Schöne Momente Januar 29, 2008, 15:22
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.2 comments
im Mama-Dasein: draußen stürmt und hagelt es, wildes, dramatisches, hier eher seltenes Wetter. Die Kinder kommen rein, patschnaß trotz Regenschirmen, festen Schuhen und Anoraks. Sie sind aufgekratzt durch das Wetter. Sie stürzen sich aufs warme Essen, auf die trockenen Klamotten, auf die gemütliche Couch. Sie freuen sich, daß es das erbetene Lieblingsessen gibt.
Wie schön sind die Tage, an denen ich zuhause bin oder schon früh zurückkomme. Ich kann die Freuden einer stay-at-home-mum sehr gut nachempfinden. Man ist wirklich wichtig für die Menschen, die einem selbst am wichtigsten sind, und kann ihre Bedürfnisse erfüllen.
Allerdings weiß ich nicht, ob ich das auch so zu schätzen wüßte, wenn ich nicht auch Aufgaben außer Hause hätte. Ich weiß es nicht. Ich genieße jeweils den Moment. Ich hab´s schon sehr gut….
Artikel, Januar 29, 2008, 0:35
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau, Uncategorized.22 comments
die mir am Ende dieses schrecklichen Tages ins Auge stechen, bei meinem kurzen Blättern in der Presse.
Ulrike Putz erzählt im SPon von ihrem Besuch bei den Qassambauern im Gazastreifen. Bemerkenswert, daß sie als bekannt voraussetzt, daß diese Raketen fliegen. Die jungen Männer schlagen vor ihr heftigst das Rad und kokettieren mir der Todesgefahr, der sie sich aussetzen.
“Seid ihr bereit?”, fragt er sie. “Ab jetzt können wir jede Minute ins Paradies eingehen.”
“Ich hätte meine Frau anrufen sollen”, sagt er nach einer Weile. “Sie soll schon mal nach einem neuen Ehemann Ausschau halten.”
Die Männer reißen Witze über die Jungfrauen, die sie nach islamischem Glauben im Paradies erwarten: Galgenhumor.
Na ja, man kann verstehen, daß Putz keine Lust hatte, kritische Fragen zu stellen. Schließlich muß sie sich in dieser Situation ziemlich ausgeliefert gefühlt haben.
Einer hält der Fremden eine Pistole ins Gesicht: “Ich wollte nur mal sehen, ob du dich erschrickst.”
Zum Einkaufs-Tourismus nach Ägypten:
Ob sie da Zutaten für den Kassam-Bau besorgen würden? “Von wegen”, erwidert der Gruppenälteste lächelnd. “Die kaufen Kartoffelchips. Wir haben noch genug Rohmaterial für die nächsten Jahren.”
Dass es an Nachschub niemals mangele, dafür sorge der Schmuggel durch die Tunnel unter der ägyptischen Grenze hindurch. “Das TNT zum Beispiel kommt aus dem Sudan über Ägypten zu uns.” Andere Bauteile gelangten per Boot übers Meer nach Gaza. “Wir beziehen einiges aus Osteuropa.”
Bis zu 500 Dollar koste das Rohmaterial für eine große Kassam. Das Geld, mit dem sie finanziert würden, nehme denselben Weg die Materialien. “Die Blockade der Israelis trifft uns nicht, die soll nur die Bevölkerung ins Elend stürzen.”
Und die Begründung für dieses sinnlose Heldenspiel:
“Wir sind bereit, zu sterben, das ist der Preis unserer Freiheit.” Es bliebe den Palästinensern keine andere Wahl, als den Kampf gegen Israel mit der Waffe zu führen. “Entweder wir gehen in den Widerstand, oder sie behandeln uns wie Sklaven.”
Ich kann dazu nur seufzend anmerken, daß die Israelis sich die Besatzung nicht ausgesucht haben. Und ob die Räumung des Gazastreifens als Versklavung gemeint war…? Welchen Zuwachs an Freiheit können die Bastler seit Einsatz der Raketen feststellen? Ich würde ja eher sagen, alle Terrorakte haben dazu geführt , daß Israel Schutzzäune baut, Checkpoints, niemanden mehr reinläßt… wogegen man sich dann wiederum mit Terror wehrt. Seltsame Logik.
Putz fragt aber nicht nach. Sie gibt ihren Gastgebern die Möglichkeit, ihre rührende Menschlichkeit zu unterstreichen.
Er mache sich schon Gedanken, wer von seinen Geschossen getroffen würde. “Wenn wir Soldaten töten, sind wir mehr als glücklich”, sagt er. “Wenn es ein Kind trifft, sind wir natürlich nicht froh.”
Wieso schießen sie dann auf Kinder? Da mit Qassams auf Städte und Dörfer und Kibbuzim geschossen wird, also zivile Ziele, muß es schon mit dem Teufel zugehen, wenn man ein Soldat getroffen wird. Und welchen Grund gibt es, isrealische Soldaten auf israelischem Staatsgebiet anzugreifen? Sowas gilt normalerweise als casus belli. Es ist nur logisch, wenn man Israels Existenzrecht als souveräner Staat nicht anerkennt. Keine Frage zu diesem Thema von Putz.
