich schnell unten durch, zumeist irreparabel. Das heisst nicht, dass es hier nicht auch Rechtsextreme gibt. Aber die kommen hier nicht weit. Und das sollte man hier sehr ernst nehmen. Zum Beispiel in meiner Heimat Oberschwaben sind solche Äusserungen ein ziemlich sicheres Mittel, sich gesellschaftlich abzuschiessen.
Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass das z.B. in Berlin anders ist. Falls doch, würden mich Gründe dafür interessieren.
völlig off-topic, nur zur Info: Afghanistan
Ich habe da einen Verdacht: CDU und FDP haben sich in besonderer Weise über das Ende des kalten Krieges gefreut und die sogenannte Friedensdividende im wesentlich als Steuergeschenke an die Wirtschaft und an Selbständige ausgeschüttet. So würde man gerne weitermachen. Darum die Bundeswehrreform.
Lila, ich habe gerade Deinen Blog gefunden und lese gerade diese Kommentare. Bitte sei versichert, dass auch in Deutschland viele Menschen mit Hochachtung auf Israel blicken, der einzigen Demokratie im Nahen Osten, und die es durchaus schaffen, sich trotz aller verfälschenden Tendenzen der hiesigen gedruckten Medienmeinungen ein Bild Israels als ein Land, das sich allen humanistischen Grundwerten verpflichtet fühlt, machen zu können!
[...] Sicht- und Wahrnehmungsweisen zwischen Israelis und unserer Qualitätsjournaille beschreibt Lila anhand der WikiLeaks-Dokumente und Politiker. Außerdem hatte sie ein Erlebnis, wie Araber und [...]
Mibu, sollte Kommentare sagen die meisten nicht öffentlich, sondern das passiert vorwiegend im vermeindlich anonymen Internet. Ich kenne solche Leute auch nicht privat, weil es im meinem unmittelbaren Umfeld so jemanden nicht gibt, und wenn wäre der bei mir schneller vor der Tür als er denken kann. Ich denke nur, solche Stimmen nehmen immer mehr zu (nicht nur in hier, sondern auch in Österreich), denn sie trauen es sich heute mehr, früher wurden solche Dinge ohne Namensangabe gesagt, heute scheuen sie sich nicht, ihren vollen Namen anzugeben. Das kann aber nur daher kommen, dass diese Meinungen weiter verbreitet sind als früher und sich diese Gesocks sich dadurch immer mehr traut damit in die Öffentlichkeit zu gehen. Dazu trägt sich auch die Gleichgültigkeit der breiten Masse bei. Die meisten wollen einfach ihre Ruhe und keine Auseinandersetzungen. Die Bequemlichkeit und Ignoranz sind wohl das größe Problem, was wir hier haben. Ich sehe nicht, dass sich das mal ändert.