jump to navigation

Heute neu Februar 19, 2008, 9:34

Posted by Lila in Presseschau.
4 comments

Ägypten hat 100 Kilo Sprengstoff in der Nähe der Grenze gefunden, da wird ja munter geschmuggelt. Ein Beduine hat der ägyptischen Grenzpolizei den Tip gegeben. Wir verdanken ihm vielleicht Menschenleben.

Mit den Palästinensern sind die Ägypter nicht zimperlich:

“Egyptians will tell Hamas bluntly that the old self-restraint manner is over and that Egyptian security guards have been given orders to open fire on any Palestinians trying to cross the border”.

Und wer nicht zurück in den Gazastreifen will, wird von den Ägyptern hinbefördert.

Qassam-Raketen fallen munter weiter.  Über die geniale Idee unserer Regierung, diese zu stoppen, ereifert sich am frühen Morgen schon David Bogner. Klingt in der Tat nicht sehr überzeugend. Ich bin weder von der Idee einer Bodenoffensive begeistert noch von der Erwartung, internationale Truppen würden schon alles richten.

Trotzdem bleibt die Frage ungelöst: was könnte die Palästinenser dazu bewegen, ihre Aggressionen einzustellen? Was wurde noch nicht versucht?

(Und die JPost berichtet über deutsche Professoren und ihren offenen Brief in der Frankfurter Rundschau, und die Antwort israelischer Professeoren, und die Diskussionen bei einem Treffen beider Gruppen. War wohl eher peinlich für die Deutschen.

Prof. Gert Krell, a retired professor of International Relations at Frankfurt’s Johann Wolfgang Goethe University who specialized in the Middle East conflict, admitted after the panel finished its discussions that the manifesto was “well meant but not good enough.”

“We did apologize. We have learned a lot from the discussions and from the criticism … the next publication will not be a manifesto, we may arrange a conference,” he told the Post.

But Krell added that there “have been follow up studies already, which corrected some mistakes.”

Werde ich mir wohl mal zu Gemüte führen müssen, wenn ich heute Zeit hab. Aber sich ohne genügendes Faktenwissen eine Meinung über den Nahen Osten bilden - das scheinen deutsche Professoren also genauso gern zu tun wie andere, obwohl sie eigentlich wissen müßten, daß da nichts Vernünftiges bei rauskommen kann…Immerhin hat Krell das Rückgrat, das zuzugeben.

Hätte er Sartre gelesen, wäre es gar nicht erst so  weit gekommen. Der hat schon in den 60ern die beliebte Version entlarvt, die Juden hätten den Staat Israel als Entschädigung für den Holocaust auf Kosten der Araber geschenkt bekommen.  Trotzdem wird dieser Mythos wohl nie aus der Welt geschafft werden können, die arabische Welt glaubt daran und für den Westen ist er bequem…)

Volunteers Februar 18, 2008, 14:59

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
add a comment

kommen wieder. Ach, ich wünschte, wir hätten noch welche bei uns.

Mal wieder… Februar 16, 2008, 22:52

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
15 comments

… ein bißchen UN-Bashing, hatten wir lange nicht mehr!

Was lesen meine müden Augen? Ach, Klagen, nichts als Klagen! UNIFIL beschwert sich in scharfen Worten über Israel.

According to the report, UNIFIL commander, Major General Claudio Graziano, said on Friday following a meeting with Lebanese Prime Minister Fouad Siniora, that his organization sent the UN a report outlining Israeli violations of Lebanese territories and airspace.

“UNIFIL has also sent a strong-worded letter to Israel denouncing violations,” Graziano told Siniora, according to the Daily Star.

A spokeswoman for UNIFIL, Yasmina Bouzianne, declared Friday that the organization has not taken any special measures following the assassination of Hizbullah leader Imad Mugniyah on Wednesday. “We continue to maintain the ceasefire agreement in accordance with UN Resolution 1701, and any irregular activity needs to be coordinated with the Lebanese army,” she said.

Was wird aber wohl der Anlaß für die Empörung gewesen sein?

IDF Chief of Staff, Lit.-Gen. Gabi Ashkenazi, ordered the IDF on Thursday to take the necessary precautions needed to defend Israel’s northern border following the assassination in Damascus and consequent threats of retaliation by Hizbullah.

Aha. Wenn die UNIFIL schon keine besonderen Maßnahmen nach den scharfen Drohungen Nasrallahs ergriffen hat, so tut das eben Ashkenazi. Und dafür bin ich ihm dankbar.

Denn wäre die UNIFIL so selbstkritisch, wie sie israel-kritisch ist, dann müßte sie zugeben, daß sie selbst permanent und konsequent gegen die Resolution verstößt.

The text of Resolution 1701, passed unanimously by the UN Security Council aimed at ending the conflict between Israel and Hezbollah in Lebanon.

The Security Council,

15. Decides further that all states shall take the necessary measures to prevent, by their nationals or from their territories or using their flag vessels or aircraft;

a. the sale or supply to any entity or individual in Lebanon of arms and related materiel of all types, including weapons and ammunition, military vehicles and equipment, paramilitary equipment, and spare parts for the aforementioned, whether or not originating in their territories [...]

Tatsächlich, die UNIFIL sollte die Wiederbewaffnung der Hisbollah verhindern. Und wie ist sie dieser Aufgabe nachgekommen?

September 2006: Nasrallah prahlt mit gelungener Wiederbewaffnung

November 2006: Iran und Syrien helfen der Hisbollah bei der Wiederbewaffnung

Und so weiter, und so weiter.

