Nota bene Februar 29, 2008, 23:20
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Ich kann ja meckern - aber auch anmerken, wenn etwas korrekt dargestellt ist.
Natürlich war Matan Vilnais Drohung mit einer shoah für die Palästinenser eine ebenso geschmacklose wie idiotische Entgleisung, so idiotisch, daß einem eigentlich die Worte fehlen.
“The more Qassam fire intensifies and the rockets reach a longer range, [the Palestinians] will bring upon themselves a bigger shoah because we will use all our might to defend ourselves,” Vilnai told Army Radio on Friday.
Ich meine, wir haben wirklich genug von Politikern, die wie Löwen ins Megaphon röhren, um dann als Bettvorleger entsorgt zu werden - Amir Peretz´größenwahnsinniger Spruch, daß sich Nasrallah noch an seinen Namen erinnern wird, ist in unheilvoller Erinnerung. (Gewiß wird Nasrallah Peretz nicht vergessen - ich kann mir das Grinsen ausmalen, das sich bei der Nennung des Namens auf seinem Gesicht ausbreitet!)
Kurz, man soll überhaupt nicht drohen. Jeder weiß, daß Drohung und Bestechung keine wirkungsvollen Methoden sind - ob in der Kleinkinderziehung oder der Politik.
Dann soll man nicht mit Sachen drohen, die außerhalb jeder Proportion stehen. Nein, obwohl die ganze Welt Israel Völkermord und Holocaust vorwirft, braucht man nicht ins selbe Horn zu tröten und mit Holocaust zu drohen. Es hat nämlich niemand vor, hier Vernichtungslager einzurichten und die Palästinenser industriell zu auszurotten mit Ahne, Großmutter, Mutter und Kind.
Das einzige, was Israel gern möchte, ist, die Herstellung und den Abschuß von Qassamraketen zu unterbinden - ein legitimes Unterfangen, das bisher nicht mit echtem Schwung in Angriff genommen wurde, um Zivilisten zu schonen, hinter denen sich die Qassambastler bekanntlich verstecken.

Qassams, aus Wohnvierteln gefeuert
Ich habe mich ja auch geärgert, als bei der Räumung des Gazastreifens eine ganze Familie den Holocaust nachspielte, mit Judenstern und erhobenen Händen aus ihrem Haus ging, die Kinder schreiend und weinend, als würden sie nun tatsächlich an die Wand gestellt. Diese Instrumentalisierung ist einfach ekelhaft, ich kann sie von keiner Seite her goutieren. Vilnai muß ja einen kompletten Riß in einem wichtigen Teil der Cortex haben, das Wort zu benutzen.
Natürlich bedeutet shoah ganz allgemein Katastrophe und Untergang, laut Wörterbuch, und der Holocaust wird als ha-shoah, also DIE Katastrophe, bezeichnet. Es gibt schon mal Leute, denen das Wort leichtfertig aus dem Mund plumpst, ich habe es in meinen 20 Jahren hier schon ein paarmal gehört. “Welch eine shoah“, nach entsetzlichen Unglücken. Aber es ist kein allgemein gebräuchliches Wort. Wenn Vilnai jetzt meint, er hat es in diesem allgemeinen Sinn gebraucht, glaube ich ihm sogar - es zeigt nur, was für ein Idiot er ist.
Natürlich reagiert die Hamas mit Inbrunst - wer die Shoah begeht, ist auch ein Nazi, nicht wahr? Das haben sie ja immer schon gesagt.
Hamas official Sami Abu Zuhri said of Vilnai’s comments: “We are facing new Nazis who want to kill and burn the Palestinian people.
Für einen Sport-Minister ein ganz schön fettes Eigentor.
Aber: der SPon, sonst vielgeschmäht für Huschigkeit und ungenaue Berichterstattung, hat wohl extra nachgefragt.
Vilnai sagte dem israelischen Armeerundfunk, dass die fundamental-islamistische Hamas-Organisation mit ihren Raketenangriffen den Palästinensern im Gaza-Streifen eine große Katastrophe bringen werde. Auf Hebräisch benutzte er dabei das Wort “Shoah” - aber ohne den bestimmten Artikel, was übersetzt eben “Katastrophe, Untergang, Desaster” bedeutet. Mit bestimmtem Artikel meint es “die “Shoah”, also den Holocaust. Zunächst hatten mehrere Agenturen vom Holocaust gesprochen.
Gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärte Vilnais Sprecher Eitan Ginzburg: “Der Minister hat den Begriff Holocaust im Sinne von Genozid weder verwendet noch intendiert.” Vielmehr sei gemeint, dass sich jemand ins eigene Unglück stürze.
Das finde ich bemerkenswert und ich anerkenne es, daß die Darstellung nicht einfach reißerisch war, “nun droht den Palästinensern der Holocaust!”. Aber es macht die Sache an sich nicht besser. Wenn ein Minister des Staats Israel sich soweit vergißt, ein Wort so unangemessen zu benutzen, dann gehört ihm der Stuhl vor die Tür gestellt.
איזה אפס … was für eine Null. Rundherum.
Ein Arzt vom Krankenhaus Ashkelon erzählt Februar 29, 2008, 1:14
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Mit diesem Fundstück aus Youtube - gute Nacht.
Aufrüstung Februar 28, 2008, 23:14
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Die Palästinenser setzen mehr und mehr Grad-Raketen ein. Gestern das Krankenhaus in Ashkelon, heute eine Schule. Ganz häßliche Dinger, Grads. 12 bis 15 km Reichweite. Hier ein bißchen mehr zu den Wafffen, mit denen die Leute im Süden beschossen werden.
Und eine Karte, die ganz gut zeigt, wie schmal das Land eigentlich ist:

(Was ich damit eigentlich sagen wollte: man male sich bitte selbst aus, wie viel von Israel noch raketenfrei bleibt, wenn sie auch in der Westbank ungestört ihrem Waffen-Hobby frönen dürfen, unsere treuherzigen Nachbarn.)
Kleine Beobachtung Februar 28, 2008, 22:50
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Heute saß ich in der Lobby des Hauptgebäudes der Uni Haifa und wartete auf jemanden. Ich hatte Zeit, mich umzugucken. Im Auditorium fand heute eine interessante Konferenz statt, leider hab ich sie verpaßt - abgehalten von der erziehungswissenschaftlichen Fakultät, Thema: mehrsprachige Erziehung. Das ist in Israel ja ein vielschichtiges Thema, es gibt viele Familien, die zwei oder mehrere Sprachen sprechen.
Ich sah gegen Ende der Konferenz die Leute herausströmen. Viele Frauen, etwa zwei Drittel Frauen, ein Drittel Männer. Juden, Araber, einige durch Kipa oder Kopftuch eindeutig erkennbar, einige nicht so einfach zuzuordnen. Arabisch und hebräisch durcheinander, alle noch im Schwung der Diskussion. Ich kriegte mit, daß besonders viele Lehrer, die Sprachen unterrichten, gekommen waren - und ich saß für kurze Zeit wie eine Insel in einem Meer von angeregt diskutierenden Grüppchen. Ein paar ließen sich um mich herum nieder, andere zogen weiter.
Ich dachte mir, das glaubt mir keiner in Deutschland. Daß hier arabische und jüdische Akademiker und Studierende und Lehrer zusammenstehen und sachlich und angeregt diskutieren. Die multikulturelle Idee, die in ihrer Naivität lachhaft geworden ist, lebt an einer Einrichtung wie der Uni Haifa ganz selbstverständlich, nicht unreflektiert oder theoretisch oder eben naiv, sondern faktenorientiert - und vor allem zum gegenseitigen Nutzen.
Es geht, es klappt - man braucht die richtigen Bedingungen und Leute, die willig sind. Und in unserer Gegend ist nichts Außergewöhnliches dabei. Gerade darum wollte ich es festhalten. Auch das ist Israel, nicht nur Krieg, Bedrohung und inneren Spannung.
Unser Gärtner Februar 28, 2008, 22:13
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Ich habe schon mal von meiner Freundin hier im Kibbuz erzählt, die mit den Drillingen und Zwillingen. Die Zwillinge, zwei Jungens, an die ich mich noch als Babies im Wagen erinnere, sind jetzt Soldaten. Die Drillinge, drei besonders nette Mädchen, sind gute Freundinnen von Secundus seit dem Babyhaus. Wir waren damals zusammen im Krankenhaus und durch die Jahre des gemeinsamen Kinder-Aufziehens sind wir eng verbandelt. Sie ist eine Nette, Patente, Energische. (Secundus wollte als kleiner Junge ihre Secunda heiraten, keine schlechte Idee.)
