Und noch eine Lesefrucht (mit PS) Juli 19, 2010, 22:19
Posted by Lila in Presseschau.trackback
Die Königin von Jordanien, Rania, ist unbestreitbar eine schöne Frau (wie es auch die Königin Noor immer noch ist).

Nicht nur das, sie scheint auch gebildet und intelligent zu sein, was der Schönheit keinen Abbruch tut. Sie hat vier Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter (wie alle klugen Frauen
) und engagiert sich für die Verbesserung der Erziehung und Bildung in Jordanien.
Nicht nur das: sie hat ein Kinderbuch geschrieben, das sich einem schwierigen Thema widmet: wie Kinder lernen können, Kinder zu akzeptieren, die von ihnen verschieden sind.

Das Buch handelt von zwei Schulmädchen und ihren verschiedenen Schulbroten.
During a promotional campaign for the book, the queen described it as the story of two girls who let the food they bring to school get in the way of their friendship. They disparage each other’s food based on their own cultural preconceptions. The two main characters, Lily and Salma, have a lot in common, but not when it comes to their sandwiches: Lily prefers the all-American peanut butter and jelly, while Salma sticks to pita and hummus.
The two learn how to maintain their friendship, despite their cultural differences, but not without a food fight at school in which their classmates take sides. The confrontation ends, however, with a party at which the children exchange sandwiches. The book’s message touches open such issues as getting to know others, openness and multiculturalism.
Die Gewinne vom Verkauf des Buchs kommen jordanischen Schulen zugute.
Ist das nicht nett? Ist das nicht zu schön, um wahr zu sein? Ja, allerdings. Denn einen wiiiinzigen Schönheitsfehler hat das Ganze: die toleranz-propagierende Königin will nicht zulassen, daß ihr Buch auf Hebräisch veröffentlicht wird.
(Muß ich daran erinnern, daß ihr Schwiegervater anno 1994 mit Israel einen Friedensvertrag unterzeichnet hat?)
PS: Leser Julian weist darauf hin, daß inzwischen Sprecher der Königin abgestritten haben, je ein Angebot von israelischer Seite erhalten oder zurückgewiesen zu haben. Also entweder war es der New Yorker Verleger, der Hebräisch für rentabel oder sonstwie nicht wünschenswert hielt, oder die Sprecher der Königin rudern zurück, oder es war von Anfang eine Ente – wie dem auch sei. Rungholt bleibt am Ball.
Übrigens würde es mich persönlich sehr freuen, wenn die Königin ihr Buch auch bei uns in Schulen und Kindergärten vorstellen könnte. Dann würde sie sehen, wenn sie den Kindern in die Taschen guckt, daß auch hier Pitta und Humus viel verbreiteter sind als Peanut butter und Gelee – brrr beim bloßen Gedanken daran. Wenn das Verhältnis zu Jordanien wieder so gut würde wie zu Husseins Zeiten – das wäre schön.
A propos Hussein (daß ich aber auch nie beim Thema bleiben kann!) – Barack Obama meinte neulich im Interview mit Yonit Levy, daß Israelis ihn nicht mögen, weil er Hussein heißt. Für wie primitiv hält er uns eigentlich? Wenige ausländische Politiker wurden hier mehr geschätzt als König Hussein, und als er starb, waren wir wirklich traurig. Der Mann hat allen Respekt eingeflößt, ich habe es oft genug erwähnt. Der Name Hussein ist in Israel überaus positiv besetzt. Und Obama hieß schon Hussein, als er zum ersten Mal in Israel war (wenn das auch damals noch seeeehr runtegespielt wurde – er fing erst an, mit dem Namen zu kokettieren, als er im Amt war – na ja, Politiker eben, ne). Und dieser erste Besuch verlief sehr positiv.
Ich habe damals sogar was dazu geschrieben, das im drafts folder gelandet ist, weil ich mir mit Prophezeiungen doof vorkam – aber ich hatte den Eindruck, wenn er die Leute in den USA so bezaubert wie hier, dann gewinnt er die Wahl! Ich hätte Paul die Krake werden können, aber habe diese Vorhersage nicht veröffentlich – noch eine verpaßte Chance!
Jedenfalls ist die Unterstellung, wir hätten was gegen Husseins, wirklich unter dem intellektuellen Niveau, das ich Obama eigentlich zutraue. Ich weiß auch nicht, ob er besonders unbeliebt ist – sehr viele Israelis waren für ihn, es gab mehrere Kampagnen für ihn vor seiner Wahl, und wenn sich was geändert hat an seiner Popularität in Israel, dann mag das an anderen Dingen liegen. Und das letzte Wort ist noch längst nicht gesprochen. Warten wir mal ab, wohin er wirklich steuert, was den Nahen Osten angeht. Er macht amerikanische Interessenpolitik (wie er sie versteht), das ist seine Aufgabe.
