jump to navigation

Wetterklage (täglich neu!) November 30, 2010, 7:35

Posted by Lila in Land und Leute.
trackback

Auch heute mußte ich den Garten wässern. Die Bäumchen sehen armselig aus – ich weiß nicht, ob es der Wassermangel ist oder doch eine Art Herbstgefühl, daß die Blättchen alle abgefallen sind. Der Ostwind will nicht weichen. Nachts ist es kühl, wenigstens das!, aber morgens erwärmt sich die Luft sehr schnell. Der Himmel ist stumpf und staubig, über dem Meer liegen dicke Schleier von Staub, gelb-grau und in Streifen.

Die Trockenheit ist nicht leichter zu ertragen, wenn sie Wochen anhält und man sich eigentlich daran gewöhnen sollte. Man mag sich kaum in den Arm nehmen – jede Berührung wird von Knistern und kleinen elektrischen Schlägen begleitet. Wenn Quarta ihr Haar bürstet, steht es wie ein Heiligenschein um ihren Kopf.  Bevor ich den Kühlschrank anfasse, wische ich mir mit einem nassen Lappen über die Finger – sonst kriege ich ganz fiese Schläge. Ich habe diesen Lappen immer bereit. Meine Wäsche trocknet so schnell, daß sie bretthart wird.

Ich habe es so satt, so satt. Europa ertrinkt im Schnee, wir sehen den See Genezareth beängstigend schrumpfen. Wir sparen Wasser. Auch am Garten knapse ich – wir werden keinen Rasen säen, weil Rasen ein furchtbarer Wasserfresser ist. Jeden Monat, wenn die Wasserrechnung kommt, sind wir zufrieden, überlegen aber, wo wir noch weiter sparen können.  Niemand von uns würde sich spaßeshalber länger unter die Dusche stellen als notwendig. Baden tun wir gar nicht.

Wir warten auf den Regen. Überall sprechen die Menschen von der Trockenheit, der Wasserkrise. Und nicht aus Höflichkeit oder Mangel an anderen Themen – sondern weil wir besorgt bis zur Hysterie sind. Im Fernsehen laufen Mahnungen, noch mehr Wasser zu sparen – Israels bekannteste Schauspieler und Sänger (und Bar Rafaeli!) flehen uns an, den Kinneret zu retten. Israel trocknet aus. Und wir spüren es körperlich.

Kommentare

1. mibu - November 30, 2010, 9:02

Lila, heute morgen haben die ersten im Radio von Temperaturen um die -15 bis -18 Grad Celsius auf der schwäbischen Alb und in der Baar (bei Donaueschingen) berichtet. Die Wetterlage ist so, dass sich die tiefen Minustemperaturen halten bzw. weiter fallen könnten. Nur bedingt lustig.

Es ist mir ein bisschen rätselhaft wie sie darauf kommen, aber Meteorologen haben uns einen ziemlich eisigen Winter vorausgesagt.

2. mibu - November 30, 2010, 9:11

Die Wassersituation scheint allerdings tatsächlich recht dramatisch zu sein. In der ganzen Region regnet es viel zu wenig. Ich hoffe und wünsche euch, dass es ihr bald eine brauchbare Regenperiode bekommt, in der sich die Reserven vernünftig auffüllen.

3. Silke - November 30, 2010, 12:12

hier hat einer die Wasserverbrauchszahlen in der Region mal nachgerechnet und das Ergebnis straft den Eindruck, den mir Deutschlandradio vermittelt, derartig Lügen, daß mir sonstwas hochgeht.

runterscrollen bis

Die Agenda der „Israelkritiker“ (II): Amnesty und die „Troubled Waters“
und lesen und staunen
http://germanmediawatch.posterous.com/die-agenda-der-israelkritiker-von-alex-feuerh

Das hier nur zur Appetitanregung:
Aber das ist nicht die einzige Ungereimtheit in „Troubled Waters“. Vielmehr ist fraglich, woher Amnesty überhaupt die Verbrauchszahlen hat – eine Quelle für sie wird im Bericht nämlich nicht genannt. Andere Statistiken kommen zu wesentlich weniger alarmierenden Ergebnissen, beispielsweise eine Erhebung des in Ramallah ansässigen Palestinian Central Bureau of Statistics (PCBS). Demnach verbrauchte im Jahr 2007 jeder Bewohner in den palästinensischen Gebieten durchschnittlich rund 136 Liter Wasser pro Tag – also fast doppelt so viel wie von Amnesty angegeben und immer noch deutlich mehr als die von der WHO empfohlene Mindestmenge von 100 Litern. Gar 287 Liter pro Kopf und Tag hat die staatliche israelische Wasserbehörde errechnet.[1]

4. Wolfram - November 30, 2010, 13:12

Ist Elia wiedergekommen?

5. Malte S. Sembten - November 30, 2010, 17:44

3. Silke – November 30, 2010, 12:12

Das kenne ich aus einem Vortrag von Alex Feuerherdt in FFM. Feuerherdt ist sehr kompetent und schreibt u. a. in linken Organen wie “Konkret” oder “Jungleworld” pro Israel.

