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Ängste November 18, 2007, 19:44

Posted by Lila in Edle Selbsterkenntnis, Kibbutz, Kinder, Katzen, Uncategorized.
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Eine Freundin erzählt am Telefon: “…dabei erinnere ich mich kaum an meine Kindheit, an nichts, vor dem Alter von acht Jachren vorgefallen ist. Ich versuche immer, mich zu erinnern, in welchem Gebäude wir untergebracht waren, aber ich erinnere mich an keines vor dem dritten Schuljahr. Ja, die Freunde aus meiner Gruppe waren nett, wir haben uns immer gegenseitig geweckt und geholfen, wenn mal jemand Angst hatte. Ich meine, wir konnten ja über Interkom immer den Nachtwächter für die Kinderhäuser erreichen, aber das dauerte manchmal ganz schön, bis der kam. Die Nachtwächter waren auch ganz nett, wir haben uns sehr auf die verlassen. Wenn man Angst hatte, konnte man die rufen. Aber meistens hat man doch die Freunde geweckt, das war leichter. Ja, und wenn der Sohn von Etzionis Nachtdienst hatte, erinnerst du dich an den? den Musiker?, dann hat er uns abends Gruselgeschichten erzählt, von einem Riesen, der draußen rumläuft und Kinder frißt. Und da habe ich Angst gehabt, das weiß ich noch. Die Kindergärtnerin hat uns immer eine Gutenachtgeschichte erzählt, und viele Nachtwächter haben uns ebenfalls gern was erzählt, aber beim Etzioni habe ich immer hinterher nachts Angst gehabt. Ich muß eigentlich mal Ilan oder Yael fragen, ob sie sich da auch noch dran erinnern… dieser Riese, das war wirklich gräßlich, vor dem hatte ich Angst….”

Quarta bringt heute ihre beste Freundin mit, ein kleines Mädchen, das aussieht wie Bonnie Blue Butler (im Buch, nicht im Film). Bonnie ist fast jeden Tag hier oder Quarta bei ihr, sie haben auch schon beineinander übernachtet. Der Abend kommt, die Mädchen wollen einen Film gucken. “Bonnie, magst du Harry Potter sehen!”, fragt Quarta. Bonnie kriegt große Augen. “Nein”, sagt sie, “da habe ich Angst.” Meine abgebrühte Quarta, die kühlen Herzens Filme sieht, die ihre behüteten großen Geschwister nie sehen durften, weil eben diese großen Geschwister meiner Hut entwachsen sind… Quarta sah sie erstaunt an und wollte schon was sagen, tat es dann aber nicht. Ich meinte, ich finde die Filme auch sehr gruselig, und es ist richtig, daß man sich Filme nicht ansieht, wenn man keinen Spaß dabei hat.( Wir haben Quarta ja auch noch nicht ins Kino zu einer Potter-Aufführung mitgenommen, im Fernsehen ist es nicht so gruselig, aber wirklich, ich fand den letzten Film auch sehr gräßlich, huh, wie er Voldemort am Bahnhof sieht, da geht es einem doch durch und durch.)

voldemort.jpg

Schließlich gingen die Mädchen raus, mit Nachbars kleinen Hunden spielen, und mir fielen meine eigenen Kindheitsängste ein. Huh, dieser gräßliche schwarze Abt! Wie wir eigentlich dazu gekommen sind, Bruder und ich, den zu sehen, weiß ich nicht - unsere Eltern guckten sowas nicht, und wir durften es eigentlich auch nicht. Ob wir abends allein waren? Ich weiß es nicht mehr. Alles, was ich noch sehe, ist der schwarze Ärmel mit dem langen Messer, das sich von hinten in Rücken bohrt. Ich war davon so verängstigt, daß ich meine nächtlichen Exkursionen zum Klo nur mit dem Rücken zur Wand zurücklegte - und auch dann noch Angst hatte, aus der Wand könnte die entsetzliche Hand kommen.

Zu jeder Kindheit gehört wohl die Begegnung mit der Angst. Zum Erwachsenenleben wohl auch…