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Eine Idee Februar 28, 2008, 14:23

Posted by Lila in Bloggen, Land und Leute.
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von David Bogner. Lesenswert.

David macht sich Gedanken darüber, was eine asymmetrische Kriegsführung ausmacht. Wir sind nämlich mit Hamas, Hisbollah, Islamischer Djihad und all den anderen Gruppen tatsächlich im Kriegszustand. Da diese Terrorgruppen die Genfer Konvention nicht unterzeichnet haben, brauchen sie sich auch nicht daran zu halten. Da sie das Image des wehrlosen Underdog genießen, denkt auch niemand daran, das von ihnen zu verlangen. Und da Israel sich von der sinnlosen Sorge geplagt sieht, sich vor (sowieso eintreffenden) internationalen Verurteilungen zu schützen, gesteht es sich nicht ein, im Krieg zu leben. Sondern schnappt nach jeder noch so leeren Geste, die so etwas wie einen “Friedensprozess” ankündigen könnte.

Das heißt, die Lage ist asymmetrisch. Die eine Seite hat alle Mittel, darf sie aber nicht einsetzen. Die andere Seite macht skrupellosen Gebrauch ihrer begrenzten Mittel, hinter sich ein weites internationales Hinterland (arabische Staaten, moslemische Staaten, Europa).

Das ist Davids Analyse der Situation. Und hier ist sein Vorschlag:

Here’s what I propose:

Rather than negotiating ‘final status agreements’, borders, or the so-called right of return we should, for the time being, take ‘peace negotiations’ off the table.

Once the seductive distraction of peace is out of the way we must begin by sending negotiating teams to meet with each of the groups who are currently in an active state of belligerence against us. Each Israeli team should bring unsigned copies of the Geneva Convention, all current agreements on prisoner treatment and protection of medical vehicles/facilities and the inviolate nature of civilian populations.

In addition, the Israeli negotiating teams should bring pictures and diagrams clearly showing all current IDF uniforms and insignias. They should provide photos of military and civilian ambulances as well as maps showing the location of vital humanitarian infrastructure facilities that provide water and electricity to civilians and hospitals.

Once all of these documents are spread out on the conference table, the Hezbollah, Hamas, Islamic Jihad, Al Aksa Martyrs Brigade, PFLP, (et al) representatives will be invited to sign each and every convention, agreeing to treat POWs humanely and to allow Red Cross access to all prisoners… to outfit combatants in recognized uniforms and insignia… to exclude civilians from attacks… to refrain from placing military infrastructure in or near civilian centers… and to insure that humanitarian facilities remain outside the scope of hostilities.

If they balk at agreeing to any of these most basic terms of warfare, our negotiating teams should be instructed to gather up their papers, photos and drawings and to leave behind only Israel’s unambiguous declaration of our intent to carry out unrestricted warfare until an unconditional surrender agreement is duly signed.

Let the international community go ahead and wring their hands and gnash their teeth at this rude departure from chivalry. Sooner or later they will have to come to terms with the fact that Israel’s current war is the test run for the wars they will each have to fight in the years to come. They will need to finally understand that when no quarter is offered by an enemy, none can be given in return.

Simply put, we must prove beyond even the smallest doubt that it is entirely within our power to deprive these vicious insurgencies the unfair advantage they’ve enjoyed from the asymmetrical warfare model. To do this, we must demonstrate in word and deed that the heavy shackles of humane / civilized behavior must either be worn by all parties in a conflict… or by none.

Das ist noch nicht probiert worden, und ich bezweifle, daß wir es tun können. Weil wir es nicht in uns haben, mit den schmutzigen Waffen der Terrororganisationen zu kämpfen. Aber als Gedankenspiel - interessant und aufschlußreich. Denn wir sind tatsächlich im Krieg, seit Jahrzehnten, und dieser Krieg ist bisher völlig unabhängig davon, was Israel tut oder nicht tun, weitergegangen.

Auch wenn Leute wie Saeb Erekat auf Englisch immer gern vom durch Israel vermasselten Peace Process lallen, während seine Kumpel uns mit Raketen beschießen und den 1948 verlorenen Krieg mit immer neuen Mitteln weiterführen - Vielleicht müssen wir wirklich diese Kriegserklärung annehmen, laut und deutlich.