Ihr Mann steht mir weniger nah; er hat Gartenbau studiert und arbeitet hier im Garten-Team, dem wir unseren schönen, grünen, gepflegten Kibbuz verdanken. Alle paar Wochen kommt er auf seinem Rasenmäher angefahren und schneidet unseren Rasen. Normalerweise vormittags, wenn wir nicht da sind.
Heute kam Y. überraschend nach Hause und sah den Gärtner auf seiner Mähmaschine sitzen, in einer stillen Ecke unseres Gartens, der ja sehr abgelegen ist. Er kam näher und sah, daß der Gärtner seine Ohrenschützer abgenommen hatte und weinte. Es spricht für Y., daß er trotz männlicher Scheu vor Gefühlsausbrüchen zu ihm ging und ihm einfach zuhörte.
Die alte Mutter des Gärtners, die wir ja auch schon lange kennen, lebt in Kibbuz Nir Am. “Den ganzen Tag fallen die Qassams, meine Mutter hat keinen Bunker in der Nähe, keine verstärkten Wände oder Decken, sie sitzt in ihrem Häuschen und erschrickt bei jedem Krach furchtbar. Sie will aber nicht weg, sie will zuhause bleiben, sie ist schon alt und findet sich nur zuhause gut zurecht. Die Jungens sind bei der Armee. Ich mach mir den ganzen Tag nur Sorgen und schlafe nachts nicht. Dauernd bin ich am Telefon, wo sind die Jungens, wo ist Mutter. Manchmal hält man das nicht aus.”
Y. erzählte mir das, als ich wiederkam, und ich will es hier einfach mal weitergeben.
Eine Idee Februar 28, 2008, 14:23
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von David Bogner. Lesenswert.
David macht sich Gedanken darüber, was eine asymmetrische Kriegsführung ausmacht. Wir sind nämlich mit Hamas, Hisbollah, Islamischer Djihad und all den anderen Gruppen tatsächlich im Kriegszustand. Da diese Terrorgruppen die Genfer Konvention nicht unterzeichnet haben, brauchen sie sich auch nicht daran zu halten. Da sie das Image des wehrlosen Underdog genießen, denkt auch niemand daran, das von ihnen zu verlangen. Und da Israel sich von der sinnlosen Sorge geplagt sieht, sich vor (sowieso eintreffenden) internationalen Verurteilungen zu schützen, gesteht es sich nicht ein, im Krieg zu leben. Sondern schnappt nach jeder noch so leeren Geste, die so etwas wie einen “Friedensprozess” ankündigen könnte.
Das heißt, die Lage ist asymmetrisch. Die eine Seite hat alle Mittel, darf sie aber nicht einsetzen. Die andere Seite macht skrupellosen Gebrauch ihrer begrenzten Mittel, hinter sich ein weites internationales Hinterland (arabische Staaten, moslemische Staaten, Europa).
Das ist Davids Analyse der Situation. Und hier ist sein Vorschlag:
Here’s what I propose:
Rather than negotiating ‘final status agreements’, borders, or the so-called right of return we should, for the time being, take ‘peace negotiations’ off the table.
Once the seductive distraction of peace is out of the way we must begin by sending negotiating teams to meet with each of the groups who are currently in an active state of belligerence against us. Each Israeli team should bring unsigned copies of the Geneva Convention, all current agreements on prisoner treatment and protection of medical vehicles/facilities and the inviolate nature of civilian populations.
In addition, the Israeli negotiating teams should bring pictures and diagrams clearly showing all current IDF uniforms and insignias. They should provide photos of military and civilian ambulances as well as maps showing the location of vital humanitarian infrastructure facilities that provide water and electricity to civilians and hospitals.
