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Mal wieder… Februar 16, 2008, 22:52

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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… ein bißchen UN-Bashing, hatten wir lange nicht mehr!

Was lesen meine müden Augen? Ach, Klagen, nichts als Klagen! UNIFIL beschwert sich in scharfen Worten über Israel.

According to the report, UNIFIL commander, Major General Claudio Graziano, said on Friday following a meeting with Lebanese Prime Minister Fouad Siniora, that his organization sent the UN a report outlining Israeli violations of Lebanese territories and airspace.

“UNIFIL has also sent a strong-worded letter to Israel denouncing violations,” Graziano told Siniora, according to the Daily Star.

A spokeswoman for UNIFIL, Yasmina Bouzianne, declared Friday that the organization has not taken any special measures following the assassination of Hizbullah leader Imad Mugniyah on Wednesday. “We continue to maintain the ceasefire agreement in accordance with UN Resolution 1701, and any irregular activity needs to be coordinated with the Lebanese army,” she said.

Was wird aber wohl der Anlaß für die Empörung gewesen sein?

IDF Chief of Staff, Lit.-Gen. Gabi Ashkenazi, ordered the IDF on Thursday to take the necessary precautions needed to defend Israel’s northern border following the assassination in Damascus and consequent threats of retaliation by Hizbullah.

Aha. Wenn die UNIFIL schon keine besonderen Maßnahmen nach den scharfen Drohungen Nasrallahs ergriffen hat, so tut das eben Ashkenazi. Und dafür bin ich ihm dankbar.

Denn wäre die UNIFIL so selbstkritisch, wie sie israel-kritisch ist, dann müßte sie zugeben, daß sie selbst permanent und konsequent gegen die Resolution verstößt.

The text of Resolution 1701, passed unanimously by the UN Security Council aimed at ending the conflict between Israel and Hezbollah in Lebanon.

The Security Council,

15. Decides further that all states shall take the necessary measures to prevent, by their nationals or from their territories or using their flag vessels or aircraft;

a. the sale or supply to any entity or individual in Lebanon of arms and related materiel of all types, including weapons and ammunition, military vehicles and equipment, paramilitary equipment, and spare parts for the aforementioned, whether or not originating in their territories [...]

Tatsächlich, die UNIFIL sollte die Wiederbewaffnung der Hisbollah verhindern. Und wie ist sie dieser Aufgabe nachgekommen?

September 2006: Nasrallah prahlt mit gelungener Wiederbewaffnung

November 2006: Iran und Syrien helfen der Hisbollah bei der Wiederbewaffnung

Und so weiter, und so weiter.

Das ist also okay? Die Hisbollah darf sich munter wiederbewaffnen, Israel bedrohen, Vergeltung für eine Tag ankündigen, von der noch gar nicht raus ist, ob sie nicht ganz jemand anders begangen hat, und Kämpfer an der Grenze zusammenziehen? Ganz zu schweigen von dem Vorfall neulich in Ghajar, als von libanesischem Boden aus auf eine Grenzpatrouille geschossen wurde, die auf israelischem Boden war… Und UNIFIL beschwert sich über Israel.

The Lebanese newspaper A-Safir reported Saturday that the Lebanon-based guerilla group Hezbollah has deployed 50,000 “activists” along the southern border with Israel and declared a state of high alert in southern Lebanon.

According to the report, the organization has also evacuated all buildings in the area designated for social or political purposes in recent days, in preparation for a confrontation with Israel in the wake of the assassination of Hezbollah terror chief Imad Mughniyah.

Sagt mal, bin ich die Einzige, der das total verrückt vorkommt? Das darf doch wohl nicht sein, dieses immergleiche abgekartete Spiel der UN. Erst die Augen fest zudrücken, wenn Israel bedroht wird - und sie dann empört aufreißen, wenn Israel sich zur Selbstverteidigung bereitmacht.

Dasselbe Spiel auch im Gazastreifen. Ein UN-Fritze, John Holmes, weint Krokodilstränen über das unbestreitbar schwierige Leben der Menschen dort (auch wenn die humanitäre Katastrophe übertrieben wird - es könnte dem Gazastreifen ohne Zweifel viel besser gehen).

Mr Holmes, who is also the UN’s emergency relief co-ordinator, said the level of goods entering Gaza had dropped to 10% of what it was a year ago.

He said the Israeli restrictions had led to the collapse of the territory’s economy, which in turn caused widespread unemployment and poverty. As a result, some 80% of Gazans now depended on food aid, he added.

