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Aufrüstung Februar 28, 2008, 23:14

Posted by Lila in Land und Leute.
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Die Palästinenser setzen mehr und mehr Grad-Raketen ein. Gestern das Krankenhaus in Ashkelon, heute eine Schule. Ganz häßliche Dinger, Grads. 12 bis 15 km Reichweite. Hier ein bißchen mehr zu den Wafffen, mit denen die Leute im Süden beschossen werden.

Und eine Karte, die ganz gut zeigt, wie schmal das Land eigentlich ist:

(Was ich damit eigentlich sagen wollte: man male sich bitte selbst aus, wie viel von Israel noch raketenfrei bleibt, wenn sie auch in der Westbank ungestört ihrem Waffen-Hobby frönen dürfen, unsere treuherzigen Nachbarn.)

Kleine Beobachtung Februar 28, 2008, 22:50

Posted by Lila in Land und Leute.
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Heute saß ich in der Lobby des Hauptgebäudes der Uni Haifa und wartete auf jemanden. Ich hatte Zeit, mich umzugucken. Im Auditorium fand heute eine interessante Konferenz statt, leider hab ich sie verpaßt - abgehalten von der erziehungswissenschaftlichen Fakultät, Thema: mehrsprachige Erziehung. Das ist in Israel ja ein vielschichtiges Thema, es gibt viele Familien, die zwei oder mehrere Sprachen sprechen.

Ich sah gegen Ende der Konferenz die Leute herausströmen. Viele Frauen, etwa zwei Drittel Frauen, ein Drittel Männer. Juden, Araber, einige durch Kipa oder Kopftuch eindeutig erkennbar, einige nicht so einfach zuzuordnen. Arabisch und hebräisch durcheinander, alle noch im Schwung der Diskussion. Ich kriegte mit, daß besonders viele Lehrer, die Sprachen unterrichten, gekommen waren - und ich saß für kurze Zeit wie eine Insel in einem Meer von angeregt diskutierenden Grüppchen. Ein paar ließen sich um mich herum nieder, andere zogen weiter.

Ich dachte mir, das glaubt mir keiner in Deutschland. Daß hier arabische und jüdische Akademiker und Studierende und Lehrer zusammenstehen und sachlich und angeregt diskutieren. Die multikulturelle Idee, die in ihrer Naivität lachhaft geworden ist, lebt an einer Einrichtung wie der Uni Haifa ganz selbstverständlich, nicht unreflektiert oder theoretisch oder eben naiv, sondern faktenorientiert - und vor allem zum gegenseitigen Nutzen.

Es geht, es klappt - man braucht die richtigen Bedingungen und Leute, die willig sind. Und in unserer Gegend ist nichts Außergewöhnliches dabei. Gerade darum wollte ich es festhalten.  Auch das ist Israel, nicht nur Krieg, Bedrohung und inneren Spannung.

Unser Gärtner Februar 28, 2008, 22:13

Posted by Lila in Land und Leute.
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Ich habe schon mal von meiner Freundin hier im Kibbuz erzählt, die mit den Drillingen und Zwillingen. Die Zwillinge, zwei Jungens, an die ich mich noch als Babies im Wagen erinnere, sind jetzt Soldaten. Die Drillinge, drei besonders nette Mädchen, sind gute Freundinnen von Secundus seit dem Babyhaus. Wir waren damals zusammen im Krankenhaus und durch die Jahre des gemeinsamen Kinder-Aufziehens sind wir eng verbandelt.  Sie ist eine Nette, Patente, Energische. (Secundus wollte als kleiner Junge ihre Secunda heiraten, keine schlechte Idee.)

Ihr Mann steht mir weniger nah; er hat Gartenbau studiert und arbeitet hier im Garten-Team, dem wir unseren schönen, grünen, gepflegten Kibbuz verdanken. Alle paar Wochen kommt er auf seinem Rasenmäher angefahren und schneidet unseren Rasen.  Normalerweise vormittags, wenn wir nicht da sind.

Heute kam Y. überraschend nach Hause und sah den Gärtner auf seiner Mähmaschine sitzen, in einer stillen Ecke unseres Gartens, der ja sehr abgelegen ist. Er kam näher und sah, daß der Gärtner seine Ohrenschützer abgenommen hatte und weinte. Es spricht für Y., daß er trotz männlicher Scheu vor Gefühlsausbrüchen zu ihm ging und ihm einfach zuhörte.