Once all of these documents are spread out on the conference table, the Hezbollah, Hamas, Islamic Jihad, Al Aksa Martyrs Brigade, PFLP, (et al) representatives will be invited to sign each and every convention, agreeing to treat POWs humanely and to allow Red Cross access to all prisoners… to outfit combatants in recognized uniforms and insignia… to exclude civilians from attacks… to refrain from placing military infrastructure in or near civilian centers… and to insure that humanitarian facilities remain outside the scope of hostilities.
If they balk at agreeing to any of these most basic terms of warfare, our negotiating teams should be instructed to gather up their papers, photos and drawings and to leave behind only Israel’s unambiguous declaration of our intent to carry out unrestricted warfare until an unconditional surrender agreement is duly signed.
Let the international community go ahead and wring their hands and gnash their teeth at this rude departure from chivalry. Sooner or later they will have to come to terms with the fact that Israel’s current war is the test run for the wars they will each have to fight in the years to come. They will need to finally understand that when no quarter is offered by an enemy, none can be given in return.
Simply put, we must prove beyond even the smallest doubt that it is entirely within our power to deprive these vicious insurgencies the unfair advantage they’ve enjoyed from the asymmetrical warfare model. To do this, we must demonstrate in word and deed that the heavy shackles of humane / civilized behavior must either be worn by all parties in a conflict… or by none.
Das ist noch nicht probiert worden, und ich bezweifle, daß wir es tun können. Weil wir es nicht in uns haben, mit den schmutzigen Waffen der Terrororganisationen zu kämpfen. Aber als Gedankenspiel - interessant und aufschlußreich. Denn wir sind tatsächlich im Krieg, seit Jahrzehnten, und dieser Krieg ist bisher völlig unabhängig davon, was Israel tut oder nicht tun, weitergegangen.
Auch wenn Leute wie Saeb Erekat auf Englisch immer gern vom durch Israel vermasselten Peace Process lallen, während seine Kumpel uns mit Raketen beschießen und den 1948 verlorenen Krieg mit immer neuen Mitteln weiterführen - Vielleicht müssen wir wirklich diese Kriegserklärung annehmen, laut und deutlich.
Ich bin mal gespannt auf die Kommentare zu Davids Eintrag.
Preisfrage Februar 28, 2008, 11:15
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.9 comments
Was kommt in diesem Artikel NICHT vor?
Richtig, der Tote von gestern. Richtig, die Verletzten. Richtig, die verletzten Kinder. Richtig, die Grad-Katyusha auf dem Heli-Landeplatz des Krankenhauses von Ashkelon. (Genau die Stadt Ashkelon, die die Elektrizität für Gaza erzeugt.)
Außerdem die Kleinigkeit der zeitlichen Abfolge: daß zuerst die 50 Raketen an einem Nachmittag auf den westlichen Negav fielen und dann erst Israel leerstehende Verwaltungsgebäude im Gazastreifen beschoß.
Die israelische Luftwaffe hat gestern Abend eine Serie von Angriffen gegen die radikalislamische Hamas in Gaza geflogen. Ziele seien der leere Regierungssitz des abgesetzten palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija, das Hamas-Innenministerium und andere Einrichtungen der Organisation gewesen, teilte eine Sprecherin des israelischen Militärs mit.
Ein Angriffsziel sei auch eine Metallwerkstatt gewesen, in der nach israelischer Darstellung Kassam-Raketen gefertigt wurden. Nach palästinensischen Angaben wurden etwa 25 Anwohner und zwei Sicherheitsleute der Hamas verletzt.
Palästinensische Extremisten beschossen ihrerseits die israelische Stadt Sderot mit rund 50 selbst gebauten Kassam-Raketen.
Klingt das nicht, als wären diese Raketen eine Reaktion, vielleicht sogar eine verständliche…?, auf den israelischen Beschuß gewesen? Oder woher kommt das Wort ihrerseits?
Und zu den Toten auf der palästinensischen Seite:
Krankenhausmitarbeiter teilten mit, ein sechs Monate altes Baby sei bei den Attacken getötet worden. Auch seien ein Mitglied der Brigaden der Märtyrer von El Kassam sowie zwei Anhänger der palästinensischen Volkswiderstandskomitees ums Leben gekommen. Mitglieder der radikalislamischen Hamas, die den Gaza-Streifen kontrolliert, reagierten den Augenzeugen zufolge mit Maschinengewehrfeuer.
