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Andere Stimmen März 5, 2008, 10:17

Posted by Lila in Presseschau.
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Ich hab mich etwas müde geschrieben, bestimmt haben sich die Leser auch an mir müde gelesen … und da ich ohne Y. so viel um die Ohren habe und mein Hamsterrädchen sich noch ein bißchen flotter dreht, mach ich mir ein leichtes Leben und verweise auf ein paar Links, die ich interessant zu lesen fand.

Spirit of Entebbe hat schon vor einiger Zeit den Original-Artikel im Spiegel ausfindig gemacht, der am 12. Juni 1967 die Bilanz des Sechstagekriegs zog. Die Wortwahl und Perspektive sind verblüffend, man fragt sich, was in den 41 Jahren seitdem vorgefallen ist, daß sich die Darstellung so gewandelt hat.

Die Titelgeschichten des Spiegel waren seinerzeit zwar deutlich weniger aufgebläht als heute, aber auch auf sieben Seiten wäre genügend Platz gewesen, wenigstens einmal die “Palästinenser” zu erwähnen. Von wegen: Vor 40 Jahren sprach man noch von Arabern, die Westbank war seit dem Unabhängigkeitskrieg von Jordanien besetzt und annektiert, der Gazastreifen stand unter ägyptischer Verwaltung. Ein palästinensisches Nationalgefühl sollte sich erst unter israelischer Besatzung entwickeln, das Recht der „Palästinenser” auf Unabhängigkeit, das heute von jedem Kaninchenzüchterverein angemahnt wird, war schlicht kein Thema.

An den Ursachen der Kämpfe war nicht zu rütteln, und der Spiegel benannte sie: der Abzug der UN-Truppen aus dem Sinai nach Nassers Ultimatum, die Sperrung der Meerenge von Tiran, aber vor allem die aggressive Rhetorik der arabischen Führer, der „Heilige Krieg der Araber”, der „panarabische Nationalismus”, die sowjetische Ermutigung der Araber zum Krieg, der „Aufmarsch der Araber”, der „die Israelis so in die Enge (trieb), dass diese zum Präventivschlag gedrängt wurden.”

„,Das Ende Israels ist gekommen’ verkündete Radio Kairo auf hebräisch, als der Krieg begann. Ein kleines, dem Völkermord entronnenes Volk trat zum Existenzkampf gegen einen erbarmungslosen Feind an.”

So sah die Welt vor dem Siegeszug des palästinensischen Narrativs aus - das heutzutage in großen Teilen der Welt als unteilbare und heilige Wahrheit verehrt wird. Die Situation ist dieselbe, die Worte von damals stimmen immer noch - nur ist es heute der Iran, der Hisbollah und Hamas gegen uns vorschickt, während die Welt uns als Aggressoren sieht. Pan-arabischer Nationalismus ist durch islamistische Weltherrschafts-Phantasien abgelöst worden.

Man kommt beim Lesen aus dem Staunen nicht heraus. Ähnlich lehrreich wie Gellhorns Artikel. (Und wir müssen seither wirklich extrem schlechte PR-Arbeit geleistet haben!)

Zurück in die ausweglose Gegenwart. Bradley Burston hält die Alternativen fest, die wir haben, und keine mag ihm recht gefallen. Auch mir nicht.

The Gaza Strip, unwanted by the world, unwanted by Israel, unwanted by the Arabs and even by many Palestinians, forlorn, violent, seething, unlivable, has become the great moral test for the Jewish people.

All it took was rockets.

Seven years of rockets. Rockets launched toward civilian populations, schools, a college, rockets that slammed through private homes, children’s bedrooms in the blue collar Israeli town of Sderot. More than a thousand rockets a year for seven years, directed at kibbutzim which for decades had supported an end to occupation and the rise of a Palestinian state. Eight thousand rockets, fired when Israel had 25 settlements and 20,000 troops in the Gaza Strip, and when Israel expelled the settlers and withdrew its troops, rockets fired from the ruins of the settlements and former emplacements of the IDF.

For Palestinians, Gaza was a prison before the disengagement, and a maximum security lockup thereafter. For Palestinians, the end of Israeli rule and the subsequent rise of Hamas were a human rights tragedy turned human rights catastrophe. For Palestinians, there is no more work in Israel, no more work in Gaza, no more hope anywhere.

Dann zählt er die einzelnen Optionen auf. Keine von ihnen ist gut. Wer also so richtig deprimiert den Tag beginnen will… ist hier richtig.

Bei Israel Matzav habe ich einen Link zum Video gefunden, der den Einschlag einer Grad-Rakete in Ashkelon zeigt. Der Minister Avi Dichter wohnt da, und die Sicherheitskamera vor seinem Haus hat den Einschlag aufgezeichnet. Zu der Zeit waren die Oma und zwei Kinder zuhause, sie saßen im häuslichen Schutzraum (den viele ärmere Israelis nicht haben) und haben überlebt. Ich stelle mir einen Moment vor, was die Eltern durchgemacht haben, bis sie wußten, daß Kinder und Oma unversehrt sind… nur so als Anschauungsmaterial für das, was die westlichen Medien und Politiker uns als erträglich anempfehlen, wenn sie uns mahnen, auf Gegenwehr tunlichst zu verzichten.

Außerdem stellt Soccerdad (bei Yourish lesbarer formattiert) eine Reihe von Zitaten zusammen, in ähnlicher Verzweiflung gesammelt, wie ich so oft verspüre, wenn ich Dichtung und Wahrheit nebeinanderstelle.

Die überall zu hörenden Verurteilungen Israels wegen humanitärer Härten auf der einen Seite, auf der anderen Seite Israels Bemühungen, diese Härten zu mildern, obwohl die Palästinenser alles tun, um ebendiese Härten herbeizuführen (zB dadurch, daß sie eine Moschee als Waffenarsenal gebrauchen). Schließlich kommt er zu der Schlußfolgerung:

Frankly given the disparity of how each side treats civilians, the condemnations of and suggestions to Israel are insulting.

It isn’t the collateral damage of Israel’s defense that threatens peace. It is the impression of Israel’s enemies that they can attack Israel with impunity - and as a bonus get Israel condemned - that undermines peace. Maybe if Israel’s critics were a bit more forthcoming about everything Israel was doing it would reduce the incentives of Hamas to continue attacking. (That’s probably a pipe dream.)

Hübsch trübsinnige Stückchen, nicht wahr? Mal gucken, ob mir im Laufe des Tages fröhlichere An- oder Aussichten begegnen.

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