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Musik, Arkadi Duchin Februar 3, 2008, 19:34

Posted by Lila in Land und Leute.
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Ein bißchen israelische Musik.

von Arkadi Duchin. Eines seiner neueren Lieder. Der Text, von Youtube übernommen:

I allow myself
With a little free imagination,
The two of us together
You and me.
But youre not with me
Its only in my mind,
The two of us together
You and me.

Flowing to the wind,
Beyond the mountains,
Growing into darkness,
Swoon of senses.
Flying to the moon, to the stars,
We’ll put the milky way in our pocket.

I allow myself
With a little free imagination,
The two of us together
You and me.
But youre not with me
Its only in my mind,
The two of us together
Free Imagination.

Taking off into the horizon,
And disappearing,
Stepping down to the gushing water,
Laughing to the sun, and the Clouds.
Coming late at night, breaking the record.
I allow myself..

I allow myself,
with a little free imagination,
the two of us together
you and me.
But youre not with me
Its only in my mind,
The two of us together
Free imagination,
You and me. 

Ein alter Hit:

Ich versteh den Clip auch nicht, da hat einfach jemand Bilder zusammengeklebt, aber das Lied ist schön. Cheder mi-sheli, ein Zimmer für mich.

Es gefällt mir, daß Arkadi Duchin seinen russischen Namen nicht hebraisiert hat. Ich kenne einen ehemaligen Arkadi, der heute Avi heißt und für den sein alter Name tatsächlich ein Arkadien geworden ist.

Zank und Streit Februar 3, 2008, 11:48

Posted by Lila in Presseschau.
31 comments

mag ich nicht. Trotzdem begebe ich mich flugs ins nächste Getümmel, wenn ich zugebe: das Kinderbuch vom Ferkelchen, das nach Gott sucht und ihn nicht findet, gefällt mir nicht wirklich.

Ich weiß nicht, wie ich auf diese Nachricht überhaupt gestoßen bin - aber schon eine Weile scheine ich überall auf Ferkelmeldungen zu stoßen. Hier eine positive Besprechung, und per Google stößt man eigentlich fast nur auf positive Besprechungen und Empörung über “Supermutters” Zensur. Bei Amazon stößt es auf größte Begeisterung und Zustimmung.

Der Inhalt:

Das Buch erzählt die Geschichte des kleinen Ferkels und des kleinen Igels, die stets „großen Heidenspaß” hatten. Doch dann entdecken sie eines Tages ein Plakat, auf dem geschrieben steht: „Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!” Darüber erschrecken die beiden sehr, denn sie hatten ja gar nicht geahnt, dass ihnen etwas fehlte. Also machen sie sich auf den Weg, um „Gott” zu suchen.

Über die Abenteuer, die unsere beiden Helden später auf dem „Tempelberg” erleben, sei an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Nur soviel: Rabbi, Bischof und Mufti erscheinen, obgleich sie sich in den Haaren liegen, als gleichermaßen verrückt, wie Ferkel und Igel nach überstandener Suche im Irrgarten der Religionen einhellig feststellen. „Und die Moral von der Geschicht’: Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht!”

Und dann ein Strauß der beliebtesten Superlative:

Das von Helge Nyncke liebevoll illustrierte Buch ist nicht nur witzig, charmant und gescheit, es ist - auch wenn man mit Superlativen dieser Art sparsam umgehen sollte - das frechste Kinderbuch aller Zeiten! Denn so etwas hat es bislang noch nicht gegeben: Ein Bilderbuch, das die Religionskritik unverhohlen in die Kinderzimmer bringt, das (religiöses) Judentum, Christentum, Islam schon für Grundschüler verständlich als Wahnsysteme entlarvt!

Witzig, charmant, gescheit, das muß ich mir doch angucken. Es läuft auch schon eine Aktion, das gefährdete Ferkel zu retten, das interessiert mich. Die Versuche, Winnie the Poohs Ferkelchen vor seinen Verächtern zu retten, habe ich ja schon öfter erwähnt. Also, was ist das für eine Hysterie?

