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Er hat´s schwer, November 21, 2007, 23:43

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Uncategorized.
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mein armer Mann! Morgens brutal früh raus, den ganzen Tag Hektik, Streß und harte Entscheidungen. Sogar auf dem Weg nach Hause wird er regelmäßig wieder zurückgerufen - wie einer der ungelernten Arbeiter neulich einem anderen erklärte, “der Y. ist doch der einzige, der wirklich weiß, was hier gemacht wird!”. Damit meinte er nicht etwa innerbetriebliche Machtspielchen oder “politika” - Y. weiß, was in jedem Kessel blubbert und wie man die Ventile öffnen und schließen muß und wann man das Material abkühlen muß. Nicht nur theoretisch, wie die anderen Ingenieure, sondern noch aus der Zeit, als er selbst im Blaumann durch den Staub krabbelte.

Y. ist ein Mann der Praxis, und es hält ihn nie lange in seinem Büro. Er ist auch der einzige, der sich die Zeit nimmt, ungelernten Arbeitern gründlich und verständlich zu erklären, was in all den Kesseln eigentlich vorgeht. Notfalls bleibt er eben länger da oder kommt am Wochenende oder nachts noch mal. Wir wohnen ja so nah dabei.

Wenn er dann total kaputt, wenn auch zufrieden, abends nach Hause kommt und mir erzählt, was er alles geschafft hat, ist der Tag noch nicht vorbei. Regelmäßig klingelt das Handy. Alarm! Es brennt in der Fabrik. Noch bevor der Sicherheitsbeamte ankommt, hat Y. schon die tote Ratte aus dem Stromschrank gefischt, die zu Kurzschlüssen geführt hat. Der Elektriker, der das eigentlich machen sollte, ist zu weich dazu, er wendet sich ab, grün im Gesicht. Keine angenehme Sache.

Noch schwieriger ist diese unschöne Aufgabe, wenn es statt der Ratte eine der Fabrikkatzen ist, die er gern füttert - und die nun ihr letztes Leben zwischen Strippen und Kabeln lassen mußte. (Nein, isolieren nützt nichts, gerade durch das Isoliermaterial fressen die Ratten sich mit Wonne durch.) In den letzten zehn Tagen dreimal!

Jedesmal Schmorbrand-Alarm, jedesmal Y. mit als Erster am Brandort, jedesmal kurzentschlossen die Ursache beseitigt.
Ein andermal ist irgendwo die Vakuumpumpe kaputt, oder das Produkt ist hart geworden und verstopft sämtliche Leitungen, oder ein trotteliger Lieferant hat den Schwefelsäure-Tank mit schwefliger Säure befüllt, die nun zu einer ökologischen Katastrophe zu werden droht, wenn sie nicht sofort abgepumpt wird…

Wirklich, in den letzten Wochen war es wie verhext, jeden Abend mußte er aufs Tustus springen und in die Fabrik knattern. Jeden Abend eine andere Katastrophe, die meinen Mann aus seiner wohlverdienten kurzen Ruhe scheucht.

Heute abend nun hatte er sich gerade gemütlich neben mir ausgestreckt, als wieder das Handy klingelte. Diesmal ist es sein kleiner Bruder. Ja, er war gerade unterwegs zum Flughafen, seine Frau abholen. (Auf seine Kinder paßt inzwischen die Schwiegermutter auf, die sind ja noch klein.) Und er wollte eine Abkürzung nehmen. Bei dem Wetter keine SO gute Idee. Es regnet immerhin schon seit zwei Tagen ohne Punkt und Komma. Ja und nun hängt er im Schlamm fest, und allein schafft er es nicht. Den Flug würde er sowieso verpassen, da hat er schon Schwiegervatern gebeten, seine Frau abzuholen. Und er braucht Hilfe. Gut, daß es Familie gibt!

Unverdrossen steigen Y. und Primus in die warmen Socken, Anoraks, Mützen und Stiefel. Hast du ne Taschenlampe? Was brauchen wir sonst noch? Ich habe das Gefühl, es macht ihnen Spaß, meinen Schwager zu retten. Sie werden ihn mit Scherzen dafür zahlen lassen, soviel ist sicher…. Bevor er verschwindet, guckt Y. mich noch mal entschuldigend an. “Wann war ich das letzte Mal einen ganzen Abend zu Hause?” “Ich weiß es nicht, aber ich blogge schon drüber!” Er lacht. “Ich schwöre dir, ich habe keine Freundin!”

Und er ist weg. Armer Mann, ich setz schon mal das heiße Wasser auf, damit ich ihnen einen Tee machen kann, wenn die beiden wiederkommen.

Interessanter Artikel November 21, 2007, 15:05

Posted by Lila in Land und Leute, Uncategorized.
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in der ZEIT, eine Innenansicht aus dem Chaos in Sh´chem, biblisch Sichem, heute besser als Nablus bekannt. Ich weiß nicht, ob die Stimmen und Ansichten, die dort geäußert werden, in Deutschland wirklich so selten zu hören sind, wie ein paar Leserkommentare meinen - in Israel jedenfalls ist das bekannt und wir können uns das Spektrum der Meinungen jeden Abend in den Nachricht anhören.