Kann es nicht sein, daß die Zivilisten durch das Maschinengewehrfeuer zu Schaden gekommen sind? Es wäre nicht das erste Mal. Und wieso halten sich Kinder in der Nähe von Qassam-Abschußrampen auf? Kann es sein, daß die Qassam-Banden sich wieder einmal bewohnte Gegenden aussuchen, ihre Abschußrampen sind schließlich mobil. Den Kindern wird das Märtyrertum schmackhaft gemacht, während Haniyya und Konsorten sich in Deckung bringen. Grandiose Strategie - schickt Kinder und Babies vor, die Welt wird Israel verurteilen, und die Schuldigen bleiben am Leben.
Ich bin inzwischen extrem mißtrauisch allen palästinensischen Berichten gegenüber, sie haben schon oft genug mit einer Keckheit gelogen, die nur von der Tumbheit der Medien übertroffen wird, die diese Lügen schlucken wie Eiswasser an einem heißen Tag. (Ein eklatantes Beispiel gibt Aussie Dave.)
Aber bei solchen Berichten ist es kein Wunder, daß sich das Bild vom israelischen Wüterich festgesetzt hat. Was können wir dagegen tun? Vermutlich nichts.
Leider lesen nicht alle Menschen Haaretz, wo ein genauer Bericht zu finden ist.
The fourth strike occurred several hours later near Beit Hanun in the northern Strip. The IDF Spokesperson said the strike targeted units launching Qassam rockets. Palestinian sources say the casualties were children aged 10, 12, and 14.
“If this claim is true, it’s a good reason to ask what these children were doing in Qassam launching areas,” an army official said. “We have seen in the past how terrorists use children to pick up launchers that were used to fire rockets into Israel.”
Manchmal kann man schon verzweifeln, wenn man sieht, wie die Karten immer so gelegt werden, daß wir den Schwarzen Peter haben. An einem Tag wie gestern gehört dazu schon eine ganze Portion Realitätsverleugnung. Verblendung oder böser Wille?
Wer es ertragen kann, Februar 26, 2008, 22:36
Posted by Lila in Land und Leute.12 comments
der sehe sich diesen Video an. Zwei Geschwister aus Sderot, Yossi und Maria, gehen über die Straße. Alarm, “Rote Farbe”, eine Qassamrakete fällt neben ihnen. Yossis Schulter ist schwer verletzt, die Kinder retten sich in einen Laden, der sofort Magen David Adom rief. Eine albtraumhafte Minute, in der die Kinder sich nicht beruhigen lassen, bis ihre Mutter eintrifft.
Heute abend wurden die Kinder in den Nachrichten gezeigt - Yossis Arm konnte gerettet werden. Maria, die kleine Schwester, erklärte ihrem Vater, daß sie nicht mehr in Sderot leben will, “du bist der einzige, aber Yossi und Mama und ich, wir wollen da nicht wieder hin!”
Seit sieben Jahren geht das im westlichen Negev so. Tagtäglich. Wieviel haben die Medien außerhalb von Israel darüber berichtet? und bei welchen Gelegenheiten? Die Antwort ist bekannt: nur, wenn Israel reagiert. Dann wird von “Israels Vergeltung” lang und breit berichtet, und im letzten Absatz dann erwähnt, daß die Palästinenser mit selbstgebastelten Raketchen ballern, eigentlich nur eine symbolische Protestaktion, nicht wahr.
Aber sagt mir mal, wieso müssen israelische Kinder so groß werden? Und niemand nimmt es ernst? Sie sind traumatisiert. Sie sind im Krieg großgeworden. Auch ohne Untertitel geht das aus dem Video eindeutig hervor.
Die palästinensischen Flüchtlinge, 1961 Februar 26, 2008, 14:48
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau, Uncategorized.22 comments
Ich verdanke den Hinweis auf diese mehr als spannende Lektüre wieder einmal David, der sich wiederum bei Yaeli für den Hinweis bedankt.
