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Neulich, beim Elternsprechtag Mai 24, 2008, 11:14

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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an der High school. Das ist immer ein Kraftakt! Wir haben Primus und Tertia mitgenommen, Secundus hat mir eine lange Liste seiner Lehrer vorbereitet. Als wir ankamen, strömten schon Scharen von Eltern und Jugendlichen herbei. Wir trennten Streitkräfte: Y. und Primus in Richtung Naturwissenschaft, Tertia und ich ins Gebäude Geisteswissenschaften. In jedem Gebäude liegen Pläne aus mit einem Grundriß, auf dem eingezeichnet ist wo welcher Lehrer sitzt. Und dann heißt es eben, warten, bis man dran ist.

Die Leute sehen anders aus als in Deutschland, kein Zweifel, was daran liegt, daß es fast alles Kibbuzniks sind. Nach wie vor erkennt man Kibbuzniks. Die Erwachsenen kleiden sich wie die Jugendlichen, niemand ist schick oder teuer gekleidet. Väter tragen Jeans und irgendwelche Hemden und Schluppen, nur die die drusischen Väter in ihren Offiziersuniformen fallen auf. Die Mütter kleiden sich genau wie ihre Töchter, Jeans und irgendein Top und wilde Haare. Oh, und die Lehrerinnen und Lehrer sehen auch nicht anders aus. Wenn man einen ausgewachsenen Mann in karierten Pantoffeln rumlaufen sieht, ist es entweder Alfons der viertel-vor-Zwölfte oder ein Kibbuznik oder ein Lehrer für Geographie an unserer Schule.

In einer Warteschlange stand ich zwischen zwei niederländischen Müttern, die unbekümmert über ihre Umgebung lästerten. “Typisch israelisch” war nicht das einzige, was ich verstand. Ein Elternpaar sprach Portugiesisch. Die Niederländerinnen und die vermutlich aus Brasilien stammenden Eltern fingen an, sich zu unterhalten und zu vergleichen, wie viele zweisprachige Kinder ihre Kinder in der Klasse haben. Tertia brachte mir Tee, und ich konnte nicht anders als sagen, “danke Schatz”. Daraufhin die Niederländerinnen, etwas dismayed, “oh weh, eine Deutsche! die hat uns verstanden!” Und ich dachte, ich kenn fast alle Eltern an der Schule!

Mit Tertia zum Lehrersprechtag gehen ähnelt übrigens einem altrömischen Triumphzug. Wo das Kind eintritt, entspannen sich die Gesichtszüge der Lehrer, und sie rufen, “ach, das liebe Mädchen! so klug, und dabei so still! immer nett! hat immer ihre Hausaufgaben! und ihr Heft ist so ordentlich!” Der Lehrer für Bibel, ein religiöser Freak mit Kippa und Birkenstocksandalen, meinte, ihre Arbeiten zeigen, daß sie wirklich Interesse am Fach hat und sich eigene Gedanken macht. Was Tertia abstreitet. Ihre Kunstlehrerin (die mal meine Studentin war) möchte, daß Tertia Kunst als Leistungskurs (”chamesh yechidot”) nimmt. Tertia will das nicht, die Begeisterung der Lehrerin ist ihr peinlich.

Die Lehrer auf Secundus´ Liste waren deutlich weniger enthusiastisch. Ihnen ist klar, daß sie im Leben meines Sohnes eine eher untergeordnete Rolle spielen. Mich interessieren weniger die Noten, mehr das Sozial- und Lernverhalten. Immerhin macht keines meiner Kinder in der Richtung Probleme, sie sind nicht frech und stören nicht, das ist immerhin schon etwas. Und die Noten, tja. Y. meint, er sieht in Noten weder einen Liebesbeweis der Kinder noch einen Garant für ihre Zukunft. Das ist Sache der Kinder, sie lernen für sich selbst und nicht für uns oder die Lehrer.

Wenn ich mich erinnere, wie wichtig bei uns früher Noten waren, und wie ich von Mathe- zu Lateinarbeit gelebt habe, bin ich wieder froh, daß das Schulsystem hier entspannter ist.

Primus, fast durch sein Abi, hat sich eigentlich von seinen Lehrern verabschiedet. Er versteht sich mit seinen Lehrern sehr gut, sie loben ihn auch alle. Interessanterweise sind Primus und Tertia Leseratten, und das schlägt sich auf die Schulleistungen nieder. Ich erkenne auch bei meinen jugendlichen Schülern sofort, wer liest und wer nicht.

Er und seine Freunde haben Kuchen verkauft, wie das auch in Deutschland an manchen Schulen üblich ist. Ich habe aus nichts einen Quark-Ölteig gemacht, mit Äpfeln gefüllt und hübsch geflochten, wurde sehr hübsch. Als Primus mit den vier Zöpfen ankam, war er stolz, daß alle dachten, die sind gekauft. Sie haben auch gut verdient, die Kinder, das Geld wird für die Abschlußfeier gebraucht.

Und ich war wieder mal beeindruckt, mit welcher Nettigkeit und Hingabe die Lehrer meiner Kinder arbeiten, für so wenig Geld und so wenig soziale Anerkennung. Die ich ihnen hiermit von ganzem Herzen ausspreche!

Jerusalem Mai 24, 2008, 8:16

Posted by Lila in Land und Leute.
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Gestern waren Y. und ich allein (ohne Kinder! ohne auch nur eines!) in Jerusalem. Ich war schon eine ganze Weile nicht mehr da, und die letzten Male waren immer arbeitsbedingt und zielgerichtet. Oder zu einer Feier. Einfach so in Jerusalem rumlaufen, das hab ich ewig nicht mehr gemacht, dabei war es, als ich nach Israel kam, meine Wonne und Freude. Ich finde Jerusalem nämlich wunderschön; der Stein, aus dem alles gebaut ist, verleiht selbst den relativ sterilen und schicken neuen Vierteln einen Schimmer des Wunderbaren.

Y. mag Jerusalem weniger. Er begeistert sich wenig für alles Alte, nur weil es alt ist, er hat nicht viel für Religion übrig und läuft viel lieber durch schöne Natur als durch enge Gassen oder Kirchen oder Museen. Außerdem hört man leider den Namen Jerusalem nur, wenn von Anschlägen, politischem Streit oder sonst Ärger die Rede ist. (Wie kann ich deutsche Nachrichtenleser tadeln, wenn ihr Israelbild einseitig ist, wenn mein Jerusalembild es ebenfalls ist?)

Trotzdem haben wir gestern die Kurve gekriegt und sind hingefahren, seit Jahren zum ersten Mal wieder. Einfach so, ohne Plan. Y. meinte, er hat beim planlos-inspirierten Hin und Her durch die Altstadt Ecken gesehen, wo er noch nie war. Wir haben uns wie Touristen benommen, was wir ja auch waren, und das war schön. (Nein, wir haben weder Vered noch sonst jemand angerufen, das machen wir nächstes Mal, wenn wir vorher wissen, daß wir nach Jerusalem fahren, und nicht nur spontan losfahren).

Wir waren nicht nur in der Altstadt, aber die Altstadt ist zweifellos am eindrucksvollsten. Es zogen viele Moslems mit kleinen Teppichen über der Schulter in Richtung Tempelberg, als wir vom Ölberg in Richtung Jaffator fuhren. Schließlich sind wir durchs Neue Tor in die Altstadt gegangen. Mein einziges Ziel war, darin rumzulaufen und wieder ein Gefühl für die einzelnen Teile und ihre Lage und ihre Architektur zu bekommen.

Für uns Provinzler war es schön zu sehen, wie viele Touristen aus aller Welt wieder durch Jerusalem laufen. Eine Gruppe Inder, die Frauen in atemberaubenden Saris. Nonnen, Mönche. Viele Europäer, darunter sehr viele Deutsche, darunter ein Kamerateam mit einer großen Tigerente (????). Wir haben in einem kleinen Restaurant libanesisch zu Mittag gegessen, neben uns ein deutsches Paar, das mit der Speisekarte kämpfte, und denen wir ein bißchen halfen. Wir wünschten ihnen zum Abschied einen schönen Aufenthalt, sie uns auch.

