Nicht vergessen März 7, 2008, 23:36
Posted by Lila in Land und Leute.25 comments
Viele, viele Kommentare sind jetzt hier im Umlauf, viele Einschätzungen. Nach den gehäuften Angriffen der letzten Wochen und Tage (von denen ich nicht mal alle hier verzeichnet habe, der Soldat in Kisufim, der Autokäufer in Hebron….) ist zu erwarten, daß Olmerts Regierung irgendetwas TUT. Was und inwieweit es sinnvoll ist, mag ich gar nicht erörtern.
Allein ein kurzes Blättern durch y-net, Haaretz und JPost zeigt, daß der eine meint, das Ende der Hamas wird eingeläutet - ein anderer spekuliert, daß die nächste Intifada bevorsteht - ein dritter plädiert für den Einsatz nicht-tödlicher Waffen - wieder einer glaubt, mit den Methoden von Oslo die Lösung gefunden zu haben - und findet Unterstützung hier - ein anderer möchte Israel ebenso hart durchgreifen sehen wie andere Länder - ganz zu schweigen von den Fernsehfritzen (Roni Daniel würde am liebsten ein paar Hamasniks ohne Salz zum Frühstück… und den Gazastreifen wieder besetzen) und meinem Mann, der scherzt, wir könnten uns ja aufs ungezielte Abschießen von Qassams in Richtung Gaza verlegen, das nimmt niemand ernst, aber man erreicht sein Ziel trotzdem.
Auch Olmerts Bemerkung beim Abzug der Truppen, daß das erst der Anfang war…, steht noch im Raum.
Irgendwann wird also irgendwas passieren im Gazastreifen. Ich fürchte für Soldaten und Zivilisten, für alles mögliche, ich will auch die Leute, die gestern abend jubelnd Baklawa verspeisten, nicht elend sterben sehen - aber am hartnäckigsten steckt mir ein Bild im Kopf.
Irgendwo in Gaza, vermutlich in einem Keller, sitzt Gilad Shalit. Er spricht Arabisch, er kennt die Leute, die ihn festhalten, inzwischen ganz gut. Irgendwo lief mal das Gerücht um, daß er mit ihnen Sheshbesh spielt, oder Schach, und so sehe ich ihn vor mir. Vor einem Spielbrett, ihm gegenüber ein junger Mann mit Keffiey und Gewehr, sie lachen. So möchte ich das Bild halten, harmlos, als wäre er freiwillig dort. Könnte nach einem Schachmatt aufstehen und nach Hause gehen.
Als wir die Aufnahme seiner Stimme hören konnten, das ist auch schon wieder lange her!, habe ich gut hingehört. Seine Stimme klang nicht wie die eines gebrochenen Mannes. Obwohl er ungeschickte Formulierungen verlesen mußte, klang seine Stimme ruhig und beinahe zuversichtlich, nicht wie ein Mann, dem man die Waffe an die Schläfe drückt. Er ist wohl nicht mehr der Junge mit dem weichen Gesicht, er wollte wohl mit seiner Stimme seine Eltern, die durch die Hölle gehen, beruhigen und aufrichten.
Wie gesagt, Gerüchte und Andeutungen besagen, daß er relativ gut behandelt wird und die Hamas ihn am Leben halten will, weil sie wissen, daß er lebend mehr wert ist als tot. Gedanken an den endlosen Albtraum Ron Arad versuche ich zurückzudrängen. Selbst Assoziationen mit der Rudi-Kreuzkamm-Episode (die ich als kindliche Leserin schon abscheulich fand und die mir heute riesige Zweifel an Kästners humorvoll-menschenfreundlichem Image einflößt) sind nicht tröstlich.
Sobald ein Mensch totale Macht über einen anderen hat, besteht die Gefahr, daß er sie ausnutzt - und wie groß ist diese Gefahr erst, wenn ein junger israelischer Soldat Menschen in die Hände fällt, die nichts mehr hassen als israelische Soldaten. Und mit welcher Inbrunst dieser Haß zelebriert wird, das sehen wir ja täglich.
Wenn ich zu diesem Albtraumszenario dann noch fallende Bomben und Raketen, brennende und zerstörte Häuser, eine Bevölkerung auf der Flucht und heftige Binnenkämpfe unter der Feuerdeckung unserer Armee hinzudenke - dann befürchte ich, daß seine Eltern ihn nie mehr wiedersehen werden.
