Enttäuschung – Freude – Spannung Oktober 7, 2009, 12:33
Posted by Lila in Land und Leute.trackback
Enttäuschung: der israelische Kandidat für den Physik-Nobelpreis ist leer ausgegangen.
Freude: die israelische Kandidatin für den Chemie-Nobelpreis hat ihn (mit anderen gemeinsam) bekommen.
Spannung: morgen wird der Nobelpreis für Literatur bekanntgegeben… unberufen.
Kommentare
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Hmmm -
ich wäre ja für Philipp Roth.
Der wurde schon so oft unter der Hand genannt – und seine Bücher sind einfach unheimlich gut.
Und jüdisch ist er obendrein, bleibt also sozusagen in der Familie …
LG – Naomi
oh. ich druecke amos oz alle verfuegbaren daumen. seine literatur ist absolut grossartig
das schreibt ein nicht-mehr-linker ueber einen israelischen-linken. “links sein” in israel ist eben etwas anderes als ausserhalb israels
Ich glaube nicht, daß man Oz auf sein Links-Sein reduzieren kann. Ich hoffe, daß weder seine Unterstützer noch Gegner das tun. Er schreibt, und seine Literatur bewundere ich. Manchmal hoffe ich, daß nicht er der Weltfremde ist, als der er mir politisch vorkommt, sondern daß wir es sind und er letztendlich rechtbehält….
Ja, Yakir Aharonov (und Michael Berry) haetten den Preis sicherlich mehr als verdient. Der Aharonov-Bohm Effekt (von Berry verallgemeinert) ist sehr fundamental und wurde bei der Entwicklung der Quantenmechanik (leider) nicht mit einem Nobelpreis bedacht.
Aharonov hat auch etwas in der Richtung gebrummt, daß manchmal PR wichtiger sind als wissenschaftliche Kriterien.
[...] wieder einen blick nach rungholt zu werfen. aus rungholt erschallte heute der ruf das es zur zeit nobelpreise hagelt. morgen wird der nobelpreis fuer literatur vergeben und ein moeglicher kandidat fuer diesen preis [...]
Tröste dich, es gibt so viele jüdische Nobelpreisträger, “verständlich”, wenn das Kommitee da etwas bremst… leiderleider dürfte das (vermutlich!) besonders auf den Literaturnobelpreis Auswirkungen haben. Bin ja gespannt, wer den Friedensnobelpreis bekommt – naja, Carter hat ihn zum Glück schon…
Der aktuelle Preis geht an was sehr angewandtes, das sich als technische Errungenschaft im Alltag bewaehrt hat. Letztes Jahr gabs was sehr theoretisches, vielleicht auch ein gewisser Proporz der gewahrt wird?
Professor Aharonov sounded like a pretty bad sport yesterday. Was professor Yonath referring to him when she said today: “”People who think they made such a huge contribution sit and wait for the award and get angry when they don’t get it. I’m not like that.”?
Professor Yonath sagte wohl beim Erhalten der Nachricht als erstes, “ach, hätte ich das gewußt, wär ich zum Friseur gegangen…”, und freute sich dann über die Freude ihrer Enkelin.
Es war ganz interessant, die hastigen Interviews zu hören. Junge, schicke Journalisten, die von Yonaths Forschungsgebiet so viel verstehen wie ich, aber die was fragen wollen – und alle fragen zwei Dinge: wie kommen Sie mit dem Scheinwerferlicht klar? (womit sie wohl das Medieninteresse, sprich ihr eigenes Interesse meinen) und: was haben Sie für Pläne mit dem Geld?
Die Antworten waren so schön unzeitgemäß. Das Medieninteresse findet sie verwirrend, und an das Geld hat sie noch gar nicht gedacht.
Da hab ich zu meinen Töchtern gesagt: so, Kinder, jetzt hört gut zu. Die Welt ist voll von Leuten, die von nichts eine Ahnung haben, aber REICH und BERÜHMT werden wollen. Und hier seht ihr eine Frau, die ihre Arbeit hervorragend tut und dabei weder auf Ruhm noch Geld schielt. Und jetzt ratet, wen ich euch als Vorbild ans Herz lege!
(Sie haben es erraten.)
Es gibt ja viele Leute die außer: Enttäuschung – Freude – Spannung, wenig benötigen. Aber es gibt zum Glück doch noch einige, die wissen wollen, FÜR WAS man heutzutage einen Nobelpreis bekommt:
http://www.scienceblogs.de/weitergen/2009/10/antibiotika-und-ribosomen-die-medizinische-relevanz-des-chemie-nobelpreis-2009.php
Ja, und diese wenigen Auserwählten können sich auch informieren, ohne auf den Blog einer Kunsthistorikerin zurückzugreifen. Die Welt ist voll von Leuten, die über Themen blöken, von denen sie nichts verstehen. Ich bemühe mich, bei Themen zu bleiben, die ich ganz gut kenne.