Wir waren in der Grabeskirche, die picke-packe-voll war (und wo noch immer die Leiter außen vor einem der Fenster steht, wie auf den Photos vom Anfang des Jahrhunderts), in der Erlöserkirche, zu deren Gemeinde ich zwar gehöre, zu der ich mich aber nicht wirklich zugehörig fühle und deren kühles Innere mich ebenso ließ, und wir waren an der Klagemauer, die mich diesmal wirklich umgehauen hat. Es standen und saßen dort viele Betende. Es war das erste Mal seit langem, daß ich ohne Begleitung vor der Klagemauer stand, ohne Gruppe, ohne Erklärungen, einfach so.

So wie wir fromme (vielleicht auch weniger fromme) Christen, Juden und Moslems überall sahen, so lagen auch in allen Auslagen von Touristen-Shops Kippas, Kreuze aus Olivenholz und Gebetsketten nebeneinader, mit Chanukkiot, Flschen mit heiligem Öl oder Wasser und Keffiyes. So viele Läden bieten diese Ware an, man fragt sich, wer das je alles kauft.

Was es das letzte Mal, als ich dort war, auch noch nicht gab: so viele kleine Computerläden und Internetcafes. Die machen sich in der Altstadt etwas seltsam, in diesen alten Gewölben, neben den Geschäften für Gewürze und Kräuter, Parfüms, uralte Tonkrüge (echte Antiquitäten oder hübsche Fälschungen?), grellfarbige Kinderkleidung, bemalte armenische Teller und Tassen, und modeste Kopfbedeckungen. Und überall Touristen, Touristen, Touristen. So wie wir.

Ich habe in letzter Zeit so viel über Jerusalem und die Geschichte des Landes gelesen, daß ich zwischendurch fast einen Moment der Überwältigung hatte und es mir zu viel wurde. Thomas Manns tiefer Brunnen. Da haben wir uns in ein winziges Restaurant gesetzt und uns ausgeruht. Und haben beschlossen, wir fahren wieder hin, diesmal mit den Kindern.

Vom Ölberg aus gesehen: das Goldene Tor oder Tor der Barmherzigkeit, Shaar ha Rachamim. Noch ist es zugemauert, doch wenn der Messias kommt, wird es sich für einen Einzug öffnen.

Freitagsbild Mai 23, 2008, 18:59

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Hof Habonim Shabbat

Irgendwann muss es ja kommen, das Photo vom Sonnenuntergang am Meer. Ich weiss, mehr Kitsch geht kaum. Aber nachdem das Mittelmeer so nah ist, entgeht man diesem Anblick auch schlecht. Zudem ist es auch nicht irgendein Sonnenuntergang an irgendeinem Strand an der 273 km langen Küste Israels. Das Bild ist am Hof Habonim (חוף הבונים) aufgenommen, einem Naturschutzgebiet zwischen Cesarea und Haifa.

Hier gibt es keine verdreckten Strände und Dauerurlauber in Zelten, sondern feinsten Sand, unterbrochen von spitzen, wettergemachten Steinskulpturen und sagenhafter Natur. Zum Baden eignet sich die Gegend eher nur beschränkt, denn die Küste ist im Allgemeinen recht rauh ist und ohne natürlichen Buchten oder künstliche Wellenbrecher stellt sich selten eine ruhige Brandung ein. Wer die Mühe nicht scheut, in den Naturpark zu fahren, wird dafür mit verborgenen Buchten, verlassenen, feinen Sandstränden und mit in Israel einzigartigen Gesteinsformationen belohnt. Das Bild ist schon etwas älter und mit einer inzwischen ältlichen Kamera gemacht. Eine längere Bilderserie gibt es es hier. (Bild: David)

Heute früh Mai 22, 2008, 22:53

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sind viele Bürger und Soldaten nur knapp einer Katastrophe entkommen. Am Grenzübergang Karni (Israel-Gazastreifen) explodierte vorzeitig, noch auf der palästinensischen Seite, ein mit Sprengstoff beladener LKW. Über vier Tonnen Sprengstoff. Im einem naheliegenden israelischen Dorf wackelten die Wände und zersprangen die Fensterscheiben.

Ein genauerer Bericht bei Haaretz.

Earlier Thursday, a Palestinian bomber blew up an explosives-laden truck on the Palestinian side of the Erez crossing on the Israel-Gaza Strip border early Thursday morning. The driver was the only casualty in the attempted attack.

A spokesman for Islamic Jihad said his group carried out the attempted attack in cooperation with the Al-Aqsa Martyrs’ Brigades, an offshoot of Palestinian President Mahmoud Abbas’s more secular Fatah faction. Jihad described it as a successful martyrdom operation.

Immerhin schieben sie diesmal nicht der israelsichen Armee die Schuld in die Schuhe, das ist ja ein echter Fortschritt. Es existiert sogar ein Bekennervideo.

Kurz darauf gewaltsame Demonstrationen am Grenzübergang Eres. Die demonstrierenden Palästinenser waren bewaffnet, einige von ihnen mit RPGs. Sie warfen mit Steinen. (Ich hoffe, daß nun, nach dem tragischen Tod einer jungen Frau in Deutschland durch einen Holzklotz, der übliche Unfung von den unschädlichen Steinchen nicht mehr erzählt wird. Die Palästinenser werfen nicht mit Kiesel-, sondern mit Ziegelsteinen. Die können töten und haben das auch schon getan.)

Die Soldaten erschossen einen von ihnen.

Several hours later, Israel Defense Forces troops opened fire into a crowd of protesters at another border passage, killing a 22-year-old man and wounding 16, including three children, a Gaza health official said. The military said it was looking into the report.

Wenn man mit Waffen, darunter RPGs, zu einer Demo geht, wieso nimmt man dann Kinder mit? Ganz einfach, weil man kann. Und warum kann man? Weil man immer Israeli die Schuld zuschieben kann, wenn den Kindern was passiert. Ein bewährtes Patent.

Eres und Karni sind übrigens eben die Grenzübergänge, über die die Versorgung des Gazastreifens läuft, durch ohne Übertreibung todesmutige israelische LKW-Fahrer. Natürlich geht der normale Zeitungsleser davon aus, daß Israel aus reiner Lust am Quälen die Versorgung gedrosselt hat.

Außerdem heute passiert:

Also on Thursday, IDF troops operating in the Gaza Strip found a cache of weapons. including anti-tank missiles, hidden in a schoolyard in the Sajayeh refugee camp.

Richtig gelesen: in einem Schulhof wurden die Waffen versteckt. Rührend besorgt um die Kinder, ich muß schon sagen.

Die BBC konzentriert sich wieder mal auf das Wesentliche und titelt:

Gazan shot dead at blockade demo

Dann kleiner:

Israeli soldiers have fired at a demonstration near a Gaza border crossing, killing one man and injuring others, local medical workers say.

Wer sind übrigens local medical workers? Richtig, Palästinenser, die gewiß zuverlässig und objektiv wie stets verdient haben, als wahrhaftige Quellen zitiert zu werden.

Ein verschämtes Sätzchen erwähnt auch:

Earlier, Palestinians carried out a lorry-bomb attack at the Erez crossing.

Klingt harmlos, nicht wahr? Müssen ganz schöne Wüteriche sein, diese Israelis.

Gerechtigkeit Mai 21, 2008, 20:11

Posted by Lila in Presseschau.
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Vermutlich wird es in den Medien keine großen Schlagzeilen* machen, aber liebe Leser, fragt Euch mal warum.

Heute erging das Urteil im Prozeß Philippe Karsenty gegen France 2. Ich habe die Geschichte schon öfter erwähnt, die dahintersteht. Es geht um die Live-Übertragung des angeblich von den Israelis verschuldeten Todes eines Jungen, der zur Ikone geworden ist: Muhammad al Durra. Karsenty hat dem französischen Sender vorgeworfen, daß er vollkommen unkritisch seinem palästinensischen Stringer geglaubt hat, wichtiges Material weggelassen hat und das Unmögliche behauptet hat, nämlich, daß der Junge durch Kugeln der israelischen Armee getötet wurde.

Daraufhin wehrte sich France 2 mit einer Verleumdungsklage gegen Karsenty. Die Geschichte wand sich ewig durch die Instanzen. Jetzt hat Philippe Karsenty endlich Recht bekommen: er darf ungestraft sagen, daß France 2 tendenziös und unwahr berichtet, daß es die Versionen der Paästinenser ungeprüft übernimmt, Geshichten hindreht und damit weiteren Zündstoff für Gewalt liefert.