Ist es ein Zufall, daß wenig von ihm die Rede ist dieser Tage?
Das Haus März 7, 2008, 21:52
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.2 comments
ist auf seine Fundamente zurückgekehrt. Der Hausvater ist wieder zurück aus der großen Welt, er war in Venedig und Prag, hat neue Technologien kennengelernt, die er nun in der Fabrik umsetzen wird, und hat wunderbar ruhige katzenfreie Nächte verbracht (die Katzen wecken einen ja pausenlos auf, Mini will fressen, Lutz nach draußen und Leo spielen). Ich hingegen habe schlafe miserabel ohne ihn, obwohl Quarta so nett war, in Papas Bett zu schlafen, während er weg war. Sie hat sogar versucht, ihm ihr Bett als gemütliche Alternative zu seinem angestammten Platz zu verkaufen - erfolglos.
Aber jetzt ist er wieder da.
Update März 7, 2008, 13:49
Posted by Lila in Land und Leute.7 comments
Der Mörder gestern war - Busfahrer der Yeshiva.
Es ist kaum zu fassen. Vertraut ihr den Schulbusfahrern eurer Kinder? Natürlich vertrauen wir ihnen, sonst würden wir ihnen unsere Kinder nicht anvertrauen. Dieser Busfahrer kannte die Jungens. Er sah sie täglich. Er verdiente sein Geld damit.
Seine Familie hat ein Trauerzelt aufgestellt, das mit grünen Hamas-Flaggen geschmückt ist.
Diese Bestialität ist wohl kaum zu überbieten, wie lange mag er geplant haben, die Jugendlichen zu erschießen, die er in seinem Bus fuhr? Wir haben ein echtes, riesiges Problem.
Und eine Leseempfehlung: Bradley Burstons Worte an Tadler und Ratgeber.
Und ein Update zum Update:
Die Yeshiva sagt, nein, er war kein Fahrer bei ihnen, sie beschäftigen keine arabischen Busfahrer mehr, schon seit Jahren nicht. Viel Unklarheit, viele Gerüchte. Man sollte vermutlich ein paar Tage warten, bis mehr Fakten bekannt sind…
Die Macht der Bilder März 7, 2008, 13:26
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.3 comments
Honest Reporting hat sich mal ein Jahr lang die Bilder angeguckt, die als “Bilder des Monats” von Reuters ausgesucht wurden. Es sind jeden Monat ca. 250 Bilder, aus verschiedenen Bereichen, die von Reuters besonders herausgehoben und für gut gehalten werden. 124 Bilder präsentieren den Koflikt zwischen Israel und den Palästinensern und wurden von Honest Reporting analysiert.
Haltet euch fest, wenn ihr die Ergebnisse hört. Die Überraschung könnte euch sonst umwerfen.
62% der Bilder erwecken Empathie für die Palästinenser. 28% sind neutral. Und 10% zeigen die Israelis in sympathischem Licht.
In dieserBilderauswahl waren fünfzehn Darstellungen von palästinensischen Beerdigungen - keine israelische Beerdigung - und auch keine von anderen Opfern anderer Konflikte.
Auf der überwältigenden Mehrheit der Bilder wurden die Israelis als Angreifer und die Palästinenser als Opfer gezeigt. Es lohnt sich, auf den Link zu klicken und die Bilder anzugucken. Sie dürften auch deutschen Zeitungslesern bekannt vorkommen. Ich erinnere mich noch an die Photomontage, die lange Zeit die Berichterstattung des SPon über den Nahostkonflikte begleitete: die Überschrift “haßerfüllte Nachbarn” (an sich schon durch die Gleichsetzung eine Verzerrung), eine klagende alte Palästinenserin und ein israelischer Soldat, der durchs Zielfernrohr guckt.
Tja, so sieht die Welt den Konflikt und so stellt man ihn dar. Ein Teufelskreis. Die Pressestelle der Regierung hat beschlossen, die Bilder vom Massaker gestern nacht offensiv einzusetzen, etwas, das Israel bisher eher vermieden hat. Wir ziehen unsere Leichen nicht vor die Kameras, auch um die Gefühle der Überlebenden und Hinterbliebenen zu schützen.
