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Mit gespaltener Zunge März 6, 2008, 1:01

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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Obwohl ich zu dem Thema schon mehr als genug geschreiben habe, wird es so schnell nicht aus dem Diskurs verschwinden, da Gaza ja nach wie vor ein aktuelles Thema bleibt. (Heute war ein “ruhiger” Tag: nur sechs  neun Raketen.) Ich stell es also nach einigem Zögern trotzdem in den Blog, wer vom Thema die Nase voll hat, MUSS es ja nicht partout lesen.

Eine Analyse des Forschungszentrums Terroismus in Herzliya hat Beweise dafür zusammengestellt, was uns schon Ulrike Putz bildhaft geschildert hat: daß die Hamas die palästinensische Zivilbevölkerung systemisch als menschliche Schutzschilde mißbraucht. Auszüge bei Israel Matzav und auch hier.

During the IDF activity in the Gaza Strip both Hamas and the PIJ called upon Palestinian civilians to gather in places where, they claimed, the IDF was about to attack. That was done to have them serve as human shields, exploiting the fact that the IDF avoids deliberately harming Palestinian civilians. The terrorist organizations operating in the Gaza Strip have used the tactic beforeThe following are examples of calls in the Palestinian media for Palestinians civilians to serve as human shields:

Hamas’s Al-Aqsa TV and PalMedia Website called upon civilians to form a human shield at the home of Abu al-Hatal in the Sajaiya neighborhood (in Al-Sha’af according to other version) because the IDF had threatened to blow it up (March 1).

Die Genfer Konvention erlaubt es, in solchen Situationen trotzdem zu schießen. Dazu Melanie Philipps (auch bei Israel Matzav gefunden, ich Faulpelz!):

For what the myopic or bigoted west fails to grasp is that the new reality of asymmetric warfare reverses the usual calibration of a country’s military strength. This is because the asymmetry is not confined merely to military hardware. It is because it also relates to the moral calculus of that country. The bitter irony of the western liberals’ grotesque claim that Israel is involved in ‘disproportionate’ violence in Gaza is that, on the contrary, Israel is totally constrained by its own ethical code from fighting on the same basis as the Arabs.

Sag ich ja auch immer, nur nicht so schön. Und es stimmt auch - sonst hätten wir den Gazastreifen schon längst in ein Trümmerfeld verwandelt.

Das ist also die eine Seite der arabischen Kriegsführung: Zivilisten werden skrupellos ausgenutzt. Wo bleibt der Aufschrei der zilivisierten Welt? Er richtet sich gegen Israel.

Denn die andere Seite der arabischen Kriegsführung ist die rhetorische. Während die Palästinenser gegen die Menschenrechte verstoßen, spielen ihre Verteidiger mit beneidenswerter Virtuosität mit den Zauberworten der westlichen Demokratien, die ich hier einfach mal gefettet habe.

The Arab League condemned Israeli attacks on the Gaza Strip as “crimes against humanity” on Wednesday.

Arab foreign ministers said they “strongly condemn the barbaric crimes that the Israeli occupation forces committed in Gaza and the rest of the occupied Palestinian territories”.

Meeting to prepare for an Arab summit in Syria this month that is expected to focus on Gaza and Lebanon, the ministers said in a statement they were “recording these Israeli crimes as crimes of war and crimes against humanity“.

Arab League Secretary-General Amr Moussa said: “The criminal aggression against Gaza shows that Israeli policy against the Palestinian people is based on genocide and ethnic cleansing.”

Bis auf Hollokost alle Phrasen dabei. Diese aufgeplusterte Rhetorik steht den Fürsprechern der Palästinenser wahrlich nicht gut zu Gesicht, wenn man die Fakten prüft, und sich zum Beispiel daran erinnert, wie “proportional” die Ägypter selbst neulich auf die palästinensischen Touristen reagiert haben…

Egypt’s foreign minister said that no further violations of its borders would be tolerated in the wake of a 12-day breach of its frontier with Gaza and said anyone daring to cross would have their legs broken, the state news agency reported.

Aber diese Doppelzüngigkeit prüft wohl mancher nicht nach. Es reicht, mit überzeugender Empörung die oben fett formattierten Buzzwords auszustoßen, als ob man selbst an sie glaubte, und die Welt ist hypnotisiert.

(Ich konnte dem Bild einfach nicht widerstehen…)

Jedenfalls ist eines klar: würde die Hamas fair kämpfen, ihre Zivilbevölkerung aus dem Schlamassel raushalten und auf deutliche Trennung von Kombattanten und Zivilisten achtete, dann wären viel weniger tote unbeteiligte Frauen, Männer und Kinder zu beklagen. Denn es ist für die meisten Israelis sehr bedrückend, daß unsere Einsätze so schreckliche Folgen haben. Auch wenn ich begründete Zweifel am hohen Prozentsatz der Zivilisten unter den Opfern hege - auch einer ist einer zuviel, und auch menschliche Schutzschilder haben ein Recht auf Leben.

Könnte man die Hamas doch dazu zwingen, auf diese brutale Geiselnahme der eigenen Nachbarn und Familien zu verzichten! Das wäre doch mal eine Aufgabe für die internationale Gemeinschaft, der die palästinensischen Zivilisten so am Herzen liegen….

Ich sehe, daß sowohl Ruth als auch Meryl Yourish sich des Themas annehmen. Elder of Zion ebenfalls. Kurz, wer zu dem Thema eine Seminararbeit abliefern muß, darf diesen Eintrag als Materialgrube gebrauchen….

Kommentare»

1. Thatcher - März 6, 2008, 4:52

Schon mal überlegt, das Spiel “Pali-Bingo” einzuführen, wo man auf einem 5×5-Zettel 25 dieser Wörter und Phrasen (oder typische Bildmotive wie einzelne Schuhe, Blutflecken, großäugige Kinder oder schreiende Pinguinfrauen) einträgt, die die Palästinenser so gerne verwenden? Wenn man zusammen vor dem Fernseher sitzt, die Bilder sieht und die “Arab Talking Heads” ihren Bullshit reden hört, kreuzt man die jeweiligen Dinge an. Und wenn man dann eine Zeile oder Spalte voll hat, ruft man “BINGO!”