1961 fuhr Martha Gellhorn, Reiseschriftstellerin und als Hemingways Frau bekannt und in seinem Schatten, in den Nahen Osten, um sich die palästinensischen Flüchtlingslager anzusehen und die Flüchtlinge als Menschen kennenzulernen und zu verstehen. Wohlgemerkt 1961: drei Jahre vor Gründung der PLO, und sechs Jahre vor dem Sechstagekrieg, vor der vielgeschmähten Besatzung, vor dem Siedlungsbau und all den anderen Sünden, die Israel gern angelastet werden und die als einzige Friedenshindernisse gesehen werden. Wir haben fast vergessen, wie die Welt damals aussah.
Es tut gut, sich das noch einmal in Erinnerung zu rufen, wie damals eine objektive, von humanitärem Interesse und Ethos getriebene Beobachterin die Flüchtlingsfrage beurteilte. Eine intelligente Zeitreise, mit beklemmenden Aussichten…
Nur ein paar Auschnitte hier, der Text lohnt die Lektüre, und ich werde versuchen, mir die Zeit aus den Rippen zu schneiden, ihn zu übersetzen, denn auf Deutsch habe ich ihn leider nicht gefunden.
Gellhorns Ausgangsfrage:
What do they look like, the undifferentiated mass known as the “Palestinian Refugee Problem”? What do they think, feel, say? What do they want? How do they live, where do they live, what do they do? Who takes care of them? What future can they hope for, in terms of reality, not in terms of slogans, which are meaningless if not actually fatal, as we know.
Gellhorns Ausführungen zu jedem Thema ihres Artikels sind Wort für Wort lesenswert, man könnte sie eigentlich per ctrl-A kopieren. Es fällt schwer, die Rosinen rauszufinden.
Ich kann nur dazu raten, sich den Text gründlichst zu Gemüte zu führen - sowohl den ewigen Israel-Hassern, die jedes Bröckchen palästinensischer Propaganda gutgläubig schlucken, egal wie oft man sie der Lüge überführt hat… als auch den verzweifelnden Israel-Verteidigern, die kaum wissen, wie sie sich durch den Sumpf von Unwissen, Vorurteil, Ressentiment und Besserwisserei kämpfen sollen, der in fast jeder Diskussion über den Nahen Osten sichtbar wird.
Im Sommer fragte mich eine liebe Freundin verzweifelt, “was soll ich nur machen - immer wenn ich dich bei Freunden, Bekannten oder Familie erwähne, kommt immer sofort eine ganze Welle der Verurteilung für Israel - auch von Leuten, bei denen ich es gar nicht erwartet hätte. Ich weiß gar nicht, was ich erwidern soll, wenn alle sagen, Israel hat den Palästinensern das Land gestohlen und sie brutal vertrieben, hält sie wie Tiere gefangen, begeht Völkermord an ihnen… was soll ich da nur sagen?” Ich habe ihr geraten, sie soll gar nichts sagen, sondern nur das Thema wechseln. Sie ist ein zartes Wesen und ich möchte sie nicht in diese Schlammschlacht schicken, nur weil sie das Pech hat, meine Freundin zu sein.
Eigentlich sollte man allen, die mit solcher Vehemenz glauben zu wissen, was im Nahen Osten falsch gelaufen ist, wer allein es verbockt hat und allein davon profitiert und es allein richten kann - denen sollte man diesen Text in die Hand drücken, lang und elegant wie er ist, und sie danach zum Nachdenken ins stille Kämmerlein schicken.
Wie bilden wir unsere Meinungen? Warum glauben wir manche Lügen gern? Warum dringt manche Wahrheit nie durch? Fragen über Fragen…
Ich möchte mit Gellhorns Schlußworten schließen:
The Palestinian refugees could have been absorbed into the economic life of the Arab countries long ago, despite the remark of UNRWA’s Director–in his 1960 report–that jobs do not exist for the refugees in the Arab countries. Of course they do not exist; if they did, the Arab standard of life would be a finer and a better thing than it is now. The jobs must be made; but the Arab countries need to have the jobs done as much as the refugees need to do them. The Director of UNRWA states, in the same report, that the majority of Palestinian refugees are unskilled peasants and there are enough or too many of those in the Arab countries already. No doubt.
But unskilled peasants, all over the world, have learned to become skilled factory workers or scientific farmers, at very short notice; that ability to learn is what makes our modern industrial civilization tick. The Yemenite Jews who moved in a week from the Middle Ages to Israel, the unskilled Polish peasants operating the Nova Huta steel mills are obvious examples of this transformation. Neighboring Arabs regard the Palestinian Arabs as outstandingly intelligent. I would think this reputation deserved. There is no reason to believe that they cannot learn as others have.