In diesem Fall sind die Bilder besonders eindrücklich, wegen der religiösen Bedeutung der blutbefleckten Kleidungsstücke und Gegenstände. Ich habe mir die Seite von Arutz 7 nicht zu Ende angucken können. Aber ich habe darauf die Namen einiger Verletzter gefunden, die dort mit Mutternamen angegeben sind, damit Leser sie in ihre Gebete einschließen können. Ein Junge aus Sderot ist dabei. Bestimmt haben die Eltern gedacht, in Jerusalem ist er sicher….
Israel ist klein März 7, 2008, 12:24
Posted by Lila in Land und Leute.add a comment
und um ein paar Ecken kennt man fast immer jemand, den es getroffen hat. Diesmal kennen auch meine Leser um ein paar virtuelle Ecken im Internet Bekannte der Opfer: David Bogner ist mit der Familie eines ermordeten Jungen befreundet, und Soccer Dad, den ich via Meryl Yourish ein paarmal verlinkt habe, hat einen Neffen an der Yeshiva, der glücklicherweise woanders war gestern abend - der aber Freunde und einen Zimmerkameraden verloren hat.
Die Einzelheiten sind einfach zu grauenhaft. Ich weiß nicht, wie die Familien weiterleben können. Eine Bücherei voller Jugendlicher, die sich auf den Purimmonat freuen und seinen Auftakt vorbereiten. Ich sehe die Trauerfeier, die die Beerdigungen einleitet. Ein Vater sagt Kaddish über seinen Sohn, und alle beten mit, Tausende sagen Amen.
Wohlgemerkt: März 7, 2008, 8:09
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.16 comments
der Sicherheitsrat der UN hat den Anschlag gestern NICHT verurteilt.
The UN Security Council failed to reach an agreement overnight Thursday on issuing an official condemnation over the deadly shooting attack in Jerusalem’s Mercaz Harav Yeshiva because of Libyan opposition.
“Most members (of the council) wanted to condemn (the attack) but Libya blocked it,” Israel’s ambassador to the UN, Dan Gillerman, told reporters.
US Ambassador Zalmay Khalilzad said US efforts to issue a statement condemning the attack “in the strongest terms” failed because Libya sought to link it to its own resolution urging condemnation of Israel over the IDF operation in the Gaza Strip last week.
Khalilzad criticized Libya, saying that a terror attack specifically targeting civilians could not be equated to military operations aimed at stopping rocket fire.
Ambassador Vitaly Churkin of Russia, which currently holds the rotating monthly presidency of the Security Council, expressed his frustration over the fact that UNSC member states could not come to a decision to issue a condemnations for a terror attack and were instead getting bogged down by complexities over the history of the Israeli-Palestinian conflict, Israel Radio reported.
Earlier Thursday, UN Secretary-General Ban Ki-moon strongly condemned the shooting, calling it a “savage attack.”
In a statement issued by his spokesperson, Ban deplored the deliberate killing and injuring of civilians and offered his condolences to the families of those killed.
“The Secretary-General is deeply concerned at the potential for continued acts of violence and terrorism to undermine the political process, which he believes must be pursued to achieve a secure and lasting peace for Israelis and Palestinians, based on a two-State solution,” the statement said.
(Ich habe mir die berechtigte Kritik eines Lesers zu Herzen genommen und nicht mehr so scharf geschnitten!)
Der letzte Absatz des SPon-Artikels durch die Abfolge der Sätze suggeriert einen kausalen Zusammenhang mit der Militäraktion im Gazastreifen:
Nach Bekanntwerden der Bluttat strömten in Gaza Palästinenser auf die Straße und feuerten Freudenschüsse in die Luft. “Dies ist die Rache Gottes”, war aus Lautsprechern zu hören. Erst vor kurzem hatte dort das israelische Militär eine Offensive gegen Extremisten beendet, bei der mehr als 120 Menschen ums Leben gekommen waren.
Der Versuch, jeden Akt der Gewalt gegen Israel mit israelischen Verteidigungsmaßnahmen zu “begründen”, hinterläßt einen faden Geschmack. Die “Offensive” war nämlich eine Defensive, nachdem jahrelang Tausende Raketen auf israelische Zivilisten gefallen waren… Außerdem braucht auch ein solcher Anschlag eine lange Vorbereitungszeit, länger als eine Woche oder zwei.
Aber der Eindruck der “Spirale der Gewalt” muß aufrechterhalten werden.
Pigua März 6, 2008, 22:35
Posted by Lila in Land und Leute.6 comments
in Jerusalem, in einer religiösen Yeshiva. Bisher sechs Tote. Vielleicht mehr.