Die deutschen Medien (Presse, Rundfunk, Fernsehen: einfach alle – und je staatsnäher, desto schlimmer) wollen Israel totlügen.

In meinem Umfeld halten alle Spiegel-Leser, hr3-Hörer und Fernsehgucker Israel für einen Staat, dem mal ganz gewaltig auf die perfiden Finger geklopft gehört. Und wenn man mit “Internetwissen” dagegen hält, erntet man nur Hohn & Spott, denn im Gegensatz Spiegel und Staatsfunk ist das Internet natürlich ein Tummelplatz der Dilettanten und völlig unseriös. Ich meine: das über Israel stand im SPIEGEL, kam in der TAGESSCHAU! Unmöglich, das anzuzweifeln!

Lilas Satz

Israel trocknet aus

abends in der Tagesschau vorgetragen, würde dazu führen, dass in jener Nacht in Deutschland keine Kinder gezeugt würden. Weil die vielen Orgasmen vor dem TV-Gerät die Menschen sexuell erschöpft hätten.

6. Marlin - November 30, 2010, 18:28

Arme Lila. Ich habs aber auch nicht einfach hier. :D

Ist echt schon saukalt, wie mibu schreibt und wird noch schlimmer.

Dabei heißt es doch: “Klimaerwärmung!”

Aber klar, die ganze schöne Wärme reißt sich Israel unter den Nagel..
;)

Aber ernsthaft, es ist eindeutig zu kalt hier oben. Würde euch gern was abgeben. Austausch sozusagen.

7. Silke - November 30, 2010, 19:14

Malte
Alex hat mir den Link geschickt, ich kenne ihn allerdings nur virtuell – so einer wie er fällt aber einer wie mir ganz schnell und ganz besonders angenehm auf.

das mit den Orgasmen ist köstlich, in Gegenwart von Damen sollte man aber lieber “innerer Reichsparteitag” sagen ;-)
ist auch irgendwie mehr gender-neutral und wir wollen doch hoffen, daß die lieben Mädels da ganz und gar nicht unter der sonst so lautstark beklagten Frigidität leiden.

auf weniger zivilisierten Blogs frage ich gern schon mal, ob Rechts- oder Links- oder gar Beidhänder, womit wieder einmal bewiesen wäre “great minds think alike” ;-)

8. grenzgaenge - November 30, 2010, 19:53

@Lila: Das ist wirklich heftig. Ob das Wetter in Israel doch etwas mit dem Klimawandel zu tun hat ? Jedenfalls kenne ich den See Genezareth noch als grosses Gewässer auf dem schön mit dem Boot fahren kann. Ich erinnere mich auch an den ungeniessbaren (!) Fisch den es in Tiberias zu essen gibt.
In der Schul beten wir seit einiger Zeit um Regen für Israel. Es ist schon grotesk in einer Synagoge zu stehen, und um Regen für Israel zu beten, während man selbst in nassen Klamotten in die Synagoge gekommen ist. Weil mal wieder Dauerregen herrscht. Auf dem Weg nach Hause wurde ich dann noch mal durchgespült. Ich hoffe wirklich das Haschem schnell ein Einsehen mit seinen Wassermassen hat.
****************
Dear friends,
Shalom uv’racha
from Yerushalayim!

We would like to bring to your attention the urgent and significant call of the Chief Rabbis of Israel to pray for blessed rainfall in Eretz-Israel in accordance with the various “nusachim” of all Jewish communities.

We would greatly appreciate publicizing the prayer to the synagogues, communities and educational institutions in Israel and the Diaspora, and to Jews wherever they may be.

Very sincerely,

Eliezer Sheffer

World Organization of Orthodox Communities and Synagogues

9. Regen ? Regen ! « grenzgaenge - November 30, 2010, 20:01

[...] Wenn ich das Wetter in Israel betrachte, rege ich mich über Regen und Schnee gar nicht mehr auf. Wenn man, wie Lila und die grosse Mehrheit der Israelis, so sparsam mit Wasser umgeht und trotzdem zuschauen muss wie die eigenen Reserven, aber auch die spärlichen Reserven des Landes, immer weniger werden ist das schon bitter. [...]

10. Indica - Dezember 2, 2010, 0:23

Liebe Lila, ich wünschte, wir könnten euch etwas von dem zu vielen Wasser, bzw. dem derzeit gefrorenen, Wasser herüberschicken. Dass es so knapp ist, habe ich auch nicht gewusst.

Da klingt es merkwürdig zu sagen, dass es dir momentan in Deutschland mit dem klirrigen, frühen Winter und dem Schnee sehr gut gefallen würde. Zumal wir hier natürlich alle gerade nur darüber meckern. Klar, nicht zuletzt, weil Wasser hier keine große Rolle spielt. Ach, es ist nicht gerecht.

11. marlin - Dezember 2, 2010, 10:29

Kleines Update:

heute ca. 10 cm Schnee, öffentliche VM sind unfähig.

Aber ich fand es nicht so kalt wie gestern, war fast ganz nett, wenn ich nicht so früh aufstehen müsste. :)


Sorry comments are closed for this entry

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 108 other followers