Energische Worte März 1, 2008, 23:24
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Bei Israel Matzav gefunden. Ein Interview mit einem ägyptischen General i.R. im ägyptischen Fernsehen.
Hochinteressant. In der Einschätzung der Hamas sind Ägypter und Israelis sich viel, viel näher als z.B. Deutsche und Israelis.
In dem Zusammenhang ebenfalls erhellend: die Reaktion der arabischen Welt auf die Ereignisse in Gaza.
Kurze Presseschau März 1, 2008, 22:50
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Dutzende Tote und Verletzte bei Kämpfen
Bei den schwersten Gefechten im Gazastreifen seit Wochen haben israelische Soldaten am Samstag 31 Palästinenser getötet. 16 der Opfer seien Zivilisten, die übrigen Extremisten, berichteten Krankenhaus-Mitarbeiter und die radikal-islamische Hamas. Damit kamen innerhalb von vier Tagen 66 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen ums Leben. Auslöser der jüngsten Gewalteskalation war die Tötung eines Israelis durch eine palästinensische Rakete am Mittwoch.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte die Einsätze des israelischen Militärs scharf. „Was wirklich in Gaza geschieht, ist mehr als ein Holocaust“, sagte er in Ramallah bei einem Treffen der Organisation zur Befreiung Palästinas (PLO).
Es gibt also Zivilisten und Extremisten, aber keine Terroristen im Gazastreifen. Paradiesische Zustände.
Mit den Einsätzen reagiert das Militär auf den fortwährenden Beschuss israelischer Grenzorte mit selbst gebauten Raketen aus dem Gazastreifen. Augenzeugen zufolge brachen die Gefechte nach dem Eindringen eines israelischen Stoßtrupps in den nördlichen Gazastreifen aus. Die Soldaten rückten nach Augenzeugenberichten in Richtung der Städte Beit Hanun und Dschabalja vor. Unter den Opfern seien auch Kinder.
Und so weiter…. daß der Beschuß seit Jahren andauert, fast täglich Raketen fallen und dabei ein Dutzend Israelis getötet worden sind - nicht der Rede wert.
FR nimmt erwartungsgemäß noch deutlicher für die Sicht der Palästinenser Stellung.
Militäraktionen im GazastreifenPalästinenser beklagen rund 30 Tote
Bei neuen israelischen Boden- und Luftangriffen im Norden des Gazastreifens sind am Samstag offenbar 32 Palästinenser getötet worden. Weitere 100 sollen verletzt worden sein. Unter den Todesopfern waren nach Angaben der von der radikal-islamischen Hamas kontrollierten Behörden mindestens drei Kinder.
n-tv:
“Mehr als ein Holocaust”
32 Tote im Gazastreifen
Bei neuen israelischen Boden- und Luftangriffen im Norden des Gazastreifens sind 32 Palästinenser getötet worden. Weitere 100 wurden verletzt. Unter den Todesopfern waren nach Angaben der von der radikal-islamischen Hamas kontrollierten Behörden mindestens drei Kinder.
…
Damit reagierte das Militär am vierten Tag in Folge auf den fortwährenden Beschuss israelischer Grenzorte mit selbst gebauten Raketen und Mörsergranaten aus dem Gazastreifen.
Auch hier keine Erwähnung, wie lange der Beschuß schon anhält und wie gefährlich er noch werden kann - die neusten Grad-Modelle haben 30 km Reichweite.
Die Süddeutsche:
Dutzende Tote bei heftigen Kämpfen
Die Kämpfe zwischen Israel und den Palästinensern im Gazastreifen sind dramatisch eskaliert: Bei den neuen Gefechten wurden bislang 45 Palästinenser getötet. Die Palästinenser im Westjordanland drohten Israel daraufhin mit einem Abbruch bislang geplanter Friedensgespräche.
Daneben: ein Bild des Babys, das schwer verletzt wurde und dann starb - allerdings an den Folgen einer falsch abgefeuerten Qassam, was die Süddeutsche natürlich zu erwähnen vergißt. Die Rollen sind allzu klar verteilt: Israel als Aggressor, die Palästinenser als Leidende. Ein weiteres Bild zeigt eine palästinensische Mutter mit Kind - Verletzte Israelis sucht man nicht nur heute vergebens.
Die NZZ überrascht mich positiv - sie erwähnt tatsächlich schon im zweiten Satz den Beschuß auf Ashkelon.
Eskalation der Kämpfe im Gazastreifen
Ashkalon von Raketen getroffen
Die Kämpfe im Gazastreifen haben sich verstärkt. Erneut gab es Tote, Kämpfer und Zivilisten. Die Palästinenser feuerten drei Raketen auf die israelische Stadt Ashkalon ab.
(ap) Bei Kämpfen im Gazastreifen sind in der Nacht zum Samstag nach palästinensischen Angaben 33 Palästinenser getötet worden, unter ihnen mindestens 16 Zivilpersonen. Unter diesen hätten sich auch mehrere Kinder befunden. Am Samstag früh brachen schwere Kämpfe östlich der Stadt Jebeliya aus.
Stellungen in Wohngebieten
Nach offiziellen Angaben ging die israelische Arrmee nur gegen Raketenabschuss-Operationen der palästinensischen Kämpfer vor. Die Extremisten hätten teilweise in zivilen Wohngebieten Stellung bezogen, hiess es. Bei den Kämpfen seien fünf israelische Soldaten verletzt worden.
Zwar zitiert die NZZ nur die Aussage, die Raketen würden aus Wohngebieten abgeschossen - als ob nicht genügend Aufnahmen vorlägen, und auch Aussagen der Palästinenser selbst, die das bestätigen. Aber immerhin wird es erwähnt.
Der Kölner Stadtanzeiger erwähnt sogar die israelischen Soldaten, die heute gefallen sind, sieht die Eskalation aber in Gaza, nicht im von dort ausgehenden Raketenbeschuß. Auch nicht von den Verletzten in Ashkelon.
Eskalation in Gaza
Bei den seit Jahrzehnten blutigsten israelischen Militärangriffen im Gazastreifen sind am Samstag 46 Palästinenser getötet und 160 verletzt worden. Auch zwei israelische Soldaten kamen nach Armeeangaben ums Leben. Wie die von der radikal-islamischen Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde berichtete, war es die höchste palästinensische Opferzahl an einem Tag bei Einsätzen der Armee im Gazastreifen seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967. Insgesamt sind seit Mittwoch 80 Palästinenser bei Militärangriffen getötet worden.
Unter den Opfern am Samstag waren nach palästinensischen Angaben mindestens sechs Kinder und 14 weitere Zivilisten. Die Hamas und die radikale Organisation Islamischer Dschihad beklagten den Tod zahlreicher Mitglieder. Auch sechs Soldaten wurden verletzt.
Es ist immer derselbe AP-text, den alle übernehmen. Auf die Kommentare, denen Tenor ich mir vorstellen kann, muß man wohl noch ein bißchen warten.
Auch der Tagesspiegel bezieht eindeutig Stellung: es ist klar, wer hier Angegriffener, wer Angreifer ist.
Abbas: Israelische Angriffe sind “schlimmer als Holocaust”
Die Gewalt im Gazastreifen nimmt kein Ende: Zahlreiche Palästinenser fallen den israelischen Angriffen zum Opfer, die Armee rückt mit Bodentruppen und Panzern in den Norden vor. Palästinenserpräsident Abbas hofft auf die Hilfe der Vereinten Nationen.
Tja, es sollte mich nicht wundern, daß harmlose Zeitungleser, die meinen Qassamticker nicht gesehen haben und nicht mitgekriegt haben, wie viele Warnsignale Israel schon ausgesandt hat (Stromlieferungen, anyone?), sich nun empören. Diese brutalen Israelis.
Ähnlich ist übrigens auch die Lage in amerikanischen Medien, gesammelt von Meryl Yourish. Rundherum lesenswert. Sie resümiert ihre Übersicht mit den Worten:
What time is it, folks? That’s right. It’s Israeli Double Standard Time. But don’t worry—that only happens on days that end in a “y”.
Zusatzinformationen, März 1, 2008, 22:01
Posted by Lila in Land und Leute.5 comments
die ich in den bisher gescannten deutschen Medien nicht gefunden habe. Ynet:
22 residents of Sderot and Ashkelon were transported to Barzilai Medical Center in Ashkelon for treatment Saturday after being injured by the rocket salvo on the two southern cities.
One Ashkelon resident was moderately injured, six were lightly injured and ten suffered from shock. Five resident of Sderot were treated for shock.
At least 46 rockets were launched at Israel since Friday night, some landing in open areas in Sderot and the Shaar Hanegev Regional Council.
Saturday afternoon saw four Qassam rockets were fired from northern Gaza towards the western Negev; two landed in a Sderot neighborhood, causing a local gas leak. Four people suffered shock.
Two Qassam rockets were later fired at Ashkelon. Magen David Adom emergency services reported of one man suffering shrapnel injuries.
Three people were lightly injured Saturday morning by shrapnel in a Grad rocket attack on the city of Ashkelon. Three rockets were fired at the city, causing lightly injuries and property damage. Several people suffered from shock.
The last barrage was fired at around 2:30 pm, with two rockets landing in open areas in the Shaar Hanegev Regional Council. An hour and a half earlier, three rockets hit open areas in the western Negev. There were no reports of injuries or damage.
The Color Red alert system was activated in Ashkelon shortly after 5 am. Shortly afterwards, three rockets landed in the area – two within a neighborhood and a third one in an open area.
Three of the city’s residents, two of them children, were injured by shrapnel. They were evacuated in light condition to Ashkelon’s Barzilai Medical Center.
Und so weiter, und so weiter.
Nicht alle Zivilisten, die im Gazastreifen gestorben sind, sind Zivilisten.
Und nicht alle sind durch israelische Waffen umgekommen.
Earlier Friday night, the Palestinians reported of four people killed in IDF strikes in the Strip, including a one-year-old baby. However, there were conflicting versions over the circumstances of the child’s death.
At first, the Palestinians accused the IDF of attacking the baby’s house, but later reported that the house was hit by a stray rocket fired by the Palestinians from within Gaza.
Und die Hamas ist weiterhin hochmotiviert.
Hamas is improving its rocket technology, and will soon be able to hit “any target in Israel,” Reuters quoted a senior member of the organization, Fathi Hamad, saying Friday at a rally in the Gaza Strip.
Tolle Aussichten.
Aber Heldentum legt der Herr mit dem Bart nicht an den Tag, das wird wohl nur von Kindern erwartet.
…Hamas Prime Minister Ismail Haniyeh, who was recently reported to have “gone underground” out of fear he would be targeted for assassination by Israel…
Hisbollah rüstet weiter auf März 1, 2008, 19:06
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und strunzt damit. Wie schön, daß die UN-Resolutionen sich ohnehin immer nur an Israel richten. Wir haben es ja gleich gewußt. Es macht keinen Spaß, es gleich gewußt zu haben. Der nächste Schlagabtausch ist nur eine Frage der Zeit. Wir können Nasrallah für den Testdurchlauf im Sommer 06 dankbar sein, hoffentlich geht der nächste Krieg mit weniger Pannen vonstatten. Auch das wird keinen Spaß machen (für mich persönlich ist die wichtigste Frage, wie viele meiner drei großen Kinder bis dahin schon in der Armee sind - sie sind ja im Alter so nah beieinander).
Ich erinnere mich immer wieder mit bitterem Gefühl an die internationale Empörung, als Israel den syrisch-libanesischen Grenzübergang bombardierte, über den damals schon massenhaft Waffen geliefert wurden. Wir sollten uns doch lieber auf die UN verlassen. Aber ja! zu gern!
So steht es in der ZEIT:
Doch Hisbollah trotzt, mit Hilfe ihrer Verbündeten aus Teheran und Damaskus, den UN-Bemühungen erfolgreich. Sie verfügt nach wie vor über einen fast unbehinderten Waffennachschub. Sowohl die Libanesen als auch die Vereinten Nationen kennen den Grund genau. So hieß es in einem 2007 veröffentlichten UN-Bericht, die Grenzsicherung zu Syrien sei nicht ausreichend, um Waffenschmuggel im nennenswerten Ausmaß zu verhindern.
Ende Juni vergangenen Jahres beklagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, dass auf „regulärer Basis“ Waffen aus dem Ausland in den Libanon gelangten. Davon profitiert vor allem Hisbollah. Sie erhalte „hunderte derartige Lieferungen, darunter Kurz- sowie Langstreckenwaffen, Antipanzer- und Flugabwehrsysteme“. Im Libanon gehen sogar Berichte herum, wonach Raketenwerfer auf Tiefladern geliefert wurden und leichtere Waffen durch Tunnel oder über Gebirgspfade direkt in die Munitionslager von Hisbollah gelangten.
Schöne Aussichten. Ich habe nachgelesen, was ich im Sommer 06 geschrieben habe - weiter gehen ja meine Archive leider nicht mehr zurück.
Ich hatte heute das Gefühl, wir werden uns an diesen Tag lange erinnern. Nicht unsere Opfer haben uns besiegt, sondern die der anderen Seite. Man wird uns nun zu einem einseitigen Waffenstillstand zwingen, keiner hat die Weitsicht, zu erkennen, was das bedeutet - die Hisbollah bewaffnet und durch unsere Torheit gestärkt zu belassen, wo sie ist. Die nächste Runde wird die Hisbollah mit dem Kredit der Welt, schönen neuen Waffen und einem kalten Lächeln beginnen. Wann? Das ist doch egal. Ich habe das Gefühl, die Uhr tickt. Wir hätten uns weiter, wie die letzten sechs Jahre, beschießen und beschimpfen lassen müssen. Wir hätten gleich die weiße Flagge hissen müssen oder einen von Achmedinidjads kreativen Vorschlägen annehmen sollen. Denn gegen Leute, die sich hinter Kinderbettchen verstecken, kann man nicht gewinnen. Und wenn man es versucht, dann ist der Versuch so bitter, daß man am liebsten die Augen schließen möchte und sein eigenes Leben im Tausch bieten möchte.
Ein deja vu nach dem anderen.

