Abend der Rosen September 28, 2009, 20:36
Posted by Lila in Muzika israelit.trackback
Bert ist es schuld - er schreibt über das erste Lied, das er im Ulpan gelernt und verstanden hat, ein Lied von Shlomo Artzi. Auf einmal fiel mir wieder ein, daß ich auch mal einen Versuch mit dem Ulpan im Nachbarkibbuz gemacht habe.
Leider war das nichts für mich, weil ich schon viel zu gut Ivrit konnte – ich hatte es ja in Deutschland schon gelernt und habe dann hier im Kibbuz gleich mit Kindern gearbeitet. Der Ulpan konnte mir nur Stufe bet anbieten, obwohl ich laut Einstufung mindestes dalet gebraucht hätte – aber um mal ein bißchen unter die Leute zu kommen und die Ausflüge mitzumachen, haben sie mich trotzdem teilnehmen lassen. Es war mir aber schnell zu langweilig, so nett die Leute waren, und ich habe ihn nicht mit zu Ende gemacht.
Aber an ein paar Sachen erinnere ich mich noch – unter anderem das erste Lied, das uns der Schwager der Ulpan-Lehrerin mit der Gitarre beibrachte. Er sang es so schön, daß ich nie mehr eine Interpretation gehört habe, die an die seine herangekommen wäre. Ein Kibbuzniks in blauen Arbeitsshorts mit Gitarre, vor einer Gruppe von Ulpanistim aus aller Welt, an einem heißen Nachmittag irgendwann anno 1989 – und das Lied Erev shel shoshanim, Abend der Rosen. Diese Art Musik nennt man shirey-eretz-Yisrael, Lieder vom Land Israel… ein bißchen Liebe und so darf auch dabei sein… und ich habe gleich zwei Interpretationen rausgekramt.
Die Parvarim, in einer richtig klassischen Darbietung, mit rrrollendem rrrr und rustikaler Umgebung.
Mashina dagegen – Yuval Banai leitet sein Lied “lama li politika achshav?” (was soll mir jetzt Politik?) mit dem alten Lied ein. Und auch Mashina paßt zu dieser Erinnerung, denn bei einem großen Fest der Ulpanistim aus ganz Israel habe ich sie zum ersten (und einzigen) Mal live gehört, in Jerusalem. Damals kann er das Lied aber noch nicht gesungen haben, denn die Berliner Mauer stand noch – ein paar Monate lang wenigstens.
Danke an Bert für die schöne Erinnerung und Anregung. Das ist doch tatsächlichalles schon 20 Jahre her.
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Wer oder was ist denn der Ulpan?
Ach, der Ulpan ist so eine Art Crashkurs für Neueinwanderer. In vielen Kibbuzim, aber auch Städten und an Hochschulen gibt es diese Einrichtungen, die einem innerhalb von wenigen Monaten ein funktionsfähiges Hebräisch vermitteln, außerdem eine Art Einstieg in die israelische Identität und Lebensweise und Kultur bieten.
Es gibt inzwischen auch Forschungen darüber, welches Bild von Israel im Ulpan vermittelt wird. Sagen wir mal, es hinkt immer etwa 15 bis 20 Jahre nach
Das heißt, da wird in Lehrbüchern noch abends die Hora getanzt… während die Jugend hier mit dem MP3 im Ohr rumläuft.
Ulpanschüler nennt man Ulpanistim. Manche sind jung, manche alt, manche sind nur für die Ferien in einer Art jüdischem Disneyland und andere stehen vor der Aufgabe, sich in Israel ein neues Leben aufzubauen. Jeder kommt mit seiner Geschichte und seinem Hintergrund.
Ich habe im Ulpan leider nichts gelernt, aber die Leute, wie gesagt, waren nett. Oh, und meine Lehrerin war eine Cousine von Mark Spitz, ist das nicht cool?