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Yossi Sarids Frau des Jahres: Dezember 15, 2007, 11:21

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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Angela Merkel. Der linke Zyniker zollt der konservativen deutschen Kanzlerin höchstes Lob für ihre konsequente moralische Haltung und ihre Ehrlichkeit . Lesenswert.

Who would have believed that the head of a country as important as Germany would tell the Russians and Chinese, in a loud, clear voice, what she thinks of them, and would say in the Bundestag, without fear or calculation, that “a government’s foreign and defense policy must be based on values and not interests?” She also said that “it is impossible to demand good behavior at home and not behave well when you go out. Economic considerations must not contradict values of democracy, liberty and human rights.”

And wonder of wonders: Although Merkel is taking a risk and her moral position is liable to cost her country dearly, her popularity is rising and her rivals’ is dropping. She has the support of 70 percent of the German public. This is because in Germany, and not only in America and Israel, the people get fed up with politicians’ double standards, with the unction that fuels the flames. When will our leaders understand that a more moral policy is a more correct policy that is its own reward, even if it is slow in coming? 

Das bedeutet auch Anerkennung der deutschen Wähler, die diese Haltung honorieren. Und Hoffnung - vielleicht setzt sich doch eines Tages sich bei Politikern die Einsicht durch, daß Prinzipien und Politik einander nicht ausschließen.

In den Kommentaren wird sie natürlich kritisiert, und Yossi noch viel mehr, aber trotzdem  könnte es für Deutsche interessant sein, den Artikel zu lesen.

Und nur als kleine Anmerkung über Sarid, ohne daß das direkt etwas mit dem Thema zu tun hätte: Sarid heißt Sarid, also “Rest, Übriggebliebener, Überlebender”, weil seine Familie im Holocaust ermordet wurde. Seine Eltern waren die einzigen Überlebenden und haben das  zum Ausdruck gebracht, indem sie den Familiennamen von Schneider zu Sarid veränderten.

Kommentare»

1. flowerkraut - Dezember 15, 2007, 17:01

Alles nett und wie immer klug gesagt von Yossi Sarid. Meine ehrliche Anerkennung hat Frau Merkel auch, und schamhaft erinnere ich mich, dass ich ihr dies und einiges anderes vor ein paar Jahren nicht zugetraut habe. Aber wenn Putin´s lackey sich nicht so dämlich angestellt hätte, ich wäre nicht sicher, ob die CDU, (SPD), FDP das alles so schön mitgetragen hätte.

Nur einen Einwand: “She has the support of 70 percent of the German public.”

Das wird sich auch alles wieder ändern, und dann erst zeigt sich der Politiker oder die Politikerin mit Niveau. Aber da bin ich trotzdem guter Dinge. Trotzdem ist hier nicht der gemäßigte Westausläufer von Lukaschenkaland, und so soll es auch nicht sein und auch nie werden. Personenkult überlasse ich lieber dem Sport und der Teeniemusik! Zufriedener wäre ich, wenn sie der „Ver- und Durchtriebenen“ Frau Steinbach klarer entgegengetreten wäre und den klügeren Danzig-Vorschlag von Donald Tusk direkt akzeptiert hätte.

“Das bedeutet auch Anerkennung der deutschen Wähler, die diese Haltung honorieren.”
Danke schön, man könnte sich geschmeichelt fühlen! Aber in formaler Hinsicht leider bedeutungslos! Was würde es denn bedeuten, wenn die Wähler eines beliebigen Landes nicht so wählen, wie ich es gerne hätte?

2. Lila - Dezember 15, 2007, 17:52

Off with their heads, natürlich!

Welche Frage.

