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Nicht vergessen März 7, 2008, 23:36

Posted by Lila in Land und Leute.
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Viele, viele Kommentare sind jetzt hier im Umlauf, viele Einschätzungen. Nach den gehäuften Angriffen der letzten Wochen und Tage (von denen ich nicht mal alle hier verzeichnet habe, der Soldat in Kisufim, der Autokäufer in Hebron….) ist zu erwarten, daß Olmerts Regierung irgendetwas TUT. Was und inwieweit es sinnvoll ist, mag ich gar nicht erörtern.

Allein ein kurzes Blättern durch y-net, Haaretz und JPost zeigt, daß der eine meint, das Ende der Hamas wird eingeläutet - ein anderer spekuliert, daß die nächste Intifada bevorsteht - ein dritter plädiert für den Einsatz nicht-tödlicher Waffen - wieder einer glaubt, mit den Methoden von Oslo die Lösung gefunden zu haben - und findet Unterstützung hier - ein anderer möchte Israel ebenso hart durchgreifen sehen wie andere Länder - ganz zu schweigen von den Fernsehfritzen (Roni Daniel würde am liebsten ein paar Hamasniks ohne Salz zum Frühstück… und den Gazastreifen wieder besetzen) und meinem Mann, der scherzt, wir könnten uns ja aufs ungezielte Abschießen von Qassams in Richtung Gaza verlegen, das nimmt niemand ernst, aber man erreicht sein Ziel trotzdem.

Auch Olmerts Bemerkung beim Abzug der Truppen, daß das erst der Anfang war…, steht noch im Raum.

Irgendwann wird also irgendwas passieren im Gazastreifen. Ich fürchte für Soldaten und Zivilisten, für alles mögliche, ich will auch die Leute, die gestern abend jubelnd Baklawa verspeisten, nicht elend sterben sehen - aber am hartnäckigsten steckt mir ein Bild im Kopf.

Irgendwo in Gaza, vermutlich in einem Keller, sitzt Gilad Shalit. Er spricht Arabisch, er kennt die Leute, die ihn festhalten, inzwischen ganz gut. Irgendwo lief mal das Gerücht um, daß er mit ihnen Sheshbesh spielt, oder Schach, und so sehe ich ihn vor mir. Vor einem Spielbrett, ihm gegenüber ein junger Mann mit Keffiey und Gewehr, sie lachen. So möchte ich das Bild halten, harmlos, als wäre er freiwillig dort. Könnte nach einem Schachmatt aufstehen und nach Hause gehen.

Als wir die Aufnahme seiner Stimme hören konnten, das ist auch schon wieder lange her!, habe ich gut hingehört. Seine Stimme klang nicht wie die eines gebrochenen Mannes. Obwohl er ungeschickte Formulierungen verlesen mußte, klang seine Stimme ruhig und beinahe zuversichtlich, nicht wie ein Mann, dem man die Waffe an die Schläfe drückt. Er ist wohl nicht mehr der Junge mit dem weichen Gesicht, er wollte wohl mit seiner Stimme seine Eltern, die durch die Hölle gehen, beruhigen und aufrichten.

Wie gesagt, Gerüchte und Andeutungen besagen, daß er relativ gut behandelt wird und die Hamas ihn am Leben halten will, weil sie wissen, daß er lebend mehr wert ist als tot. Gedanken an den endlosen Albtraum Ron Arad versuche ich zurückzudrängen. Selbst Assoziationen mit der Rudi-Kreuzkamm-Episode (die ich als kindliche Leserin schon abscheulich fand und die mir heute riesige Zweifel an Kästners humorvoll-menschenfreundlichem Image einflößt) sind nicht tröstlich.

Sobald ein Mensch totale Macht über einen anderen hat, besteht die Gefahr, daß er sie ausnutzt - und wie groß ist diese Gefahr erst, wenn ein junger israelischer Soldat Menschen in die Hände fällt, die nichts mehr hassen als israelische Soldaten. Und mit welcher Inbrunst dieser Haß zelebriert wird, das sehen wir ja täglich.

Wenn ich zu diesem Albtraumszenario dann noch fallende Bomben und Raketen, brennende und zerstörte Häuser, eine Bevölkerung auf der Flucht und heftige Binnenkämpfe unter der Feuerdeckung unserer Armee hinzudenke - dann befürchte ich, daß seine Eltern ihn nie mehr wiedersehen werden.

