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Nota bene Februar 29, 2008, 23:20

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
8 comments

Ich kann ja meckern - aber auch anmerken, wenn etwas korrekt dargestellt ist.

Natürlich war Matan Vilnais Drohung mit einer shoah für die Palästinenser eine ebenso geschmacklose wie idiotische Entgleisung, so idiotisch, daß einem eigentlich die Worte fehlen.

Deputy Defense Minister Matan Vilnai went as far as threatening a “shoah,” the Hebrew word for holocaust or disaster. The word is generally used to refer to the Nazi Holocaust, but a spokesman for Vilnai said the deputy defense minister used the word in the sense of “disaster,” saying “he did not mean to make any allusion to the genocide.”

“The more Qassam fire intensifies and the rockets reach a longer range, [the Palestinians] will bring upon themselves a bigger shoah because we will use all our might to defend ourselves,” Vilnai told Army Radio on Friday.

Ich meine, wir haben wirklich genug von Politikern, die wie Löwen ins Megaphon röhren, um dann als Bettvorleger entsorgt zu werden - Amir Peretz´größenwahnsinniger Spruch, daß sich Nasrallah noch an seinen Namen erinnern wird, ist in unheilvoller Erinnerung. (Gewiß wird Nasrallah Peretz nicht vergessen - ich kann mir das Grinsen ausmalen, das sich bei der Nennung des Namens auf seinem Gesicht ausbreitet!)

Kurz, man soll überhaupt nicht drohen. Jeder weiß, daß Drohung und Bestechung keine wirkungsvollen Methoden sind - ob in der Kleinkinderziehung oder der Politik.

Dann soll man nicht mit Sachen drohen, die außerhalb jeder Proportion stehen. Nein, obwohl die ganze Welt Israel Völkermord und Holocaust vorwirft, braucht man nicht ins selbe Horn zu tröten und mit Holocaust zu drohen. Es hat nämlich niemand vor, hier Vernichtungslager einzurichten und die Palästinenser industriell zu auszurotten mit Ahne, Großmutter, Mutter und Kind.

Das einzige, was Israel gern möchte, ist, die Herstellung und den Abschuß von Qassamraketen zu unterbinden - ein legitimes Unterfangen, das bisher nicht mit echtem Schwung in Angriff genommen wurde, um Zivilisten zu schonen, hinter denen sich die Qassambastler bekanntlich verstecken.

Qassams, aus Wohnvierteln gefeuert 

Ich habe mich ja auch geärgert, als bei der Räumung des Gazastreifens eine ganze Familie den Holocaust nachspielte, mit Judenstern und erhobenen Händen aus ihrem Haus ging, die Kinder schreiend und weinend, als würden sie nun tatsächlich an die Wand gestellt. Diese Instrumentalisierung ist einfach ekelhaft, ich kann sie von keiner Seite her goutieren. Vilnai muß ja einen kompletten Riß in einem wichtigen Teil der Cortex haben, das Wort zu benutzen.

Natürlich bedeutet shoah ganz allgemein Katastrophe und Untergang, laut Wörterbuch, und der Holocaust wird als ha-shoah, also DIE Katastrophe, bezeichnet. Es gibt schon mal Leute, denen das Wort leichtfertig aus dem Mund plumpst, ich habe es in meinen 20 Jahren hier schon ein paarmal gehört. “Welch eine shoah“, nach entsetzlichen Unglücken. Aber es ist kein allgemein gebräuchliches Wort. Wenn Vilnai jetzt meint, er hat es in diesem allgemeinen Sinn gebraucht, glaube ich ihm sogar - es zeigt nur, was für ein Idiot er ist.

Natürlich reagiert die Hamas mit Inbrunst - wer die Shoah begeht, ist auch ein Nazi, nicht wahr? Das haben sie ja immer schon gesagt.

Hamas official Sami Abu Zuhri said of Vilnai’s comments: “We are facing new Nazis who want to kill and burn the Palestinian people.

Für einen Sport-Minister ein ganz schön fettes Eigentor.

Aber: der SPon, sonst vielgeschmäht für Huschigkeit und ungenaue Berichterstattung, hat wohl extra nachgefragt.

Vilnai sagte dem israelischen Armeerundfunk, dass die fundamental-islamistische Hamas-Organisation mit ihren Raketenangriffen den Palästinensern im Gaza-Streifen eine große Katastrophe bringen werde. Auf Hebräisch benutzte er dabei das Wort “Shoah” - aber ohne den bestimmten Artikel, was übersetzt eben “Katastrophe, Untergang, Desaster” bedeutet. Mit bestimmtem Artikel meint es “die “Shoah”, also den Holocaust. Zunächst hatten mehrere Agenturen vom Holocaust gesprochen.

Gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärte Vilnais Sprecher Eitan Ginzburg: “Der Minister hat den Begriff Holocaust im Sinne von Genozid weder verwendet noch intendiert.” Vielmehr sei gemeint, dass sich jemand ins eigene Unglück stürze.

Das finde ich bemerkenswert und ich anerkenne es, daß die Darstellung nicht einfach reißerisch war, “nun droht den Palästinensern der Holocaust!”. Aber es macht die Sache an sich nicht besser. Wenn ein Minister des Staats Israel sich soweit vergißt, ein Wort so unangemessen zu benutzen, dann gehört ihm der Stuhl vor die Tür gestellt.

איזה אפס … was für eine Null. Rundherum.

vilnai.jpg

Ein Arzt vom Krankenhaus Ashkelon erzählt Februar 29, 2008, 1:14

Posted by Lila in Land und Leute.
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Mit diesem Fundstück aus Youtube - gute Nacht.