Eine Verletzte heute in Sderot. Zwei Häuser direkt getroffen, eines ausgebrannt, ein Wunder wieder einmal, daß die Menschen davongekommen sind.
Von allen Seiten, von allen Seiten. Bin aus dem Bett vor den Fernseher gewandert… die armen Menschen.
Update: in Gaza werden schon Süssigkeiten verteilt. Nettes Volk. Schade, daß Heidi schon weg ist. Das hätte sie sich eigentlich mal angucken sollen.
Update: es waren vermutlich Angehörige einer Gruppe namens “Befreier Galiäas”, die den Anschlag begangen haben. Israelische Araber, Galiläa (wo auch wir leben) ist in ihren Augen “besetzt” und muss “befreit” werden. Sie haben “Rächer Mughniyas” zu ihrem Namen hinzugefügt. Aber das ist bisher nur eine starke Vermutung.
Mit gespaltener Zunge März 6, 2008, 1:01
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.30 comments
Obwohl ich zu dem Thema schon mehr als genug geschreiben habe, wird es so schnell nicht aus dem Diskurs verschwinden, da Gaza ja nach wie vor ein aktuelles Thema bleibt. (Heute war ein “ruhiger” Tag: nur sechs neun Raketen.) Ich stell es also nach einigem Zögern trotzdem in den Blog, wer vom Thema die Nase voll hat, MUSS es ja nicht partout lesen.
Eine Analyse des Forschungszentrums Terroismus in Herzliya hat Beweise dafür zusammengestellt, was uns schon Ulrike Putz bildhaft geschildert hat: daß die Hamas die palästinensische Zivilbevölkerung systemisch als menschliche Schutzschilde mißbraucht. Auszüge bei Israel Matzav und auch hier.
During the IDF activity in the Gaza Strip both Hamas and the PIJ called upon Palestinian civilians to gather in places where, they claimed, the IDF was about to attack. That was done to have them serve as human shields, exploiting the fact that the IDF avoids deliberately harming Palestinian civilians. The terrorist organizations operating in the Gaza Strip have used the tactic beforeThe following are examples of calls in the Palestinian media for Palestinians civilians to serve as human shields:
Hamas’s Al-Aqsa TV and PalMedia Website called upon civilians to form a human shield at the home of Abu al-Hatal in the Sajaiya neighborhood (in Al-Sha’af according to other version) because the IDF had threatened to blow it up (March 1).
Die Genfer Konvention erlaubt es, in solchen Situationen trotzdem zu schießen. Dazu Melanie Philipps (auch bei Israel Matzav gefunden, ich Faulpelz!):
For what the myopic or bigoted west fails to grasp is that the new reality of asymmetric warfare reverses the usual calibration of a country’s military strength. This is because the asymmetry is not confined merely to military hardware. It is because it also relates to the moral calculus of that country. The bitter irony of the western liberals’ grotesque claim that Israel is involved in ‘disproportionate’ violence in Gaza is that, on the contrary, Israel is totally constrained by its own ethical code from fighting on the same basis as the Arabs.
Sag ich ja auch immer, nur nicht so schön. Und es stimmt auch - sonst hätten wir den Gazastreifen schon längst in ein Trümmerfeld verwandelt.
Das ist also die eine Seite der arabischen Kriegsführung: Zivilisten werden skrupellos ausgenutzt. Wo bleibt der Aufschrei der zilivisierten Welt? Er richtet sich gegen Israel.
Denn die andere Seite der arabischen Kriegsführung ist die rhetorische. Während die Palästinenser gegen die Menschenrechte verstoßen, spielen ihre Verteidiger mit beneidenswerter Virtuosität mit den Zauberworten der westlichen Demokratien, die ich hier einfach mal gefettet habe.
The Arab League condemned Israeli attacks on the Gaza Strip as “crimes against humanity” on Wednesday.
Arab foreign ministers said they “strongly condemn the barbaric crimes that the Israeli occupation forces committed in Gaza and the rest of the occupied Palestinian territories”.
Meeting to prepare for an Arab summit in Syria this month that is expected to focus on Gaza and Lebanon, the ministers said in a statement they were “recording these Israeli crimes as crimes of war and crimes against humanity“.