Wie viele Menschen sind “im Namen Mohammad al-Durras” schon getötet worden ? Zahllose. Wie viele Menschen haben das Gesicht des Kindes vor Augen, wenn sie vor Wut über israelische Brutalität schäumen? Alles Lüge, Freunde. Es stimmt nicht, wie so viele, unendliche viele Geschichten nicht sitmmen, die man in den Mainstream-Medien über Israel und die Palästinenser erzählt.

Das ist in meinen Augen der Dreyfus-Skandal unserer Zeit. Und wenn die Medien ihn totschweigen, statt endlich mal der Wahrheit ins Gesicht zu sehen, nämlich daß sie palästinensische Gruselgeschichten und Lügenmärchen ungeprüft als Nachrichten-Items servieren, dann ist der Skandal nur noch größer.

Bitte, liebe Leser, sagt Bescheid, wenn Ihr irgendwo ein Echo auf dieses Urteil in Zeitung, Radio oder Nachrichten findet. Ach, wäre das schön, wenn jetzt mal ein paar selbstkritische Worte kämen. Aber keine Sorge, so unrealistisch bin ich nicht, ich erwarte nichts.

Ich kopiere hier einen Brief von Karsenty ein, den ich bei Meryl Yourish gefunden habe:

Philippe Karsenty gave the following statement regarding his victory:

“Today a French court ruled that I did not defame France 2 when I said that its news report was a staged hoax. Because I refused to be brainwashed, I was sued for defamation.

“Our victory today was a victory for freedom–the freedom to think and to speak one’s mind; the freedom to question what one is told; and the freedom to disbelieve the solemn pronouncements of others when the individual concludes that his reasoning is correct and that the state and the state-run media–and all of the institutions they represent–are wrong.

“The Al Dura lie is an assault on our ability to think, to criticize, to evaluate, and, finally, to reject information–especially the right to reject information on which we base our most cherished assumptions. One of Europe’s most cherished assumptions is that Israel is a viscious Nazi-like entity that deliberately murders Palestinian Arab children. Moreover, polls conducted in Europe have identified Israel as the greatest threat to world peace, greater than Iran and North Korea, Pakistan and Syria. The Al Dura hoax is one of the pillars on which these assumptions rely.

“It is ironic that I, a private individual, had to lecture one of France’s most influential TV stations in order to demonstrate that a child cannot move, lift his head, arm and leg, stare at the camera and still be considered “dead” a good 10 seconds after the newscaster tells us… ‘the child is dead.’ One need only look at France 2’s own footage to realize that the ‘death’ scene was faked.

“My only objective was to correct this error. However, on the part of the French media, it turned into a titanic battle against critical thinking and freedom of thought and expression. On my part, it became a battle for the right not to be brainwashed bythe French media. Only a few weeks ago, a French television station produced a documentary ‘proving’ that the Al Durah story is authentic. First, I was compared to a Holocaust denier, and then to the fringe elements that insist that 911 was an inside job. I, and others who share my opinion about the story, including Richard Landes, were labeled dangerous extremists and fanatics. All the while, viewers observed the ‘dead’ boy move exactly as I just described it. I can only conclude that, in France, it is critical thinking that is either dead or dying. Every French citizen should be complaining about this insult to our intelligence. In fact, very few complain because mass brainwashing works. Where are the angry letters to the station for its absurd documentary? Do the citizens of France now believe that a “dead” boy can move? Or have they merely forgotten how to think and draw their own conclusions?

The right to think, to speak, to evaluate, to accept and reject the conclusions of others goes to the very heart of what it means to be free.

Now it is time for France 2 to acknowledge that it created and is continuing to perpetuate the worst anti-Semitic libel of our era. It’s the responsibility of the French government and ultimately, the responsibility of the French president, Nicolas Sarkozy, who is, for all practical purposes, the chief executive of French public television, to finally reveal the truth.”

Zum Thema außerdem in anderen Blogs: Israel Matzav macht sich Gedanken und zeigt ein Bild, um uns daran zu erinnern, wie dieser Fall ausgeschlachtet wurde. Aussie Dave freut sich, daß es noch Gerechtigkeit gibt. Bei Richard Landes, der diesem Fall sorgfältig nachgegangen ist und auf dessen Blog sich alle Fakten finden, herrschen Freude und Erleichterung vor. Ich empfehle eine gründlichere Lektüre für Zweifler. Außerdem finden sich bei ihm weitere Links.

Aber ich denke mit schwerem Herzen: wie viele Menschen werden nie davon hören, daß sie belogen worden sind, und werden uns nach wie vor als blutberauschte Massenmörder, neue Nazis und was nicht alles bezeichnen. Und andere werden es einfach nicht glauben. Werden sagen, ja ja, jüdisches Geld kauft alles.

Und ich sage Euch: das ist nur ein winziges Teilchen in dem großen Bild, das da “palästinensisches Narrativ” heißt. Es kommt einem das Entsetzen, wenn man daran denkt. Wir bezahlen für diese Lügen, die als Vorwand für endlosen Terror gegen uns dienen. Wir werden weiter bezahlen. Leider.

Doch ich würde viel darum geben, die herausgeschnittenen Teile der Aufnahmen von France 2 zu sehen und endlich zu wissen, was an diesem Tag wirklich geschehen ist. (Eine gründliche Analyse der Aufnahmen gibt es bei Richard Landes. Wer wissen will, wie der SChwindel funktioniert, sollte sich das zu Gemüte führen.)

Update: Medienecho hier. Interessante Überlegungen zum Thema Narrativ, Wirklichkeit und der Verbindung zwischen beiden hier.

*Nachtrag am 13.6.: Wie schade, daß ich Recht behalten habe. Der Fall hat keine Spuren in der deutschen Presse hinterlassen. Kein einziger der Journalisten, die damals gegen Israel gegiftet haben, hat sich entschuldigt oder auch nur milde Zweifel bekannt. Nichts.

Das Licht der Aufklärung Mai 20, 2008, 16:54

Posted by Lila in Land und Leute.
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Manchmal geht es einem mit einem wunderbaren ZISCH an, und man versteht ganz vieles, das man immer schon wissen wollte. So habe ich heute die Website der Flat Earth Society entdeckt. Mir kam das ja immer schon spanisch vor mit der Vorstellung, daß die Erde rund sein soll - ebenso wie Miss Matty mag ich das gar nicht zu Ende denken.

Es ist auch unmöglich, daß die Welt rund ist und sich dreht und noch dazu durchs All zieht - wie soll sich denn sonst auch nur eine Tasse auf dem Tisch halten? Die müßte doch runterfliegen wie in einer fahrenden Eisenbahn! Das stimmt! Und mir kam immer schon seltsam vor, daß die Erdanziehungskraft oben und unten gleichzeitig funktionieren soll. Nein nein, diese Ungereimtheiten sind ausgeräumt.

Besonders erfreulich finde ich, daß die Flat Earth Society ihre Kronzeugen in der UNO findet, die ja auf ihrer Flagge auch eindeutig die FLACHE Erde zeigt.

Alles klar? Daß sich diese Lüge so lange halten konnte! Und wie groß ist der Aufwand, mit dem diese Lüge aufrechterhalten wird! Ich bin froh, daß ich jetzt die Wahrheit weiß.

Und gerade während ich mich noch so an meinem Erkenntnisgewinn freue, fällt mir ein weiteres aufklärerisches Dokument in die Hände. Es handelt sich dabei um eine Fernsehsendung für Kinder, die ein paar der übelsten Lügen aufdeckt, mit denen die Welt genarrt werden soll.

Leider kann ich die Aufnahme nicht direkt hier reinstellen, aber hier ist der Link. Dankenswerterweise wird eine Übersetzung gleich mitgeliefert.

Following is an excerpt from the Hamas Children’s show “The Pioneers of Tomorrow,” which aired on Al-Aqsa TV on May 9, 2008:

Assud the Bunny: Grandpa, where did you live? In what city?

Grandpa: We used to live in the most beautiful place in Palestine.

Assud: Where?

Grandpa: My dear, you’ve never seen such a place. I used to live in Tel Al-Rabi’ [the Arab word for “spring,” which is “Aviv” in Hebrew]. What a beautiful place. My God, when I recall Tel Al-Rabi’, which the Zionists have called…

Assud: There’s no such place called Tel Al-Rabi’. What’s the matter, Grandpa? Have you gone senile?

