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Späte Einsicht Mai 13, 2008, 17:24

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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Ich weiß, daß die Christen im Libanon einen schweren Stand haben und aus Angst oft nicht sagen können, was sie denken. Nicht umsonst haben wir ja hier eine kleine Gemeinde maronitischer Christen, die aus dem Libanon nach Israel geflohen sind.

Aber trotzdem muß ich heftig schlucken, wenn ich diese Sätze im Interview des SPon mit Nayla Mouawad, einer libanesischen Politikerin, lese.

SPIEGEL ONLINE: Offiziell drehte sich der Streit um das militärische Kommunikationssystem der Miliz. Hat dieses Telefonnetz, das der Hisbollah im Kampf gegen Israel dienen soll, den Staat bedroht?

Moawad: Anfangs war es tatsächlich ein Telefonnetz für den libanesischen Widerstand gegen Israel; es verband den Südlibanon mit Beirut.

Wofür bitte war das Telefonnetz gut, nachdem sich Israel im Jahr 2000 aus dem Südlibanon zurückgezogen hatte? Hat sie sich das mal gefragt? Oder reicht es zu sagen, “das dient dem Widerstand gegen den zionistischen Feind”, und schon ist alles paletti?

SPIEGEL ONLINE: Bisher hat die Regierung den Widerstand der Hisbollah gegen Israel doch offiziell unterstützt.

Moawad: Auf den Widerstand der Hisbollah gegen Israel waren alle Libanesen stolz. Jetzt aber ist die Maske der Hisbollah gefallen. Sie ist nur noch eine gewöhnliche Miliz: Denn sie setzt die Waffen, mit denen sie den Israelis entgegentreten soll, gegen libanesische Bürger ein.

Ja, sehr stolz wart ihr auf den wunderbaren Widerstand der Hisbollah gegen den südlichen Nachbarn. Ihr habt sie nicht davon abgehalten, unsere Dörfer zu beschießen, auf unser Staatsgebiet zu kommen und unsere Soldaten zu töten oder zu kidnappen. Ihr habt schön stillgehalten, weil ihr dachtet, die Hisbollah macht für euch die dreckige Arbeit. So groß ist der Haß gegen Israel. Schon mal das Märchen vom Geist in der Flasche gelesen?

SPIEGEL ONLINE: Will die Hisbollah einen neuen libanesischen Bürgerkrieg?

Moawad: Das ist kein Kampf zwischen den Religionsgruppen. Es ist ein versuchter Staatsstreich gegen die demokratische, pluralistische und freiheitliche Struktur des Landes. Die Hisbollah will dem Libanon ihre Ideologie aufzwingen. Eine extremistische, theokratische Ideologie, die aus Iran stammt und später vom Libanon aus der gesamten arabischen Welt aufgezwungen werden soll.

Zu sowas sagen wir, boker tov Efraim, guten Morgen, Ephraim. Gut geschlafen? Wir haben mit allen Mitteln während des Kriegs versucht, Kontakt zu Libanesen zu bekommen, die nicht in einer Linie mit der Hisbollah leigen. Wir haben gebloggt, Artikel geschrieben, es gab Sendungen mit Liveschaltungen im Fernsehen, Gillerman hat die libanesische Regierung in bewegten Worten beschworen, sich nicht von Hisbollah instrumentalisieren zu lassen.

Es hat nichts geholfen. Richtig, es gibt auch immer wieder in libanesischen Blogs klarsichtige Stimmen, hier zum Beispiel, anläßliche eines Manövers unserer Armee im Norden.

Resigned Foreign Minister Fawzi Salloukh said Sunday Israel’s major missile attack drill was in violation of international law.

“Any maneuver along the border of any country is tantamount to war against that country,” Salloukh told reporters in south Lebanon.

Was this Mr. Salloukh’s position in the summer of 2006? I wonder.

I wonder how long we have to hate them (the guys to the south. the guys to the east. the guys in the next neighborhood that dress a bit differently than us). I wonder how long it will take for us to grow up. I wonder when we’ll start bringing back politicians that care about the public good a bit more than their secret (and not so secret) agendas.

I wonder when we’ll stop giving a shit when another country does something that has absolutely no effect on life in Tripoli, Beirut, Sidon, Tyre and the border villages.

I wonder when guns will belong only to an army. So that they too can flex their muscles at the border. And Mr. Salloukh, and many like him, will change their stances and think that it is their absolute right to defend themselves. Because they are the strong ones who declare when war is war isn’t war.

Aber die libanesische Regierung, die offiziellen Medien haben sich im Sommer 2006 mit der Hisbollah identifiziert. Der Haß auf Israel ist zu groß.

