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Schade Mai 14, 2008, 10:40

Posted by Lila in Land und Leute.
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Das sieht man ungern: Geschäftsleute, die ihren Laden zumachen müssen, weil niemand mehr in der Stadt einkauft, sondern sich alles in Einkaufszentren verlagert.

Ich habe mein Kunstpädagogik-Studium in Tivon absolviert, einem hübschen mittelgroßen Städtchen zwischen dem Kibbuz und Haifa. Der Stadtkern ist überschaubar und voll mit Studenten, kleinen Geschäften und Cafes. Meine Freundinnen und ich waren Stammkundinnen im größten und bestsortierten Laden für Kunstbedarf der ganzen Gegend. Wir haben dort alles gekauft, was wir brauchten. Das Besitzer-Ehepaar kannte uns alle, beide waren immer sehr nett, sie mit schwerem amerikanischem Akzent. Sie wich immer gern ins Englische aus, was ich immer gern hatte. Beide kannten sich richtig gut aus, sie hatten immer einen Tip und konnten für jede Technik, jedes Material jede Frage beantworten.

Der Laden zog ein paarmal um. In den letzten Jahren war ich seltener in Tivon, seit ich an der PH weder studiere noch unterrichte. Wir haben zwar Familie da, aber ich habe Material für Kunst und Handarbeiten oft in Haifa gekauft. Im Winter waren wir mit den Mädchen noch mal im Laden in Tivon, da haben unsere Töchter voll zugeschlagen, weil der Schmuckfimmel ausgebrochen war. (Wochenlang lagen überall kleine Perlchen in den Ecken rum - und die Mädchen haben genügend Schmuck hergestellt, um einen kleinen Laden aufzumachen, was sie auch fest vorhaben! Tertia hat unglaublich geschickte Hände.) Die Tochter der Ladenbesitzer, vielleicht 17 oder 18, hat den beiden bei der Auswahl geholfen. Uns fiel aber auf, daß das neue Ladenlokal etwas abgelegen lag. Und es war recht leer.

Bei unserem letzten Besuch vor einem Monat, als ich für ein Baby-Projekt Häkelwolle einkaufte (ja, ja, meine liebste Freundin ist schwanger! tfu tfu tfu), war die Atmosphäre im Laden etwas beklemmend. Es war ganz leer. Alles sah etwas vernachlässigt aus. Vieles war runtergesetzt, alle möglichen Rabatte und Aktionen - als legten sie es drauf an, daß der Laden leergekauft wird. Man sah, daß manche Regale halbleer waren. Wir hatten ein ganz mieses Gefühl.

Heute wollte ich dort noch einen Strang Wolle kaufen, denn um die fertige Decke muß noch ein Abschluß von festen Maschen. Keine Überraschung: der Laden war offen, aber komplett leer. Kein einziger Strang Babywolle mehr zu finden. Die Besitzerin mit resigniertem Gesicht, ich wollte keine Fragen stellen. Ja, sie fangen etwas anderes. Ich habe nicht gefragt, ob sie den Laden verlegen - wäre das der Fall, hätte sie mir bestimmt eine Visitenkarte mit der neuen Anschrift gegeben. Vielleicht gibt es weniger Studenten in meinem alten Kunstinstitut? Vielleicht war die Konkurrenz zu stark?

Ich habe hohen Respekt vor Geschäftsleuten, vor dem Risiko, das sie eingehen müssen, vor ihrer Identifikation mit dem Laden. Es tut mir leid, wenn sie zumachen, aus welchem Grund auch immer, es muß sehr schwierig sein. Es tut mir auch leid, daß die Innenstädte sich leeren, die Einkaufszentren sich füllen. Und ich habe keine Ahnung, wo ich jetzt einen Strang weißer Wolle von diesem israelischen Fabrikat auftreiben kann…

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