Doch je länger ich mir das Buch angucke, desto unwohler wird mir. Nein, ich würe es nicht auf den Index setzen, schließlich kann sich jeder selbst entscheiden, ob er ein Buch kauft, und es gibt genügend Leute, die jubeln und sagen: DAS Buch hat gefehlt! genauso denke ich, und jetzt kann ich es meinen Kindern vermitteln! Jedem das Seine. Von Indexen halte ich nicht viel.
Mir gefällt es aber trotzdem nicht. Aus mehreren Gründen.

Ich halte es für unernst, die Suche nach Gott und die Kritik an Weltreligionen zu vermischen. Auch Anhängern dieser Religionen ist bekannt, daß wir Menschen schwach sind und religiöse Strukturen von Menschen geschaffen sind. Weswegen es innerhalb jeder organisierten Religion immer wieder Protest, Erneuerung, Kritik und Aufruhr gegeben hat. Teilweise ist der erstickt worden, teilweise vereinnahmt, teilweise auch integriert und angenommen.

Keine Religion, die nicht mehrmals reformiert und erneuert worden ist, keine Religion, in der nicht bei näherem Hinsehen Risse, Widersprüche, ehrliches Bemühen um Bewahrung des ursprünglichen Funkens und gegen die Ermüdungserscheinungen der Tradition sichtbar werden. Und allzu viele Religionen, die in den Krieg ziehen, die ihre Nachbarn als Ketzer schlachten, die ihre Anhänger ausnutzen oder unterdrücken oder einschüchtern.

Das ist aber kein Thema für ein “witziges, charmantes, freches” Kinderbuch. Das ist zu kompliziert, man kann es nicht plakativ und schlicht abtun, man müßte sich dafür mit zu vielen Fragen auseinandersetzen, auf die es keine Antwort gibt. Das wäre ein Thema für ein anspruchsvolles, komplexes, intelligentes Kinderbuch.

Also machen es sich die Kinderbuchleute einfacher, Kinder verstehen ja sowieso nur einfache Sachen!, und entwerfen drei Karikaturen: den fanatischen Rabbi, den verblödeten Bischof und einen Mufti. (Hier, klick auf Das Buch.)

bischof.jpg

rabbib.jpg

Alle drei kommen schlecht weg. Das Ferkelchen entlarvt ihren Wahn und wendet sich schließlich enttäuscht ab - Gott hat es nicht gefunden. Da das von Anfang an die Absicht seiner Schöpfer war, sollte es einen nicht wundern. Es wundert mich aber doch.

Nicht als ob ich Kinder religiös indoktrinieren wollte - genau das Gegenteil. Aber die Fairneß gebietet es doch, daran zu erinnern, daß der Weg zu Gott nicht unbedingt über einen Aufnahmeantrag bei einer organisierten Religion führt. Es gibt genügend Menschen, die ihren Weg zu Gott anders, individuell gefunden haben - auf eine Art, die nicht zu karikieren oder zu verspotten ist. Als Spüren einer tröstenden Gegenwart, als Staunen über die Schönheit und Unbegreiflichkeit der Welt, als Metapher für einen ethischen Kompaß, als Identifikation mit einer Tradition, die einem von Kind auf Zuhause bedeutet oder die man sich ehrlich erkämpft hat, wie auch immer.

Des weiteren wäre die Aufgabe schon schwieriger, nicht nur Karikaturen von Bischof, Rabbi oder Mufti zu zeigen, sondern Menschen, die ihren Glauben glaubwürdig leben. Ich kenne genügend Angehörige aller möglichen Religionen, die das jeden Tag tun. Es würde aber schwerfallen, einen frommen Katholiken bei der Messe, einen gläubigen Protestanten bei der Bibelstunde, einen gläubigen Moslem beim mitten in der Arbeit verrichteten Gebet oder eine gläubige jüdische Familie beim Kerzenanzünden am Shabat zu zeigen - als Karikatur. Denn hinter den verbohrten, abschreckenden Karikaturen verstecken sich nicht nur problematische Auseinandersetzungen um die Wahrheit, sondern auch Menschen, denen ihre Religion wichtig und teuer ist. Ich kann darüber nicht lachen.

