Abbitte Mai 14, 2008, 22:29
Posted by Lila in Presseschau.trackback
Nachdem die ZEIT uns letzthin geradezu durch ein Fantasialand intellektuell verhüllter oder offen geäußerter Israel-Feindlichkeit geschickt hat (unbestrittener “Höhe”punkt der unsägliche Ilan Pappe, naiv Geffen, klug und nicht feindselig Sarid, ermüdend Zuckerman… ), dachte ich heute bei der Lektüre von Judith Butlers unappetitlich selbstgerechtem Stücklein schon, was ich nur ganz selten denke: “verdammte arrogante Intellektuelle, verdammter akademischer Elfenbeinturm, verdammter kritisch verblümter jüdischer Selbsthaß!!!” und schloß mit meinem Milieu ab, voll Ingrimm.
Doch ein verdammt arroganter Intellektueller hat sich auf die Seiten der ZEIT verirrt wie ein Stachelschwein ins Fantasialand. Dan Shueftan sagt´s, wie´s ist. Es ist nicht schön, es ist nicht angenehm, es ist nicht hoffnungsfroh, es ist nicht bunt und postmodern und ein echter Israel-Kritiker wird es nur mit Schaudern lesen. Ich denke, schon bald wird sich die Leserbriefseite mit dem bekannten Geifer füllen, vor allem, da ja Pappe, Butler und andere schöne neue Vokabeln im Kampf gegen das expansionistische Apartheidsregime namens Israel geliefert haben.
Dan Shueftan weiß, wovon er spricht. Er unterrichtet arabische Studenten, die wild mit ihm diskutieren und aus unerfindlichen Gründen sehr gern in seine Kurse kommen. (Was sehr für sie spricht! und auch für Dan). Er kanzelt deutsche Journalisten ab, bis sie ihm gern eine runterhauen würden (verständlich, ich laß mich auch ungern so unverhohlen belehren). Sein direkter Vorgesetzter ist Araber (was für die Uni spricht). Aber seine Darstellung Israels entspricht meiner Erfahrung.
Menschen, die mehr oder weniger knapp Verfolgung und Tod entronnen sind und sich nicht etwa einen starken Führer unterworfen haben, sondern sich vertrackt labile, demokratische Regierungen gewählt haben. Menschen, die sich langsam damit abfinden, daß trotz aller Besessenheit mit Frieden dieser eine Schimäre ist, die außer uns niemand in der Region wünscht oder anstrebt. (Jedes kleine Kind antwortet hier auf die Frage, was es sich am meisten wünscht, SHALOM). Israelis sind keine blutrünstigen, “systematisch tötenden” Menschen.
Ich bin nicht so hart wie Dan Shueftan (Shiftan), ich finde die Aussicht, noch generationenlang wie in einer belagerten Zitadelle auszuharren, ohne offene Grenzen, ohne Einkaufen im Nachbarland, ohne Autos mit fremden Kennzeichen auf unseren Straßen… einfach nur beklemmend und traurig. Aber es kann gut sein, daß er Recht hat, und daß der Tagesordnungspunkt “Vernichtung Israels” in absehbarer Zeit nicht von der arabischen Welt abgehakt wird. Im Gegenteil, es könnte noch schlimmer kommen, melach maim und gute Gesundheit für Mubarak!
Wenn Ihr mich fragt, in welchem Text ich Israel wiedererkenne, das Land, in dem ich nun seit 20 Jahren lebe, bei Ilan Pappe oder Judith Butler oder Yossi Sarid oder Dan Shiftan, würde ich sagen: eindeutig bei letzteren. Allen beiden. Israelis sagen viel eher achselzuckend “ein breira”, wir haben keine Wahl, als “denen zeigen wirs”. (Übrigens war die Frau, die Butler interviewt hat, mit recht guten Fragen gerüstet.)
Also, ich leiste der ZEIT Abbitte. Dan sticht Ilan.
Kommentare
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danke fuer den link, lila ! es gibt noch lichtstrahlen in der finsternis
Ja, es sind einige sehr interessante Artikel dabei, ich sollte nicht so klagen. Aber die Auswahl der Interviewpartner war eben sehr, äh, tendenziös…
ach, lila, wie ich deine zurueckhaltende sprache liebe
klage dir ruhig von den frust von der seele. wofuer gibt es bloggs ?
Ja, der verehrte Shueftan ist ein Lichtblick, wobei ich seinen Text noch vergleichsweise zahm fand, auf manch andere seiner Texte bezogen. Die Zeit zeigt hier halt schön, wie beitragsübergreifende Ausgewogenheit aussehen kann. SpOn hat so ja zur Putz in Beirut wenigstens noch regelmäßig H.M. Broder, der übrigens vor einigen Tagen einen sehr knackigen Text zur Flüchtlingsfrage geschrieben hat. Der Zeit fehlen aber noch ein paar Shueftans zum Gleichstand. Was man ihnen aber vor allem vorwerfen muss, ist, dass sie Leute wie Pappe völlig unkommentiert, ohne einen Hinweis auf den Diskurs um seine Person und Forschungen, da ihre Meinung mit relativ fragwürdigen bzw. missverständlichen Tatsachenbehauptungen untermauern lassen. So haben die Leser keine Chance, diesen hinterhältigen Text auch nur irgendwie einzuordnen, wenn er von 500 zerstörten Dörfern 1948 spricht, ohne zu erwähnen, dass es in dieser Zeit erst bürgerkriegsähnliche Zustände und schließlich den Unabhängigkeitskrieg gab. Unmöglich! Übrigens lief gestern die sehr schöne Dokumentation “Jüdischer Traum, Arabisches Trauma”, die recht klar zeigte, wie der damalige Mufti und sein arabischer Nationalismus und Terror jede Chance auf ein friedliches Zusammenleben oder eigene Staatlichkeit regelrecht verbockt haben. Die öffentlich-rechtlichen sind da zum Glück noch verläßlich, leider auch darin, so etwas erst zu nachtschlafender Zeit zu senden.
Ich habe Dich (und Ruth) in einem Kommentar bei theolounge verlinkt …http://theolounge.wordpress.com/2008/05/14/israel-leider-kein-happy-birthday-zum-60ten/
Konnte einfach die dort selbstgerechte “Leider-Israel-macht Fehler-Masche” nicht ertragen!
Gruß Rika
http://theolounge.wordpress.com/2008/05/14/israel-leider-kein-happy-birthday-zum-60ten/
mah, ich fürchte, der link “funzt” nicht …