According to Arab politicians and apologists, the Palestinian refugees refuse to become integrated in the Arab world; it is Palestine or nothing for them. Everyone shouts for the Palestinian refugees, and at them, and about them, but no one has ever asked the refugees what they themselves want: where do you want to live; what do you want to do? My tiny personal Gallup poll unearthed plenty of refugees who were happy where they were and had no desire to return to Palestine, no matter what; and plenty of refugees who longed to emigrate to the richer Arab countries, where the future looks brighter, or out into the great non-Arab world. Except for one Christian Arab from Jaffa, who thinks Jews more honest than Arab Muslims and better people to do business with, none of them wanted to return to Israel, as Israeli citizens, and dwell in peace with their Jewish neighbors.
We need a secret poll of both sexes, from the age of twelve onward, to discover the refugees’ own wishes for their own lives. The poll would have to be secret because it is impossible, even perilous, for an Arab refugee openly to disclaim interest in Palestine. Such a freethinker would be marked as a traitor to the Arab cause. Man is a political animal, but he also wants to live. Politics have offered a very dry crust to these refugees for a very long time.
Yet the Arab governments insist that the Palestinian refugees are a political problem. Once a year, formally, they brandish these waiting lives at the UN Assembly. The rest of the year, with different degrees of intensity, depending on their domestic politics, they wield these waiting lives to stir up Arab hate at home. The Arab governments say they will not accept the existence of the state of Israel, now or ever. The logical conclusion is that, when ready, they intend to burst from their cold belligerent status into hot armed conflict and terminate Israel’s existence.
We cannot force the Arab nations to make peace with Israel, but we have to prevent them from making actual war for the sake of all human life, their own included. A vital preventive act would be to remove the Palestinian refugees as a justification of war.
The Palestinian refugees are unfortunate victims of a brief moment in history. It is forgotten that Jews are also victims in the same manner, of the same moment. The Arab-Israel war and its continuous aftermath produced a two-way flight of peoples. Nearly half a million Jews, leaving behind everything they owned, escaped from the Arab countries where they lived to start life again as refugees in Israel. Within one generation, if civilization lasts, Palestinian refugees will merge into the Arab nations, because the young will insist on real lives instead of endless waiting. If we can keep the peace, however troubled, the children of Palestinian refugees will make themselves at home among their own kind, in their ancestral lands. For the Jews there is no other ancestral land than Israel.

Martha Gellhorn
Ungewiß Februar 26, 2008, 12:59
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.1 comment so far
Noch immer weiß niemand, wer Mughniyah umgebracht hat, auch wenn die meisten Leute davon ausgehen, daß es Israel war (was ich angesichts der israelischen Verneinung für unwahrscheinlich halte - totale Funkstille hätte mehr auf eine israelische Beteiligung hingewiesen). Doch die Witwe sieht jemand anders als Schuldigen. Falls das in Deutschland keine Meldung wert sein sollte, hier halte ich es trotzdem für interessierte Leser fest: die Witwe beschuldigt die Syrer.
“The Syrian traitors are responsible for his death,” Army Radio quoted Mughniyah’s widow as telling a press conference in Tehran. “Damascus’ refusal to allow Iran to investigate the incident is further proof,” she said.
According to the report, rumors abounded in the months prior to Mughniyah’s death regarding a rift between himself and Hezbollah leader Hassan Nasrallah. The rumors were that Mughniyah was attempting to take over command of the militant organization.
Wie praktisch für Syrien, daß die Untersuchung der ganzen Geschichte fest in syrischer Hand ist. So ist man doch vor unangenehmen Überraschungen sicher - und bewahrt sich die Chance, Racheakte gegen Israel überzeugend zu begründen.