Das ist also okay? Die Hisbollah darf sich munter wiederbewaffnen, Israel bedrohen, Vergeltung für eine Tag ankündigen, von der noch gar nicht raus ist, ob sie nicht ganz jemand anders begangen hat, und Kämpfer an der Grenze zusammenziehen? Ganz zu schweigen von dem Vorfall neulich in Ghajar, als von libanesischem Boden aus auf eine Grenzpatrouille geschossen wurde, die auf israelischem Boden war… Und UNIFIL beschwert sich über Israel.

The Lebanese newspaper A-Safir reported Saturday that the Lebanon-based guerilla group Hezbollah has deployed 50,000 “activists” along the southern border with Israel and declared a state of high alert in southern Lebanon.

According to the report, the organization has also evacuated all buildings in the area designated for social or political purposes in recent days, in preparation for a confrontation with Israel in the wake of the assassination of Hezbollah terror chief Imad Mughniyah.

Sagt mal, bin ich die Einzige, der das total verrückt vorkommt? Das darf doch wohl nicht sein, dieses immergleiche abgekartete Spiel der UN. Erst die Augen fest zudrücken, wenn Israel bedroht wird - und sie dann empört aufreißen, wenn Israel sich zur Selbstverteidigung bereitmacht.

Dasselbe Spiel auch im Gazastreifen. Ein UN-Fritze, John Holmes, weint Krokodilstränen über das unbestreitbar schwierige Leben der Menschen dort (auch wenn die humanitäre Katastrophe übertrieben wird - es könnte dem Gazastreifen ohne Zweifel viel besser gehen).

Mr Holmes, who is also the UN’s emergency relief co-ordinator, said the level of goods entering Gaza had dropped to 10% of what it was a year ago.

He said the Israeli restrictions had led to the collapse of the territory’s economy, which in turn caused widespread unemployment and poverty. As a result, some 80% of Gazans now depended on food aid, he added.

“All this makes for a grim human and humanitarian situation here in Gaza, which means that people are not able to live with the basic dignity to which they are entitled,” he said.

Dabei klagt auch er in beredten Worten Israel an - daß auch heute wieder mehrere Raketen auf israelischem Gebiet niedergegangen sind und Israel keinen Grund hat, den Gazastreifen als Sozialfall zu adoptieren, vergißt er dabei bequemerweise.

Ebenfalls, daß die Palästinenser selbst durch ihre ewigen internen Gewaltakte (gestern gegen Christen, interessiert das jemanden, die Verbrennung einer Bücherei des YMCA?) entscheidend dazu beitragen, daß keine Ruhe bei ihnen einkehrt.

Warum sonst wäre Karni geschlossen worden, wenn nicht wegen Terror und ständiger Bedrohung? Würden die Terroristen endlich mal Ruhe geben, wären solche gemeinsamen israelisch-palästinensischen Industriegebiete Motoren für die gesamte Gegend. Hat der Mann das nicht begriffen? Er war doch da. Es wird ihm doch jemand erklärt haben, daß auch die Hamas in Karni Anschläge ausgeführt hat?

In Gaza, Holmes visited Gaza’s largest hospital, Shifa, speaking to dialysis patients and stopping in the neo-natal department. He also toured the Karni industrial zone near the closed cargo crossing between Gaza and Israel. The industrial zone once employed 1,800 Palestinians, but has been idle since June, officials said.

Aber nein, Holmes weiß, was geschehen muß:

“So what is essentially needed is an opening of the crossings, a lot more goods coming in.”

Leider wissen wir nur allzugut, welche Güter die Palästinenser gern nach Israel schaffen möchten und das auch tun, sobald wir die Grenzen öffnen…

Das Ärgerlichste daran: es gibt nach wie vor naive, brave Menschen, für die die UN tatsächlich eine moralische Autorität darstellen. Ich weiß es, denn ein paar dieser Menschen lesen hier mit und ich erwarte gespannt ihre Kommentare ;-)

PS: Ich weiß, ich weiß, das Hin und Her zwischen Englisch und Deutsch nervt, und das Anklicken der Links auch. Ist mit Firefox aber ganz einfach. Und zum Übersetzen… hm, reicht die Zeit nicht.

PPS: Dasselbe cooler und kürzer gerade bei Aussie Dave entdeckt.

Kampfabstimmung, Neuigkeiten Februar 15, 2008, 23:57

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau, Uncategorized.
2 comments

Trotz dicker Erkältung und Matschkopp bin ich heute abend meiner Pflicht nachgekommen und habe die Wahl an der Urne überwacht. Diesmal war es besonders heikel, denn es wurde über den Wirtschaftsplan für das nächste Jahr abgestimmt. Und das hat konkrete Auswirkungen. Der Wirtschaftsplan selbst ist in mehreren Sitzungen vom Finanzteam des Kibbuz und der einzelnen Wirtschaftszweige vorgestellt und erläutert worden, er ist auch mehrmals abgeändert worden und schließlich als Heftchen in die Postfächer der Mitglieder gelegt worden. Es ging jetzt nur darum: wird er abgesegnet oder nicht? (Er wurde.)

In diesem Plan geht es darum: wieviel Geld hat der Kibbuz eingenommen, und wie investiert er das Geld? Wieviel investieren wir zurück in die Fabrik und andere Arbeitszweige? Wieviel geht in gemeinschaftliche Einrichtungen (z.B. Altersheim), wieviel in die Erhöhung des Lebensstandards (z.B. Bau von neuen Wohnhäusern)? Über verschiedene Vorschläge zur Verwendung des Gelds wurde abgestimmt. Ganz interesssant, zu sehen, was durchgeht. Und was nicht.