“All this makes for a grim human and humanitarian situation here in Gaza, which means that people are not able to live with the basic dignity to which they are entitled,” he said.

Dabei klagt auch er in beredten Worten Israel an - daß auch heute wieder mehrere Raketen auf israelischem Gebiet niedergegangen sind und Israel keinen Grund hat, den Gazastreifen als Sozialfall zu adoptieren, vergißt er dabei bequemerweise.

Ebenfalls, daß die Palästinenser selbst durch ihre ewigen internen Gewaltakte (gestern gegen Christen, interessiert das jemanden, die Verbrennung einer Bücherei des YMCA?) entscheidend dazu beitragen, daß keine Ruhe bei ihnen einkehrt.

Warum sonst wäre Karni geschlossen worden, wenn nicht wegen Terror und ständiger Bedrohung? Würden die Terroristen endlich mal Ruhe geben, wären solche gemeinsamen israelisch-palästinensischen Industriegebiete Motoren für die gesamte Gegend. Hat der Mann das nicht begriffen? Er war doch da. Es wird ihm doch jemand erklärt haben, daß auch die Hamas in Karni Anschläge ausgeführt hat?

In Gaza, Holmes visited Gaza’s largest hospital, Shifa, speaking to dialysis patients and stopping in the neo-natal department. He also toured the Karni industrial zone near the closed cargo crossing between Gaza and Israel. The industrial zone once employed 1,800 Palestinians, but has been idle since June, officials said.

Aber nein, Holmes weiß, was geschehen muß:

“So what is essentially needed is an opening of the crossings, a lot more goods coming in.”

Leider wissen wir nur allzugut, welche Güter die Palästinenser gern nach Israel schaffen möchten und das auch tun, sobald wir die Grenzen öffnen…

Das Ärgerlichste daran: es gibt nach wie vor naive, brave Menschen, für die die UN tatsächlich eine moralische Autorität darstellen. Ich weiß es, denn ein paar dieser Menschen lesen hier mit und ich erwarte gespannt ihre Kommentare ;-)

PS: Ich weiß, ich weiß, das Hin und Her zwischen Englisch und Deutsch nervt, und das Anklicken der Links auch. Ist mit Firefox aber ganz einfach. Und zum Übersetzen… hm, reicht die Zeit nicht.

PPS: Dasselbe cooler und kürzer gerade bei Aussie Dave entdeckt.

Kommentare»

1. grenzgaenge - Februar 17, 2008, 15:39

“… ein bißchen UN-Bashing, hatten wir lange nicht mehr!”

na ja, lila, du beschreibst nichts anderes als die realitaet in der internationale der heuchler. schade das man diesen voellig ueberfluessigen verein namens un nicht einfach abschaffen kann. er bewirkt nichts ausser schaden. vor allem dann wenn menschen den fehler machen sich auf un blauhelme zu verlassen. dann koennen sie auch gleich ihr eigenes grab schaufeln. trotzdem wird den unnuetzen und verlogenen worten der un immer noch bedeutung beigemessen. leider, leider ….

2. grenzgaenge - Februar 17, 2008, 16:02

OT !

ein bisschen werbung :-)

http://www.bloglines.com/blog/JNS

3. Zaunvogel mit DHCP-IP - Februar 17, 2008, 17:50

Noch mehr Heuchler unter:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,druck-533294,00.html

4. grenzgaenge - Februar 17, 2008, 18:18

ach ja, die frau putz mal wieder *gaaaaaehn*

5. gingit - Februar 17, 2008, 20:36

Darf ich die Herren Zaunvogel und Grenzgänger fragen, wo sie den Film gesehen haben, von dem im Artikel die Rede ist? Oder auf welcher Basis erfolgen Aussagen wie “Heuchler” und “Gähn”?
Besten Gruß!

6. heplev - Februar 17, 2008, 20:51

->Erst die Augen fest zudrücken, wenn Israel bedroht wird - und sie dann empört aufreißen, wenn Israel sich zur Selbstverteidigung bereitmacht.<-
Irgendwie muss sich die UNO ja weiter entwickeln. Und da die Richtung vorgegeben bzw. nur eine zulässig ist, wird heute nicht erst gegeifert, wenn Israel sich schon verteidigt, sondern bereits, wenn es auch nur Ansätze zeigt, dass es sich irgendwann einmal verteidigen könnte.

7. grenzgaenge - Februar 17, 2008, 20:58

gingit, eigentlich ist aus meinem kurzen kommentar eindeutig zu ersehen wen ich mit *gaaaaaehn* gemeint habe - oder ?