Grandpa: I’m not senile. My head is working just fine. How can you say I’m senile? This place was called Tel Al-Rabi’, but the Zionists and Jews Hebraicized the name to “Tel Aviv.” Where did this “Tel Aviv” come from? It has been Tel Al-Rabi’ for generations, on the land of Palestine, right next to Yafa. How can you say I’ve gone senile? I know this. My head still works just fine. Are you trying to confuse me? I’m not senile yet. I have documents and proof. I have all the papers here. The documents are right here with me. How can you say I’m senile? I have all the documents with me. Here they are. Everything is here, from the days of the British and even before. This is our land, as well as the fields, the trees, and the houses. I can even show you the key. You’re calling me senile? I have proof.

Assud: Forgive me, Grandpa, it’s not our fault. It’s the fault of the school curricula, which did not teach us that Tel Aviv is in fact Tel Al-Rabi’, and vice versa.

Grandpa: No, my dear, take it from me. I know, and I have the papers and the land deeds. The name Tel Al-Rabi’ has been forged by the Jews and Hebraicized to “Tel Aviv.” They invented all these names. “Ashdod” is, in fact, Isdud. “Ashkelon” is, in fact, Al-Majdal. Where did they get these names? Al-Sab’ is called “Beer Sheva”! It’s all a lie. There are all pseudonyms. Yafa, Al-Lydd, Al-Ramla, Al-Sab’ – they changed all these names and Hebraicized them, and now they say: That’s Tel Al-Rabi’? There is no such thing. It’s Tel Aviv. It’s all a lie. All these names were Hebraicized by the Jews.

Da, bitte sehr. Alles Lüge, alles Fälschung. Daß Tel Aviv erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet wurde? Lüge. Ashkelon? Die Bibel lügt, das hat es nie gegeben. Oder wenn, dann waren die Palästinenser auf jeden Fall zuerst da.

Beer Sheva ist ebenfalls eine Fälschung. Das sind alles palästinensiche Gründungen, die sich die Juden dann unter den Nagel reißen wollten.

Ich habe den schweren Verdacht, daß es auch wieder die Juden sind, die die Wahrheit über die flache Erde unterdrücken wollen. Das sähe ihnen ganz ähnlich. Nicht wahr?

Radionachrichten Mai 19, 2008, 17:09

Posted by Lila in Presseschau.
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Aufgabe: beende diesen Satz.

“Heute abend wird sich Premierminister Olmert einer Untersuchung…”

Automatische Antwort:

“… in der Anti-Korruptions-Abteilung der Polizei unterziehen müssen.”

Falsch! Er hat Probleme mit der Prostata und es soll untersucht werden, ob der Krebs wiedergekommen ist. Immerhin redet das Land mal nicht über seine Hosentaschen und deren Inhalt, sondern über noch viel intimere Dinge.

Oh, ich wünsch ihm Gesundheit, aber auch - Gerechtigkeit.

Update: Ha, es funktioniert! An Y. ausprobiert.

Sag mal, wie geht dieser Satz weiter, den ich vorhin in den Nachrichten gehört habe:

“Heute abend wird sich Premierminister Olmert einer Untersuchung…”

Er, wie aus der Pistole geschossen: “… am Lügendetektor unterziehen müssen!”

Ich: “verkehrt! Er muß MRI-Aufnahmen machen.”

Er: “Ah, hat er den leichten Ausweg aus dem Schlamassel gefunden!”

Ich: “das muß ich bloggen!”

Er: *argh*

Ärzte, Ärzte, Mai 19, 2008, 16:43

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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Hort der Menschlichkeit. Schon wieder eine Geschichte aus dem medizinischen Bereich. Solche Geschichten geben einem den Glauben zurück, daß wir und die Palästinenser ganz normal und menschlich miteinander leben können, wenn wir uns auf gemeinsame Interessen konzentrieren und nicht auf entgegengesetzte. Wenn es um Kranke und Verletzte geht, dann sind alle auf einer Seite und arbeiten zusammen. Das ist so schön zu sehen. (ich habe die Geschichte von Pajamas Media, und haben den Weg dorthin über David B. gefunden.)

Es war im Dezember, an einem regnerischen Tag in der Nähe von Ramallah. Da gibt es eine Armeebasis. Ein Taxi mit Palästinensern kam bis vors Tor gefahren, drinnen Menschen, die dringend um Hilfe riefen. Ein 12jähriger Junge war schwerstverletzt - und der israelische Militärarzt sah sofort, daß er dringend Hilfe brauchte. Bewußtlos, schwere Kopfverletzung. anEin Albtraum.

Während ein Team von Ärzten und Sanitätern den Jungen behandelte (vor den Toren der Basis, wegen der Sicherheitsvorschriften) (wer sich darüber aufregt, dem antworte ich ein andermal, ich bin jetzt in dieser Geschichte drin), erzählte der Cousin des Jungen, daß er ihn auf dem Boden liegend fand. Der Junge, Shadi, war wohl vom dritten Stock seines Elternhauses, wo ein ungesicherter Balkon ist, direkt auf den Kopf gefallen. Oh Gott.

Der Cousin dachte, er bringt ihn am besten zur Militärbasis, denn da gibt es Ärzte und Sanitäter. Das haut mich einfach um, daß er in diesem Moment nicht an die Feindschaft und den Haß dachte, sondern ganz pragmatisch, was gut für den Jungen ist. Und das brachte ihn ganz genau zur richtigen Lösung, denn Gott sei Dank wurde sein Vertrauen nicht enttäuscht. (Der Artikel erläutert auch, daß die Bewohner von Ramallah sich bei Notfällen an die Militärärzte wenden, das ist wohl eine Besonderheit dieser Armeebasis, daß sie der Bevölkerung medizinische Dienste bietet.)

Der Arzt, ein orthodoxer Jude, sah sofort, daß weder er noch das Krankenhaus in Ramallah bei einer so schweren Hirnverletzung helfen können. Und er bestellte einen Sanitätshubschrauber, um den Jungen nach Israel fliegen zu lassen. So mutig, wie der Cousin war, als er sich an die verhaßten Feinde um Hilfe wandte, so mutig war der Arzt. Denn ein Helikopter des israelischen Militärs ist natürlich ein wunderbares Ziel für die Scharfschützen auf den Hügeln um Ramallah herum. In Ramallah so eine ungeschützte Aktion unternehmen wie die Verladung eines Schwerverletzten in einen Hubschrauber, das ist gefährlich.

Aber für den Arzt war die Entscheidung leicht, denn er richtete sich wieder nur danach, was der Junge brauchte. Er brauchte Helikopter-Transport, und er bekam ihn. Er kam in ein israelisches Krankenhaus, er überlebte. Seit Januar ist er in einer Reha-Abteilung in Israel und lernt dort sprechen, gehen und essen von neuem.

Aus dieser Geschichte kann man mehreres lernen. Erstens, daß es überall gute Menschen gibt, und daß in Notsituationen ein Mensch seines Bruders Hüter ist. Zweitens, daß sachlich zielgerichtete Entscheidungen, die konkret helfen, die besten sind.

Um es zynisch auszudrücken: der Cousin hätte sagen können, “lassen wir Shadi hier vor dem Tor verbluten und rufen Journalisten, dann haben wir einen Coup. Bis bewiesen ist, daß die Israelis ihn nicht erschossen haben, sind die Schlagzeilen schon um die Welt”. Der Arzt hätte sagen können, “sollen sie doch in ihr Krankenhaus nach Ramallah gehen, was soll ich ein medizinisches Team und eine Helikopterbesatzung riskieren, von dem teuren Helikopter ganz zu schweigen, und alles nur für einen kleinen Araber”.

Das haben sie aber nicht.

Und wer jetzt sagt, ja ja, immer die edlen Israelis als Retter, wenn die Palästinenser nicht Opfer sind, dann gefällt Dir die Geschichte schon weniger? - den erinnere ich an die oft erzählte Geschichte vom arabischen Arzt, der meine Tertia gerettet hat. Gerettet. Ohne ihn hätt ich die Motte nicht mehr. Und ich sehe noch vor mir, wie er sie zwei Jahre später wiedersah, sofort auf seine Schultern hob und mit ihr über die Kinderstation tanzte, singend: das ist mein Mädchen. Und sie lachte. Den werde ich nie vergessen, den Arzt.

Ein guter Arzt hilft, egal wo er herkommt und wo der Patient herkommt. Und er entscheidet pragmatisch und sachbezogen. Da könnten wir uns alle was von abgucken.

