Was würdet ihr dazu sagen, April 29, 2009, 0:03
Posted by Lila in Presseschau.trackback
wenn in Israel die Todesstrafe für Leute eingeführt würde, die Land an Palästinenser verkaufen? Bitte, stellt euch mal für einen Moment die Schlagzeilen in eurer Zeitung vor, wenn ein solcher Vorschlag in der Knesset eingereicht würde. Die Reaktionen der Leute eurer Umgebung, die sich zwar noch nie viel mit dem Nahostkonflikt beschäftigt haben, aber meinen, die Israelis werden schon genug Dreck am Stecken haben, sonst würden die Araber sie nicht so hassen. Todesstrafe für Landverkauf? Allein schon die Idee zeigt, wes Geistes Kind Israel ist, nicht wahr?
Habt ihr euch die Schlagzeilen vorgestellt? Gut, dann hier die Fakten.
A Palestinian military court has sentenced a man to death by hanging for selling land to an Israeli company.
Palestinian President Mahmoud Abbas routinely withholds the required approval for executions. Several others are on death row as suspected informers for Israel. Land sales are considered treason by the Palestinians because of their long-running dispute with the Israelis, however the sentence is unlikely to be implemented.
Da geht es nicht nur um einen solche Vorschlag – der Straftatbestand Landverkauf an Juden als Hochverrat existiert bereits. Wären die Juden eine Rasse, könnte man versucht sein, das ein rassistisches Gesetz zu nennen und die UNO dagegen anzurufen! Die muß doch wahrlich schäumen über solche Zustände.
Immerhin, die Todesstrafe wird nicht exekutiert. Doch kann man sich darauf verlassen, daß Abu Mazens Nachfolger einen ähnlich empfindlichen Magen hat?
Kommentare
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Warum eigentlich immer Bettine von Arnims Formulierung “wes Geistes Kind ich bin”? Israel ein Kind vom Geiste Goethes? Vielleicht nicht ganz, aber von mir aus. Bei der vorherrschenden Verwendung der Floskel habe ich mehr Probleme.
Nur weil Bettine v.A. diesen Ausdruck mal in einem Wortspiel verwendet hat, bedeutet das noch nicht, daß man ihn nicht anders einsetzen kann. Noch dazu wenn es ironisch geschieht.
Wie wäre es mit einer Äußerung zur Sache?
Rassismus setzt die Wahrnehmung einer Rasse durch den Rassisten voraus, nicht ihr tatsächliches Vorhandensein. Dieses „Gesetz“ IST rassistisch.
@Daniel:
Du hast da offenbar etwas falsch verstanden: Das Gesetz wurde nicht von Israel gemacht, sondern von den Palästinensern. Daher kann es gar nicht rassistisch sein!
Eine Äußerung zur Sache? Gerne. Was würde ich dann sagen? Daß Israel den Verstand verloren habe und die Demokratie dort wohl verloren sei. Und vielleicht würde ich dann, mit Blick auf die israelisch-arabischen Konflikte, gleich noch zynisch Goethe anführen: Wenn hinten fern in der Türkei … Wirklich, was würdest Du denn sagen? Na, das von der Türkei natürlich nicht, aber sonst sind wir uns doch einig?
Warum nennst Du Bettines Rede eigentlich ein Wortspiel?
Wie immer hast du den Nagel auf den Kopf getroffen. Und wir wissen ja, dass der Aufschrei ausbleiben wird. Aber es stinkt zum Himmel!
Also, Neufert, zu “wes Geistes Kind”. Laut Büchmann, dem guten alten, kommt die Redewendung von Luk. 9, 55, ist also ein bißchen älter als Bettines Briefwechsel mit einem Kinde.
Bettine spielt mit dieser Redewendung, um sich selbst als Goethes Kind zu stilisieren, Kind seines Geistes. Goethe ist ihr Gott, sein Geist ersetzt ihr den heiligen Geist, und sie fühlt sich von ihm erfüllt. Ich würde sogar sagen, sie spricht in Zungen und die “Liebesszenen” mit Goethe sind ihr persönliches oder literarisches Pfingsterlebnis.
Vielleicht hast Du Dich auf eine andere Stelle bezogen? Ich dachte, Du meinst die Stelle mit dem Mantel. Ich finde den berühmten Brief sogar online.