Ist es ein Zufall, daß wenig von ihm die Rede ist dieser Tage?

Das Haus März 7, 2008, 21:52

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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ist auf seine Fundamente zurückgekehrt. Der Hausvater ist wieder zurück aus der großen Welt, er war in Venedig und Prag, hat neue Technologien kennengelernt, die er nun in der Fabrik umsetzen wird, und hat wunderbar ruhige katzenfreie Nächte verbracht (die Katzen wecken einen ja pausenlos auf, Mini will fressen, Lutz nach draußen und Leo spielen). Ich hingegen habe schlafe miserabel ohne ihn, obwohl Quarta so nett war, in Papas Bett zu schlafen, während er weg war. Sie hat sogar versucht, ihm ihr Bett als gemütliche Alternative zu seinem angestammten Platz zu verkaufen - erfolglos.

Aber jetzt ist er wieder da.

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Update März 7, 2008, 13:49

Posted by Lila in Land und Leute.
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Der Mörder gestern war - Busfahrer der Yeshiva.

Es ist kaum zu fassen. Vertraut ihr den Schulbusfahrern eurer Kinder? Natürlich vertrauen wir ihnen, sonst würden wir ihnen unsere Kinder nicht anvertrauen. Dieser Busfahrer kannte die Jungens. Er sah sie täglich. Er verdiente sein Geld damit.

Seine Familie hat ein Trauerzelt aufgestellt, das mit grünen Hamas-Flaggen geschmückt ist.

Diese Bestialität ist wohl kaum zu überbieten, wie lange mag er geplant haben, die Jugendlichen zu erschießen, die er in seinem Bus fuhr? Wir haben ein echtes, riesiges Problem.

Und eine Leseempfehlung: Bradley Burstons Worte an Tadler und Ratgeber.

Und ein Update zum Update:

Die Yeshiva sagt, nein, er war kein Fahrer bei ihnen, sie beschäftigen keine arabischen Busfahrer mehr, schon seit Jahren nicht.  Viel Unklarheit, viele Gerüchte. Man sollte vermutlich ein paar Tage warten, bis mehr Fakten bekannt sind…

Die Macht der Bilder März 7, 2008, 13:26

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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Honest Reporting hat sich mal ein Jahr lang die Bilder angeguckt, die als “Bilder des Monats” von Reuters ausgesucht wurden.  Es sind jeden Monat ca. 250 Bilder, aus verschiedenen Bereichen, die von Reuters besonders herausgehoben und für gut gehalten werden. 124 Bilder präsentieren den Koflikt zwischen Israel und den Palästinensern und wurden von Honest Reporting analysiert.

Haltet euch fest, wenn ihr die Ergebnisse hört. Die Überraschung könnte euch sonst umwerfen.

62% der Bilder erwecken Empathie für die Palästinenser. 28% sind neutral. Und 10% zeigen die Israelis in sympathischem Licht.

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In dieserBilderauswahl waren fünfzehn Darstellungen von palästinensischen Beerdigungen - keine israelische Beerdigung - und auch keine von anderen Opfern anderer Konflikte.

Auf der überwältigenden Mehrheit der Bilder wurden die Israelis als Angreifer und die Palästinenser als Opfer gezeigt.  Es lohnt sich, auf den Link zu klicken und die Bilder anzugucken.  Sie dürften auch deutschen Zeitungslesern bekannt vorkommen. Ich erinnere mich noch an die Photomontage, die lange Zeit die Berichterstattung des SPon über den Nahostkonflikte begleitete: die Überschrift “haßerfüllte Nachbarn” (an sich schon durch die Gleichsetzung eine Verzerrung), eine klagende alte Palästinenserin und ein israelischer Soldat, der durchs Zielfernrohr guckt.

Tja, so sieht die Welt den Konflikt und so stellt man ihn dar. Ein Teufelskreis. Die Pressestelle der Regierung hat beschlossen, die Bilder vom Massaker gestern nacht offensiv einzusetzen, etwas, das Israel bisher eher vermieden hat. Wir ziehen unsere Leichen nicht vor die Kameras, auch um die Gefühle der Überlebenden und Hinterbliebenen zu schützen.