Ich wünsche Shadi eine gute Genesung und seiner Familie alles Gute.

Durchsage Mai 19, 2008, 15:42

Posted by Lila in Bloggen.
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Im Kommentarbereich von Rungholt wird es in der nächsten Zeit zu zähfließendem Verkehr und eventuell auch Staus kommen. Ich bitte um Verständnis. Im Moment sind die Kommentare moderiert, nur für ein paar Tage, dann mach ich sie wieder auf. Falls es nötig sein sollte, stelle ich wieder auf moderiert um.

Damit das ganz klar ist: es geht mir nicht um Meinungszensur, ich glaube, in meinen Kommentaren kann man ein recht umfangreiches Spektrum an Meinungen finden. Aber ich habe meine Gründe.

Tertia Mai 19, 2008, 14:54

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Muzika israelit.
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meint, sie will auch mal Musik vorstellen, wie ihre Brüder.

Eviatar Banai, einer der großartig begabten Banai-Familie, von denen ich ja schon einiges hier reingestellt habe. Das Lied heißt “Chance auf Rettung”, großzügig übersetzt, sikui le-hinazel. (Na, Hebräisch-Studenten, was ist das für ein Binyan, le-hinazel?)

Ebenso wie wir hört sie gern Berry Sacharoff, Nizozot, Funken. “Klassika”. Zwar keine ideale Fassung, ein etwas verwischter Konzertmitschnitt, aber vielleicht stellt ja mal eine bessere Aufnahme ein? Den Text finde ich auch nicht.

Meir Banai (ja ja, dieselbe Familie wie Yossi, Yuval, Eviatar, Orna, Ehud, Boaz…Banai), Shaar ha rachamim, Tor der Barmherzigkeit. Diesen Clip hat wohl ein Schüler nach seiner Abschlußfahrt nach Polen gemacht, das Lied ist das Original von Meir Banai, aber der Text hat mit dem Holcaust nichts zu tun, sondern mit dem Goldenen Tor in Jerusalem.

Wenn ihr noch was einfällt, poste ich es, versprochen.

Primus kommt gerade angetigert und meint, er hat dieses Lied:

gerade auf Quartas Wunsch auf ihren wunderbaren neuen MP3-Player geladen. (Ihren ersten MP3 hatte sie in die Wäsche geworfen, den zweiten hat sie von ihren Ersparnissen selbst gekauft…)

Die Band heißt Eyfo ha-yeled, wo ist das Kind, weiß auch nicht wieso. Und das Stück Lavan be chalom shachor, Weiß in einem schwarzen Traum. Jede Erklärung muß ich schuldig bleiben… Primus meint zufrieden, daß er großen Einfluß auf den Musikgeschmack seiner jüngsten Schwester hat. Ach nee, wäre mir nie aufgefallen. (Immerhin, meint Y., sind die Autofahrten mit der Fuhre ruhiger geworden. Jeder hat seine Stöpsel und wummert still vor sich hin. Ja, die Dekadenz, die Dekadenz.)

Bagrut Mai 19, 2008, 13:40

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Neulich stand ich auf einer Party neben einer Gruppe von Lehrern, die sich unterhielten. Dabei fiel mir auf, daß Lehrer eine Abiturklasse als Statussymbol betrachten. Wer seine Schüler bis zur “bagrut”, der Refeprüfung, bringt, der läßt das mit großem Stolz einfließen. Ich finde ja so ein Statuspoker immer amüsant, wenn ich es als Zaungast mitkriege, und außerdem freut es mich, wie ernst Lehrer die Sache nehmen und dafür auch Anerkennung von anderen Lehrern bekommen. Es ist ja auch wirklich viel Arbeit und eine große Verantwortung.

Aber eigentlich segelt mein Sohn mit solcher Nonchalance durchs Abi, daß ich kein bißchen Streß davon habe. Das liegt teilweise daran, daß die Schule so locker ist und keinen Druck auf die Kinder ausübt, teilweise daran, daß mein Primus auch ohne Lernen halbwegs gute Noten hat und ohne Mühe seine Prüfungen besteht, und daß weniger gute Noten ihn nicht stören. Das Zentralabitur fällt bestimmt nicht allen so leicht wie Primus, und vermutlich sind nicht alle Eltern so nonchalant wie wir. Denn um eine schlechte Note haben wir noch nie Trara gemacht.

Y. sind Noten nicht wichtig, weil er sagt, die Kinder lernen für sich selbst, nicht für ihn. Wenn sie finden, eine miese Note ist gut genug für sie, dann bitte sehr. Er hilft gern, wenn sie Hilfe brauchen, aber nicht um eine Note zu verbessern. Ich frage bei Elternsprechstunden immer zuerst nach Sozialverhalten, Interesse und ähnlich “weichen” Dingen. Und da es an der Schule kein Sitzenbleiben und Runterfliegen gibt, bleiben keine Druckmittel. Meine Kinder wissen nicht mal, was für Druck Schule machen kann und wie gut sie es haben.

Das liegt auch daran, daß man in Israel das Abi leicht nachmachen oder auch verbessern kann. Ich kenne mehrere Leute in Deutschland, die sich mit dem zweiten Bildungsweg schwertaten - wer über längere Zeit hinweg nichts tut, weder eine Ausbildung macht noch arbeitslos gemeldet ist, dessen Optionen schmelzen ziemlich zusammen. Der einfachste Weg ist wirklich der normale, also gymnasiale Oberstufe. Hier ist das nicht so.

Kibbuzschulen haben erst vor etwa 15 Jahren Abiturprüfungen eingeführt. Vorher waren sie grundsätzlich dagegen, dem Lernen ein anderes Ziel zu geben als den Wissenserwerb selbst. Und tatsächlich ist es ja absurd, wenn für das Abi gelernt wird und nicht für die Erweiterung des eigenen Wissens. Die Kibbuzschulen haben also den Schülern dasselbe beigebracht wie staatliche Schulen und die Schüler dieselben Arbeiten schreiben lassen wie Schüler an anderen Schulen, um sicherzugehen, daß sie nicht weniger wissen. Aber sie haben ihnen dafür weder Noten noch Abizeugnis gegeben.

Für Kibbuzschüler und andere Leute ohne Abitur war es aber kein Problem, an einer Uni zu studieren. Ein Einführungskurs, den auch viele Leute von normalen Schulen absolvieren, bringt alle innerhalb von einem Jahr auf einen Stand. Dieser Kurs heißt Mechina, Vorbereitung, und ich wünschte für mehrere verzweifelte Schulabbrecher, sowas gäbe es in Deutschland auch. Jede Uni bietet solche Kurse an, egal was das Vorwissen ist, was man in der Zwischenzeit gemacht hat und von wie vielen Schulen man abgegangen ist. Manche Schüler haben nur in bestimmten Fächern Bagrut gemacht, andere fehlen ihnen. Sie können das nachholen, wenn sie wollen.

Oft ist das ziemlich mühsam. Einer unserer Neffen hatte nie Lust auf Bibel und hat darin auch kein Abi gemacht. Für die Uni fehlte ihm dann diese Note, und er konnte die Prüfung als Externer an seiner alten Schule nachholen. Er fühlte sich schon ein bißchen blöd dabei, nach Wehrdienst, einem Jahr Trampen und Jobben in Australien und zwei Jahren Arbeit in Tel Aviv wieder seiner alten Bibel-Lehrerin gegenüberzusitzen. Aber er hatte gut nachgearbeitet und bestand. Mühsam und ärgerlich, aber keine biographische Katastrophe.

Mir gefäll es, daß das Abitur hier nichts Unerreichbares ist, das man, wenn man es einmal verpaßt oder vergeigt hat, nur unter bestimmten Auflagen neu machen kann. Denn eigentlich wird es doch überschätzt.

Meine kleine Schwester meinte neulich, jede Hausarbeit oder Klausur in ihrem Studium ist schwieriger als das ganze Abi zusammen, und sie lächelt heute über die Reden der Lehrer, die das Abi als so eine schwierige Hürde hinstellten. Ich erinnere mich auch, daß es nichts weiter war als ein paar etwas längere Klausuren, und die mündlichen Prüfungen waren auch nicht die Welt. (Ich habe mündliche Prüfungen eigentlich immer ganz gern gemocht, man ist flexibler als bei schriftlichen Prüfungen und wenn das Gegenüber ein souveräner, geübter Prüfer ist, dann kann es sogar Spaß machen.)