Jedenfalls ist Bettine nur eine unter vielen Autoren und Autorinnen, die diese Redewendung benutzt, und ich habe mich wirklich nicht im geringsten auf sie oder Goethe bezogen.
Schade eigentlich, es wäre bestimmt ein erfreulicheres Thema als die grausamen Verrenkungen der Welt. Obwohl ja bekanntlich Goethe im Leben zum Tode durchs Schwert verurteilte und in der Literatur rettete… also auch bei Goethen keine Zuflucht vor der Grausamkeit der Welt.
Nun, das kleine Gedankenexperiment zeigt, an dessen Ausgang – laute Empörung, Sondersendungen, Sondersitzungen der Parlamente – ich nicht zweifle, wie tief das “eurozentrisch-paternalistische” Denken noch verwurzelt ist:
Die Palästinenser sind, so interpretiere ich den “Mainstream” unserer veröffentlichten Meinung, so was wie “edle Wilde”, oder geistig pubertierende “Halbstarke”, die “sind noch nicht soweit” ihre “gerechte Empörung” anders zu äußern, als mit Gewalt. Das ist im Grunde ein Weltbild aus der Mottenkiste der Kolonialzeit, aber so wird eben noch gern gedacht.
Israel – und da sind sich anti- und pro-israelische Medien einig – ist ein hochzivilisiertes Geheimwesen auf “europäischen” Niveau und wird daher an “europäischen” Maßstäben gemessen. In Falle der antisraelischen Medien allerdings mit deutlicher Doppelmoral.
Beim Raten erwischt, grrr. Schade, Lila, ich hatte mich wohl in den Gedanken verliebt, es sei von ihr, als ich Bettine gelesen habe. Eine zweite Enttäuschung, denn die wilden Erdbeeren habe ich auch nicht mehr gefunden. Trotzdem danke für die Aufklärung.
Deuten aber die Belege, die Du gibst, nicht auf Luther hin? Ich spreche kein Griechisch, doch in den Sprachen, die ich verstehe, findet sich das Kind nur im Deutschen.
Es wäre ihr zuzutrauen gewesen
Und mir scheint auch, es war Luther, der uns auch diese Redewendung beschert hat. “Welchen Geistes ihr seid” war wohl der Ursprungssatz, und die Metapher des Kinds dazuzusetzen, macht den Satz wirklich schön eindrücklich. Kein Wunder, daß man ihn überall findet…
Die Todesurteile wurden nicht vollstreckt, weil die Verurteilten vor der offiziellen Vollstreckung inoffiziell ermordet wurden. Volkszorn, rein spontan, versteht sich.
Die abschreckende Wirkung aber wird davon nicht beruehrt und Abbas kann seine hellgraue Weste behalten.
Hier von B’Tselem (Nov. 2008) http://www.btselem.org/English/Inter_Palestinian_Violations/20081127_Death_Penalty_in_Bethlehem.asp
“Seven Palestinians have been sentenced to death this year, raising the total of death sentences in the Palestinian Authority to 71. Of these, 13 were executed, seven were released or had their sentences reduced to life imprisonment, eight were murdered, and seven escaped from prison. The remaining convicts await execution of their sentence.”
MartinM, ich denke, Du meinst Gemeinwesen.
So geheim ist Israel gar nicht mehr. Gibbet schon seit ca. 60 Jahren.
“Volkszorn, rein spontan, versteht sich.” Früher hätte ich das glatt geschluckt, aber nachdem ich mir das Palästina-Polit-Trauerspiel (zulasten nicht nur Israels, sondern auch sehr vieler Palästinenser) etwa näher angesehen habe, vermute ich, dass da überhaupt nichts “spontan” ist. Lynchmobs schon gar nicht. (Da gab es doch mal einen netten satirischen Fernsehbeitrag über einen palästinensischen Verbrennflaggen-Hersteller?)
Stimmt. Ich muss mir unbedingt angewöhnen, sorgfältiger zu schreiben.
@kommentar 14:
schabbat schalom !!
Geht’s Dir denn besser? Du schreibst gar nichsts Neues mehr.
[...] Die Vorstellung, wie mit etwas umgegangen würde, wären die Gegebenheiten andersherum, kann immer wieder sehr ernüchtern. Wie wäre es z.B., wenn die Palästinenser die dicken Waffen und die starke Armee hätten und die Juden nicht? Lila hat ein weiteres Beispiel. [...]