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Unabhängigkeitstag Mai 7, 2008, 20:18

Posted by Lila in Uncategorized.
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Ich sehe im Fernsehen die jährliche Zeremonie. Jedesmal entzünden Bürger, die sich im Laufe des letzten Jahres besonders engagiert haben, eine Flamme und erzählen dabei ein bißchen über sich. Sie entzünden die Flamme im Namen der Sache, für die sie sich engagieren, und “le tiferet medinat-Israel”, zu Ehren des Staates Israel.

Ich höre mir das im Hintergrund an, während Y. mit den Mädchen das Feuerwerk gucken gegangen ist, weil ich in der Küche aktiv bin (bereite alles für das festliche Grillen morgen vor). Wenn ich was höre, das mich interessiert, komme ich näher.

Zwölf Flammen werden entzündet, für die zwölf Stämme Israels, und zwar machen das immer zwei Leute zusammen, diesmal jeweils ein Erwachsener und ein Kind oder Jugendlicher. Also insgesamt 24 Bürger und Bürgerinnen. Ein Junge, der an der Grenze zum Gazastreifen wohnt. Eine junge Beduinin, die sich für die Früherziehung bei den Beduinen einsetzt. Eine alte Dame, die ich mal kennengelernt habe. Sie war vier Jahre in Deutschland in einem Konzentrationslager, und nach ihrer Einwanderung nach Israel hat sie ein Institut für die Förderung von Hochbegabten gegründet. Schüler, die freiwillig an Jugendprojekten mitarbeiten. Der kleine Bruder des drusischen Offiziers einer Eliteeinheit, der neulich gefallen ist. Oh, Ynet hat die Liste, sehe ich gerade.

Dann eine Überraschung, ein Junge, an den ich oft gedacht habe. Oran Almog, schwerverletzt im Anschlag auf das Restaurant Maxim in Haifa. Der Albtraum dieses Tages. Seine Mutter war Studentin bei uns. Sie hat ihren Mann, einen Sohn und die Schwiegereltern verloren, und der andere Sohn, eben Oran, war schwerverletzt. Sein Gesicht ist verbrannt, und er ist blind. Aber er spricht mit klarer, fester Stimme.

Le tiferet medinat Israel.

Dann die Kultveranstaltung des Jahres, die Flaggenparade. Daglanim heißen die Flaggenträger, und ich habe erfolglos versucht, meine Söhne zu einer Karriere bei den Daglanim zu überreden. Neee.

Oha, unser Feuerwerk war dieses Jahr kniepig, aber die Nachbar gegenüber auf dem Hügel haben tief in die Tasche gegriffen. Wir haben gute Sicht. “Da geht der Bonus der Fabrik dahin”, meint Y. trocken, während wir zugucken, wie sie eine Rakete nach der andren anzünden.

Tja, jetzt sind wir 60 Jahre alt. Nicht schlecht. (So sah das letztes Jahr aus.) (Und so sieht Gisela Dachs die Feiern. Ich hatte mich schon gefragt, wo Dachs ist, ob sie vielleicht nicht mehr in Israel ist.)

Kommentare»

1. Christian - Mai 7, 2008, 22:04

Herzlichen Glückwunsch zu diesem schönen Jubiläum! Hier in Dtld. gab es einige Fernsehsendungen dazu, unter anderem eine recht ordentliche vom sonst oft unsäglichen Guido Knopp. Der Schwerpunkt lag dabei natürlich auf den israelisch-deutschen Beziehungen. Genuin israelische Sichtweisen lernt man hier eher selten kennen, da bildet dieses Blog eine gute Brücke.

Bei uns jährt sich dagegen mal wieder der Tag der Befreiung oder des Zusammenbruchs - je nachdem, aus welcher Perspektive man die Sache sieht. Die allgemeine Öffentlichkeit interessiert das allerdings ebenso wenig wie der 3. Oktober. Flaggenparaden sind noch immer undenkbar, und für die Präsentation rostiger Waffen sind die Kollegen auf dem roten Platz zuständig.

2. Lila - Mai 7, 2008, 22:06

Die Flaggenparaden werden hier durch Kinder, Gesangs- und Tanzeinlagen aufgelockert, ist alles nicht so wild.

Also nicht so wie der Große Zapfenstreich, der doch für Schröder mal veranstaltet wurde, oder irre ich mich da?

3. grenzgaenge - Mai 7, 2008, 22:26

OFF TOPIC !!!! OT !!!!

gerade habe ich es geschafft meine flickr seite fuer weitere 2 jahre zu aktivieren. jetzt geht pay pal wieder ganz problemlos. anscheinend haben sich noch mehr flickr kunden darueber aufgeregt das pay pal als zahlungsmittel gestrichen worden ist. ein bisschen “macht” scheinen verbraucher doch zu haben :-)

http://www.flickr.com/photos/grenzgaenge/

4. Bjoern - Mai 8, 2008, 0:51

Schön, daß das Blogfasten Pause hat.
Und Glückwunsch zum Jubiläum.

5. grenzgaenge - Mai 8, 2008, 13:06

hi lila,

ich hoffe du geniesst den yom ha atzmaut. ist bei dir auch das grosse grillen angesagt ? also ich weiss nicht. grillen ist ja gut und schoen - aber bitte ohne fleisch :-) das hat nicht nur religioese gruende. manche leute meinen auf vegetarier umzusteigen ist eine einfach methode fleisch und milchiges zu “trennen”. ok. aber ich verzichte seit einiger zeit sehr gerne auf fleisch und habe eine neue welt entdeckt. die vegetarische naemlich. ich grille auch. aber eben kein fleisch. wenn ich bei freunden eingeladen bin wissen die schon bescheid und es ist was vegetarisches zur hand. was ich allerdings gar nicht mag sind vegetarier die glauben den rest der welt von ihrer lebensweise ueberzeugen zu muessen.

tja, die frau dachs. ich habe keine ahnung wo sie geblieben ist. es fehlt aber was seitdem die gute frau nicht mehr aus israel berichtet. bleibt eigentlich nur noch ulrich sahm …

gleich werde ich zum israel tag gehen und dann zum event in die kehille. wird bestimmt nett werden.

schoenen tag noch,
der grenzgaenger

6. Lila - Mai 8, 2008, 18:22

Wir haben im Garten gegrillt. Da meine Großen im Kibbuz-Lunapark Dienst hatten (mit dem hier jedes Jahr der Unabhängigkeitstag gefeiert wird, als Geschenk an die Kinder), konnten wir nicht weg, obwohl wir eigentlich gern wollten. Macht aber nichts, es war auch im Garten sehr schön.

Ich esse ja seit vielen Jahren kein Fleisch mehr. Gegrillte Paprika und Zwiebeln, Y.s Salat und gebackene Kartoffeln sind lecker, aber ich will den Kindern und Y. das Fleischessen nicht vermiesen.

Wer koscher mit wenig Arbeitsaufwand leben will, kauft sich wohl am besten Glasgeschirr und ißt nur milchig bzw parve. :-D Mir würde das nicht schwerfallen.

7. grenzgaenge - Mai 9, 2008, 0:07

mensch, das hoert sich lecker an, lila ! beim naechsten mal ? :-)

das mit dem “koscher essen” faellt mir auch nicht mehr besonders schwer. irgendwann geht es ganz automatisch. ich haette fast gesagt “in fleisch und blut” ueber. verdirbt aber beides den appetit des grenzgaengers der heute abend in der kehille noch gehoert hat er sollte mehr essen. eine nette version der “jiddischen mamme”. ich dachte immer das waere ein stereotyp. inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher.