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Enttäuschte Liebe Februar 8, 2008, 20:24

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Ich habe ja schon ein paarmal erzählt, daß zur Oberschule, in die meine großen Kinder gehen (Klassen 7 bis 12) auch ein Internat gehört – pinimia auf Hebräisch, ein besseres Wort als Internat fällt mir leider nicht ein. Natürlich ist es nicht so ein Internat wie bei Hanni und Nanni, sondern hm, eben anders. Eher wie ein Studentenwohnheim – also Schülerwohnheim?

Auf dem Gelände der Schule, das ja riesig und unübersichtlich ist wie ein Kibbuz, befinden sich eben auch Wohnhäuser. Dort leben Erzieher und Erzieherinnen, teilweise ausgebildete, teilweise Studenten, die selbst an so einer Schule waren und nun nebenher dort abends arbeiten. Ab dem 9. Schuljahr können die Schüler sich aussuchen, inwieweit sie das abendliche Angebot der Schule nutzen. Es gibt drei Modelle, “Kreise” genannt.

Der dritte Kreis bedeutet: keine Teilnahme, kein Interesse am Angebot. Dazu gehört zum Beispiel meine Tertia, die sich zu keinem Konzert, zu keiner Party in die Schule quälen mag. Neee, sie und ihre Freundinnen treffen sich privat, was abends in der Pnimia passiert, ist ihr egal.

Der zweite Kreis sind Schüler wie Primus. Er hat keine Lust, dort zu schlafen (obwohl er mal eine Zeitlang ein Zimmer hatte), aber nimmt manchmal an Aktivitäten teil, die ihn interessieren, und stellt sich auch freiwillig als Begleiter bei Ausflügen zur Verfügung (wo er dann den kleinen Mädchen geduldig das Gepäck schleppt).

Secundus hat bis zur kurzen Phase seiner Unfugmacherei zum ersten Kreis gehört: Schüler, die ein Zimmer in der Schule haben und das auch nutzen, die außerdem bei allen Aktivitäten mitmachen. Secundus ist bis über beide Ohren aktiv, er organisiert Ausflüge, Spiele, Kulturabende, er sitzt in einem Ausschuß und einem Forum für engagierte Schüler und Erzieher und mischt überall mit. (Außerdem arbeitet er nach wie vor einen Tag pro Woche im landwirtschaftlichen Betrieb, den er ja sehr liebt, ist dort für die Gewächshäuser zuständig – auch der Betrieb gehört zur Schule, und ein Arbeitstag ist Pflicht).

Landwirtschaft

Letzte Woche war “Abend des Schreckens” (erev eyma), dabei hat er auch mitgemacht, aber nur ein bißchen. So richtig reingekniet hat er sich in den Abend, der heute stattfindet. Obwohl der hebräische Kalender einen eigenen “Tag der Liebe” kennt, haben die Schüler mitgekriegt, daß es einen Valentine´s Day gibt, und haben das Thema Liebe für diesen Abend gewählt (erev ahava). Secundus hat vorgeschlagen, den Abend der enttäuschten Liebe zu widmen (erev ahava nichzevet).

Es ist üblich, am Ende des einen Abends schon für den nächsten Werbung zu machen, wie im Fernsehen. (Das war aber schon so, meint Y., bevor es Fernsehen in Israel gab – er ist ja auch in der Pnimia aufgewachsen). Letzte Woche also sind Secundus, zwei weitere Jungen und drei Mädchen schweigend auf die Bühne geklettert. Die Mädchen und Jungen haben sich einander gegenüber aufgestellt.

Erst haben die Jungen den Mädchen einen Kuß gegeben, dann haben die Mädchen den Jungens eine gescheuert, und dann haben die Jungen ein Ei aus der Tasche gezogen und den Mädchen über den Kopf geklatscht. Secundus meinte, die Shani hätte aber ordentlich zugehauen, und die Willigkeit der Mädchen, sich ein Ei über den Kopf schlagen zu lassen, hätte allen total imponiert. Schweigend sind sie dann wieder von der Bühne gestiegen. Jetzt warten alle gespannt auf den Abend.
Wir sind heute, auf dem Weg von Quartas Grundschule zur Halle, in der dieses elend lange Programm stattfand, durch die Schule der Großen gekommen und haben sie dort auch prompt getroffen. Überall hängen Plakate: erev ahava nichzevet, Abend der enttäuschten Liebe. Secundus ist seit drei Tagen eigentlich nur noch in den Vorbereitungen, wir sehen ihn kaum noch, und er hat sogar Erlaubnis, wieder dort zu schlafen. (Seit dem großen Krach während des Streiks hat er sich tadellos benommen – es war wohl ein einmaliger Ausbruch seiner Gangart).

Zum Dank hat er uns eingeladen, uns den Abend anzugucken. Für mich ist es das erste Mal, Eltern sind normalerweise nicht willkommen. Für Y. ist es eine Rückkehr an die Schule, an der und seine Eltern und Geschwister, Onkel, Tanten, Kusinen und Vettern, Nichten und Neffen alle gelernt haben. Bei dem Schulfest heute trafen wir natürlich wieder die vielen alten Schulkameraden, von denen einer Y. richtig um den Hals fiel und brummte, “Mensch, der Weg durch die alte Schule… da kennt man doch jeden Stein…. eyze nostalgia… welche Nostalgie…”

Wohnheim für Schüler – das Wandgemälde zeigt Araber und Jude als Freunde (an der Schule lernen auch arabische Schüler, ebenso wie geistig Behinderte, Neueinwanderer und “Städter”)

Das sind immer komische Situationen für mich. Im Kibbuz bin ich ja inzwischen selbst längst zuhause, aber die Schule kenne ich nur aus Elternperspektive, und die Pnimia gar nicht – während es für Y. ein Teil seiner Biographie ist, und zwar viel wichtiger als das Elternhaus. Er war immer entweder in der Schule oder in der Pnimia oder bei der Arbeit. Elternzeit war einmal die Woche, dienstagabends. Ich erinnere mich noch an die Zeit, als mein Schwager Schüler war und wir diesen Abend immer zusammen verbracht haben… In der Pnimia, fühle ich mich wie eine Zuschauerin.

Namen ehemaliger Schüler, die verstorben oder gefallen sind – die Schule gehört zu den drei Schulen in Israel, die den höchsten Prozentsatz von Freiwilligen für die riskanten kämpfenden und Elite-Einheiten stellen

Ich freue mich aber auf heute abend. (Die Bilder von der Schule sind zwar schon fast zwei Jahre alt, aber da sieht es immer noch so aus – und wird wohl auch so bleiben.)