Ich bin mal gespannt auf die Kommentare zu Davids Eintrag.

Kommentare»

1. Lektüren: 28. Februar 2008 (updated) « Freunde der offenen Gesellschaft - Februar 28, 2008, 14:38

[...] Update: Treppenwitz: Shackled to the peace process… or free to wage war - (via Rungholt) [...]

2. Thatcher - Februar 28, 2008, 15:35

Hallo Lila,

es passt zwar nicht ganz, aber im weiteren Sinne gehört die skandalöse Symbolik, die den Besuch unserer deutschen “Entwicklungshilfe”-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (genannt die “rote Heidi”) in Palästina und Israel begleitete, schon zur Problematik dazu. Ulrich Sahm berichtet auf n-tv.de.

http://www.n-tv.de/925827.html

Warum werden in Jerusalem die deutsche, die europäische und die palästinensische Flagge aufgezogen? Warum wird die Ministerin von ordinären Straßenpolizisten begleitet? Warum trägt eine Polizistin eine Meinungsäußerung an der Schutzweste, die die Flagge eines verbrecherischen Quasistaates enthält? Warum werden mal eben so 200 Millionen Euro verschenkt - das ist ja nur die Höhe der seit 18 Jahren erstmals wieder positiven deutschen Haushaltsbilanz? Und warum stellt die Ministerin so abstruse Forderungen wie “Palästinenser sollen selbst für die Sicherheit der palästinensischen Grenzen sorgen”?

Fehlt nicht mehr viel, und diese Dame trägt beim nächsten Besuch eine Hakenkreuzbinde.

3. grenzgaenge - Februar 28, 2008, 16:21

hast recht, thatcher. allerdings wuerde ich von frau wieczorek-zeul auch nichts anderes erwarten. diese dame hat ja wohl auch kein problem damit das millionenbetraege an entwicklungshilfe an die autonomieregierung gezahlt werden ohnen deren verwendung zu ueberpruefen. dabei waere das gar nicht schwierig. ynet zu lesen wuerde schon genuegen. ein besuch in sderot waere auch nicht schlecht. aber das macht frau wieczorek-zeul natuerlich nicht. wuerde ja auch das ganze weltbild ins wanken bringen. ich hatte ja eigentlich gehofft dieser spuk waere nach dem ende von rot-gruen vorbei. leider setzt sich diese politik auch bei frau merkel fort. wie passt das zur immer wieder geaeusserten israel-freundlichkeit der kanzlerin ? keine ahnung.

4. el_xenos - Februar 28, 2008, 18:04

Hallo,
ich bin über die aktuellen Entwicklungen in den deutsch-israeliscehn und deutsch-palästinensischen Beziehungen zugegebenmaßen nicht sonderlich gut informiert. Die deutsceh Entwicklungshilfeministerin hier aber als potentiellen Nazi zu verunglimpfen halte ich für eine bodenlose Frechheit und schwere Beleidigung. Es mag einfach sein, einen deutschen Politiker als Nazi zu diffamieren, wenn einem seine Politik nicht gefällt. Das ist aber weder redlich noch zielführend. Wenn es Probleme damit gibt die Verwendung deutscher oder europäischer humanitärer Hilfe an die Palästinenser zu kontrollieren sind Hasstiraden jedenfalls nicht das geeignete Mittel um dem zu begegnen. Und was die Berechtigung zu solcher Hilfe angeht: Wird von Manchen gerne das Recht und die Pflicht Israels, seine Bürger vor Terrorattacken zu schützen zu wenig beachtet, so sollten andere nicht vergessen das auch Palästinenser Menschen sind, also ein Recht auf Leben haben.

5. willow - Februar 28, 2008, 18:15

Du findest also an Heidis Auftreten nichts, was zu kritisieren wäre?