Die alte Mutter des Gärtners, die wir ja auch schon lange kennen, lebt in Kibbuz Nir Am. “Den ganzen Tag fallen die Qassams, meine Mutter hat keinen Bunker in der Nähe, keine verstärkten Wände oder Decken, sie sitzt in ihrem Häuschen und erschrickt bei jedem Krach furchtbar. Sie will aber nicht weg, sie will zuhause bleiben, sie ist schon alt und findet sich nur zuhause gut zurecht.  Die Jungens sind bei der Armee. Ich mach mir den ganzen Tag nur Sorgen und schlafe nachts nicht. Dauernd bin ich am Telefon, wo sind die Jungens, wo ist Mutter. Manchmal hält man das nicht aus.”

Y. erzählte mir das, als ich wiederkam, und ich will es hier einfach mal weitergeben.

Eine Idee Februar 28, 2008, 14:23

Posted by Lila in Bloggen, Land und Leute.
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von David Bogner. Lesenswert.

David macht sich Gedanken darüber, was eine asymmetrische Kriegsführung ausmacht. Wir sind nämlich mit Hamas, Hisbollah, Islamischer Djihad und all den anderen Gruppen tatsächlich im Kriegszustand. Da diese Terrorgruppen die Genfer Konvention nicht unterzeichnet haben, brauchen sie sich auch nicht daran zu halten. Da sie das Image des wehrlosen Underdog genießen, denkt auch niemand daran, das von ihnen zu verlangen. Und da Israel sich von der sinnlosen Sorge geplagt sieht, sich vor (sowieso eintreffenden) internationalen Verurteilungen zu schützen, gesteht es sich nicht ein, im Krieg zu leben. Sondern schnappt nach jeder noch so leeren Geste, die so etwas wie einen “Friedensprozess” ankündigen könnte.

Das heißt, die Lage ist asymmetrisch. Die eine Seite hat alle Mittel, darf sie aber nicht einsetzen. Die andere Seite macht skrupellosen Gebrauch ihrer begrenzten Mittel, hinter sich ein weites internationales Hinterland (arabische Staaten, moslemische Staaten, Europa).

Das ist Davids Analyse der Situation. Und hier ist sein Vorschlag:

Here’s what I propose:

Rather than negotiating ‘final status agreements’, borders, or the so-called right of return we should, for the time being, take ‘peace negotiations’ off the table.

Once the seductive distraction of peace is out of the way we must begin by sending negotiating teams to meet with each of the groups who are currently in an active state of belligerence against us. Each Israeli team should bring unsigned copies of the Geneva Convention, all current agreements on prisoner treatment and protection of medical vehicles/facilities and the inviolate nature of civilian populations.

In addition, the Israeli negotiating teams should bring pictures and diagrams clearly showing all current IDF uniforms and insignias. They should provide photos of military and civilian ambulances as well as maps showing the location of vital humanitarian infrastructure facilities that provide water and electricity to civilians and hospitals.

Once all of these documents are spread out on the conference table, the Hezbollah, Hamas, Islamic Jihad, Al Aksa Martyrs Brigade, PFLP, (et al) representatives will be invited to sign each and every convention, agreeing to treat POWs humanely and to allow Red Cross access to all prisoners… to outfit combatants in recognized uniforms and insignia… to exclude civilians from attacks… to refrain from placing military infrastructure in or near civilian centers… and to insure that humanitarian facilities remain outside the scope of hostilities.

If they balk at agreeing to any of these most basic terms of warfare, our negotiating teams should be instructed to gather up their papers, photos and drawings and to leave behind only Israel’s unambiguous declaration of our intent to carry out unrestricted warfare until an unconditional surrender agreement is duly signed.

Let the international community go ahead and wring their hands and gnash their teeth at this rude departure from chivalry. Sooner or later they will have to come to terms with the fact that Israel’s current war is the test run for the wars they will each have to fight in the years to come. They will need to finally understand that when no quarter is offered by an enemy, none can be given in return.

Simply put, we must prove beyond even the smallest doubt that it is entirely within our power to deprive these vicious insurgencies the unfair advantage they’ve enjoyed from the asymmetrical warfare model. To do this, we must demonstrate in word and deed that the heavy shackles of humane / civilized behavior must either be worn by all parties in a conflict… or by none.

Das ist noch nicht probiert worden, und ich bezweifle, daß wir es tun können. Weil wir es nicht in uns haben, mit den schmutzigen Waffen der Terrororganisationen zu kämpfen. Aber als Gedankenspiel - interessant und aufschlußreich. Denn wir sind tatsächlich im Krieg, seit Jahrzehnten, und dieser Krieg ist bisher völlig unabhängig davon, was Israel tut oder nicht tun, weitergegangen.

