Der Deal ist durch Juni 29, 2008, 15:32
Posted by Lila in Uncategorized.trackback
Ich hatte von Anfang an das Gefühl, daß sie nicht mehr am Leben sind. Trotzdem ist es bitter, das nun mit Sicherheit zu wissen. Doch für ihre Familien wird es auch eine traurige Erleichterung sein, sie wenigstens begraben und betrauern zu können.
Jetzt können wir nur hoffen, daß keine Anschluß-Entführungen stattfinden. Und auch, daß die Informationen über Ron Arad aussagekräftig sind.
Etwas später: vermutlich sitzt mal wieder ganz Israel vor der Glotze, ich auch. Smadar Haran wird erwartet, die Familien der Gefangenen, bis dahin spekulieren die Journalisten und erwähnen auch die Rolle des deutschen Vermittlers.
Smadar Haran live. Sie liest ihren Brief vor. Sie hat ihren Mann und zwei Töchter verloren. Jetzt wird der Mörder freikommen, Samir Kuntar. Und Smadar sagt: so schwer es ihr fällt, öffentlich zu sprechen, will sie sich heute für den Deal aussprechen. Sie stellt ihre persönlichen Gefühle zurück, damit die Familien der Soldaten ihren Frieden finden können.
Sie sagt, daß die israelische Gesellschaft das Leben heiligt. Keine Todesstrafe, und die Bereitschaft, schmerzhaften Preis zu zahlen, um Menschenleben zu zahlen. Sie sagt, Samir Kuntar ist nicht ihr privater Häftling. Wenn es den Interessen des Staates dient, ist sie als Bürgerin des Staats bereit, den Schmerz zu tragen, den sie ihr Leben lang sowieso trägt. Aber der Schmerz macht sie nicht unempfindlich für das Leiden anderer. Sie hat lange nachgedacht, aber sie steht mit ganzem Herzen hinter der Entscheidung, Samir Kuntar freizulassen. Auch wenn es wehtut. (Der Mörder wird ja im Libanon als Held gefeiert.)
Sie hat sich nie interviewen lassen, über Jahre hinweg hat man sie nicht in den Medien gesehen. Jetzt hatte sie das Gefühl, sie muß etwas sagen. Ich denke oft an sie, und wie sie ohne ihren Mann, ohne ihre kleinen Mädchen weiterlebt.
Kommentare
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ich finde es immer wieder erstaunlich wie israel in momenten der trauer zusammenrueckt. ueber alle grenzen hinweg. gerade das macht israel aus. in europa ist das anders. je tiefer die krise, desto tiefer die kluft.
Versteht mich nicht falsch, aber hätte ich da etwas zu tun mit dem Mörder, würde ich ihn versuchen auszuschalten. Endgültig. (Als Privatmensch, schätze ich, wäre besser.)
Finde das unerträglich, dass der freikommen darf.
Natürlich erst nach dem Deal, der schlimm genug so laufen kann.
Ja, Smadar Haran ist ein Mensch von Format. Die zynischsten Fernsehkommentatoren waren sichtlich erschüttert von ihrer Rede, Roni Daniel meinte, ihren Brief muß sich Israel als Leitfaden für alle weiteren Verhandlungen hinter den Spiegel stecken.
Die Meinungen gehen nun auseinander, aber die meisten meinen, da Nasrallah nicht verbergen konnte, daß die Soldaten tot sind, ist der Preis gesunken, und er kann sich eigentlich nicht sehr brüsten (obwohl er es natürlich tut).
Der Deal sieht so aus: wir lassen Kuntar und noch vier seiner Spießgesellen frei, außerdem Leichen von zehn weiteren Terroristen.
Dafür bekommen wir die Leichen von Regev und Goldwasser, und einen ausführlichen Bericht der Hisbollah über ihre Nachforschungen zum Thema Ron Arad. Die deutschen Unterhändler halten den Bericht für ernsthaft und obwohl er keinen endgültigen Aufschluß über Arads Schicksal gibt, zeigt er, daß Nasrallah tatsächlich versucht hat, mehr herauszufinden, aber in Teheran auf Granit gebissen hat.
So zumindest die Einschätzung von Ehud Yaari.
Sagen wir mal so: wir haben schon schlechtere Deals abgeschlossen.
(Und viele Leute haben gescherzt, daß wir den Grundsatz “Für Leichen geben wir nur Leichen” am Exempel Samir Kuntars statuieren können… Statt dessen haben wir den Mann 30 Jahre lang durchgefüttert, er hat inzwischen studieren können und bereut nichts. Yaari meint, er ist vielen Libanesen eher peinlich.)
Für Gilat Shalit werden sie uns bluten lassen. Aber – “der Knabe lebt”.
“Statt dessen haben wir den Mann 30 Jahre lang durchgefüttert, er hat inzwischen studieren können und bereut nichts.”
natuerlich bereut er nichts … er bereut so wenig wie die palaestinensischen selbstmordattentaeter die in israelischen krankenhaeusern, auf traumastationen, gepflegt und durchgefuettert werden. um danach noch einmal zu versuchen sich in die luft zu sprengen und moeglichst viele israelis mit in den tod zu reissen.
Übel werden kann einem dann, wenn man dann liest:
Im Austausch für die beiden Soldaten will Israel offenbar einen seit fast 30 Jahren in Haft sitzenden Hisbollah-Kämpfer und vier weitere inhaftierte Libanesen freilassen. (Tagesschau.de)
Während des Krieges las man hier in D in den Leserbriefspalten, wie
unmöglich doch Israels Reaktion wegen 2(!),(Ja das Ausrufezeichen in
Klammer stand da wirklich so), entführter Soldaten sei.
Wo doch die Hisbollah nur die armen hunderte Libanesen befreien will die Israel seinerseits gekidnappt hat………..
Wie viel glücklicher hätten die Familien Haran, Goldwasser, Regev und die der Gefallenen, samt denen der getöteten Libanesen leben
können, hätte Samir Kuntar jenseits der Libanesischen Grenze auf
israelische Kidnapper gewartet.
Aber wer will das schon so genau wissen?
Ich bin traurig mit Israel über die 2(!) Söhne, die Gefallenen und den
Sieg seiner Feinde.
Schalom, ja das wünsche ich euch und euren Kindern.
Ulrich Sahm zum Deal
http://www.n-tv.de/987623.html
Dienstag, 1. Juli 2008
Israels verschollene Soldaten
Heimkehr um jeden Preis
Von Ulrich W. Sahm
“Kein anderes Thema erregt die Israelis so sehr wie das Schicksal verschollener Soldaten. Um sie frei zu bekommen ist der Staat Israel bereit, sogar gegen die ureigenen Interessen zu verstoßen.”
( … )