Die Situation in der Westbank und im Gazastreifen ist so verfahren und die Palästinenser untereinander so tödlich verfeindet, daß Außenstehende unmöglich erkennen können, wer nun eigentlich bei all den Bandenkriegen und der Kriminalität “im Recht” ist. Vieles bleibt undeutlich, wird wohl auch nicht zu klären sein, ein Knäuel von Unrecht, Rache, neuem Unrecht und wiederum Rache.

Für mich scheint die deutlichste Erkenntnis eine zu sein, daß die “leidenden Zivilisten” dort meine Meinung teilen (für die ich von deutschen Palästina-Fans öfter zur Schnecke gemacht worden bin, als ich zählen kann ;-) ) - nämlich daß Terror und Intifada den Palästinensern nur schaden, daß sie sich damit selbst im Wege stehen. So lange dieser Terror anhält, gibt es keinen Ausweg.

Zur wirtschaftlichen Situation einer Familie:

Der Vater – er hat ein tief zerfurchtes, früh gealtertes Gesicht und schwermütige, von Schlaflosigkeit gerötete Augen – besitzt eine Werkstatt für Aluminiumfenster. Vor der Intifada beschäftigte er sieben Arbeiter. Abends kam er oft erst um Mitternacht heim, das Geschäft florierte, er machte bis zu 2000 Euro Gewinn im Monat. Jetzt hat er noch einen Arbeiter und einen Lehrling, meist machen sie um 15 Uhr Feierabend, oft haben sie gar nichts zu tun.

Zu den Erinnerungen einer anderen:

Der Hausherr erinnert sich auch an einen Besuch der israelischen Generäle Mosche Dajan und Ezer Weizman, da war er ein Teenager. Die beiden Israelis schlugen schon damals die Gründung eines Palästinenserstaates vor.

Al-Masri mochte Arafat als Menschen. Politisch hat er kein gutes Wort für ihn übrig. »Er startete die Intifada, sie ging auf seine Entscheidung zurück. Er weigerte sich, über die Konsequenzen nachzudenken. Wir zahlen den Preis dafür.«

Das sag ich auch schon seit Jahren. Viele Leute in der palästinensischen Führung weigern sich, über Konsequenzen nachzudenken. Warum auch? Sie müssen die Konsequenzen ja nicht tragen. Sie haben, innen- wie außenpolitisch, Israel als bequemen Sündenbock. Im Zweifelsfalle sind eben immer die Israelis schuld…

Für al-Masri gibt es nur einen Ausweg – eine Konföderation der Palästinensergebiete mit Jordanien, »einem gut regierten demokratischen Rechtsstaat«. Eine realistische Alternative? »Ich glaube, so wird es kommen.« Es klingt wie eine aus Hoffnungslosigkeit geborene Zuversicht.

Es wäre auf jeden Fall besser als das Chaos, das jetzt herrscht. Der einzige kleine Haken? Ich glaube nicht, daß die Jordanier daran interessiert sind. Allerdings war die Westbank vor dem Sechstagekrieg ein Teil Jordaniens, und Israel hat sie den Jordaniern angeboten, aber die Jordanier haben abgelehnt. Sie haben schlechte Erfahrungen mit den Palästinensern gemacht - oder die Palästinenser mit den Jordaniern, je nach Sichtweise.

Eine etwas zwielichtige Gestalt äußert sich so:

»Wir könnten in Wohlstand und Frieden mit den Israelis leben«, erklärt er, »wenn wir einen Rechtsstaat einführen und ihre Sicherheit garantieren. Dafür müssen wir die Herrschaft der Terrorgruppen brechen. Wer mit einem Gewehr in der Hand herumläuft, gehört ins Gefängnis.«

Wo er Recht hat, hat er Recht. Leicht wird er sich bei einigen seiner Landsleute damit nicht durchsetzen:

Einer deutet auf die M-16 und ruft: »Ich könnte mich nie davon trennen. Die ist für mich so wichtig wie ein Fotoapparat für einen Fotografen oder für Sie Ihr Kugelschreiber und Ihr Notizbuch. Ohne ein Gewehr käme ich mir völlig verloren vor.«

Eine Mentalität, die von europäischen Beobachtern allzugern als leidenschaftliche Freiheitsliebe verklärt wird und sie nicht davon abhält, die bis an die Zähne bewaffneten Palästinenser mit den Bewohnern des Warschauer Ghettos zu vergleichen

Zukunftsaussichten:

»Wir sind kriegsmüde. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht. Der bewaffnete Kampf war ein Fehler. Es war falsch, uns in israelischen Städten in die Luft zu jagen. Mit den Israelis könnten wir klarkommen, mit ihnen können wir verhandeln. Es gibt andere Methoden zur Durchsetzung unserer Ziele. Aber mit Schakaa, wissen Sie, das ist etwas anderes. Wir sind Araber.«

Im Klartext: selbst wenn es gelänge, irgendeine Art Kompromiß mit uns zu finden, ginge der Bürgerkrieg der Fraktionen dort weiter. Die palästinensischen Gebiete bleiben unruhig und ein brodelnder Kessel von Gewalt und Vergeltung. Keine beruhigenden Aussichten.

