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Meine Glückwünsche November 17, 2007, 14:01

Posted by Lila in Bloggen.
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an Christiane, deren Blog den diesjährigen BOB-Award gewonnen hat. Ich kann mir vorstellen, daß sie sich jetzt vor Pingbacks, Kommentaren, Mails und Zugriffszahlen nicht retten kann. Ich habe sie schon ewig auf der Blogroll und freue mich für sie - obwohl ich weiß, daß so ein Gewinn ein zweischneidiges Schwert sein kann.

Ich hab ja nach meinem Gewinn vor einem Jahr so getan, als wäre nichts gewesen. Ich weiß nicht mal, ob ich was dazu geschrieben habe. Mir wurde der Anstieg der Zugriffszahlen unheimlich, und als sie ebenso steil wieder abfielen, war die Botschaft überdeutlich: die meisten Neugier-Besucher waren enttäuscht und klickten nie wieder rein oder schnell wieder raus. Nicht sehr schmeichelhaft - obwohl verständlich.

Irgendwo habe ich noch die Graphik der Zugriffsstatistik in diesem irrsinnigen Monat November, steil ansteigend und fast ebenso steil wieder abfallend, die mir deutlich gezeigt hat, wie interessant ich wirklich bin - auf die Dauer nämlich nur für einen kleinen Leserkreis verträglich und für viele Neugierklicker einfach eine glatte Enttäuschung. Wenn ich diese Graphik finde, stelle ich sie hier mal rein…

Ich hab auch diese Gewinner-badge nie installiert (hätte gar nicht gewußt, wie) und mir war es teuflich unangenehm, so aus meiner ruhigen Ecke rausgezerrt zu werden. Ich habe ja die Neigung, wenn die Zugriffszahlen zu sehr in die Höhe schnellen, entweder gar nicht mehr zu bloggen oder nur noch über die Kinder und Katzen, damit Streithansel sich hier gar nicht erst wohlfühlen.

(Nein, nein, damit meine ich niemand bestimmtes, erst recht nicht meine Diskussionspartner, die ich schon kenne… sondern einfach nur diese Einmal-Besucher, die ihren Senf ablassen und nie mehr wiederkommen… die ich “Vorgartenpinkler im Vorübergehen” nenne… da diese Typen nie mehr wiederkommen, kann niemand, der mitliest, sich gemeint fühlen!)

Grundsätzlich finde ich, fürs Bloggen Preise zu verteilen, ist sowieso subjektiv und kann nicht viel über ein Blog aussagen. Bloggen ist ja keine Wettkampf-Sportart und kein Beliebtheitswettbewerb. Beim Bloggen hört man die ganz persönliche Stimme eines Menschen, und ebensowenig wie ich die liebsten Menschen in meinem Leben, die mit ihren Stimmen meinen inneren Chor bereichern, staffeln und bepreisen wollte, würde ich die Blogs, die mir lieb und wert sind, nach Qualität sortieren wollen. Na klar, besonders in stressigen Zeiten schält sich heraus, welche Stimmen mir lieb und unverzichtbar sind, welche ich seltener, dann aber mit besonderer Freude aufsuche, und welche mich freuen, auch wenn ich lange ohne sie auskomme.

Um überhaupt Qualität beurteilen zu können, muß man ja Maßstäbe haben, und solche Maßstäbe ergeben sich aus der Überlegung: was muß ein Blog leisten, welchen Charakter macht ein Blog aus, und in welchem existierenden Blog ist mein Ideal-Blog am überzeugendsten verkörpert? So wie man früher Skulpturen an Polykleitos und Praxiteles gemessen hat. Je praxitelischer, desto besser, fertig. Aber dann hat Giacometti keine Chance… und deswegen sind IMO Blogs viel zu quirky, um sie beurteilen, nach Güte staffeln und mit Preisen bedenken zu können.

