Fast vergessen Februar 25, 2009, 20:19
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.trackback
zu erzählen. Die Oscar-Verleihung vor ein paar Tagen war die erste, die ich halbwegs wach erlebt habe. Mich hat dieses Spektakel nie besonders interessiert. Diesmal waren wir alle wegen Valtz im Bashir hibbelig, und außerdem habe ich eine heranwachsende Generation im Haus, die gern Filme guckt. Und Tertia ist Kate-Winslet-Fan.
Tertia hat sich also von sechs bis Mitternacht vorratschlafen gelegt, und dann kam sie ins Wohnzimmer getigert, mit einer Decke für sich und einer für mich. Ich bin zwischendurch immer wieder eingeschlafen, war zu müde. Aber Tertia hat tapfer von Anfang bis zu Ende geguckt. Winslets Gewinn hat uns für die Enttäuschung entschädigt, zum zweiten Mal. Vermutlich ist es schwierig, Filme wie Beaufort und Waltz with Bashir zu mögen, sie sind doch eher sperrig, wie Israelis nun mal sind.
Nun ja. Um halb sieben morgens übermüdet mit meiner Tochter warmen Kakao zu trinken, durchzuhecheln, was ich mitgekriegt hatte, und von ihr erklären zu lassen, was ich verschlafen hatte – das war auch schön. Wäre Kino mal nur nicht so teuer hier…
Kommentare
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Übrigens sind einige der Szenen mit Kate Winslet ganz in unserer, in Görlitz gedreht worden! Wäre das nicht mal ein Grund für euch, hier aufzukreuzen? Liebe Grüße!
Ohweia, diese Oscarnacht hab ich mir einmal komplett angetan und hing dann tagelang durch. Die Zeiten, in denen ich folgenlos die Nächte durchmachen konnte, sind irgendwie vorbei.
Aufnehmen und hinterher angucken ist bei sowas aber auch doof, das macht nur live Spaß.
Zumal Görlitz wirklich einen Besuch wert ist! Und du wolltest doch auch immer schonmal die Pücklerparks in Branitz und/oder Bad Muskau besuchen…. ließe sich gut kombinieren, zumal D. da auch begeistert dabei wär!
Naja, dass K. Winslet einen Oscar ausgerechnet für die Rolle in “The Reader” bekommt ist meiner Meinung nach nicht ganz unproblematisch.
Siehe auch:
http://offensiveselbstverteidigung.blogsport.de/2009/02/12/analphabetismus-als-ursache-des-massenmords/
Bzw den Originaltext von Ron Rosenbaum:
http://www.slate.com/id/2210804/
Schönen Gruss
S.
Ich habe den Film noch nicht gesehen, und das Buch fand ich auch problematisch. Ich habe die ganze Diskussion darum auch verfolgt, aber bevor ich den Film nicht selbst gesehen habe, sage ich dazu noch nichts (vielleicht auch dann nicht).
Kate Winslet ist aber keine Historikerin und hat den Oscar nicht für ihre richtige Haltung zum Holocaust bekommen (die meisten Briten haben von Juden, Holocaust und allem anderen die Nase voll – einige meiner liebsten Schauspieler hassen Israel mit Hingabe….womit ich der Britin Winslet nichts unterstellen will, mich aber auch nichts überraschen würde). Sondern sie hat den Oscar für eine schauspielerische Leistung bekommen. Und ich glaube, nicht nur für den Vorleser, sondern für ihre Arbeit in den letzten Jahren.
Ich werde aber meiner heranwachsenden Tochter die Begeisterung für die Heldin von Titanic und Neverland nicht durch Betrachtungen über die literarische Vorlage von Schlink kaputtmachen. Wir werden den Film zusammen angucken und darüber sprechen.