Ich möchte auch nicht, daß meine Kinder darüber lachen. Ich möchte nicht, daß sie über Heiden lachen, über Hindus, Shintoisten, Pantheisten oder Atheisten. Ebensowenig wie über Mufti, Bischof oder Rabbi.

Das überrascht mich eigentlich selbst, denn bei den Karikaturen in der Jyllands-Posten bin ich vehement für das Recht eingetreten, auch respektlose Witze über Religionsvertreter zu machen. Ich fand keine der Karikaturen (die noch dazu auf die Verwurstung des Propheten durch Terroristen abzielte und somit eigentlich gegen-Terror-eingestellten Moslems aus dem Herzen gesprochen sein mußten) besonders witzig, also keine so lustig wie “der Papst treibt ab“, über die ich immer noch kichern kann.

Trotzdem. Es besteht ein Unterschied zwischen der Karikaturecke einer Zeitung, die Tag für Tag und jeden Tag wieder neu aufspießt, was gerade im Gespräch ist, für Erwachsene, die die Hintergründe kennen und eine Meinung haben - und einem Buch für Kinder.

Ein Kinderbuch liest man immer wieder vor. Man liest es auf dem Bett vor, das frisch gebadete Kind im Arm, mit der hoffnungsvollen Aussicht auf eine ruhige Nacht. Ich persönlich habe noch nie eine Vorliebe für süßliche Kinderbücher (”Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab” - nie gemocht) oder für brutal-moralische (”Der Regenbogenfisch“, der erst häßlich werden muß, damit seine Neider ihn nicht mehr mobben - nie gemocht) oder allzu putzige (damit sind ganz viele zart Aquarell getuschte Bücher außen vor). Ich bin, was Kinderbücher angeht, einfach unheimlich pingelig. Vermutlich werde ich mal ins Kinderzimmer ziehen müssen, mich vor den vollen Bücherschrank setzen und eine Weiße Liste von Lila-approbierten Kinderbüchern schreiben müssen. Tatsächlich, ich mag nicht alles, was da steht.

Und das vorlaute Ferkel würde ich da gar nicht erst reinstellen. Die Formel “wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht”, können wir ja auch mal abwandeln. “Wer Mathe nicht kennt, der braucht sie nicht”. “Wer gute Bücher nicht kennt, der braucht sie nicht”. “Wer Musik nicht kennt, der braucht sie nicht”. “Wer Kenntnisse über die Welt außerhalb vom Dorf nicht kennt, der braucht sie nicht”. Klingt doch keck, charmant und rebellisch, nicht wahr? Wofür überhaupt sich bemühen, etwas zu verstehen - wo man doch gleich urteilen kann? Husch husch - und da springt alles über die Klinge, was wir nicht kennen. Was das Ferkel nicht kennt, das braucht es auch nicht. Genau, was ich meinen Kindern beibringen wil, nicht wahr?

Ich habe genug von Werbesendungen und Filmen, in denen Kinder sich über ihre Eltern erhaben fühlen und sie zurechtweisen. Ich habe genug von Jugendlichen, die ihre entwicklungsbedingte Arroganz für tatsächliche Überlegenheit halten, und noch nicht wissen, daß man mit zunehmendem Alter nur bescheidener wird. Ich habe nichts übrig für Leute, die den Glauben anderer mit ein paar zynischen Karikaturen abtun, als wären sie die einzig Vernünftigen in einem Meer des Irrsinns.

Dabei fällt mir ein ehemaliger Lehrer ein, Atheist der aggressiven Sorte, dem es unglaublichen Spaß machte, die Studenten zu provozieren. Er spottete über Christentum, Judentum und Islam, bis die gläubigen Studenten auf die Barrikaden gingen, und hatte daran Freude. Er hatte gute Argumente, hebelte die hilflosen “aber das können Sie doch nicht so sagen…” stammelnden Erstsemester aus und hatte die Lacher auf seiner Seite.