Besonders gut läuft so was dann, wenn der Sprecher es mitbekommt. In tausenden Meetings und Konferenzen erprobt.

Könnte man bestimmt auch in einigen SPD-Ortsvereinen, in Studierendenparlamenten oder auf Kirchentagen ganz gut bringen.

Oder als Fernsehshow im israelischen TV, mit einem Heimbunker gegen Raketenbeschuss als Hauptgewinn?

2. Sophie Ackerbaum - März 6, 2008, 11:30

Aber dann lese ich …..

http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/7280026.stm

3. Lila - März 6, 2008, 11:55

Ja, und das ist genau, was Du immer und überall liest. Die Organisationen, die diesen Bericht geschrieben haben (und auch die BBC), sind nämlich wunderbare Repräsentanten des westlichen Mainstreams. Sie können sich einfach nciht vorstellen, daß der Underdog an seinen miserablen Lebensumständen SELBST schuld sein könnte, und suchen sich statt dessen einen Sündenbock.

Kann mir mal einer verraten, wer und was die Bewohner des Gazastreifens daran hätte hindern können, nach dem Abzug Israels statt Fatah-Hamas-Kämpfen (die mehr Tote gefordert haben als Israels Aktion letzte Woche…und unverhältnismäßig viele Zivilisten!) und statt Qassam-Raketen-Terror sich auf andere Dinge zu konzentrieren? Hast Du Dir, bevor Du seufzend Israel die Schuld zuschiebst, mal überlegt, daß die Palästinenser zu dem Zeitpunkt sehr gut wirtschaftlich hätten hocharbeiten können?

Vielleicht liest Du hier zum ersten Mal mit, deswegen erinnere ich an eine Demo vor ein paar Jahren, die ich schon ein paarmal erwähnt habe, weil sie mit tiefen Eindruck gemacht hat und prophetisch vorkam, was sie auch war:

Bauern aus dem Gazastreifen, ältere Männer mit abgearbeiteten Händen und gebeugtem Rücken, haben GEGEN Qassam-Bastler demonstriert. Sie haben gesagt: endlich haben wir die Gelegenheit, die von den Israelis zurückgelassenen Gewächshäuser und Bewässerungsanlagen zu nutzen, und auch das Land.

Aber die Qassam-Fritzen, junge, kräftige Männer, haben sich durchgesetzt.

Und fragst Du Dich nicht, wohin Deine Steuergelder wandern - enorme Mengen Geldes, die jedes Jahr in den Gazastreifen fließen? Wo sind denn die Schulen, Kindergärten, Mutter-und-Kind-Kliniken und Abenteuerspielplätze, die Volkshochschulen, Kinos und Vortragssäle, die Tonstudios und Theater, die man davon hätte bauen können?

Das Geld wird verballert. Wortwörtlich.

Und bringt das den Palästinensern was? Welchen Vorteil haben sie davon? Keinen einzigen.

Denk mal darüber nach. Es mag den Palästinensern im Gazastreifen schlecht gehen, auch wenn im Vergleich mit anderen arabischen Staaten noch recht gut (ich verweise auf die Verblüffung der Ägypter, die beeindruckt durch Gaza stromerten und meinten, Mensch, denen geht es ja besser als vielen Familien in Kairo). Aber wo die Armut nicht israel in die SChuhe zu schieben ist, interessiert sie wohl nicht.

Bitte, überleg mal logisch, was die Palästinenser alles hätten tun können, um sich die heutige Situation sparen zu können. Frag Dich, ob Du das für Deine Familie und Nachbarn nicht getan hättest. Und dann guck Dir an, was die Bewohner des Gazastreifens in ihrer überwältigenden Mehrheit gewählt und getan haben.

Und dann frag Dich, was Israel damit zu tun hat.

Nichts. Wir haben darauf gar keinen Einfluß.

Aber wenn Du natürlich schon in dem schön geschlossenen Weltbild befangen bist, in dem alles, aber auch wirklich alles auf Israel Untaten zurückgeführt werden kann…. sind meine Worte sinnlos.

Weißt Du, daß die Bewohner von Gaza die vom Ausland oder Israel gelieferten Rohrleitungen dazu einsetzen, Qassams zu bauen, statt ihre Abwässersysteme zu erneuern? Jedes Jahr gibt es riesige, ekelhafte Abwasser-Überschwemmungen, letztes Jahr eine seit Jahren gefürchtete, besonders schlimme.

Wen beschuldigen die Leute dafür automatisch? Israel natürlich. Was können wir dafür? Nichts. Im Gegenteil. Wir bieten noch HIlfe an. Zitat:

The Israel Defense Forces offered humanitarian assistance to help clean up the spill. There was no word on whether the offer had been accepted.

Wir behandeln Leute aus Gaza umsonst in unseren Krankenhäusern, liefern ihnen Strom, Medikamente, Nahrungsmittel.

Meinst Du nicht, daß mal langsam anderen Ursachen als nur unsere barbarische Behandlung an den Übeln Gazas gesucht werden sollten????

4. Olli D - März 6, 2008, 12:35

Vielleicht hat sie einfach keine Lust mehr, den immer gleichen Leuten, das immer gleiche zu erzählen, weil man sie eh nicht überzeugen kann, weil sie gar nichts neues wissen wollen, sondern sich auf ihren Vorurteilen gegenüber dem jüdischen Staat Israel ausruhen, und ja das mit dem jüdischen Staat ist Absicht, diese Schuldzuweisung ist nämlich eine Form des Antisemitismus, allzumal die Gegner ja nicht nur etwas gegen den Staat haben, sondern gegen die Tatsache, dass dort Juden wohnen.
Außerdem ist diese Schuldzuweisung eigentlich auch beleidigend gegenüber den Palis, denn es sagt, ihr seid dumm und schwach, und könnt gar nichts dafür und auch nichts daran ändern, außer durch Gewalt.

5. Sophie Ackerbaum - März 6, 2008, 12:55

‘bevor Du seufzend Israel die Schuld zuschiebst’ ??

‘aber wenn Du natürlich schon in dem schön geschlossenen Weltbild befangen bist,’ ??