Ich habe noch mal kurz in Ynet reingeguckt und stelle fest:

auf jeden Fall diese Bilder anklicken! Das Kibbuzleben, wie es früher mal war. Gerade heute abend hingen in unserem Dining Room wieder interessante Bilder aus, unsere Archivarin ist sehr gut darin, immer schöne alte Wandzeitungen und Plakate mit Erklärungen auszuhängen.  So sahen wir heute abend Bilder von einer Dreifach-Hochzeit - darunter Y.s Eltern. (Damals heirateten oft mehrere Paare auf einmal). Y.s Großeltern und Eltern sind darauf zu sehen. Die Bilder in Ynet zeigen die goldene Zeit des Kibbuz: Idealisten bei der Feldarbeit. Wunderbare Bilder.

Außerdem  sind erste Festnahmen im Fall Mughniya (über den ich bisher noch nichts gesagt habe, weil ich nichts darüber weiß) erfolgt. Interessanterweise: Palästinenser. Das sagt noch nichts darüber, wer es war. Aber die einfachste Erklärung, Israel, ist wohl nicht die einzige. Viele Menschen hatten eine Rechnung offen mit dem Mann.

Syrian security forces have arrested several suspects in the assassination of senior Hizbullah commander Imad Mugniyah in Damascus on Tuesday night, a Lebanese security source reported Friday.According to the report, the suspects arrested were mostly Palestinians residing in Syria.

Auch im Falle der sieben Toten in Gaza glaube ich nicht, daß es gerechtfertigt ist, sofort Israel zu beschuldigen. Wenn Israel ein Ziel angreift, streitet die Armee das nicht ab.  Ich schätze mal: ein Arbeitsunfall, oder ein Insider-Job.

The Hamas police, however, reported that the circumstances of the explosion were unclear. The IDF Spokesperson’s Office said that it was unaware of an airstrike in that area.

Haaretz berichtet auch davon, dort klingt die Antwort der Armee klarer.

Islamic Jihad said Israel targeted the house in an air strike, but Hamas police said the cause of the blast was not clear and the Israel Defense Forces denied an attack had taken place.

Aber das ist egal. So wie Nasrallah uns schon blutige Rache geschworen hat für etwas, das vielleicht Leute seiner Organisation zu verantworten haben, so schwört uns der islamische Jihad Rache für etwas, mit dem wir vielleicht gar nichts zu tun haben.

“We will respond to this Zionist massacre painfully,” Abu Ahmed, a spokesman for Islamic Jihad said. “We will strike the enemy everywhere.” 

Sowas ist schon zu oft vorgekommen, als daß man sich darüber verwundern könnte.  Sie scheinen ihre Rache nach dem Sack-Prinzip zu betreiben: steck das Volk Israel rein und hau drauf, da kannst du nur den Richtigen erwischen.

Übrigens bedauert Mughniayas Mutter, nicht noch mehr Söhne zu haben, die sie im Jihad verlieren kann - wie Eltern so drauf sein können, kapier ich nicht.  Drei hat sie schon verloren, reicht das nicht?

So, und ich gehe jetzt schlafen.

Oha, Februar 15, 2008, 13:46

Posted by Lila in Land und Leute.
11 comments

hier hat gerade die Erde ein bißchen gewackelt. Letzte Woche war ein kleines Erdbeben, das haben wir verschlafen. Dieses hier haben wir alle mitgekriegt. Fieses Gefühl.

Ynet berichtet.

At 12:36 on Friday afternoon an earthquake registering 5.3 on the Richter Scale was felt by residents across Israel. The trembling lasted for 19 seconds and shook structures in many major towns and cities. The quake’s epicenter was located 15 kilometers (10 miles) northeast of Tyre Lebanon, or 70 km (45 miles) northeast of Haifa.

The earthquake also shook Beirut, other parts of Lebanon and the Syrian capital of Damascus.

Ist das nicht verrückt? Wir sind so nah beieinander, daß wir Regenwetter und Erdbeben miteinander teilen. Wäre es nicht nett, wenn wir auch sonst miteinander auskämen?

Angesteckt Februar 15, 2008, 11:18

Posted by Lila in Edle Selbsterkenntnis.
7 comments

Mich hat´s erwischt. Lange Zeit habe ich mich ansteckungsfrei durchschummeln können, doch jetzt habe ich eindeutige Symptome. Nase und Nebenhöhlen kribbeln, Hals tut weh, Birne insgesamt matschig, Knochen fühlen sich elend an.

Ich hoffe, bis Sonntag bin ich wieder auf den Beinen, da unterrichte ich nämlich. Und noch viel mehr hoffe ich, daß ich jetzt nicht hier die ganze Sippschaft anstecke. Das nette Erlebnis, wenn sechs Leute gleichzeitig schlapp in den Seilen hängen und die erbarmende Nachbarin uns mit abgewandtem Gesicht einen Topf Suppe reinreicht, das hatten wir schon öfter. Ich habe keine richtige Sehnsucht danach.

Also, haltet Euch fern von mir.

Kinderprogramm Februar 14, 2008, 12:21

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
12 comments

Ist das kindgerecht - wenn die Figuren einer Kindersendung nacheinander wegsterben? Zuerst wurde die putzige Maus ermordet, dann die fröhliche Biene, der neuste Star ist ein Hase. Doch er wird es bestimmt auch nicht lange durchhalten. Im Kinderprogramm der Hamas werden die lustigen Figuren schon nach kurzer Zeit von üblen israelischen Soldaten hingemordet. Damit die Kinder gleich wissen, wer der Übeltäter ist.

Das war die Maus Farfour:

Er wird von Nahoul, der Biene abgelöst. Zufälligerweise Farfours Vetter.

Nach seinem tragischen Tod übernimmt nun Farfours Bruder Assud die Rolle des Lieblings der Kinder.