In diesem Fall sind die Bilder besonders eindrücklich, wegen der  religiösen Bedeutung der blutbefleckten Kleidungsstücke und Gegenstände. Ich habe mir die Seite von Arutz 7 nicht zu Ende angucken können. Aber ich habe darauf die Namen einiger Verletzter gefunden, die dort mit Mutternamen angegeben sind, damit Leser sie in ihre Gebete einschließen können. Ein Junge aus Sderot ist dabei. Bestimmt haben die Eltern gedacht, in Jerusalem ist er sicher….

Israel ist klein März 7, 2008, 12:24

Posted by Lila in Land und Leute.
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und um ein paar Ecken kennt man fast immer jemand, den es getroffen hat. Diesmal kennen auch meine Leser um ein paar virtuelle Ecken im Internet Bekannte der Opfer: David Bogner ist mit der Familie eines ermordeten Jungen befreundet, und Soccer Dad, den ich via Meryl Yourish ein paarmal verlinkt habe, hat einen Neffen an der Yeshiva, der glücklicherweise woanders war gestern abend - der aber Freunde und einen Zimmerkameraden verloren hat.

Die Einzelheiten sind einfach zu grauenhaft. Ich weiß nicht, wie die Familien weiterleben können.  Eine Bücherei voller Jugendlicher, die sich auf den Purimmonat freuen und seinen Auftakt vorbereiten. Ich sehe die Trauerfeier, die die Beerdigungen einleitet. Ein Vater sagt Kaddish über seinen Sohn, und alle beten mit, Tausende sagen Amen.

Wohlgemerkt: März 7, 2008, 8:09

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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der Sicherheitsrat der UN hat den Anschlag gestern NICHT verurteilt.

The UN Security Council failed to reach an agreement overnight Thursday on issuing an official condemnation over the deadly shooting attack in Jerusalem’s Mercaz Harav Yeshiva because of Libyan opposition.

“Most members (of the council) wanted to condemn (the attack) but Libya blocked it,” Israel’s ambassador to the UN, Dan Gillerman, told reporters.

US Ambassador Zalmay Khalilzad said US efforts to issue a statement condemning the attack “in the strongest terms” failed because Libya sought to link it to its own resolution urging condemnation of Israel over the IDF operation in the Gaza Strip last week.

Khalilzad criticized Libya, saying that a terror attack specifically targeting civilians could not be equated to military operations aimed at stopping rocket fire.

Ambassador Vitaly Churkin of Russia, which currently holds the rotating monthly presidency of the Security Council, expressed his frustration over the fact that UNSC member states could not come to a decision to issue a condemnations for a terror attack and were instead getting bogged down by complexities over the history of the Israeli-Palestinian conflict, Israel Radio reported.

Earlier Thursday, UN Secretary-General Ban Ki-moon strongly condemned the shooting, calling it a “savage attack.”

In a statement issued by his spokesperson, Ban deplored the deliberate killing and injuring of civilians and offered his condolences to the families of those killed.

“The Secretary-General is deeply concerned at the potential for continued acts of violence and terrorism to undermine the political process, which he believes must be pursued to achieve a secure and lasting peace for Israelis and Palestinians, based on a two-State solution,” the statement said.

(Ich habe mir die berechtigte Kritik eines Lesers zu Herzen genommen und nicht mehr so scharf geschnitten!)

Der letzte Absatz des SPon-Artikels durch die Abfolge der Sätze suggeriert einen kausalen Zusammenhang mit der Militäraktion im Gazastreifen:

Nach Bekanntwerden der Bluttat strömten in Gaza Palästinenser auf die Straße und feuerten Freudenschüsse in die Luft. “Dies ist die Rache Gottes”, war aus Lautsprechern zu hören. Erst vor kurzem hatte dort das israelische Militär eine Offensive gegen Extremisten beendet, bei der mehr als 120 Menschen ums Leben gekommen waren.

Der Versuch, jeden Akt der Gewalt gegen Israel mit israelischen Verteidigungsmaßnahmen zu “begründen”, hinterläßt einen faden Geschmack. Die “Offensive” war nämlich eine Defensive, nachdem jahrelang Tausende Raketen auf israelische Zivilisten gefallen waren… Außerdem braucht auch ein solcher Anschlag eine lange Vorbereitungszeit, länger als eine Woche oder zwei.

Aber der Eindruck der “Spirale der Gewalt” muß aufrechterhalten werden.