Liebe Lila,
Ich wollte gerne deine Meinung wissen über was ich da heute gelesen habe… Ich versuche soviel wie möglich selbst meine Meinung zu bilden und obenstehende Voraussetzungen haben mir ein wenig erstaunt. Danke aber für den Rest deines Antwortes.

6. Lila - März 6, 2008, 12:59

Ja, entschuldige, das ist mal wieder so doof rausgekommen. Ich meinte auch nicht Dich persönlich.

Ich bitte um Verständnis, ich antworte auf solche Anfragen dauernd und vergesse manchmal, daß es jedesmal andere Leute sind, die nichts dafür können, wenn mich jemand anders genervt hat. :oops:

Und ich konnte an Deinem kurzen Kommentar nicht erkennen, ob Du wirklich mehr wissen willst oder nur kurz einen Link ablieferst.

Tut mir leid und war nicht so gemeint. Ich klinge manchmal schärfer, als ich es meine…..

7. Sad - März 6, 2008, 13:18

Das stimmt nachdenklich:

http://www.readers-edition.de/2008/03/04/erntezeit-in-gaza/

8. Lila - März 6, 2008, 13:30

Es stimmt in der Tat nachdenklich, wie Marty konsequent aus glasklaren Tatsachen die verkehrten Schlüsse zieht.

Wenn seit sieben Jahren aus dem Gazastreifen aus Schulen und Wohnvierteln Raketen auf Israel geschossen werden - wer gefährdet dann Lehrer, Schüler und wäscheaufhängende Hausfrauen? Etwa Israel?

Wo sind in Deutschland eigentlich Einrichtungen der Bundeswehr und Übungsplätze untergebracht - in Schulen? Wohnvierteln? oder nicht doch lieber ein bißchen abgelegener?

Wenn ein Volk so dringend nach self determination verlangt wie die Palästinenser - wäre es dann nicht an der Zeit, von ihrer Führung echte self determination zu verlangen? Zu verlangen, daß SIE den Schutz der Lehrer und Schulkinder übernehmen?

Sie in einem Kampfgebiet sich selbst überlassen und dann den beschossenen Feind, der wie erwartet irgendwann nicht mehr andrers kann als zurückzuschießen, zu beschuldigen - das finde ich ein reichlich schwaches Bild.

Mir tun die Leute einfach nur leid, die sich in Form der Hamas eine solche Führung an den Hals wählen, die sich nicht im Geringsten um ihr Wohl kümmert, sondern in ihnen nur Schachfiguren sieht, die man opfert, um den Feind irgendwann Matt zu setzen.

Äh, nicht als ob unsere eigene Regierung sehr brilliant wäre. Auch sie hat die Einwohner der westlichen Negev lange genug preisgegeben, eben um den Verurteilungen von Leuten wie Marty zu entgehen, und hat nichts gegen die Raketen unternommen.

Daß die Israelis nicht mitleidlos und unbarmherzig auf die Palästinenser sehen, sollte eigentlich schon dadurch bewiesen sein, daß sich Israelis bei Machsom Watch, Taayush, BeTselem, Adalah und anderen Organisationen engagieren, die leidenschaftlich und einseitig das palästinensische Narrativ übernommen haben. Eine umgekehrte Bewegung in der pal. Gesellschaft nicht bekannt ;-) mi shum ma

Und meinst Du, wir hätten gejubelt, als der Lehrer fiel? Jeder überflüssige Tod ist einfach nur ein Jammer, bei uns gibt es keine Ideologie, die solchen Todesfällen eine Aura verleiht, weder auf unserer noch der anderen Seite.

Sinnlose, traurige Todesfälle, die wir immer zu verhindern suchen.

Würden wir so wahllos draufschlagen, wie Marty uns unterstellt - wie viele Menschen gäbe es noch im Gazastreifen?

Ich erinnere auch wiederum daran, wie viele Palästinenser durch friendly fire umkommen - in den meisten Fällen nie untersucht, weil unhinterfragt Israel in die Schuhe geschoben.

Mein Mann kriegt immer Zustände, wenn er sieht, wie bei jeder Hochzeit und jeder Beerdigung die LEute in die Luft ballern wie bescheuert. Wir ruften immer gleichzeitig:

Ich: wie viel Brot und Milch hätte man von dem Geld kaufen können, das da in die Luft geht!

Er: sind die wahnsinnig, in einem Wohngebiet ganze Magazine zu verschießen!

Aber sag das mal Marty…. :roll:

Und: während uns entsetzliche und kaum zu vermeidende Fälle unterlaufen, in denen Unschuldige ums Leben kommen, feuern die Qassam-Bastler unverdrossen auf unsere Schulen und Kindergärten. Während wir Opfer solcher Fehler in unseren Krankenhäusern behandeln, verteilen die Palästinenser Süssigkeiten, wenn bei uns Zivilisten sterben.

9. Sad - März 6, 2008, 13:46

Ist das wirklich alles so glasklar ?
Ich finde es trotz Deiner Erklärungen eher undurchsichtig.
Hamas ist sicher übel, aber als mir ich vor einiger Zeit einen Reihe von Fotografien aus Deutschland unmittelbar nach der Machtergreifung angesehen habe, die Schläger und die verunsicherten Zivilisten, ja was kann man denn da tun? Ich habe heftige Albträume bekommen. Was sollen die Palästinenser tun, die mit der Hamas nicht einverstanden sind?
Auswandern können die ja nicht. Die sitzen in der Hölle fest und raufen sich die Haare.

10. Lila - März 6, 2008, 13:56

Das stimmt. Sie sitzen in der Hölle fest. Es waren entsetzliche Bilder, sie sind mir auch durch und durch gegangen (ich meine nicht die von 33, soll man nicht vergleichen - sondern die von verstörten Zivilisten, die Opfer der Kämpfe Hamas-Fatah wurden). Die Wahl zwischen Fatah und Hamas ist entsetzlich, weil keiner von beiden wirklich irgendwas für die Bürger tut, die ihre Radieschen ziehen wollen.

