Schlimme Erinnerungen März 5, 2008, 21:51
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Vor zwei Jahren wurde in einem Vorort von Paris ein junger Mann von einer Bande gekidnappt und zu Tode gequält. Ilan Halimis Todeskampf, der sich über drei Wochen hinzog, war so grauenhaft, daß ich nicht mal daran denken mag - er ist in Israel begraben, denn er war Jude. Seine Mörder waren moslemische Franzosen aus Einwandererfamilien. Es war ein Mord aus Judenhaß und Geldgier: die Bande wollte die “reichen Juden” erpressen. Es war zwar in den französischen Medien keineswegs unumstritten, daß Antisemitismus das Motiv war, aber Sarkozy sagte dazu:
“The truth is that these crooks acted primarily for sordid and vile motives, to get money, but they were convinced that ‘the Jews have money’, and if those they kidnapped didn’t have money, their family and their community would come up with it.
“That’s called anti-Semitism by amalgam.”
Das war also vor zwei Jahren. Vor kurzem ist wieder ein junger Jude von einer ähnlichen Bande festgehalten und gequält worden. Auf sein Gesicht wurde “dreckiger Jude” geschrieben.
A police official, speaking on condition of anonymity, said the words “dirty Jew” were written on the 19-year-old victim’s face, but the incident, which took place two weeks ago, was not being treated as having a racial motive.
Auch die jüdische Gemeinde in Frankreich ist vorsichtig mit dem Vorwurf, es handle sich um ein antisemitisches Verbrechen:
Philippe Obadia, president of Bagneux’s Jewish community, told Reuters: “It’s incredible. We’re all shocked.” He said the reasons for the attack were unclear.
“We don’t know if it’s an anti-Semitic attack or a settling of scores, so I would prefer to wait before saying more.”
Die berüchtigte A-Keule wird also hier nicht geschwungen. Die Vorstellung, daß Juden so gejagt und mit Absicht als Opfer ausgesucht werden, ist auch zu schrecklich. Man hofft geradezu auf eine weniger albtraumhafte Konstellation. Aber wo dem Opfer eine solche Beschimpfung ins Gesicht geschmiert wird, liegt der Verdacht auf ein antisemitisches Verbrechen allzu nah…
Danke an Willow für diesen Link zu einem Artikel über diesen Albtraum. Auf Deutsch - und mit sehr vielen Ausrufezeichen.
Andere Stimmen März 5, 2008, 10:17
Posted by Lila in Presseschau.add a comment
Ich hab mich etwas müde geschrieben, bestimmt haben sich die Leser auch an mir müde gelesen … und da ich ohne Y. so viel um die Ohren habe und mein Hamsterrädchen sich noch ein bißchen flotter dreht, mach ich mir ein leichtes Leben und verweise auf ein paar Links, die ich interessant zu lesen fand.
Spirit of Entebbe hat schon vor einiger Zeit den Original-Artikel im Spiegel ausfindig gemacht, der am 12. Juni 1967 die Bilanz des Sechstagekriegs zog. Die Wortwahl und Perspektive sind verblüffend, man fragt sich, was in den 41 Jahren seitdem vorgefallen ist, daß sich die Darstellung so gewandelt hat.
Die Titelgeschichten des Spiegel waren seinerzeit zwar deutlich weniger aufgebläht als heute, aber auch auf sieben Seiten wäre genügend Platz gewesen, wenigstens einmal die “Palästinenser” zu erwähnen. Von wegen: Vor 40 Jahren sprach man noch von Arabern, die Westbank war seit dem Unabhängigkeitskrieg von Jordanien besetzt und annektiert, der Gazastreifen stand unter ägyptischer Verwaltung. Ein palästinensisches Nationalgefühl sollte sich erst unter israelischer Besatzung entwickeln, das Recht der „Palästinenser” auf Unabhängigkeit, das heute von jedem Kaninchenzüchterverein angemahnt wird, war schlicht kein Thema.
…
An den Ursachen der Kämpfe war nicht zu rütteln, und der Spiegel benannte sie: der Abzug der UN-Truppen aus dem Sinai nach Nassers Ultimatum, die Sperrung der Meerenge von Tiran, aber vor allem die aggressive Rhetorik der arabischen Führer, der „Heilige Krieg der Araber”, der „panarabische Nationalismus”, die sowjetische Ermutigung der Araber zum Krieg, der „Aufmarsch der Araber”, der „die Israelis so in die Enge (trieb), dass diese zum Präventivschlag gedrängt wurden.”
„,Das Ende Israels ist gekommen’ verkündete Radio Kairo auf hebräisch, als der Krieg begann. Ein kleines, dem Völkermord entronnenes Volk trat zum Existenzkampf gegen einen erbarmungslosen Feind an.”
So sah die Welt vor dem Siegeszug des palästinensischen Narrativs aus - das heutzutage in großen Teilen der Welt als unteilbare und heilige Wahrheit verehrt wird. Die Situation ist dieselbe, die Worte von damals stimmen immer noch - nur ist es heute der Iran, der Hisbollah und Hamas gegen uns vorschickt, während die Welt uns als Aggressoren sieht. Pan-arabischer Nationalismus ist durch islamistische Weltherrschafts-Phantasien abgelöst worden.
Man kommt beim Lesen aus dem Staunen nicht heraus. Ähnlich lehrreich wie Gellhorns Artikel. (Und wir müssen seither wirklich extrem schlechte PR-Arbeit geleistet haben!)
Zurück in die ausweglose Gegenwart. Bradley Burston hält die Alternativen fest, die wir haben, und keine mag ihm recht gefallen. Auch mir nicht.
The Gaza Strip, unwanted by the world, unwanted by Israel, unwanted by the Arabs and even by many Palestinians, forlorn, violent, seething, unlivable, has become the great moral test for the Jewish people.
All it took was rockets.
Seven years of rockets. Rockets launched toward civilian populations, schools, a college, rockets that slammed through private homes, children’s bedrooms in the blue collar Israeli town of Sderot. More than a thousand rockets a year for seven years, directed at kibbutzim which for decades had supported an end to occupation and the rise of a Palestinian state. Eight thousand rockets, fired when Israel had 25 settlements and 20,000 troops in the Gaza Strip, and when Israel expelled the settlers and withdrew its troops, rockets fired from the ruins of the settlements and former emplacements of the IDF.
For Palestinians, Gaza was a prison before the disengagement, and a maximum security lockup thereafter. For Palestinians, the end of Israeli rule and the subsequent rise of Hamas were a human rights tragedy turned human rights catastrophe. For Palestinians, there is no more work in Israel, no more work in Gaza, no more hope anywhere.
Dann zählt er die einzelnen Optionen auf. Keine von ihnen ist gut. Wer also so richtig deprimiert den Tag beginnen will… ist hier richtig.
Bei Israel Matzav habe ich einen Link zum Video gefunden, der den Einschlag einer Grad-Rakete in Ashkelon zeigt. Der Minister Avi Dichter wohnt da, und die Sicherheitskamera vor seinem Haus hat den Einschlag aufgezeichnet. Zu der Zeit waren die Oma und zwei Kinder zuhause, sie saßen im häuslichen Schutzraum (den viele ärmere Israelis nicht haben) und haben überlebt. Ich stelle mir einen Moment vor, was die Eltern durchgemacht haben, bis sie wußten, daß Kinder und Oma unversehrt sind… nur so als Anschauungsmaterial für das, was die westlichen Medien und Politiker uns als erträglich anempfehlen, wenn sie uns mahnen, auf Gegenwehr tunlichst zu verzichten.
Außerdem stellt Soccerdad (bei Yourish lesbarer formattiert) eine Reihe von Zitaten zusammen, in ähnlicher Verzweiflung gesammelt, wie ich so oft verspüre, wenn ich Dichtung und Wahrheit nebeinanderstelle.
Die überall zu hörenden Verurteilungen Israels wegen humanitärer Härten auf der einen Seite, auf der anderen Seite Israels Bemühungen, diese Härten zu mildern, obwohl die Palästinenser alles tun, um ebendiese Härten herbeizuführen (zB dadurch, daß sie eine Moschee als Waffenarsenal gebrauchen). Schließlich kommt er zu der Schlußfolgerung:
Frankly given the disparity of how each side treats civilians, the condemnations of and suggestions to Israel are insulting.
It isn’t the collateral damage of Israel’s defense that threatens peace. It is the impression of Israel’s enemies that they can attack Israel with impunity - and as a bonus get Israel condemned - that undermines peace. Maybe if Israel’s critics were a bit more forthcoming about everything Israel was doing it would reduce the incentives of Hamas to continue attacking. (That’s probably a pipe dream.)
Hübsch trübsinnige Stückchen, nicht wahr? Mal gucken, ob mir im Laufe des Tages fröhlichere An- oder Aussichten begegnen.
Schweigeminute März 5, 2008, 9:42
Posted by Lila in Land und Leute, Uncategorized.6 comments
Falls es noch jemanden gibt, der an die Objektivität und Fairness des UN-Auschusses für Menschenrechte glaubt, weise ich auf diese Meldung hin:
The United Nations Human Rights Council held a moment of silence Tuesday for martyrs in Gaza killed in an Israel Defense Forces offensive in the Strip, after a request by Iran’s foreign minister.
Iranian Foreign Minister Manouchehr Mottaki called for the gesture on behalf of the women and children who are “nowadays under attack by the Zionist regime,” the term Iranian officials use for Israel because they do not recognize its right to exist.
….
The U.S. mission in Geneva said it had no comment on what happened.
The council, created in 2006, is dominated by a bloc of African and Islamic countries, and has denounced Israel in a series of resolutions. The body has no power beyond international scrutiny.
Daran denkt das nächste Mal, wenn jemand als anti-israelisches Argument die vielen, vielen offiziellen Verurteilungen Israels durch UN-Organe und -Offizielle anführt.
Es gibt so viele Menschen auf der Welt, die unschuldig leiden, und für die man schweigen müßte. Wenn man sich die Ausmaße menschlichen Leids ansieht, müßte man eigentlich in einen Schweigeorden eintreten und nur noch für die Menschen beten, die unter politischer Verfolgung leiden, gefoltert werden, vom Erdboden verschwinden oder vollkommen rechtlos und ausgebeutet sind. Gerade in manchen der Mitgliederstaaten dieses Rats haben die Menschenrechte einen schweren Stand.
Aber ausgerechnet die Palästinenser werden solchermaßen herausgehoben, die ihre Situation kräftig mitgestaltet haben und die durch einfachen Verzicht auf Raketenbau und -abfeuern sich den ganzen Streß in Gaza von Anfang an hätten sparen können… die selbst so wild bei jeder Gelegenheit herumballern, Kindern Waffen in die Hände geben, so extrem unvorsichtig mit Waffen umgehen und dann jedes Opfer eigener Kugeln als “Opfer zionistischerAggression” ausgeben können, ohne daß jemand kritisch nachfragt… die ihre Terroristen in Zivilkleidung stecken, damit sie sie als zivile Opfer zählen können, und schon öfter beim Lügen ertappt wurden als Pinocchio…
Diese Schweigeminute halte ich angesichts des echten Leids auf der Welt für geschmacklos. Aber die zeigt die schamlose Parteinahme eines Organs, das bei vielen als Inbegriff der Weisheit und Fairness gilt.
Israelische Nachrichten März 5, 2008, 0:47
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.1 comment so far
Als mein Hebräisch noch nicht so gut war, zu Zeiten des 91er Golfkriegs, habe ich die englischen IBA-Nachrichten im Fernsehen geguckt. Jetzt gibt es sie im Internet, und wenn jemand sehen will, wie die Nachrichten in dieser Ecke der Welt aussehen, voila.