Zugriffszahlen als Grundlage überzeugen mich ebenfalls nicht. Ich bin sicher, daß ich nicht die Einzige bin, die ihre Zugriffszahlen gern auf Mittelmaß sieht und deren inneres Thermostat bei steilem Anstieg sofort Blog-Abstinenz verordnet. Welche Themen muß man beackern, um hohe Zugriffszahlen zu bekommen? Klatsch, Tratsch, Pikantes? Oder pausenlose Nahost-Knechtsprügelei a la Backhorva? Oh, im Krieg hatte ich hohe Zugriffszahlen. Weder der Krieg selbst noch ein Teil der Kommentare zu der Zeit waren besonders erfreulich. Auf eine Wiederholung habe ich keine richtige Lust…

Ich weiß zwar, daß es die Deutschen Blogcharts gibt, aber die meisten Blogs da drin kenne ich gar nicht, hab sie nicht verlinkt, bin nicht bei ihnen verlinkt und ich guck sie nur an, wenn ich sie irgendwo erwähnt finde. Auch was die diversen Blog-Kriege angeht, bin ich vollkommen unbeleckt - da habe ich nichts mit zu tun. Wer politisch wie steht und mit wem aus welchen Gründen nie mehr sprechen würde, ich krieg es einfach nicht mit. Ich bin nicht in der coolen Blogger-Szene, so wie ich in der Schule auch nie in der coolen Clique war, sondern immer nur Einzel-Freundinnen hatte, mit denen ich ganz uncool über Bücher sprechen konnte. In meinem Alter ändert man sich nicht mehr.

Ich bin auch Lobeshymnen gegenüber mißtrauisch, in jedem Bereich meines Lebens. Von allen Kommentaren zu meinem Blog ist mir nur einer klar im Gedächtnis geblieben. Da schrieb jemand auf seinem eigenen Blog: die hätte den Preis für so ein banales Blog doch nie gekriegt, wenn sie nicht in Israel sondern in Deutschland wäre! Und ich fand, da war was dran. Ich wußte gar nicht so genau, als ich anfing zu bloggen, was für ein emotional geladenes Thema Israel für viele ist, ich habe aus Neugierde angefangen zu bloggen, und nicht um in Glaubenskriege verwickelt zu werden, und die für manche offensichtliche Brisanz wurde mir erst im Laufe der Zeit klar - man kann ja alles und jedes in einen Beweis für die Perfidie und Unmenschlichkeit Israels um-interpretieren, ein Blick in die Talkbacks bei Haaretz reicht, und man kriegt die Motten. Daß Leute das bei mir versuchen würden, hätte mir klar sein sollen.

Nein nein, mir war ganz recht, als das Interesse schnell abebbte, und ich habe nichts getan, um es am Laufen zu halten. (Mir hat aber auch niemand einen tollen Job oder die Hauptrolle in einem Hollywoodschinken angeboten…) Ich konnte das aber auch nicht so offen sagen, das wäre fies den Juroren gegenüber gewesen, die sich ja dabei was gedacht haben und deren Urteil ich nicht einfach abtun wollte - und die mit der Verleihung des Preises ja nicht beabsichtigt hatten, mich in Panikanfälle von Rampenlicht-Scheu zu versetzen! Ich habe also gar nichts gesagt, glaube ich. Es freut einen ja auch bei aller Rampenlicht-Phobie, anerkannt zu werden - auch wenn man selbst ganz anders urteilen würde.

Ein Blog ist ja keine akademische Arbeit, bei der man jedes Wort sorgsam wählt und sich ewig Gedanken macht, wie man nun alles zu perfektem Sitz zusammennäht. Beim Bloggen kommen auch sich verändernde, inkonsequente, emotional gefällte Urteile und Ansichten zum Ausdruck. In vielen Dingen schwanke ich ja oder fühle mich bei Zustimmung sofort zum Widerspruch gedrungen - Spuren meines Charakters, der sich in meiner Kleinkindzeit darin ausdrückte, daß man mich ins Bettchen STELLEN mußte, damit ich mich hinlege - hätte man mich reinGELEGT, wäre ich natürlich sofort aufgestanden.

Ich schreibe spontan, aber eigentlich ist es schade, daß ich mir manche Post verkneife, weil ich keine Lust auf “Beifall aus der falschen Ecke” habe. Es ist auch so schwierig, nicht mißverstanden zu werden - ein einzelner Eintrag ist ja so leich mißverständlich, weswegen mich manchmal die Lust verläßt, jemandem zu antworten, der nur einen einzigen Eintrag gelesen hat, darauf vehement reagiert und die wildesten Schlußfolgerungen über mich, meine Weltanschauung und meinen politischen Standpunkt zieht.

Ja, für mich war dieser Gewinn ein zweischneidiges Schwert, cherev pipiot, wie fast alles im Leben. Ich bin nun beruhigt, daß diese Krone an Christiane weitergewandert ist, die sie mit mehr Grazie als ich wird tragen können.