Bestimmt hätte auch Israel mehr tun können, um den Siegeszug der Hamas aufzuhalten. andererseits: zu enge Zusammenarbeit mit der Fatah (die auch nicht viel besser ist, sondern auch eine Terrororganisation… ;) hat fatale Folgen für diese selbst, weil sie als Kollborateure wahrgenommen werden.

Und der weltweite Siegeszug des Islamismus hat mit Israel nur indirekt zu tun und wäre durch nichts von uns aufzuhalten gewesen.

Was schade ist: viele Palästinenser, die sich durch Bildung nach oben gearbeitet haben, sind weggezogen.

Mit Ägypten ist nie eine fruchtbare form der Zusammenarbeit in Gang gekommen, immer hing alles an Israel, dem verhaßten Feind. Wieso?

Was außerdem schade ist: nach dem Abzug der Israelis hätte es anders laufen MÜSSEN. Die palästinensische Regierung hätte als eindieutiges Ziel setzen müssen: Wohlstand und Stabilität. Und jede Art Raketenbau und -abschuß unterbinden müssen.

Welche Regierung duldet solche Freikorps? Nur eine, die symbolischen Schlägen gegen den FEind mehr Bedeutung zumißt als dem Hühnchen im Topf ihrer Bürger.

Ja, ich erinnere mich noch gut an einige verpaßte Chancen unsererseits in Abu Mazens erster Regierungsperiode, noch zu Arafats Zeiten.

Aber welche Chancen haben ausgerechnet wir, positiven Einfluß auf politische Entwicklungen bei den Palästinensern zu nehmen? Wo wir es versucht haben, waren die Folgen verheerend.

Da hätte schon viel eher international gegengesteuert werden müssen.

Aber allzu viele naive Beobachter im Westen haben gedacht, “wer FÜR die Palästinenser ist, muß FÜR den Kampf gegen Israel sein”. Das ist dumm. Wer den Palästinensern wirklich wohlwill, muß ihnen klipp und klar sagen: schlagt Euch diese Obsession aus dem Kopf. Baut die Blumenplantagen der Siedler wieder auf, baut Erdbeeren an, baut Hotels, Ihr kriegt Kleinkredite und große Kredite, geht wieder in Eres arbeiten, macht Geschäfte auf - aber keine einzige Rakete mehr!

Diese Message ist nie gekommen. Eres ist geschlossen worden. Die Wirtschaft liegt darnieder.

Ein Teufelskreis.

Ausgerechnet WIR hätten den durchbrechen sollen? Wie? Auf uns hören sie doch nicht. Auf EUCH vielleicht. Wo waren denn die ernsthaften europäischen Drohungen, daß der Geldhahn zugedreht wird, wenn die Raketen weiter fliegen?

Wenn ich das mal so plakativ sagen darf…

Ich habe keine Antworten, aber eine Menge, Menge Fragen an die, die zugeguckt haben, wie der Karren sieben Jahre lang in den Dreck gefahren ist, wir vor drei Jahren versucht haben, per Räumung ihn zu retten und es nicht geschafft haben.. und die uns jetzt Vorwürfe machen.

11. Sad - März 6, 2008, 14:08

Tja, Danke für die lange Antwort.
Wenn die Waffenträger unbedingten Krieg wollen, was können dann die anderen dann schon noch machen?
Diese Bilder aus 33! Ich weiß auch keine Antwort. Vielleicht einer der Mitleser hier?
Es ist verdammt traurig.

(Muss weg)

12. Lila - März 6, 2008, 14:16

Ich muß leider auch weg.

Wegen all dieser Dinge hab ich seit Ende des Krieges Sommer 06 galoppierende Depressionen…. :(

13. eran1 - März 6, 2008, 15:32

“Wenn die Waffenträger unbedingten Krieg wollen, was können dann die anderen dann schon noch machen?”

Dann hätte man die Waffenträger nicht mit überwältigenden Mehrheit demokratisch wählen sollen.

14. beer7 - März 6, 2008, 17:03

Sad

Und die Zivilisten muessten sich nicht zu Hunderten freiwillig als menschliche Schutzschilde andienen.

Genau zu diesem Text von Marty habe ich auch geschrieben:
http://beer7.wordpress.com/2008/02/10/schweizer-journalist-macht-in-antizionismus/

15. grenzgaenge - März 6, 2008, 19:07

@eran1: genau hier liegt der problem: die hamas ist nicht vom himmel gefallen sondern wurde gewaehlt. wobei allerdings zu fragen ist ob der vorgaenger, die fatah bewegung eines gewissen herrn arafat, unbedingt besser war. ich sehe zwischen beiden keinen so grossen unterschied. nur hat herr arafat versucht seine wahren absichten zu verdecken waehrend die hamas sich diese muehe nicht macht. das bemuehen des herrn arafat hatte erfolg, er wurde sogar mit dem “friedens”nobelpreis fuer seine luegen geehrt. interessant ist das beide, fatah und hamas, in europa als opfer der boesen israelischen besatzer gelten. die verdummungsmaschenerie laeuft also auf hochtouren und wirkt. den krieg der medien hat israel schon verloren. leider.

16. Sad - März 6, 2008, 19:25

Eran, wäre irgendetwas besser geworden, wenn die eh regierende und ebenso Waffentragende Fatah demokratisch legitimiert worden wäre?
Das ergibt keine Lösung. Da müsste man das Rad der Zeit schon sehr viel weiter zurückdrehen.

Beer7, dieses Andienen als Menschliches Schutzschild passiert ja wohl auch nicht alle Tage. Und gäbe es das nicht, wäre dann alles ok, oder zumindest lösbar?
Und wenn ja, wie?

Lässt sich denn in diesem Flecken Autarkie überhaupt erreichen, zumindest was einfachste Grundbedürfnisse angeht?

Eran weiss keine Lösung, und Dein Vorschlag, Beer, bringt wohl auch nicht viel weiter. Zivilcourage ist schon in Deutschland gefährlich, in Gaza wohlmöglich tödlich.

Sonst weiss ja anscheinend keiner einen Ansatz.

Das wenigste sollten aber Verhandlungen sein, auch mit Terroristen, das verpflichtet zu nichts, könnte aber ein Ausweg aus dieser unmöglichen Situation sein.

So gibt es nur Leid auf beiden Seiten und schlechte Presse für Israel.

Außer Verhandlungen fällt mir nichts ein.

Dass Lila in dieser Lage Depressionen bekommt, ist da wohl sehr verständlich.

17. grenzgaenge - März 6, 2008, 19:55

“Das wenigste sollten aber Verhandlungen sein, auch mit Terroristen …”

aha, mit welchem ziel soll man mit leuten verhandeln die das blut von zivilisten an den haenden haben ? das gab es schon einmal. der herr hiess arafat, seine organisation fatah. soll man die gleichen fehler noch einmal machen ? es sind nie so viele israelis getoetet worden wie waehrend der illusion des friedensprozesses. es gab mal ein konzept namens “land fuer frieden”. das ergebnis sehen wir heute in sued israel. (dafuer wurden also siedler vertrieben ….!)

18. Sascha - März 6, 2008, 20:08

Sad, worüber sollte man denn mit der Hamas verhandeln? Was kann Israel denen bieten, was sie nicht eh schonmal hatten? Rückzug aus dem Gaza-Streifen, Lieferung von Strom und Hilfgütern, Selbstverwaltung in dem Gebiet? Im Gegenzug für Verzicht auf Kassam-Beschuss? Also Israel hatte seinen Part bereits erfüllt, als es 2005 dort abgezogen ist…

19. Sad - März 6, 2008, 22:52

Grenzgänger, wie lautet denn Dein Vorschlag:
Kaputtbomben?
Land für Frieden, ja, aber der Gazastreifen ist zuwenig Land für Frieden, was soll man da auf die Beine stellen. Wenn Du in der Wikipedia schaust: höchste Bevölkerungsdichte in der Welt. Wie die sich selbst bei günstigsten Bedingungen in ihrem Carée selbst ernähren sollten, ist mir absolut schleierhaft. Und Hanija hat Gespräche angeboten bevor der Gazastreifen zum Feindesland erklärt wurde.
Und warum wurde er nicht zur Konferenz nach Annapolis eingeladen, stattdessen aber jede Menge arabische Bonzen, denen das Ganze völlig gleichgültig ist?
Sascha - Land, das Land ihrer Väter, wenigstens ein Teil davon, der groß genug ist, dass man darin Leben kann. Wenn Du meinst, die Israelis konnten das doch auch, dann vergisst Du, das diese ein Hinterland hatten, mit dem Austausch gepfegt werden konnte.
Die haben nur hochmoderne Sicherheitszäune und tlw. Mauern, und keine echte Seehoheit an ihrer Küste.
Ein Hafen, dass sie Handel nach außen treiben können oder wenigstens aus Gaza verschwinden könnten.

20. Lila - März 6, 2008, 23:16

Ich will dazu mal, obwohl ich ziemlich kaputt bin, ein paar grundsätzliche Worte sagen.

Ich sehe mich nach wie vor, als Kibbuznikit und von meiner Persönlichkeit her, als Teil der Linken. Obwohl ich bestimmt sehr undogmatisch bin, in vieler Hinsicht liberale und konservative Ansichten teile und eigentlich an allen demokratisch und humanistisch basierten Linien Anerkennenswertes finde. Ich glaube auch nicht, daß alles eh nur Auslegungssache ist und weder Gut noch Böse existieren, weder Wahrheit noch Lüge. Ich glaube auch nicht an die Lebenslügen der Political Correctness.

Aber irgendwo steckt nach wie vor in mir ein naiv-idealistischer Streak, der manche meiner Leser ohne Ende nervt und den sie mir vorwerfen, der aber nicht auszurotten ist. (Als INFJ kann ich einfach nicht anders ;-) )

Ich gehöre zu denen, die immer dafür waren, zu verhandeln, Kompromisse zu suchen, den Ausgleich, nicht mit dem Kopf durch die Wand. Ich war schon zu Zeiten der Madrider Konferenz (die ich schon hier erlebt habe) für Gespräche um jeden Preis, denn es kann eigentlich nur besser werden, wenn man miteinander spricht. Dachte ich.

Mein Mann kommt aus einer Familie super-linker Kibbuzniks, seine Großeltern glaubten an den Sozialismus und lebten ihn, sprachen so gut Arabisch wie Hebräisch und pflegten ausgezeichnete Kontakte zu den Arabern der Umgebung. Kein Kibbuznik wäre auf die Idee gekommen, Araber zu vertreiben. (Y.s Großeltern haben versucht, die arabischen Nachbarn zum Bleiben zu bewegen.)

Y.s Mutter war bei den Frauen in Schwarz, sein Bruder ist zum Einzug in die Armee mit Keffiye gegangen, Y. und seine Freunde sind in Uniformen gegen den Krieg demonstrieren gegangen, in dem sie jahrelang gekämpft haben. Wir alle haben immer an die Hypothese geglaubt, daß alle Menschen in ihrem Kern dasselbe wollen: ein gutes und erfülltes und sinnvolles und friedliches Leben führen. Und daß man, wenn man sie an diesem Kern packt, jedes Problem lösen kann.

Das Leben als Kibbuznik basiert auf dem Grundsatz des Vertrauens zum Mitmenschen. Das haben wir vor 20 Jahren noch auf alle ausgedehnt. Ich zitier noch mal meinen Mann: die besten und einzigen Freunde, die die Palästinenser je hatten, war die isralische Linke.

Die wissen gar nicht, was sie verloren haben, als sie meinen Mann und seine Familie verloren haben. Sie haben es nie zu schätzen gewußt, daß in Israel eine starke Friedensbewgung war. Sie haben sie zynisch ausgenutzt, aber nicht respektiert, nicht begriffen, daß das zu großen Teilen eine patriotische Friedensbewegung war. Und als die Hoffnung auf Frieden weg war, ist der Patriotismus geblieben. (Ein Patriotismus im Sinne der Lieder, die ich hier gern reinstelle, wie das von Kaveret.)