Dann stell dir analog so einen Besuch in der Türkei vor. Mit 2 Geschenkpaletten Schulbüchern auf Kurdisch für Djabarkir und einem Button “Städtefreundschaft Berlin - Kirkuk” an der Schutzweste der deutschen Polizeiuniformen…

Nicht zu reden von ihrer Forderung , man soll den Palästinensern die Grenzsicherung überlassen. Heidi war auch mal der Meinung, man soll mit Hamas verhandeln - deren Ziel Israel zu vernichten dürfe da doch kein Hinderniss sein. Einfach nur noch peinlich diese *****

6. el_xenos - Februar 28, 2008, 18:39

Die “Städtefreundschaft Berlin - Kirkuk” wäre wohl doch etwas übertrieben, und das offene Auftreten der deutschen Personenschützer wie auch das aufstellen palästinensischer Fahnen sind auf dem diplomatischen Paket doch eher unüblich und durchaus kritisch zu sehen. Was kurdische Geschichtsbücher in der Türkei angeht: Ich könnte mir das sehr gut vorstellen, jedenfalls wenn Deutschlanf un die EU ihr Forderungen an die Türkei betreffend die europäische Integration ernst meinen.
Was Frau Wieczorek-Zeuls Ratschläge angeht: Wie durchdacht sie im einzelnen waren ist durchaus zweifelhaft. Das Problem bleibt jedoch: Wie soll man im Gaza Streifen vorgehen. Die Hamas hat dort die Macht und allem Anschein nach behält sie sie auch bis auf weiteres. Will man jahrenlang so weitermachen wie bisher? Die Hamas schießt Raketen nach Israel und zerstört und tötet häufig genug um in Israel Terror zu verbreiten. Das israelische Militär antwortet mit Vergeltungsschlägen, tötet nach militärtaktischen Gesichtspunkten Hamas-Funktionäre, trifft aber häufig auch oder nur palästinensische Zivilisten, oft auch Kinder, und schürt den ganz persönlichen Hass vieler Palästinenser noch weiter.
Es gibt nur zwei Möglichkeiten diesem Kreislauf des Schreckens zu entkommen. Mit Verhandlungen (auch mit Feinden, im Krieg ist das manchmal nötig) oder mit einer massiven militärischen Aktion um den Gaza-Streifen vollkommen unter israelische Kontrolle zu bekommen. Ob aber Israel willens und fähig ist den vorraussichtlich immensen Blutzoll zu bezahlen halte ich für fraglich. Und ob dann der Terror abnimmt halte ich für noch fraglicher.
Was also soll eine Entwicklunhshilfeministerin, die quasi per definitionem dem Krieg eher abgeneigt gegenüber stehen sollte, also raten…

7. Piet - Februar 28, 2008, 19:03

» Heidi war auch mal der Meinung, man soll mit Hamas verhandeln…

Oh, aber nicht nur sie: „Sixty-four percent of Israelis say the government must hold direct talks with the Hamas government in Gaza toward a cease-fire and the release of captive soldier Gilad Shalit. Less than one-third (28 percent) still opposes such talks. … In Kadima, 55 percent are for talks, while among Labor voters, the number jumps to 72 percent. …“

Nur um das klarzustellen: Ich finde das Auftreten von Frau Wieczorek-Zeul (oder das, was ich über die Medien davon mitbekommen habe) unglaublich geschmacklos.

8. willow - Februar 28, 2008, 20:15

Mal abgesehen von ihren Ideen und Symbolen, ich halte auch ihren Beschluß, den Feinden Israel so eben mal 200 Millionen Euro zu schenken, so ganz ohne genauer Überprüfung, doch für etwas seltsam. Sicher, nicht alles geht nach Gaza, aber glaubst du wirklich daran, daß die Gelder für palästinensische Reformen eingesetzt werden!?

9. grenzgaenge - Februar 28, 2008, 20:52

@ willow,

ich fuerchte es wird ueberhaupt nichts ueberprueft. wie bei so vielen anderen projekten auch.

wenn entwicklungshilfe so (!) aussieht werden damit sicherlich keine reformen gefoerdert, sondern die korrupten elite koennen sich noch mehr bereichern. insofern traegt deutschland eine mitschuld an den verhaeltnissen und gaza und auch am terror gegen sued israel.

(mit “hilfe zur selbsthilfe” hat das ganze rein gar nichts mehr zu tun. interessant. das war frueher mal der grundsatz fuer entwicklungshilfeprojekte.)