3. flowerkraut - Dezember 15, 2007, 18:37

Mein Einwand zum „Vertriebenenzentrum“ hatte seinen Sinn, denn dies bedeutet das Ringen gegen die eigene Klientel. Ich unterstelle Frau Merkel jetzt einfach mal –vielleicht fälschlicherweise- eine innere Überzeugung die der meinen nahe kommt.
Sonst ist deine Ironie ist gar nicht so unpassend: Der Ami, Pole oder Israeli ist eigentlich ganz umgänglich, nur darf er nicht Bush, die Kacynskis oder Sharon wählen usw. Andere lieben andere, genau deshalb, weil sie Chavez oder andere wählen. Tun sie das nicht, sind sie natürlich unmündig.
Zum Glück sind diese Sichtweisen kein Muss!
In den Ländern in denen echte demokratische Strukturen verfestigt sind, sind diese Politiker in den meisten Fällen nicht annährend so destruktiv, wie die ausländische Öffentlichkeit sie gerne hätte. Sie vertreten die Position, für die sie u.a. auch gewählt wurden. Und wenn sie andere Ansichten haben, dann sie das eben so, aber man sollte deshalb nicht die tatsächlichen Wertigkeiten außer Augen verlieren.
Ich bin eben “verliebt” in das demokratische Spiel der berechtigten Meinungsunterschiede, solange ich einen gewissen Willen zum Kompromiss, zur Anerkennung des anderen und zur Ehrlichkeit erkennen kann.

4. flowerkraut - Dezember 15, 2007, 18:43

es sollte in der fünftletzten Zeile heissen “dann sind sie eben so”, also mit anderen Worten ich bin anders, als es meine meist fehlerhaften Texte aussagen :D

5. David - Dezember 15, 2007, 20:29

Schade, dass die Worte Merkels im Bundestag aussenpolitisch so bedeutungslos sind. Mag auch damit zusammenhängen, dass Steinmeier’s Office einfach noch mit der alten Garde besetzt ist.

Á propos Frau des Jahres:
http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3453738,00.html

6. noktavian - Dezember 15, 2007, 20:43

@David:
Bedutungslos sind die Worte wohl nicht. Sonst würden die chinesischen Volksdemokraten nicht so schmollen und Mugabe nicht so wüten. Und Steinmeier ist auch beleidigt. Die Richtlinien der Politik bestimmt halt die Kanzlerin. Das stimmt derzeit vor allem für die Außenpolitik, weniger für die Innenpolitik.

7. grenzgaenge - Dezember 15, 2007, 21:34

hallo lila und allerseits in die virtuelle runde,

schavua tov :-)

ich denke gegenueber einem gewissen herrn s. ist frau merkel eine wirkliche wohltat, vor allem was die beziehungen zu den usa, aber auch zu israel angeht.

ich denke gerade die beziehungen zu den usa sind wieder auf den boden der sachpolitik zurueckgekehrt nachdem schroeder zum thema “usa” nichts anders als linkssozialistische rheotorik eingefallen ist. er musste ja auch eine wahl gewinnen und da er in allen feldern der politik gescheitert ist tat er eben das was er am besten konnte: das “gesunde volksempfinden” wachrufen und das geht in deutschland immer noch am besten mit pazifistischem geschwafel, vor allem wenn es sich gegen die usa richtet. man hat den usa eben ihren massgeblichen anteil an der befreiung vom ns regime immer noch nicht verziehen. kein wunder, viele haben das auch nicht als “befreiung” empfunden sondern als “niederlage”. das wusste schroeder und hat es ausgenutzt.

@noktavian: ich weiss nicht so recht. natuerlich hast du recht: die richtlinienkompetenz liegt bei der kanzlerin. aber ich habe nicht das gefuehl das sie davon so massiv gebrauch macht wie ihr vorgaenger. oder sie macht davon gebrauch und die oeffentlichkeit erhaelt einen anderen eindruck ? keine ahnung …

viele gruesse,
grenzgaenger

8. Manfred - Dezember 19, 2007, 5:14

Ich weiß nicht, ob Angela Merkel wirklich gesagt hat, Außenpolitik müsse sich auf Werte UND NICHT AUF INTERESSEN stützen; wenn ja, ist es mir jedenfalls entgangen. Ich würde eine solche Gegenüberstellung für äußerst gefährlich halten (ähnlich wie den Gegensatz Ökonomie-Ökologie). Wenn es hart auf hart kommt, siegen immer die Interessen. Man sollte klarer machen, dass wir ein INTERESSE daran haben, dass es rechtsstaatliche und freiheitliche, wenn schon nicht demokratische Verhältnisse auch anderswo gibt. Solche Staaten müssen Rücksicht auf ihre Bürger nehmen und zetteln nicht so leicht Konflikte an. Sie können auch ausländische Investoren nicht einfach enteignen und über den Tisch ziehen, wie Russland, aber auch China das gerne praktizieren. Sie haben ein stabiles Institutionensystem, das keine plötzlichen 180-Grad-Drehungen zulässt. Und nur unter dieser Voraussetzung kann man Politik machen, die auf gegenseitigem Vertrauen basiert.