Mir scheint aber, die Synchronstimme ist recht ähnlich… Ich kann mir übrigens nicht vorstellen, wie solchermaßen indoktrinierte Kinder jemals zu kompromißbereiten, friedensfähigen Erwachsenen heranwachsen sollen.

Auch dazu wird die Elektrizität eingesetzt, die wir in Ashqelon produzieren. Oh, und vermutlich auch die EU-Fördergelder.

Juhu! Februar 11, 2008, 23:56

Posted by Lila in Edle Selbsterkenntnis.
14 comments

Ich hab gerade eine Mail gekriegt - daß meine Bestellung abgeschickt ist - und das ist die DVD Cranford - die heute erst rausgekommen ist - und die ich schon vor einem Monat bestellt hab - und wie gut ist das denn - weil es Cranford nicht mal mehr auf Youtube gibt - und ich das so gern richtig sehen will - und ich bin eine der ersten, die es haben - und juhu!!! (jetzt atmen!!!)

Auch das kommt vor Februar 11, 2008, 22:06

Posted by Lila in Land und Leute.
5 comments

Ungewöhnliche Bilder in den Nachrichten (bei Ynet mit Video): in Hebron treffen sich im Haus eines Scheichs Juden und Moslems.

The two sides declared their goal was to restore peace and security to the city, known to Jews as Hebron and to Palestinians as Al-Halil. “We don’t see you as settlers but as residents,” Sheikh Ja’abri, the head of a prominent clan in Hebron, is quoted as telling his Jewish interolocutors.

“Hebron is ours just as it is yours.”

Anlaß für dieses Treffen war, wie man bei Aussie Dave nachlesen kann, ein Vorfall in Hebron vor einem halben Jahr. Linksextreme israelische Demonstranten versuchten, eine Synagoge in der Altstadt von Hebron zu zerstören. Sie dachten sicher, sie tun damit den Arabern in der Stadt einen Gefallen, aber sie hatten die Rechnung ohne den Besitzer des Grund und Boden gemacht - Scheich Jaabri, der den Demonstranten kurzweg erklärte, er läßt nicht zu, daß ein Gebäude zerstört wird, das dem Gottesdienst dient.

Dafür haben ihm heute seine jüdischen Besucher gedankt und ihm eine Urkunde überreicht. Er hat sie herzlich empfangen. Ein Linker, dem die Aktivität seiner Gruppe nicht gefallen hatte und der sich darum mit den Religiösen in Verbindung gesetzt hat, hat übersetzt und vermittelt. Das Treffen war herzlich und von gegenseitigem Respekt geprägt.

Auch wenn das nur ein winziges Ereignis ist, das vielleicht niemand außer uns zur Kenntnis nimmt - es tut gut, sowas zu sehen, daß das überhaupt möglich ist. Ja, es ist möglich. Wir haben fast vergessen, daß es wirklich gute Beziehungen zwischen Juden und Arabern gab, und zwar nicht nur auf “neutralem Boden” - sondern auch zwischen gläubigen Juden und gläubigen Moslems in den besetzten Gebieten.

Natürlich kommt das dicke Ende hinterher: der Scheich hat Ärger gekriegt, die al-Aksa-Brigaden der Fatach hat zu einem Boykott der Geschäfte seiner gesamten Familie aufgerufen, und die PA-Behörden haben ihn zu einer Unterredung einbestellt. Ja, das durfte wohl nicht ungestraft bleiben - ein Scheich, der Siedlern die Hand reicht. Aber er hat sich wohl durchgesetzt.

Klassenfahrt Februar 11, 2008, 20:22

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
add a comment

Wer mich kennt, weiß ich, daß ich die Kinder höchst ungern auf Klassenfahrt fahren lasse. Ich mag das nicht, so ein leeres Haus - denn die Schulen setzen ihre Klassenfahrten zeitnah an. Das heißt, gleichzeitig verschwinden meine drei Großen, und gleich hinterher noch die Kleine. Ich renne kopflos durchs Haus und weiß nicht, wohin mit meinem Sorgetrieb. Selbst Y. gibt zu, daß es ohne die Kinder reichlich still ist hier. (Außerdem fange ich dann an, ihn zu betüddeln….)

Secundus packt gerade, fröhlich und aufgekratzt. Tertia hat noch zwei Tage, dann fährt sie auch. Primus´Klassenfahrt ist abgesagt, weil so kurz nach dem langen Streik und mitten im Abitur keine Zeit dafür bleibt. Dafür fährt Primus eifrig mit seiner Sportgruppe, nur kurze Fahrten, aber öfter.

Erschwerend kommt hinzu, daß die beliebten Ausflügsziele mir stets unglücklich gewählt vorkommen. Ich erinnere mich mit Grausen an den Tag, als alle in Richtung Norden fuhren - das war natürlich während einer Terrorphase, und ich saß mit ein paar Freundinnen im Auto und grämte mich. Aaach, meinten sie, im Norden ist es nicht gefährlich, sei froh, daß sie nicht nach Tel Aviv fahren! Und da kam im Radio die Nachricht, daß in Zfat ein Anschlag war, an einer Bushaltestelle.

Ja ja, ein andermal wurde ein Ausflug abgesagt, weil die Grenze im Norden mal wieder “heißlief”, das kommt alle paar Monate vor. Katyushas, eindringende Terroristen, Warnungen.

Auch die Kurzfahrten nach Tel Aviv, ins Museum und wo sie die Kinder sonst noch mit hinnehmen, waren mir immer unheimlich. Ich weiß, ich weiß, die Schule wägt sorgsam ab und setzt die Kinder keinem Risiko aus, außerdem leben da überall Leute, für die das ganz normal ist. Ich fahre da ja selbst überall hin und setze mich ohne zu zögern in Busse und Sammeltaxen.

