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Die Macht der Bilder März 7, 2008, 13:26

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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Honest Reporting hat sich mal ein Jahr lang die Bilder angeguckt, die als “Bilder des Monats” von Reuters ausgesucht wurden.  Es sind jeden Monat ca. 250 Bilder, aus verschiedenen Bereichen, die von Reuters besonders herausgehoben und für gut gehalten werden. 124 Bilder präsentieren den Koflikt zwischen Israel und den Palästinensern und wurden von Honest Reporting analysiert.

Haltet euch fest, wenn ihr die Ergebnisse hört. Die Überraschung könnte euch sonst umwerfen.

62% der Bilder erwecken Empathie für die Palästinenser. 28% sind neutral. Und 10% zeigen die Israelis in sympathischem Licht.

1reuterspie.gif

In dieserBilderauswahl waren fünfzehn Darstellungen von palästinensischen Beerdigungen - keine israelische Beerdigung - und auch keine von anderen Opfern anderer Konflikte.

Auf der überwältigenden Mehrheit der Bilder wurden die Israelis als Angreifer und die Palästinenser als Opfer gezeigt.  Es lohnt sich, auf den Link zu klicken und die Bilder anzugucken.  Sie dürften auch deutschen Zeitungslesern bekannt vorkommen. Ich erinnere mich noch an die Photomontage, die lange Zeit die Berichterstattung des SPon über den Nahostkonflikte begleitete: die Überschrift “haßerfüllte Nachbarn” (an sich schon durch die Gleichsetzung eine Verzerrung), eine klagende alte Palästinenserin und ein israelischer Soldat, der durchs Zielfernrohr guckt.

Tja, so sieht die Welt den Konflikt und so stellt man ihn dar. Ein Teufelskreis. Die Pressestelle der Regierung hat beschlossen, die Bilder vom Massaker gestern nacht offensiv einzusetzen, etwas, das Israel bisher eher vermieden hat. Wir ziehen unsere Leichen nicht vor die Kameras, auch um die Gefühle der Überlebenden und Hinterbliebenen zu schützen.

In diesem Fall sind die Bilder besonders eindrücklich, wegen der  religiösen Bedeutung der blutbefleckten Kleidungsstücke und Gegenstände. Ich habe mir die Seite von Arutz 7 nicht zu Ende angucken können. Aber ich habe darauf die Namen einiger Verletzter gefunden, die dort mit Mutternamen angegeben sind, damit Leser sie in ihre Gebete einschließen können. Ein Junge aus Sderot ist dabei. Bestimmt haben die Eltern gedacht, in Jerusalem ist er sicher….

Kommentare»

1. schoschana - März 7, 2008, 14:21

ich kann den report aus eigener anschauung nur bestätigen. wir bekommen die süddeutsche wegen eines wohlmeinenden bekannten, der sie uns immer wieder ins haus gibt, regelmässig zu lesen. die bilder zum nahostkonflikt zeigen genau das, was in der studie beschrieben wird: immer sind die palästinenser die opfer, die israelis die täter. auch heute war wieder ein solches bild auf seite 2. die bildunterschrift (titel “der kampf um gaza” ;) lautet: ‘explosion der gewalt: ein palästinenser flieht nach einem israelischen raketenangriff. seit der machtübernahme druch die hamas hat sich die lage im gaza-streifen dramatisch verschlechtert’.
das bild zeigt einen mann, der auf eine art wiese rennt, rechts neben ihm befindet sich eine autostrasse, in der ferne sieht man eine halle (ein gewächshaus?) und hinter ihm ein total zerstörtes, verbeultes, aus der motorhaube brennendes auto. das auto steht in der wiese und quer über die strasse sieht man einzelne teile der karrosserie. der mann hat einen verstörten gesichtsausdruck voller furcht, er schreit, weint vielleicht. in der ferne sieht man noch zwei personen, die beide in eine andere richtung blicken, nicht zu dem mann oder dem auto. sie wirken relativ ruhig, einer steht, einer geht langsam.
nun sieht das bild aber auch so aus, wie es nach einem “gewöhnlichen” autounfall aussehen könnte. nach den manipulierten bildern der letzten jahre bin ich verunsichert und lege das bild zur seite, ohne 100%ig überzeugt zu sein, dass es sich wirklich um das handelt, was die bildunterschrift aussagt.
zudem bin ich über die bildunterschrift insofern irritiert, dass für mich die beiden halbsätze im gesamten keinen sinn machen, ausser dass sie den leser eindeutig zur emphatie mit den palästinensern als gesamtes (nicht nur mit dem mann auf dem bild) bewegen wollen: der mann flieht, wovor: natürlich vor einem israelischen raketenangriff. laut bildunterschrift hat sich die lage in gaza seit machtübernahme durch die hamas zwar verschlechtert, das wird erwähnt, aber erst nachdem die deutlichere botschaft in der ersten hälfte des satzes gemacht wurde, und so als hauptbotschaft im gedächtnis des lesers verankert bleibt - zumal diese botschaft von den israeli als angreifer und dem palästinenser als ausschliessliches opfer nun schon seit jahren durch die medienlandschaft geistert.

es ist wirklich zum verzweifeln. die kommentare in der haaretz zum gestrigen anschlag auf die merkasnikim zeigen ebenfalls deutlich, wie diese botschaft übergreifend über kontinente bei den menschen verankert ist.

danke, lila, noch einmal für dein blog. ich lese regelmässig, auch wenn ich selten kommentiere.

alles gut und gut schabbes,
schoschana

2. Carsten - März 7, 2008, 15:29

Wäre man zynisch, könnte man sagen, die israelische Humanität rächt sich in dem inhumanen Bild, dass die ruchlose Pallywood-Propaganda von Israel zeichnet, oder kurz: Selbst schuld, was seid ihr so nett.

Aber ich will nicht zynisch sein. Es reicht schon, dass die Situation es offenbar ist.

3. Mia - März 8, 2008, 23:05

Zufällig ist mir heute auf Stern Online etwas Vergleichbares aufgefallen. Von 30 Bilder sind fünf über den israelisch-palästinensischen Konflikt, alle fünf zeigen Israel in einem zutiefst negativen Licht.

Mehr dazu hier: http://eshkoliot.twoday.net/stories/4770017/