Daumen drücken Februar 24, 2008, 8:29
Posted by Lila in Uncategorized.7 comments
Die Erwartungen sind hoch, vielleicht zu hoch: ein israelischer Film ist für den Oscar nominiert, Beaufort. (Hab schon genug zum Thema gesagt.) Es wäre schön, wenn nach dem deutschen Gewinn dieses Jahr ein weiterer Oscar für mich drin wäre ![]()
Frage an Leser Februar 24, 2008, 8:26
Posted by Lila in Bloggen.29 comments
Wer von euch kann eigentlich blind tippen? Gelernt, sich selbst beigebracht, nie gelernt, eigene Methode entwickelt? Lohnt es sich, blind tippen zu lernen?
Hat sich eure Handschrift durch das vermehrte Tippen verändert?
Meine Antworten: ich hab es mir als Studentin selbst beigebracht, weil ich alle Arbeiten getippt einreichen mußte. Ich habe mir ein Programm aus dem Internet runtergeladen und gelernt, fürs englische Keyboard. Später dann für die deutsche und hebräische Tastatur. Ich habe es nicht geschafft, meine Kinder zu überzeugen, daß blind Tippen eine der nützlichsten Fähigkeiten ist, die man erwerben kann. Ich tippe inzwischen recht schnell, muß eigentlich mal die Geschwindigkeit überprüfen. Interessanterweise passe ich mich sofort der Sprache an, die ich tippe - ich stelle meine Tastatur jedesmal um und wechsle in die andere Sprache über. Reine Gewohnheit.
Meine Handschrift, an der ich jahrelang gefeilt habe, ist den Bach runtergegangen. Leider.
Was mich nervt Februar 21, 2008, 22:18
Posted by Lila in Land und Leute, Uncategorized.18 comments
Ich bin pingelig. Wie heißt der Singular von Antiobiotika? Richtig, Antibiotikum. Ein Antibiotikum, viele Antibiotika.
Im Hebräischen gibt es die Endsilbe -um nicht, aber die Endsilbe -a ist als weibliche Singularendung gebräuchlich: eine menorah, viele menoroth. Also heißt es auch ein Antibiotika, viele Antibiotikot.
Und ich winde mich vorm Fernseher, nachdem sowohl die Ankerdame als auch die interviewte Ärztin von “antibiotikot” oder “einem Antibiotika” spricht. Das tut weh!!!
(Dasselbe geht mit dem Visum. Ein Visa, viele Visot. Ei ei ei….)
Gut, daß sie schon zum Thema Virusim übergegangen sind…
Gelacht Februar 19, 2008, 22:13
Posted by Lila in Presseschau.3 comments
Das war schön. Gegen Ende der Nachrichten ein sportliches Item: “unsere” Tennisheldin Shahar Pe´er spielt in Qatar. Morgen ist das entscheidende Spiel, aber sie ist schon in Doha. Sie wurde warm und herzlich empfangen, mit Beifall und großem Medieninteresse, und der Veranstalter des Turniers meinte träumerisch, “sie ist ein nettes Mädchen, ich habe eine Tochter in dem Alter…” Shahar meinte, in der ganzen langen Pressekonferenz ging es in keiner Frage um Tennis.
Doch der Höhepunkt der Reportage war für uns die Aussage eines lächelnden jungen Qataris, der Shahars Kommen sehr begrüßte, denn “it’s the first time an Israeli comes to the Middle East…” Da haben Y. und ich gleichzeitig nach Luft geschnappt und laut gelacht.

Zum letzten Mal einstellig Februar 19, 2008, 16:12
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.6 comments
Letzte Nacht haben Y. und ich in perfekter Synchronarbeit Luftballons aufgeblasen, Girlande und Herzchen-Lichterkette aufgehängt, Kuchen gebacken und Geschenke eingepackt. Über 50mal haben wir das schon gemacht, hat Primus uns vorgerechnet. Als ich die hölzernen Geburtstagslichter und -zahlen auspackte und die Glückskerzen reinsteckte, Schornsteinfeger, Schweinchen, Glücksklee und Hufeisen, wurde ich ganz wehmütig. So sah mein Geburtstagstisch auch aus, als ich Kind war, und ich habe diesen hölzernen Tischschmuck aus Deutschland mitgebracht und hier eingeführt. Das war heute das letzte Mal. Es war der letzte einstellige Geburtstag in diesem Haus - selbst ich gehe nicht so weit, den schwarzen Katern mit morgndlichem Gesang und Kerzenlicht die Geburtstage zu versüßen.