Komme mir keiner mit rationalen Argumenten, bitte. Ich lache ja auch nicht über meine Familie und Freunde in Deutschland, die mich nach Anschlägen anrufen und denken, nur weil ich hier lebe, muß ich danebengestanden haben.

Secundus fährt natürlich, genau wie Tertia - in den Süden. Er denkt an die Naturschönheiten, ans Wandern und die Übernachtung im Zelt. Ich denke an Hochwasser (es soll regnen, und das ist in der Wüste gefährlich), an Terrorwarnungen und überhaupt.

Also, wer hier schon länger mitliest, leidet jährlich mit. Ich bin ein Klassenfahrten-Muffel. Hätt ich sie nur alle wieder schön hier.

Zum Film Shahida Februar 10, 2008, 15:47

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
10 comments

Zu Natalie Assoulines Film über palästinensische Selbstmordattentäterinnen, die in israelischen Gefängnissen einsitzen: ein Interview mit der Regisseurin im SPon, eines in Haaretz. An die dort erwähnte junge Frau mit den schweren Brandverletzungen erinnere ich mich noch gut. Hier ist ihre Geschichte:

One woman coyly describes wanting to blow up a hospital which treated her for severe burns following a kitchen accident, even though the Israeli doctors were kind. Another cuddles her son and says she wanted to destroy an Israeli kindergarten.  “I can understand that they are victims of many things, of society, of their occupations, the life they are born into,” the director said.

“But for me they stopped being victims when they took action, when they took somebody else’s life. This is the thin line I was working on.”

She admitted that “Shahida” did not answer the film’s most pressing question - why? - and said she struggled at times to get the women to be truthful when they were being filmed.

“I realised that there is something in front of the camera and something behind the camera,” she explained.

Scared of reprisals by radical fellow inmates, the “Brides of Allah” made some of their most telling revelations only when the camera was turned off, Assouline said. 

Diese problematischen Aspekte sind im deutschen Artikel weniger sichtbar, dafür erfährt man mehr über die Zustände im Gefängnis.

Die Gefangenen haben ein ausgeklügeltes System. Die Palästinenserinnen gehören entweder zur Fatah oder zur Hamas. Beide Gruppen wählen eine Sprecherin, die mit den Wärtern über Haftbedingungen verhandelt. Tatsächlich ist das Gefängnis ein fast gastlicher Ort. Zwar sind die Zellen winzig. Aber die Frauen haben sich einen friedlichen Mikrokosmos aufgebaut.

Das kann man wirklich nicht verstehen. Der Film ist bestimmt interessant. Es gibt ja auch eine israelische Forscherin, die versucht hat, durch Gespräche besser zu verstehen, wie weibliche Shahids ticken (ähm, makabre Metapher…).   Trotz allem weiß man nicht, was man dagegen tun kann, außer, sie auf dem Weg aufzuhalten. Aber das Phänomen der Shahada selbst, diesen heißen Willen zu Tod und Vernichtung und Mord, müssen die arabischen Moslems selbst bekämpfen, so weit reicht unser Einfluß nicht. Leider tun sie genau das Gegenteil und befeuern ihn noch.

Seltsam, daß mich das bei einer Frau noch mehr befremdet als bei einem Mann. Nicht etwa aus einer sentimentalen Vorstellung heraus, daß wir Frauen nun mal besser, sanfter, gebärend statt tötend sind oder sonstwie moralisch überlegen… Vielleicht finden wir ja gesellschaftskonformere Wege, unsere Aggressionen auszuleben, oder wenden sie gegen uns selbst oder Wehrlose im stillen Heim. Nein, es wundert mich, weil ich wie Miss Deborah davon ausgehe, daß eine Frau doch eigentlich mehr Verstand haben sollte. Denn das Kalkül geht nicht auf - weder zwingen Selbstmordattentate den Staat Israel in die Knie, noch bringen sie den Staat Palästina näher.

Besser spät als nie Februar 10, 2008, 14:48

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
4 comments

Ein Artikel über den Volunteer aus Ecuador in Ein HaShlosha, einem Kibbuz im Süden. Er ist bei der Feldarbeit von einem Scharfschützen aus dem Gazastreifen ermordet worden. Das ist zwar fast einen Monat her, doch zu meinem Erstaunen bringt SPon das heute. Ich dachte beim ersten Lesen, oh nein, nicht noch einer! Doch es war ein Hintergrund-Artikel, kein News-Aufmacher.

Ulrike Putz mal wieder. Immerhin ist sie von den Kibbuzniks nicht mit Waffen bedroht worden, es hat ihr anscheinend gefallen. Ich hoffe, ihr ist der Unterschied aufgefallen zwischen dem Todesgefahr-Kokettieren der Qassam-Bande und dem stoischen Mut der Kibbuzniks.

“Man hört hier regelmäßig Explosionen”, sagt Rico. Viel geredet werde unter den Kibbuzniks jedoch nicht über die Angriffe. “Die Leute hier versuchen einfach, weiter ihr Ding durchzuziehen.”

Das Ding ist Landwirtschaft und ganz normales Leben. Die Kibbuzniks, überhaupt die Israelis, schießen nicht zurück, sondern erwarten von der Armee, daß sie das Problem in die Hand nimmt. Obwohl es für einen guten Scharfschützen überhaupt kein Problem wäre, sich dort ins Feld zu legen und in die Häuser von Khan Younis zu ballern. Aber das ist irgendwie nicht israelische Art.