Arab League Secretary-General Amr Moussa said: “The criminal aggression against Gaza shows that Israeli policy against the Palestinian people is based on genocide and ethnic cleansing.”
Bis auf Hollokost alle Phrasen dabei. Diese aufgeplusterte Rhetorik steht den Fürsprechern der Palästinenser wahrlich nicht gut zu Gesicht, wenn man die Fakten prüft, und sich zum Beispiel daran erinnert, wie “proportional” die Ägypter selbst neulich auf die palästinensischen Touristen reagiert haben…
Egypt’s foreign minister said that no further violations of its borders would be tolerated in the wake of a 12-day breach of its frontier with Gaza and said anyone daring to cross would have their legs broken, the state news agency reported.
Aber diese Doppelzüngigkeit prüft wohl mancher nicht nach. Es reicht, mit überzeugender Empörung die oben fett formattierten Buzzwords auszustoßen, als ob man selbst an sie glaubte, und die Welt ist hypnotisiert.

(Ich konnte dem Bild einfach nicht widerstehen…)
Jedenfalls ist eines klar: würde die Hamas fair kämpfen, ihre Zivilbevölkerung aus dem Schlamassel raushalten und auf deutliche Trennung von Kombattanten und Zivilisten achtete, dann wären viel weniger tote unbeteiligte Frauen, Männer und Kinder zu beklagen. Denn es ist für die meisten Israelis sehr bedrückend, daß unsere Einsätze so schreckliche Folgen haben. Auch wenn ich begründete Zweifel am hohen Prozentsatz der Zivilisten unter den Opfern hege - auch einer ist einer zuviel, und auch menschliche Schutzschilder haben ein Recht auf Leben.
Könnte man die Hamas doch dazu zwingen, auf diese brutale Geiselnahme der eigenen Nachbarn und Familien zu verzichten! Das wäre doch mal eine Aufgabe für die internationale Gemeinschaft, der die palästinensischen Zivilisten so am Herzen liegen….
Ich sehe, daß sowohl Ruth als auch Meryl Yourish sich des Themas annehmen. Elder of Zion ebenfalls. Kurz, wer zu dem Thema eine Seminararbeit abliefern muß, darf diesen Eintrag als Materialgrube gebrauchen….
Und jetzt Secundus. März 6, 2008, 0:50
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.10 comments
Mashina, Tachzor tachzor (Komm zurück, komm zurück)
Das habe ich neulich schon mal reingestellt, aber Secundus meint, das kann man auch nochmal vertragen. Text hier.
Teapacks, HaTachana heYeshana (der alte Busbahnhof)
Corinne Allal, K’she ze amok (Wenn es tief geht)
HaBanot Nechama, Lehiot so far
Ebenfalls ohne Bilder, kannte ich ebenfalls nicht. Das ist wohl was ganz Neues. Wurde neulich auf einem Schulabend gesungen.
Shotei haNevua, Kol Galgal
Und noch eins ohne Bilder, ich kannte ebenfalls weder die Band noch das Lied. Der Text ist hier. Und hier noch eine Version, die seltsamerweise galgal als circle übersetzt. Ist aber ein Rad.
Das hört die israelische Jugend in unserem Milieu wohl im Moment, ja ja.
Zum Abschluß etwas klassika israelit, David Broza. Das Lied von den Veilchen. Hier mit Fehlernl übersetzt (von Flaggen ist keine Rede im Lied….
). Das legendäre Konzert in Massada, das sich bis in die Morgendämmerung erstreckte.
Musikabend, ausgesucht von Primus März 6, 2008, 0:46
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Muzika israelit.1 comment so far
(Immer wenn ich das Wort Musik hinschreibe, erinnere ich mich an die gute Freundin, die mit einem Mann Schluß gemacht hat, weil der das Wort Musik auf der ersten Silbe betont hat. Musik. Verständliche Entscheidung.)
Ich hab die Jungens aussuchen lassen. Das hat Spaß gemacht. Wichtig ist die Musik, nicht die Clips.
Primus:
HaYehudim, Im Kvar (Wenn schon)
Text hier.
HaDag Nachash, Shirat haSticker (Das Lied der Sticker - Text besteht aus Stickern, die auf Autos kleben)
Yetziath Cherum, Kchi lach zman (Lass dir Zeit)
Ist zwar kein Bild dabei, aber das Lied ist schön. Kannte ich gar nicht.
