Eine Zwillingsgeburt in Ashkelon März 11, 2008, 17:44
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Leider nur im englischen SPon gefunden, vielleicht hab ich es im deutschen verpaßt???, und von Aussie Dave verlinkt: eine Reportage über eine Palästinenserin aus dem Gazastreifen, die ihre Zwillinge im Krankenhaus von Ashkelon bekommt, wo sie jetzt im Inkubator liegen. Sie und ihr Mann lernen auf diese Weise Israel von der anderen Seite her kennen.
Wie der Ashkeloner Chefarzt, den ich ja neulich per Video hier gezeigt habe, meint auch der Arzt, der die Kinder betreut, er kümmert sich nicht darum, ob seine Patienten zu diesem oder jenem Volk gehören.
Dr. Shmuel Zangen, the director of the hospital’s neonatal unit, doesn’t care who he treats. “As a doctor, I enjoy the privilege of not having to think about it,” he says. “It certainly is odd that we take care of Palestinian children while they shoot at us. It’s the sort of thing that only happens in the Middle East.”
Das ist höflich ausgedrückt. Um es genauer zu sagen: es kommt eigentlich auch im Nahen Osten nur in einem Land vor, nämlich Israel. Es ist mir noch nie zu Ohren gekommen, daß Israelis in Saudi-Arabien oder Syrien im Krankenhaus behandelt werden. (Wir brauchen das auch nicht, Gott sei Dank - aber selbst wenn wir es brauchten, würden sie uns wohl kaum helfen. Doch Geben ist seliger denn Nehmen… und vielleicht wird es ja eines Tages anders, besser.)
Die Palästinenserin und ihre Babies sind nun in Reichweite der Grad-Raketen.
On the second day after the birth of Bayan and Faisal, a Soviet-made “Grad” rocket landed on the hospital grounds. “I heard it hit, 200 meters away from me,” says Shafii. The neonatal unit was moved to a bunker the next day. “The groups that are firing the rockets are not fighting a just war,” says the Palestinian mother, adding that they are not abiding by what the Prophet Muhammad said: that wars may only be waged between soldiers, but not against civilians.
Ja, ich kenne das. Mein Frühchen, Tertia, lag in Nahariya im Inkubator, zu Zeiten des Katyusha-Beschusses. Da fühlt man sich verdammt ausgeliefert. Hoffentlich ist jetzt erstmal wieder Ruhe.
Bei solchen Gelegenheiten zeigt es sich dann, daß es die normalen, freundlichen Palästinenser durchaus noch gibt, an deren Existenz ich manchmal verzweifle. Und sie leben in Angst und Schrecken - vor den Terroristen, die sie als Schutzschilde mißbrauchen und bedrohen.
Ashraf Shafii describes how young, masked men repeatedly set up their rocket launchers under the cover of houses in Beit Lahia. “They shoot at Israeli civilians, which is completely unacceptable,” says Shafii. “And they put us Palestinian civilians in grave danger, because the Israelis shoot back.”
Why doesn’t he object? “They are armed,” says Shafii, “and they shoot at anyone who gets in their way.”
Ich wünsche den Babies, daß sie gut gedeihen, und daß die Eltern ihre positiven Erfahrungen mit Israel nicht vergessen. Es könnte alles so unproblematisch sein da unten im Süden…
Danke, Kuwait, März 11, 2008, 15:24
Posted by Lila in Presseschau.13 comments
für diesen Artikel in Al-Watan.
Sichere Grenzen März 11, 2008, 13:02
Posted by Lila in Land und Leute, Uncategorized.18 comments
Danke an Eran, der diesen Link in den Kommentaren hinterlassen hat: Defensible Borders, eine Materialsammlung zum Thema Grenzen und Grenzsicherheit.
Da finden sich ein paar Karten, die recht klar machen, wie Israels Problem aussieht, und daß wir nicht notwendigerweise spinnert sind, wenn wir uns als verletzlich empfinden. (Und daß die israelischen Lieder vom kleinen Land nicht verniedlichend gemeint sind, sondern einfach realistisch.)