Im Gegensatz zu vielen anderen schäme ich mich nicht dafür, daß es so lange gedauert hat, bis ich kapiert habe, wem wir gegenüberstehen. Ich schäme mich nicht dafür, daß ich den Menschen lange zugetraut habe, mein Wertsystem zu teilen, und es Jahre gedauert hat, bis mir klar war, daß uns der mörderische Haß, der über jedes rationale Maß hinausgehende Haß nicht nur von ein paar Irren oder Außenseitern entgegengeschleudert wird.

NIcht alle wollen nur in Ruhe ein erfülltes und sinnvolles Leben führen, in Frieden leben. Es gibt Menschen, die leben für Kampf, Blutvergießen, Tod und Zerstörung. Auch Selbstzerstörung.

Wir stehen Feinden gegenüber, die unser humanistisch-demokratisches Selbstverständnis zynisch ausnutzen. Die nach wie vor in ihrer Grundsatzerklärung geschrieben haben, daß Israel vernichtet werden muß, und das keineswegs nur rhetorisch meinen. Menschen, die ohne Scham lügen, inszenieren, fälschen, Wort brechen, falsche Versprechungen machen, um ihre Ziele zu erreichen, und unbarmherzig gegen sich selbst und andere sind.

Das wußte ich nicht. Ich habe gehofft, daß die Hypothese der Linken stimmt. Leider war dem nicht so.

Die Rechte kann jetzt, wie Eliyakim HaEtzni (ein kluger Mann, dessen Voraussagen in Interviews mit Broder damals als Irrsinn abgetan wurden, aber tatsächlich eingetroffen sind) auf die eigene Schulter klopfen und sagen: nu, wir hatten Recht, die Palästinenser sind nicht friedensfähig, sie wollen nur Randale, wir wußten es gleich, warum habt ihr nicht auf uns gehört?

Darauf kann ich mehreres sagen.

Auch wenn sich herausstellt, daß es ein Irrtum war - wir mußten es versuchen. Wir sind es uns selbst schuldig. Wir sind den Weg der Verhandlungen gegangen, Barak war zu weitgehenden Kompromissen bereit, Arafat hätte nur JA sagen müssen und hätte hinterher noch viel mehr gekriegt. Vor lauter Erleichterung, einen dauerhaften Frieden und einen Schuß des Konflikts zu bekommen, hätte Israel doch weiter mit sich handeln lassen. Es bestand doch kein rationaler Grund, statt dessen in die Intifada zu ziehen!

Es hat sich gezeigt, daß die Palästinenser es nicht aushalten, statt Kampf und Krieg langweilige Verhandlungen zu führen. Es hat sich auch gezeigt, daß sie nicht etwa nur einen jüdischen Nachbarstaat in den Grenzen von prä-67 hatten - es wäre ja auch unlogisch, denn bis 67 hatten sie ihn und haben ihn bekämpft!

Aber niemand kann sagen (obwohl es natürlich viele trotzdem tun), daß Israel es nicht versucht hat. Wir haben es versucht. Und es war wohl gut, daß wir es wieder und wieder versucht haben, geräumt haben, Truppen abgezogen. Auch wenn immer sofort hinterher Kugeln geflogen sind.

Der Preis, den wir bezahlt haben, der war allerdings brutal hoch. Ich kann nicht guten Gewissens sagen, daß es das wert war. Wir sind den Palästinensern menschlich gegenübergetreten, und in der Intifada haben sie Hunderte Unschuldiger gemordet. Deren Gesichter verfolgen mich im Schlaf und ich weiß, daß auch heute abend Jugendliche in Jerusalem Opfer des Terrors wurden.

Aber auch zu Zeiten von Bibi gab es Terror, und auch zu Zeiten von Shamir - wenn auch bei Shamir weniger. Terror ist in den Augen der Palästinenser ein Druckmittel, und wenn sie fühlen, daß jemand auf Druck empfindlich reagiert, dann setzen sie den Terror ein. so wie heute abend. Der Terror verfolgt die jüdische Bevölkerung seit 1929. Kein Tippfehler.

Ich glaube nicht, daß irgendeine Konstellation die Palästinenser vom Gebrauch der Gewalt abgehalten hätte. Sie lösen ja auch inner-palästinensische Konflikte, Konflikte mit Libanesen und Jordaniern, mit einem Gewaltüberschuß, der verstörend ist.

Ein weiterer Bestandteil meiner Lebensanschauung ist die Empathie. Ich kann mir nicht helfen, ich fühle Empathie für die Menschen, auch die im Gazastreifen, die meine Kinder erbarmungslos niederschießen würden, die mich hassen und unseren Namen verfluchen. Trotzdem, wenn ihre Kinder ohne Schuhe gehen, tun sie mir leid.

Dazu gehört auch, daß ich ihnen Gutes wünsche Ich würde für mein Leben gern nach Jenin zum Einkaufen fahren und dort vegnügte, friedliche Menschen sehen!

Wieso glauben eigentlich so viele Deutsche, mich “überführen” zu müssen, als unmenschliches Monster? So ein Quatsch. Ich war froh, als wir im Kibbuz Arbeiter aus Jenin hatten, und Y.s Vater hält bis heute Kontakt zu einem Geschäftsmann aus der Westbank, der der Firma früher Materialien geliefert hat und der schlimme Geschichten von den Zuständen dort erzählt. Wieso sollten wir ihnen Schlechtes wünschen?

Ich habe ihnen Gutes zugetraut, und nach wie vor vertraue ich Individuen. Aber nicht dem Mob, und nicht den Terroristen. Und leider gibt es davon sehr, sehr viele.

Ich wünsche ihnen aber trotzdem Gutes, auch den Terroristen. Und wenn nur aus dem einfachen Grund, daß der Terrorismus in einer saturierten Gesellschaft weniger Chancen hat - obwohl Lebensläufe wie der von Bin Laden und vielen anderen einen etwas anderes lehren.

Aber mit ihnen noch einmal reden? Das hat wenig Sinn, solange sie immer die Taktik verfolgen: Maximalforderungen stellen und sich dann beleidigt zurückziehen. Ich hab noch nie was anderes mit ihnen erlebt. Leider.

Ich sage es ungern, denn ich hätte gern die Hoffnung, die ich mal hatte.

Ich weiß, daß Leute wie Sad, die es von ferne sehen und nicht so miterlebt haben wie ich, nicht verstehen können oder mich aller möglichen Motive verdächtigen.

Ich kann das auch nicht verlangen - wer sich gründlich informiert, redlich darüber nachdenkt und zu dem Schluß kommt, daß Verhandlungen helfen könnten, dem sei das unbenommen. Ich beneide ihn sogar, daß er irgendeine Art Ausweg sieht.

Denn ich sehe ihn nicht mehr.

Sad, Gott gebe, daß ich mich irre mit meinen in 20 Jahren gewonnenen Einsichten, teilweise recht schwer errungen. Gott gebe, daß Du Recht hast und die Palästinenser tatsächlich mit uns reden wollen, und nicht uns töten.

Leider sieht es nicht danach aus.

Ich würde mcih freuen, wenn Du mir EINEN Hoffnungsschimmer aufzeigen könntest. Einen konkreten Kompromiß, zu dem die Palästinenser bereit sind. Und zwar nicht nur verbal auf Englisch, während sie auf ARabisch wieder brüllen: mit Blut, mit Geist befreien wir Falestin!

Sie wollen ganz Falestin, Sad. Da ist nicht dran zu rütteln. Und dafür müssen sie uns loswerden.

Ich möchte sehen, daß Haniya sich hinstellt und den Sadat macht: in die Knesset kommt und damit Israel anerkennt. Das kann er nicht.

Und wir haben es jetzt mit der Hamas zu tun, die verlängerter Arm des Iran ist. Hast Du den Achmedinijad mal reden gehört?

Oder Nasrallah?

Was haben wir von denen zu erhoffen? Sie halten sich ja an nichts, keine Abmachung, nichts.

Ich bin ungern so pessimistisch, wirklich.

Puh, das war sehr lang, tut mir leid. Morgen, wenn ich wieder etwas bei Sinnen bin, straff ich es etwas. Aber ich wollte so genau und ehrlich wie möglich sein und mich verständlich machen.

21. willow - März 6, 2008, 23:29

Ja Sad, so kann man das auch sehen… muß aber nicht. Fangen wir mit den Bevölkerungsdichte an - die Zahl der Bewohner des Gazastreifens ist in den letzten Jahrzehnten explodiert, woran mag das liegen? Not, Elend, Nahrungsmittelmangel? Und bitte, welches Hinterland hatten denn die Juden, die sich in Palästina ihre Existenz aufgebaut haben!? Informiere dich mal, da ging es darum, mit primitiven Mitteln und einem an Wahnsinn grenzenden Fleiß buchstäblich Wüsten und Sümpfe zu fruchtbarem Land zu machen! Wüsten und Sümpfe, die für sehr viel Geld den damaligen Besitzern abgekauft wurden. Wenn die palästinensischen Araber es dennoch “das Land ihrer Väter” nennen, dann klingt das irgendwie komisch…

Du bist der Meinung, der palästinensische Anteil wäre “zuwenig Land für Frieden” … hat das eventuell auch damit zu tun, daß den Arabern auch der Anteil zu gering erschien, der ihnen damals von der UNO zugesprochen wurde? Schau dir doch bitte das Mandatsgebiet an, daß der Völkerbund nach dem ersten Weltkrieg zwischen Juden und Arabern aufteilen wollte… seltsam, nicht? Von diesem Gebiet wurden erstmal ca. 80% den Arabern gegeben - das heutige Jordanien! Und als Ende der 40er der klägliche Rest aufgeteilt wurde, fühlten sich die Araber immer noch übergangen….

Im übrigen ist Jordanien auch ein schönes Beispiel dafür, daß es nicht auf die Menge des Landes ankommt - sondern darauf, was mit damit anstellt.

22. Marlin - März 6, 2008, 23:47

Lila, jetzt hast Du mich sehr traurig gemacht. :(

Aber vermutlich verstehe ich Dich besser als Du ahnst. Oder ich.

Trotzdem traurig, dass Dein Optimismus dahin ist.

(Allein dafür verdienen die Terrorbanden den Tod, den sie sich wünschen. > :( Oder den Limbus… )

23. Sad - März 6, 2008, 23:50

Danke, Lila.
Sehr traurig das alles.
Da hilft dann wohl nur noch Beten.
Viel Glück Dir und den Deinen und dass sie beim Dienst nicht angesteckt werden vom Hass.

Viel Glück wünsche ich Euch
und auch Euren Nachbarn

24. Lila - März 6, 2008, 23:57

Sad, danke für Deine netten Worte.

Vom Haß angesteckt? Du kennst uns nicht. Es mag Israelis geben, die hassen - aber ich habe zu oft Eltern getöteter Kinder im Fernsehen sprechen gehört, die ohne Haß, nur aus Leid sprechen.

Das Zerrbild der “haßerfüllten Nachbarn” ist einfach nur Propaganda.

Palästinenser werden in israelischen Krankenhäusern behandelt, auch Terroristen, und gut behandelt. Isarelis mögen arrogant sein, ruppig und laut, aber Haß sehe ich hier selten. Eher ein unendliches Genervtsein. Das ist aber was ganz anderes.

Meinst Du, wenn die Israelis von Haß erfüllt wären, hätte ich als Deutsche nicht eine Ladung davon abbekommen? Meine Erfahrung ist das genaue Gegenteil.

Und Marlin: wünsch niemandem den Limbus, bitte, und auch sonst nichts.

Ich seh die Bilder im Fernsehen, lauter Jungens im Alter meiner Söhne sind tot. Der Horror, der Horror.

25. Marlin - März 7, 2008, 0:00

Fällt mir sehr schwer, Lila..

26. willow - März 7, 2008, 0:02

Jerusalem: Anschlag auf Talmudschule

06.03.2008 | 21:01 | (DiePresse.com)

Der Angriff auf die jüdische Schule forderte mindestens acht Tote und 35 Verletzte. Die Täter waren als orthodoxe Juden verkleidet. Zwei Angreifer wurden getötet - einer von ihnen trug einen Sprengstoffgürtel.