Oh, und eine letzte Abschweifung: ich wäre zu gern Fliege an der Wand im Nobelpreis-Komittee. Was denken die wohl jetzt über ihre Entscheidung, einen Mann auszuzeichnen, der noch nicht mal eine Beule im Amtssessel hinterlassen hatte? Ich wüßte zu gern, ob sie begeistert oder enttäuscht sind…
Kommentare
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hat irgendjemand ne quelle für den grund zufällig gefunden? der würde mich ja mal blendend interessieren.
Huch, nun tatsächlich auch mal ausnahmsweise einen ausgewogenen Beitrag in der SZ…
http://www.sueddeutsche.de/kultur/kinderbuch-von-jordanischer-koenigin-die-schrulle-mit-der-stulle-1.975379
Laut Haaretz ist es garnicht so sicher, ob das überhaupt stimmt.
http://www.haaretz.com/news/international/jordan-queen-rania-never-got-offer-to-publish-hebrew-translation-of-her-book-say-official-sources-1.302169
Danke Julian! Man weiß nun nicht, ob es ein Zurückrudern ist, ob der Verleger Hebräisch für unerwünscht oder unrentabel hält, oder was eigentlich los ist. Ich veränder aber mal den Text entsprechend, man will sich ja nicht mit Königinnen anlegen – seit Alice spätestens wissen wir, wie bös das ausgehen kann
“A propos Hussein (daß ich aber auch nie beim Thema bleiben kann!) – Barack Obama meinte neulich im Interview mit Yonit Levy, daß Israelis ihn nicht mögen, weil er Hussein heißt. Für wie primitiv hält er uns eigentlich? Wenige ausländische Politiker wurden hier mehr geschätzt als König Hussein, [...]”
Da hat Obama sich wohl etwas stark verallgemeinernd ausgedrückt, jedoch kann ich aber verstehen, dass so mancher eben den Eindruck, das Israelis Obama aufgrund seines Namens nicht mögen, gewinnt.
)) )
Ich bin noch nicht besonders lange in der Blogsphäre unterwegs, auch nicht als Leser und bin trotzdem schon auf einige (!) Blogs gestoßen, in denen ab und an mal irgendein Seitenhieb in diese Richtung zu lesen ist. Von wegen Obama könne man eh nicht trauen; Hussein eben. (Das war’s dann aber auch schon mit der Argumentation…)
Alles aus israelischer oder jüdischer Feder.
Wahrscheinlich gibt es noch mehrere dieser Blogs, wenn man sich da durch so manche Blogroll klicken würde. (Ich möcht jene Seiten, würde ich sie wieder finden, eher ungern verlinken – die brauchen nicht noch mehr Leser
Deshalb ist’s ganz schön zu lesen, dass diese Meinung in Israel eben nicht vorherrschend ist, auch wenn man sich das mit klarem Menschenverstand natürlich denken kann … aber über den verfügt ja nicht gerade jeder, der gerne hetzt.
Liebe Grüße
Noah
Die Verlagsgruppe, bei der Rania publiziert hat, wird von einem amerikanischen Juden geleitet – es ist unwahrscheinlich, dass ein solcher Verlag Hebräisch als nicht wünschenswert ansehen würde. Falls es denn wirklich solche Angebote gab, waren die wahrscheinlich aus anderen Gründen nicht interessant (vielleicht auch nicht seriös?). Jeder, der ein bisschen Ahnung vom Buchgeschäft hat, sollte im Übrigen wissen (gilt auch für die Haaretz-Journalistin!), dass solche Anfragen bzgl. Lizenzausgaben grundsätzlich an den Originalverlag gehen und nicht an den Autor (der seine Urheberrechte ja an diesen Verlag abgetreten hat) – in diesem Fall sind es sogar 3 Autoren; von Rania stammt nur die Idee des Buches und die wohl selbst erlebte Story; den ins Hebräisch (oder andere Sprachen) zu übersetzenden Text hat Kelly DiPucchio geschrieben und dann gibt es noch Tricia Tusa als Bildautorin …. Es spricht vieles hier für eine Falschmeldung, vielleicht auch bewusste Verleumdung der Königin (wohl nicht von Haaretz so intendiert, aber von deren “Quelle”).
Das täte mir leid, aber ich möchte meinen Text noch nicht rausnehmen, ich begnüge mich mit der Korrektur am Ende. Die Quelle würde mich übrigens auch interessieren.