Also, sehr groß ist Israel nicht…
Die nächste Karte zeigt die Grenzen Israels VOR dem Sechstagekrieg, also vor 1967.

Es gilt als Grundlage einer jeden Friedensregelung im Nahen Osten, daß Israel sich in diese Grenzen zurückzieht, in denen es 1967 verletzlich war. (Wieso die Araber überhaupt damals angegriffen haben, wenn diese Grenzen doch so wünschenswert sind, entzieht sich meiner Logik aber gut - es sind seitdem ein paar Tropfen Wasser den Jordan runtergeflossen, nehmen wir mal an, sie wollen das wirklich, die Lage von damals wiederherstellen).
Nun gilt es als ausgemacht, daß die israelische Forderung nach einem Stopp der Angriffe auf Israel als Zeichen der Verstockheit und Friedensunwilligkeit Israels gedeutet werden muß. Wären die Israelis nämlich nicht so verstockt und friedensunwillig, so würden sie doch bestimmt bereit sein, die 67 besetzten Gebiete entschädigungslos zu räumen, ohne jede Vorbedingung? Nicht wahr?
Nun ist es so, daß Israel einen Großteil der 67 gewonnenen Territorien schon längst zurückgegeben hat, nämlich in Camp David an die Ägypter - den gesamten Sinai. Und wenn man sich die erste Karte nochmal zu Gemüte führt, kann man sehen, daß das ein ganz fetter Brocken war - also für israelische Verhältnisse zumindest! Der Sinai ist größer als Israel selbst, und gegen das sichere Versprechen, von dort nicht mehr angegriffen zu werden, hat Israel ihn geräumt. (Israel hätte damals Sadat gern auch Gaza aufgeschwatzt, aber Sadat war klug genug, es auszuschlagen.)
Nun, aber die Pufferzone im Südlibanon (die vor dem Libanonkrieg anno 82 pausenlos als Abschußrampe für nach Israel gefeuerte Raketen diente - eine ganze Generation von Kindern in Nordisrael ist im Bunker großgeworden) hat Israel doch geräumt, und es ist nichts weiter passiert! Nein, bis auf Raketenangriffe von Zeit zu Zeit, den Libanonkrieg 2006 (der durch wahre Raketenschauer auf Shtula und Zarid eingeleitet wurde) und ständige Drohungen Nasrallahs ist dort Ruhe… würde der verehrte deutsche Leser gern in der Nähe einer solchen geräumten Zone leben? Vermutlich nicht. Israel ist dort ohne Vorbedingungen und ohne Verhandlungen abgezogen, gewissermaßen als Vorleistung. Keine Erfolgsgeschichte.
Und der Gazastreifen? Auch ihn hat Israel ohne Vorbedingungen und Verhandlungen geräumt. Die anhaltenden Angriffe durch Qassams und Mörsergeschosse haben nicht aufgehört, im Gegenteil, sie haben sich verstärkt und sind durch Grads mit größerer Reichweite noch verschlimmert worden.
Ich sehe also nicht genau, was mich dazu bewegen sollte, die Westbank zu räumen, auch wenn ich theoretisch und im Rahmen eines sicheren Friedensplans dazu wohl bereit bin. Aber die Erfahrung hat bisher gezeigt, daß die Palästinenser und die mit ihnen verbündeten Organisationen von Israel geräumte Gebiete als ideale Abschußrampen nutzen.
Und hier sind nun die Karten, die zeigen, welche wunderbaren Entfaltungsmöglichkeiten sich dem bieten, der die Westbank als Abschußrampe zur Verfügung hat:

Da sind sowohl Ruth als auch ich dabei, Ruth in Beer Sheva, ich nordwestlich von Jenin (da zieht sich so ein kleines Tal hoch, in den Höhen westlich davon lebe ich). Hm. Leider ist die sicherste Ecke Israels die Negev-Wüste - aber nur der Osten, der Westen wird ja von Gaza aus beschossen.
Verständnis, daß Israelis sich nicht mit Begeisterung auf ein Experiment mit der palästinensischen Friedenswilligkeit einläßt?
Noch dazu kommt, daß wir sehr auf unseren Flugplatz Ben Gurion (mit israelischer Abkürzungswut Natbag genannt …) angewiesen sind. Es ist nämlich peinlicherweise unser einziger internationaler Flughafen. Es ist auch so ziemlich der einzige Ort, von dem aus Israelis ins große, lockende Ausland gelangen können. Gut, es gibt ein paar Leute, die per Schiff fahren, es gibt auch welche, die nach Jordanien oder Ägypten fahren, aber so richtig einladend sind die im Moment nicht.

Wer Ben Gurion in Schußweite hat, kann kontrollieren, wer und was Israel verläßt und betritt. (Der Name Strela erinnert Israelis an den Angriff auf eine El-Al-Maschine in Kenia, am Tag des Attentats in einem Hotel dort, dem viele Israelis zum Opfer fielen).
Da die Grenze zu Ägypten nur unzureichend gesichert ist und von dort, wie auch durch Tunnel in den Gazastreifen, jede Menge Waffen (gern iranische und russische) zu den Palästinensern gelangen, kann man sich vorstellen, wie das aussähe. Die gesamte Küstenlinie Israels, wo die meisten Israelis leben, arbeiten oder leben UND arbeiten, wäre unter Beschuß.

Wer das für Theorie hält, soll mal bei den Bewohnern von Sderot nachfragen, wie diese Theorie sich anfühlt, wenn sie in Realität umgesetzt wird.
Stellt euch einen Moment lang vor, ihr würdet irgendwo in Israel wohnen. Würdet Ihr nicht VOR einer Räumung der Westbank gern einen Beweis dafür sehen, ja nur einen Hoffnungsschimmer oder Hinweis darauf, daß sich nicht das ganze Land in ein einziges Sderot verwandelt?
Und das sage ich, die ich die ganzen letzten 18 Jahre damit verbracht habe zu hoffen, daß meine Kinder NICHT als Soldaten in die Westbank müssen. Oh, und natürlich auch nicht die von irgendjemand anders! Daß das Problem vorher zu lösen ist. Daß es eine friedliche, einvernehmliche Lösung gibt und Soldaten nur mehr Radkappen polieren oder Antennen entstauben müssen. Und daß wir in Jenin einkaufen können, und die Geschäftsbeziehungen dahin wieder aufnehmen können, ach ja, und daß die Kollegen aus der Gegend wieder bei uns arbeiten können und man sich einfach mit gewohnt-nachbarlichen gemischten Gefühlen betrachtet wie der deutsche Autofahrer den niederländischen - nicht besser, nicht schlechter.
Ich sage es ungern, und ich sage es seufzend, aber im Moment sieht es einfach nicht danach aus, als hätten wir einen Partner für Ruhe. Von Frieden ganz zu schweigen.
Jubel, Trubel, Heiterkeit März 11, 2008, 12:09
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.add a comment
Aus den Nachrichten von Channel 10. Der Hintergrundtext ist nicht wichtig zum Verständnis der Bilder. Ausgelassener Jubel auf den Straßen von Gaza, als bekannt wird, daß acht unbewaffnete Jugendliche bzw junge Männer in der Bibliothek einer religiösen Schule beim Lesen in der Heiligen Schrift ermordet wurden. In der Tat eine wahre Heldentat. Ich sehe solche Bilder und frage mich: die reden von Mut? von Ehre? fordern Respekt für Religion und Glauben? Sie verstehen wohl gänzlich was anderes darunter als ich.
Und so sah das von der andren Seite gesehen aus.