Auch wenn Leute wie Saeb Erekat auf Englisch immer gern vom durch Israel vermasselten Peace Process lallen, während seine Kumpel uns mit Raketen beschießen und den 1948 verlorenen Krieg mit immer neuen Mitteln weiterführen - Vielleicht müssen wir wirklich diese Kriegserklärung annehmen, laut und deutlich.

Ich bin mal gespannt auf die Kommentare zu Davids Eintrag.

Preisfrage Februar 28, 2008, 11:15

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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Was kommt in diesem Artikel NICHT vor?

Richtig, der Tote von gestern. Richtig, die Verletzten. Richtig, die verletzten Kinder. Richtig, die Grad-Katyusha auf dem Heli-Landeplatz des Krankenhauses von Ashkelon. (Genau die Stadt Ashkelon, die die Elektrizität für Gaza erzeugt.)

Außerdem die Kleinigkeit der zeitlichen Abfolge: daß zuerst die 50 Raketen an einem Nachmittag auf den westlichen Negav fielen und dann erst Israel leerstehende Verwaltungsgebäude im Gazastreifen beschoß.

Die israelische Luftwaffe hat gestern Abend eine Serie von Angriffen gegen die radikalislamische Hamas in Gaza geflogen. Ziele seien der leere Regierungssitz des abgesetzten palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija, das Hamas-Innenministerium und andere Einrichtungen der Organisation gewesen, teilte eine Sprecherin des israelischen Militärs mit.

Ein Angriffsziel sei auch eine Metallwerkstatt gewesen, in der nach israelischer Darstellung Kassam-Raketen gefertigt wurden. Nach palästinensischen Angaben wurden etwa 25 Anwohner und zwei Sicherheitsleute der Hamas verletzt.

Palästinensische Extremisten beschossen ihrerseits die israelische Stadt Sderot mit rund 50 selbst gebauten Kassam-Raketen.

Klingt das nicht, als wären diese Raketen eine Reaktion, vielleicht sogar eine verständliche…?, auf den israelischen Beschuß gewesen? Oder woher kommt das Wort ihrerseits?

Und zu den Toten auf der palästinensischen Seite:

Krankenhausmitarbeiter teilten mit, ein sechs Monate altes Baby sei bei den Attacken getötet worden. Auch seien ein Mitglied der Brigaden der Märtyrer von El Kassam sowie zwei Anhänger der palästinensischen Volkswiderstandskomitees ums Leben gekommen. Mitglieder der radikalislamischen Hamas, die den Gaza-Streifen kontrolliert, reagierten den Augenzeugen zufolge mit Maschinengewehrfeuer.

Kann es nicht sein, daß die Zivilisten durch das Maschinengewehrfeuer zu Schaden gekommen sind? Es wäre nicht das erste Mal. Und wieso halten sich Kinder in der Nähe von Qassam-Abschußrampen auf? Kann es sein, daß die Qassam-Banden sich wieder einmal bewohnte Gegenden aussuchen, ihre Abschußrampen sind schließlich mobil. Den Kindern wird das Märtyrertum schmackhaft gemacht, während Haniyya und Konsorten sich in Deckung bringen. Grandiose Strategie - schickt Kinder und Babies vor, die Welt wird Israel verurteilen, und die Schuldigen bleiben am Leben.

Ich bin inzwischen extrem mißtrauisch allen palästinensischen Berichten gegenüber, sie haben schon oft genug mit einer Keckheit gelogen, die nur von der Tumbheit der Medien übertroffen wird, die diese Lügen schlucken wie Eiswasser an einem heißen Tag. (Ein eklatantes Beispiel gibt Aussie Dave.)

Aber bei solchen Berichten ist es kein Wunder, daß sich das Bild vom israelischen Wüterich festgesetzt hat. Was können wir dagegen tun? Vermutlich nichts.

Leider lesen nicht alle Menschen Haaretz, wo ein genauer Bericht zu finden ist.

The fourth strike occurred several hours later near Beit Hanun in the northern Strip. The IDF Spokesperson said the strike targeted units launching Qassam rockets. Palestinian sources say the casualties were children aged 10, 12, and 14.

“If this claim is true, it’s a good reason to ask what these children were doing in Qassam launching areas,” an army official said. “We have seen in the past how terrorists use children to pick up launchers that were used to fire rockets into Israel.”

Manchmal kann man schon verzweifeln, wenn man sieht, wie die Karten immer so gelegt werden, daß wir den Schwarzen Peter haben. An einem Tag wie gestern gehört dazu schon eine ganze Portion Realitätsverleugnung. Verblendung oder böser Wille?