Klassenfahrt Februar 11, 2008, 20:22
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.trackback
Wer mich kennt, weiß ich, daß ich die Kinder höchst ungern auf Klassenfahrt fahren lasse. Ich mag das nicht, so ein leeres Haus – denn die Schulen setzen ihre Klassenfahrten zeitnah an. Das heißt, gleichzeitig verschwinden meine drei Großen, und gleich hinterher noch die Kleine. Ich renne kopflos durchs Haus und weiß nicht, wohin mit meinem Sorgetrieb. Selbst Y. gibt zu, daß es ohne die Kinder reichlich still ist hier. (Außerdem fange ich dann an, ihn zu betüddeln….)
Secundus packt gerade, fröhlich und aufgekratzt. Tertia hat noch zwei Tage, dann fährt sie auch. Primus´Klassenfahrt ist abgesagt, weil so kurz nach dem langen Streik und mitten im Abitur keine Zeit dafür bleibt. Dafür fährt Primus eifrig mit seiner Sportgruppe, nur kurze Fahrten, aber öfter.
Erschwerend kommt hinzu, daß die beliebten Ausflügsziele mir stets unglücklich gewählt vorkommen. Ich erinnere mich mit Grausen an den Tag, als alle in Richtung Norden fuhren – das war natürlich während einer Terrorphase, und ich saß mit ein paar Freundinnen im Auto und grämte mich. Aaach, meinten sie, im Norden ist es nicht gefährlich, sei froh, daß sie nicht nach Tel Aviv fahren! Und da kam im Radio die Nachricht, daß in Zfat ein Anschlag war, an einer Bushaltestelle.
Ja ja, ein andermal wurde ein Ausflug abgesagt, weil die Grenze im Norden mal wieder “heißlief”, das kommt alle paar Monate vor. Katyushas, eindringende Terroristen, Warnungen.
Auch die Kurzfahrten nach Tel Aviv, ins Museum und wo sie die Kinder sonst noch mit hinnehmen, waren mir immer unheimlich. Ich weiß, ich weiß, die Schule wägt sorgsam ab und setzt die Kinder keinem Risiko aus, außerdem leben da überall Leute, für die das ganz normal ist. Ich fahre da ja selbst überall hin und setze mich ohne zu zögern in Busse und Sammeltaxen.
Komme mir keiner mit rationalen Argumenten, bitte. Ich lache ja auch nicht über meine Familie und Freunde in Deutschland, die mich nach Anschlägen anrufen und denken, nur weil ich hier lebe, muß ich danebengestanden haben.
Secundus fährt natürlich, genau wie Tertia – in den Süden. Er denkt an die Naturschönheiten, ans Wandern und die Übernachtung im Zelt. Ich denke an Hochwasser (es soll regnen, und das ist in der Wüste gefährlich), an Terrorwarnungen und überhaupt.
Also, wer hier schon länger mitliest, leidet jährlich mit. Ich bin ein Klassenfahrten-Muffel. Hätt ich sie nur alle wieder schön hier.


