Secundus September 27, 2010, 20:16
Posted by Lila in Kinder, Uncategorized.trackback
Er hat sich breitschlagen lassen, ich durfte ein paar Bilder machen.
Er erzählt sehr lustig. Bisher ist er sehr zufrieden mit dem Anfang der Sani-Ausbildung. Nach den Härten der Grundausbildung für ihn die reinste Erholung – und mal wieder was lernen ist auch nett.
Am Ende der Grundausbildung haben sie mit den Commandern “die Distanz gebrochen”, wie das wohl bei Zahal so üblich ist. Damit ist eigentlich der Drill vorbei, gehorchen müssen sie zwar immer noch, aber nicht mehr wie in der Grundausbildung. Sie haben wohl eine ganz nette Party mit den vorher so unnahbaren 21jährigen gehabt, samt Wasserschlacht. In der Ausbildungsbasis Bahad 10, wo er jetzt ist, sind neue Commander und eine andere Art “Distanz”, aber es geht glaube ich wirklich lockerer zu als beim Bund.
Secundus hat uns sehr zum Lachen gebracht, als er uns erzählte, wie er zum ersten Mal in seinem Leben Hüttenkäse gegessen hat. Wozu man sagen muß, daß der hiesige “Cottage” äußerst lecker ist und geradezu ein Grundnahrungsmittel. In seiner Kibbuz-Kindheit stand jeden Tag im Kindergarten Cottage cheese auf dem Tisch und wurde von den meisten Kindern auch begeistert gegessen, mit dem typischen israelischen Frühstück, bestehend aus Salat und Pita. Nun, mein Secundus ist ein äußerst kritischer Esser, und vor Cottage hat er sich immer schon geekelt. Er hat nie auch nur einen Teelöffel davon gegessen. Auch keinen Quark, niemals. Von Joghurt und ähnlichen Greueln gar nicht erst zu sprechen. Labane, vielleicht.
Nun, jetzt ist er Soldat, und eines Abends gab es nichts als Brot und – Cottage. Vielleicht noch ein bißchen rohe Tomaten und Gurken, wofür er ja auch nicht gerade schwärmt. Und da hat er seine Freunde mißtrauisch gefragt: meint ihr, das Zeug ist eßbar? Und die haben natürlich begeistert gesagt: Mensch, das ist Cottage, das ist super, probier ruhig! Und so hat er, oh Wunder, probiert. Und siehe da: es schmeckte ihm! So gut, daß er uns verwundert erklärte: und wißt ihr was, diese ekligen Knubbel im Cottage – ich wußte nie, was das ist, aber ich habe herausgefunden, daß die einfach nur Käse sind!
Eine umwälzende Erkenntnis. Die Armee bewirkt tatsächlich Wunder…
Jetzt ist er also in der Ausbildungsbasis Bahad 10 in Tzrifin, und die Ausbildung machen er und die anderen Nachal-Soldaten gemeinsam mit einer Gruppe von Givatis. Auch Infanterie, aber gaaaanz anders, kein Vergleich, Nachal ist VIEL besser. Nachal hat grüne Barette, Givati lila – absolut affig, wie Secundus findet. Allerdings, gibt es zu, sie sind eigentlich ganz nett und auch sehr cool, sie sind nämlich sehr stolz darauf, bei Givati zu sein. Und zwar so stolz, daß sie beim Sport sich gegenseitig anfeuern, mit rhythmischen Sprechchören: lila-wäscht-sich-nicht-aus-lila-ist-echt!
Das fanden die Jungens von der Nachal nun gar nicht gut, daß sie keinen Sprechchor in ihrer Farbe hatten, also mußte was improvisiert werden. “Secundus, kannst du auf Deutsch bis 15 zählen?” Klar kann er. Und das ist jetzt ihr Schlachtruf beim Sport, eins-zwei-drei-vier-….
Ich bin froh, daß er zufrieden ist und auch was Vernünftiges lernt.
Kommentare
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Ach, Lila,
ist es nicht traurig-schön, dass die Küken flügge und zu richtigen “Hühnern” und “Hähnen” werden und ist es nicht ein Segen, dass sie trotzdem immer irgendwie unsere Küken bleiben und die Glucken jederzeit bereit sind, sie unter ihre Fittiche zu nehmen…!? !
Du schreibst so wunderbar über deine I II III IV
Es berührt mich immer wieder…
Ist ja ein niedlicher Soldat. Aber sag’s ihm nicht weiter.
Schöner Bericht. Grundausbildung ist immer hart, klar. Schön, dass er jetzt etwas Ruhe hat.
Und Lila wäscht sich nie? Hätt ich ja nicht für möglich gehalten, nach dem was Du hier so schreibst?
(Ja, habs falsch gelesen, gerade korrigiert, wäscht sich nicht aus. Schade, da is der Gag wieder dahin.)
Und dann zählen sie auf deutsch bis fuffzehn? Is ja drollig. Das sollte mal einer aufnehmen. Kann ich mir als Anfeuerung gar nicht vorstellen.
Danke! Wie schnell die Kinder doch “größer” werden…
Das ist ja ein süßer Schnuckel! Wenn ich so ca. 45 Jahre jünger wäre, würde ich jetzt von einem Besuch bei Euch träumen. Diese ekligen Klümpchen im Hüttenkäse haben bisher auch bei mir erfolgreich verhindert, dass ich ihn je probiert hätte – es war absolut toll, von einer ‘fellow soul’ zu lesen. Allerdings habe ich mit Quark und Joghurt keinerlei Probleme, also doch nicht so ganz ‘fellow’…
Hoffentlich hat Secundus weiter viel Spaß im und am Leben! Wenn all Deine Küken glücklich sind, bist Du es auch – fast automatisch, nicht>>?
@Lila: Sehr schöne Bilder …
Ja, jetzt, wo beide Söhne einen Kurs machen, bin ich beruhigt. Bald muß Primus aber für ein Jahr in eine elend langweilige Basis in den Golanhöhen, wo er sich schon öfter so gelangweilt hat – und zwischendurch immer wieder Gebiete, auch keine rosige Aussicht. Secundus wird wohl nach dem Kurs die gesamte Armeezeit in den Gebieten verbringen. Ächz.
Kol Ha Kavod!!!
Nur zur Information: Secundus ist bei der Nachal-Infanteriebrigade und trägt noch das olivgrüne Barett der Grundausbildung – gegen Ende der Sani-Ausbildung wird er wohl das leuchtendgrüne “sticklight”-Barett der Nachal bekommen.
Man erkennt auch das Abzeichen der Nahal. Sichel und Kornähre zeigen, daß es bei der Nahal auch Einheiten gibt, die einen Teil ihres Diensts in Kibbuzim oder Moshavim ableisten. (So ein Freund von Primus, über dessen Erlebnisse ich eigentlich mal separat posten muß – aber nur mit seiner Erlaubnis).
Primus ist beim Nun-mem, der Flugabwehr. Sein Abzeichen ist die Fledermaus.
Y. war bei den Fallschirmjägern. Das Abzeichen der Fallschirmjäger, die geflügelte Schlange.
Ich muß dazu sagen, daß Y. gestern abend, als Secundus vom Stolz der Givatis auf die Farbe Lila erzählte, vor sich hin murmelte: nur Rot zählt. Snob!