jump to navigation

Liebes Mädchen November 29, 2007, 15:13

Posted by Lila in Land und Leute, Uncategorized.
16 comments

Wir hatten heute einen Überraschungsgast, eine junge Cousine von Y., die auf dem Weg von der Armee nach Hause zu ihren Eltern hier einen Stopp einlegte.

dscf0001.jpg

Es war das erste Mal, daß ich sie in Uniform sah. Sie ist bei der Luftwaffe, im Süden, hat einen recht verantwortungsvollen und interessanten Job und hat uns ein bißchen davon erzählt.

Als ich in den Kibbuz kam, noch bevor ich Y. kennenlernte, habe ich mit ihrer Mutter (Y.s Tante, die wesentlich jünger ist als Y.s Vater - die Tante ist nur 10 Jahre älter als wir) zusammengearbeitet. Damals war die Tante mit ihrem vierten Kind schwanger - eben dieser kleinen Cousine, die heute zu Leos Entzücken auf unserem Sofa saß. Ich habe leider nicht photographiert, wie begeistert der kleine Stromer auf ihrem Schoß saß.

Ich kenne sie also wirklich von Anfang an. So schnell werden die Kinder groß. Bei der Armee machen sie einen riesigen Sprung. Vorher sind sie Kinder, auch wenn sie noch so verantwortungsbewußt und fleißig sind wie dieses Mädchen - aber während der Armeezeit verändern sie sich. In Glücksfällen reifen sie schnell, übernehmen Verantwortung und stellen sich ernsthafte Fragen - in weniger guten Fällen werden sie depressiv, kapseln sich ab, lassen nur noch die Armee gelten und sonst niemanden mehr an sich heran. Y.s Cousine sagt, ihre Arbeit ist sinnvoll und macht Spaß. Offizierin will sie nicht werden, ihr reicht die Verantwortung, die sie jetzt hat.

Ihre große Schwester war Offizierin, ihr großer Bruder Offizier, die dritte Schwester hat aus Gewissensgründen Zivildienst gemacht. Sie hat sich überlegt, welchem Beispiel sie folgt, und ist zur Armee gegangen.

Die Cousine samt den anderen jungen Männern und Frauen in Uniform befinden sich an der Grenze zum Gazastreifen eigentlich im Krieg, während in den Medien von Frieden geredet wird. Täglich geht es hin und her - die Palästinenser schießen, die Armee schießt zurück. (Nachdem längere Zeit nicht reagiert wurde, ohne daß der Beschuß nachließ, wird jetzt wieder zurückgeschossen.) Das ist schon normal, das kommt uns nicht mal absurd vor.

Einen Ausweg aus dieser Lage kann das Militär nicht finden - denn das Problem ist politisch, nicht militärisch. Aber es sind Mädchen wie diese liebe, zarte kleine Cousine, die sich an der Front wiederfinden. In einem normalen Land würde sie studieren, jobben oder studieren UND jobben.
Wer glaubt, daß wir unsere Kinder gern in diesen höllischen Konflikt verwickelt sehen? Ich wünschte, es wäre schon vorbei, gelöst, und die Armee wäre nur ein Sicherheitsorgan, und die Soldaten und Soldatinnen hätten nichts weiter zu tun als Manöver zu planen und ihre Hummer auf Hochglanz zu bringen. Noch sind wir nicht so weit…