Beit haBubot, Le maani (Für mich)
Ist ein Fanvideo, aber wir mögen Beit haBubot gern. Text auf Ivrit hier. Und auf Youtube in einem der Kommentare die englische Übersetzung.
Schlimme Erinnerungen März 5, 2008, 21:51
Posted by Lila in Presseschau.4 comments
Vor zwei Jahren wurde in einem Vorort von Paris ein junger Mann von einer Bande gekidnappt und zu Tode gequält. Ilan Halimis Todeskampf, der sich über drei Wochen hinzog, war so grauenhaft, daß ich nicht mal daran denken mag - er ist in Israel begraben, denn er war Jude. Seine Mörder waren moslemische Franzosen aus Einwandererfamilien. Es war ein Mord aus Judenhaß und Geldgier: die Bande wollte die “reichen Juden” erpressen. Es war zwar in den französischen Medien keineswegs unumstritten, daß Antisemitismus das Motiv war, aber Sarkozy sagte dazu:
“The truth is that these crooks acted primarily for sordid and vile motives, to get money, but they were convinced that ‘the Jews have money’, and if those they kidnapped didn’t have money, their family and their community would come up with it.
“That’s called anti-Semitism by amalgam.”
Das war also vor zwei Jahren. Vor kurzem ist wieder ein junger Jude von einer ähnlichen Bande festgehalten und gequält worden. Auf sein Gesicht wurde “dreckiger Jude” geschrieben.
A police official, speaking on condition of anonymity, said the words “dirty Jew” were written on the 19-year-old victim’s face, but the incident, which took place two weeks ago, was not being treated as having a racial motive.
Auch die jüdische Gemeinde in Frankreich ist vorsichtig mit dem Vorwurf, es handle sich um ein antisemitisches Verbrechen:
Philippe Obadia, president of Bagneux’s Jewish community, told Reuters: “It’s incredible. We’re all shocked.” He said the reasons for the attack were unclear.
“We don’t know if it’s an anti-Semitic attack or a settling of scores, so I would prefer to wait before saying more.”
Die berüchtigte A-Keule wird also hier nicht geschwungen. Die Vorstellung, daß Juden so gejagt und mit Absicht als Opfer ausgesucht werden, ist auch zu schrecklich. Man hofft geradezu auf eine weniger albtraumhafte Konstellation. Aber wo dem Opfer eine solche Beschimpfung ins Gesicht geschmiert wird, liegt der Verdacht auf ein antisemitisches Verbrechen allzu nah…
Danke an Willow für diesen Link zu einem Artikel über diesen Albtraum. Auf Deutsch - und mit sehr vielen Ausrufezeichen.
Andere Stimmen März 5, 2008, 10:17
Posted by Lila in Presseschau.add a comment
Ich hab mich etwas müde geschrieben, bestimmt haben sich die Leser auch an mir müde gelesen … und da ich ohne Y. so viel um die Ohren habe und mein Hamsterrädchen sich noch ein bißchen flotter dreht, mach ich mir ein leichtes Leben und verweise auf ein paar Links, die ich interessant zu lesen fand.
Spirit of Entebbe hat schon vor einiger Zeit den Original-Artikel im Spiegel ausfindig gemacht, der am 12. Juni 1967 die Bilanz des Sechstagekriegs zog. Die Wortwahl und Perspektive sind verblüffend, man fragt sich, was in den 41 Jahren seitdem vorgefallen ist, daß sich die Darstellung so gewandelt hat.
Die Titelgeschichten des Spiegel waren seinerzeit zwar deutlich weniger aufgebläht als heute, aber auch auf sieben Seiten wäre genügend Platz gewesen, wenigstens einmal die “Palästinenser” zu erwähnen. Von wegen: Vor 40 Jahren sprach man noch von Arabern, die Westbank war seit dem Unabhängigkeitskrieg von Jordanien besetzt und annektiert, der Gazastreifen stand unter ägyptischer Verwaltung. Ein palästinensisches Nationalgefühl sollte sich erst unter israelischer Besatzung entwickeln, das Recht der „Palästinenser” auf Unabhängigkeit, das heute von jedem Kaninchenzüchterverein angemahnt wird, war schlicht kein Thema.