:-)

8. flowerkraut - Februar 17, 2008, 21:16

Geradezu megaklasse und besonders glaubwürdig war diese Zeile:

“Sie zeigten mir Gebetsketten und Korane, die sie aus den durchsuchten Häusern hatten mitgehen lassen.”

Jaja … diese tollen abgegriffenen Kettchen und vor allem die wertvollen Korane sind ein „musst du haben“ für jeden israelischen Soldaten. Das schenkt man mit stolzgeschwellter Brust seinen Lieben zum Geburtstag oder zur Hochzeit! Und, besonders tragisch, für den Kauf dieser wertvollen, wahrscheinlich extra in treuem Schweinsleder eingebunden Bücher, haben sich die armen Palästinenser für ein Vierteljahr einen Kassemraketenbaustopp auferlegt. Die Trauer der Betroffenden kann sich jeder einfühlsamer Mitteleuro bildhaft vorstellen. Und solche Fälle gibt es nicht nur einmal, nicht tausendmal, sondern millionen oder billardenmal!
Oder etwa nicht, lieber Zaumgast? :D :D :D

9. Lila - Februar 18, 2008, 0:51

Zu dem Film (den ich, obwohl ich es versprochen habe!!! glatt verpennt habe!!!! die, der ich es versprochen habe, darf nicht böse sen!!!) habe ich die bekannte Meinung. Also die niemanden überraschen wird, der mich kennt, meine ich.

Ich bin heilfroh, daß wir in einer Kultur leben, in der Auswüchse wie die Übergriffe von Soldaten als Skandal begriffen werden - in der man sich für sowas schämt und das Gefühl hat, man muß dagegen etwas tun. Ich muß ja wohl nicht extra dran erinnern, daß Soldaten (britische, amerikanische, deutsche…) aller Nationalitäten bei solchen Übungen ertappt wurden. Demokratische Gesellschaften reagieren darauf, in anderen ist es die Norm.

Ich meine, besonders in Zusammenhang mit den anderen besprochenen Filmen (besonders Flipping out) wird es doch ganz deutlich: das Leben eines jungen Israeli zerfällt in komplett ungleiche Teile, die kaum miteinander zu reimen sind. Kindheit und Jungend: eine demokratische, offene Gesellschaft, die zwar ihre Macken hat und in der deutlich fühlbar ist, daß man ständig bedroht und auch isoliert ist. Aber die meisten Israelis leben nach dem westlichen Wertsystem, in den Medien werden Araber nicht als Unmenschen dargestellt, und fast alle wichtigen Künstler sind kritisch bis überkritisch dem eigenen Land gegenüber.

Dann kommt die Armee. Wie Armee nun mal ist, trotz aller Versuche, per Moralkodex und Schulungen und weiß ich was alles so wenig armee-typische Laster wie möglich aufkommen zu lassen. Und doch: die trügerische Anonymität der Uniform, die Erfahrung von Hilflosigkeit einerseits, Machtfülle andererseits lassen in jungen Menschen, interessanterweise zumeist aber nicht ausschließlich Männern, die häßlichsten Züge zum Vorschein kommen.

Das ist nicht zwangsläufig, Gott sei Dank, aber es kommt vor. Und es ermutigt mich, daß sich dann auch Leute wie Dana und Meytal finden, die aus Loyalität heraus das anprangern.

(Nach der Armee dann: der Bruch, der Zusammenbruch, die Reisen, die Drogen, die krampfhafte Sinnsuche. Das sind Symptome dafür, daß die israelische Erziehung eben NICHT auf den Drill von Kampfmaschinen abgestellt sit - sonst würden ja viel weniger daran zerbrechen, daß sie nach der Armee wieder zurückfinden müssen in die Welt, in der sie aufgewachsen sind).

Daß Leute wie meine beste Freundin Putz dann glauben, der Film wäre ein wer weiß wie skandalöser Einzelfall, zeigt nur, daß sie Israel doch nicht sooo gut kennt, wie sie vielleicht meint.

Shovrey Shtika, die ihre Foto-Ausstellung diesem Thema gewidmet haben? Machsom Watch, israelische Frauen, die an den Checkpoints gucken, daß die Soldaten und Palästinenser halbwegs respektvoll miteinander umgehen? Der Brief der Piloten?