Natürlich muß gezeigt werden, daß es auch Israelis gibt, die die Palästinenser nicht mit geiferndem Haß verfolgen, sondern sogar bereit sind, ihnen entgegenzukommen. Ausländische Medien lieben altersmilde Linke.

“Ich habe früher die Kinder des Kibbuz unterrichtet und ihnen immer gesagt, dass die Palästinenser einen eigenen Staat haben müssen”, sagt der mehrfache Großvater. “Wir müssen versuchen, ein bisschen das gut zu machen, was bei der Staatsgründung 1948 schief gegangen ist.”

Was dabei schief gegangen ist? Lieber Großvater, die Staatsgründung ist Gott sei Dank glatt gegangen, was schiefgegangen ist, ist der Angriff der Araber einen Tag später, der Krieg - und daß die Araber ihn bis heute weiterführen. Daß Unrecht geschehen ist, wie in allen Kriegen, und daß einige Einheiten des Staates Israel, der ja noch gar nicht richtig organisiert war, gegen arabische Zivilisten brutal vorgegangen sind, ist sicher richtig. Was dabei an Unrecht geschehen ist, soll wiedergutgemacht werden.

Aber die meisten Flüchtlinge sind geflohen, weil ihnen ihre Führung versprochen hat, daß sie wiederkommen können, sobald der Yahud besiegt ist. Und ich möchte lieber nicht wissen, wie die arabischen Armeen hier gehaust hätten, so sie gewonnen hätten. Die Araber jedenfalls, die geblieben sind, können sich nicht beschweren. Sie leben besser als in den meisten arabischen Ländern.

Aber es ist mal wieder typisch israelisch, die Fehler auf der eigenen Seite zu sehen und zu überlegen, wie man sie beheben kann. Wer hat die Araber denn daran gehindert, einem der Teilungspläne zuzustimmen und einen Staat aufzumachen? Nichts als ihr eigener Extremismus und Maximalismus. Bis 1967 hätten sie ohnehin machen können, was sie wollen.

Daß wir die Fehler nach 1967 auf unsere Kappe nehmen, ist sehr großzügig von uns - ich sage nur Khartoum. Und daß wir auf solche Großzügigkeit nicht rechnen können. Selbstkritische Analyse ist nicht die Stärke unserer Gegner. Aber optimistisch meint der Kibbuznik:

“Wenn man erstmal Enkel hat, merkt man: Auf der anderen Seite leben auch Leute, auch in deren Adern fließt Blut. Letzten Endes wollten doch alle Menschen nur eins: ein besseres Leben führen.”

Das ist sehr schön, daß ein Mensch nach einem langen und von erlittenem Unrecht bestimmten Leben noch an die Menschheit glaubt. Auch ich glaube an die Menschlichkeit als Potential in jedem Menschen, und ich glaube auch, daß es auf der anderen Seite Leute gibt, denen genauso graut wie mir, wenn sie sich ansehen, was um sie herum geschieht. Aber ich habe keinen Zweifel, daß die Extremisten stärker sind, daß sie die Jugend beeinflussen und daß sie von der Mehrheit nicht als Extremisten, sondern als wählbare Vertreter gesehen werden. Leider haben sie mich überzeugt, die Hamasniks, es war nicht ganz einfach und hat viele Jahre gedauert, aber sie haben es geschafft.

Und wir wissen, was die Extremisten auf der anderen Seite wollen: ihrer Jugend beibringen, daß ein “guter Tod” (sprich: die Shahada) besser ist als ein gutes Leben. Und dagegen kommen wir nicht an. Denn der gute Tod beinhaltet, daß wir mitsterben, und soweit gehen wir denn doch nicht. Auch so langmütige Kibbuzniks nicht.

.
Aber wer beide Artikel back to back liest, den über die Qassam-Fritzen und den über die Kibbuzniks, der hat eine ganz gute Vorstellung, was sich da für Leute im Abstand von wenigen Kilometern gegenüberliegen. Welche Art von Wertsystem dahintersteht, wie weit sie bereit und fähig sind zu Kompromissen und tragfähigen Abkommen.

Es ist passiert Februar 9, 2008, 21:09

Posted by Lila in Land und Leute.
12 comments

Ein Kind in Sderot schwer verletzt. Sein großer Bruder und die Mutter leichtverletzt. Direkter Einschlag in einem Haus.

Vorher war ein weiterer Einschlag in einem Wohnhaus, aber niemand ist ernsthaft verletzt worden.

Die Wunder der letzten Tage haben aufgehört. Was jetzt als nächstes passiert, weiß man nicht, aber Dutzende von Qassams sind dieses Wochenende gefallen - und das muß aufhören.

Enttäuschte Liebe Februar 8, 2008, 20:24

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
add a comment

Ich habe ja schon ein paarmal erzählt, daß zur Oberschule, in die meine großen Kinder gehen (Klassen 7 bis 12) auch ein Internat gehört - pinimia auf Hebräisch, ein besseres Wort als Internat fällt mir leider nicht ein. Natürlich ist es nicht so ein Internat wie bei Hanni und Nanni, sondern hm, eben anders. Eher wie ein Studentenwohnheim - also Schülerwohnheim?

Auf dem Gelände der Schule, das ja riesig und unübersichtlich ist wie ein Kibbuz, befinden sich eben auch Wohnhäuser. Dort leben Erzieher und Erzieherinnen, teilweise ausgebildete, teilweise Studenten, die selbst an so einer Schule waren und nun nebenher dort abends arbeiten. Ab dem 9. Schuljahr können die Schüler sich aussuchen, inwieweit sie das abendliche Angebot der Schule nutzen. Es gibt drei Modelle, “Kreise” genannt.