10. David - Februar 28, 2008, 21:36

Das Geld ist vielleicht gar nicht so schlecht angelegt. Arafat hat ja immerhin schon zu Lebzeiten eine Menge der Europaeischen Zuschuesse in Frankreich investiert. Die Multi-Millionen-Dollar Apartments in Paris sind sicher keine schlechte Geldanage. Aber bei den gestiegenden Grundstückspreisen in Paris sollte sich auch Abu Mazen, der sich ja heute auch anderweitig schon bestens in die Rolls Arafats einfinden kann, wirklich nicht lumpen lassen.
Willow, ich glaube wirklich nicht, dass mit dem Geld, das in Falestin verbleibt, nur Waffen gekauft werden. Das hat die PA nun wirklich nicht mehr noetig. Stattdessen geht das Geld aus Heidemaries Kaffeekasse in neue Schulbücher, hochwertige TV-Produktionen, Klassiker der
Weltliteratur
, in die Denkmalpflege, Kindergartenplätze und schließlich: in avantgardistische Body-Painting-Kurse.

11. Lila - Februar 28, 2008, 22:19

Piet, die Meldung über die Gesprächsbereitschaft der Israelis ging auch hier durch die Medien. Inwieweit die Zahlen zuverlässig sind, weiss man nicht - wer sind die befragten Israelis? Ich habe es nicht weiter verfolgt, es ist leider ein ziemlicher overload…

Aber es zeigt Dir einiges: nach wie vor glauben viele Israelis an die Macht des Gesprächs und letztendlich ans Gute im Menschen. Des weiteren sind wir ziemlich empfindlich, wenn es um Schicksale wie das von Gilad Shalit geht. Um ihn wieder nach Hause zu holen, würden die meisten Israelis mit dem Teufel selbst verhandeln.

Es zeigt Dir ebenfalls die Unzufriedenheit vieler Leute hier mit der Regierung. Die Nicht-Reden-Taktik hat ja bisher nichts gebracht.

Aber wie gesagt, die Zahlen sind mir nicht genau genug belegt. Es reicht, wenn Du arabische Israelis in der Zahl drin hast (das wäre ja bei einem wirklich repräsentativen sample Bedingung) oder nur in Tel Aviv befragst… das spielt eine Rolle.

Und was die Zahlungen angeht: die Palästinenser übersetzen diese Gelder ganz korrekt als positives Signal.

12. Piet - Februar 28, 2008, 22:28

Liebe Lila, so hatte ich den Artikel auch interpretiert. Einzig an die arabischen Israelis hatte ich nicht gedacht, das kommt, wenn man weit weg wohnt, da sind manche Dinge einfach nicht im Blickfeld.

Und Frau Wieczorek-Zeul ruft, so weit ich das verfolge, auch hierzulande viel Kopfschütteln hervor und manche Sorgenfalte… Ich bin schon sehr gespannt, ob da in den kommenden Tagen noch was folgt.

13. Lila - Februar 28, 2008, 22:41

Was die Städtefreundschaft angeht: es besteht tatsächlich eine zwischen Tel Aviv und Gaza City. Neulich gab es darum Wirbel, als mehrere Stadträte in Tel Aviv meinten, es wäre wohl mal an der Zeit, diese Städtepartnerschaft aufzuheben und auf bessere Zeiten zu warten.

Yael Dayan war sehr gegen eine Aufhebung. Ich habe es dann nicht weiter verfolgt. Ich guck mal schnell nach…

Aber es gibt kein Szenario, daß ZU absurd wäre für Israel.

Nachgelesen: der Stadtrat von Tel Aviv hat es abgelehnt, die Städtepartnerschaft aufzuheben. Sie wird zwar im Moment nicht aktiv betrieben, sondern mehr auf Eis gelegt für bessere Zeiten. Nach wie vor sind Tel Aviv und Gaza City Partnerstädte. Begründung durch Bürgermeister Ron Huldai:

In response, Huldai said his counterproposal to freeze the agreement rather than cancel it was intended to signal that “peace can still be achieved between us and the Palestinians if we do it the right way”.

Ich hoffe, irgendwann wird auch dem verbocktesten Anti-Israel-Ideologen angesichts solcher Zitate klar, daß es NICHT an den Juden liegt, wenn hier der Pfannkuchen-Frieden noch nicht ausgebrochen ist…. Obwohl es natürlich von einer geradezu manischen Gutgläubigkeit zeigt, ausgerechnet Gaza City als Partnerstadt zu halten. Und auf Frieden zu hoffen. Oder sogar daran zu glauben…