Bei einem Anschlag auf eine Talmudschule in Jerusalem sind nach Angaben der israelischen Polizei und Rettungskräfte am Donnerstagabend mindestens acht Menschen getötet worden. Die Rettungsorganisation Magen David Adom (Roter Davidstern) berichtete von 35 Verletzten. Zwei offenbar palästinensische Attentäter drangen nach Augenzeugenberichten in den Speisesaal der Schule ein, wo sich etwa 80 Menschen befanden, und schossen um sich. Die Männer seien als orthodoxe Juden verkleidet gewesen, teilte die Polizei mit.

Einer der Angreifer wurde von Sicherheitskräften im Gebäude der Schule getötet, ein anderer konnte in ein Nachbargebäude flüchten, wo er schließlich von der Polizei erschossen wurde. Der Jerusalemer Polizeichef Shmuel Ben Rubi erklärte, der zweite Attentäter habe offenbar einen Sprengstoffgürtel getragen.

Die 1924 gegründete Talmudschule (Yeshiva) Mercaz Harav im Viertel Kiryat Moshe ist ein bekanntes religiöses Studienzentrum. Wer hinter der Tat steckt, war zunächst unbekannt. Im vergangen Jahr gab es in Jerusalem keine Anschläge militanter Palästinenser. Die israelischen Sicherheitskräfte haben erklärt, viele Attentate vereitelt zu haben.

Im von der radikal-islamischen Hamas regierten Gazastreifen feierten Bewaffnete den Angriff mit Luftschüssen. “Das ist die Rache Gottes”, war aus einem Lautsprecher in einer Moschee in Gaza-Stadt zu hören. Erst wenige Tage zuvor hatte die israelische Armee eine Militäraktion im Gazastreifen beendet, bei der über 120 Palästinenser getötet wurden.

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/368070/index.do?_vl_backlink=/home/index.do

27. netdns - März 7, 2008, 0:38

Danke, Lila. Für Deine interessanten, bewegenden und erhellenden Beiträge. Ich sitze hier im fernen Deutschland und kann es nicht fassen, wie die Mainstream-Presse und der grösste Teil der Bevölkerung ritualmässig Israel verurteilt und die Schuld an der ‘Gewaltspirale’ (dummes Wort in diesem Zusammenhang) zuschreibt. Und wie eigentlich kritische, intelligente, aufgeklärte Menschen - vor allem Journalisten - der billigen Propaganda der Hamas aufsitzen.
Um so wichtiger sind deshalb Blogs wie dieses. Ich finde es faszinierend, wie scharfsinnig, analytisch und doch gleichzeitig persönlich und bewegend Du aus eigener Erfahrung über die aktuelle Situation schreibst. Ganz besonders beeindruckt bin ich von Deinem gleichzeitigen ehrlichen, tiefen Mitgefühl Euren Feinden gegenüber, die Euch vernichten wollen. Das Dir jedoch trotzdem nicht sentimental das Gehirn vernebelt. Nochmals Danke - und Respekt!

Dein Blog wird hoffentlich dazu beitragen, dass hierzulande doch einige Menschen aufwachen und eine realistischere Sicht auf die bei Euch ablaufenden Dinge bekommen. Ich werde mit meinen bescheidenen Mitteln versuchen, Dein Blog weiter zu verbreiten.

28. beer7 - März 7, 2008, 1:02

Sad

Ich habe zum Thema “Verhandeln mit Hamas” mehrere Eintraege geschrieben, schon weiss ich nicht mehr, ob ich auf VII oder VIII gekommen bin. Verhandeln gehoert zu meinem Beruf. Vor jeder Verhandlung muss man sich ueberlegen, was man von seinem Gegenueber will, was das Gegenueber von einem haben will, welche Sorten Garantien moeglich sind usw.

Mit Reden um des Redes willen kommt niemand weiter, und manchmal kann es auch tatsaechlich schaden. Im uebrigen wissen wir hier sehr gut, dass mindestens ueber Gilad Shalit auch mit Hamas verhandelt wird.

Aber das wird Dich wohl alles nicht so interessieren. Ein unbestimmtes, wohlig-grusiles Gefuehl angesichts unserer Bredouille und den vaguen Eindruck eigener Ueberlegenheit, das scheint alles zu sein, was Du mitnehmen willst.

29. Lila - März 7, 2008, 2:29

Ich erinnere auch an einen gewissen Herrn A., mit dem israelische Regierungen “verhandelten”, während er die diabolischsten Terroranschläge gegen israelische Bürger absegnete.

30. grenzgaenge - März 7, 2008, 9:17

tja, der herr a. ist dafuer mit dem friedensnobelpreis geehrt worden. ach was fuer ein schoener frieden. zu diesem frieden kann man den hinterbliebenen der jeshiva studenten nur beglueckwuenschen. sie werden diesen frieden bestimmt an den graebern der studenten feiern. oder etwa nicht ?

31. Lila - März 7, 2008, 10:07

Grenzgänger, mit Arafat ist nie Frieden geschlossen worden, nur verhandelt. Er hat den Friedens-Nobelpreis trotzdem bekommen, aus was immer für Gründen. Vielleicht als Ansporn.

Die Yeshiva-Schüler sind die momentan letzten einer langen Reihe von jüdischen Opfern arabischen Hasses seit dem Massaker von 1929. Wenn wir sagen, wir sind seit 60 Jahren im Krieg, stimmt das nicht genau. Ich würde sagen, seit 80 Jahren.

Arafat war in der Tat eine fatale Figur, fatal für Palästinenser und fatal für uns, aber auch ohne ihn wäre es nicht zu Frieden gekommen. Es ist wenigstens nicht sehr wahrscheinlich.

Aber die Schüler der Yeshiva sind nicht Opfer Arafats. Sondern Opfer eines monströsen, tiefsitzenden Hasses, dessen sich A. nur bedient hat.

32. Ich halte nicht viel von Tom Segev « Freunde der offenen Gesellschaft - März 19, 2008, 9:51

[...] Wohngebiete: Ueber die Taktik pal. Terroristen, sich hinter Zivisten zu verstecken, habe ich und nicht nur ich schon mehrfach geschrieben. Segev haelt es wie Marty: Er moechte dieses Taktik gern belohnen, indem [...]