Mir fallen Beispiele ohne Ende ein, Filme, Bilder, Bücher, Lieder. Die israelische Gesellschaft ist keineswegs verhornt bis zur Unempfindlichkeit. Das ist vielleicht in den Augen unserer Feinde, für die wir Untermenschen sind, eine Schwäche.

Auch “rechte” Schriftsteller wie Naomi Ragen schreiben die Araber nicht als Tiere und Untermenschen ab, wie das Kinderprogramm der Hamas uns, sondern versucht sie zu verstehen, anerkennt sie.

Ich finde, es ist eine Ehre, daß unsere Kultur eine selbstkritische ist, und wenn sie hundertmal unseren Verleumdern Gewehre liefert.

Das soll uns erstmal einer nachmachen. In ständiger Bedrohung zu leben, pausenlos angegriffen und verleugnet zu werden - und trotzdem noch Leute großzuziehen, die sich dem Druck nicht beugen und kritisch bleiben, auch selbstkritisch. Die den Mund aufmachen.

So wie Batya Gur, als sie zwei Soldatinnen sah, die in Jerusalem zu einem alten arabischen Mann herablassend und respektlos waren, sie hat sich sofort eingemischt.

Ich hoffe, ich habe mich halbwegs verständlich ausdrücken können.

10. flowerkraut - Februar 18, 2008, 1:15

Nicht nur das, es war auch eine kluge Antwort! Nur überkommt dich nicht machmal das Gefühl, dass du dergleichen hier als Dauerpost hereinstellen kannst, und du bekommst trotzdem immer die gleichen Sachen zuhören? Ich neige dummerweise oft zu Sarkasmus, aber dein Gleichmut ist bewundernswert.

Gutes Nächtle!

11. Lila - Februar 18, 2008, 1:29

Ich schreib ja auch manches als Dauerpost, ich guck ja nicht oft in meine Archive aber wenn… dann denke ich beschämt, ich wiederhole mich ja dauernd, wer liest denn das überhaupt noch???

Ich bin auch oft sarkastisch oder ärgere mich, obwohl ich es nicht müßte.

Aber im Fall dieses Films bin ich wirklich der Meinung, die Ohrfeigen und die Häme von außen können wir wegstecken. Wir alle müssen daran arbeiten, daß wir unsere eigenen Maßstäbe auch erfüllen.

12. grenzgaenge - Februar 18, 2008, 9:03

“Ich bin auch oft sarkastisch oder ärgere mich …”

aha :-) hoert sich gut an …. mehr davon, BITTE !

13. flowerkraut - Februar 18, 2008, 18:56

Nein, nein, gib Lila keine falschen Ratschläge. Das ist ein lesenswerter Blog der Sympathie für ein Land und seine Menschen vermittelt und kein Schmierenforum. Mit der ernstgemeinter seriöser Kritik kann man ernsthaft und seriös umgehen (ich mag keine Scheuklappen und sehe mir eventuell, wenn die Gelegenheit besteht, diese Filme auch an), es ermüdet gelegentlich nur, wenn es immer nach bekannten (arte-typischen) Mustern abläuft, und selten Einordnungen, Relativierungen, Vergleichsmaßstäbe oder Komplettierungen erfolgen. Über nicht ernstgemeintes und trollhaftes linkdropping soll man einfach Gras wachsen lassen.

14. grenzgaenge - Februar 18, 2008, 20:10

nun, ich denke lila ist alt genug :-)

15. gingit - Februar 18, 2008, 21:35

Liebe Lila,
da sind wir uns ja einig (Komm. 9), wie du dir sicher denken kannst. Darum ging’s eben auch nicht. Und böse ist natürlich auch niemand, wo kämen wir dann da hin!
Und liebe/r flowerkraut, danke für die Möglichkeit, konstruktiv zu bleiben! (Kein Sarkasmus, ganz ernst gemeint! - nur damit nix in falsche Hälse gerät ;-))
Ich stimme dir zu bzgl. trollhaftem linkdropping! Ich gebe ebenfalls zu, dass ich auf Beschimpfungen wie “Heuchler” oder auch reflexartige “Gähn”s und ähnliche Vorverurteilungen etwas alergisch reagiere. Egal, ob der Artikel, den ich AUSNAHMSWEISE mal nicht sonderlich reißerisch aufgemacht finde (das können “die” doch wirklich besser), oder die darin beschriebenen Soldatinnen gemeint sind. Auf die Bezeichnung und basislose Reflexe richtete sich meine Kritik, die mich zu den leicht polemisch misszuverstehenden Fragen verleitet hat!
Insofern: Gras über den Link, pfupfu.