Dabei hat sich den in den Mädchenbüchern, die ich als Kind gelesen habe, das Abitur als etwas sehr Schwieriges und Anstrengendes dargestellt. Vielleicht, weil es zu der Zeit, als die Bücher geschrieben wurden, Abitur für Mädchen wirklich schwer zu erreichen war. Als ich alt genug fürs Abi war, hatte ich diese Bücher schon hinter mir gelassen, aber ich war trotzdem überrascht, daß das Abi nicht schwer war. Ich hatte aber auch Glück mit meinen Lehrern (hatte ich eigentlich immer).

Also, insgesamt ist dieses Abi eine ziemliche Antiklimax für uns Eltern, wie es das auch vor einem Vierteljahrhundert war. Mal gucken, wie das bei den jüngeren Kindern wird…

Manche Leute denken ja, Mai 18, 2008, 18:49

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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ich spinne oder eifere oder will den Palästinensern was Böses, wenn ich gegen die Terroristen von der Hamas bin. Weil nämlich viele Leute glauben, sie müssen Terroristen verteidigen, weil die ja die Interessen der Palästinenser vertreten, wenn auch mit ein bißchen, na ja, fragwürdigen Methoden (aber man weiß ja, diese edlen Wilden ticken ein bißchen anders, es wäre doch Rassismus, die mit normal-moralischen Maßstäben zu messen!).

Da manche Nachrichten es vermutlich nie in die nicht-israelischen Medien schaffen werden, hält dieser Eindruck sich wohl so gut. Aber mit dieser Einschätzung werden, wie so oft, die vielen inner-arabischen bzw -islamischen Opfer zur Seite gewischt. In diesem Falle die Bewohner des Gazastreifens, die ein Minimum westlicher Kultur behalten wollen.

Assailants have detonated a bomb outside a popular cafe in Gaza City in what appears to be part of an extremist campaign against targets seen as signs of Western influence.

On Friday, assailants detonated a bomb outside a Christian school, causing no injuries.

Over the past two years, Muslim extremists in Gaza have detonated bombs near cafes, hairdressers, record stores and institutions linked to the area’s tiny Christian community.

Okay, verstanden? Der Terrorismus richtet sich auch nach innen.

Daß die christliche Minderheit nicht etwa von den Juden geknechtet und vertrieben wird, hat sich zwar bis zu den deutschen Bischöfen nicht rumgesprochen, es reicht aber, sich die Bevölkerungsstatistik seit Gründung der Palästinensischen Autonomiebehörde anzusehen. (Daß hier eine Umfrage wiedergegeben wird, in denen die palästinensischen Christen den Israelis die Schuld für die Lebensbedingungen geben, wundert mich nicht - sie passen sich dem palästinensischen Narrativ an, aber die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Ich bin selbst Christin, besuche die heiligen Stätten hier nicht selten, sie sind tipptopp in Schuß gehalten, dafür ist nämlich die Kirche selbst zuständig, und ich erkenne nicht, wie meine Gemeinde oder die anderer irgendwie eingeschränkt wird.)

Aber der radikale Islam reagiert nun mal nur mit Gewalt. Oder fällt jemandem ein Beispiel für eine besonnene, respektvolle oder tolerante Reaktion des radikalen Islam auf IRGENDetwas ein? Egal wo er Widerstand wittert, die Reaktion fällt immer gewaltsam aus. Verbal oder physisch gewalttätig. Ob es Cafes oder Friseure sind ode “unkeusch” gekleidete Mädchen - die Reaktion ist brutal.

Ich erinnere mich, wie ich vor vielen Jahren, als der radikale Islam noch nicht an der Macht war, aber im Gazastreifen schon seine Muskeln spielen ließ, Bilder im Fernsehen sah. Im Straßenbild fielen mir besonders die superschlanken, superschicken, supergeschminkten jungen Frauen auf. (Wie ich sie in Haifa auch sehe - ein ganz alltäglicher Anblick hier, einträchtig neben verhüllten Frauen oder auch welchen mit superschicken Jeans, hohen Absätzen, elegantem Kopftuch….) Und da fragte ich mich, ob diesen Frauen klar ist, wie ihr Leben aussehen wird, wenn die Islamisten übernehmen. Nein, solange es gegen Israel geht, finden diese jungen Frauen die Hamas natürlich auch toll. Aber ob es ihnen nicht langsam leid tut, in einer Enklave des Islamismus zu leben? wo der Einfluß Irans überall fühlbar ist?

Mir tun palästinensische Christen, Cafebesitzer, schicke Mädchen und säkular wissbegierige junge Palästinenser sehr leid. Ich frage mich, warum es so wenig Solidarität für sie gibt, und so viele deutsche Palästina-Freunde sich statt dessen mit ihren Angreifern solidarisieren.

Ein besonders eklatantes, ja tragikomisches Phänomen, das ich beim Lesen der Kommentare in Ynet entdeckt habe, ist die Gruppe Queers for Palestine. Diese Spaßvögel demonstrieren für ein Ende des israelischen Terrors, ohne zu wissen, daß palästinensische Gays sich nach Israel flüchten, weil ihnen im Paradies der Islamisten ein häßlicher Tod droht. Kognitive Dissonanz ist noch mild ausgedrückt. Solche Leute leben einfach in ihrem eigenen politisch korrekten Paralleluniversum, wo die Hamas edle Freiheitskämpfer sind, die die Rechte der Homosexuellen schützen.

Ein ungelöstes Rätsel, diese Terroristenversteher aus reiner Liebe zu Palästina. Und sie meinen noch, ICH würde die ganz normalen Palästinenser am liebsten im Elend sehen und ihnen keinen Staat gönnen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich gönne ihnen einen Staat, aber einen, in dem auch Christen, Schwule und jeanstragende Mädchen eine Daseinsberechtigung haben. Sowas nennt man Demokratie, und daßjemand glauben kann, die Hamas ist ein Garant , ich dagegen eine Feindin demokratischer Werte, das ist doch mindestens mind-boggling.

Nun ja, es erhält mich wohl jung.

Das Schöne am Bloggen ist, … Mai 18, 2008, 16:52

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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…daß man Dampf ablassen kaunn, auch wenn der heiße Dampfstrahl nicht den erwischen wird, der ihn verdient hätte.

In diesem Fall hat ihn der Mann verdient, den wir zum “Ökonom”, ausgesprochen Äkonom, gewählt haben. Das Amt des Ökonom ist wichtig, denn der Ökonom leitet den Lebensmittelladen, die Küche und den Dining room. Er gestaltet die Feste kulinarisch, leitet die Köche an und entscheidet, welchen Joghurt es im Laden gibt und wie viel die Kohlräbchen kosten. Ein wichtiger Job also.

Bisher haben ihn meist Chaverim oder Chaverot erfüllt, die außer einem guten Kopf für Zahlen, einer Neigung zum Kochen und Verständnis für die Vorlieben des Kibbuz vor allem eine dicke Haut hatten. Denn natürlich kommen täglich jede Menge Leute zum Ökonom und meckern. Der Salat ertrank in Sauce, die Kartoffeln zerfielen und die Suppe war versalzen. Und warum schon wieder Nilprinzessin, gibt es keine anderen Fische?

Ich kann also verstehen, daß dieser Job schlaucht und niemand ihn gern machen möchte. Übers Wetter und übers Essen läßt sich immer gut meckern. Also, Nachsicht für den Ökonom.

Vor hm, zwei Jahren?, wurde ein neuer Ökonom gewählt. Zur Wahl standen der vorige Ökonom, ein wohgelittener, friedlicher junger Chaver, der im Kibbuz geboren und aufgewachsen ist, dessen Mutter jahrelang beliebte Ökonomin war, der gern kocht und ein solides, aber zuverlässig langweiliges Programm abspulte (ah, es riecht nach Couscous? ist denn schon Mittwoch?). Und ein von draußen reingeheirateter, ehrgeiziger junger Chefkoch eines Hotels “im Zentrum”, also da, wo das Leben brummt und die Leute gern gut essen und überhaupt… kurz, der strahlende Ruf des ehrgeizigen jungen Kochs sicherte ihm den Sieg.