Aber so schnell wird sich ein Kompromiß mit uns nicht finden lassen. Wer noch Illusionen über den “peace process” hat, sollte genau zuhören:

Ghazale redet über Politik. Davon, dass er der palästinensischen Regierung Verhandlungsspielraum verschaffen wolle. Seit 2005 sei, behauptet er, kein Selbstmordanschlag von Nablus ausgegangen. Sollten Verhandlungen zu nichts führen, »werden wir wieder in die Offensive gehen und Checkpoints und jüdische Siedlungen angreifen«.

»Wer entscheidet das?«

»Wir selber.«

»Nicht die Politiker?«

»Wir wissen, was wir zu tun haben.«

Wir können uns also auf kein Abkommen verlassen, da die Terror-Organisationen ohnehin autark sind. Und keine palästinensische Regierung hat sie bisher zähmen wollen oder können. Das sind keine israelischen Hirngespinste, das sind Tatsachen. Und wir können uns nicht leisten, diese Tatsachen kleinzureden, schönzureden, wegzureden.

Wir müssen mit diesen Nachbarn, deren verschiedene, gewaltsam konkurrierende Führungen allesamt mehr Interesse an Kampf und Blutvergießen haben als an der Errichtung eines stabilen Bürgerstaats, irgendwie klarkommen. Ich wüßte gern, wie andere Regierungen damit klarkämen. Vergessen wir nicht, daß die meisten Palästinenser nach wie vor den Staat Israel als unrechtmäßig errichtet sehen und ihn bekämpfen, so absurd das in dieser Weltgegend post-kolonialer junger Staaten ist.

Insgesamt ist die Situation also vollkommen hoffnungslos.

Um allen Unwissenden zuvorzukommen…. hier noch ein Link zu einer pro-palästinensischen Seite, aus der eindeutig hervorgeht, daß all die oft beklagten “repressiven Maßnahmen” Israels, mit denen wir zur Lage der Palästinenser beitragen, als Reaktion auf Terror entstanden sind:

From 1967 to 1991, restrictions on the movement of Palestinians were relatively light. However, with the beginning of the first Intifada in 1987, Israel increasingly restricted Palestinians’ freedom of movement by implementing a permit system. In 1988, it began preventing Palestinians from travelling between the Gaza Strip and the West Bank.

Dabei wird, gern vergessen, natürlich auch die Bewegungsfreiheit der Israelis eingeschränkt:

From the beginning of the second Intifada in 2000, the Israeli Military increasingly restricted Palestinians from moving freely. Physical blockades were set up by the army between Palestinian villages, permits denied and curfews imposed across the West Bank and Gaza. In 2001 it became illegal for Israeli citizens to travel into Area A (areas under full Palestinian control) of the West Bank.

Man kann beklagen, daß Israel Checkpoints und sogar, nach vielen, vielen Jahren des Terrors, eine Sperranlage einsetzt, um das Leben israelischer Bürger zu schützen. Es amüsiert mich immer, wie sich Deutsche gegen diese Sperre ereifern - wo doch jeder Deutsche als erstes einen Jägerzaun setzt, um sich und seine Gartenzwerge vor der Invasion spielender Nachbarskinder, pinkelnder Dackel und ähnlicher Übeltäter zu schützen…

Aber eine überzeugende Alternative dazu habe ich noch von keinem Kritiker gehört. Außer der Selbstaufgabe natürlich, die uns die extreme englische Linke ans Herz legt. Aber Israelis kapitulieren nun mal ungern, auch wenn sie das sehr unbeliebt macht.

Gestern vormittag… November 21, 2007, 11:51

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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…hat Primus die theoretische Führerscheinprüfung bestanden.

Gestern nachmittag hat Primus sich einen Ohrring ins linke Ohrläppchen machen lassen. Er will wohl sein Image als allzu braver Junge loswerden, wo die langen Haare doch schon eine Weile ab sind, und wir haben nichts dagegen. Da er ja immer diese piratenmäßigen Hochwasserhosen trägt, sag ich ja schon lange, ihm fehlt ein Goldring im Ohr, ein Bandana auf dem Kopf und der Dolch zwischen den Zähnen.

Für einen Moment stiegen die Erinnerungen an Diskussionen, Aufregung und den ganzen Wirbel hoch, den meines Bruders Ohrring anno 1982? 83? auslöste. Kaum noch vorstellbar… die Zeiten haben sich doch geändert. Heute gibt es gepiercte, tätowierte Lehrer.

Die Juwelierin kokettierte übrigens etwas mit Primus und meinte, sie hätte gedacht, er sucht Trauringe. Kamen wir Eltern uns vielleicht blöd vor!