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Weitere Links, ungeordnet Mai 11, 2008, 22:33

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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Alles Sachen, die mir letzthin ins Auge gefallen sind.

Mona Charen (via Israel Matzav) über die Flüchtlingsfrage. Ein interessanter Artikel über den großen Unterschied zwischen den historischen Tatsachen und der Verleumdung, die die Erinnerung an dei Tatsachen leider längst verdrängt hat.

Even now, even after triumphing over so much adversity in its all-too-eventful first 60 years, Israel is not considered a normal country. The campaign of deligitimization launched by its enemies has succeeded to a tremendous degree in persuading ordinary people that Israel was conceived in sin. That sin was the dispossession of the Palestinians, the rightful inhabitants of the land now called Israel. Second only to the claim that Iran seeks nuclear power for peaceful purposes, this is the most sinister lie in circulation.

Ebenfalls bei Israel Matzav habe ich einen Link zu einem Artikel gefunden, der der Entstehung und Verwendung des Begriffs Naqba nachgeht. Vielleicht für fortgeschrittene Nahost-Freaks… aber für die dann wirklich aufschlußreich.

The term was not invented in 1948 but rather in 1920. And it was coined not because of Palestinians suddenly getting nationalistic but because Arabs living in Palestine regarded themselves as Syrian and were enraged at being cut off from their Syrian homeland.

The bulk of the Palestinian Arabs had in fact migrated to Palestine from Syria and Lebanon during the previous two generations, largely to benefit from the improving conditions and job opportunities afforded by Zionist immigration and capital flowing into the area. In 1920, both sets of Syrian Arabs, those in Syria and those in Palestine, rioted violently and murderously.

Before World War I, the entire Levant – including what is now Israel, the “occupied territories,” Jordan, Lebanon and Syria – was comprised of Ottoman Turkish colonies. When Allied forces drove the Turks out of the Levant, the two main powers, Britain and France, divided the spoils between them. Britain got Palestine, including what is now Jordan, while France got Lebanon and Syria.

The problem was that the Palestinian Arabs saw themselves as Syrians and were seen as such by other Syrians. The Palestinian Arabs were enraged that an artificial barrier was being erected within their Syrian homeland by the infidel colonial powers – one that would divide northern Syrian Arabs from southern Syrian Arabs, the latter being those who were later misnamed “Palestinians.”

Interessante und weithin unbekannte Aspekte der Geschichte des kleinen Stückchens Land, um das sich alle balgen, und seiner Einwohner.

Obwohl es sich beim Begriff Naqba und den des palästinensischen Volks um erst in den letzten Jahrzehnten entstandene Gebilde handelt, würde ich den Palästinensern das Recht auf einen eigenen Staat nicht absprechen. So neu dieses Konstrukt auch ist, es existiert: das Gefühl der Palästinenser, eine ethnische Einheit zu sein und ein gemeinsames Schicksal zu haben. So entsteht eine Nation.

Ich wünsche den Palästinensern aber wirklich, daß sie diesen Begriff einer Nation mit Inhalt füllen, AUSSER der Feindschaft zu Israel, Kampf, Blut und Leid. Eine nationale Identität besteht aus vielen Teilchen, aus Kunst, Literatur, Tradition, allen möglichen kleinen, intimen Kennzeichen, an denen sich die Menschen erkennen. Bei allen kulturellen Erzeugnissen palästinensischer Araber, die mir gerade einfallen, geht es um den Feind, um den Kampf. Immer spukt irgendwo der Schatten Israels herum.

Und das halte ich für ungesund. Als würde sich ein Mensch sein Leben lang nur über die Gegnerschaft zu seinem Feind definieren und nie irgendwelche Interessen entwickeln, die mit dieser Feindschaft nichts zu tun haben. Vielleicht gibt es ja in ein paar Jahrzehnten kritische Historiker an palästinensischen Universitäten, die die verschiedenen Bedeutungen des Begriffs Naqba und ihren Gebrauch erforschen?

Bei Shrink Wrapped habe ich einen Link zu einem Artikel gefunden, der zwei Staaten vergleicht, die aus dem britischen Reich geschnitzt wurden:

Two religiously-identified new states emerged from the shards of the British empire in the aftermath of World War II. Israel, of course, was one; the other was Pakistan.

They make an interesting, if infrequently-compared pair. Pakistan’s experience with widespread poverty, near-constant internal turmoil, and external tensions, culminating in its current status as near-rogue state, suggests the perils that Israel avoided, with its stable, liberal political culture, dynamic economy, cutting-edge high-tech sector, lively culture, and impressive social cohesion.

Natürlich ist der Vergleich zwischen Pakistan und Israel heute etwas unfair und der Abstand sehr groß. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, daß das was zu vergleichen wäre. Aber so abstrus ist das eigentlich gar nicht. Ich weiß einfach nicht genug über die Hintergründe der Entstehung Pakistans. Man lernt nie aus. Hier ist der Link zum Vergleich.

Ich stimme ihm zu, wenn er den Konflitk zwischen Israel und den Palästinensern einordnet:

The Middle East’s deep and wide political sickness points to the error of seeing the Arab-Israeli conflict as the motor force behind its problems. More sensible is to see Israel’s plight as the result of the region’s toxic politics. Blaming the Middle East’s autocracy, radicalism, and violence on Israel is like blaming the diligent school child for the gangs. Conversely, resolving the Arab-Israeli conflict means only solving that conflict, not fixing the region.