Und nun muß ich ein bißchen Hintergrund dazu geben, was ein Dining Room für einen Kibbuz bedeutet (schöne Bilder auch hier). Die ersten Gebäude, die ein Kibbuz baut, und die sich stets in der Mitte des Kibbuz befinden, sind stets Kinderhäuser und Dining room. Im Dining room wurden früher nicht nur alle Mahlzeiten gegessen, umsonst natürlich!, sondern man konnte sich dort auch zwischendurch bedienen. Es war immer frisches Brot in einem vergitterten Schrank, eine Schneidemaschine, so daß man sich jederzeit Brot holen konnte. Oder nur die Knäppchen, wenn man wollte. Die Kühlschränke waren gefülllt, und man konnte sich Milch rausholen. (Auch im Laden war das meiste umsonst. )

Der Tag begann nur mit einer Tasse Kaffee nach dem Aufstehen, die Arbeit fing um sechs oder sieben an, und Frühstück gab es erst um acht im Dining Room. Da saß dann der ganze Kibbuz und schnibbelte die Gemüse für den Salat, denn das ißt der gemeine Israeli am liebsten zum Frühstück. Einen schönen großen Salat, meist aus Tomaten, Gurken, Avocados und Oliven bestehend, dazu entweder Zitronensaft und Olivenöl oder eine einfache Sauce.

Im Dining Room gab es immer auch Rühreier, Joghurt, alle möglichen Sorten Brot und Corn Flakes und Marmelade und Honig, kurz, man konnte sich ordentlich, gesund und lecker vollfuttern. Je nachdem, wie der Ökonom oder der Koch gerade drauf waren, gab es auch manchmal Apfelstrudel (unvergessen, weil mir eine Freundin mal welchen ins Krankenhaus brachte, als ich mit Tertia dort einen lange Monat festhing) oder andere Leckereien. Im Winter gab es immer Grießbrei.

(Eine vermutlich apokryphe Geschichte besagt, daß nach einem Verkehrsunfall mit Todesopfer die ersten Trauergäste in den Kibbuz strömten, um der Mutter des Toten zu kondolieren. Sie trafen sie an, wie sie, mit dem Alu-Töpfchen in der Hand, zum Dining room tappte, “es soll heute Krapfen geben…”)

Meist saßen die Leute vom jeweiligen Arbeits”zweig” zusammen, also ein Tisch für die Elektriker, einer für die Frauen von Nadel und Faden, einer für die Arbeiter der Küche…

Damals hatten auch fast alle noch zur Arbeit Arbeitsklamotten an, also irgendwelche Blaumänner. Ja, das ist noch nicht lange her, aber weit entfernt!

Die meisten Arbeitsplätze hatten übrigens die Sitte, daß um zehn noch mal kurz zusammen Tee oder Kaffee getrunken wird (aruchat esser), und dann gegen 12 ging es zum Mittagessen. Der Kaffee um vier, halb fünf wurde meist zuhause getrunken, denn um vier kamen ja die Kinder nach Hause. Y. meint, in seiner Kindheit wurden Marmeladenbrote im Dining Room ausgeteilt, für die Kaffeepause zuhause.

Das war der Gipfel der Privatheit, zuhause Marmeladenbrote aus dem Dining Room essen, mit Nescafe - das Wasser dafür wurde im Finjan heißgemacht, bevor es elektrische Kessel gab. (Ich war schon hier, als diese Erfindungen den Kibbuz eroberten, ich habe vorher auch im Finjan Wasser gekocht.)

Das Abendessen haben zu Y.s Kinderzeiten die Kinder im Kinderhaus, die Eltern später im Dining Room gegessen. Als Primus klein war (der ja zur ersten Kindergruppe gehört, die von Anfang an zuhause schliefen), sind wir jeden Abend mit ihm in den Dining room gegangen und haben dort mit der Familie gegessen - meiner Schwiegermutter, Y.s Tanten und ihren Familien (alle sehr kinderreich). Oft auch mit Freunden. Die meisten Familien hatten angestammte Plätze.

Das war eigentlich sehr gemütlich und zwanglos. Wir haben erst damit aufgehört, als wir das zweite Kind, eine größere Wohnung und damit eine etwas funktionalere Küche hatten. Aber dann hatten wir oft meine Schwiegermutter abends dabei, das war immer ein schöner Ausklang. (Ich habe nämlich eine ungewöhnlich nette Schwiegermutter, die mir sehr geholfen hat, mich hier einzuleben.)

Irgendwann gingen nur noch die alten Leute abends in den Dining room, die sich allein nichts zu essen machen konnten oder wollten. Sie hatten gern Gesellschaft, und sie wußten sich auch in der Küche nicht allein zu helfen. Y.s Großmutter zum Beispiel hat nie etwas anderes als einen großen, allerdings sehr guten Salat für die ganze Familie gemacht, sie wollte nie Hausfrau sein und hatte kein Talent zum Kochen.

Als der Dining room abends zugemacht wurde, weil es den Arbeitern dort zuviel wurde, abends mehrere Stunden zu arbeiten, für einen einzigen Tisch alter Menschen…. da war das für sie und ihre Freunde ein echter Verlust an Lebensqualität. Dazu muß man wissen, daß es hier ein Sprichwort gibt, “wer allein ißt, stirbt allein”. Gemeinsam essen gilt hier sehr viel.

Dann wurde der gesamte Zweig “privatisiert”, was in Kibbuz-Begriffen bedeutet: man muß für das Essen bezahlen, bekommt aber einen Aufschlag aufs Budget, der die Kosten abdeckt. Es wurde also errechnet, was ein durchschnittlicher Chaver ausgibt, wenn er im Lebensmittelladen einkauft und im Dining Room ißt (was beides billiger ist, weil subventioniert - oder damals zumindest war es billiger), und was Kinder brauchen, und das wurde den Familien jeweils ausgezahlt. So daß keiner draufzahlen muß, nur weil das Essen jetzt was kostet - aber so wurde der Mißbrauch abgestellt, daß es um zwei Uhr, wenn die Oberschüler kamen, keine Hühnchen mehr gab, weil viele Chaverim die für ihre Katzen und Hunde mitnahmen.

Am langen Band der Spülmaschine konnte man nämlich sehen, wie viel Essen weggeschmissen wurde, weil es umsonst war. “Kartoffeln oder Reis? Nehm ich mal beides, was mir nicht schmeckt tu ich weg”. Das gab es tatsächlich. Es war zwar immer nur eine kleine Zahl Leute, die das System mißbrauchten, aber der Kibbuz konnte seine Ausgaben für Lebensmittel nach der Privatisierung drastisch senken, ich hab die genaue Zahl vergessen, aber sie war eindrucksvoll.

Dann war ein paar Jahre lang Ruhe. Mal hatten wir einen guten Koch, dann einen weniger guten. Die Schulkinder hatten extra Tische und wurden extra betreut bei allen Mahlzeiten, mein Mann ging immer hin, Hallo sagen, und meine SChwiegermutter auch. (Ich habe zu der Zeit schon nicht mehr im Dining room gegessen, sondern die Familienmahlzeit abends zu Hause vorgezogen). Viele Kibbuzniks haben auch die Angewohnheit, was ich nie gemacht habe, aus dem Dining Room Essen mit nach Hause zu nehmen und es dort entweder zu “verfeinern” oder so wie es ist zu essen. Salate, Gemüse, Pasteten, das warme Abendessen am Freitagabend. Mir war dieses Großküchen-Essen nur selten lecker genug. Ich esse lieber einen Apfel und einen Joghurt als eine warme Mahlzeit, die mir nicht schmeckt.

Nun, dann wechselte irgendwann die Leitung der Fabrik, vor anderthalb Jahren? Und den Arbeitern dort wurde verboten, zum Frühstück in den Dining room zu gehen, das würde zu viel Zeit kosten - mit Arbeitern meine ich ALLE; auch Abteilungsleiter und Laboranten und Sekretärinnen und die Chefetage. In der Fabrik wurden Sandwich-Automaten aufgestellt, und das sollte reichen.

Für meinen Mann war das eine Katastrophe. Ohne seinen morgendlichen Salat ist er überhaupt nicht zu gebrauchen. Er hat sich oft das Mittagessen gespart, weil sein Salat ihn bis abends fit hielt. Er und seine Kollegen haben protestiert, aber geholfen hat es nichts. Inzwischen nimmt er sich entweder Salat mit, wie es auch viele andere machen, oder er kommt schnell nach Hause und schnibbelt seine Gurken und Tomaten.