In der letzten Stunde kamen wir irgendwie auf alternative Heilmethoden zu sprechen. Da stellte sich heraus, daß er regelmäßige Darmspülungen für unabdingbar hält und uns mit feurigen Worten erklärte, wie man sich ernähren muß und so weiter. Als einer von uns ein spöttisches Wort fallen ließ, sahen wir diesen coolen Lehrer ernst werden. Da war für ihn der Spaß vorbei. Das war sein Götze, sein Glaube, sein Halt in der entleerten Welt. Tatsächlich, für ihn war das wie ein Religionsersatz. Er geriet in heiliges Feuer, als er zu uns sprach.
Ich habe diesen Mann nicht erfunden, ich hab von ihm eine glatte 100 bekommen und mochte ihn sogar gern. Aber in dieser Sekunde, als sein Gesicht so redlich empört wurde wie die Gesichter seiner gläubigen Studenten ein ganzes Semester lang, hat er mich mehr gelehrt als in allen Stunden zuvor.

Wir Menschen sind schwach. Wir bauen Tempel, wir lehnen uns an Mauern, wir suchen Dinge, an die wir glauben können. Keiner sollte über den anderen lachen, wenn er seine Schwäche erkennt. Hätten diese Kinderbuch-Autoren genauso fröhlich über einen sandmalenden Navajo, einen Balinesen im Tempel oder einen räuchernden Neo-Paganen spotten wollen? Ich bezweifle es. Sie haben sich leichtere Opfer gesucht. Die drei großen Weltreligionen sind dafür wegen ihres monotheistischen Anspruchs der alleinigen Wahrheit gute Zielscheiben.

Gleichzeitig kann man sich den Beifall der Eltern sichern, weil man ja so erfrischend “politisch inkorrekt” ist. Wo der Mufti und der Bischof veralbert werden, darf der Rabbi sich nicht beschweren. Wo der Rabbi und der Bischof auf die Schippe genommen werden, darf auch der Mufti sich nicht beschweren. Und wann hätten sich Christen letzthin über Veralberung beschwert? Sie treiben sie ja selbst voran, mit New-Age-Ritualen beim Kirchentag. Wer wollte da kleinlich sein und Spielverderber?
Übrigens haben die Schreiber sich gleich gegen jede Art der Kritik verwahrt, falls es solche Muffel doch geben sollte.

Mit heftigen Reaktionen auf das Buch ist zu rechnen. So werden sich tiefgläubige Muslime wohl schon allein darüber erzürnen, dass hier ausgerechnet ein kleines Ferkel in einer Moschee auftaucht. So sympathisch Nyncke das Ferkelchen auch gezeichnet hat, bei derartigen „Schweinereien” verstehen muslimische Fanatiker gar keinen Spaß. „Verletzte religiöse Gefühle” auch bei religiösen Juden und gläubigen Christen sind bei der Anlage des Buches vorprogrammiert. Das nehmen die Autoren aber in Kauf.

„Wer Aufklärung betreibt, also Klartext redet, statt die Dinge hermeneutisch zu vernebeln, der verletzt nun einmal religiöse Gefühle!”, sagt Schmidt-Salomon. Soll man darauf nicht Rücksicht nehmen? „Nein”, meint der Autor: „Denn was, bitteschön, sind ‚verletzte religiöse Gefühle’, wenn man sie bei Licht betrachtet? Nichts weiter als ein Konglomerat aus Angst vor dem eigenen Glaubensverlust, gekränktem Stolz und Rachegelüsten gegenüber den vermeintlichen Lästerern! Das ist kaum schützenswert! Im Gegenteil! Wer auf ‚religiöse Gefühle’ Rücksicht nimmt, der stellt damit weltanschauliche Borniertheit unter ‚Denk-mal-Schutz’. Und das wäre auf Dauer fatal.”

Da habe ich also mein Fett weg. Mir gefällt das Buch nicht, ich bin also borniert, beleidigt, ängstlich und rachelüstern. Harter Toback für Kritik an einem Kinderbuch, würde ich sagen…

Dennoch. Ich glaube, Aufklärung ist anders gemeint. Wenn ich Aufklärung will, wende ich mich nach wie vor an Mendelssohn oder Lessing. Ein schönes Kinderbuch über deren Freundschaft und den schwierigen Weg zwischen Vernunft und Glauben - das wär doch mal was.

So, und jetzt zieh ich mir die Kapuze über und warte auf die herabprasselnden Kritiken meiner Kritik…