Der Irrglaube, daß die Gründung des Staats Israel oder irgendeine Handlung Israels den gesamten Nahen Osten ins Unglück stürzt, und man nur diesen Fehler rückgängig machen müßte, um weltweiten Frieden zu stiften – der ist weitverbreitet, aber er hat mich immer schon gewundert. Wenn nur alles so einfach wäre!

Im Libanon zum Beispiel spielt sich ein Kampf ab, mit dem wir nichts zu tun haben. Ebensowenig wie mit den Konflikten in Ägypten oder anderen arabischen Ländern, wo sich westlich-weltlich orientierte Regierungen oder Oberschichten gegen den Islamismus zur Wehr setzen. Die einzige Verbindung zu Israel ist die brutale Instrumentalisierung unserer Existenz, um die feindlichen Lager oberflächlich zu vereinigen, und am besten dann gemeinsam gegen Israel vorgehen. Wir können immer in solche Konflikte reingezogen werden, auch wenn wir nicht im geringsten daran interessiert sind.

Der Gazastreifen ist ein weiteres Beispiel, so gern wir die Hamas los wären, sie hört einfach nicht auf mit ihrer obsessiven Raketenschießerei… und er zeigt auch, wie schwierig solche Lagen sind. Egal was wir tun und wie wir reagieren – es gibt keine gleichzeitig moralisch vertretbare und wirksame Reaktion. Man setzt in jedem Fall Menschenleben aufs Spiel. Unsere oder die der anderen Seite oder beide.

Kommentare

1. flowerkraut - Mai 12, 2008, 13:51

Nach meinen Empfinden taucht der Begriff al-Naqba in seiner heutigen ausschließlichen und allgemein akzeptierten Deutung überhaupt erst viel später auf, nämlich als nach dem Fall des eisernen Vorhangs und der Balkankriege sich in Europa die Flüchtlingsfragen neu stellten. Beispielsweise in Büchern zum Nahostkonflikt aus den achtzigerJahren findet sich dieser Begriff -so-, fast überhaupt nicht, selbst wenn dort sonst alle möglichen arabischen Begriffe verwendet werden und selbst wenn eher pro-palästinensische Autoren schreiben. Aber seien wir fair und geben dem heutigen Begriff Naqba für seine Genese etwas Zeit: Zwanzig Jahre? Oder dreißig? Und dann sind wir beim Sechs-Tage-Krieg, nach dessen Ende Israel zuerst die Politik der offenen Brücken praktizierte, die mit dem Nein von Khartoum beantwortet wurde. D.h. vielleicht legitimierte das arabische Narrativ die verhängnisvolle Politik ihrer Führung mit einem Begriff, der die Verantwortung dafür an Israel verwiesen sollte. Das schließt nicht aus, dass einige Autoren den Begriff von Beginn an im heutigen Sinne verwendet haben, aber persönlich habe ich einige Zweifel an der Dauerhaftigkeit des kollektiven pal. Geschichtverständnis, welches heute so beinahe selbstverständlich als Identitätsmoment akzeptiert wird.
Aber ich bin kein Experte und dabei ist nicht wenig Spekulation.
Deiner Einordnung dieses Phänomens für die pal. Ethnogenese stimme ich zu, time will tell.

2. Lila - Mai 12, 2008, 16:08

Meryl Yourish zum Gebrauch des Begriffs Naqba in der New York Times, ebenfalls angeregt von Plauts

The earliest reference I can find to the term “Nakba” (or “Naqba”) in the New York Times is this article, from Israel’s 50th birthday, a decade ago.

So for 50 years, the NYT didn’t see fit to use the term to describe the Arab reaction to Israel’s independence. It’s only recently that the terms has come into widespread use.

My problem though is why is “Nakba” commemorated at the same time as Israel’s Independence Day? Palestinians are largely Muslim, so why doesn’t Nakba follow the Islamic calendar. By my estimation, the 60th anniversary of Nakba would have occurred in 2006 and this year’s celebration would be about a month and a half away. (A strictly lunar calendar loses eleven days a year with respect to a solar calendar.)

Stimmt, die Frage habe ich mir nie gestellt. Aber sie zeigt deutlich, dass die Naqba-Rituale sich an ein Medien-Publikum wenden, und das funktioniert viel besser, wenn sie sich zeitlich am jüdischen Kalender orientieren, nach dem unser Unabhängigkeitstag gefeiert wird.

Schon ganz schön absurd…

3. flowerkraut - Mai 12, 2008, 17:19

Was einmal mehr zeigen könnte, dass es im pal. Selbstverständnis massiv an eigenen Elementen mangelt. Eigentlich wurde immer nur jede Zeitgeistströmung oberflächlich adaptiert und gegen Israel instrumentalisiert: Panarabismus, Sozialismus, Nationalismus, Islamismus. Fakt ist zumindest, dass sich das aktuelle Naqba-Verständnis wunderbar, nicht nur mit den Thesen des iranischen Regimes bzw. der unveränderten Lehre der Muslimbruderschaften verknüpfen lässt, nämlich dass die Existenz Israels an sich der Grund aller Übel sei. Darüber hinaus gibt es leider herzlich wenig, insbesondere wenn es in die moderne Zeit passen sollte. Annapolis hin oder her, dies Problem wird noch einige Zeit weiter seine unangenehmen Auswirkungen haben.


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