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Kleine Linksammlung Mai 11, 2008, 14:29

Posted by Lila in Uncategorized.
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In den letzten Tagen und Wochen sind enorm viele Artikel zum Thema Israel erschienen, ich scheue mich fast davor, da überhaupt einzusteigen. Aber ich muß den Artikel über Amos Neeman im SPon wenigstens erwähnen, weil er eine wichtige kleine Tatsache verschweigt: Bet Hashita ist keine Siedlung im Westjordanland. Bet Hashita ist ein Kibbuz in Israel. (Wir haben Freunde dort).

Bet Hashita hat ebensowenig wie andere Kibbuzim “martialisch” erzogen, aber wer in unserer Gegend überleben will, muß sich verteidigen können. Der Krieg an sich war nie ein Wert in der Kibbuzerziehung oder in der israelischen Erziehung überhaupt. Wenn überhaupt, dann wird der Krieg als Schritt auf dem Weg zu einer stabilen Lage (euphemistisch gern “Frieden” genannt) gesehen. Der Artikel führt also ein bißchen in die Irre, weil der durchschnittliche deutsche Leser bei “Siedlung” an das Westjordanland denkt. Aber Heumann spricht von einem Kibbuz wie dem unseren. Bet Hashita hat eine Olivenfabrik, ganz Israel ißt Oliven aus Bet Hashita.

Außerdem Hat Bet Hashita im Yom Kippur-Krieg viele Söhne verloren. Ich habe am Gedenktag das Lied von Chava Alberstein verlinkt, “ve ha-chita zomachat shuv”, und der Weizen wächst wieder. Kibbuzniks sind ihrem Selbstverständnis nach nämlich nicht in erster Linie Kämpfer. Obwohl sie können, wenn sie müssen. Leider müssen sie allzuoft.

Ansonsten gibt der Artikel aber ganz guten Einblick in die Erfahrungswelt, die die Generation der Offiziere prägt, die wiederum Zahal geprägt haben.

Ebenfalls im SPon (die hängen sich echt rein dieser Tage, 60. Geburtstag ist doch was Schönes!) ein Artikel von Avi Primor, der ja in Deutschland ganz bekannt ist. Ein weiterer Beweis dafür, daß Israelis (bis auf ein paar Spinner) die Brachial- und Wut-Rhetorik ihrer Gegner nicht teilen.

Ein Geburtstagsbrief, der mich beim Lesen mit wahrer Beglückung und Rührung erfüllte, kam von einem iranischen Blogger.

A noble and just Persian king, Cyrus the Great, rescued your people from captivity in a foreign land and empowered them to return home and build their sacred temple. By his action of freeing an entire people from captivity and restoring their rightful dignity, Cyrus the Great, the author of the first code of Human Rights, cemented a bond of friendship between the Jews and the Persians. It was the Just King’s way of setting the world on a course of freedom, equality, and justice for all people, irrespective of any and all considerations.

Now, Israel, you are a sovereign state but hardly safe. You are surrounded by nations and peoples who are bent on your destruction. It is tragic that your neighbors and you have not been able to find an equitable way of living side-by-side with mutual respect and in peace.

Many of us Iranians co-suffer with this tragic state of affairs that harms you as well as your neighbors. We earnestly hope that ways can be found for a peaceful resolution of this destructive impasse.

We appreciate the fact that you, Israel, have welcomed the Iranian Jews who could no longer tolerate the rule of the oppressive venomous mullahs. These mullahs are indeed traitors to the lofty long-standing tradition and values championed by Cyrus the Great and revered by Persians throughout the ages.

We applaud you for affording millions of Israeli Arabs opportunities denied to them in many other lands.

Your fair treatment of the Baha’is, Israel, is a further testimony to your ability and willingness to live in harmony with any and all people. In Iran, the birthplace of the Baha’i faith, Baha’is are ruthlessly subjected to a form of gradual genocide by the savage mullahs. Some Baha’is are executed for their faith, Baha’i children are denied university studies, Baha’i holy places destroyed and even their cemeteries are bulldozed, just to cite a few examples. You, Israel, by contrast, have provided the Baha’is freedom to care for their holy places which were established in the Holy Land during the 19th century, long before your rebirth.

Ach, man müßte eigentlich das ganze Stück kopieren, hab ich ja auch schon fast getan. So könnten Israel und Iran die traditionell guten Beziehungen noch immer haben, wenn das Mullah-Regime nicht dazwischengekommen wäre. Und das ist viel gefährlicher, als viele Leute im Westen glauben.

Ich habe noch einiges gefunden, werde es aber peu a peu hinzufügen. Ich freue mich auch, wenn Leser Links zu interessanten Artikel mitschicken. Ich kann ja nicht alles durchkämmen.

Kommentare»

1. vered - Mai 11, 2008, 15:37

Bet haShita: Shita heisst Akazie, Weizen heisst Chita. Davon bliebt aber deine Botschaft unberührt: Die Kibbuznikim (und auch sonst die allermeisten Israelis) sind lieber daheim als im Krieg.
Gut zu wissen, dass auch in Iran nicht alle Menschen den Krieg wollen; viele leiden wohl unter dem Regime, nicht nur Bahai´s.
Ein köstliches Geburtstagsgeschenk, dieser Brief. Gratuliere!

2. Lila - Mai 11, 2008, 15:53

Richtig, richtig, ich komme noch ganz durcheinander, Danke für die Korrektur!

Ich habe mich auch über den Brief gefreut. Geradezu ein Wunder, daß es noch Iraner gibt, die sich klaren Kopf bewahren.

Und wenn Du dann bedenkst, daß die Deutschen bei Umfragen erklären, sie halten Israel für gefährlicher als Iran….!

3. vered - Mai 11, 2008, 16:53

In die Blogroll mit http://www.amilimani.com/ Heute noch!

4. Manfred - Mai 12, 2008, 0:48

Es gibt gerade im Iran eine starke prowestliche, proamerikanische und damit sozusagen automatisch proisraelische Strömung. Das sind dieselben Leute, die auf die sogenannten Reformer um Khatami gesetzt haben, heute bitter enttäuscht sind und kaum noch zur Wahl gehen. Verständlich, wenn man sieht, was ihnen da an Kandidaten vorgesetzt wird.

Die Perser unterscheidet sich von Arabern und Türken dadurch, dass ihre nationale Identität nicht nur auf dem Islam beruht. Persien war schon eine Weltmacht, als Rom noch ein Dorf von Schweinehütern war. Unter dem Schah wurden gerade diese vor- und nichtislamischen Traditionen besonders herausgestellt (z.B. mit Einführung eines Kalenders, der von der Regierungszeit des erwähnten Großkönigs Kyros ab datierte). Die Mullahs haben ihr Möglichstes getan, um das zu zertrampeln, aber das Bewusstsein ist durchaus noch vorhanden. Es gibt gar nicht so wenige Perser, die die “Islamische Republik” als arabische Fremdherrschaft betrachten - was oberflächlich schon durch die Verbindungen der meisten Ayatollah-Dynastien in den Irak und den Libanon verständlich wird.

Es ist eine Tragödie, dass gerade der Iran, der von allen islamischen Kernländern noch am ehesten als Freund des Westens in Frage kommt, von seinem Regime in die vorderste Schlachtlinie des Feindes geschoben wird. Und dass Leute wie der Autor dieses wirklich anrührenden Briefes womöglich eines Tages einer amerikanischen oder israelischen Bombe zum Opfer fallen werden; nicht weil Amerika oder Israel das will, sondern weil das Regime ihnen keine Wahl lässt.