Ratschläge erwünscht Mai 18, 2008, 13:41
Posted by Lila in Edle Selbsterkenntnis.trackback
Ich glaube, ich leide unter einer ernsthaften Phobie. Einer mich geradezu lähmenden Phobie. Ist die Gruppe beisammen?
Mein Name ist Lila, und ich leide unter Telefonphobie.
(Ich Euch auch!)
Ich kann es nicht leiden, Leute anzurufen, anfangs nur dienstlich (vielleicht, weil ich immerzu Leute um was bitten mußte?) und inwzischen auch privat. Ich rufe meine Freunde und Freundinnen nicht an, obwohl ich mich wenigstens freue, wenn sie mich anrufen. (Ein Wunder, daßich überhaupt noch welche habe, so selten, wie ich anrufe!) Ich maile lieber.
Ich weiß, wie ich selbst es hasse, wenn das Telefon klingelt, denn es klingelt immer, wenn ich die Arme voller Wäsche, Bücher, oder Einkäufe habe. Oder mich gerade hingelegt habe. Oder Y. gerade eingeschlafen ist. Oder ich gerade einem genial-witzigen Blog-Einfall hinterhersinne. Oder schon drei andere Leute im Haus telefonieren.
Und wenn ich irgendwo anrufe, stelle ich mir vor, daß der Angerufene es ebenso haßt wie ich, wenn das Dingen bimmelt. Ich benutze mein cellulari praktisch gar nicht mehr, es ist auf still und stumm gestellt und dient mir nur als Notrufzentrale. SMS will ich weder verschicken noch bekommen, ich öffne sie daher nicht und beantworte sie erst recht nicht. Meine Voice mail habe ich abgestellt. Wer mich erwischen will, findet mich zuhause. Was kann schon so dringlich sein? Ich bin doch keine Thoraxchirurgin.
Ich schiebe dienstliche Anrufe noch länger raus als private. Ich mach mir das Anrufen leichter dadurch, daß ich mir ein Blatt vorbereite mit allem, was ich zu dem Anruf wissen muß. So daß ich es eigentlich nur noch ausfüllen muß. Aber ich tus trotzdem ungern.
Ist das Altersstarrsinn? Früher hat mir das nicht so viel ausgemacht. Heute schreib ich lieber 10 Mails als eine Telefonnotiz. (Obwohl mir auch die Flut der Mails oft zu viel wird, aber da halte ich mich an das GTD-System, das ich als zusätzliche Funktion meiner Gmail hinzugefügt habe und sehr nützlich finde.)
Hat jemand einen Tip, wie ich mich selbst überlisten und wichtige Gespräche nicht länger aufschieben muß? Ich bin sonst gar nicht so, aber irgendwas an diesem Telefon ist mir ein Graus.
Ach, nach diesem Geständnis geht es mir gleich viel besser.


Liebe Lila,
ich fühle mit Dir. Mir geht es genau gleich, obwohl ich ein paar Jährchen jünger sein dürfte (also wohl nicht unbedingt Altersstarrsinn).
Und besonders in Israel hab ich damit ein grosses Problem - hier in der Schweiz kann ich einfach eine Mail oder eine SMS schreiben, in Israel funktioniert so vieles via Telefon. (Mein Freund findet es immer ganz seltsam, dass ich hier alles per Mail oder SMS erledige, er kennt das so nicht.)
Ratschläge hab ich leider keine, aber wir können gerne eine Selbsthilfegruppe gründen.
Mia.
Bist Du wieder da? Schön!
Hallo Lila,
im beruflichen Bereich habe ich keine Probleme damit jemanden in seinem Büro anzurufen. Damit muss man während der Arbeitszeit ja rechnen.
Im Privaten rufe ich allerdings eher ungerne jemanden an. Ich will denjenigen auch nicht mit meinem Anruf bei etwas wichtigem unterbrechen. Ich schreib dann auch lieber eine Mail.
Allerdings sehe ich das mit dem Handy komplett anders. Ich hab meins so eingerichtet, dass ich damit auch von unterwegs meine Mails abrufen kann und auch selber welche schreiben kann.
Bis dann,
Ralph
Wieder da? Ich war immer hier. Ich hab während Deines Blogfastens Deinen Blog praktisch täglich besucht und lese jetzt wieder regelmässig mit.
Im Sommer werde ich dann auch wieder für zwei Monate in Israel sein, vielleicht klappt’s dann mal mit einem Treffen.
Ich glaube ja nicht, dass ich da berufen bin, Ratschläge zu geben, aber aa, dass kenn ich zumindest auch, gelegentlich.
Privat muss man manchmal reden, obwohl es gar nichts zu bereden gibt. Da habe ich mir angewöhnt, zwar lebhaft in ein Gespräch einzusteigen, aber es auch freundlich aus zwingendem Grund schnell wieder zu beenden, wenn es anfängt, anstrengend zu werden. Nützlich ist auch, was ich im (Journalistik) Studium z.B. für telefonische Recherchen oder Interviews gelernt habe: Vorher genau überlegen, was ich schon weiß, was genau ich eigentlich von den Leuten will und warum ich das will und wie ich es am besten bekomme.
Ansonsten gilt die Regel: Unangenehmes und nicht Drängendes per Email, nur Dringendes, was nicht ein oder zwei Tage warten kann, per Telefon klären. Dann gibt es da noch die Anrufe, privat oder offiziell, die einen unter Druck setzen, die Entscheidungen o.ä. wollen, wo man am Telefon nicht einfach sagen kann: Weiß ich nicht, muss ich erst noch drüber nachdenken, mal überlegen…oder man keine Chance hat, jemanden und seine Wünsche höflich abzuwimmeln. Das ist dann unangenehm, aber da nur versuchen, abhängig vom Gegenüber Zeit zu schinden. Ganz selten nutze aber auch ich dann die Anruferkennung, um mich gegen die Annahme eines Gespräches zu entscheiden.
…trau dich einfach! Merkst ja, die Anderen sind am Telefon auch nicht so souverän!