Schattenfechtereien November 29, 2010, 15:14
Posted by Lila in Presseschau.trackback
Trotz aller Peinlichkeiten finde ich die Wikileaks-Indiskretionen eigentlich ganz erfrischend. Man erkennt mal wieder, daß viele Meinungsverschiedenheiten eigentlich nur Scheingefechte sind. und IsraelMatzav ist bei der Lektüre eines aufgefallen.
Obama übt ja so unermüdlich Druck auf Israel aus, alle Forderungen der Palästinenser bedingungslos zu erfüllen, damit der Konflikt “aus der Welt geschafft wird” (obwohl die Palästinenser selbst noch keineswegs enthüllt haben, ob sie ihn damit tatsächlich als “aus der Welt geschafft” ansehen würde). Denn dann erst kann Obama die Koalition gegen den Iran schmieden. Solange der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern nicht gelöst ist, so die hundertmal gehörte Formel, kann es keine Koalition gegen den Iran gehen, weil die arabischen Staaten nicht mitziehen würden.
Gewissermaßen eine hübsche kleine Daumenschraube für Israel. Israel will Beistand gegen den Iran? Dafür muß es einen Preis zahlen, auch wenn die Forderungen der Palästinenser maßlos sind.
Doch wie ist es in Wirklichkeit? Die Koalition steht längst (wie israelische Beobachter schon längst wußten – nur hat ihnen niemand zugehört). Der ganze Druck auf Israel war also nur zum Schein. Welche Interessen stehen dahinter? Darüber würde ich gern mal einen Wikileak lesen….
ETA, einen Tag später: Natürlich sagt der Leitartikel der JPost wesentlich eloquenter. Es wäre wohl mal an der Zeit, auch in europäischen Zeitungen ehrlich zu sagen: wir haben uns geirrt. Unsere These von der Kriegstreiberei der Israel-Lobby war falsch.
In recent years, prominent pundits of Middle East affairs such as Foreign Policy’s Marc Lynch, The Nation’s Robert Dreyfuss, and Stephen Walt and John Mearsheimer, authors of The Israel Lobby and US Foreign Policy, have argued that Israel alone was pushing for a military attack on Iran.
It was the ubiquitous “Israel lobby” that would make sure the US continued to threaten Iran with military strikes, said Walt and Mearsheimer. It was clear to all that “for Saudi Arabia the worst thing that could happen would be… an Israeli attack on Iran,” Dreyfuss claimed just this month. Lynch, meanwhile, asserted that “while Arab leaders would certainly like Iranian influence checked, they generally strongly oppose military action which could expose them to retaliation.”
Warmongering Israel, ran the thesis, was single-handedly endangering geopolitical stability by attempting to plunge the Middle East into a war with the US.
All of these learned gentlemen also posited the premise of “linkage,” according to which all Middle East pathologies are a direct outcome of Israeli aggression and obstinacy. Only after the Israeli-Palestinian conflict is solved, they have argued, can other issues, such as Iran’s belligerence, be addressed.
Sunday’s revelations provided by WikiLeaks conclusively debunk these risible theories.
….
Whatever the wider repercussions of the WikiLeaks cable deluge, it has exposed the hypocrisy of those Arab leaders who publicly blame Israel for their woes while privately pleading for military measures to thwart their true enemy, Iran. And it has exposed the incompetence, too, or malice, of the analysts who took those Arab leaders’ public utterances at face value, and utilized them in a bid to ratchet up pressure on, and to besmirch, Israel.
Kommentare
Sorry comments are closed for this entry


Na, es wäre schon wünschenswert, daß die arabischen Regierungen es wagen könnten, sich auch öffentlich an die Seite Israels zu stellen.
langfristig sehe ich nix als mir wenig wünschenswert erscheinende Änderungen der internationalen Gepflogenheiten aus dieser Wikileaks-Geschichte rauskommen. Wer wird sich jetzt noch trauen, ein vertrauliches Gespräch so getreu wie möglich in welchem Medium auch immer festzuhalten? Von den Leben, die es kosten wird und wohl schon gekostet hat, ganz zu schweigen.
Für mich liest es sich, als würden die Arabischen Staaten Israel’s Einknicken zur Bedingung für ihr “Bündnis” machen. Sorry, aber nach üppigster Lektüre von Winston Churchill und John Julius Norwich, die beide ne Menge von internationalen Kuhhändeln verstehen (Norwich ist der Sohn von Duff Cooper, der vor WW2 die Brocken wegen Chamberlain’s appeasement hingeschmissen hat), ist diese Vorbedingung für mich ein Indiz, daß keine ehrliche Partnerschaft geplant ist.
i.e. sie wollen Israel und die USA als Buhmänner behalten, denn schließlich ist eine ihrer niedlichen Bedingungen das unerfüllbare Right of Return, und gleichzeitig alle Vorteile einer “laß das Imperium die Drecksarbeit für uns machen” Partnerschaft genießen.
Eat the Cake and Keep it …
[...] WikiLeaks hat so einiges veröffentlicht, was die Nahost-Dogmen des Mainstreams (Israelhasser, falsche Freunde, Alibi-Juden usw.) gründlich widerlegt – aber wohl gerade deshalb von der Qualitätsjournaille nicht bekannt gemacht wird. Ari Shavit hat in Ha’aretz dazu geschrieben, die israelische Botschaft in Berlin eine Übersetzung in ihrem Newsletter verschickt und David Harnasch hat’s auf der Achse des Guten eingestellt. Und Lila hat mehr darüber geschrieben. [...]