Aber wirklich, ich zwinge niemanden mit vorgehaltener Pistole, hier mitzulesen.
Frau Yonath wirkt wirklich sehr sympathisch. Diese Art von Menschen findet man vor allem bei den Naturwissenschaftlern: Genial, aber im Umgang mit Normalsterblichen total freundlich und bescheiden.
Auf jeden Fall alles Gute nach Israel!
Jetzt heißt es Daumendrücken, dass nicht der Goldstone den Friedensnobelpreis kriegt
Ich habe auch schon Geisteswissenschaftler kennengelernt, die so bescheiden und sympathisch waren. Allerdings sind sie bei uns dünner gesät, und die vielen faltzanim sind viel sicht- und hörbarer.
Ach herrjeh -
Herta Müller hat den Literaturnobelpreis bekommen!
Ihre Bücher mag ich gar nicht – ich kann damit nichts anfangen.
Na ja, danach gehts ja leider auch gar nicht.
LG – Naomi
Habe was vergessen:
Natürlich gratuliere ich Herta Müller trotzdem –
auch wenn mir ihre Art zu schreiben nicht liegt …
LG – Naomi
Peinliches Geständnis: ich hab noch nie was von Herta Müller gelesen.
Aber ich freue mich für sie und auch für die deutsche Literatur.
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,653984,00.html
vermutlich brauchst Du den Link ja nicht, Lila … bist doch Frau genug, es selbst heraus zu finden.
Ich will in Dein Geständnis einstimmen: Ich “kannte” * Herta Müller bis gestern auch nicht. Aber gestern habe ich beim Bügeln Radio gehört – ndr-kultur – und dabei eine Rezension ihres neuen Romans “Atemschaukel”, die Autorin hat Passagen daraus selbst gelesen … sehr eindrucksvoll!
Übrigens war gestern nicht die Rede davon, dass Herta Müller als Kandidatin für den Preis gehandelt würde …
Und ich hätte mir Amos Oz gut vorstellen können!
* von “Kennen” kann auch jetzt keine Rede sein – ich will “sie” aber lesen!
Kleine Korrektur: ich habe vorgestern gebügelt, gestern war ich im Gärtchen… nur so der Ordnung halber!
@lila (Kommentar 17): du bist nicht alleine. ich habe auch noch nichts von frau mueller gelesen und in der bibliothek meiner eltern steht auch bloss ein band …
“Peinliches Geständnis: ich hab noch nie was von Herta Müller gelesen.”
Tröste dich Lila, ich auch nicht. Aber man muss ja nicht jede/n SchriftstellerIn kennen.
Enttäuschung – Freude – Spannung
Who the fuck is Herta?
Aber die Textpassagen, die jetzt im Internet auftauchen, sind wirklich gut. Ich glaube, ich wünsche mir das Buch als Hardcover zu Weihnachten.
[...] wird in der Presse viel weniger ueber den oder die Preistraeger spekuliert und diskutiert. Letters from Rungholt weisst nicht zu unrecht darauf hin, dass Yakir Aharonov heiss gehandelt wurde. Seine fundamentale [...]
Der Friedensnobelpreis geht an Präsident Obama!? Ohne Worte…
Ich dachte, das ist ein Scherz. Ich meine, nichts gegen Obama, aber seit wann kriegt man schon für das Äußern guter Absichten einen Nobelpreis? Da hätte ich ihn aber schon viel länger verdient. Der Mann ist noch kein Jahr im Amt… und ich blogge schon fünf Jahre. Und gute Absichten hab ich auch, und wie!
Er wird bestimmt eine höchst eindrucksvolle Rede halten, aber… das hätte ich auch gekonnt. Nächstes Jahr bin ich aber dran!
Auf jeden Fall viel zu früh, denn bisher als kluge Reden hat er nichts geschafft.
http://www.ksta.de/html/artikel/1254339048693.shtml
Seit Woodrow Wilson 1919 hat kein amtierender US-Präsident mehr den wichtigsten Preis der politischen Welt erhalten.
Aber bei diesem Vergleich wird die Auszeichnung schon fragwürdig. Wilson hatte seinerzeit den Völkerbund mit erschaffen, den Vorläufer der Vereinten Nationen. Obama dagegen hat, Stand heute, nichts Greifbares erreicht. Er hat nur Reden gehalten, hervorragende Reden wie jene in Kairo, aber eben nur: Reden. Frieden geschaffen hat er nicht, nach Afghanistan hat er sogar mehr Soldaten geschickt.