…
An den Ursachen der Kämpfe war nicht zu rütteln, und der Spiegel benannte sie: der Abzug der UN-Truppen aus dem Sinai nach Nassers Ultimatum, die Sperrung der Meerenge von Tiran, aber vor allem die aggressive Rhetorik der arabischen Führer, der „Heilige Krieg der Araber”, der „panarabische Nationalismus”, die sowjetische Ermutigung der Araber zum Krieg, der „Aufmarsch der Araber”, der „die Israelis so in die Enge (trieb), dass diese zum Präventivschlag gedrängt wurden.”
„,Das Ende Israels ist gekommen’ verkündete Radio Kairo auf hebräisch, als der Krieg begann. Ein kleines, dem Völkermord entronnenes Volk trat zum Existenzkampf gegen einen erbarmungslosen Feind an.”
So sah die Welt vor dem Siegeszug des palästinensischen Narrativs aus - das heutzutage in großen Teilen der Welt als unteilbare und heilige Wahrheit verehrt wird. Die Situation ist dieselbe, die Worte von damals stimmen immer noch - nur ist es heute der Iran, der Hisbollah und Hamas gegen uns vorschickt, während die Welt uns als Aggressoren sieht. Pan-arabischer Nationalismus ist durch islamistische Weltherrschafts-Phantasien abgelöst worden.
Man kommt beim Lesen aus dem Staunen nicht heraus. Ähnlich lehrreich wie Gellhorns Artikel. (Und wir müssen seither wirklich extrem schlechte PR-Arbeit geleistet haben!)
Zurück in die ausweglose Gegenwart. Bradley Burston hält die Alternativen fest, die wir haben, und keine mag ihm recht gefallen. Auch mir nicht.
The Gaza Strip, unwanted by the world, unwanted by Israel, unwanted by the Arabs and even by many Palestinians, forlorn, violent, seething, unlivable, has become the great moral test for the Jewish people.
All it took was rockets.
Seven years of rockets. Rockets launched toward civilian populations, schools, a college, rockets that slammed through private homes, children’s bedrooms in the blue collar Israeli town of Sderot. More than a thousand rockets a year for seven years, directed at kibbutzim which for decades had supported an end to occupation and the rise of a Palestinian state. Eight thousand rockets, fired when Israel had 25 settlements and 20,000 troops in the Gaza Strip, and when Israel expelled the settlers and withdrew its troops, rockets fired from the ruins of the settlements and former emplacements of the IDF.
For Palestinians, Gaza was a prison before the disengagement, and a maximum security lockup thereafter. For Palestinians, the end of Israeli rule and the subsequent rise of Hamas were a human rights tragedy turned human rights catastrophe. For Palestinians, there is no more work in Israel, no more work in Gaza, no more hope anywhere.
Dann zählt er die einzelnen Optionen auf. Keine von ihnen ist gut. Wer also so richtig deprimiert den Tag beginnen will… ist hier richtig.
Bei Israel Matzav habe ich einen Link zum Video gefunden, der den Einschlag einer Grad-Rakete in Ashkelon zeigt. Der Minister Avi Dichter wohnt da, und die Sicherheitskamera vor seinem Haus hat den Einschlag aufgezeichnet. Zu der Zeit waren die Oma und zwei Kinder zuhause, sie saßen im häuslichen Schutzraum (den viele ärmere Israelis nicht haben) und haben überlebt. Ich stelle mir einen Moment vor, was die Eltern durchgemacht haben, bis sie wußten, daß Kinder und Oma unversehrt sind… nur so als Anschauungsmaterial für das, was die westlichen Medien und Politiker uns als erträglich anempfehlen, wenn sie uns mahnen, auf Gegenwehr tunlichst zu verzichten.
Außerdem stellt Soccerdad (bei Yourish lesbarer formattiert) eine Reihe von Zitaten zusammen, in ähnlicher Verzweiflung gesammelt, wie ich so oft verspüre, wenn ich Dichtung und Wahrheit nebeinanderstelle.
Die überall zu hörenden Verurteilungen Israels wegen humanitärer Härten auf der einen Seite, auf der anderen Seite Israels Bemühungen, diese Härten zu mildern, obwohl die Palästinenser alles tun, um ebendiese Härten herbeizuführen (zB dadurch, daß sie eine Moschee als Waffenarsenal gebrauchen). Schließlich kommt er zu der Schlußfolgerung:
Frankly given the disparity of how each side treats civilians, the condemnations of and suggestions to Israel are insulting.