Der dritte Kreis bedeutet: keine Teilnahme, kein Interesse am Angebot. Dazu gehört zum Beispiel meine Tertia, die sich zu keinem Konzert, zu keiner Party in die Schule quälen mag. Neee, sie und ihre Freundinnen treffen sich privat, was abends in der Pnimia passiert, ist ihr egal.

Der zweite Kreis sind Schüler wie Primus. Er hat keine Lust, dort zu schlafen (obwohl er mal eine Zeitlang ein Zimmer hatte), aber nimmt manchmal an Aktivitäten teil, die ihn interessieren, und stellt sich auch freiwillig als Begleiter bei Ausflügen zur Verfügung (wo er dann den kleinen Mädchen geduldig das Gepäck schleppt).

Secundus hat bis zur kurzen Phase seiner Unfugmacherei zum ersten Kreis gehört: Schüler, die ein Zimmer in der Schule haben und das auch nutzen, die außerdem bei allen Aktivitäten mitmachen. Secundus ist bis über beide Ohren aktiv, er organisiert Ausflüge, Spiele, Kulturabende, er sitzt in einem Ausschuß und einem Forum für engagierte Schüler und Erzieher und mischt überall mit. (Außerdem arbeitet er nach wie vor einen Tag pro Woche im landwirtschaftlichen Betrieb, den er ja sehr liebt, ist dort für die Gewächshäuser zuständig - auch der Betrieb gehört zur Schule, und ein Arbeitstag ist Pflicht).

Landwirtschaft

Letzte Woche war “Abend des Schreckens” (erev eyma), dabei hat er auch mitgemacht, aber nur ein bißchen. So richtig reingekniet hat er sich in den Abend, der heute stattfindet. Obwohl der hebräische Kalender einen eigenen “Tag der Liebe” kennt, haben die Schüler mitgekriegt, daß es einen Valentine´s Day gibt, und haben das Thema Liebe für diesen Abend gewählt (erev ahava). Secundus hat vorgeschlagen, den Abend der enttäuschten Liebe zu widmen (erev ahava nichzevet).

Es ist üblich, am Ende des einen Abends schon für den nächsten Werbung zu machen, wie im Fernsehen. (Das war aber schon so, meint Y., bevor es Fernsehen in Israel gab - er ist ja auch in der Pnimia aufgewachsen). Letzte Woche also sind Secundus, zwei weitere Jungen und drei Mädchen schweigend auf die Bühne geklettert. Die Mädchen und Jungen haben sich einander gegenüber aufgestellt.

Erst haben die Jungen den Mädchen einen Kuß gegeben, dann haben die Mädchen den Jungens eine gescheuert, und dann haben die Jungen ein Ei aus der Tasche gezogen und den Mädchen über den Kopf geklatscht. Secundus meinte, die Shani hätte aber ordentlich zugehauen, und die Willigkeit der Mädchen, sich ein Ei über den Kopf schlagen zu lassen, hätte allen total imponiert. Schweigend sind sie dann wieder von der Bühne gestiegen. Jetzt warten alle gespannt auf den Abend.
Wir sind heute, auf dem Weg von Quartas Grundschule zur Halle, in der dieses elend lange Programm stattfand, durch die Schule der Großen gekommen und haben sie dort auch prompt getroffen. Überall hängen Plakate: erev ahava nichzevet, Abend der enttäuschten Liebe. Secundus ist seit drei Tagen eigentlich nur noch in den Vorbereitungen, wir sehen ihn kaum noch, und er hat sogar Erlaubnis, wieder dort zu schlafen. (Seit dem großen Krach während des Streiks hat er sich tadellos benommen - es war wohl ein einmaliger Ausbruch seiner Gangart).

Zum Dank hat er uns eingeladen, uns den Abend anzugucken. Für mich ist es das erste Mal, Eltern sind normalerweise nicht willkommen. Für Y. ist es eine Rückkehr an die Schule, an der und seine Eltern und Geschwister, Onkel, Tanten, Kusinen und Vettern, Nichten und Neffen alle gelernt haben. Bei dem Schulfest heute trafen wir natürlich wieder die vielen alten Schulkameraden, von denen einer Y. richtig um den Hals fiel und brummte, “Mensch, der Weg durch die alte Schule… da kennt man doch jeden Stein…. eyze nostalgia… welche Nostalgie…”

Wohnheim für Schüler - das Wandgemälde zeigt Araber und Jude als Freunde (an der Schule lernen auch arabische Schüler, ebenso wie geistig Behinderte, Neueinwanderer und “Städter”)

Das sind immer komische Situationen für mich. Im Kibbuz bin ich ja inzwischen selbst längst zuhause, aber die Schule kenne ich nur aus Elternperspektive, und die Pnimia gar nicht - während es für Y. ein Teil seiner Biographie ist, und zwar viel wichtiger als das Elternhaus. Er war immer entweder in der Schule oder in der Pnimia oder bei der Arbeit. Elternzeit war einmal die Woche, dienstagabends. Ich erinnere mich noch an die Zeit, als mein Schwager Schüler war und wir diesen Abend immer zusammen verbracht haben… In der Pnimia, fühle ich mich wie eine Zuschauerin.

Namen ehemaliger Schüler, die verstorben oder gefallen sind - die Schule gehört zu den drei Schulen in Israel, die den höchsten Prozentsatz von Freiwilligen für die riskanten kämpfenden und Elite-Einheiten stellen

Ich freue mich aber auf heute abend. (Die Bilder von der Schule sind zwar schon fast zwei Jahre alt, aber da sieht es immer noch so aus - und wird wohl auch so bleiben.)