Der amtierende US-Präsident erhält den Friedensnobelpreis. Das ist eine gut gemeinte Sensation, der Barack Obama kaum gerecht werden kann: sie legt alle Hoffnung der Welt auf seine Schultern. Anstoß – der tägliche Kommentar auf ksta.de
Barack Obama, seit Januar US-Präsident und seit Freitag mittag auch Friedensnobelträger. (Bild: rtr)
Man ist von den Nobelpreiskomitees für Literatur und Frieden ja einige Skurrilitäten gewöhnt, man denke nur an Harold Pinter oder Al Gore. Insofern ist Barack Obama eine eher konservative Wahl. Zugleich ist sie revolutionär: Seit Woodrow Wilson 1919 hat kein amtierender US-Präsident mehr den wichtigsten Preis der politischen Welt erhalten.
Aber bei diesem Vergleich wird die Auszeichnung schon fragwürdig. Wilson hatte seinerzeit den Völkerbund mit erschaffen, den Vorläufer der Vereinten Nationen. Obama dagegen hat, Stand heute, nichts Greifbares erreicht. Er hat nur Reden gehalten, hervorragende Reden wie jene in Kairo, aber eben nur: Reden. Frieden geschaffen hat er nicht, nach Afghanistan hat er sogar mehr Soldaten geschickt.
Dass Obama den Friedensnobelpreis erhält, nachdem er nicht einmal ein Jahr im Amt und keine Krise seiner Regierungszeit – vom Konflikt mit dem islamischen Terrorismus bis zum Klimawandel – auch nur annähernd gelöst ist, dürfte etwa für seinen Vor-Vorgänger Bill Clinton ein Schlag ins Gesicht sein. Vom Kosovo bis zum Nahen Osten, mit Stiftungen und persönlichem Engagement hat dieser Demokrat mehr versucht und mehr erreicht als die meisten Preisträger der letzten 20 Jahre. Dennoch wird nun zum dritten Mal an ihm vorbei und über ihn hinweg ein anderer amerikanischer Spitzenpolitiker ausgezeichnet: Jimmy Carter, Al Gore, Barack Obama.
Fotoline: Friedensnobelpreis: Gewinner seit 1999 [11 Bilder]
Kouchner
Kim Dae Jung
Kofi Annan
Jimmy Carter
Aber um messbare Resultate geht es beim Friedensnobelpreis nicht. Barack Obama erhält die Auszeichnung zwar formal als Einzelperson, aber eigentlich wird – wenn man die Begründung der Jury zugrunde legt – weniger die Person als die Idee Obama geehrt. Das Modell des modernen Hoffnungsträgers, der schwarze Mann an der Spitze der Weltmacht, der Präsident nach Bush, die Vision von Versöhnung und Verständigung, die mit dem Friedensnobelpreis von Anfang an verbunden war – für all dies wird Barack Obama ausgezeichnet. Und nur in diesem Sinne ergibt die Ehrung einen Sinn. Das Nobelpreiskomitee zeichnet seine eigene Projektion aus.
Lila, ich wäre auch für Dich gewesen. Hm.. sind ja noch ein paar Jahre, da muss ich nur noch in das Preiskomitee kommen..
Na, da streng Dich mal ein bißchen an. Ich erwähn Dich dann auch in meiner Rede.
Übrigens hat Obama ganz gut reagiert. Mich nervt wohl, daß er überall den cute-factor seiner Töchter nutzt – sehr medienwirksam, auf die Dauer etwas penetrant…. und ich finde es überhaupt nervig, wenn Eltern ständig mit ihren Kindern strunzen (außer natürlich, sie sind so süüüüüß wie meine, das ist natürlich was anderes). Aber ansonsten hat er versucht, den Peinlichkeits-Faktor niedrig zu halten. Denn ich stelle es mir schon ganz schön peinlich vor für einen intelligenten Menschen, einen Preis zu kriegen für etwas, das man erst noch tun muß.
Ich hab Tränen gelacht: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,654254,00.html
Das mit dem Nobelpreis.. naja.. es kann wirklich jeden treffen
Was mein zweiter gedanke war ist… dass es zur zeit so eine tendenz
gibt weil alles so schnell lebig geworden ist..
oftmal schreiben leute ihre memoiren ode werden fuer ihr lebenswerk ausgezeichnet die noch total jung sind.
das is alles etwas seltsam, oder?
Jakobo