It isn’t the collateral damage of Israel’s defense that threatens peace. It is the impression of Israel’s enemies that they can attack Israel with impunity - and as a bonus get Israel condemned - that undermines peace. Maybe if Israel’s critics were a bit more forthcoming about everything Israel was doing it would reduce the incentives of Hamas to continue attacking. (That’s probably a pipe dream.)
Hübsch trübsinnige Stückchen, nicht wahr? Mal gucken, ob mir im Laufe des Tages fröhlichere An- oder Aussichten begegnen.
Schweigeminute März 5, 2008, 9:42
Posted by Lila in Land und Leute, Uncategorized.6 comments
Falls es noch jemanden gibt, der an die Objektivität und Fairness des UN-Auschusses für Menschenrechte glaubt, weise ich auf diese Meldung hin:
The United Nations Human Rights Council held a moment of silence Tuesday for martyrs in Gaza killed in an Israel Defense Forces offensive in the Strip, after a request by Iran’s foreign minister.
Iranian Foreign Minister Manouchehr Mottaki called for the gesture on behalf of the women and children who are “nowadays under attack by the Zionist regime,” the term Iranian officials use for Israel because they do not recognize its right to exist.
….
The U.S. mission in Geneva said it had no comment on what happened.
The council, created in 2006, is dominated by a bloc of African and Islamic countries, and has denounced Israel in a series of resolutions. The body has no power beyond international scrutiny.
Daran denkt das nächste Mal, wenn jemand als anti-israelisches Argument die vielen, vielen offiziellen Verurteilungen Israels durch UN-Organe und -Offizielle anführt.
Es gibt so viele Menschen auf der Welt, die unschuldig leiden, und für die man schweigen müßte. Wenn man sich die Ausmaße menschlichen Leids ansieht, müßte man eigentlich in einen Schweigeorden eintreten und nur noch für die Menschen beten, die unter politischer Verfolgung leiden, gefoltert werden, vom Erdboden verschwinden oder vollkommen rechtlos und ausgebeutet sind. Gerade in manchen der Mitgliederstaaten dieses Rats haben die Menschenrechte einen schweren Stand.
Aber ausgerechnet die Palästinenser werden solchermaßen herausgehoben, die ihre Situation kräftig mitgestaltet haben und die durch einfachen Verzicht auf Raketenbau und -abfeuern sich den ganzen Streß in Gaza von Anfang an hätten sparen können… die selbst so wild bei jeder Gelegenheit herumballern, Kindern Waffen in die Hände geben, so extrem unvorsichtig mit Waffen umgehen und dann jedes Opfer eigener Kugeln als “Opfer zionistischerAggression” ausgeben können, ohne daß jemand kritisch nachfragt… die ihre Terroristen in Zivilkleidung stecken, damit sie sie als zivile Opfer zählen können, und schon öfter beim Lügen ertappt wurden als Pinocchio…
Diese Schweigeminute halte ich angesichts des echten Leids auf der Welt für geschmacklos. Aber die zeigt die schamlose Parteinahme eines Organs, das bei vielen als Inbegriff der Weisheit und Fairness gilt.
Israelische Nachrichten März 5, 2008, 0:47
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.1 comment so far
Als mein Hebräisch noch nicht so gut war, zu Zeiten des 91er Golfkriegs, habe ich die englischen IBA-Nachrichten im Fernsehen geguckt. Jetzt gibt es sie im Internet, und wenn jemand sehen will, wie die Nachrichten in dieser Ecke der Welt aussehen, voila.
Gestern in Jerusalem März 4, 2008, 21:17
Posted by Lila in Land und Leute.16 comments
So stark ist der Haß. Gott sei Dank, den Insassen des Autos ist nichts passiert. Sie sind Angestellte der Stadtverwaltung, verteilen Knöllchen. Symbole der Staatsgewalt gewissermaßen. Die junge Frau meinte hinterher, sie hatte das Gefühl, hätten die Männer sie aus dem Auto geholt, dann wäre sie gelyncht worden.
Bei einem ähnlichen Vorfall, der aber nicht gefilmt wurde, wußte der Angegriffene sich nicht anders zu retten und schoß zuerst in die Luft, dann auf die Angreifer. Einer kam dabei ums Leben. Wenn man nur die Schlagzeile sieht, “Siedler erschießt Palästinenser”, weiß man nicht immer, was dahinter steht.
PS: Leider funktioniert der Clip nicht immer - ich guck mal, ob ich Photos finde.