Die erste Kassam-Rakete dieser Nacht ist so gut wie fertig, Abdul ist ruhiger geworden. “Heute schützen uns die Wolken vor den Drohnen der Israelis.” Die Witwen- und Waisenkasse des “Islamischen Dschihad” wird wohl erstmal nicht für seine Hinterbliebenen sorgen müssen. Seine Mutter, die sich so oft Sorgen um ihn macht, darf sich morgen früh freuen, dass ihr Sohn in seinem Bett aufwacht. “Sie ist ja einerseits schon stolz auf mich”, sagt Abdul, der Raketenbauer. “Aber letzten Endes ist sie eben doch eine Mutter.”
Ja ja. Wenn Abdul seinen Heldentod erleiden sollte, werden wir seine Mutter in den Abendnachrichten jubeln sehn… Aber es ist schon eine fragwürdige Wahl, daß Pütz ihre Reportage mit diesen rührenden Worten über die Mutter schließt. Paßt irgendwie gut zu den oft gesehenen Bildern von den Müttern der Selbstmordattentäter, die durch die Presse gehen - manchmal ist ja schon vorgekommen, daß sie von ahnungslosen Redaktionsknechten zu Angehörigen von Opfern erklärt wurden…
Mich dünkt, daß die Empathie der Erzählerin auf Seiten von Abdul, dem Raketenbauer, und seiner stolz-besorgten Mutter liegt. Ein Wort zu den Opfern findet sich nicht - aus der Perspektive der Raketenbauer sieht man sie ja auch wirklich nicht. Ob eine Journalistin sich die Sichtweise dieser Männer so eindeutig zu eigen machen muß - das ist wiederum eine andere Frage.
Zu dem Thema findet sich einiges in einem alten Artikel von Sahm, der sich auf Fernsehberichte bezieht, aber auch das beliebte Thema “Mutter des Selbstmordattentäters” aufgreift:
Problematisch ist zum Beispiel der »Schmerz einer Mutter« nach einem Selbstmordanschlag mit zahlreichen Toten, wenn allein die Mutter des palästinensischen Massenmörders gezeigt wird, nicht aber die ebenso trauenden israelischen Mütter. Der ungeübte Fernsehzuschauer wird bei den Aufnahmen der Mutter des Selbstmordattentäters kaum bemerken, dass ihre »Trauer« möglicherweise inszeniert ist. Nach einem Anschlag in Jerusalem im November 2002 standen neben einer solchen »trauernden« palästinensischen Mutter lachende Kinder.
Solche Szenen werden von palästinensischen Kameraleuten gedreht. Die machen keinen Hehl aus ihrer »Verpflichtung« zum palästinensischen Kampf. Solange weder israelische noch ausländische Korrespondenten bei den Filmaufnahmen der »trauenden Mutter« anwesend sein können, lässt sich die »Echtheit« der Szenen nicht nachweisen.
Die lachenden Kinder neben der Mutter sind ein Hinweis dafür, das an der Szene etwas nicht stimmte. Unglaubwürdig wird die »Trauer« dieser Mutter zudem, wenn man später in Nachrichtenagenturen lesen kann, wie sie die »Heldentat« ihres Sohnes lobt und sich wünscht, dass auch ihre anderen Kinder zum »Schahid« (Märtyrer) werden mögen.
»Ich habe den Auftrag, ein emotionales Stück zu machen« sagte die Redakteurin eines deutschen Fernsehsenders. Deshalb waren für sie nur die Bilder der gestellten »Trauer« brauchbar. Der Wunsch, andere Kinder in den Tod zu schicken, passte »nicht ins Konzept«.
Ganz interessant. Zwar hat der eine Artikel nichts mit dem anderen zu tun, aber die Erwähnung der Mutter als Schlußakkord kam mir sentimental vor.
Das war also das eine, das ich gelesen habe, auch wenn es mich etwas ratlos zurückließ.
Das zweite war ein Artikel in Haaretz. Da ja der zweite Teil des Winograd-Berichts zum Libanonkrieg mit Spannung erwartet wird, karten wir alle nach - ein Volkssport wie die Beobachtung des See Genezareth-Wasserspiegels. Es überrascht mich kein bißchen zu hören, daß gegen Ende des Kriegs in der UN ein bißchen gemaggelt wurde, wie man das bei uns nennt.
The former U.S. ambassador to the United Nations, John Bolton, accused Secretary of State Condoleezza Rice of giving in to French and Lebanese demands over the terms of the cease-fire that halted the 2006 Second Lebanon War, according to a document recently obtained by Haaretz.
Natürlich dient dieses Dokument dazu, Olmerts höchst umstrittenen militärischen Entscheidungen gegen Ende des Kriegs zu rechtfertigen, der viele Menschenleben zum Opfer fielen. Trotzdem - es kann sein, daß Bolton die Wahrheit spricht und Olmert trotzdem falsch entschieden hat. Dieser Waffenstillstand war, wie die meisten Waffenstillstände, die Israel durch die UN aufgezwungen wurden, höchst unvorteilhaft für uns. Zu einem früheren Zeitpunkt gab es mal bessere Karten für einen Waffenstillstand. Noch weiß niemand, was wirklich los war - es schwirren viele Theorien, Anklagen und Verteidigungsreden herum.
In the letter, Carmon emphasized that Rice had agreed that the draft cease-fire resolution would stipulate that the international peacekeeping force in southern Lebanon would operate under Chapter VI of the UN charter, which would give it observer status only.
Mal sehen, ob wir in ein paar Tagen mehr wissen. Aber für den Waffenstillstand, dessen Konditionen die Wiederbewaffnung der Hisbollah zuließen, könnten wir in Zukunft noch einen hohen Preis zahlen. Unberufen.