 

Jede Nachricht ein Knüller Februar 8, 2008, 16:07

Posted by Lila in Presseschau.
8 comments

Fiel mir gerade auf - heute bringt die erste Seite von Ynet eine Irrsinnsmeldung nach der anderen. Man weiß nicht, ob man weinen oder lachen soll. Lieber lachen.

ynet-today.jpg

Die Palästinensiche Gruppe Volkswiderstand, oder wie auch immer man sie übersetzt, legt den Bewohnern des westlichen Negev die Evakuierung nahe. Eigentlich müßten wir jetzt alle aufstehen und zu Fuß mit Kind und Kegel in den westlichen Negev wandern, be-chaiai. Sie haben sich wohl was vorgenommen für die nächste Zukunft, die Burschen. Säße jeder von ihnen auf einem Ergometer mit Dynamo und würde so eifrig strampeln wie er Raketen bastelt und ballert, wäre der Gazastreifen längst unabhängig elektrifiziert…

Die USA bitten Israel, trotzdem nett zu den Palästinensern im Gazastreifen zu sein.

We understand Israel’s right to defend itself but we do not think that action should be taken that would infringe upon or worsen the humanitarian situation for the civilian population in Gaza,” said US State Department spokesman Tom Casey.

“I am sure we will continue to convey that position to them.”

Israel on Thursday began reducing by the electricity it supplies to Gaza via high-tension power lines. “The Israeli electricity company on Thursday evening reduced by about 1% the electricity supplied by high tension line to the Gaza Strip,” Defense Ministry spokesman Shlomo Dror said.

Wow, 1%! Wir meinen es also richtig ernst.

Salam Fayyad (passender Name, was?), der palästinensische PM, erklärt, daß er für 2008 keine Chance für Frieden sieht. Selten habe ich mich mit einem palästinensischen Politiker so einig gefühlt. Nein, Salam, das glaube ich auch nicht, deswegen würde ich mir von Anfang an keine Mühe geben. Wer braucht schon Frieden, nicht wahr?

Fayyad repeated his government’s criticism of Israeli military incursions into West Bank towns like Nablus in pursuit of Palestinians wanted for terror activity, saying such actions undermined its own efforts to impose law and order.

“Our efforts are undermined, our credibility is undermined particularly in areas where we have made progress,” he said.

Wie Law und Order aussehen, wenn die Palästinenser sie in die Hand nehmen, haben wir ja schon öfter gesehen. Danke, das übernehmen wir gern selbst. Ich würde doch etwas unruhig schlafen, wenn ich wüßte, daß zwischen mir und den bewaffneten Terroristen nur bewaffnete Terroristen stehen… und Glaubwürdigkeit? Entschuldigung, ich muß mir eben ein Wörterbuch holen. Glaubwürdigkeit, was war das noch mal…?

Und den Vogel schießt natürlich der anglikanische Erzbischof ab. Ich fand die anglikanische Kirche ja immer schon amüsant, aber dieser Mann hat wirklich einen wunderbaren Sinn für das Opportune.

Williams, speaking to the BBC, said other religions enjoyed tolerance of their laws in Britain and he called for a “constructive accommodation” with Muslim practice in areas such as marital disputes.

Asked if the adoption of sharia was necessary for community cohesion, Williams said: “It seems unavoidable.”

Eine tolle Art zu argumentieren. Seit wann bedeutet Christentum, sich ins Unvermeidliche ergeben und seine Überzeugungen einfach ablegen wie ein abgewetztes Chorhemd? Ich glaube allerdings, wenn ich Britin wäre, würde mich das sehr, sehr besorgt machen. Wirklich, da zeigt der Papst doch mehr Flagge (von unseren deutschen evangelischen und katholischen Bischöfen sag ich lieber nichts, wer weiß, was da noch kommt… ).

Aber Einführung der Scharia für Moslems ist eine geniale Idee. Bestimmt gibt es noch andere Gruppen, die mit dem herrschenden Recht nicht einverstanden sind und gern ein anderes einführen möchten. Ich bin keine Juristin, aber mir scheint, da bieten sich viele Möglichkeiten! Ob man auch individuelle Ideen einbringen darf? So wie bei einem Waschpulver-Baukasten-System?

Übrigens möchte ich hier anmerken, daß ich diese Nachricht gestern schon im SPon gelesen habe, und auch ins entsprechende Forum gelinst habe. Die Reaktionen der Leser dort waren so eindeutig, daß es mich in meiner Meinung bestärkt hat: noch ist Deutschland nicht verloren.

Und dann als letztes ein Bonbon: die Hamas beschlagnahmt humanitäre Lieferungen des jordanischen Roten Halbmonds.

Policemen from Hamas halted 14 trucks filled with food and medicine at a checkpoint after it crossed an Israeli checkpoint into Gaza on Thursday, said employees of the Palestinian Red Crescent, who declined to be named, fearing reprisals from ruling group Hamas. A Hamas official said the aid was seized because the organization was distributing aid to former Fatah fighters and not to impoverished Palestinians.

Employees from the Red Crescent said they were meant to distribute the aid to some 8,000 needy Gaza residents from lists of people the organization keeps. The aid came from the organization’s regional headquarters in Jordan, an employee said.

Ich denke mir, die Jordanier werden nicht sehr begeistert sein. Und die Armen im Gazastreifen ebenfalls nicht. Auch wenn sie sich nicht trauen, das laut zu sagen. Nun, sie haben sich die Hamas ja an den Hals gewählt. Wir sind ja schon mit unserem Olmert nicht glücklich, aber ich glaube, im Vergleich zu den Leuten im Gazastreifen…

Ja, war das nicht eine tolle Titelseite?