Am Ende wird man uns noch den Schwarzen Peter zuschieben, daß wir die Hisbollah nicht vernichtend besiegt haben (obwohl man weiß Gott nicht sagen kann, die Hisbollah hätte gewonnen – und wenn sie sich hundertmal prahlerisch zum Sieger ausruft, die Hisbollah hat schwere Verluste erlitten und sich ohne die Hilfe der UNIFIL nicht so schnell wiederbewaffnen können). Wir haben nicht mit voller Kraft zugeschlagen, aus Rücksicht auf dieselben Zivilisten, die jetzt von der Hisbollah tyrannisiert werden und vor ihr schlottern. Denn die Hisbollah ist nicht so nett, mit Flugblättern zu warnen, bevor sie in Wohngegenden kämpft.

Schämen sich manche Libanesen, manche hitzköpfigen deutschen Parteigänger der Hisbollah heute nicht ein bißchen?

Zum Beispiel die Leserin, die mir diesen Kommentar hinterließ:

Ich verstehe inzwischen den Hass auf Israel – so leid es mir tut. Die Führung Israels tut aber auch alles, um ihn zu schüren. Immer schon. Man macht immer wieder die gleichen Fehler, ignoriert die verheerenden Folgen für sich selbst, die man in die Köpfe der Attakierten – ja, der gesamten arabischen Welt – pflanzt, kennt nur Gewalt als Konfliktlösung, sperrt sich arrogant gegen Gespräche und Diplomatie – mit der Begründung, man rede nicht mit Terroristen. Dabei ist Israel in der Region – bewaffnet bis an die Zähne und allzeit bereit zu Gewalt, zum Töten, zum Unterdrücken, Ab- und Ausgrenzen und Beherrschen, dort der größte Terrorist!

Vermutlich hat sie bis heute nicht kapiert, wieso Israel gegen die Hisbollah reagieren mußte. Daß es im Falle eines casus belli nicht gut tut, den Stellvertreter des größten Bully der Nachbarschaft zu beschwichtigen. Wie wir es viel zu oft getan haben. Als ob die Hisbollah mit uns würde reden wollen! Als ob es an Israels Arroganz läge!

Ich erinnere mich an manchen Eintrag mitten im Krieg, an die Berichterstattung in Deutschland, die so sicher war, wer der Aggressor ist, wer das arme Opfer. So sicher wie meine Kommentatorin.

Aber zurück in die Gegenwart – der Clou ist, daß diese libanensische Politikerin sich nun beklagt.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Iran tatsächlich versuchen würde, dem westlich orientierten Libanon seinen Willen aufzuzwingen, müsste der Westen Ihnen doch zu Hilfe kommen?

Moawad: Die internationale Gemeinschaft hat diesen Staatsstreich mit betont lautem Schweigen kommentiert. Das ist erschreckend, denn der Libanon ist als Geisel genommen worden. Wir sind enttäuscht von den Europäern.

Ihr seid enttäuscht von den Europäern? Ihr habt in Europa die Geschichte so dargestellt, daß Israel der Bösewicht ist, der gestoppt werden muß, und schluchzt nun, daß die Hisbollah daraus Gewinn schlägt? Leutchen, wir wollten Euch helfen, habt ihr das damals nicht kapiert?

Auf die Arabische Liga ist sie natürlich nicht sauer, obwohl die gerade beschlossen hat, die Hisbollah nicht zu verurteilen.

The Arab League eventually decided that it would try to mediate between the rival factions in Lebanon but did not condemn Hizbullah.

Vielleicht weiß Moawad ja, daß Schuldkomplex-Spielchen auf die Arabische Liga keinen großen Eindruck machen.

SPIEGEL ONLINE: Was fordern Sie?

Moawad: Wir wollen endlich härtere Sanktionen gegen Syrien, den zweiten Hintermann der Hisbollah. Ohne Syrien könnte Iran niemals solche Mengen an Waffen an die Hisbollah liefern. Ohne Syriens Logistik hätte die Hisbollah nie zum Staat im Staat werden können.

Schöner und schöner! Mädel, das sagen wir seit JAHREN. In Deutschland heißt es dann, daß Israel die USA an der Nase führt wie einen Bullen zur Kuh, und daß die Syrer ebenso schuldlos sind wie Saddam Hussein – es ist wirklich genug, einen an der Welt verzweifeln zu lassen!

Ich frage mich ja schon im Stillen, ob Ulrike Putz oder wie sie heißt, die das Interview geführt hat, sich mal die Parallelen zu den Helden imt den Qassamraketen im Gazastreifen überlegt hat. Auch die nehmen eine Bevölkerung als Geisel – als willige Geisel, aber doch als Geisel und kamerawirksames Menschenopfer. Vielleicht geht sie mal in sich und fragt sich, ob Israel der Menschheit nicht einen Gefallen tut, wenn wir als einzige gegen diese Sorte “Freiheitskämpfer” und “Widerständler” vorgehen.

Und jetzt? We geht es weiter im Libanoni? Jetzt ist es zu spät. Jetzt kann sich die libanesische Politikerin mal fragen, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, mit uns gemeinsam gegen die Hisbollah zu kämpfen. Dann wäre sie nämlich nie so stark geworden.

Es ist doch überall dasselbe Elend. Ehrlich, zum Kotzen. Einfach nur zum Kotzen.