Wie ist das in Deutschland? Mai 8, 2008, 20:20
Posted by Lila in Uncategorized.trackback
Ich weiß es wirklich nicht. Gibt es in Deutschland eine Organisation wie hier in Israel Perach (die kriegt gerade den Israel-Preis)? Perach ist ein Projekt zur Unterstützung von Schülern und Jugendlichen. Es ist natürlich eine Abkürzung: Perach bedeutet Blume, aber es ist die Abkürzung für “projekt chonchut”, erzieherisches Projekt.
Studenten “adoptieren” Schüler, helfen ihnen bei den Hausaufgaben, unternehmen Verantwortung. Jeder Student übernimmt ein Kind, oft über Jahre hinweg. An allen Universitäten gibt es Perach, und die Kinder kommen aus sozialen Brennpunkten. Ihre Eltern können es sich nicht leisten, teure Nachhilfestunden zu bezahlen, vielleicht ist ihnen auch gar nicht klar, wie wichtig Schulbilding ist. Außerdem helfen die Studenten auch bei persönlichen Problemen, machen mit dem Kind Sport, unternehmen mit ihm Sachen, die die Eltern nicht machen, und erweitern seine Welt.
Viele Studenten, die ich kenne, machen das. Sie kriegen dafür ein kleines Stipendium, aber nichts Weltbewegendes. Es hilft den Kindern, und auch für die Studenten ist es gut. Es ist immer ein schönes Gefühl, was weiterzugeben, auch ein Beispiel zu geben, Verantwortung zu übernehmen.
Als ich studiert habe, war ich gut befreundet mit der Verantwortlichen für die Spiele-Bücherei. Alle Studenten, die einen Perach-Schüler hatten, konnten sich dort Lern- und Gesellschaftsspiele und Bücher ausleihen. Die Studenten erzählten, daß es in den Häusern, in die sie gehen, sowas oft gar nicht gibt.
(Ein alter Artikel über Perach hier.)
Y. fragt, ob es sowas auch in Deutschland gibt, ich weiß es nicht. Aber es gibt genügend Kinder, denen so ein Projekt helfen könnte, da bin ich sicher.



Meines Wissens gibt es keine bundeseinheitliche Organisation, aber verschiedene Initiativen wie z.B. diese hier. Eine Kollegin arbeitet hier in einer ähnlichen Initiative, deren Namen ich aber gerade nicht parat habe, außerdem gibt es eine Reihe „Ehemaligen-Initiativen“, um als jemand, der es geschafft hat, ein positives Vorbild zu geben.
liebe lila,
ich glaube nicht das es so eine organisation in deutschland gibt. davon habe ich noch nie was gehoert. kommunal und ehrenamtlich wird es so etwas geben. obwohl: wenn ich ueberlege. so in meiner umgebung ? keine ahnung ….
liebe gruesse,
grenzgaenger
Na ja, die Hochschullandschaft ist auch in der Bundesrepublik unübersichtlicher. Wir haben sechs Unis und eine überschaubare Anzahl von Fachhochschulen, an denen es überall Perach gibt. Allen kennen es, und es ist sehr beliebt.
Ich glaube, besonders Unipräsidenten in Städten, die soziale Probleme haben und deren Schulen dementsprechend Hilfe benötigen, sollten über solche Intitiativen mal nachdenken. Wäre auch ein schönes Gegengewicht zu den Studiengebühren und damit besonders für Studenten mit relativ wenig Geld interessant. Aber auch ein Beitrag zur Solidarität verschiedener Schichten, die sonst vielleicht nicht viel Kontakt haben.
In Deutschland legt man eher Wert darauf, die Studenten möglichst schnell wieder aus der Uni herauszubringen… :-/
Auch in Frankreich ist mir so ein Projekt nicht bekannt. Die Studenten haben aber auch kaum Zeit dafür, bei tlw. über 20 SWS in den Geisteswissenschaften (wie kann man da durchdenken, was einem eingepaukt wird?), und einige sind selbst Analphabeten…
Das wäre in jedem Fall eine schöne Idee.
@locojustloco
Ich habe 24 SWS und gehe zusätlich noch 20h/Woche arbeiten. Das ist eine Frage des Willens.
liebe lila,
so etwas gibt es in Deutschland nicht, jedenfalls nicht in organisierter Form. Es gibt allerdings viele Menschen, die sich mit “Nachhilfe” etwas dazuverdienen.
ich selber mache das auch, allerdings unentgeltlich, und bin auch schon lange kein Student mehr, aber die Freunde und Freundinnen meines Sohnes (alle so 8-9 jahre alt) meinen , ich könne das “viel besser erklären als unsere Lehrerin”.
Schwierig wird es allerdings dann, wenn ich den “Kurzen” (Deutsche, Türken, Araber und auch eine Mongolin ist dabei) etwas über Israel erklären soll, das ist auf der Schule gerade Thema wegen des 60.ten Geburtstags und weil das eine ehemals jüdische Schule mit angeschlossener Synagoge war , in Berlin-Wilmersdorf, und mich dann schrecklich aufrege darüber, daß deren 11-jähriger Schülersprecher gerade von einer 10köpfigen Bande von Jugendlichen türkisch wie arabischer Herkunft auf dem nach Hause Weg in der U-Bahn in den Hals gestochen wurde wegen einer Gelderpressung und seine Mutter auch noch von einer Anzeige absieht. Das ist Berlin 2008…
Perach ist viel mehr als Nachhilfestunden. Es geht nicht um den Schulstoff, sondern um Selbstbewußtsein, Lernstrategien, persönliche Ziele und soziale Kompetenzen. “Chonchut” bedeutet Mentoring, nicht Nachhilfe.
das genau meinte ich, werte lila,
und das gibt es in Deutschland in der von dir beschriebenen Form nicht. Höchstens auf vereinzelter und privater Ebene.
Grüße
in Österreich gab es im Rahmen der letzten Regierungsbildung eine Diskussion für ein perach-artiges Projekt. Da wurden sogar israelische Bildungsexperten in den Nachrichten gezeigt, etc. Das wurde aber weitgehend abgelehnt, weil die Regierung damit Studierenden die Möglichkeit geben wollte die Studiengebühren zurückzuerhalten. Da aber Studiengebühren insbesondere von den Studis grundsätzlich abgelehnt werden, wird dies auch abgelehnt. Durch die enge Verknüpfung mit den Studiengebühren wurde natürlich ausgerechnet wieviel Stundenlohn das umgerechnet wären. Und bei den errechneten 6€ wurde der Regierung einerseits Ausbeutung von Studierenden vorgeworfen, andererseits wurde der Regierung vorgeworfen, dass sie pädagogische Berufe zur Hilfsarbeit degradiere.
Aus israelischer Perspektive klingt das wahrscheinlich reichlich seltsam. Aus österreichischer Perspektive, insbesondere angesichts der österreichischen wohlfahrtsstaatlichen Tradition, wirkt der Vorschlag sehr gewagt.
Dementsprechend ist er dann auch sehr schnell in der Versenkung verschwunden.