Für diese Maßnahme konnte der Ökonom natürlich nichts. Aber er sah, daß sich sein Dining room leerte. Und der neue Ökonom, der ehrgeizige junge Koch, sah die Kibbuzniks überhaupt mehr als Störfaktor. Er schloß den Dining room mittags eher, so daß die Oberschüler kein warmes Essen mehr bekamen. (Meine Kinder essen lieber zuhause, ich bin mittags oft zuhause, und Secundus hat die Möglichkeit wahrgenommen, im Dining Room des Nachbarkibbuz, direkt an der Schule, zu essen. Der Dining Room der Schule hat nämlich auch zugemacht.)

Der Ökonom zog nämlich in der Großküche ein Catering-Unternehmen hoch. Und noch dazu ein sehr erfolgreiches.

Während die Kibbuzniks über eine aboslut schematische, minimale Speisekarte klagen, die sich jede Woche penetrant wiederholt, zaubert der Ökonom in de Küche wunderbare Kreationen, die er auf Festen und Feiern serviert. Er nutzt die Fest-Ausrüstung des Kibbuz, schöne Rechauds, Tischdecken und so weiter, seine Angestellten. Er bringt viele Besuchergruppen in den Kibbuz, organisiert alle möglichen festlichen Ereignisse, und er soll dabei sehr gut sein. Wir haben ihn zu Tertias Bat Mitzva bestellt, und er hat uns relativ günstig ein sehr gutes Essen und tadellose Bedienung geliefert. Ich war erstaunt, daß er so gutes Essen machen kann, denn sein Normalfraß ist fade, als würde man die Zunge zum Fenster raushängen. Da ist sein Herz einfach nicht drin.

Und jetzt hat er das Frühstück auch abgeschafft. Vorher konnten die Kinder dort vor dem Schulbus noch mit ihren Freunden frühstücken, was oft sehr praktisch war, denn direkt nach dem Aufstehen hat keines von ihnen Hunger. Der einzige Dienst, den der Ökonom den Kibbuzniks im Dining room noch bietet, ist sein Mittagessen, für das me-tschuk-mak (armselig) noch ein Euphemismus ist.

Zum Ärger der meisten Kibbuzniks hat er jetzt noch die Küche kaschern lassen, natürlich der reinste Witz. Ene Küche, in der seit 70 Jahren unkoscher gekocht wurde, wird durch ein bißchen kochendes Wasser und ein paar Segenssprüche nicht koscher, das ist Hokuspokus. Soll jetzt hier wie in der Mensa ein Mann mit Kippa rumlaufen und Leute verweisen, die nach dem Wurstbrot einen Milchkaffee trinken oder sich mit Käsebrot in die fleischige Abteilung setzen? Kibbuzniks sind säkular und schätzen es nicht, wenn im Herzstück ihres Imperiums auf einmal andere Regeln gelten. Wie der Ökonom all diese Sachen durchdrückt, ist mir schleierhaft, vermutlich reicht es heute, auf wirtschaftliche Gründe hinzuweisen, Gewinn!, Gewinn!, und alles knickt ein.

Dazu paßt auch, daß er verweigert, was jeder Ökonom vorher immer anerkannte: daß für große Feste und Ereignisse der Dining Room geöffnet wird, daß dort Vorführungen und natürlich auch Proben stattfinden. Er macht es dem Kulturausschuss fast unmöglich, in “seinen” Bereich einzudringen. Deswegen hatte er mal einen bösen Zusammenstoß mit meinem Mann, als der noch für die Tontechnik zuständig war und dem Ökonom klargemacht hat, daß der Dining Room ALLEN gehört, nicht etwa nur dem Ökonom. Und daß Kultur nicht weniger wichtig ist als sein Catering-Unternehmen.

Mein Mann sagt, viele Leute sind stocksauer auf den Ökonom, während andere seinen Geschäftssinn bewundern, auch wenn der zu ihren Lasten geht, zumindest was die Qualität des Essens angeht. Für meinen persönlichen Geschmack geht die Tendenz des Kibbuz, Eigeninitiative positiv zu verstärken, in diesem Falle entschieden zu weit. Ich weiß nicht genau, wie sein Abkommen mit der Leitung des Kibbuz aussieht, d.h., wie viel er für die Nutzung von Küche etc zahlt und inwieweit die Kibbuz-Ökonomie und sein Unternehmen säuberlich getrennt sind. Ich denke mal, der Kibbuz verliert dabei wirtschaftlich nichts, dafür kenne ich doch unsere Verwaltung.

Aber es ärgert mich persönlich schon sehr, wenn so ein Reingeschneiter seine Chance wahrnimmt, dabei aber rücksichtslos Einrichtungen kaputtmacht, die zum Herzstück des Kibbuzlebens gehören. Gehörten.

Traurig, traurig. Ich hoffe, wenn seine Amtszeit abgelaufen ist, macht er sich selbständig und nimmt unsere Küche nicht mehr in Anspruch. Und ich hoffe, der nächste Ökonom orientiert sich wieder an den sozialen Bedürfnissen des Kibbuz. Das hält die Menschen nämlich hier, Lebensqualität und soziale Kontakte.

Ratschläge erwünscht Mai 18, 2008, 13:41

Posted by Lila in Edle Selbsterkenntnis.
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Ich glaube, ich leide unter einer ernsthaften Phobie. Einer mich geradezu lähmenden Phobie. Ist die Gruppe beisammen?

Mein Name ist Lila, und ich leide unter Telefonphobie.

(Ich Euch auch!)

Ich kann es nicht leiden, Leute anzurufen, anfangs nur dienstlich (vielleicht, weil ich immerzu Leute um was bitten mußte?) und inwzischen auch privat. Ich rufe meine Freunde und Freundinnen nicht an, obwohl ich mich wenigstens freue, wenn sie mich anrufen. (Ein Wunder, daßich überhaupt noch welche habe, so selten, wie ich anrufe!) Ich maile lieber.

Ich weiß, wie ich selbst es hasse, wenn das Telefon klingelt, denn es klingelt immer, wenn ich die Arme voller Wäsche, Bücher, oder Einkäufe habe. Oder mich gerade hingelegt habe. Oder Y. gerade eingeschlafen ist. Oder ich gerade einem genial-witzigen Blog-Einfall hinterhersinne. Oder schon drei andere Leute im Haus telefonieren.

Und wenn ich irgendwo anrufe, stelle ich mir vor, daß der Angerufene es ebenso haßt wie ich, wenn das Dingen bimmelt. Ich benutze mein cellulari praktisch gar nicht mehr, es ist auf still und stumm gestellt und dient mir nur als Notrufzentrale. SMS will ich weder verschicken noch bekommen, ich öffne sie daher nicht und beantworte sie erst recht nicht. Meine Voice mail habe ich abgestellt. Wer mich erwischen will, findet mich zuhause. Was kann schon so dringlich sein? Ich bin doch keine Thoraxchirurgin.

Ich schiebe dienstliche Anrufe noch länger raus als private. Ich mach mir das Anrufen leichter dadurch, daß ich mir ein Blatt vorbereite mit allem, was ich zu dem Anruf wissen muß. So daß ich es eigentlich nur noch ausfüllen muß. Aber ich tus trotzdem ungern.

Ist das Altersstarrsinn? Früher hat mir das nicht so viel ausgemacht. Heute schreib ich lieber 10 Mails als eine Telefonnotiz. (Obwohl mir auch die Flut der Mails oft zu viel wird, aber da halte ich mich an das GTD-System, das ich als zusätzliche Funktion meiner Gmail hinzugefügt habe und sehr nützlich finde.)

Hat jemand einen Tip, wie ich mich selbst überlisten und wichtige Gespräche nicht länger aufschieben muß? Ich bin sonst gar nicht so, aber irgendwas an diesem Telefon ist mir ein Graus.

Ach, nach diesem Geständnis geht es mir gleich viel besser.

Chance verpaßt Mai 16, 2008, 15:49

Posted by Lila in Presseschau.
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Schade, ich habe Yassin Musharbashs Artikel über bin Ladens neues Stücklein zu spät entdeckt. Sonst hätte ich hier eine Wette eingehen können, auf welcher Seite des Forums der erste User anmerkt, daß bin Ladens historische Analyse korrekt ist. Ich hätte die Wette auf jeden Fall gewonnen: auf Seite 1 nämlich.