Eigentlich ist es ja ein deutsches Dilemma. Wie soll man damit umgehen, daß man emotionale Bindungen an Verbrecher hat? (Die eigene Großelterngeneration). Die meisten flüchten sich in Ausreden, Schönreden, Abreden (“Opa war kein Nazi”, wie Welzer sein Buch genannt hat – vielleicht alle anderen Opas, aber meiner doch nicht!). Schlinks Buch, wenn ich mich recht erinnere, versetzt den Leser in die peinliche Lage, ambivalente Gefühle und sogar so etwas wie Mitgefühl mit einer Person zu haben, die selbst bemerkenswert frei davon ist.
Ich fand es beim Lesen unbefriedigend gelöst, aber ehrlich gesagt, wie kann man das lösen?
Für Briten oder Juden, deren Opas eben keine Nazis waren, stellt sich die bedrohliche Frage gar nicht erst, wie man sich zu so einem Opa oder so einer Hanna stellt. Und zu welchem Grad moralischer Konsequenz man imstande ist. Und wann man dann moralisch konsequent in das Gebiet ungerechtfertiger Selbstgerechtigkeit überwechselt, wo es sich bequem urteilen läßt, ohne Kosten für einen selbst.
Ich habe mal das Buch von Sichrovsky über die Kinder von NS-Tätern gelesen. Die sind so oder so seelisch zerbrochen, entweder in perfekter Lügenwelt oder mit entsetzlicher Ehrlichkeit. In gewisser Hinsicht sind wir als Deutsche alle Enkel oder Urenkel solcher Familien, die sich irgendwie arrangiert haben. Ja ja, das hört man ungern. Denn niemands Opa war Nazi, die waren alle dagegen, meiner natürlich auch.
Ich hatte bei Schlinks Buch das Gefühl, er will seinen Leser in diese unbequeme Lage versetzen, aber dann kippte es doch um. Übrigens ist der Analphabetismus in der Geschichte genau die Art der Banalität, die Menschen korrumpiert und letztendlich fürs Böse anfällig macht.
So wie Selbstmordattentäterinnen oft Frauen mit beschädigtem Ruf sind. Einmal mit einem jungen Mann geschmust und dabei gesehen worden – Ruf ruiniert und nicht mehr heiratsfähig – Kandidation für Ehrenmord – rekrutiert – losgeschickt – Dutzende Tote in einem Restaurant oder Bus. So banal fängt es eben manchmal an.
Wie gesagt, ich bin mir der Diskussion bewußt, lege aber an Kate Winslet nicht so strenge Maßstäbe an in einer Disziplin, die nicht die Ihre ist. Es gibt ärgerlichere Sachen als einen nicht ganz konsequenten Film…
Update: wegen der anscheinend ziemlich äh-ähen S*szenen werden wir den Film vermutlich auf DVD und nicht im Kino angucken. Und man muß Kate Winslet einfach lieben, finde ich.
Also ich find sie auch supi.
*high five mit Tertia*
Naja, ist halt eher mein Typ Frau schätze ich.
Oskarverleihung hab ich auch nur am Rande verfolgt.
Ein Deutscher hat auch nen Preis bekommen?
Sind wir jetzt Oscar?
Hallo Lila,
ich sage ja nicht dass Frau Winslet der Oscar nicht zustünde, und denke dass sie ihn für ihre schauspielerischen Leistungen durchaus verdient.
Desweiteren will ich natürlich eure Freude daran nicht schälern oder deiner Tochter die Begeisterung daran kaputtmachen.
Ich wollte nur anmerken dass eben dieser Film problematisch ist (kenne das Buch, und eben Rosenbaums Artikel).
Und Ja, Mein Opa war Nazi.
Gruss,
S.
Vielleicht ist der Oscar einfach zu mainstream für einen Film wie “Waltz with Bashir”. Denn verdient hätte Ari Folman ihn schon…
Die deutschen Co-Produzenten hätten sich über einen Oscar für “Waltz with Bashir” auch sehr gefreut.
Kate Winslet hatte selbst einmal gesagt, dass man entweder eine Verrückte spielen oder in einem Holocaust-Film mitwirken muss, um garantiert einen Oscar zu gewinnen.
Das mit der Oscar-Garantie habe ich dieser Tage auch in der haaretz gelesen http://www.haaretz.com/hasen/spages/1066356.html